Paradigmenwechsel: Die harten und die weichen Themen

Paradigmenwechsel: Die harten und die weichen Themen

Vor einiger Zeit war ein hochrangiger Kirchenvertreter in unserer Kirchengemeinderatssitzung zu Gast. Ich durfte den Abend mit einem biblischen Impuls einleiten. Im Blick auf unsere blühende und wachsende Jugendarbeit warnte ich: Es reicht nicht, wenn unsere Programme gut laufen! Erst wenn unsere jungen Leute lernen, sich selber in der Bibel zu verwurzeln und aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus zu schöpfen (Kol. 2, 7) haben wir einen nachhaltigen Erfolg erzielt!

Nach meiner Andacht bedankte sich unser Gast und leitete den folgenden Sitzungsteil mit den Worten ein: „Kommen wir jetzt von den weichen Themen wie Bibellesen und Beten zu den harten Themen.“ Dann ging es ausführlich um Finanzen, Bauprojekte, Pfarrstellen, Mitarbeitersituation und aktuelle Veranstaltungen.

Mich aber hat die ganze Zeit sein Eingangsstatement nicht losgelassen: Sind DAS wirklich die harten Themen? Sind es diese Themen wirklich wert, ihnen den größten Teil unserer Aufmerksamkeit und Energie zu schenken, während wir über Fragen zum geistlichen Leben nur kurz zu Beginn sinnieren, ohne weiter darüber zu sprechen?

Je länger ich darüber nachdenke wird mir klar: Wir brauchen einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Kirche! Genau wie die Hingabe an Gott allein entscheidend war für den Erfolg der Könige Israels (eindrücklich nachzulesen in den Könige- und Chronik-Büchern) wird sich die Zukunft der Kirche letztlich allein an der Qualität ihres geistlichen Lebens entscheiden. Aus der engen Verbindung  mit Jesus wächst Alles, was die Kirche Jesu seit jeher ausgemacht hat: Ihre Ausstrahlung, ihre Kraft, ihre Leidenschaft, ihre Glaubwürdigkeit, ihre Opferbereitschaft. Alle anderen Themen sind nur Symptome, an denen wir vergeblich herumdoktern, solange unser geistliches Leben lahmt.

Unser Fokus in der Kirchen- und Gemeindeleitung muss deshalb wieder auf den Themen liegen, die auch die Apostel als ihr Kerngeschäft ansahen: Gebet und Gottes Wort (Apg. 6, 1-4). DAS sind die harten Themen, die darüber entscheiden, ob Gemeinde und Kirche gesund und nachhaltig wächst oder nicht. DAS sind die Themen, an denen sich entscheiden wird, ob wir mittelfristig überhaupt noch Finanzen, Gebäude, Pfarrstellen, Mitarbeiter und Veranstaltungen haben werden oder nicht.

Frustrierend war für mich in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Themen und Beschlüsse der letzten EKD-Synode (siehe unten). Da geht es um Politik, Geld, Gesellschaft, Organisation und Recht. Was ich hingegen überhaupt nicht finde ist: Geistliches Leben fördern. Die Menschen für das Bibelstudium begeistern. Ein lebendiges Gebetsleben entwickeln. Das Evangelium glaubwürdig und kraftvoll bezeugen. Missionarischen Gemeindeaufbau voranbringen…

Dass sich die EKD-Spitze so sehr auf politische Themen konzentriert ist besonders traurig wenn man berücksichtigt, was eine EKD-eigene Studie jüngst zutage gefördert hat: Demnach interessieren sich nicht einmal aktive Gemeindeglieder für die Papiere, die an der Spitze der EKD verfasst werden. Selbst bei hochbrisanten Themen gilt, dass für die Gemeindeglieder „Informationen der EKD und Diskussionen auf der Ebene der EKD praktisch keine Rolle spielen“.

Umso mehr ist es Zeit, umzukehren. Hin zum Gebet. Hin zu Gottes Wort. Hin zur Konzentration auf die alles entscheidende Frage, wie authentisches geistliches Leben in unseren Gemeinden, Gruppen und Kreisen wachsen kann. Kirchliche Organisationen haben nur dann eine Überlebenschance, wenn sie sich diesem Paradigmenwechsel schnell und gründlich stellen.

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Was die EKD-Synode 2016 beschlossen hat (vollständig nachzulesen hier):

Schwerpunktthema: Bekräftigung für ein “Europa des Friedens, der Aussöhnung und der Gerechtigkeit”

Kundgebung gegen Judenmission

Politische Beschlüsse:

  • Entschließung zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen
  • Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer
  • Integration als Motor der politischen Erneuerung (Für “Inklusive Integrationspolitik”)
  • Verstetigung des Förderprogramms „Demokratie leben“
  • Studien zur „Haltungen von Kirchenmitgliedern im Kontext politischer Kultur“
  • Kompetenzerweiterung von KiTa-Leitern im Umgang mit religiöser Vielfalt
  • KiTas sollen von der öffentl. Hand besser ausgestattet werden
  • Teilhabe für Menschen mit Behinderungen verlässlich sichern
  • Zusammenführung und Modernisierung der Pflegeausbildung

Beschlüsse zum Umweltschutz:

  • Konsequente Umsetzung des Weltklimaabkommens von Paris

Kirchenpolitische Beschlüsse:

  • Entlastung der Haushalts- und Kassenführung
  • Beschluss EKD-Haushalt 2017
  • Verbindungsmodell zwischen EKD, VELKD und UEK
  • Bitte um Information zur friedensethischen Diskussion und Projekte zur Friedensethik
  • Dauerhafte kostenlose Bereitstellung einer kostenlosen Bibel-App
  • Berichterstattung über den Prozess „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“
  • Unverständnis über die Abschaffung der Frauenordination in Lettland
  • Richterwahl Verfassungsgerichtshof der EKD
  • Änderung Geschäftsordnung EKD-Synode
  • Änderungen dienstrechtlicher Regelungen im Kirchengesetz

Siehe auch:

2 Gedanken zu “Paradigmenwechsel: Die harten und die weichen Themen

  1. Hallo lieber Markus, ich bin sehr froh, dass du das so siehst.

    Wo bitte steht in der Bibel etwas von Kirchenbau oder Pfarrstellen. Von Sorgen wegen der Finanzen? Es steht noch nicht mal etwas von Mitgliedschaft in der Schrift, sondern von Verbindlichkeiten, für das Einstehen und Kümmern für einander.
    Das Haus Gottes stellen die dar, die Gottes Geist in sich haben. Weil der Heilige Geist in ihnen lebt, sind sie lebendige Steine und wenn diese sich formieren, sind sie auch schlagkräftig, lebendig und lassen sich formen.
    Und wie du schon sagst, in Kol. 2, 6-15 steht genau das geschrieben, was die Aufgabe derer ist, die von Gott berufen sind. Christus ist der Grund für das echte Leben.
    So lasst uns die ‚weichen Themen‘ weiter ausbauen und uns auf das Kerngeschäft, das Leben in Jesus Christus, konzentrieren. Die Versöhnung mit Gott ist zu wertvoll, um es zu vernachlässigen. Wissen wird doch, dass die Ewigkeit ewig dauert und sollten uns darauf einstellen wo wir sie verbringen wollen. LG
    In Kol.1, 21-23 steht:
    21 Auch euch, die ihr einst Fremde wart und feindlich gesinnt in bösen Werken,
    22 hat er nun versöhnt durch seinen sterblichen Leib, durch seinen Tod, auf dass er euch heilig und makellos und untadelig vor sein Angesicht stelle;
    23 wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel. Sein Diener bin ich, Paulus, geworden.

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