Das geplante Universum – Wie die Wissenschaft auf Schöpfung hindeutet

In den letzten Monaten sind mir eine Reihe von Theologen begegnet, die der Überschrift dieses Artikels wohl entgegnen würden: Wer mit der Wissenschaft die Existenz eines Schöpfers begründen will begeht von vornherein einen grundlegenden Kategorienfehler. Denn Wissenschaft und Religion bewegen sich auf 2 vollständig verschiedenen Ebenen.

Richtig daran ist: Mit Mitteln der Naturwissenschaft ist das Wesen und der Charakter eines Schöpfers ebenso wenig greifbar wie die Wunder, von denen die Bibel berichtet. Denn naturwissenschaftliche Methoden erfassen nur das Beobachtbare, das festen Gesetzmäßigkeiten gehorcht und deshalb überall auf der Welt in Experimenten wiederholbar ist. Was die Wissenschaft aber sehr wohl untersuchen kann sind die Spuren, die ein Schöpfer möglicherweise hinterlassen hat. In ihrem Buch „Das geplante Universum“ haben sich Markus Widenmeyer, Tobias Holder, Boris Schmidtgall und Peter Trüb auf diese Spurensuche gemacht und dabei eindrücklich dargelegt, wie stark gerade die Naturwissenschaft dafür spricht, dass das Leben und das Universum auf das Wirken eines intelligenten Geistes zurückgehen müssen. Denn wer mit den Augen eines Naturwissenschaftlers auf das Universum, die Erde und die Lebewesen schaut, stößt dort regelmäßig auf höchst funktionale Konstruktionen, die ganz offenkundig gezielt lebensfreundlich konzipiert sind und die gemäß all unserer Erfahrung und unserer empirischen Forschung unmöglich ein Resultat von absichtslosen, zufälligen Prozessen sein können. „Der Eindruck intelligenter Planung ist überwältigend“ schrieb der Physiker Paul Davies angesichts unseres Universums“ (zitiert auf S. 132).

Um diese These zu untermauern betrachten die Autoren die Welt aus mathematischer, physikalischer, chemischer und biologischer Sicht. Obwohl das Buch auch für Laien gut lesbar ist merkt man schnell: Diese Leute sind vom Fach! Markus Widenmeyer hat Chemie und Philosophie studiert. Tobias Holder promovierte am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung. Boris Schmidtgall ist Chemiker, Peter Trüb ist ein Teilchenphysiker, der zwischenzeitlich mit der Berechnung von 22,4 Billionen Dezimalstellen der Zahl pi sogar einen Weltrekord aufgestellt hatte. Eine erste bedeutende Feststellung des Autorenteams stammt dementsprechend auch aus dem Feld der Mathematik: „Gemeinsam mit großen Wissenschaftlern wie Galileo Galilei oder Eugene Wigner kann man mit Fug und Recht sagen, dass unser Universum in der Sprache der Mathematik geschrieben ist.“ (S. 35) In einem „ungeplanten Universum“ ist das ebenso wenig selbstverständlich wie die Tatsache, dass es Naturgesetze gibt. Wer hat diese Gesetze „erlassen“? Und warum folgen sie vergleichsweise simplen, symbolisch elegant darstellbaren mathematischen Formeln? „Naturgesetze sind natürlich naturwissenschaftlich erfassbar. Sind sie aber wirklich auch naturwissenschaftlich erklärbar?“ (S. 11) Dazu stellen die Autoren fest: Nur der Theismus ist „im Einklang mit der Tatsache, dass Naturgesetze keinen abschließend erklärenden, sondern im Grunde nur einen beschreibenden Charakter haben.“ (S. 13)

Absolut faszinierend ist darüber hinaus, dass die Naturgesetze ebenso wie die Naturkonstanten und die Massen der Elementarteilchen höchst präzise genau so „konstruiert“ und fein aufeinander abgestimmt sind, dass biologisches Leben möglich ist. Die Tatsache, dass die Masse in unserem Universum weder in sich zusammensackt noch unkontrolliert auseinanderdriftet sondern stabile Strukturen für einen lebensfreundlichen Planeten bildet, ist extrem erstaunlich. In einem „zufälligen Universum“ dürfte man das niemals erwarten.

