Umkämpfte Einheit (3): Erkenntnis-Riesen

Ich würde mich selbst als “bibeltreu” bezeichnen. Manche Zeitgenossen würden mich gar einen „Fundamentalisten“ nennen. Ich finde das traurig. Schließlich ist dieses Wort extrem negativ belegt. Oft wird es sogar mit Gewaltbereitschaft assoziiert. Wer friedliche Mitchristen mit solchen Kampfbegriffen diffamiert offenbart viel über seine Geisteshaltung.

Andererseits muss ich sagen: In der Tat halte ich das Fundament der Bibel für absolut unverzichtbar für die Kirche! Der liberale theologische Ansatz, der die Bibel für fehlerhaft hält und den menschlichen Verstand zum Richter über wahr und falsch macht, hat eine Schneise der Verwüstung durch die Kirche geschlagen und das Fundament für die Einheit der Kirche massiv beschädigt. Denn außer der Bibel hat das Christentum nun einmal keine verbindliche Erkenntnisquelle! Wenn Menschen willkürlich nach selbstdefinierten Kriterien darüber entscheiden, ob Bibelstellen Autorität haben oder nicht, diffundiert die Kirche zwangsläufig immer weiter auseinander.

Die Abkehr von liberaler Theologie ist aber noch lange keine Garantie für Einheit. Bei der Auslegung der Bibel können auch Bibeltreue katastrophal irren: So wurde Jesus gerade von den Bibelgelehrten als völlig unbiblisch abgelehnt. In der Kirchengeschichte gibt es zahlreiche Beispiele, wie selbst große Bibelkenner zu Feinden guter christlicher Bewegungen wurden, weil sie ihre speziellen Bibelerkenntnisse zu Dogmen oder gar Kirchengesetzen erhoben und als Waffe gegen Andere eingesetzt haben (die Verfolgung der Täufer durch die Reformatoren ist ein fürchterliches Beispiel dafür). Dabei hatte Gott das Neue Testament doch gerade nicht als Gesetzes- und Paragraphenkatalog verfasst. Wenn Menschen aber meinen, das für ihn nachzuholen zu müssen, endet das irgendwann immer im Desaster!

Wir können also sowohl auf der liberalen als auch auf der bibeltreuen Seite vom Pferd fallen. Auf beiden Seiten machen wir den gleichen Fehler: Wir stellen unsere menschliche Erkenntnis hochmütig über die Bibel und machen uns gottgleich zur obersten Wahrheitsinstanz. Dadurch werden wir zu Erkenntnis-Riesen, die die Einheit der Kirche gnadenlos zertrampeln.

Bibelpendel

Erkenntnis-Riesen zeigen mit dem Finger auf die Splitter in den Augen Anderer, haben aber selbst ein Brett vor dem Kopf. Sie meinen, immer ganz genau zu wissen, wie die Bibel auszulegen ist, vergessen dabei aber, dass sogar der große Theologe Paulus seine Erkenntnis für Stückwerk hielt und auch uns eindringlich zugerufen hat: “Bildet Euch nicht ein, alles zu wissen!“ Unser menschliches Bibelverständnis bleibt also ein Stück weit immer unvollständig und subjektiv. Hüten wir uns deshalb davor, uns vorschnell zum Richter über andere theologische Auffassungen zu machen!

Und noch einen äußerst wichtigen Grundsatz hat uns Paulus für den Umgang mit Wissen und Erkenntnis gelehrt: Wissen kann uns ein Gefühl von Wichtigkeit verleihen, doch nur die Liebe baut die Gemeinde wirklich auf .Wer behauptet, alle Antworten zu kennen, hat in Wirklichkeit kaum begriffen, auf welche Erkenntnis es ankommt. Doch wer Gott liebt, der ist von Gott erkannt“. (1. Korinther 8, 1-3)

Erkennen ist in der Bibel ein Synonym für das Einswerden in einer engen, intimen Beziehung. Echte theologische Erkenntnis wächst somit immer nur in der innigen Beziehung mit dem himmlischen Vater! ER ist der Autor der Bibel. Nur in der Verbindung mit ihm können wir lernen, was er wirklich gemeint hat! Aber ohne seinen Geist macht Erkenntnis uns zu hartherzigen, arroganten Einheitskillern: „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2. Korinther 3, 6b).

Als Christen glauben wir im Gegensatz zum aktuellen Zeitgeist daran, dass es eine allgemeingültige Wahrheit gibt. Aber wir sind nicht im Besitz der Wahrheit! Vielmehr streben wir danach, dass die Wahrheit in Person (nämlich Jesus) immer mehr Besitz von uns ergreift! Erst wenn wir diesen feinen aber wichtigen Unterschied verstehen und unsere Besitzansprüche auf Wahrheit aufgeben werden wir nicht länger in der Gefahr stehen, uns anderen Menschen gegenüber überlegen zu fühlen und ihnen entsprechend arrogant zu begegnen. Und gerade weil unsere heutige postmoderne Gesellschaft jeden Alleinvertretungs­anspruch auf Wahrheit als gefährlichen Hang zu Machtausübung und Manipulation wahrnimmt, können wir den Menschen nur in dieser demütigen Haltung das Evangelium bringen – und zugleich unnötigen Streit und Spaltung in der Gemeinde Jesu vermeiden.

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Es ist höchste Zeit, uns neu der Bibel als Gottes Wort in Ehrfurcht unterzuordnen und gleichzeitig die enge, innige Verbindung mit dem Autor der Bibel, dem liebevollen himmlischen Vater zu suchen in dem Wissen, wie unvollkommen und abhängig wir von ihm sind. Dann haben Erkenntnis-Riesen keine Chance mehr.

Teil 4 von „Umkämpfte Einheit“ befasst sich mit Stolz-Riesen und Selbstwert-Zwergen. Sie treten meist gemeinsam auf und sind die grausamsten Einheitsfeinde, die ich persönlich kennengelernt habe. Es ist deshalb ganz besonders wichtig, sie zu durchschauen.

Siehe auch:

 

Umkämpfte Einheit (2): Schein-Riesen, Einheitlichkeit und Beliebigkeit

Weltweit gibt es heute etwa 45.000 verschiedene Kirchen („Denominationen“), Tendenz weiter steigend. Da kann man schon mal frustriert darüber sein, wie zersplittert die Christenheit ist. Schon Paulus hatte sich darüber beklagt, wie stark wir Christen zur Parteibildung neigen.  Das scheint sich seither nicht gebessert zu haben.

Und trotzdem glaube ich, dass diese Vielfalt zunächst einmal kein grundsätzliches Problem ist. Im Gegenteil: Unsere Gesellschaft ist so vielfältig, dass wir unbedingt vielfältige Organisationsformen und Prägungen brauchen, um die unterschiedlich geprägten Menschen mit dem Evangelium erreichen zu können. Einheit ist nicht Einheitlichkeit! Vielfalt ist ein Schatz, an dem wir uns freuen dürfen!

Außerdem habe ich es immer wieder erlebt: Einheit beginnt oft gerade dann, wenn wir einander loslassen und dafür freisetzen, andere Wege zu gehen und verschiedene Berufung auszuleben!  Auch innerhalb von Gemeinden finde ich es deshalb wichtig, eine gewisse Vielfalt bewusst zu fördern. Wir könnten viel Streit und Spaltung vermeiden, wenn wir begreifen, dass Einheit und Vielfalt keine Gegensätze sind sondern im Gegenteil notwendigerweise zusammengehören.

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Auf Kirchentagen scheint man bei diesem Thema schon sehr weit zu sein. Was gibt es da nicht alles für bunte und vielfältige Gruppen! Sogar Vertreter anderer Religionen sind dabei. Und trotz aller Gegensätze feiern sie alle friedlich und fröhlich ein großes gemeinsames Fest. Ist das nicht toll?

