Augen-Blick

Diese Augen! Dieser Augen-Blick, als Jesus sich mir zuwendet und mich beim Namen nennt: „Zachäus! Steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ Ich bin fassungslos. Will er wirklich ausgerechnet zu mir, dem Zöllner? Für all die Leute hier bin ich Abschaum. Ein kleiner Ausbeuter. So klein, dass ich auf einen Baum klettern muss, um Jesus sehen zu können. Wie ein Schuljunge. Aber mir war egal, was die Leute denken. Ich wollte unbedingt Jesus sehen, um alles in der Welt! Hat Jesus mein Verlangen gespürt? Meine Sehnsucht?

AugenBlickPinselfarbigweichDie Zeit, die Jesus in meinem Haus verbrachte, werde ich niemals vergessen. Ich hatte mit einer Standpauke gerechnet. Jesus wird mir sicher meine Betrügereien vorhalten. Dachte ich. Aber nichts dergleichen. Wir haben miteinander gegessen. Wein getrunken. Wir haben gelacht. Er hat mir zugehört. Und wieder: Diese Augen! Ein Meer von Liebe. Es war, als würden sie mir meine Ketten abnehmen. Die Ketten meiner Gier. Meiner Habsucht. Meiner Ichbezogenheit.

Und plötzlich war ich frei! Frei von meiner ewigen Angst, zu kurz zu kommen. Frei zu geben. Frei, Menschen zu beschenken. Als hätte mir Jesus ein neues Leben geschenkt. Und tatsächlich: Das Schenken machte mich reich. Jesus hatte mir nicht zu viel versprochen. Ich war überglücklich. Und langsam verwandelte sich der Ärger der Menschen, dass Jesus ausgerechnet zu mir gekommen war, in ein ungläubiges Staunen, wie Jesus Menschen verwandeln kann.

Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Jesus ist schon lange nicht mehr unter uns. Seine Jünger hatten erzählt, er sei in den Himmel aufgestiegen. Je mehr Zeit verging, umso mehr wuchs in mir das Gefühl, dass das alte Leben mich wieder einholt. Die alten Gefühle von Habgier und Neid. Die alte Minderwertigkeit. Die alte Angst, nicht nur zu klein zu sein sondern auch sonst zu kurz zu kommen im Leben.

Bis ich dann diese christliche Gemeinde fand. Dort begegnete ich nicht nur liebevollen Menschen sondern auch dem Heiligen Geist. Man sagte mir, dass Jesus ihn uns geschickt hätte. Durch ihn wäre Jesus wieder bei uns, in unserem Herzen. Ich wollte es erst nicht glauben. Aber als ich mein Herz öffnete war mir, als wäre ich wieder oben auf meinem Baum. Und da war er wieder: Dieser Augen-Blick. Diese Gemeinschaft mit Jesus, die alles verändert. Die Freiheit kam zurück. Angst, Scham, Neid, Minderwertigkeit – alles begann wieder zu schmelzen in seiner Gegenwart!

Und heute? Heute ist Jesus ein Teil meines Lebens. Manchmal sehe ich ihn nicht mehr, wenn viel auf mich einstürmt und mir den Blick auf Jesus raubt, so wie die vielen großen Menschen mir damals die Sicht versperrten. Aber dann suche ich ich ihn wieder, so wie ich einst auf diesen Baum geklettert bin. Und immer wieder geschieht es: ER sieht mich. ER findet mich. ER hat wieder Zeit für mich. Und er lässt in mir die Gewissheit wachsen, dass er eigentlich immer bei mir ist, dass er mich nie verlässt. Schritt für Schritt hilft er mir, ihn in meinen Alltag einzubeziehen, in alles, was geschieht. Und er hört nicht auf, mein Leben zu verändern, es vom Kopf auf die Füße zu stellen. Einfach durch seine Gegenwart. Durch sein Wort. Durch seinen Augen-Blick.

Ich wünsche Euch viele Begegnungen mit Jesus, mitten im Alltag. Und spannende Erlebnisse mit dem Heiligen Geist, der uns auch heute noch diese Begegnungen mit Jesus schenkt. Übrigens: Meine Geschichte könnt Ihr nachlesen in Lukas 19, 1-10. Lasst Euch davon inspirieren!

Euer Zachäus

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