Über Markus

Dr. Markus Till ist der Autor des Blogs und des gleichnamigen Glaubenskurses „Aufatmen in Gottes Gegenwart“ und zudem als Musiker und Liedautor aus „Feiert Jesus“ bekannt.

Links oder rechts? Was sollten Christen wählen?

Deutschland wohin? Gedanken zur Bundestagswahl 2017 (Teil 1)

Die christliche Botschaft hat zunächst einmal nichts mit Politik zu tun, denn das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt. Aber als Bürger unseres Landes und als gute Demokraten sollten auch Christen sich mit Politik befassen und gründlich überlegen, welcher Partei man seine Stimme geben möchte. Ein Wahl-o-mat kann dabei helfen. Aber es macht Sinn, sich auch noch ein wenig tiefgehender mit der Frage zu beschäftigen: Welches Gedankengut steckt eigentlich hinter diesen politischen Strömungen, die man im Allgemeinen als „links“ und „rechts“ bezeichnet?

Linke Politik vertraut auf das Gute im Menschen

Viele Positionen linker Parteien zeigen: Linke Politik geht sehr stark davon aus, dass der Mensch im Kern gut ist und nur durch Ungerechtigkeit und negative Einflüsse böse wird. Deshalb setzt sich linke Politik ganz besonders dafür ein, alle Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Durch höhere Steuern und starke Sozialsysteme soll das Geld kräftig von den Reichen zu den Armen umverteilt werden. Einheitliche, kostenlose Bildungssysteme und notfalls auch Quotenregelungen sollen zur Angleichung der Lebensumstände von Menschen unterschiedlichen Bildungsstands, Geschlechts, sexueller Orientierung und kulturellem Hintergrund führen. Gesellschaftliche Schichten (Arbeiter, Akademiker, Führungselite etc.) sollen dadurch mindestens wesentlich durchlässiger, idealerweise ganz aufgelöst werden. Kriminalität und soziale Spannungen werden eher auf mangelhafte Chancengleichheit zurückgeführt, statt die individuelle Verantwortung des Einzelnen zu betonen. Nicht das Fordern wird betont sondern die Notwendigkeit staatlicher Förderung und die freie Entfaltung des Individuums. Im Extrem führt linkes Denken zum Traum von einem Staat, in dem Allen Alles gleichermaßen gehört (Kommunismus) und der nicht mehr durch Gesetze, Polizei und Armee kontrolliert werden muss (Anarchie).

Rechte Politik rechnet mit dem Bösen im Menschen

Rechte Positionen rechnen viel eher damit, dass der Mensch im Kern auch etwas Böses in sich trägt, das unabhängig von den Umständen zu Egoismus, Aggression und Faulheit neigt. Rechte Politik geht davon aus, dass Menschen aktiv gelockt (Karriere, Gehalt, Status, Steuervorteile) und mit Druckmitteln (z.B. Noten, Versetzungsdruck, gelockerter Kündigungsschutz etc.) angespornt werden sollten, Leistung zu bringen und Verantwortung für Andere zu übernehmen (z.B. für eine Familie mit Kindern oder für einen Betrieb), weil sie es von sich aus nur mangelhaft täten. Der Staat sollte Ungleichheiten nicht übermäßig ausgleichen, denn „Leistung muss sich lohnen“. Die soziale Marktwirtschaft ist mehr noch als der pure Kapitalismus die konsequente Antwort auf dieses kritische Menschenbild, weil sie berücksichtigt, dass auch Unternehmer letztlich Egoisten sind, die ihre Arbeitnehmer hemmungslos ausbeuten würden, wenn man sie nur ließe. Natürlich sind eine starke Polizei und Armee bei diesem Menschenbild absolut unverzichtbar, um die nationale und internationale Ordnung aufrecht zu erhalten.

Welche Politik ist die richtige?

Die Bibel hat ein klares Votum zu der Frage, ob der Mensch im Kern gut oder böse ist: “Die Gedanken und Taten der Menschen schon von Kindheit an böse.” (1. Mose 8, 21) Fakt ist: In der Praxis konnten sich kommunistische und anarchistische Sozialutopien noch nie bewähren, im Gegenteil: Immer sind sie in schlimme Diktaturen umgekippt. Aber auch die sanfteren Formen linker Politik sind nicht ohne Folgen. Viele Experten sind der Meinung, dass der aktuelle wirtschaftliche Erfolg Deutschlands stark auf der Agenda 2010 basiert, in der Gerhard Schröder neben dem Fördern auch das Fordern deutlich stärker in den Mittelpunkt gestellt hat – eigentlich eine typisch rechte Position. Inzwischen ist nicht nur die SPD wieder deutlich nach links gerückt. Bei den meisten Parteien ist ein Bestreben sichtbar, die damalige Agendapolitik wieder in Richtung eines stärkeren Sozialstaats zu ändern. Der Linksruck ist auch in der Bildungspolitik sichtbar, in der der Trend zur Einheitsschule und zur Absenkung des Leistungsniveaus immer deutlicher wird. Er zeigt sich auch im offenbar mangelhaften Bewusstsein der Notwendigkeit einer starken Polizei und Armee, denn alle Regierungen haben hier in den vergangenen Jahren erheblich eingespart. Auch die Naivität im Umgang mit antidemokratischen und antisemitischen Tendenzen bei muslimischen Einwanderern in der Flüchtlingskrise ist ein Symptom davon. Nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein zu lascher Staat zu gefährlichen und kriminellen Parallelgesellschaften führt. Das jüngste Beispiel für den Linkstrend ist die sog. “Ehe für Alle”: Während die Verfasser des Grundgesetzes noch die Ehe aus Mann und Frau als kinderzeugende Verantwortungsgemeinschaft und als Keimzelle der Gesellschaft besonders fördern wollten wird jetzt vor allem dem Wunsch nach freier individueller Lebensgestaltung Rechnung getragen.

Woher kommt der Linkstrend in der Politik?

Umfragen haben gezeigt, dass die meinungsbildenden politischen Journalisten in großer Mehrheit stark links orientiert sind. Das übt natürlich einen erheblichen Druck auf die Politik aus und hat zu der eigenartigen Entwicklung beigetragen, dass das Wort „links“ heute eher modern und menschenfreundlich klingt während „rechts“ eher mit Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus assoziiert wird. Dabei hat die Geschichte vielfach gezeigt, dass äußerst linke Politik genauso gefährlich ist wie äußerst rechte Politik und dass extrem linke und rechte Politik sich auf bizarre Weise angleicht („Querfront“). Besonders brisant ist, dass auch am linken politischen Rand Gewalt als Mittel des politischen Kampfes entschuldigt oder sogar offensiv gerechtfertigt wird. Wer jedoch von einem negativen Menschenbild ausgeht muss jegliche Gewalt, die nicht rechtsstaatlich kontrolliert wird, unter allen Umständen strikt ablehnen.

Muss christliche Politik nicht der Bergpredigt folgen?

Aber müssten Christen nicht zwangsläufig eine Politik unterstützen, die Jesu Forderungen nach Barmherzigkeit, Nächsten- und Feindesliebe besonders betont? Sollten Christen somit nicht viel eher einer linken Politik mit starkem Sozialstaat, bedingungslos offenen Grenzen und gewaltfreien Ordnungsmächten das Wort reden?

Zunächst einmal müssen wir verstehen, dass die Bibel dem Staat und der Kirche 2 grundsätzlich verschiedene Rollen zuweist: Die Bergpredigt ist an die Kirche gerichtet. Polizisten und Soldaten hingegen können und dürfen ihren Feinden nicht die andere Wange hinhalten. Gott hat ihnen das „Schwert“ in die Hand gegeben, um Ordnung zu schaffen (Römer 13, 1-7). Das Neue Testament kennt sehr wohl auch das Leistungsprinzip: “Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen” (2. Thess. 3, 10). Es überrascht deshalb nicht, dass traditionell eher das rechte Parteienspektrum (also CDU/CSU) den Bezug zum christlich-/biblischen Erbe besonders betont.

Neben der Bergpredigt gibt es eine Reihe anderer biblischer Aussagen, die Christen bei der Suche nach der richtigen Partei berücksichtigen sollten:

  • Ehrfurcht vor Gott! Der Gottesbezug in der Verfassung und im Eid, den unsere Politiker ablegen, ist von großer Bedeutung.
  • Weitere Wegweiser aus den 10 Geboten, z.B. Sonntagsschutz, Lebensschutz, keine Neiddebatten.
  • Der respektvolle Umgang mit den Fremden, mit den Armen und den Benachteiligten („Witwen und Waisen“) war für Gott schon immer wichtig.
  • Die wertschätzende Haltung zu den Juden und zu Israel!
  • Da im biblischen Menschenbild ALLE Menschen gleichermaßen etwas Böses in sich tragen ist ideologische, nationale oder gar rassische Überheblichkeit mit der Bibel unvereinbar.

Wo Politik meint, diese und weitere biblischen Werte nicht zu brauchen und sich vor Gott nicht verantworten zu müssen, droht immer ein Abgleiten in Populismus, gewissenloses Machtstreben, dümmliche schwarz-weiß-Propaganda auf Kosten der Wahrheit bis hin zu Rassismus, Antisemitismus (oft als Israelkritik getarnt), fehlender Achtung vor dem Leben (insbesondere vor dem werdenden und dem sterbenden) und ein Zerfall der Diskussionskultur (z.B. durch vorschnelle Stigmatisierung mit der Nazi- und Rassismuskeule). Das gilt für das linke genauso wie für das rechte politische Spektrum.

Der indische Autor Vishal Mangalwadi hat mit seinem „Buch der Mitte“ eindrücklich nachgewiesen: Wenn wir unser christliches Erbe aufgeben, wird weder linke noch rechte Politik uns helfen können, weil eine rein humanistische, gottlose Ethik keine Stabilität schaffen kann. Unser Staat braucht zwingend die Verankerung in einer orientierungsgebenden biblischen Wahrheit, die über dem Zeitgeist und philosophischen Strömungen steht. Noch profitieren wir davon, dass unsere Verfassung, unser Grundgesetz sowie unsere soziale Marktwirtschaft in phantastischer Weise das biblische Menschenbild und die biblischen Werte berücksichtigen. Unsere Verfassung garantiert, dass niemand unkontrollierte Macht bekommt und dass niemand Andere ausbeuten kann. Christen, die der Bibel vertrauen, können deshalb gar nicht anders als überzeugte Demokraten und Fans unserer Verfassung sein. Auch wenn die Kirche Jesu nicht primär einen politischen Auftrag hat: Als Nachfolger Jesu dürfen und sollen wir nach Kräften mithelfen, „der Stadt Bestes“ zu suchen, indem wir für unser Land beten. Und wir sollen Salz und Licht sein, indem wir uns und unsere Meinung konstruktiv einbringen und als überzeugte Demokraten diesen Staat nach Kräften unterstützen.