In der Tat gibt es viel Gutes auf Kirchentagen. Aber es bleibt ein fahler Beigeschmack. Denn die krassen Gegensätze, die dort gleichzeitig vertreten werden, führen zwangsläufig zu der Frage: Wo bitte ist denn hier eigentlich noch die gemeinsame Basis???

Das zeigt das andere Extrem: Wenn nur noch von Vielfalt aber kaum noch von Wahrheit die Rede ist, dann gibt es vielleicht ein nettes Nebeneinander. Aber mit der Einheit, für die Jesus gebetet hat, hat das nichts zu tun! Die Bibel macht sehr deutlich, dass wir nicht kritiklos einfach alles umarmen sollen, was sich christlich gibt (1. Kor. 5, 11). Einheit darf also niemals Beliebigkeit bedeuten!

Aber mit welchen Personen sollen wir denn dann eins sein und mit welchen nicht? Wer gehört zum Leib Christi dazu? Vielleicht alle, die bestimmte theologische Grundsätze bejahen können? Die Glaubenssätze der evangelischen Allianz finde ich z.B. sehr hilfreich. Aber wer definiert, bei welchen theologischen Differenzen die Grenze liegt?

Ich glaube, dass es auf diese Frage keine eindeutige Antwort gibt. Wir müssen uns damit abfinden, dass solch ein Urteil letztlich allein Gott fällen kann. Und das ist auch gut so! Aber einen Hinweis habe ich doch in der Bibel gefunden, der mir im Blick auf diese Frage richtungsweisend wurde: In 2. Timotheus 2, 22 ermahnt uns Paulus zur Einheit mit allen, „die mit aufrichtigen Herzen den Herrn anrufen.“ Und in Epheser 6, 24 wünscht er Gottes Gnade „allen, die Jesus lieb haben“. Die authentische Liebesbeziehung zu Jesus war für Paulus also offenbar DAS zentrale Kriterium. Das zeigt: Gott hat nicht so sehr theologische Detailfragen im Blick sondern vielmehr unsere Herzenshaltung!

Erfreulicherweise konnte ich schon in den unterschiedlichsten Gruppen, Kirchen und Bewegungen Leute treffen, die Jesus von Herzen lieb haben. Und im Zweifelsfall gilt: „Die Liebe glaubt alles, sie hofft alles“ (1. Korinther 13, 7). Sie geht erst einmal vom Guten aus! Darum will ich Christen zuerst einmal mit Respekt und Achtung begegnen und offen sein dafür, dass Gott mich mit ihnen verbinden möchte, auch wenn sie anders geprägt sind und z.T. andere theologische Standpunkte vertreten als ich.

Lassen wir uns also zukünftig weder von Beliebigkeits- noch von Einheitlichkeitsfans täuschen. Das sind Schein-Riesen, die nur scheinbar für Einheit sind, uns in Wahrheit aber aus dem gelobten Einheits-Land vertreiben! Echte Einheit ist Herzenssache und keine Frage gleicher Prägung, Kirchenmitgliedschaft oder Übereinstimmung in allen theologischen Details. Sie wächst, wo Menschen mit einer authentischen Liebe zu Jesus aufeinandertreffen. Sie verflüchtigt sich, wenn Glaube beliebig wird und Jesus aus dem Zentrum gerät. Vielfalt ist gut – solange Jesus die Mitte ist. Mit IHM als Haupt des vielfältigen Leibes haben Schein-Riesen keine Chance mehr.

Teil 3 von „Umkämpfte Einheit“ berichtet von den Erkenntnis-Riesen. Sie treten gewichtig auf, zertrampeln die Einheit aber gnadenlos! Höchste Zeit, sie zu durchschauen!

Siehe auch:

Umkämpfte Einheit

Ein Frontbericht vom größten Kampfplatz des Christentums

Nie werde ich diesen Anblick vergessen: Es war 1989 auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin. Eine große, alte Kirche, bis auf den letzten Platz gefüllt, eine Band spielt, junge und alte Menschen singen inbrünstig, manche mit hoch erhobenen Händen. Von Prophetie ist die Rede, und vom Heiligen Geist. Ich nutze die Möglichkeit, mich mit Handauflegung segnen zu lassen – und bin angesteckt von der begeisternden Atmosphäre.

Aber eine Bekannte warnte mich. Sie schenkte mir ein Buch, in dem die Meinung vertreten wurde, dass diese sogenannte „charismatische Bewegung“ eine Verführung sei, in der dämonische Mächte am Werk wären. Das verunsicherte mich. Wer will schon etwas mit Dämonen zu tun haben?

Später lernte ich, dass diese Sichtweise auf einen uralten Konflikt aus dem Jahr 1909 zurückgeht: Damals hatte die deutsche Gemeinschaftsbewegung in der sogenannten „Berliner Erklärung“ den Geist der Pfingstbewegung als einen „Geist von unten“ bezeichnet. Dadurch entstand eine tiefe Trennung zwischen den pfingstlich/charismatisch geprägten Christen und den traditionellen pietistischen und evangelikalen Gruppen.

Über 1 Jahr habe ich gebraucht, um in diesem Konflikt meine Position zu finden. Sehr geholfen hat mir ein Besuch bei meinem Bruder, der damals als Bibelschullehrer in Afrika tätig war. Dort gab es diese Spaltung nicht. Die vielfältig geprägten Gemeinden und Werke haben ganz selbstverständlich zusammengearbeitet. Das war für Alle ein großer Segen. Seither bin ich überzeugt, dass dieses Gegeneinander nicht Gottes Wille sein kann. Im Gegenteil: Einheit ist absolut notwendig, und zwar vor allem aus 2 Gründen:

  1. Jede Gemeinschaft hat Stärken und Schwächen. Niemand kann alles leisten. Wir sind auf gegenseitige Ergänzung und Unterstützung angewiesen! Die Bibel sieht die Christen eines Hauskreises, einer Gemeinde, einer Firma, einer Schule, einer Stadt, einer Region als Leib (Römer 12, 5). Fehlende Einheit führt dazu, dass die einzelnen Glieder des Leibes sich nicht gegenseitig unterstützen und ergänzen können. Kein Wunder, wenn das Christentum dann kraft- und erfolglos ist. Einheit ist deshalb die grundlegende Voraussetzung dafür, dass wir als Leib Christi in einer Gemeinde oder in einer Region etwas bewegen können!
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  2. In Johannes 17, 21 betet Jesus: „Ich bete für sie alle, dass sie eins sind … damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Einheit macht also unser Zeugnis über Jesus glaubwürdig. Wo Einheit fehlt, glaubt uns kein Mensch mehr, dass wir Christen etwas Wichtiges zu sagen haben!

Die Folgen können wir leider in unserem Land hautnah erleben: Christen spielen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Wir müssen mit ansehen, wie unser Land sich Stück für Stück von Gottes Werten und Normen entfernt. Ohne schwarz malen zu wollen bin ich davon überzeugt, dass die Folgen eines Tages dramatisch und existenziell für uns alle sein werden, wenn es keine Wende gibt.

 

Deshalb ist für mich das Thema Einheit DAS große Kampffeld der Christenheit! Der Teufel weiß es genauso wie Jesus: Nur als Einheit werden Christen in der Lage sein, das Evangelium zu verbreiten und den Verfall unserer Gesellschaft aufzuhalten, so wie es z.B. der Pietismus einst in beeindruckender Weise geschafft hat.

Erfreulicherweise gibt es seit einiger Zeit Mut machende Signale: 100 Jahre nach der Berliner Erklärung haben die Kontrahenten von damals den Konflikt offiziell beendet. Nach 500 Jahren schlimmer Verfolgung haben die Lutheraner die Täuferbewegungen um Vergebung und Versöhnung gebeten. Sehr bewegend war für mich, wie sich 1991 Evangelikale und Charismatiker gegenseitig für ihre Vorurteile um Vergebung gebeten haben. Ähnliches habe ich 2015 in Augsburg auf der MEHR-Konferenz zwischen protestantischen und katholischen Christen miterleben dürfen. Veranstaltungen wie das Christival vereinen heute ganz selbstverständlich unterschiedliche Prägungen. Und die evangelische Allianz arbeitet aktiv daran, das Zusammenwachsen weiter zu fördern.

