63 Über die Bibel hinaus gibt es keine endgültig verbindlichen Kirchenvorschriften

These 63

Offenbarung 22, 18: „Wenn jemand dem, was hier geschrieben steht, irgendetwas hinzufügt, wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch beschrieben werden.“

Sola Scriptura! Allein die Schrift! Mit diesem Schlagwort wollten die Reformatoren sich insbesondere auch abgrenzen von der Praxis, den Gläubigen über die Bibel hinaus zusätzliche Regeln, Lehren und Vorschriften wie z.B. den Ablasshandel aufzuerlegen. Schon die Juden hatten sich verrannt in dem Wahn, die mosaischen Gesetze durch umfangreiche Regelwerke ergänzen zu müssen. Und schon immer war es ein Kennzeichen von Sekten, wenn Sonderschriften wie das Buch Mormon für verbindlich erklärt wurden.

Aber auch heute noch ist die Versuchung, die Bibel um zusätzliche Regeln und Gesetze zu erweitern, nicht verschwunden. Man denke nur an all die Vorschriften und Kirchengesetze, die heute so Vieles in unseren Gemeinden regulieren.

Diese Vorschriften müssen ja nicht falsch sein. Jede Organisation braucht schließlich gewisse Regeln. Das Problem ist nur: Der Heilige Geist hält sich nicht an unsere Vorschriften. Er weht, wo und wie er will. Eine Struktur und eine Vorschrift kann heute noch hilfreich sein und als Schutz gegen Fehlentwicklungen dienen. Aber morgen schon kann sie Gottes Wirken und Wegweisung entgegenstehen und Gemeinden von gesunden Neuerungen und mutigen, dringend notwendigen Reformschritten abhalten.

Deshalb müssen Kirchenleiter jederzeit bereit sein, kirchliche Strukturen und Regeln betend und mit der Bibel in der Hand zu hinterfragen und zu ändern. Für immer gültig ist in der Kirche nur Gottes Wort. Sonst nichts. Wenn wir die Gläubigen für bestimmte Leitlinien und Regeln gewinnen wollen müssen wir mit der Bibel argumentieren und nicht mit Paragraphen.