Warum wir der Bibel vertrauen können 6: Das realistische Menschenbild

Es gibt eine Frage, die die Philosophen seit Jahrtausenden umtreibt und die bis heute nicht geklärt ist: Warum sind Menschen böse? Auf diese Frage gibt es im Prinzip 2 mögliche Antworten:

  1. Die Menschen tragen in ihrem Kern etwas Böses, das unabhängig von den Umständen immer wieder die Oberhand gewinnt.
  2. Die Menschen sind im Kern eigentlich gut, nur die widrigen Umstände können sie böse machen.

Weit populärer ist natürlich die 2. These. Kein Politiker dürfte äußern, dass Menschen im Kern böse sind. Auch in Kirchen hört man das kaum noch. Stattdessen hat es immer wieder Versuche gegeben, Gesellschaften von Machtstrukturen und ungleicher Besitzverteilung zu befreien, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Damit wurde die Hoffnung verbunden, dass es dann keine Gewalt mehr gibt. Der Kommunismus ist das populärste Beispiel für diesen Traum. Jedoch sind solche Versuche bislang allesamt kläglich gescheitert. Alle Hoffnungen auf ein kommunistisches Paradies haben sich zerschlagen.

Bibelleser überrascht das nicht. Denn die Bibel macht durchgängig deutlich, dass die Menschen in ihrem Kern etwas Böses in sich tragen, das nicht einfach dadurch verschwindet, dass man sie gut behandelt. Schon ganz zu Beginn in 1. Mose 8, 21 sagt die Bibel, dass die Gedanken und Taten der Menschen von Kindheit an böse sind. In Römer 3, 12 sagt Paulus, dass es keinen einzigen Menschen gibt, der gut ist. In Römer 7, 14-24 schildert er, dass das Böse auch in seinem eigenen Leben spürbar stärker ist als sein Wunsch, Gutes zu tun. Daran kann der Mensch aus sich selbst heraus auch nichts Wesentliches ändern.

Die Weltgeschichte belegt durchgängig, dass diese Sicht des Menschen äußerst realistisch ist. Der Kapitalismus hat sich weitgehend durchgesetzt. Er funktioniert, weil er im Kern auf den Egoismus des Menschen setzt, der ihn antreibt, etwas für sich selbst zu erreichen. Offenbar bringen Menschen auf Dauer nur dann Leistung, wenn sie selbst davon profitieren, nicht aber wenn sie nur für die Allgemeinheit etwas Gutes tun sollen.

Der menschliche Egoismus wird auch durch die Erfahrung belegt, dass in rein kapitalistischen Systemen die Unternehmer ihre Arbeiter rücksichtslos ausbeuten, wie es aktuell z.B. in der Textilindustrie in Entwicklungsländern wieder zu beobachten ist. Gut, dass wir in Deutschland mittlerweile eine umfangreiche Sozialgesetzgebung und Gewerkschaften eingeführt haben,
um die Unternehmer zu zwingen, nicht nur in die eigene Tasche zu wirtschaften!

Aber auch bei den politischen Systemen zeigt sich, dass das biblische Menschenbild zutrifft: Eigentlich wäre eine Monarchie mit einem guten und weisen Herrscher wesentlich effizienter als eine träge Demokratie. Jedoch erweist sich die Demokratie deshalb als das wesentlich bessere Modell, weil Machthaber kontrolliert werden müssen. Im Zweifelsfall muss es möglich sein, sie abzusetzen. Die Geschichte hat bewiesen, dass sie sonst schnell zu selbstgefälligen Ignoranten werden, die das Volk ausbeuten. Den guten König, der einfach nur das Beste für sein Volk will und ein Diener der Menschen ist, gibt es offensichtlich nur im Märchen.

All das zeigt: Auch wenn es uns nicht gefällt hat sich das biblische Menschenbild vielfach voll bestätigt. Und wir tun gut daran, eine entsprechend realistische Politik zu fördern, die das Böse im Menschen berücksichtigt anstatt auf ein unrealistisches Gutmenschentum zu setzen.

Auch bei diesem Thema zeigt sich: Die Bibel schmiert uns keinen Honig ums Maul. Ihre Ehrlichkeit und ihr Realismus ist bestechend. Auch das ist ein klarer Hinweis dafür, dass die Bibel von Gott inspiriert sein muss. Denn wer kennt uns Menschen besser als der, der uns geschaffen hat?

Warum wir der Bibel vertrauen können 7: Das bestätigte Weltbild

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