All das ist mehr als erfreulich. Und doch sind wir längst noch nicht am Ziel! Vor Ort besteht oft immer noch große Distanz zwischen Gemeinden und Gruppen mit unterschiedlicher Prägung, nicht zuletzt auch zwischen Landes- und Freikirchlern. Viel zu viele Christen können ein Lied davon singen, wie viel Streit, Konflikte, Misstrauen, Intrigen und Spaltungen es immer noch in christlichen Gruppen und Gemeinden gibt.

Und trotzdem bin ich felsenfest davon überzeugt, dass die Kirche Jesu früher oder später eine große Einheit erleben wird! Warum? Ganz einfach: Jesus selbst hat intensiv für diese Einheit gebetet! Und will hier etwa irgendjemand behaupten, dass ein Gebet, das Gott höchstpersönlich gesprochen hat, nicht erhört wird??? Eben.

Wir sollten uns deshalb nicht durch Negativerfahrungen einschüchtern oder entmutigen lassen. Denn dann würden wir den gleichen Fehler machen wie einst das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten: 40 Jahre lang haben sie das verheißene Land verpasst, weil sie sich haben einschüchtern lassen von den Riesen, die dort lebten, statt mutig das Land zu erobern, das Gott ihnen versprochen hatte.

Die verschiedenen Riesen, die uns bislang noch aus dem gelobten Land der Einheit fernhalten (ich werde sie in den nächsten Blogposts näher beschreiben), haben auch mich zeitweise ziemlich erschlagen und entmutigt. Aber heute ich bin mir sicher: Mit Gottes Hilfe können und werden wir sie besiegen! Wie? Dazu mehr in der Fortsetzung zu diesem Artikel…

Teil 2 von „Umkämpfte Einheit“ berichtet von den “Schein-Riesen”. Sie sind die Trickser und Täuscher unter den Einheitsfeinden. Wir müssen sie unbedingt kennen, um nicht länger auf sie hereinzufallen!

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1 Stimme unter 1000

Was für ein Stimmengewirr rings um uns her! 1000 Stimmen, die uns schmeicheln, uns bedrängen, an uns zerren. Zu 1000 Fragen wollen sie uns Antwort geben: Was ist die richtige Politik? Welche Produkte soll ich kaufen? Wie soll ich mein Leben führen? Was soll ich essen und was nicht? Welche Versicherungen brauche ich? Was tut mir gut? Was schadet mir? Welchen Trend darf ich auf keinen Fall verpassen?

Das Problem ist: Jede Stimme sagt etwas Anderes. Auf welche soll ich hören? Welche sind trügerisch? Auf welche kann ich mich verlassen?

Haben vielleicht die Stimmen recht, die in der Mehrheit sind? Oder haben die recht, die erfolgreich sind (weil Erfolg ja angeblich “Recht gibt”)? Oder kann ich mich auf die verlassen, die sich wissenschaftlich geben?

Aber auch Wissenschaftler haben sich schon so oft geirrt. Und Mehrheiten erst recht. Und wie oft schon sind schillernde Erfolgsgeschichten plötzlich von heute auf morgen zerplatzt wie eine Seifenblase?

Nein, es gibt kein sicheres Kriterium, um richtige Stimmen von falschen zu unterscheiden. Die Ungewissheit bleibt. Und die Gefahr, sich im Meer aus widersprüchlichen Informationen zu verlieren und unterzugehen. Und doch gibt es Hoffnung, denn…

1 Stimme ist anders!

Unter den 1000 Stimmen gibt es eine, die sich von allen anderen unterscheidet. Sie ist leise. Sie drängt sich nicht auf. Sie biedert sich nicht an. Aber sie hat Kraft. Sie ist das Leben. Ihre Worte haben das Universum hervorgebracht und alles, was ist. Und noch heute öffnet sie neue Welten und Horizonte. Sie verändert und erneuert mich. Sie ist Nahrung für meinen ausgehungerten Geist.

Leuchtturm

Sie ist wie das Sonnenlicht, das den Nebel auflöst, mir Sicht und Orientierung bringt. Sie ist wie ein Leuchtturm, der mich durch Untiefen und Gezeiten sicher in den Heimathafen bringt. Sie ist Wahrheit. Ihre Vorhersagen treffen ein. Ihre Worte stehen fest wie ein Fels, der alle Stürme überdauert und auf den ich mein Leben sicher bauen kann.

Diese Stimme hören heißt nach Hause kommen. Geborgenheit finden. Es ist die Stimme des guten Hirten, der mich zum frischen Wasser und auf grüne Auen führt und mich tröstet im finsteren Tal. Und was am wichtigsten ist: Diese Stimme bringt mich zu meinem Schöpfer, der mein Vater, mein Abba, mein Papa im Himmel ist.

Schäfer

Wie sehr brauche ich diese Stimme! Mehr als alles andere in der Welt. Denn ich kann auf Dauer nicht leben von dem, was Gott zu Anderen gesagt hat. Oder von dem, was Gott mir früher einmal gesagt hat. Ich brauche diese Stimme heute – und an jedem Tag wieder neu.

Jesus, Du hast mir versprochen, dass ich Deine Stimme hören kann – wie ein Schaf, das die Stimme seines Hirten unter 1000 anderen heraushört. Deshalb bitte ich Dich heute: Öffne mir die Ohren meines Herzens! Wenn ich die Bibel aufschlage will ich Dich reden hören! Wenn ich bete will ich Deinen Geist und Deinen Herzschlag spüren.

Lass Dein Wort tief in mir Wurzeln schlagen. Es soll wachsen und Frucht bringen – 30, 60 und 100fach, zu Deiner Ehre. Lass den Lärm der 1000 Stimmen verstummen, damit ich die 1 Stimme höre, die mir das Leben bringt. Sprich nun, Jesus. Dein Jünger hört.

 

Bibelworte zum Meditieren über die Stimme Gottes:

Johannes 10,27Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.”

Matthäus 4,4: Der Mensch braucht mehr als nur Brot zum Leben. Er lebt auch von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.”

Jesaja 55,11So ist es auch mit meinem Wort, das aus meinem Mund kommt. Es wird nicht ohne Frucht zurückkommen, sondern es tut, was ich will und richtet aus, wofür ich es gesandt habe.”

Jeremia 23,29Brennt mein Wort nicht wie Feuer?«, fragt der Herr. »Ist es nicht wie ein großer Schmiedehammer, der Felsen zertrümmert?”

Psalm 119,105Dein Wort ist eine Leuchte für meinen Fuß und ein Licht auf meinem Weg.”

Markus 13,31Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden ewig bleiben.”

Offenbarung 3,20Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand mich rufen hört und die Tür öffnet, werde ich eintreten, und wir werden miteinander essen.”

Matthäus 7,24Wer auf mich hört und danach handelt, ist klug und handelt wie ein Mann, der ein Haus auf massiven Fels baut.”

1. Mose 1,3Da sprach Gott: »Es soll Licht entstehen!«, und es entstand Licht.”

Markus 4,20Der gute Boden aber meint schließlich die Menschen, die Gottes Botschaft hören und annehmen und reiche Frucht bringen – dreißig-, sechzig-, ja hundertmal so viel, wie gesät wurde.”

2. Timotheus 3,16Die ganze Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und kann uns lehren, was wahr ist, und uns erkennen lassen, wo Schuld in unserem Leben ist. Sie weist uns zurecht und erzieht uns dazu, Gottes Willen zu tun.”

Hebräer 4,7Heute sollt ihr auf seine Stimme hören. Verschließt eure Herzen nicht gegen ihn.”

1. Samuel 3,10Samuel antwortete: »Sprich, dein Diener hört.«”

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Change!