Teil 2: Kann man als Christ die AfD unterstützen?

Mehr dazu:

Kann man als Christ die AfD unterstützen?

Deutschland wohin? Gedanken zur Bundestagswahl 2017 (Teil 2)

Ich kann nachvollziehen, warum einige Christen dieser Tage dazu aufrufen, keinesfalls die AfD zu unterstützen. Die „Dresdner Rede“, in der Björn Höcke eine Abkehr von der Erinnerungskultur an die deutschen Verbrechen an den Juden gefordert hat, war in erschreckendem Ausmaß rechtsextrem. Zwar gibt es jetzt ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn, aber führende AfD-Vertreter wie Gauland oder Meuthen haben sich gegen den Parteiausschluss ausgesprochen und sogar erklärt, dass Höcke “zur Seele der Partei gehöre”. Solange nicht absehbar ist, wie einflussreich die rechtsextremen Kräfte in der AfD noch werden, finde ich eine grundlegende Skepsis gegenüber dieser Partei verständlich. Für mich persönlich kommt deshalb eine Wahl der AfD nicht in Frage.

Trotzdem wundere ich mich über die Einseitigkeit vieler Kommentare. Denn der Zusammenhalt und die Stabilität unserer Gesellschaft wird ja nicht nur durch Rechtsextremismus gefährdet sondern durch eine ganze Reihe weiterer Faktoren:

  • Linksextremismus
  • Islamismus bzw. der politische Islam
  • Antisemitismus
  • Terrorismus
  • Schwächung unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands
  • Schwächung der Familie, der Keimzelle unserer Gesellschaft
  • Schwächung von Mitgefühl und Empathie (z.B. durch Auflösung der Mutter-Kind-Bindung, Tötung von Ungeborenen im Mutterleib, schrankenlose Pornografie und Prostitution)
  • Auflösung der gemeinsamen Wertebasis

Welche dieser Faktoren sich am Ende als besonders gefährlich (vielleicht sogar weit gefährlicher als Rechtsextremismus) erweisen, ist aktuell m.E. vollkommen offen. Weltweit werden Demokratien zur Zeit durch Islamismus (Türkei) und Linksextremismus (Venezuela) gekippt. Womöglich ist es aber auch vor allem die Kombination mehrerer Faktoren, die unserer Gesellschaft gefährlich werden könnte. Die große Frage, die sich jeder (christliche) Wähler stellen sollte, ist deshalb: Welche Partei ist insgesamt für unsere Gesellschaft am gefährlichsten, weil sie naiv mit diesen Gefahren umgeht oder sie sogar offen fördert? Und welche Partei ist wohl der größte Stabilitätsfaktor, weil sie diese Gefahren am klarsten anspricht und bekämpft? Dazu ein paar subjektive Denkanstöße:

  • In der Partei ‘Die Linke’ gibt es deutliche Sympatie für linksextreme Posititionen und Verbindungen in die linksextreme Szene hinein. Auch die grüne Jugend hat sich mit der jüngst verbotenen linksradikalen Internetszene solidarisch erklärt.
  • Bis zum Hamburger G20-Gipfel war es völlig normal, dass Linke, Grüne, Sozialdemokraten, Gewerkschaften, ja sogar kirchliche Organisationen bei den sog. Antirassismus- oder Anti-Globalisierungsdemonstrationen Seit an Seit mit linksradikalen, gewalttätigen „Antifaschisten“ marschiert sind. Auch die vielen antidemokratischen Umtriebe der Antifa (Anschläge auf konservative Politiker, Bedrohung von Gastwirten, die AfD-Veranstaltungen ausrichten, Zerstörung von Wahlplakaten etc.) werden kaum kommentiert, wie selbst die FAZ moniert.
  • Es war Angela Merkel, die im Beisein eines türkischen AKP-Ministers (!) erklärt hat, dass der Islam zu Deutschland gehöre (ohne näher zu definieren, welchen Islam sie damit meint) und die den Pakt mit Erdogan vorangetrieben hat. Die teils aus der Türkei und Saudi-Arabien finanzierten Islamverbände wurden von allen Parteien außer der AfD lange Zeit hofiert und (sogar von der EKD) zum Islamunterricht in deutschen Schulen eingeladen. Bis heute werden selbst liberale Muslime immer wieder mit der Islamophobiekeule ins Abseits getrieben, wenn sie sich kritisch zu den antidemokratischen, antisemitischen und menschenrechtsfeindlichen Tendenzen im Islam äußern.
  • Alle Parteien bis hin zu Teilen der CDU haben mit der sog. „Ehe für Alle“ das jahrtausendealte Ehebild als lebenslanger Treueverbindung eines Mannes und einer Frau aufgelöst. Es war zudem die CDU-Frau Ursula von der Leyen, die initial den massiven Ausbau der Fremdbetreuung von Kindern vorangetrieben hat mit dem Resultat, dass heute die Kinder immer früher und länger von der Mutter weggerissen werden mit allen Folgen, die Bindungsforscher dadurch für die emotionale Gesundheit von Kindern befürchten. Die AfD ist nach meiner Kenntnis die einzige Partei, die offen dafür eintritt, Vollzeitmütter zu unterstützen und das Steuersystem so zu gestalten, dass Familien mit 1 Gehalt auskommen können. Das von linken Politikern als “Herdprämie” denunzierte Betreuungsgeld der CSU wurde auch für die CDU kein Herzensanliegen.
  • Die AfD ist die einzige Partei, die sich klar gegen eine Indoktrination durch die Ideologie der sexuellen Vielfalt im Zusammenhang mit dem Gender Mainstreaming ausgesprochen hat. In Hessen hingegen hat auch die CDU die Forderung nach Akzeptanz sexueller Vielfalt (sogar gegen das Votum des Landeselternbeirats) durchgedrückt. Die AfD ist auch die einzige Partei, die sich klar gegen Abtreibung ausgesprochen hat. Die FDP hingegen hat sich in ihrem Programm sogar für die Freigabe von Leihmutterschaft ausgesprochen, einem absolut menschenverachtenden Geschäft.
  • Es war Angela Merkel, die unter dem Beifall von SPD, Grünen und Linken mehrere Monate lang die Grenzen völlig geöffnet hat (mit der seltsamen These, man könne Grenzen nicht schützen), ohne zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen zu unterscheiden. Die massiven, damals allgemein völlig unterschätzten Folgen (Anwachsen von Islamismus, Antisemitismus, Terrorismus, Überlastung des Sozialsystems) sind noch gar nicht absehbar.
  • Nachdem die fürchterlich schlecht organisierte Energiewende unsere einst florierenden Energiekonzerne an den Rand des Ruins getrieben haben bedroht nun die oft weitgehend faktenfreie Dämonisierung des Verbrennungs- und v.a. des Dieselmotors unsere Autoindustrie und damit einen Hauptfaktor unseres Wohlstands. Inzwischen haben die Grünen ein baldiges Ende des Verbrennungsmotors sogar zur Koalitionsbedingung gemacht.

Diese wenigen subjektiven Gedanken können vielleicht deutlich machen: In der Gesamtsicht ist die Frage, welche Partei die Stabilität unserer Gesellschaft am meisten gefährdet, gar nicht so leicht zu beantworten. Fakt ist: JEDE Partei hat sich in Bezug auf eine oder mehrere dieser Gefahren als mindestens äußerst naiv erwiesen oder sie sogar aktiv gefördert. Deshalb muss sich jeder selbst ein Bild machen und entscheiden, welche Wahlentscheidung man am ehesten verantworten kann. Und natürlich müssen Christen überlegen, welche Partei am ehesten das biblische Menschenbild berücksichtigt und darauf basierend eine erfolgversprechende Politik gestalten wird (siehe Teil 1 dieses Artikels).

Sind Kleinparteien eine Alternative? Unser Parteiensystem ist schon jetzt wesentlich zersplitterter als noch vor einigen Jahren, was Koalitionen immer komplizierter macht. Und es verwischt die Unterschiede zwischen den Parteien, weil letztlich jede Partei bereit sein muss, mit fast jeder Partei zu koalieren, um funktionierende Regierungen zu ermöglichen. Deshalb würde ich hinter den Versuch, eine neue, christlichere Partei über die 5%-Hürde zu pushen, zumindest ein Fragezeichen machen, zumal die Christen in Deutschland politisch gesehen äußerst unterschiedlich ticken und deshalb bislang leider auch keine politische Kraft entwickeln.

Gar nicht wählen wäre definitiv die schlechteste aller Alternativen. Christen haben die Pflicht, unsere Demokratie zu stärken, indem sie zur Wahl gehen und im Vorfeld sich für einen sachlichen Diskurs einsetzen.

Es gibt unter den Parteien keinen Heilsbringer. Ich freue mich deshalb über jeden Christen, der sich in einer Partei für christliche / biblische Werte einbringt. Es wäre doch schön, wenn Christen in der AfD dafür sorgen könnten, dass die Rechtsextremen nicht die Oberhand gewinnen. Und es wäre schön, wenn Christen bei den Grünen, in der SPD oder in der CDU dafür sorgen könnten, dass der naive Umgang mit Islamismus, Linksextremismus sowie der ehe- und familienfeindliche Kurs beendet wird. Schön wäre es auch, wenn wir Christen Vorbilder darin wären, unterschiedliche politische Positionen stehen zu lassen, sachlich und respektvoll zu diskutieren und lernen „wie man streiten und sich dennoch lieben kann.“ (Manfred Siebald) Denn das macht doch echte Demokraten aus und sollte umso mehr für Christen selbstverständlich sein.

Und besonders wichtig ist es in diesen Tagen, dass Christen außer ihrer Wählerstimme noch ihren direkten Draht in die absolute Schaltzentrale der Macht nutzen und ihre Gebete für unser Land vor Gottes Thron bringen. Gebet für unsere Politiker und für eine Erweckung und Reformation der Kirche Jesu, die als Salz und Licht in der Gesellschaft dringend benötigt wird, ist heute nötiger denn je.

Zum Teil 1 dieses Artikels: Links oder Rechts? Was sollten Christen wählen?

