Die EKD und die Homo-Ehe

Ein offener Brief an Heinrich Bedford-Strohm

Sehr geehrter Herr Bedford-Strohm,

Sie begründen Ihr Votum für die Homo-Ehe mit der Aussage, dass die Bibel zur “Überwindung von Diskriminierung jeder Art” ermutige. Damit tragen Sie leider mit dazu bei, dass jedes auch noch so seriöse Argument gegen die Homo-Ehe als “Diskriminierung” abgestempelt wird. So wird der notwendige Dialog leider verhindert, nicht gefördert.

Ihre Argumentation ist zudem äußerst fragwürdig: Es gibt viele Varianten, in denen Menschen verbindlich zusammen leben und sich lieben können, nicht nur die Verbindung zweier Partner. So hat Eske Wollrad von den evangelischen Frauen ja bereits gefordert, sich genauso für polyamore Beziehungen zu öffnen. Wenn die Definition von Ehe = 1 Mann und 1 Frau aufgelöst wird und nur noch Liebe und Verbindlichkeit die Kriterien sind, gibt es keinen Grund, nicht auch noch weitere vielfältige Formen des Zusammenlebens als Ehe zu bezeichnen.

Ganz abgesehen davon, dass das theologisch äußerst fragwürdig ist: Die Väter und Mütter des Grundgesetzes hatten gute Gründe, gerade die Verbindung von 1 Mann und 1 Frau besonders zu schützen, denn diese Verbindung ist nun einmal in unvergleichlicher Weise die Keimzelle einer Gesellschaft und der optimale Schutzraum für das Gebären und das Aufwachsen von Kindern. Durch den Art. 6 des Grundgesetzes wird niemand diskriminiert oder abgewertet. Mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft haben gleichgeschlechtlich Liebende auch jetzt schon die Möglichkeit, ihrem Willen zu einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft eine rechtlich verbindliche Gestalt zu geben. Die Rechtsfolgen sind – abgesehen von der Adoption, die ja auch Sie (noch?) in Frage stellen – auch schon jetzt den Rechtsfolgen der Ehe zum größten Teil nachgebildet.

Blogbild Bedford-StrohmAber wenn Sie die gleichgeschlechtliche Partnerschaft als “Ehe” bezeichnen helfen Sie mit, dass das Leitbild der Ehe zwischen Mann und Frau durch das Leitbild der sexuellen Vielfalt ersetzt wird. Dieser Wandel wird nach meiner festen Überzeugung schwerwiegende Folgen für unsere Gesellschaft nach sich ziehen, denn die immer lauter werdende Ermutigung zum “Anything goes” bringt am Ende eben weniger und nicht mehr verbindliche Partnerschaften und damit auch weniger Schutzräume für das gesunde Aufwachsen von Kindern hervor.

Viele engagierte Kirchenmitglieder, die sich – so wie Volker Kauder – gegen die Homo-Ehe aussprechen, sehen sich gerade jetzt einem enormen medialen Trommelfeuer ausgesetzt (in den Tagesthemen wurden Gegner der Homoehe z.B. jüngst als “intolerante Ewiggestrige” bezeichnet). Das gilt noch mehr für unsere Geschwister in der katholischen Kirche. Ihr einseitiges Votum fügt deshalb der Ökumene genau wie dem innerkirchlichen Miteinander Schaden zu.

Als Ratsvorsitzender wäre es deshalb das Mindeste gewesen, sich auch vor diese Kirchenmitglieder zu stellen, indem Sie klar stellen, dass ein Votum gegen die Homo-Ehe zunächst einmal mit Diskriminierung und Intoleranz NICHTS zu tun hat und indem Sie um Verständnis und Respekt für die vielen Christen werben, denen zwar Liebe und Respekt für Menschen mit homoerotischem Empfinden äußerst wichtig ist, die aber aus ihrem Gewissen vor Gott einer Homo-Ehe nicht zustimmen können.

In der Sorge um die Kirche und der Liebe zu Jesus verbunden,

Dr. Markus Till

Die Stellungnahme von Herrn Bedford-Strohm im Wortlaut:

Nach der Volksabstimmung in Irland wird in Deutschland über die Konsequenzen für unser eigenes Land diskutiert. Folgendes habe ich dem SPIEGEL auf Anfrage dazu gesagt:

“Mich haben nach der Entscheidung in Irland die Fernsehbilder von den Menschen berührt, die diese Entscheidung ausgelassen gefeiert haben, weil sie gleichgeschlechtlich Liebenden einen Weg eröffnet, ihre Liebe verbindlich zu leben. Man kann sich nur darüber freuen, wenn Menschen, die sich lieben, ihre Liebe auch verbindlich und verantwortlich leben. Das gilt für Mann und Frau. Das gilt aber auch für gleichgeschlechtlich Liebende. In der evangelischen Kirche ist in dieser Frage in den letzten Jahren ein Diskussionsprozess in Gang gekommen, der noch nicht abgeschlossen ist. Für mich ergibt sich aus zentralen biblischen Geboten der Impuls zu einer Öffnung der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Das Liebesgebot Jesu und seine „Goldene Regel“ („Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“) sind Grundorientierungen, die zur Überwindung von Diskriminierung jeder Art ermutigen. Sie wiegen für mich schwerer als einzelne Bibelstellen, die Homosexualität kritisieren. Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft eine neue Kultur der Verbindlichkeit in unseren Beziehungen. Deswegen ist die Ehe für mich ein Zukunftsmodell, für das ich werbe. Dass es für gleichgeschlechtlich Liebende die Möglichkeit gibt, ihrem Willen zu einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft eine auch rechtlich verbindliche Gestalt zu geben, begrüße ich ausdrücklich. Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch kein bisschen geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen. Entscheidend ist die Stärkung der Verbindlichkeit unserer Lebensformen. Im Blick auf das Adoptionsrecht hat die EKD in der Vergangenheit darauf aufmerksam gemacht, dass bei Adoptionen nicht der Wunsch von Erwachsenen, sondern das Wohl der Kinder der entscheidende Gesichtspunkt sein muss. Hier sehen wir weiterhin Diskussionsbedarf.”

Siehe auch:

4 Gedanken zu „Die EKD und die Homo-Ehe

  1. Lieber Herr Bedford-Strohm,
    hat Gott, als Er Homosexualität als Gräuel verdammte, wissen können, dass eine Zeit kommen könnte, in der sie von Seiner Kirche als völlig mit Seinem Willen übereinstimmend eingestuft würde? Glauben Sie also, dass Gott Sein Urteil von damals wiederrufen bzw. ändern würde?
    Ist das nicht sehr naiv, so etwas anzunehmen?

    Die Kirche hat ein politisches Mandat. Nachdem sich unsere Gesellschaft immer mehr von Gott entfernt, wäre Kirche aufgerufen, nicht dem Zeitgeist gehorchend diese Entwicklung abzusegnen, sondern korrigierend ihr Wort zu erheben.
    Wir sollten ebenfalls den Mut haben, mit dem uns die Katholische Kirche vorangeht. Anstatt dessen fallen Sie vielen Gläubigen, die nicht Ihrer Meinung sind, in den Rücken, indem Sie uns Diskriminierung vorwerfen, so, als wüßten wir nicht, dass wir am Beispiel Jesu den Sünder lieben, aber die Sünde hassen sollen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Peuckert, Pfr.i.R.

  2. Sehr geehrter Herr Bedford-Strohm

    Den Bibelkritikern unserer Zeit hat der Teufel die Bibel teilw. oder schon völlig genommen. Sie vertrauen ihren eigenen Theorien mehr als dem Wort Gottes.
    Und das wird Gott sich nicht gefallen lassen !
    Ich bin nicht um die Sache Jesu besorgt, aber um die geistliche Talfahrt in unserem Land.
    Ich kann mich ganz der Aussage von Schirrmacher anschliesen, der sagt:
    “Bibelkritik ist Majestätsbeleidigung, und dabei ist es ganz egal, ob es sich um ein direktes Infragestellen, um praktisches Zuwiderhandeln oder um fromme Methoden, die Bibel zu ergänzen, umzudeuten oder in den Griff zu bekommen, handelt.
    Bibelkritk ist kein Kavaliersdelikt !”

    Mit herzlichen Grüßen
    Christoph Kestel / LKG – Oelsnitz Erz.

  3. Lieber Herr Bedford-Strohm
    Mit der Goldenen Regel zu argumentieren “Alles, was ihr von den Menschen erwartet, das tut auch Ihnen” ist für mich der Gipfel der Unverschämtheit.
    Ich erwarte vor allem von den Menschen, dass sie ehrlich und authentisch sind.Kinder brauchen Vorbilder, die ehrich und authentisch sind.
    Eine Ehe ist die Verbindung von Mann und Frau, die in der Bibel festgelegt ist und für die Zeugung von Kindern ( grundsätzlich ) offen ist.
    Ein “Nachäffen” dieser Institution wird weder der Ehe gerecht noch Homosexuellen.

    Von Bischöfen erwarte ich, dass sie sich nicht dem Mainstream beugen, sondern ein Dilemma – Homosexualität und Gesellschaft und Kirche – aushalten können und mit Hilfe des Heiligen Geistes Wege finden, die sowohl der Botschaft wie auch der betroffenen Menschen gerecht werden – “Ehe für alle” tut es nicht.

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