Ein Plädoyer für eine Kirche mit Profil

“Change!” Im Wahlkampf von Barack Obama hat dieses Schlagwort die Massen elektrisiert. Offenbar lassen wir uns leicht von Parolen begeistern, die uns vorgaukeln, dass eine andere Politik uns mehr Sicherheit und Wohlstand geben könnte. Aber immer folgt zwangsläufig die Ernüchterung. Denn Politiker haben auch beim besten Willen nur sehr beschränkte Möglichkeiten, die Lebensumstände ihrer Wähler zu verbessern. Für tiefgreifende Veränderungen müssten sich die Herzen der Menschen ändern. Aber Politiker dürften es sich niemals erlauben, die Herzenshaltung ihrer Bürger in Frage zu stellen.

Genau wie die Politik wagt es auch die Kirche kaum noch, Menschen zu hinterfragen und zur Umkehr zu rufen. Beim Thema Familie spricht sie zwar ganz viel über Toleranz und Vielfalt – aber kaum noch über Verfehlungen wie Ehebruch und Untreue. Die Kirche ist begeistert, dass Jesus die Steinigung der Ehebrecherin verhindert hat. Aber niemals würde sie heute einer Ehebrecherin sagen, dass sie mit dem Sündigen aufhören soll.

Offenbar spürt die Kirche, wie fremd und unattraktiv ihre kulturellen Formen für viele Menschen geworden sind. Um nicht vollends ins Abseits zu geraten möchte sie deshalb wenigstens ihre Botschaft möglichst glatt und eingängig gestalten, damit sie keinen Anstoß erregt. Aber hilft das der Kirche wirklich?

Wäre es nicht höchste Zeit, genau den umgekehrten Weg zu gehen? Sollten wir nicht so schnell wie möglich die kulturellen Hürden entfernen und – wie Luther – hinsichtlich unserer Sprache und Musik dem Volk “aufs Maul schauen” – dafür aber unsere Botschaft wieder schärfen und den Ruf zur Umkehr nicht länger den Umweltschützern und Gesundheitsaposteln überlassen?

Weiche intensivJesus hatte den Menschen damals jedenfalls ihr Fehlverhalten klar vor Augen gehalten: Geld, Sex, Gier, Hochmut, Heuchelei, Unbarmherzigkeit, Unbelehrbarkeit… alle menschlichen Abgründe hat er offen angesprochen, manchmal sogar in einer drastischen Deutlichkeit, die zu unserem Bild vom liebevollen Jesus gar nicht so recht passen will. Und niemand hat so oft über die Hölle gesprochen wie Jesus – ein völliges NoGo heutzutage.

Erstaunlicherweise hat er damit trotzdem die Massen mobilisiert. Offensichtlich haben die Menschen gemerkt, dass in seiner Botschaft eine gewaltige Chance für sie alle lag: Wirkliche, tiefgreifende Veränderung und ein festes Fundament für ihr Leben statt leerer Versprechungen! Und sie haben gespürt: Wenn Jesus sie zur Umkehr ruft tut er das nicht, weil er ein kleinlicher Spiel- und Spaßverderber oder ein spießiger Prinzipienreiter ist. Er tut es aus Liebe!

„Wem viel vergeben ist, der liebt viel“, hat Jesus einmal gesagt. Anders ausgedrückt: Liebe und Leidenschaft für Jesus entsteht dort, wo Menschen ihre Fehler und Sünden erkennen und Gottes Vergebung und Gnade in Anspruch nehmen. Das erklärt die Leidenschaft vieler Erweckungsbewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen Sünde und Gnade zentrale Themen waren. Das erklärt aber auch die Lauheit und Lieblosigkeit der heutigen Christenheit, die selbstgerecht glaubt, darauf verzichten zu können.

Ein Weichspülevangelium, das nur Gottes Liebe und nicht auch seine Heiligkeit kennt, erregt zwar keinen Anstoß. Aber es ist auch belanglos. Jesus war kein netter Softie, der alles weggelächelt hat. Als seine Botschafter sollten wir das auch nicht sein. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Menschen auf der Titanic mit Säuselmusik zu berieseln. Wir sollen sie in die Rettungsboote rufen!

Das geht allerdings nicht von oben herab. Wir können niemand zur Umkehr rufen ohne zu wissen, wie schwach und fehlerhaft wir selber sind. Wenn wir es aber in einer demütigen, jesus-mäßigen Haltung tun werden wir zwar immer noch einige Menschen verschrecken (das hat Jesus manchmal auch getan). Aber was unendlich viel wichtiger ist: Wir werden viele Menschen damit retten! DAS ist es, was am Ende zählt.

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Die EKD und die Homo-Ehe

Ein offener Brief an Heinrich Bedford-Strohm

Sehr geehrter Herr Bedford-Strohm,

Sie begründen Ihr Votum für die Homo-Ehe mit der Aussage, dass die Bibel zur “Überwindung von Diskriminierung jeder Art” ermutige. Damit tragen Sie leider mit dazu bei, dass jedes auch noch so seriöse Argument gegen die Homo-Ehe als “Diskriminierung” abgestempelt wird. So wird der notwendige Dialog leider verhindert, nicht gefördert.

Ihre Argumentation ist zudem äußerst fragwürdig: Es gibt viele Varianten, in denen Menschen verbindlich zusammen leben und sich lieben können, nicht nur die Verbindung zweier Partner. So hat Eske Wollrad von den evangelischen Frauen ja bereits gefordert, sich genauso für polyamore Beziehungen zu öffnen. Wenn die Definition von Ehe = 1 Mann und 1 Frau aufgelöst wird und nur noch Liebe und Verbindlichkeit die Kriterien sind, gibt es keinen Grund, nicht auch noch weitere vielfältige Formen des Zusammenlebens als Ehe zu bezeichnen.

Ganz abgesehen davon, dass das theologisch äußerst fragwürdig ist: Die Väter und Mütter des Grundgesetzes hatten gute Gründe, gerade die Verbindung von 1 Mann und 1 Frau besonders zu schützen, denn diese Verbindung ist nun einmal in unvergleichlicher Weise die Keimzelle einer Gesellschaft und der optimale Schutzraum für das Gebären und das Aufwachsen von Kindern. Durch den Art. 6 des Grundgesetzes wird niemand diskriminiert oder abgewertet. Mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft haben gleichgeschlechtlich Liebende auch jetzt schon die Möglichkeit, ihrem Willen zu einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft eine rechtlich verbindliche Gestalt zu geben. Die Rechtsfolgen sind – abgesehen von der Adoption, die ja auch Sie (noch?) in Frage stellen – auch schon jetzt den Rechtsfolgen der Ehe zum größten Teil nachgebildet.

Blogbild Bedford-StrohmAber wenn Sie die gleichgeschlechtliche Partnerschaft als “Ehe” bezeichnen helfen Sie mit, dass das Leitbild der Ehe zwischen Mann und Frau durch das Leitbild der sexuellen Vielfalt ersetzt wird. Dieser Wandel wird nach meiner festen Überzeugung schwerwiegende Folgen für unsere Gesellschaft nach sich ziehen, denn die immer lauter werdende Ermutigung zum “Anything goes” bringt am Ende eben weniger und nicht mehr verbindliche Partnerschaften und damit auch weniger Schutzräume für das gesunde Aufwachsen von Kindern hervor.

Viele engagierte Kirchenmitglieder, die sich – so wie Volker Kauder – gegen die Homo-Ehe aussprechen, sehen sich gerade jetzt einem enormen medialen Trommelfeuer ausgesetzt (in den Tagesthemen wurden Gegner der Homoehe z.B. jüngst als “intolerante Ewiggestrige” bezeichnet). Das gilt noch mehr für unsere Geschwister in der katholischen Kirche. Ihr einseitiges Votum fügt deshalb der Ökumene genau wie dem innerkirchlichen Miteinander Schaden zu.