9 vergessene biblische Basics

Warum die Kirche keine neuen Ideen braucht, um gesund zu werden

Kaum eine Kirche hat so viele Bibeln, Bücher und Theologen wie die Kirche in Deutschland. Trotzdem ist sie krank. Nicht weil ihr theologische Spezialkenntnisse fehlen, sondern weil sie einige der grundlegendsten und zentralsten Aussagen der Bibel vernachlässigt:

  1. Das Reich Gottes ist DAS Thema des Neuen Testaments. Jesu Reden hatten das Ziel, den Menschen „das Reich Gottes begreiflich zu machen“ (Matth. 22, 1). Er lehrte uns beten: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe.“ Damit stellte er klar: Wer zu diesem Reich gehören will muss sich dem Willen Gottes unterordnen. Es geht um einen Herrschaftswechsel! Reden wir wieder darüber, damit die Kirche ihren Auftrag wahrnimmt, das Evangelium vom Reich Gottes in die ganze Welt zu tragen – bis alle Völker es gehört haben (Matth. 24, 14).

  2. Gottesfurcht ist kein Spezialthema für Superfromme sondern die Basis aller Weisheit und Erkenntnis (Spr. 9, 10). Gott ist kein netter Opa, der unsere Fehler weglächelt. Er sitzt nicht in einem Schaukelstuhl sondern auf einem Thron. Er ist ein verzehrendes Feuer mit Macht über ewiges Leben und ewigen Tod. Reden wir wieder darüber, dass wir einen eifersüchtigen Gott haben, dem allein alle Ehre gehört und vor dem sich eines Tages jedes Knie Tages beugen wird. Wohl uns, wenn wir jetzt schon damit anfangen. Wehe uns, wenn wir sein Wort nach unserem Gusto verkürzen, ergänzen oder uminterpretieren (Offb. 22, 18-19).

  3. Ein reines Herz und ein gutes Gewissen war für Paulus das Wichtigste, was er mit seinem Dienst hervorbringen wollte (1. Tim. 1, 5): „Das Ziel meiner Unterweisung ist, dass alle Christen von der Liebe erfüllt sind, die aus einem reinen Herzen kommt, aus einem guten Gewissen und aufrichtigem Glauben.“ Petrus sah die Taufe als eine Bitte um ein reines Gewissen (1. Petr. 3, 21). Als David sich seiner Schuld bewusst wurde betete er: „Schaffe in mir ein reines Herz!“ (Ps. 51, 12) Höchste Zeit, dass auch wir wieder so beten und über die Wichtigkeit eines reinen Gewissens sprechen, um Gott begegnen (Ps. 24, 3+4), zuversichtlich beten (1. Joh. 3, 21) und wie David mutig handeln zu können.

  4. Buße: In Hebr. 6, 1 ärgert sich der Briefschreiber, dass er die Christen immer wieder über das Basis-Einmaleins des Glaubens aufklären muss, beginnend mit: Buße – der Umkehr von den toten Werken. Nicht nur Johannes der Täufer, auch Jesus begann seine Predigt mit dem Ruf: Tut Buße (Matth. 4, 17)! Deshalb hat die Kirche auch heute nicht das Recht, den Menschen nach dem Mund zu reden. Sprechen wir stattdessen wie Jesus und die ersten Christen wieder über die Notwendigkeit, von falschen Wegen umzukehren.

  5. Der alte und der neue Mensch: Christwerden bedeutet nicht, die Bibel für wahr zu halten oder den ethischen Kompass zu ändern. Christ werden wir, indem unser alter Mensch am Kreuz mit Christus stirbt (Röm. 6, 6+7) und durch den Heiligen Geist erneuert wird (Röm. 8, 1-17). Wer nicht von neuem geboren wird kann nicht ins Reich Gottes kommen (Joh. 3, 3-5)! Also reden wir wieder darüber: Auf dem Weg des Lebens gibt es keine Abkürzung am Kreuz vorbei und keine Alternative zur Kraft des Heiligen Geistes.

  6. Geld: Jesus hat mehr über Geld und Besitz gesprochen als über Glaube und Gebet zusammen. 16 seiner 38 Gleichnisse befassen sich damit. Er hat gesagt: Gott UND dem Geld dienen ist unmöglich (Mt. 6, 24). Ganz offensichtlich gab es für Jesus keine größere und gefährlichere Versuchung als die Verlockung des Geldes. Auch Paulus hatte keine Scheu, sich 2 lange Kapitel mit Geld zu befassen (2. Kor. 8+9). Warum sprechen wir dann ausgerechnet in dem Land, in dem es Geld im Überfluss gibt, fast nie über dieses zentrale biblische Thema?

  7. Gericht und ewige Gottesferne sind Realitäten, vor denen gerade Jesus selbst uns wieder und wieder gewarnt hat. Das Evangelium ist eine Frohbotschaft, nicht weil es die Realität der Hölle ausblendet sondern weil es uns vor ihr rettet! Wenn unser Meister so viel darüber gesprochen hat sollten auch wir darüber reden: Das wichtigste im Leben ist, dass unser Name im Buch des Lebens steht (Luk. 10, 20; Offb. 20, 11-15), weil wir durch Christi Blut im Gericht gerecht gesprochen werden (Röm. 5, 9) und in Ewigkeit bei Gott sein dürfen statt ewig von ihm getrennt zu sein. DAS ist am Ende entscheidend!

  8. Predigt und Gebet waren DIE Hauptprioritäten der urchristlichen Gemeindeleiter. Organisatorische Aufgaben delegierten sie lieber schnell an Andere, damit ihnen dafür genügend Zeit bleibt (Apg. 6, 1-4). Während uns Predigten auch heute noch wichtig sind ist das Gebet in unserer Prioritätenliste leider weit nach hinten gerutscht. Dabei hat Paulus hat fast penetrant betont: Dankt und betet allezeit, beharrlich und ohne Unterlass. Die zahlreichen biblischen Verheißungen über Gebet sollten uns klar machen: Wir haben nicht, weil wir nicht bitten (Jak. 4, 2). Reden wir darüber, damit eine neue Gebetskultur gedeihen kann.

  9. Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Kraft war für Jesus das wichtigste aller Gebote (Mark. 12, 28-30). Zwar ist auch heute in der Kirche viel von Liebe die Rede. Aber so oft geht es nur um die Liebe zu Menschen. Eine Kirche, die die Liebe zu Gott vernachlässigt, verliert bald auch alles andere (Offb. 2, 4-5). Reden wir wieder darüber, was es bedeutet, Gott zu lieben und wie wir diese Liebe im Alltag praktisch leben und lebendig halten können.

Die Bibel ist in ihren wichtigen Aussagen sehr klar und einfach zu verstehen. Die Kirche braucht keine neuen Ideen oder Spezialerkenntnisse. Wir müssen ganz einfach das leben und in die alltägliche Praxis umsetzen, was ganz offensichtlich im Zentrum der biblischen Botschaft steht. Dann wird die Kirche gesund.

Vertiefend dazu:

Zu 1 “Das Reich Gottes”:
These 15: Die Kirche verkündigt das Evangelium vom anbrechenden Reich Gottes!

Zu 2 “Gottesfurcht”:
Ein Freund! Ein guter Freund…? Ist eine Freundschaft mit Gott möglich?

Zu 3 “Ein reines Herz”:
Ein reines Herz – Warum ein reines Gewissen so wichtig ist
Dem Vater in die Augen schauen – Wie wir ein reines Herz gewinnen können
(AiGG-Buch Kap. 5)

Zu 4 “Buße”:
Schenk uns Buße! Umkehren auf den Weg in die Freiheit
Change! Ein Plädoyer für eine Kirche mit Profil
These 22: Die Kirche darf nicht Gnade predigen ohne auch zur Buße zu rufen!
Raus aus der Sackgasse – Umkehr zu Heilung und Leidenschaft (AiGG-Buch Kap. 6)

Zu 5 “Der alte und der neue Mensch”:
Warum das Kreuz? Die Mitte der Heilsbotschaft für die ganze Menschheit
Am Scheideweg – Befreit durch das Kreuz und verwandelt durch Gnade (AiGG-Buch
Kap. 7)

Erfüllt! Der Heilige Geist macht den Unterschied
Energiewende – Leben aus einer neuen Kraftquelle (AiGG-Buch Kap. 8)

Zu 6 “Geld”:
These 85: Die Kirche muss lernen, fröhlich zu geben und Gott zu vertrauen!
These 86: Gott und nicht das Geld muss die Kirche leiten!

Zu 7 “Gericht und ewige Verdammnis”:
These 23: Die Kirche hat den Auftrag, das Gericht für alle Menschen anzukündigen!
These 24: Die Kirche darf nicht verschweigen, dass es eine ewige Verlorenheit gibt!

Zu 8 “Predigt und Gebet”:
These 39: Wortverkündigung und Gebet sind die Hauptaufgaben von Kirchen- und
Gemeindeleitern!
Den schlafenden Riesen wecken Von der ungeheuren Kraft des Gebets
Feiern und Beten in Gottes Gegenwart (AiGG-Buch Kap. 11)

Zu 9 “Gott lieben”:
Woran die Kirche krankt – und welche Medizin WIRKLICH hilft
1000 mal gehört – 1000 mal ist nix passiert… Wie Gottes Liebe erlebbar wird

Mein Bruder: Mein Gott!?

Niemand kennt meine Schwächen und Fehler so gut wie meine Frau, meine Kinder, meine Eltern und meine Geschwister. Sie haben alle meine großen und kleinen Katastrophen live miterlebt. Sie haben darunter gelitten, wenn ich schusselig, vergesslich, faul, schlecht gelaunt, unordentlich, arrogant, egoistisch oder ängstlich war. Mein großes Glück ist: Sie lieben mich trotzdem! Aber was würde geschehen, wenn ich ihnen ab sofort erzählen würde, dass ich in Wahrheit ihr Gott und der Erlöser der ganzen Menschheit bin? Zuerst würden sie sich über mich lustig machen. Dann würden sie mich vermutlich zum Psychiater schicken – zur Not mit Zwangseinweisung.

Schon Jesus hat erlebt: Das Prinzip, dass ein Prophet nichts gilt im eigenen Land, gilt in der eigenen Familie potenziert (Matthäus 13, 57). Fremden Leuten kann man vielleicht etwas vormachen, aber den nächsten Verwandten auf keinen Fall. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein normaler Mensch jemals seine Familie davon überzeugen könnte, dass er nicht von dieser Welt ist.

