86 Gott und nicht das Geld muss die Kirche leiten

These 86

Lukas 16, 13: „Niemand kann zwei Herren dienen. … Ihr könnt nicht Gott und dem Geld zugleich dienen.“

„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“: Geld schafft zwangsläufig immer ein System von Abhängigkeiten. Würde ich wirklich auch dann noch radikal Gott und meinem Gewissen folgen, wenn meine persönliche Existenz dabei auf dem Spiel steht? Oder mache ich doch lieber Kompromisse, wenn es das System, das mich ernährt, von mir fordert? Das sind schwierige Fragen, die wohl niemand von uns so einfach und klar beantworten kann.

Paulus wusste das. Deshalb hat er strikt darauf geachtet, niemals finanziell von jemand abhängig zu sein. Das hat ihn frei gemacht, klar und deutlich für seine Überzeugungen zu stehen, selbst wenn sie ihn mit Petrus oder anderen Persönlichkeiten der damaligen Kirche in Konflikt gebracht haben.

Jesus hat sehr klar gemacht, dass er beim Geld keine Kompromisslinie sieht. Entweder regiert Gott oder das Geld. Beides geht nicht. Ich glaube deshalb, dass sich die Kirche einigen schmerzhaften Fragen stellen muss:

Die großen Kirchen leben von Kirchensteuern, die zu einem erheblichen Teil von Menschen bezahlt werden, die nicht von Herzen Jesus folgen. Inwieweit lähmt das die missionarische Klarheit der Kirche? Inwieweit hält das die Kirche davon ab, Menschen in Frage zu stellen und zur Umkehr zu rufen? Inwieweit ist das strikte Beharren auf der Praxis der Kindertaufe und das harte Ausschließen anderer Taufauffassungen tatsächlich theologisch begründet oder doch auch in der Sorge, dass ohne Kindertaufe die finanzielle Basis der Volkskirche wegbricht? Wie konsequent achtet die Kirche darauf, dass die zu den Sakramenten gehörenden Bekenntnisse (z.B. der Taufpaten) wirklich ernst genommen und ernst gemeint werden? Oder vermeidet sie solche Fragen, um niemand zu verschrecken? Welche Auswirkungen hat das auf den Wert der kirchlichen Sakramente und die Glaubwürdigkeit der Kirche?

Die Kirche in Deutschland ist reich. Jesus hat deutlich gemacht, dass Reichtum sich nur schwer verträgt mit dem schmalen Weg, der ins Reich Gottes führt. Manche behaupten, dass deshalb die Abschaffung der Kirchensteuer notwendig ist auf dem Weg zu einer gesunden Kirche. Egal, wie man dazu steht, Fakt ist: Wenn die Kirche sich innerlich vom Geld statt von Gott leiten lässt kann sie nicht gesunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.