Als Ratsvorsitzender wäre es deshalb das Mindeste gewesen, sich auch vor diese Kirchenmitglieder zu stellen, indem Sie klar stellen, dass ein Votum gegen die Homo-Ehe zunächst einmal mit Diskriminierung und Intoleranz NICHTS zu tun hat und indem Sie um Verständnis und Respekt für die vielen Christen werben, denen zwar Liebe und Respekt für Menschen mit homoerotischem Empfinden äußerst wichtig ist, die aber aus ihrem Gewissen vor Gott einer Homo-Ehe nicht zustimmen können.

In der Sorge um die Kirche und der Liebe zu Jesus verbunden,

Dr. Markus Till

Die Stellungnahme von Herrn Bedford-Strohm im Wortlaut:

Nach der Volksabstimmung in Irland wird in Deutschland über die Konsequenzen für unser eigenes Land diskutiert. Folgendes habe ich dem SPIEGEL auf Anfrage dazu gesagt:

“Mich haben nach der Entscheidung in Irland die Fernsehbilder von den Menschen berührt, die diese Entscheidung ausgelassen gefeiert haben, weil sie gleichgeschlechtlich Liebenden einen Weg eröffnet, ihre Liebe verbindlich zu leben. Man kann sich nur darüber freuen, wenn Menschen, die sich lieben, ihre Liebe auch verbindlich und verantwortlich leben. Das gilt für Mann und Frau. Das gilt aber auch für gleichgeschlechtlich Liebende. In der evangelischen Kirche ist in dieser Frage in den letzten Jahren ein Diskussionsprozess in Gang gekommen, der noch nicht abgeschlossen ist. Für mich ergibt sich aus zentralen biblischen Geboten der Impuls zu einer Öffnung der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Das Liebesgebot Jesu und seine „Goldene Regel“ („Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“) sind Grundorientierungen, die zur Überwindung von Diskriminierung jeder Art ermutigen. Sie wiegen für mich schwerer als einzelne Bibelstellen, die Homosexualität kritisieren. Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft eine neue Kultur der Verbindlichkeit in unseren Beziehungen. Deswegen ist die Ehe für mich ein Zukunftsmodell, für das ich werbe. Dass es für gleichgeschlechtlich Liebende die Möglichkeit gibt, ihrem Willen zu einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft eine auch rechtlich verbindliche Gestalt zu geben, begrüße ich ausdrücklich. Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch kein bisschen geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen. Entscheidend ist die Stärkung der Verbindlichkeit unserer Lebensformen. Im Blick auf das Adoptionsrecht hat die EKD in der Vergangenheit darauf aufmerksam gemacht, dass bei Adoptionen nicht der Wunsch von Erwachsenen, sondern das Wohl der Kinder der entscheidende Gesichtspunkt sein muss. Hier sehen wir weiterhin Diskussionsbedarf.”

Siehe auch:

Augen-Blick

Diese Augen! Dieser Augen-Blick, als Jesus sich mir zuwendet und mich beim Namen nennt: „Zachäus! Steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ Ich bin fassungslos. Will er wirklich ausgerechnet zu mir, dem Zöllner? Für all die Leute hier bin ich Abschaum. Ein kleiner Ausbeuter. So klein, dass ich auf einen Baum klettern muss, um Jesus sehen zu können. Wie ein Schuljunge. Aber mir war egal, was die Leute denken. Ich wollte unbedingt Jesus sehen, um alles in der Welt! Hat Jesus mein Verlangen gespürt? Meine Sehnsucht?

AugenBlickPinselfarbigweichDie Zeit, die Jesus in meinem Haus verbrachte, werde ich niemals vergessen. Ich hatte mit einer Standpauke gerechnet. Jesus wird mir sicher meine Betrügereien vorhalten. Dachte ich. Aber nichts dergleichen. Wir haben miteinander gegessen. Wein getrunken. Wir haben gelacht. Er hat mir zugehört. Und wieder: Diese Augen! Ein Meer von Liebe. Es war, als würden sie mir meine Ketten abnehmen. Die Ketten meiner Gier. Meiner Habsucht. Meiner Ichbezogenheit.

Und plötzlich war ich frei! Frei von meiner ewigen Angst, zu kurz zu kommen. Frei zu geben. Frei, Menschen zu beschenken. Als hätte mir Jesus ein neues Leben geschenkt. Und tatsächlich: Das Schenken machte mich reich. Jesus hatte mir nicht zu viel versprochen. Ich war überglücklich. Und langsam verwandelte sich der Ärger der Menschen, dass Jesus ausgerechnet zu mir gekommen war, in ein ungläubiges Staunen, wie Jesus Menschen verwandeln kann.

Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Jesus ist schon lange nicht mehr unter uns. Seine Jünger hatten erzählt, er sei in den Himmel aufgestiegen. Je mehr Zeit verging, umso mehr wuchs in mir das Gefühl, dass das alte Leben mich wieder einholt. Die alten Gefühle von Habgier und Neid. Die alte Minderwertigkeit. Die alte Angst, nicht nur zu klein zu sein sondern auch sonst zu kurz zu kommen im Leben.

Bis ich dann diese christliche Gemeinde fand. Dort begegnete ich nicht nur liebevollen Menschen sondern auch dem Heiligen Geist. Man sagte mir, dass Jesus ihn uns geschickt hätte. Durch ihn wäre Jesus wieder bei uns, in unserem Herzen. Ich wollte es erst nicht glauben. Aber als ich mein Herz öffnete war mir, als wäre ich wieder oben auf meinem Baum. Und da war er wieder: Dieser Augen-Blick. Diese Gemeinschaft mit Jesus, die alles verändert. Die Freiheit kam zurück. Angst, Scham, Neid, Minderwertigkeit – alles begann wieder zu schmelzen in seiner Gegenwart!

Und heute? Heute ist Jesus ein Teil meines Lebens. Manchmal sehe ich ihn nicht mehr, wenn viel auf mich einstürmt und mir den Blick auf Jesus raubt, so wie die vielen großen Menschen mir damals die Sicht versperrten. Aber dann suche ich ich ihn wieder, so wie ich einst auf diesen Baum geklettert bin. Und immer wieder geschieht es: ER sieht mich. ER findet mich. ER hat wieder Zeit für mich. Und er lässt in mir die Gewissheit wachsen, dass er eigentlich immer bei mir ist, dass er mich nie verlässt. Schritt für Schritt hilft er mir, ihn in meinen Alltag einzubeziehen, in alles, was geschieht. Und er hört nicht auf, mein Leben zu verändern, es vom Kopf auf die Füße zu stellen. Einfach durch seine Gegenwart. Durch sein Wort. Durch seinen Augen-Blick.

Ich wünsche Euch viele Begegnungen mit Jesus, mitten im Alltag. Und spannende Erlebnisse mit dem Heiligen Geist, der uns auch heute noch diese Begegnungen mit Jesus schenkt. Übrigens: Meine Geschichte könnt Ihr nachlesen in Lukas 19, 1-10. Lasst Euch davon inspirieren!

Euer Zachäus

Mehr dazu:

Biblische Stolperstellen: Krieg im Namen Gottes?

Der Gott der Bibel ist ein Gott der Liebe. Nicht nur das: Gott IST Liebe in Person, sagt Johannes. Der Tod Jesu am Kreuz ist der ultimative Beweis dafür, denn “die größte Liebe beweist der, der sein Leben für die Freunde hingibt” (Joh. 15, 13). Trotzdem ist unübersehbar, dass die Bibel vor allem im Alten Testament auch ein kriegerisches Buch ist. Was für unsere Ohren besonders fremdartig klingt: Es ist immer wieder Gott selbst, der Kriege anordnet und aktiv unterstützt. Wer kennt nicht die Geschichten von Josuas Eroberung Jerichos oder von Davids Eroberung Jerusalems? In der Kinderkirche haben wir sie oft erzählt. Dabei haben wir großzügig übergangen, dass diese Eroberungen oft einhergingen mit der vollständigen Vernichtung der Bevölkerung dieser Städte. Das wirkt auf uns zurecht schockierend und verstörend. Und es stellt sich die große Frage: Wie passen solche von Gott verordnete Blutbäder zur Liebe Gottes und zu Jesu Rede von der Feindesliebe? Enthält die Bibel etwa widersprüchliche Gottesbilder?