Umso erstaunlicher ist deshalb, was der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus etwa im Jahr 93 n.Chr. über Jakobus, den leiblichen Bruder von Jesus, geschrieben hat:

„Er (d.h. der Hohepriester Hannas) versammelte den Hohen Rat zum Gericht und stellte vor diesen den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.“

Jakobus war in Jerusalem bekannt als einer der Hauptleiter der dortigen urchristlichen Gemeinde (Gal. 2, 9). Josephus berichtet hier, wie Jakobus im Jahr 62 n.Chr. für seinen Glauben hingerichtet wurde. Das führt uns direkt zur großen 1-Million-Euro-Frage:

Wie um alles in der Welt hat Jesus es geschafft, seinen kleinen Bruder Jakobus derart felsenfest davon zu überzeugen, dass er Gottes Sohn und der Retter der gesamten Menschheit ist?

Laut Wikipedia beantworten die meisten Gelehrten diese Frage wie folgt: „Im Hinblick auf 1. Korinther 15, 7 wird zumeist angenommen, dass Jakobus nach einer Auferstehungserscheinung zum Glauben gekommen ist.“ Hm, da frage ich mich: Wenn Jesus nur ein Mensch war, was für eine „Erscheinung“ könnte das dann gewesen sein? Die Theorie, dass „Visionen“ zum Glauben an die Auferstehung führten, ist schon bei den Jüngern Jesu extrem abenteuerlich. Aber bei Jakobus ist das noch einmal eine andere Nummer: Schließlich hatte er als Kind noch mit Jesus gespielt. Wahrscheinlich ist, dass er zumindest immer wieder auch ziemlich genervt war von ihm (so wie auch seine Eltern). Kein Wunder also, dass Jakobus zu Jesu Lebzeiten kein Nachfolger von Jesus wurde (siehe z.B. Joh. 7, 5). Und obwohl Jesus dann auch noch den verfluchten Tod am Kreuz starb soll eine „Erscheinung“ ihn plötzlich so umgedreht haben, dass er begann, seinen ehemaligen Spielkameraden als Gott und Messias anzubeten, Lieder zu ihm zu singen, erfolgreich trotz größter Widerstände eine Gemeinde zu seinen Ehren zu bauen und schließlich für den Glauben an ihn in den Tod zu gehen??

Ich will ganz offen sein: Dass “Erscheinungen” so etwas bewirken können kann glauben wer will, ich kann es nicht. Alles andere als eine echte, reale Begegnung mit dem von den Toten auferstandenen Jesus taugt nicht einmal ansatzweise, um einen derart drastischen Sinneswandel logisch nachvollziehbar erklären zu können.

Flavius Josephus war kein Freund des Christentums. Aber auch wenn er es ganz sicher nicht wollte: Mit seinem kleinen Bericht über Jakobus hat Josephus einen der stärksten außerbiblischen Beweise für die Wahrheit des Christentums geliefert, die wir kennen.

Siehe auch:

Was nun, Kirche?

Kann so ein Buch Mut machen?

„Ich möchte in schwierigen Zeiten Mut machen.“ 1 So beginnt das neue Buch von Ulrich Parzany, das von Vielen doch eher als bedrohlich und spalterisch statt als Mutmacher empfunden wird. Doch Parzany bleibt dabei: „Ich schreibe gegen Resignation. Ich will zeigen, wie in den Landeskirchen die Gemeinde des Jesus Christus gebaut und gesammelt wird und werden kann.“ 1 Ob Parzany wohl halten kann, was er sich da vorgenommen hat?

Um dem Patient Kirche zu helfen hält Parzany eine schonungslos ehrliche Diagnose für unumgänglich. Seine herausfordernde Hauptdiagnose lautet:

»Die Krise der Kirchen ist im Kern eine Krise der Verkündigung. Und die Krise der Verkündigung ist dadurch entstanden, dass das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden ist.« 2 »Die Bibelkritik ist der Krebsschaden der Kirche.« 3

Damit wendet sich Parzany ausdrücklich nicht gegen eine historische Erforschung der Bibel, denn „zum Verständnis der biblischen Texte ist es hilfreich, die historischen Zusammenhänge so gut wie möglich zu kennen.“ 4 Es geht Parzany auch nicht darum, einer bestimmten Bibelauslegung ein Wahrheitsmonopol zuzuschreiben, im Gegenteil: Als Mann der evangelischen Allianz, der schon viele überkonfessionelle Großveranstaltungen mitgestaltet hat, zeigt Parzany eine große Weite und wirbt für Vielfalt: „Pluralität ist purer Reichtum.“ 5 „Ich war und bin der Meinung, dass wir Christen gemeinsam öffentlich zu Jesus und in seine Nachfolge einladen sollen, auch wenn wir in einigen Fragen unterschiedliche Lehren vertreten. Das betrifft zum Beispiel die Frage der Taufe, der Gemeindeformen, der Art und Weise, wie wir den Heiligen Geist erfahren. Wenn es allerdings um das Evangelium von Jesus geht, darf es keine Kompromisse geben.“ 6

Keine Kompromisse, wenn es um das Evangelium geht! Als Evangelist macht Parzany deutlich, warum ihm das so wichtig ist: „Es geht nicht um Rechthaben, sondern um Rettung.“ 7 „Nur das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Bibel bezeugt wird, kann das Leben der Menschen und die Kirchen erneuern.“ 8 In dieser Haltung fühlt sich Parzany von Paulus bestärkt, der sich diesbezüglich ja sogar noch deutlich schärfer ausgedrückt hat (Gal. 1, 8-9!). Deshalb „muss die Grundfrage nach der Autorität der Heiligen Schrift geklärt sein: Die Bibel ist Gottes Wort, sie ist Urkunde der Offenbarung Gottes. Eine Kirche, die das nicht mehr bekennt, erledigt sich selber.“ 9

Auch wenn (oder vielleicht gerade weil) Parzany nicht in erster Linie ein theoretischer Akademiker ist, sind seine Ausführungen über die Entwicklungen in der Hermeneutik (die Lehre über das Verstehen und Auslegen der Bibel) von der Reformation bis heute äußerst aufschlussreich. Hatte Luther die Bibel noch als „Königin“ bezeichnet, so sagt die EKD heute offen, dass sie die Bibel nicht mehr als Wort Gottes versteht10. Parzany weist nach, wie dadurch sämtliche reformatorische Grundsätze (Allein die Schrift, allein durch Glauben, allein durch Gnade, Christus allein) ausgehöhlt und umgedeutet wurden. Und er stellt angesichts einiger Äußerungen evangelischer Spitzenleute, die im krassen Gegensatz zur geltenden Ordinationsverpflichtung11 stehen, die Frage: „Warum wird eigentlich gegen einen Bischof, der so offensichtlich die Autorität der Bibel infrage stellt, kein Lehrbeanstandungsverfahren eröffnet?“ 12 Parzany gibt sich selbst die Antwort: Das Problem der theologischen Selbstentkernung wird in der evangelischen Kirche weitgehend tabuisiert13 – was ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann.

Noch wichtiger ist dem Praktiker Parzany jedoch zu zeigen, dass die Bibelkritik, die ja seit langem die theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten beherrscht, inzwischen eine ganz praktische „verheerende Wirkung auf die Verkündigung in den Gemeinden“ entfaltet.14 Dazu zitiert er eine Studie, laut der „ein großer Teil der Pfarrerschaft wichtige Teile der christlichen Lehre nicht mehr für wahr und wichtig hält“ 2. Da „die Hauptamtlichen in der Regel am längeren Hebel sitzen“ 15 und zudem nur 14 % der Kirchengemeinderäte Mission für sehr wichtig halten16 ist gedeihliches missionarisches Arbeiten in vielen evangelischen Gemeinden kaum noch möglich. Denn es stimmt ja nun einmal: Wenn die Gemeindeleitung nicht darüber übereinstimmt, dass Menschen zur Umkehr in die Nachfolge von Jesus gerufen und darin gefördert werden sollen, dann „ist der Wurm in der ganzen Arbeit.“ 17

Vor diesem Hintergrund zeigt Parzany durchaus Verständnis dafür, dass nicht wenige Konservative die Kirche inzwischen verlassen und den freikirchlichen Weg gewählt haben. Für sich selber sagt er jedoch: „Ich habe Gottes Platzanweisung für mich in der evangelischen Kirche gesehen. Und das gilt auch heute.“ 18 Statt Resignation, Frust oder Verbitterung Raum zu geben sagt er fast trotzig: „Wir hören nicht auf, dafür zu beten, darum zu ringen und dafür zu arbeiten, dass Erneuerung in den Kirchen geschieht.“ 19 Dazu sucht Parzany nach Ansatzpunkten („brauchbare Baugerüste“), bei denen Erneuerung wachsen könnte wie z.B. in unterschiedlichen Gottesdienstformen, Hausbibelkreisen, Richtungsgemeinden, landeskirchliche Gemeinschaften und freien Werken. Allerdings räumt Parzany auch offen ein: „Ich kann nur Puzzleteile suchen und zusammensetzen.“ 20 DAS Patentrezept für die Erneuerung der Kirche hat er – wenig überraschend – nicht zu bieten.

Zur Arbeit für Erneuerung gehört für Parzany aber eindeutig auch, mit einer falsch verstandenen Konfliktscheu zu brechen, denn: „Wer schweigt, fördert, was im Gange ist.“ 21 „Wenn in Kirche und Theologie die Wahrheit des Evangeliums verfälscht wird, müssen wir widersprechen. Das muss leider auch öffentlich geschehen. Geheimverhandlungen in Hinterzimmern helfen der Gemeinde nicht.“ 22 Mit dieser Haltung sieht Parzany sich in bester reformatorischer Tradition: „500 Jahre nach der Reformation erinnern wir uns daran, dass harte Auseinandersetzungen nötig waren, um in den Kirchen Schritte in Richtung Erneuerung zu gehen.“ 8 Eine solch streitbare Haltung mag nicht Jedem in der Kirche schmecken. Man muss Parzany aber in jedem Fall zugutehalten, dass seine Position gut begründet und seine Motivation absolut authentisch ist.

Am Ende steht für Parzany aber nicht der Streit sondern das Evangelium im Mittelpunkt: „Weil das Evangelium von Jesus Christus die ganze Welt angeht, dürfen wir uns nicht freiwillig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Heute ist die Zeit, das Evangelium öffentlich zu verkündigen.“ 23 Spätestens hier wird deutlich: Parzany ist eben kein verbitterter alter Mann, wie manche seiner Gegner behaupten. Sein Anliegen ist, dass ein Weckruf durch Deutschland geht und Menschen für Jesus gewonnen werden! Deshalb ist dieses leicht und flüssig zu lesende Buch für mich tatsächlich ein echter Mutmacher – und der bisher beste Beitrag zum Reformationsjubiläum. Ich kann es nur herzlich zum Kauf empfehlen und ihm so viel Verbreitung wie irgend möglich wünschen.

Das Buch „Was nun, Kirche?“ von Ulrich Parzany ist bei SCM Hänssler erschienen und kann hier direkt beim Verlag bestellt werden.

1: S.7; 2: S.41; 3: S.49; 4: S.60; 5: S.126; 6: S. 186; 7: S. 177; 8: S.8; 9: S. 62; 10: Aus dem Grundlagentext der EKD Rechtfertigung und Freiheit – 500 Jahre Reformation 2017 S. 84: „Seit dem 17. Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb können sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als ‚Wort Gottes‘ verstanden werden.“ S.49; 11: Aus dem geltenden Pfarrerdienstgesetz der EKD (§3): „Die Ordinierten sind durch die Ordination verpflichtet, … das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis ihrer Kirche bezeugt ist, rein zu lehren.“ S.49; 12: S.51; 13: S.41; 14: S.54; 15: S.121; 16: S.146; 17: S. 149; 18: S.109; 19: S.133; 20: S.16; 21: S.121; 22: S.189; 23: S.197

Weitere lesenswerte Zitate aus „Was nun, Kirche?“:

Zur historisch-kritischen Theologie:

„Gern versucht man heute in den kirchlichen Debatten, Jesus Christus gegen die Bibel auszuspielen. Wir hätten keinen papierenen Papst, heißt es, es ginge darum, wie Luther zu fragen, „was Christum treibet“. … Aber welcher Jesus Christus ist gemeint, wenn jeder Bibelkritiker entscheidet, welche Worte von Jesus echt und welche ihm später in den Mund gelegt wurden?“ (S. 56)

„Im Grund ist „Jesus Christus“ damit eine Leerformel geworden, die jeder nach seinen Vorstellungen füllt und benutzt. Wenn also das reformatorische Prinzip „Allein die Bibel“ nicht mehr gilt, dann verliert auch das „Allein durch Jesus Christus“ seinen Inhalt. Die beiden daraus folgenden reformatorischen Grundsätze „Allein durch die Gnade“ und „Allein durch den Glauben“ lösen sich dann in Philosophie und Psychologie auf.“ (S. 57)

Zum reformatorischen Prinzip, dass die Bibel sich selbst auslegen muss:

„Ein wichtiger Grundsatz der Reformation hieß: Die Bibel legt sich selber aus. Alle Bibeltexte müssen im Zusammenhang gelesen werden.“ (S. 59)

„Der Gesamtzusammenhang der Heiligen Schrift lässt erkennen, wenn Aussagen begrenzte Gültigkeit für bestimmte Zeiten und Verhältnisse haben. Paulus schreibt einerseits, dass Frauen in den Gemeinden schweigen sollen (vgl. 1. Tim. 2, 12). Andererseits wird berichtet, dass die vier Töchter des Evangelisten Philippus als Prophetinnen redeten (vgl. Apg. 21, 9). Paulus war in dieser Gemeinde und nahm offenbar keinen Anstoß daran. Im Buch der Richter (4, 4) lesen wir, dass die Prophetin Deborah Israel regierte. Es gibt also in der „Frauenfrage“ durchaus unterschiedliche Aussagen in der Bibel. Homosexuelle Handlungen hingegen werden in der ganzen Bibel einheitlich als Sünde beurteilt (vgl. 3. Mose 18, 22; 20, 13; Römer 1, 26 ff.; 1. Kor. 6,9f; 1. Tim. 1,9ff). Deshalb zieht die Argumentation nicht, die sagt: Wenn die Aussagen über Homosexualität heute gelten sollen, dann müssten die Frauen auch Kopftücher tragen und im Gottesdienst schweigen.“ (S. 61)

Zur Situation in der Pfarrerschaft:

„Ich behaupte, es besteht keine Einigkeit in der Pfarrerschaft über die Grundaussagen des christlichen Glaubens.“ (S. 47)

„Gemeinden dürfen erwarten, dass nur solche Personen in diesen Dienst kommen, deren geistliche und persönliche Eignung festgestellt und bestätigt wurde.“ (S. 139)

„Die Fehlkonstruktion der Pastorenkirche besteht darin, dass sie so tut, als seien bei den Hauptamtlichen Pastoren fast alle Charismen monopolisiert. Das funktioniert nie.“ (S. 144)

Zur Gemeindeleitung:

„Ein Gemeindekirchenrat sollte aus Menschen bestehen, die mit Bibel und Gebet leben. Die Zusammenkünfte sollten Raum für das Studium der Bibel und zum Gebet für die Gemeinde haben.“ (S. 148)

Gegen das Richten über den Glauben Anderer:

„Es ist nicht meine Aufgabe, über einzelne Personen zu urteilen, ob ihr Glaube echt ist oder nicht. Ich glaube denen, die sich zu Jesus Christus bekennen, ihren Glauben.“ „Gott wird im Gericht das Unkraut vom Weizen trennen. Das ist also nicht unsere Sache. Es gab und gibt immer wieder Versuche, sogenannte „reine“ Gemeinden herzustellen. Das endet immer in Heuchelei, Hochmut und Anmaßung.“ (S. 19)

Zum Kirchenverständnis und der Situation der Kirche:

„Die heilige christliche Kirche besteht aus allen Jesusnachfolgern, in welchen kirchlichen und gemeindlichen Organisationen sie auch leben.“ (S. 34)

„Es gibt die Kirche des Jesus Christus nur in der Mission Gottes. Diese umfasst die vier Elemente Diakonie, Lehre und Evangelisation, Gemeinschaft und Gebet. Wer sich dieser Mission verweigert, trennt sich von Jesus.“ (S. 32)

„Tatsache ist heute, dass die Zeiten von Volkskirche längst vorbei sind. Die christliche Gemeinde ist eine Minderheit.“ (S. 38)

Zu Richtungsgemeinden:

„Trotzdem hoffe ich, dass dauerhaft mehr Raum für die kontinuierliche Gestaltung von evangelikalen Richtungsgemeinden geschaffen und bewahrt werden kann. Wenn dieser Raum eingeengt wird, ist es unvermeidlich, dass die engagierten Evangelikalen mehr und mehr den freikirchlichen Weg wählen werden.“ (S. 128)

Zur Verkündigung des Evangeliums:

„Entscheidend ist, ob wir als Verkündiger des Evangeliums selber wissen, dass es um ewiges Leben und ewige Verdammnis geht. Unsere Aufgabe ist es, aus Liebe die Wahrheit zu sagen.“ (S. 188)

Zum Thema „Selbstbestimmung“ als zentrale Herausforderung des Zeitgeistes:

„In den brisanten Streitfragen der Gegenwart geht es fast immer um Selbstbestimmung. Ob Abtreibung oder Selbsttötung – immer wird das Recht auf Selbstbestimmung als Hauptargument angeführt. Und in den normalen Alltagsfragen sowieso: Mein Körper, meine Zeit, mein Geld, mein Eigentum – ich habe das Recht, über mein Eigentum zu verfügen. Selbst wenn Menschen religiös sind und Gott als Hilfe suchen, bestimmen sie doch selber, was gut für sie ist und was nicht. Gott ist höchstens als Erfüllungsgehilfe gefragt. Sein Eigentumsrecht an der Welt und an unserem Leben wird glatt bestritten.“ (S. 83)

5 Argumente gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Heute habe ich meinem Landesbischof einen Brief geschrieben. Meine evangelische Landeskirche in Württemberg steht vor einer äußerst wichtigen Weichenstellung: Im Herbst wird die Synode entscheiden, ob sie – so wie die meisten anderen Landeskirchen – die Segnung oder gar die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglichen wird oder nicht. Ich habe die Kirchenleitung dringend gebeten, die geltenden Regelungen zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren NICHT zu ändern. Bevor Du meine Argumente dazu liest eine Anregung: Wie wäre es, wenn Du ebenfalls einen Brief an den Landesbischof (Adresse siehe hier) und/oder an einen Dir bekannten Synodalen schreibst? Du kannst gerne meine Argumente übernehmen oder – noch besser – Deine eigenen Gedanken formulieren. Als Kirchengemeinderat habe ich sehr pragmatisch argumentiert, ich hoffe, dass Andere noch viel stärker theologisch argumentieren werden. Wichtig ist: Immer respektvoll und freundlich bleiben. Und am besten ein inniges Gebet hinterherschicken. Lasst uns auf jeden Fall gemeinsam aktiv werden! Denn diese Entscheidung wird für meine Landeskirche dramatische Konsequenzen nach sich ziehen. Davon bin ich fest überzeugt aus folgenden Gründen:

1. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist für viele aktive Gemeindeglieder
nicht mit der Bibel und ihrem Gewissen vor Gott vereinbar

Es ist unstrittig, dass sämtliche biblische Passagen zum Thema Homosexualität negativ konnotiert sind. Die verschiedenen Ansätze, gleichgeschlechtliche Partnerschaften trotzdem mit dem biblischen Zeugnis vereinbar zu machen, sind umstritten. Insbesondere wurde die Behauptung, Paulus habe in der damaligen Lebenswelt noch gar keine auf Treue angelegte homosexuelle Partnerschaften im Blick haben können, mittlerweile klar widerlegt.1 Fakt ist: Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften wurde in der Vergangenheit quer durch die Jahrhunderte von allen Kirchen durchgängig abgelehnt. Auch heute noch stellt diese Position in der weltweiten Kirche Jesu eine Minderheitenmeinung dar. Im pietistisch geprägten Württemberg ist gerade unter den aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern der Anteil derer besonders hoch, die diesen exegetischen Sonderweg nicht mit ihrem Gewissen vor Gott vereinbaren können und ihn als Bruch mit dem reformatorischen Grundsatz des „Sola Scriptura“ und mit den Bekenntnissen der Kirche empfinden werden. Das wird das fruchtbare Miteinander von Kirchenleitung und ehrenamtlicher Mitarbeiterschaft zum Nachteil Aller spürbar belasten. Wir müssen damit rechnen, dass es auch unter engagierten Mitarbeitern zu Kirchenaustritten kommt und Gemeinden spürbar geschwächt werden.

2. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare verlagert den
öffentlichen Druck auf die lokalen Gemeindeleitungen

Bislang sind die lokalen Gemeindeleitungen vor dem öffentlichen Druck auf Segnung bzw. Trauung gleichgeschlechtlicher Paare durch das gültige Kirchenrecht geschützt. Wenn die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht wird, wird dieser Druck, der seit der politischen Durchsetzung der sog. „Ehe für alle“ noch einmal größer geworden ist, von der Kirchenspitze auf die lokalen Gemeindeleitungen verlagert, möglicherweise mit massiven Auswirkungen bis ins Privatleben von Ehrenamtlichen hinein. Es ist davon auszugehen, dass dies das gedeihliche Wirken vieler engagierter Leiter stark belasten wird und dass Manche auch aufgeben werden, weil sie sich dem Druck und dem Gewissenskonflikt auf Dauer nicht aussetzen wollen oder können.

3. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare verlagert den
Konflikt auf die lokale Ebene und multipliziert ihn dadurch

Das gültige Kirchenrecht verhindert bislang, dass der Konflikt in örtlichen Gemeinden ausgetragen wird. Dadurch werden viele Reibungsverluste vermieden. Wenn die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht wird, kann der Konflikt prinzipiell in jeder einzelnen Kirchengemeinde ausbrechen und das gemeindliche Leben massiv belasten oder gar ersticken. Immer wieder ist nachzulesen, dass lokale Konflikte zu diesem Thema auch in die überregionale Presse getragen werden. Dadurch wird nicht nur die Einheit einzelner Gemeinden sondern auch das Ansehen der ganzen Landeskirche und damit auch ihre missionarische Ausstrahlung aufs Spiel gesetzt.

4. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare unterminiert
die Glaubwürdigkeit der Kirche

Kirche hat keine Autorität aus sich selbst heraus sondern nur als Botschafter von Gottes zeitlosem Wort und Gebot. Sie kann nur deshalb Trost und Antworten für die grundlegenden Ewigkeitsfragen der Menschen geben, weil sie aus einer göttlichen Erkenntnisquelle schöpft, die außerhalb ihrer selbst liegt. Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, ob Kirche aus der Autorität einer zeitlosen Wahrheit heraus handelt oder ob sie den Menschen nach dem Mund redet. Die breite öffentliche Kritik an der EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie oder am Ablegen des Kreuzes auf dem Tempelberg bis tief in säkular/bürgerliche Milieus hinein belegt das. Die Ermöglichung der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mag kurzfristig Beifall bei einem Teil der Bevölkerung und der Medien bringen. Gleichzeitig jedoch höhlen solche Meinungsänderungen die Autorität und Glaubwürdigkeit der Kirche aus. Es führt dazu, dass die Stimme der Kirche zeitgeistabhängig und beliebig wirkt und sich selbst marginalisiert im vielfältigen Meinungskonzert einer offenen Gesellschaft. Da ist es kein Wunder, dass laut dem Religionssoziologen Detlef Pollack von der Universität Münster der Hauptgrund für den Kirchenaustritt mittlerweile schlicht darin liegt, dass den Menschen die Kirche ganz einfach egal ist.2

5. Ein theologisch liberaler Kurs lässt weltweit Kirchen schrumpfen

Eine neue kanadische Studie3 hat gezeigt, dass eine konservative Theologie gepaart mit innovativen Gottesdienstformen eine deutlich messbare positive Auswirkung auf das Gemeindewachstum hat. Detlef Pollack hat festgestellt, dass es der evangelischen Kirche dort am besten geht, wo sie „evangelikal oder sogar fundamentalistisch“ ist.2 Tatsächlich bestätigt sich dieser Trend weltweit: Die Kirchen schrumpfen im liberal geprägten Westen, aber sie wachsen in anderen Teilen der Welt, wo sie zuallermeist fest zum biblischen Wortlaut stehen. Auch die württembergische Landeskirche wird massiven Schaden nehmen, wenn sie noch stärker auf den Kurs der schrumpfenden liberalen Kirchen einschwenkt.

Auch mir ist wichtig, dass wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir homosexuell empfindenden Menschen noch liebe- und respektvoller begegnen können. Aber weil ich meine Kirche liebe hoffe und bete ich, dass sie an der Gültigkeit des biblischen Zeugnisses festhält, auch wenn es einmal – wie in diesem Fall – dem Zeitgeist widerspricht. Ohne das Fundament des “sola sriptura” hat Kirche keine Zukunft.

1: Zusammengefasst unter anderem im Artikel „Prof. Dr. Siegfried Zimmer und die Schwule Frage” von Mario Wahnschaffe 05 / 2015
2: Katholisches Online Magazin Kirche + Leben Netz 06 / 2017
3: Theology Matters: Comparing the Traits of Growing and Declining Mainline Protestant Church Attendees and Clergy, Rev Relig Res (2016), zusammengefasst in idea 22.11.2017

Siehe auch:

Ehe für Alle: Zeit zum Aufwachen

Mit der Einführung der “Ehe für alle” vollzieht die Politik nur den Meinungswandel nach, der sich in unserer Gesellschaft längst vollzogen hat. Als Nation entfernen wir uns seit Jahren von unseren christlichen Fundamenten.

Seien wir ehrlich: Wir Christen haben unsere Salz- und Lichtkraft weitgehend verloren. Während die CSD-Bewegung ohne Scham durch die Straßen unserer Städte marschiert sind die Märsche für Jesus längst wieder eingeschlafen und die ‘Demo für alle‘ krebst bei einigen 100 Teilnehmern herum. Die evangelische Kirche hat die gleichgeschlechtliche Ehe schon 2015 aktiv befürwortet. Die Regeln einiger Landeskirchen zur “Trauung für alle” gehen schon jetzt weiter als die bisherigen staatlichen Regeln zur eingetragenen Lebenspartnerschaft. Aktuell hat die EKD erneut ein klares Votum für die Ehe für alle veröffentlicht. Wie können wir von der Politik erwarten, dass sie näher an den biblischen Vorgaben bleibt als die Kirche?

Machen wir uns nichts vor: Die Abkehr von unseren christlichen Fundamenten wird weitergehen. Schon seit Jahren wird auch in der ev. Kirche an der Öffnung des Ehebegriffs für die Polyamorie gearbeitet. Ist der Ehebegriff erst einmal aufgelöst gibt es kein logisches Argument mehr, warum nicht auch andere Partnerschaften die gleichen Rechte bekommen sollten. Die Ideologie der “sexuellen Vielfalt” wird das Ideal der lebenslangen Treuepartnerschaft von Mann und Frau weiter verdrängen.

Täuschen wir uns nicht: Ehe und Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Wenn die bisher vom Grundgesetz geschützte Institution Ehe als Verbindung eines Mannes mit einer Frau umdefiniert wird (siehe dazu ein guter Kommentar der FAZ) hat das – genau wie die Lockerung des Abtreibungsrechts oder die massive Förderung der Berufstätigkeit von Müttern mit Kleinstkindern – gravierende Konsequenzen, zuerst für Kinder, auf Dauer aber natürlich für die ganze Gesellschaft. Wegschauen hilft nicht. Die Zeitgeistwelle, die die biblischen Fundamente unserer Gesellschaft wegspült, wird vermutlich schneller als wir denken auch über die scheinbar sicher geglaubten Fundamente unserer ganz persönlichen Lebensumstände hereinbrechen. Denken wir also nicht, all das würde uns persönlich nichts angehen.

Seien wir uns im Klaren darüber: Politiker können diese Entwicklung nicht aufhalten. Deutschland braucht eine neue Reformation und eine Erweckung! Die Kirche Jesu muss aufwachen aus ihrem Kirchenschlaf, um unser Land für das Evangelium zu gewinnen! Nur so kann das Problem der Abkehr von den biblischen Werten an der Wurzel gepackt und gewendet werden. Vergangene Erweckungsbewegungen haben bewiesen, dass sie die Gesellschaft tatsächlich nachhaltig verändern können. Verschiedene Signale deuten darauf hin, dass eine Erweckung auch heute wieder möglich ist. Also arbeiten wir dafür. Und beten wir. Denn es stimmt mehr denn je: Allein den Betern kann es noch gelingen.

Siehe auch:

Die Bibel ist das Herzstück der westlichen Kultur

Wie ein Inder dem Westen sein wahres Erfolgsgeheimnis zeigt

Mit seinem “Buch der Mitte” hat der indische Philosoph, Sozialreformer und Theologieprofessor Vishal Mangalwadi ein einzigartiges Zeugnis für die Wirkungsgeschichte der Bibel in der westlichen Kultur vorgelegt. Da musste offenbar erst ein Inder kommen, um uns Europäern klar zu machen, wie entscheidend wichtig die Bibel für die Entwicklung praktisch aller Errungenschaften unserer westlichen Kultur war:

  • Lange Zeit (und in vielen Kulturen auch heute noch) galten die als Helden, die viele andere unterjochen konnten. Heute hingegen ehren wir Mitmenschlichkeit und den Einsatz für Schwache, Kranke und Arme. Dieser Wandel geht auf die biblische Lehre zurück, dass ALLE Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen und so sehr geliebt sind, dass sogar Gott selbst für jeden Menschen starb. Daraus wuchs die (von engagierten Christen betriebene) Abschaffung der Sklaverei, die Entwicklung des Gesundheitswesens und unser technischer Fortschritt – denn in anderen Kulturen wurde kein Bedarf gesehen, die unteren gesellschaftlichen Schichten von schwerer, entwürdigender Arbeit zu entlasten.
    x
  • Zum technischen und wirtschaftlichen Aufschwung trug entscheidend auch die biblische Lehre bei, dass für Christen ihr Beruf auch Berufung und „Gottesdienst“ ist und dass Geld klug und weitsichtig verwaltet werden muss. Eine entscheidende Basis für eine florierende Wirtschaft ist zudem Vertrauen und Ehrlichkeit – Werte, die in Europa erst durch die Bibel (genauer gesagt durch die großen postreformatorischen Erweckungsbewegungen) groß geworden sind, während in anderen Kulturen die Korruption grassiert, die jede wirtschaftliche Entwicklung blockiert.
    x
  • Die Allgemeinbildung aller gesellschaftlichen Schichten war in vielen Kulturen eine direkte Folge der Übersetzung der Bibel in die Landessprachen. Zahlreiche Gründungen von Schulen und Universitäten lassen sich auf Christen zurückführen.
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  • Die biblische Idee einer sinnvoll geordneten Schöpfung sowie der Auftrag an die Menschen, die Schöpfung zu verwalten, war die Basis für die fulminante Entwicklung der Naturwissenschaft im postreformatorischen Westen (die im Wesentlichen von gläubigen Christen begonnen wurde!), während Pantheismus, Fatalismus und die Abschätzigkeit gegenüber allem Materiellen in anderen Kulturen den wissenschaftlichen Aufstieg über Jahrtausende blockiert haben.
    x
  • Gerade die biblische Forderung nach Monogamie, vorehelicher Keuschheit und lebenslanger Treue hat die Frauen des christlichen Westens so frei, unabhängig und stark gemacht, dass eine Frauenrechtsbewegung entstehen konnte, was in diesem Ausmaß in keiner anderen Kultur je gelungen ist. Und vor allem hat die Bibel damit die Familien stark gemacht, die die Keimzelle einer gesunden Gesellschaft sind!
    x
  • Unsere Demokratie geht nicht – wie oft behauptet – auf die Griechen zurück (deren Idee, dass das Volk regieren soll, hat schnell im Chaos geendet). Sie entwickelte sich vielmehr aus dem biblischen Prinzip, dass das Gesetz regiert, dem sich sowohl das Volk als auch jeder Herrscher beugen muss. Entsprechend waren an der Entwicklung demokratischer Verfassungen zahlreiche Christen entscheidend beteiligt. Sie haben auch das Ideal eingeführt, dass Minister (=“Diener“) gemäß dem Vorbild Jesu dem Volk dienen müssen statt es zu unterjochen und auszubeuten.
    x
  • Toleranz und Freiheit entsteht in einer Gesellschaft nur auf dem Fundament einer gemeinsam akzeptierten höheren Wahrheit (die Humanismus und Aufklärung allein niemals hervorbringen kann). Atheismus und Relativismus verdammen eine Gesellschaft hingegen dazu, unter dem Meinungsdiktat fehlerhafter Menschen zu leben – was letztlich zwangsläufig in Konflikten endet.