Auch in der Chemie setzt sich dieses Muster fort: „ An den Beispielen Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Phosphor haben wir gesehen, dass viele Elemente maßgeschneiderte, einzigartige und dabei nach allem, was wir wissen, unverzichtbare Eigenschaften für eine komplexe, funktionale Chemie besitzen, wie sie für organisches Leben nötig ist. … Eine geringfügige Veränderung der Parameter, die dem Baukastensystem zugrunde liegen, würde das ganze System zusammenbrechen lassen.“ (S. 101)

Alle diese perfekten Eigenschaften der Elemente würden aber nichts nützen ohne den extrem außergewöhnlichen energetischen Zustand des Universums: „Der … Zustand des Universums ist … mit einem Ritt auf der Rasierklinge zu vergleichen – und zwar in einer ganz extremen Weise. Weder ist die Energie statistisch gleichmäßig über den Raum verteilt, noch liegt sie räumlich zusammengeklumpt … Vielmehr liegt die Energie hochgradig ungleichmäßig vor, äußerst weit entfernt von einem Gleichgewichtszustand“ … und zwar konzentriert auf einen „Volumenanteil von rund 10-44 des Universums; andererseits ist sie aber auf rund 1080 Portionen verteilt.“ (S. 70/71) „Der Zustand unseres Universums ist also eine Besonderheit mit einer statistischen Unwahrscheinlichkeit, die jede Vorstellung sprengt, nämlich eins zu 10 hoch 10123!“ (S. 72)

Für mich als Biologen ist darüber hinaus natürlich die Frage nach der Entstehung des Lebens besonders spannend. Dazu stellen die Autoren fest: „Charles Darwin ahnte nicht ansatzweise, welche Komplexität biologischem Leben zugrunde liegt. Auch heutige Ingenieure können von vergleichbaren Konstruktionen auf technischer Ebene nur träumen.“ (S. 75) Entsprechend hat kein Biologe bis heute eine auch nur einigermaßen vielversprechende Idee, wie die phantastisch komplexen molekularen Maschinen, die in jeder einzelnen unserer Zellen höchst zuverlässig arbeiten, durch absichtslose Prozesse von selbst entstanden sein könnten.

Die bemerkenswerteste Eigenschaft unseres Universums ist wohl der Umstand, dass wir Menschen einen selbst-bewussten Geist haben, der über das Universum und seine Herkunft nachdenkt, der Mathematik und Philosophie betreibt und nach Moral, Ethik, Liebe und Schönheit fragt. Wie kann geistlose Materie Geist hervorbringen? Auch hier zeigt sich die Stärke der These einer geistigen Verursachung des Universums: „Der Theismus … steht … harmonisch mit der Tatsache im Einklang, dass es mit uns Menschen Geist in der Welt ohnehin gibt.“ (S. 140)

Nun ist all das im strengen Sinne natürlich kein Beweis für Gott. Schließlich ist nicht immer das richtig, was augenscheinlich naheliegend ist. Könnte es für die Feinabstimmung des Universums vielleicht trotzdem eine rein materielle Erklärung geben? Die Autoren behandeln verschiedene solcher Erklärungsversuche. Der berühmteste ist wohl das sogenannte „Multiversum“. Dieses Konzept geht „von der spekulativen Annahme aus, dass es einen Mechanismus gibt, der unendlich viele oder zumindest unvorstellbar viele Teiluniversen hervorbringt. Dabei soll der Mechanismus idealerweise nicht nur die Anfangsbedingungen, sondern auch die Naturkonstanten und vielleicht auch einige Aspekte der naturgesetzlichen Struktur variieren.“ (S. 120) Die Idee dahinter ist: Auch der unwahrscheinlichste Zufall wird irgendwann wieder wahrscheinlich, wenn die Anzahl der Optionen, in denen dieser Zufall eintreten könnte, ausreichend groß ist. So populär dieser spekulative Erklärungsversuch auch ist: Er erklärt eigentlich gar nichts. Denn: „Ein reales Multiversum setzt … zuerst ganz konkret ein produzierendes System für unzählige Dinge voraus.“ (S. 123) Woher kommt dieses produzierende System mit seinen feinabgestimmten Eigenschaften? Das grundlegende Problem des Multiversum-Ansatzes betrifft auch alle anderen Erklärungsversuche, die immer wieder vorgebracht werden: Es löst das Problem der Unwahrscheinlichkeit nicht, es verschiebt es nur! Entsprechend folgern die Autoren: „Erklärungsversuche der Feinabstimmung müssen an irgendeiner Stelle von speziellen Naturgesetzen und Randbedingungen ausgehen, die nicht weiter erklärbar sind. In diesen wäre dann die ganze Information der strukturellen Ordnung des Universums verpackt, sie selbst bleibt radikal unerklärt. … Bei allen innerweltlichen Erklärungen muss (mindestens) ein ähnliches Maß an Komplexität und Spezifität vorausgesetzt werden, wie es eigentlich zu erklären wäre. Der enorm unwahrscheinliche Zufall bleibt bestehen und kann substanziell nicht wegerklärt werden.“ (S. 150)