Zunächst einmal müssen wir feststellen: Jesus, Paulus und Petrus haben sich 100%ig zur Gültigkeit des Alten Testaments bekannt und ihr Gottesbild daraus bezogen. Altes und Neues Testament sind eine unauflösliche Einheit. Wer sperrige Texte des Alten Testaments mit veralteten Gottesbildern wegerklärt oder gar das AT für nicht mehr gültig hält nimmt auch das Neue Testament nicht ernst und macht es sich viel zu einfach.

Aber wie ist dieser Widerspruch dann zu verstehen? Monatelang hat mich diese Frage intensiv beschäftigt. Nur langsam hat sich in mir ein Bild wie ein Puzzle schrittweise zusammengesetzt. Fangen wir an mit dem 1. Puzzleteil:

1. Krieg wird im Neuen Testament ausschließlich geistlich gedeutet

Für Jesus und Paulus ist Gewalt definitiv keine Option, auch wenn ihre Sprache manchmal durchaus militärisch klingt. Aber Jesus hat uns befohlen, das Böse mit Gutem zu überwinden und sogar unsere Feinde zu lieben. Und Paulus hat klar gemacht: Die Waffen und die Rüstung der Christen sind geistlicher Natur, nicht aus Metall. Sie sind nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut gerichtet sondern gegen unsichtbare Mächte sowie gegen Festungen aus Gedanken.

Die Kriegsgeschichten des Alten Testaments sind für Christen äußerst lehrreich, wenn sie auf diesen geistlichen Kampf übertragen werden. Aber für physische oder psychische Gewalt gegen Menschen bietet die Bibel für Christen und die Kirche nicht den Hauch eines Rechtfertigungsansatzes. Das Drama der Kreuzzüge war nur möglich, weil die Kirche sich von Gottes Wort entfernt hat und weil sie in unbiblischer Weise staatliche und kirchliche Macht miteinander verbunden hat. Damit hat sie sich selbst in eine Zwickmühle gebracht, denn für die Kirche ist Gewalt keine Option, aber…

2. Staatliche Gewalt ist und bleibt notwendig

In Römer 13, 1-7 macht Paulus klar: Gott selbst setzt staatliche Autoritäten ein, um die Ordnung in der menschlichen Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Dass gerade Paulus die Notwendigkeit der staatlichen Gewalt so betont ist erstaunlich. Schließlich wurden die Christen damals vom Staat massiv verfolgt und die Juden wurden von den Römern in übler Weise unterdrückt. Umso klarer ist, dass es hier um ein grundsätzliches Prinzip geht, das man vielleicht so zusammenfassen kann: Der Mensch ist im Kern böse. Das Böse muss eingedämmt werden, notfalls mit Gewalt. Dazu braucht es einen funktionierenden Staat mit Polizei und auch mit Militär für den Fall, dass destruktive Mächte in anderen Staaten ans Ruder kommen. Sonst würde ein Chaos ausbrechen, das für Paulus offenbar noch schlimmer wäre als das, was er erlebt hat.

Gerade wir Deutschen sollten wissen, wovon die Bibel spricht. Schließlich konnte das Böse, das von unserem Land in die Welt hinausgetragen wurde, nur mit militärischen Mitteln gestoppt werden. Eine Beschwichtigungspolitik („Appeasement“) hätte nicht geholfen und sie wird auch gegen IS, Boko Haram und andere Chaosmächte nicht helfen. Zwar ist Gewalt oft auch keine Lösung. Falsch eingesetzt macht sie alles schlimmer statt besser. Aber es bleibt dabei: Der Gott der Bibel ist kein Pazifist, weder im Alten noch im Neuen Testament. Das Buch Offenbarung sagt voraus, dass das Böse der Welt nicht freiwillig umdenken wird. Gott wird es eines Tages im Kampf besiegen.

3. Die Welt des Alten Testaments war extrem kriegerisch

Fast permanent war Israel durch aggressive Nachbarvölker existenziell bedroht. Immer wieder wurde es überfallen, unterdrückt, ausgebeutet oder gar deportiert und scheinbar ausgelöscht. Kriege waren für den israelischen Staat deshalb schlicht unausweichlich, wenn er leben und überleben wollte. Allerdings fällt in der Bibel auf:

4. Die Kriege Israels waren anders!

Oft wird behauptet, die Kriege Israels im Alten Testament seien keinen Deut besser als islamische und andere Eroberungsfeldzüge. Doch das ist schlicht falsch. Die Kriege Israels unterscheiden sich grundlegend davon:

  • Kein Krieg zur Ausbreitung der Religion: Niemals lesen wir in der Bibel, dass andere Völker erobert werden sollten, um ihnen die jüdische Religion aufzuzwingen. Bis heute ist dem Judentum eine solche Gesinnung, wie sie weltweit z.B. im Islam häufig anzutreffen ist, vollkommen fremd.
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  • Kein imperialistischer Krieg: Die großen Welteroberer wie z.B. Alexander der Große, Caesar, Dschingis Khan, die Osmanen bis hin zu Napoleon, Hitler oder Mao werden z.T. immer noch als Helden verehrt, obwohl sie unfassbares Leid über die Welt gebracht haben. Gott hingegen wies Israel ein klar umrissenes Gebiet als Lebensraum zu. Nirgends lesen wir in der Bibel von der Idee, sich darüber hinaus Nachbarländer einzuverleiben oder gar ein Weltreich anzustreben, auch nicht als es z.B. unter Salomo durchaus die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Israel hatte zwar selbst unter dem Eroberungsdrang seiner Nachbarländer massiv zu leiden, aber der in der Weltgeschichte allgegenwärtige Imperialismus war ihnen fremd.
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  • Kein eigenmächtiger Krieg: Die Bibel macht durchgängig deutlich, dass Israel ausschließlich dann Krieg führen durfte, wenn es von Gott selbst angeordnet war und wenn Gott selbst mitkämpfte. In vielen der Kriegsgeschichten spielen Wunder eine große, wenn nicht die entscheidende Rolle (man denke nur an die übernatürlich einstürzenden Mauern Jerichos). Die Bibel unternimmt immer wieder alles, um deutlich zu machen, dass Gottes Wegweisung und Segen absolut entscheidend war im Krieg (besonders plastisch bei Israels Kampf gegen Amalekiter, der nur solange erfolgreich lief, wie Mose seine Arme betend erhoben hatte). Auch Gideon musste lernen, dass es im Kampf nicht auf die Truppengröße ankommt sondern auf Gottes Segen. Die großen biblischen Kämpfer wie David oder sein Freund Jonathan hatten dieses Prinzip tief verinnerlicht. Umgekehrt endeten alle Versuche Israels, ohne Gottes klare Anweisung auf eigene Faust loszukämpfen, immer katastrophal, weil Gott in diesem Fall zu Israels Gegner wurde.

Einen Freibrief für eigenmächtige Kriegsführung hatte Gott also nie gegeben. Kriege waren nur möglich, wenn Gott selbst war der Handelnde war, denn…

5. Die Kriege des Alten Testaments waren Teil des Gerichtshandeln Gottes

Im Alten Testament kam es manchmal vor, dass Gott in seinem Gerichtshandeln teils große Mengen von Menschen kollektiv bestraft oder sogar ausgelöscht hat. Das größte Beispiel dafür ist die Sintflut. Gleiches gilt aber auch für Sodom und Gomorra. In den Prophetenbüchern wird häufig der Untergang von Kulturen und Gesellschaften angekündigt und als Gerichtshandeln Gottes gedeutet (Jer. 46-51). Die Androhung derartiger Gerichte und Kollektivstrafen galt genauso auch Israel (5. Mose 28, 15 ff.).