Vishal Mangalwadi weist detailliert nach, wie sehr die Bibel das westliche Denken durchdrungen hat bis hinein in Kunst, Kultur, Musik und Literatur. Er zeigt auf Basis vieler Untersuchungen und persönlicher Erlebnisse, wie positiv die Bibel gewirkt hat und wie im Vergleich dazu Gesellschaften unter dem Einfluss anderer Religionen oder Ideologien gescheitert sind. Mit diesem Buch räumt Mangalwadi auch auf mit der irrigen und naiven Vorstellung, alle Kulturen wären gleich und die ungleiche weltweite Verteilung von Wohlstand und Menschenrechten wären primär ein Produkt von westlichem Imperialismus. Dabei kommt ihm zugute: Er ist nicht nur ein akademischer Theoretiker sondern hat selbst aufopferungsvolle Entwicklungshilfe im ländlichen Indien geleistet und dabei die Auswirkungen von Kultur und Religion praktisch erlebt.

Nachdem die mittelalterlichen westlichen Eliten bis zur Reformation mit Gewalt verhindert hatten, dass das normale Volk in seiner Sprache die Bibel lesen kann, ist es heute eine neue Elite, die dem Volk die Bibel dadurch wegnimmt, dass sie ihre Glaubwürdigkeit bestreitet und behauptet, dass man die Bibel nur mit wissenschaftlichen Mitteln richtig verstehen könne. An die Stelle von Gottes Wahrheit hat sie einen alles beherrschenden Relativismus gesetzt. Muss deshalb die Sonne über dem Westen wieder untergehen?

Das Buch der Mitte macht klar: Politiker können den Abstieg des Westens nicht verhindern. Was der Westen vielmehr braucht ist eine neue Erweckung und eine Hinwendung zu Gottes Wort, wie er sie unter Männern wie Jonathan Edwards und John Wesley schon mehrfach erlebt hat. Wer dieses Buch gelesen hat kann schon aus Liebe zur nächsten Generation gar nicht anders, als sich mit Leidenschaft für Erweckung und für die Hinwendung zur Bibel einzusetzen.

Für mich heißt das: Unsere Gesellschaft braucht wieder mutige Männer und Frauen, die den Zeitgeist mit Gottes ewiggültiger Offenbarung konfrontieren, die gegen alle Widerstände Gottes Wort lehren und verbreiten und die Menschen zur Umkehr rufen. Je länger wir im angepassten Kirchenschlaf verharren, umso herausfordernder und existenzieller wird auch im Westen die Auseinandersetzung zwischen Gottes Wahrheit und dem Zeitgeist, in die die Christen zu allen Zeiten und in allen Kulturen hineingestellt waren und sind. Packen wir’s an! Ein guter Beitrag dazu wäre, dieses außergewöhnliche und augenöffnende Buch selbst zu lesen und nach Kräften weiter zu verbreiten.

“Das Buch der Mitte” von Vishal Mangalwadi ist 2014 im Fontis-Verlag erschienen.

Siehe auch:

Die Berichte des NT weisen alle Eigenschaften von frühen, authentischen Augenzeugenberichten auf

Wie glaubwürdig sind die Texte des Neuen Testaments? Handelt es sich um authentische Augenzeugenberichte? Oder wurden die Berichte der Augenzeugen erst über viele Stationen weitergegeben und dabei (wie bei einem Telefonkettenspiel) immer stärker verfälscht, bevor sie aufgeschrieben wurden? Stammen Sie womöglich aus einer deutlich späteren Zeit und sogar aus einem anderen Land?

In seinen Vorträgen* belegt der Theologe und Direktor des Tyndale Studienzentrums in Cambridge Dr. Peter J. Williams, dass die Texte des Neuen Testaments alle Merkmale authentischer, unverfälschter und kenntnisreicher Augenzeugenberichte aufweisen:

1. Das passende Namensmuster

Jede Gesellschaft hat ihr eigenes Muster von besonders gängigen und häufig verwendeten Namen. Die im NT verwendeten Namen entsprechen sehr genau dem Muster üblicher Namen im Israel/Palästina aus der Zeit zwischen 330 v.Chr. und 200 n.Chr., wie man es aus antiken Schriften und Grabstätten rekonstruieren konnte (Quelle: Bauckham, Jesus and the Eyewitnesses).

Dass das NT exakt das richtige Namensmuster verwendet ist ein besonders guter Beleg für seine Authentizität. Namen haben keinen logischen Zusammenhang mit Personen, deshalb werden sie besonders leicht vergessen! Es war zur damaligen Zeit praktisch unmöglich, ein fremdes Namensmuster aus einem fremden Land und einer fremden Zeit so exakt zu imitieren. Tatsächlich weichen die Namensmuster der deutlich später entstandenen apokryphen Evangelien auch deutlich ab.

2. Die häufige Verwendung des Namens „Jesus“ statt „Christus“

Es gibt viele Hinweise darauf, dass schon ab dem Jahr 50 n.Chr. Jesus immer häufiger primär als „Christus“ und nicht mehr in erster Linie als „Jesus“ bezeichnet wurde (z.B. schon sichtbar in den Briefen von Paulus). Die Tatsache, dass in den Evangelien aber noch sehr häufig die ursprüngliche Bezeichnung „Jesus“ steht, spricht für den frühen Ursprung der zugrundeliegenden Quellen. Die apokryphen Evangelien Philippus, Judas, Petrus und Maria verwenden im Gegensatz dazu den Namen Jesus kaum noch oder gar nicht mehr.

3. Die Bezeichnung Jesu als „Menschensohn“

Jesus bezeichnet sich in den Evangelien immer wieder als „Menschensohn“ – ein Begriff, der in späteren Zeiten deutlich seltener bzw. z.T. überhaupt nicht mehr verwendet wurde und entsprechend in den meisten apokryphen Evangelien weit überwiegend fehlt. Auch das spricht für den frühen Ursprung der 4 Evangelien des NT.

4. Die authentischen Namenszusätze

Jesus war damals der sechsthäufigste Name in Israel. Um ihn von seinen vielen gleichnamigen Zeitgenossen unterscheiden zu können mussten die Menschen damals Namenszusätze machen (z.B. J. aus Nazareth, J. aus Galiläa etc.). In den Evangelien lässt sich beobachten: Die Autoren legen tatsächlich den Menschen aus dem Volk, die über Jesus reden, immer solche Namenszusätze in den Mund – eine Feinheit, an die man aus der Distanz heraus kaum denkt, wenn man später solche Geschichten über Jesus erfindet.

5. Die Bezeichnung der Nachfolger Jesu als „Christen“

Die Bezeichnung „Christ“ für einen Nachfolger Jesu stammt nicht aus der christlichen Bewegung selbst, sie wurde vielmehr von außenstehenden Beobachtern erfunden und erst später von den Christen selbst übernommen (so wie es auch z.B. bei den Quäkern oder den Methodisten war). Das Neue Testament verwendet den Begriff „Christ“ lediglich an 3 Stellen (Apg. 11, 26; Apg. 26, 28; 1. Petr. 4, 16), wobei es in den beiden Stellen in der Apostelgeschichte Außenstehende sind, die diesen Begriff verwenden. Das ist ein starkes Argument dafür, dass die Texte des NT noch aus der frühen Zeit stammen, in der die Christen diese Bezeichnung noch nicht für sich selbst übernommen hatten.

6. Die Verwendung von Gleichnissen

Jesus lehrt in den Evangelien immer wieder in Gleichnissen. Dieses Stilmittel kommt schon in den Briefen des NT praktisch nicht mehr vor. In der Lehre der Urkirche waren Gleichnisse nicht üblich und nicht gängig. Spätere Autoren hätten Jesus deshalb wohl keine Gleichnisse in den Mund gelegt.

7. Die häufigen Ortsnamen und die genauen Ortskenntnisse

Die 4 Evangelien verwenden – ganz im Gegensatz zu den apokryphen Evangelien – häufig Ortsnamen, auch von sehr kleinen und unbedeutenden Orten. In den 4 Evangelien kommen jeweils 12 – 14 Ortsnamen vor (insgesamt 23). Unter den zahlreichen apokryphen Evangelien finden sich außer der ganz vereinzelten Verwendung von Jerusalem und Nazareth praktisch überhaupt keine Ortsnamen.

Bemerkenswert ist, dass das Verhältnis zwischen der Anzahl der Wörter und der Ortsnamen in allen 4 Evangelien praktisch identisch ist:

Das ist eigentlich nur dadurch erklärbar, dass alle 4 Evangelien den gleichen Charakter haben, nämlich dass sie alle gleichermaßen auf authentischen Berichten kenntnisreicher Augenzeugen beruhen.

8. Gute Ortskenntnisse

Außer der Verwendung vieler Ortsnamen beweisen die Evangelisten auch, dass sie gut vertraut sind mit den örtlichen Gegebenheiten. So wurde z.B. nachgewiesen, dass es in Jericho (im Gegensatz zu anderen Regionen) tatsächlich Maulbeerfeigenbäume gab, wie der Evangelist Lukas in der Geschichte von Zachäus berichtet (Lukas 19, 4). Viele weitere Schilderungen örtlicher Gegebenheiten konnten inzwischen durch archäologische Forschungen bestätigt werden.

9. Frauen, Zweifel, strahlende Engel: Elemente, die niemand erfinden würde

Die Auferstehungsberichte enthalten Elemente, die damals niemand verwendet hätte, wenn er einen Auferstehungsbericht erfunden hätte: So sind in allen Evangelien Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung, obwohl Frauen damals als Zeugen keinerlei Glaubwürdigkeit zugebilligt wurde. Die Evangelien berichten, dass die Jünger selbst dann noch Zweifel an der Auferstehung hatten, als sie Jesus sahen. Das würde niemand betonen, wenn er bei seinen Lesern Zweifel zerstreuen möchte. Seltsam ist weiterhin, dass in den Auferstehungsberichten zwar die Engel strahlend und leuchtend dargestellt werden, nicht aber Jesus, obwohl er doch die Hauptperson ist und nicht die Engel. Alle das würde man in erfundenen Geschichten nicht erwarten.

10. Unterschiedliche Erzählungen, aber identische Kernaussagen und Zitate

Wenn Zeugen sich untereinander absprechen merkt man das an den allzu identischen Zeugenaussagen. Echte unabhängige Zeugenaussagen sind normalerweise ziemlich unterschiedlich aufgrund der verschiedenen Perspektiven und der verschiedenen Wahrnehmung. Wären die Auferstehungsberichte der 4 Evangelien vollkommen identisch müsste man davon ausgehen, dass sie entweder geglättet oder alle von 1 einzigen Zeugenaussage kopiert wurden. Jedoch gibt es in den Berichten erhebliche Unterschiede, was belegt: Hier liegen definitiv unabhängige Zeugenaussagen vor. Trotzdem sind die Kernaussagen der Berichte identisch und auch die scheinbaren Widersprüche lassen sich bei genauem Hinsehen durchaus erklären und harmonisieren. Außerdem gibt es v.a. bei Zitaten einige fast wortwörtliche Übereinstimmungen (z.B. kommt der Satz „Er ist nicht hier; er ist auferstanden“ sowohl bei Matthäus, Markus als auch bei Lukas vor). Dieses Muster aus Unterschieden und Übereinstimmungen spricht stark dafür, dass hier unabhängige Zeugen vom gleichen Geschehen berichten.

11. Passende, sich ergänzende Details in verschiedenen Berichten

Ein Vergleich der 4 Berichte in den 4 Evangelien zum Wunder der Brotvermehrung zeigt: Die Berichte enthalten Details, die für sich genommen belanglos erscheinen, insgesamt aber ein schlüssiges Gesamtbild ergeben:

  • Markus 6, 39 / Johannes 6, 10: Es gibt viel grünes Graß
  • Markus 6, 31: Viele kamen und gingen.
  • Johannes 6, 4: Es war Passahzeit (also eine Zeit, in der Viele unterwegs sind, um nach Jerusalem zu pilgern. Und eine Zeit am Ende der niederschlagsreichen Phase, in der es viel grünes Graß gab).
  • Johannes 6, 5: Jesus fragt Philippus, wo man Brot kaufen kann
  • Johannes 6, 7-8: Philippus und Andreas antworten
  • Lukas 9, 10: Die Brotvermehrung spielte sich nahe Bethsaida ab
  • Johannes 1, 44: Philippus und Andreas kommen aus Bethsaida (also kein Wunder, dass Jesus gerade Philippus fragt und warum er und Andreas antworten)

Dass sich die im jeweiligen Text enthaltenen scheinbar belanglosen Details zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen lassen spricht in besonderem Maße für die Authentizität der Berichte.

Fazit: Die genannten Fakten stellen im strengen Sinn natürlich keine Beweise für die Verlässlichkeit der Berichte des Neuen Testaments dar. Aber Tatsache ist: Wenn sie vor der Niederschrift erst über viele Stationen weiter gegeben und dabei durch Betrug oder Inkompetenz verfälscht worden wären, dann würde man einen solchen Befund keinesfalls erwarten. Die Berichte des Neuen Testaments weisen vielmehr durchgängig alle Eigenschaften von frühen authentischen Augenzeugenberichten auf. Es gibt keinen sachlichen Grund, ihre Vertrauenswürdigkeit in Frage zu stellen.

*: Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf 2 Vorträgen von Dr. Peter J. Williams:

Warum wir der Bibel vertrauen können 10: Der göttliche Anspruch

Allein schon aufgrund der Schönheit der Bergpredigt halten viele Menschen Jesus für einen weisen Lehrer. Auch Paulus, Petrus oder die alttestamentlichen Propheten würden nicht wenige Zeitgenossen so einstufen. Das Problem dabei ist: Jesus sah sich selbst nie als einen weisen Lehrer, ebenso wenig Paulus, Petrus oder die Propheten. Vielmehr nehmen alle biblischen Autoren für sich in Anspruch, dass ihre Aussagen direkt von Gott kommen. So sahen sich Mose und die alttestamentlichen Propheten als direkte Sprachrohre Gottes. Paulus betonte, dass seine Lehre nicht menschlich sondern eine direkte Offenbarung Gottes ist. Jesus sah sich gar selbst als Gott. Aufgrund dieses göttlichen Anspruchs wurde er gekreuzigt!

Es gab viele kluge Lehrer in der Geschichte. Aber keiner von ihnen sagte von sich selbst, dass er Gottes Worte verkündigt oder Gott ist. Somit geben uns die Texte der Bibel nicht die Möglichkeit, sie als weise menschliche Lehre einzuordnen. Es bleiben uns stattdessen nur 3 Optionen im Umgang mit der Bibel:

  1. Die Bibel ist das Werk von religiösen Schwärmern und Spinnern, die sich selbst oder ihre Botschaft für göttlich hielten.
  2. Die Bibel ist der größte und dreisteste Betrugsfall der Weltgeschichte.
  3. Die Bibel ist tatsächlich Gottes Wort.

Angesichts der komplexen und ausgefeilten Theologie und der herausragenden Ethik stellt sich in Bezug auf Option 1 natürlich die Frage: Kann das wirklich das Werk durchgeknallter religiöser Spinner sein? Mir scheint, dass das niemand ernsthaft annehmen kann.

Bleibt also die Option des großen Betrugs, dessen Ausmaß und Heimtücke man sich kaum vorstellen kann: Zahlreiche Menschen waren daran beteiligt. Sie alle müssen – teilweise in Absprache miteinander – entschlossen gewesen sein, das Volk Israel bzw. sogar die ganze Weltbevölkerung an der Nase herumzuführen und ihnen eine große religiöse Geschichte aufzutischen, die in Wahrheit nichts als ein Märchen ist. Schon Mose hätte damit begonnen, als er die 10 Gebote heimlich verfasst hat (u.a. mit dem Gebot, dass man nicht lügen darf!) und sie dann dem Volk Israel als von Gott selbst geschriebene Tontafeln verkaufte. Extrem dreist waren die alttestamentlichen Propheten, die zwar selbst Gottes Stimme nicht hören konnten aber permanent vor falschen Propheten warnten, die genau das gleiche taten wie sie selbst. Ebenso schlimm waren die jüdischen Gelehrten, die die prophetischen Texte im Nachhinein adelten durch das heimliche Einfügen angeblicher Vorhersagen. Am meisten fassungslos machen muss uns jedoch der gemeinsame Komplott der Jünger Jesu, als sie die Story von der Auferstehung, den Wundern, der Jungfrauengeburt in Betlehem und den Lehren und Vorhersagen Jesu erfanden und gemeinsam in alle Welt hinaustrugen.

Die großen Probleme dieser Lügentheorie haben wir ja bereits besprochen: Wer hatte etwas von all diesen Lügen? Und ist es überhaupt denkbar, dass ein Werk mit einer so komplexen Theologie und herausragenden Ethik von einer Horde Betrüger verfasst wurde?

Wir können diese Fragen mit naturwissenschaftlichen Mitteln niemals endgültig klären. Aber nüchtern gesehen muss man anerkennen: Die erfolgreiche Verbreitung in der Region und der Zeit der Augenzeugen, die zahllosen erfüllten Vorhersagen, die durchgängige Geschichte, das zutreffende Menschen- und Weltbild, das einzigartige Gottesbild und die herausragende Ethik kombiniert mit dem göttlichen Anspruch passt weder zu klugen Theologen noch zu religiösen Spinnern oder Betrügern. Übrig bleibt dann aber nur die Erklärung, dass hier tatsächlich Gott gesprochen hat.

All das belegt: Der christliche Glaube basiert nicht auf Märchen, Legenden oder Phantasie. Er kann sich auf Fakten berufen: Auf ein leeres Grab, auf zahlreiche Zeugen, die für diese Botschaft ihr Leben ließen und auf ein Buch, das in der Welt seinesgleichen sucht.

C.S. Lewis war einer der größten englischen Autoren und Literaten des 20. Jahrhunderts. Er war ein Freund Tolkiens und hat die berühmten Narnia-Bücher verfasst. Im Lauf seines Lebens hat er sich durch die Beschäftigung mit der Bibel vom Atheismus zum Christentum bekehrt. Ich möchte mein Plädoyer für die Vertrauenswürdigkeit der Bibel beschließen mit einem Zitat aus seinem Buch „Pardon – ich bin Christ“. Darin begründet dieser kluge Denker seine Hinwendung zum christlichen Glauben mit den folgenden Sätzen:

„Damit versuche ich, jedermann vor dem wirklich läppischen Einwand zu bewahren, er sei zwar bereit, Jesus als großen Morallehrer anzuerkennen, aber nicht seinen Anspruch, GOTT zu sein. Gerade das können wir nicht sagen. Ein Mensch, der nur ein Mensch ist, der solche Dinge wie Jesus sagt, wäre kein großer Morallehrer. Er wäre entweder ein Irrer – (auf der Ebene eines Menschen, der sagt, er wäre ein gekochtes Ei) – oder der Satan in Person. Wir müssen uns deshalb entscheiden: Entweder war (und ist) dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Man kann ihn als Geisteskranken einsperren, man kann ihn verachten oder als Dämon töten. Oder man kann ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber man kann ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht, diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen.

So stehen wir nun vor einer erschreckenden Alternative. Entweder war (und ist) dieser Mann, von dem wir reden, genau der, der er zu sein behauptete, oder er war ein Irrer, wenn nicht Schlimmeres. Nun scheint es mir allerdings klar, dass er weder ein Irrer noch ein Teufel war; das bedeutet dann aber, dass ich anerkennen muss, dass er Gott war und ist – auch wenn mir das seltsam oder furchterregend oder einfach unwahrscheinlich vorkommt. Gott ist in menschlicher Gestalt auf diese feindbesetzte Erde gekommen.“