Die Autoren folgern deshalb zurecht: „Wir wissen, dass das Hervorbringen von komplexen, für einen bestimmten Zweck präzise maßgeschneiderten Objekten etwas mit Intelligenz und Geist zu tun hat. Das wissen wir zumindest in allen Fällen, bei denen der Ursprung der Objekte geklärt ist. Wir wissen, dass das Entwickeln und Anwenden mathematischer Konzepte ebenso etwas mit Intelligenz und Geist zu tun haben. Sowohl für die maßgeschneiderte Struktur einer Leben ermöglichenden Physik und Chemie als auch für die mathematischen Konzepte, die unser Universum regieren, ist es naheliegend, eine intelligente Person, einen Schöpfer anzunehmen.“ (S. 134) „Wir schlussfolgern, dass ein transzendentes, geistiges Wesen von sehr großer Intelligenz und Macht dieses Universum gewollt, geplant und hervorgebracht hat. Und dieses Wesen nennen wir Gott.“ (S. 150)

Sind wir Menschen ganz bewusst gewollte Geschöpfe? Oder sind wir Produkte des Zufalls und „Zigeuner am Rande des Universums“, das „für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen“[1]? Diese Fragen sind für jeden Menschen existenziell. Sie sind eng mit der Frage nach unserer Identität, nach dem Sinn des Lebens, dem Wert und der Würde des Menschen verknüpft. Auch die Fragen nach Moral, Ethik, nach der Realität des freien Willens und der Verantwortung des Menschen hängen eng damit zusammen. Die Frage nach unserer Herkunft ist deshalb selbstverständlich auch für den christlichen Glauben höchst relevant. Nach vielen Jahrzehnten, in denen die Naturwissenschaft zumeist als überlegener Feind des Christentums dargestellt wurde, ist es eine bedeutende Nachricht, dass die Naturwissenschaft heute deutlicher denn je bestätigt, dass die biblische Annahme eines Schöpfers von den wissenschaftlichen Fakten klar gestützt wird. Es ist traurig, dass dieser Umstand bislang auch unter Christen noch so wenig bekannt ist und von einigen Theologen sogar immer noch bekämpft und belächelt wird[2]. Noch trauriger ist, dass unseren Schülern nach wie vor häufig das völlig schiefe Bild vermittelt wird, dass man die „Hypothese Gott“ für die Erklärung der Existenz des Universums und des Lebens nicht brauche[3].

Der Rückschluss von der naturwissenschaftlichen Faktenlage auf einen Schöpfer beruht dabei nicht – wie oft behauptet – auf immer kleiner werdenden Erklärungslücken. Es geht nicht um einen „Lückenbüßergott“, der eines Tages dem wachsenden wissenschaftlichen Fortschritt vollends zum Opfer fällt. Wer so argumentiert, übersieht mindestens 3 Dinge:

  • Erstens handelt es sich bei den ungeklärten Fragen ja nicht um „Lücken“, denn das würde ja nahelegen, dass die meisten Dinge schon erklärt wären. Neben all den Ungereimtheiten der Evolutionstheorie (z.B. der hochgradig diskontinuierliche Fossilbericht[4]) geht es bei den offenen Fragen ja um die absolut zentralen und grundsätzlichen Themen, die sich im Blick auf die Entstehung des Universums und des Lebens stellen: Wie kann hochspezifische Ordnung, zweckdienliche Information, Zielgerichtetheit und Geist durch geist- und ziellose, zufällige Prozesse entstehen?
  • Zweitens sind diese ungeklärten Fragen in den letzten 160 Jahren seit Darwin ja gerade nicht kleiner sondern mit dem wachsenden Wissen über die Komplexität des Lebens, die Feinabgestimmtheit des Universums und das Wesen von digitaler Information immer größer geworden – was im Trend für die Annahme spricht, dass schlüssige materialistische Erklärungen nachhaltig nicht gefunden werden können.
  • Drittens verzichtet die Annahme eines geistigen Verursachers ja gerade darauf, ungeklärte Fragen durch außerwissenschaftliche Annahmen „wegzuerklären“, so wie es der Materialismus tut mit der Annahme, dass man in Zukunft ganz bestimmt noch materialistische Erklärungen für die offenen Fragen finden werde. Das Zulassen der Option einer geistigen Verursachung wäre hingegen nur dann außerwissenschaftlich, wenn man aufgrund einer philosophischen Entscheidung den methodischen Atheismus der Naturwissenschaft derart verabsolutiert, dass auch ein punktuelles Schöpfungshandeln von vornherein prinzipiell ausgeschlossen wird. Das käme aber einer Beschneidung des freien, ergebnisoffenen wissenschaftlichen Denkens und Forschens gleich.

Die Annahme eines schöpferischen Geistes beruht nicht auf dem, was wir nicht wissen sondern auf dem, was wir wissen: Hochspezifische Ordnung und zweckdienliche codierte Information lässt gemäß allen unseren Beobachtungen, Erfahrungen und empirischen Ergebnissen immer auf einen geistigen Verursacher schließen. Der Rückschluss von den Eigenschaften unserer Welt auf einen Schöpfer ist deshalb in hohem Maße vernünftig und faktenbasiert. Ich finde: Gerade junge und sinnsuchende Menschen sollten die eindrücklichen Fakten dazu kennen, damit sie die Chance haben, sich selbst ein Bild zur Frage nach ihrer Herkunft und ihrer Identität machen.

Ich kann deshalb dem äußerst fundierten und zugleich spannenden und gut lesbaren Buch „Das geplante Universum“ nur eine möglichst weite Verbreitung wünschen.

Das Buch „Das geplante Universum – Wie die Wissenschaft auf Schöpfung hindeutet“ ist 2019 bei SCM-Hänssler erschienen und kann hier bestellt werden.


[1] So schreibt es der Nobelpreisträger Jaques Monod in „Zufall und Notwendigkeit“, Übersetzung: Friedrich Griese, Piper Verlag, München 1971

[2] So äußert z.B. der Theologe Siegfried Zimmer: „So einfach ist es nicht, dass man sagt: Ich kucke die Welt an, und wie wenn ich ein Bild irgendwo sehe, dann sag ich doch auch, das hat jemand gemalt, und wenn ich die Welt ankucke, dann sag ich, das hat jemand gemacht. Gell: Die lieben Christlein legen es sich so hübsch naiv zurecht.“ Im Vortrag: „Die erste Schöpfungserzählung (1. Mose 1,1-2,4a) – Teil 2“ Weimar: 21. Mai 2018, online unter https://worthaus.org/worthausmedien/die-erste-schoepfungserzaehlung-1-mose-11-24a-teil-2-8-4-2/ ab 10:37

[3] Gemäß dem berühmten Ausspruch des französischen Mathematikers, Physikers und Astronomen Pierre-Simon Laplace, der im Gespräch mit Napoleon geäußert haben soll: „Gott? Diese Hypothese habe ich nicht nötig!”

[4] Siehe dazu den AiGG-Artikel: „Evolution – Welterklärungsmodell am Abgrund?“ http://blog.aigg.de/?p=4140