Die Auslöschung von Städten oder Volksstämmen im Zuge der israelischen Landnahmekriege reiht sich also ein in dieses im Alten Testament immer wieder vorkommende Gerichtshandeln Gottes über Völkern und Nationen. Letztlich geht es deshalb gar nicht um die Frage: Warum hat Gott Kriege befohlen? Die Frage ist vielmehr: Warum ließ Gott, der gerechte Richter, im Alten Testament manchmal Kollektivstrafen zu, in denen auch Unschuldige mit umkamen, obwohl schon im Alten und erst recht im Neuen Testament das Prinzip der individuellen Strafe für individuelle Schuld betont wird?

Ich glaube, dass wir diese Frage nicht komplett beantworten können. Letztlich müssen wir das Gott überlassen in dem Wissen und Vertrauen, dass er sich auch schon im Alten Testament an vielen Stellen als liebevoller, gnädiger, barmherziger und unendlich geduldiger Gott offenbart. Aber was uns der Antwort vielleicht ein wenig näher bringen könnte ist ein…

6. Perspektivwechsel: Wie sieht die Welt aus Gottes Perspektive aus?

Ich liebe ja die Krimiserie Tatort. Aber je expliziter die Vergewaltigungen, Morde und sonstigen Verbrechen dargestellt werden, je mehr kann das Anschauen schnell auch zur Qual werden. Das Gute ist: Ich kann meine Augen zumachen. Oder vorspulen, wenn ich den Krimi auf Band habe.

Gott kann das nicht. Er muss sich den ganzen Dreck ungefiltert anschauen, den wir Menschen produzieren. Er sieht live und hautnah, wie Boko Haram Dörfer überfällt, Eltern vor den Augen der Kinder niedermetzelt, Mädchen entführt, reihenweise vergewaltigt und schwängert und kleine Jungs durch Gehirnwäsche in Tötungsmaschinen verwandelt. Er spürt die Schmerzen der Menschen in allen Teilen der Welt, wenn sie beraubt, unterdrückt, verlassen, betrogen, geschlagen, verleumdet, übergangen, gemobbt, vernachlässigt, manipuliert und ausgebeutet werden. Und wenn Gott wirklich Liebe ist, dann können wir sicher sein: Er leidet massiv darunter! Ist es da ein Wunder, dass Gott in der Bibel immer wieder äußerst zornig wird?

Und Gott weiß: Eine Welt ohne Gott, in der nur noch Menschen und dunkle Mächte das Sagen haben, kann buchstäblich zur Hölle werden. Die Berichte aus der Nazizeit oder aus den Ländern, in denen der IS das Ruder übernommen hat, führen uns das in verstörender Art und Weise vor Augen. Im Alten Testament war Israel das einzige Volk, das mit Gott in Verbindung stand. Alle anderen Völker waren Gott los, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir wissen nicht viel darüber, wie es in diesen Gesellschaften zugegangen ist. Aber wenn ich lese, wie z.B. in Sodom offenbar ALLE Männer Spaß daran hatten, wahllos unschuldige Männer zu vergewaltigen, zeigt mir das: Auch damals gab es offensichtlich Gesellschaften mit wahrhaft höllischen Zügen. Vor der Sintflut hat es offenbar genau so ausgesehen: “Die Menschen waren böse und gewalttätig, … die Erde … war voller Verbrechen” sagt die Bibel (1. Mose 6,11-12). Könnte es in Jericho vielleicht ebenso gewesen sein? Oder in Jerusalem zur Zeit der Jebusiter?

Gott hatte Israel geboten, den Bewohnern einer Stadt zunächst ein Friedensangebot zu machen, bevor es zum Krieg kommt. Im Kriegsfall sollten ausschließlich die Männer getötet werden. Das Gebot, die gesamte Bevölkerung auszulöschen, galt speziell nur 6 Volksstämmen, die vor der Landnahme das verheißene Land bewohnten. Bei ihnen wollte Gott nicht, dass sie den Israeliten ihre “verabscheuungswürdigen religiösen Bräuche lehren” (5. Mose 20, 16-18). Diese Bräuche beinhalteten unter anderem auch Kinderopfer. So etwas grauenhaftes habe ich nicht einmal aus den menschenverachtenden IS-Hochburgen gehört. Das legt nahe, dass diese Kulturen vielleicht tatsächlich keinesfalls besser waren als das, was uns heute beim IS und bei anderen grauenvollen Terrorstaaten so schockiert.

Wer heute sieht, wie erfolgreich die IS-Religionspropaganda sogar im Westen reihenweise junge Menschen zu grauenvollen Taten verführt, kann sich durchaus vorstellen, dass auch der damalige Götzendienst dieser Völker verführerische Ausstrahlung auf die Israeliten hatte. Und Gott wusste: Wenn auch noch Israel Gott verlässt, dann macht das letzte Volk der Erde das Licht der Wahrheit aus. Dann ist die dunkle Hölle der Gottesferne auf Erden nicht mehr aufzuhalten.

Bei schwer leidenden, gequälten Menschen sagen wir oft: Sein Tod war eine Erlösung. Könnte das vielleicht auch für bestimmte durch und durch verdorbene Gesellschaften des Alten Testaments gegolten haben, in denen die Menschen sich nur noch gegenseitig gequält haben und die – genau wie der IS heute – ihr teuflisches Gift durch Krieg und Verführung auch noch in die Welt hinaus verbreitet haben? Natürlich dürften wir Menschen uns solch ein Urteil niemals und auf gar keinen Fall anmaßen! Das kann einzig und allein Gott. Aber wer sind wir Menschen, dass wir meinen, wir wüssten besser als Gott, ob damals vielleicht wirklich manchmal ein Ende mit Schrecken insgesamt weniger leidvoll war als ein Schrecken ohne Ende?

Die große Frage ist deshalb am Ende: Können wir Gott vertrauen, dass er die größere Perspektive hat als wir? Dass er, der die Liebe in Person ist, mehr als wir davon versteht, wie das Böse in die Schranken gewiesen muss und auf welchem Weg mehr Menschen vor Leid und Tod bewahrt werden können? Könnte es sein, dass er am Ende noch viel gnädiger und geduldiger ist als wir es wären, wenn wir uns an seiner Stelle all die unvorstellbaren Grausamkeiten hätten mit ansehen müssen? Schließlich hätte er sogar all die Gewalt und das Leid im durch und durch verdorbenen Sodom und Gomorra weiter ertragen, wenn es unter den Tausenden Bewohnern auch nur 10 Gerechte gegeben hätte!

Jedenfalls lehrt uns die Gesamtheit der Bibel: Gott liebte jeden einzelnen Menschen, der in diesen Kriegen umkam. Er litt und leidet mit unter den furchtbaren Folgen, die Gottlosigkeit anrichtet. Und so spürt man auch förmlich das Aufatmen Gottes, als die Landnahmekriege vorbei waren und wir in Josua 11, 23 schließlich lesen: “Und so hatte das Land endlich Ruhe vom Krieg.” Und schon im Alten Testament versprach Gott: Wenn eines Tages sein zukünftiges Reich anbricht… “dann werden sie ihre Schwerter in Pflugscharen umschmieden und ihre Speere in Winzermesser. Kein Volk wird mehr ein anderes Volk angreifen, und keiner wird mehr lernen, wie man Krieg führt” (Micha 4, 3). DAS ist Gottes Ziel für unsere Welt!

Hier noch einmal das ganze Bild kurz zusammengefasst:

  • Christen werden von der Bibel zu absoluter Gewaltfreiheit angehalten.
  • Die Notwendigkeit staatlicher Gewalt zur Eindämmung des Bösen wird von der Bibel aber klar bestätigt.
  • Kriege waren für den Staat Israel im damaligen kriegerischen Umfeld unausweichlich, um leben und überleben zu können.
  • Die alttestamentlichen Kriege Israels unterscheiden sich aber grundlegend von anderen Religions- und Expansionskriegen: Sie konnten nur auf Gottes Weisung und mit seiner übernatürlichen Bestätigung geführt werden. Sie waren nur für Israels (Über-)Leben im zugewiesenen Territorium erlaubt. Für selbstherrliche Feldherren mit Welteroberungsphantasien gab es keinen Platz.
  • Kriege waren ein Teil von Gottes Gerichtshandeln, das im Alten Testament (z.B. bei der Sintflut) manchmal auch ganze Kollektive, Stämme, Völker und Nationen betraf.
  • Wir dürfen und sollten dem gerechten und liebevollen Gott vertrauen, dass er besser weiß als wir, wie das Böse in der Welt begrenzt werden kann und muss, um Leid zu minimieren.
  • Sicher ist: Gott hat jeden dieser im Krieg getöteten Menschen geliebt und leidet mit unter dem Grauen, das Gottlosigkeit und das Böse unter uns Menschen anrichtet.
  • Gottes Ziel ist eine Welt ohne Krieg! Das hat er uns fest versprochen.

Siehe auch:

Vielen Dank an Prof. Thomas Hieke (Alttestamentler der Universität Mainz) für die Anregungen und konstruktiv kritischen Anmerkungen zum Entwurf dieses Artikels.

Ein Freund! Ein guter Freund…?

Ist es angemessen, Gott als seinen „Freund“ zu bezeichnen? Sozusagen als netten Kumpel, der mit uns durchs Leben schlendert? Hört sich das nicht eher nach weichgespültem Kuschelchristentum statt nach solider Theologie an? In der Tat: Ich würde Gott niemals als meinen „Kumpel“ bezeichnen. Schließlich haben wir es hier mit dem Schöpfer des Universums und dem Herrn aller Herren zu tun! Als Johannes ihn sah im gleißend hellen Licht mit donnernder Stimme und einem Schwert im Mund fiel er erst einmal ohnmächtig zu Boden. Paulus ging es auch nicht viel besser. Also kumpelhaft ist Jesus da nicht gerade aufgetreten.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Bibel uns trotzdem lehrt, dass dieser gewaltige, ehrfurchtgebietende Gott tatsächlich unser Freund sein möchte. Jesus hat das ganz direkt ausgesprochen:

“Ich nenne euch nicht mehr Diener, weil ein Herr seine Diener nicht ins Vertrauen zieht. Ihr seid jetzt meine Freunde, denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe.” (Johannes 15, 15)

Aber Moment: Ist Gott nicht unser Herr, dem wir nachfolgen und dienen sollen? Und ist er nicht vor allem unser Vater im Himmel und wir seine Kinder? Ja, natürlich sind auch diese Beschreibungen unserer Beziehung zu Gott absolut zutreffend. Aber die ganze Bibel macht auch deutlich, dass Gott noch mehr für uns hat. In Galater 4, 3-4 schreibt Paulus:

“So war es auch bei uns, bevor Christus kam. Wir waren Diener dieser Welt. Doch als der festgesetzte Zeitpunkt da war, sandte Gott seinen Sohn … um uns aus der Gefangenschaft des Gesetzes freizukaufen und als seine Kinder anzunehmen.”
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Im Alten Bund hatte Gott die Menschen noch wie Knechte behandelt, denen man Regeln und Gebote auferlegt und von denen man absoluten Gehorsam verlangt. Im Neuen Bund hingegen geht Gott als Vater mit uns um. Auch ein Vater stellt Regeln auf. Aber das Ziel ist ein vollkommen anderes: Gott will keinen blinden Gehorsam mehr. Sein Ziel für uns ist jetzt Reife und Mündigkeit! In Epheser 4, 13 macht Paulus das ganz direkt deutlich:
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“Auf diese Weise sollen wir alle im Glauben eins werden und den Sohn Gottes immer besser kennen lernen, sodass unser Glaube zur vollen Reife gelangt und wir ganz von Christus erfüllt sind.”

Gott will uns also nicht mehr drängen oder gar bedrohen müssen. Er möchte einen weisen Charakter in uns hervorbringen, durch den wir aus eigenem Antrieb heraus gerne das Richtige tun. Er will uns sein Gesetz nicht mehr durch Worte in Befehlsform vermitteln sondern „in unser Herz schreiben“ (Jeremia 31, 33), so dass sie Teil unserer Persönlichkeit, unseres Charakters, unseres Wesens werden.

You are my friend Grafik

Je älter und reifer Kinder werden, umso mehr werden sie zu einem Gegenüber und zu Freunden ihrer Eltern. Genau das ist auch Gottes Ziel für uns. Dafür hat er uns nach seinem Bild geschaffen! Die Schöpfungsgeschichte berichtet, wie Adam und Eva einen geradezu freundschaftlichen Umgang mit Gott hatten. Im Alten Testament blitzt das noch öfter auf, z.B. wenn Abraham erfolgreich mit Gott verhandelt oder wenn von Mose berichtet wird, dass er täglich mit Gott „wie mit einem Freund redete“. Das zeigt: Dieser gewaltige Gott will tatsächlich, dass wir kleinen Menschen ihm ein mündiges Gegenüber werden!

Ja, es ist wichtig, Gott als Herrn anzuerkennen, vor ihm die Knie zu beugen und ihm zu dienen. Ja, Gott ist für immer unser Vater und wir sind seine Königskinder. Aber Gottes Ziel mit uns ist, dass wir auch seine Freunde werden. Damit das in unserem Leben praktisch wird ist es notwendig, dass wir vor ihm unsere Fassaden fallen lassen und ehrlich vor ihm werden. Dafür müssen wir ihn mitnehmen in unseren Alltag und ihn einbeziehen in unsere großen und kleinen alltäglichen Angelegenheiten. Und vor allem ist es wichtig, dass wir nicht aufhören, diese Beziehung zu ihm zu suchen, zu pflegen und dran zu bleiben, auch wenn er uns gefühlsmäßig gerade einmal weit weg zu sein scheint.

Wir können uns darauf verlassen: ER IST DA! Jeden Tag. Er will uns Vater, Freund und Bruder sein. Was für ein Vorrecht haben wir, dass dieser gewaltige, heilige Gott sich uns auf so nahbare Weise offenbart und auf Augenhöhe mit uns kommt.

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Blogbild wrong wayIch hoffe, meine Leser verzeihen mir die satirische Zuspitzung. Aber auch wenn ich versuche, die Themen mit Augenzwinkern zu behandeln: Die Auswirkungen dieser Irrtümer sind nun einmal leider alles andere als spaßig! Die sozialistischen, kommunitären, kommunistischen und anarchistischen Utopien, die auf dem Weltbild eines guten Menschen fußen, sind nicht nur grandios gescheitert, sie haben unfassbar viel Leid produziert. Die Naivität im Umgang mit linken, islamistischen und anderen antidemokratischen Kräften gefährdet unseren Rechtsstaat. Die Forderung nach Akzeptanz statt Toleranz rüttelt an den Grundfesten der Meinungs- und Religionsfreiheit. Die Gleichmacherei im Namen der Gleichberechtigung und die Abschaffung der Sexualtabus zerstört Familien und verstört Kinder. Die Ablehnung aller Wahrheitsansprüche löst genau wie der wissenschaftliche Absolutheitsanspruch die Glaubensfundamente der Kirche auf und stürzt unsere Gesellschaft in ein moralisches Vakuum, das Extremisten nur zu gerne nutzen.

Deshalb finde ich es so wichtig, diese Denkmuster zu kennen und zu durchschauen. Denn auch wir Christen sind nicht vor ihnen gefeit, wie man leider vielerorts in den Kirchen sehen kann.

Das ist meine Meinung. Die muss niemand akzeptieren. Toleranz und Respekt würde mich schon freuen. Und eine offene Diskussion. Denn so funktioniert unsere Demokratie und eine offene, freie Gesellschaft, die wir uns unbedingt erhalten sollten!

Siehe auch: