Kritik am Worthaus-Artikel: Eine Stellungnahme

Der Anfang Oktober 2017 veröffentlichte AiGG-Worthaus-Artikel hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen. Er stand wochenlang an der Spitze der christlichen „Blog-Charts“. Prominente Stellen haben ihn weiter verbreitet, wie z.B. das Netzwerk Bibel und Bekenntnis oder der Arbeitskreis für evangelikale Theologie. Die Zeitschrift des Bibelbunds hat den Artikel vollständig abgedruckt. Sogar Idea Spektrum hat eine Kurzversion gebracht.

Natürlich haben mich deshalb auch etliche Rückmeldungen erreicht. Die meisten waren sehr positiv und ermutigend, einige natürlich aber auch kritisch. Zu erwarten war die teils harsche Ablehnung von liberal geprägten Christen, die ja aber eigentlich nicht die Adressaten dieses Artikels waren, wie schon die Überschrift deutlich gemacht hat. Weit mehr bewegt haben mich Rückmeldungen von Christen aus dem „progressiv-evangelikalen“ Bereich. Leider hat sich die mir bekannte Kritik aus dieser Richtung bislang in keiner Weise inhaltlich mit meiner Analyse der Worthaus-Vorträge auseinandergesetzt. Stattdessen konzentriert sie sich im Wesentlichen auf folgendes Argument: Es gibt keine „Worthaus-Theologie“. Die Worthaus-Referenten vertreten ganz unterschiedliche theologische Positionen. Daher kann auch kein Worthaus-Referent für die Lehren anderer Worthaus-Referenten verantwortlich gemacht werden.

Diesen Punkt hatte ich bereits im Vorfeld des Artikels mit einem Worthaus-Referenten diskutiert und deshalb im Anhang 2 des Artikels ausführlich dazu Stellung genommen. Im Kern war meine Aussage: Ja, es ist eine (der Übersichtlichkeit geschuldete) Vereinfachung, von einer „Worthaus-Theologie“ zu sprechen. Aber für den unbedarften Hörer wirkt Worthaus sehr wohl wie eine in sich kongruente Denkfabrik. Und dafür gibt es klare Gründe:

  • Der fehlende Diskurs: Die Lehren, die ich in meinem Artikel kritisiere (z.B. Ablehnung des Sühneopfers) werden bei Worthaus nirgends kritisiert. Den liberalen Thesen, die ich im Artikel schildere, wird nirgends eine konservative Gegenthese entgegengestellt.
  • Es gibt einige durchgängige und vielfach wiederholte Überzeugungen wie z.B. das unkritische Bekenntnis zum Segen der universitären Bibelwissenschaft, die Abgrenzung von Konservativen/Evangelikalen/Fundamentalisten, das Bekenntnis zur Fehlerhaftigkeit und Widersprüchlichkeit biblischer Texte etc.
  • Der wichtigste Grund: Die Dominanz von Siegfried Zimmer, der 2/3 aller Vorträge hält und deshalb mit seiner Theologie das Gesamtbild von Worthaus maßgeblich prägt.

Ich halte deshalb die Rede von der „Worthaus-Theologie“ für durchaus berechtigt. Aber wer sich daran stört, dem würde ich empfehlen, den Begriff „Worthaus“ ganz einfach durch den Namen des prägenden Worthaus-Theologen Siegried Zimmer zu ersetzen und sich dann neu der Frage stellen: Passt denn die Zimmer’sche Theologie und Hermeneutik zur evangelikalen Bewegung und zu bibeltreuen Ausbildungsstätten? Wie der AiGG-Worthausartikel gezeigt hat, widerspricht gerade auch Prof. Zimmer ganz direkt einigen der Glaubensgrundlagen der KBA (Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten) und der evangelischen Allianz. Zudem stellt Zimmer sich insgesamt – teils rüde und polemisch – gegen Evangelikale („Auf keinen Fall evangelikal” sagt Prof. Zimmer bei 1:10:10 seines Vortrags). Der größte Teil der sonstigen Worthaus-Referenten vertritt ebenfalls theologische Positionen, die mit den o.g. Bekenntnissen nicht zusammen passen.

Daher bleibt für mich die Frage unbeantwortet: Wie kann es sein, dass so viele Evangelikale Siegfried Zimmer und Worthaus unterstützen, ja sogar leidenschaftlich und unkritisch bewerben?

Es geht bei der Diskussion um Worthaus wohlgemerkt nicht um eine Auseinandersetzung zwischen streng Konservativen und weniger strengen Konservativen. Es geht um das Vordringen von klar liberaler Theologie mitten in die evangelikale Bewegung hinein – mit allen destruktiven Folgen, die wir in der ganzen westlichen Welt beobachten können. Möge Gott eine Wende schenken, eine theologische Reformation, eine neue Ehrfurcht vor Gottes Wort als wichtige Basis für einen erwecklichen Aufbruch, der die Kirche wirklich erneuern und zukunftsfähig machen kann.

Mist!

Weihnachten, das ist: Kerzen. Gute Gerüche. Alles glitzert. Das Fest der Liebe und Harmonie. Eine romantische Weihnachtskrippe. Das traute Paar und ein holder Knabe im lockigen Haar. Wie herzerwärmend. Die Frage ist nur: Entspricht DAS der Weihnachtsgeschichte?

In der biblischen Weihnachtsgeschichte will einiges so gar nicht zu dieser Weihnachtsromantik passen. Im Gegenteil: Da gibt es Krieg und Unterdrückung im von den Römern besetzten Israel. Maria wird verachtet und ausgegrenzt, weil sie unehelich schwanger wird. Dann die beschwerliche Reise kurz vor der Geburt. Kein ordentlicher Platz zum Übernachten. Maria muss ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen, wo es nicht nach Honig, Zimt und Mandelsternen riecht sondern nach Mist und Gülle. Eine Geburt in einem Raum mit Dreck und Ungeziefer. Direkt danach fängt Herodes an, alle Neugeborenen umzubringen, damit ihm keine Konkurrenz erwachsen kann. Um der Mörderbande zu entkommen muss die Familie Hals über Kopf ins fremde Ägypten flüchten. Eine Horrorgeschichte…

Aber ich bin überzeugt: Es lohnt sich, sich diese Geschichte mal so ganz roh und ungeschminkt anzuschauen. Denn nur dann wird die wahre Botschaft hinter dieser Geschichte lebendig. Und diese Botschaft ist:

Gottes Liebe ist so groß, dass sie den Dreck nicht scheut! Er ist kein Adliger, der sich zu fein ist für das einfache Volk. Im Gegenteil: Er kommt ganz auf unser Niveau herab. Mehr noch: Er begibt sich mitten hinein in das ganze Drama der menschlichen Existenz. Von Geburt an erfährt Jesus am eigenen Leib so ziemlich alles, was man sich an menschlicher Not vorstellen kann. Ist das nicht Wahnsinn?

Stell Dir das mal vor: Donald Trump hätte nach seiner Wahl und vor seiner Einsetzung als Präsident erst einmal all sein Geld und seinen Besitz weggegeben. Und dann hätte er gesagt: Die Tage bis ich eingesetzt werde nutze ich, um zu schauen, wie es den Armen in meinem Land geht. Deshalb werde ich für einige Zeit als Obdachloser leben, ohne Scheckkarte, Bodyguards und Handy.

Unvorstellbar. Aber die Weihnachtsgeschichte ist sogar noch unglaublicher! Hier ist es der Schöpfer und Herrscher des Universums, der ein Kind einfacher, armer, verfolgter und bedeutungsloser Eltern wird. Was sagt das aus über unseren Gott? Über seine Liebe für uns? Wir dürfen neu das Staunen lernen über diese unglaubliche Geschichte und diesen unglaublichen Gott!

Der Dreck, Mist und Gestank im Stall ist also kein Störfaktor in der Weihnachtsgeschichte, im Gegenteil: Gerade der Mist bringt zum Ausdruck, wie Gott ist! Wie sehr er uns liebt! Wie opferbereit seine Liebe für uns ist!

Aber der Mist hat noch eine weitere Bedeutung. Die große Frage ist ja: Aus welcher Quelle kommt eigentlich all der Mist, die Gewalt, der Krieg, die Unterdrückung, die Verachtung, die Ausgrenzung, einfach all diese Dunkelheit in der Welt, von der auch in der Weihnachtsgeschichte berichtet wird? Wenn wir die Bibel ernst nehmen kommt all das aus unserem menschlichen Herzen! So sagt es Jesus zumindest:

Denn von innen, aus dem Herzen eines Menschen, kommen böse Gedanken wie Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Vergnügungssucht, Neid, Verleumdung, Stolz und Unvernunft. (Markus 7, 21)

Puh, das klingt aber nicht sehr nett. Wir wollen doch alle lieber herzensgut sein und unserem Herzen folgen können. Aber wenn wir ehrlich sind spüren wir: Unser Herz ist tatsächlich nicht so sauber, nicht so menschenfreundlich, wie wir uns das gerne vormachen. Wenn Gott auf unser Herz blickt sieht er so manches, was ihm stinkt und zu dem er sagt: So ein Mist! Dieser Neid, den er da hat. Diese Lügen, die sie verbreitet, um groß rauszukommen. Diese Vergnügungssucht, durch die er seine Zeit für Quatsch vergeudet. So ein Mist…

Die größte Nachricht von Weihnachten ist deshalb: Jesus scheut den Mist unseres Herzens nicht! Er kommt genau an diesen dunklen Ort, den wir vor allen verstecken wollen und den am besten niemand sehen soll. Aber Moment. Ist das wirklich eine gute Nachricht, wenn Jesus die Abgründe unseres Herzens aufdeckt?

Tatsächlich ist das nicht angenehm. Und trotzdem ist das eine gute Nachricht! Denn nur wenn Jesus in unser Herz kommen darf mit all den Fehlern, den dunklen Stellen, der Schuld und der Sünde, nur dann kann er unser Herz auch heilen. Nur dann kann er Vergebung bringen. Nur dann kann er Frieden bringen.

An Weihnachten wird ja oft darüber gesprochen, dass die Engel Frieden verkündigt haben und den Menschen ein Wohlgefallen. Als würde Gott einfach Zuckerguss über den Mist der Welt gießen. Das klingt zwar nett, hat aber nie funktioniert, wie man in unserer Welt schmerzlich sehen kann.

Hat sich die Bibel also getäuscht? Ist der von den Engeln angekündigte Frieden ausgeblieben? Nein. Die Bibel ist nicht das Problem sondern unsere Übersetzung. Richtig übersetzt heißt dieser Vers nämlich so: “Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens” (Lukas 2, 14). Und wer sind die Menschen seines Wohlgefallens? Na klar, die Menschen, die Jesus in den Mist ihres Herzens hineingelassen haben! Die es zugelassen haben, dass Jesus aufräumen, Vergebung bringen, helfen und heilen darf. Diese Menschen finden Frieden. Und je mehr Menschen diese Vergebung finden und diesen Frieden mit Gott, umso mehr kann tatsächlich auch Friede auf Erden wachsen. Echter Friede. Nicht so ein Heia-Popeia-Weihnachtsromantikaufguss sondern echte Versöhnung, die nur Jesus schenken kann.

Klick zum Lied: “Wie die Hirten”

Die Frage an Dich ist jetzt ganz einfach: Kannst Du das zugeben vor Deinem Gott, dass Dein Herz so ist wie dieser Stall: Dunkel, stinkig, unaufgeräumt, unansehnlich. Und wärst Du bereit, Jesus da hineinzulassen: In dieses Herz voller Mist, Sünde und Schuld?

Jesus hat gesagt: “Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.” Wenn wir Jesus die Tür unseres Herzens öffnen, dann wird wirklich Weihnachten. Dann wird etwas geboren in Dir, was echtes neues Leben bringt. Etwas, was wirklich Frieden bringt.

Diesen Frieden wünsche ich Dir – von ganzem Herzen!

Wie die Hirten
Text und Musik: Markus Till

O mein Jesus, Du kamst in die Welt
wurdest gebor’n in einem Stall im kleinen Betlehem.
Du hast Deinen Thron vertauscht
mit einer Krippe und mit Stroh.
Du zogst Windeln an statt Deinem Königskleid.

O mein Jesus, wer kann versteh’n
was Du dort in jener Nacht hast für uns getan.
Deine Herrlichkeit und Macht
hast Du verlassen und Du kamst
bis hinab in uns’re tiefste Niedrigkeit.

Wie die Hirten komm ich zu Dir
an Deine Krippe und beug’ die Knie.
Deine Liebe ist so groß und ich weiß: Sie gilt auch mir!
So wie Du Dich für mich gabst, geb’ ich mich Dir.

Alle Engel beten Dich an
alle Zeit vor Deinem Thron bis in Ewigkeit.
Doch weil Du uns so sehr liebst kamst Du zu uns in uns’re Welt
mitten in den Schmutz und  in die Dunkelheit.

O mein Jesus, Du kamst auch zu mir
in den Schmutz und in die Nacht meiner Sünden.
Doch Du wurdest mir zum Licht und Deine Liebe macht mich heil.
Staunend seh’ ich, Herr, was Du für mich getan!

Das Akkordsheet zum Lied: Wie die Hirten

12 Gründe, warum progressives Christentum aussterben wird

In einem viel beachteten Artikel führt der US-amerikanische katholische Priester und Autor Dwight Longenecker 12 Gründe an, warum „progressives“ Christentum keine Zukunft hat. Seine Analyse dürfte auch die Situation in Deutschland relativ gut beschreiben. Nachfolgend einige Auszüge daraus in einer deutschen Übersetzung. Der vollständige englische Originalartikel wurde hier veröffentlicht.
Hervorhebungen wurden nachträglich eingefügt.

Historische Christen glauben, dass ihre Religion von Gott in der Person seines Sohne Jesus Christus offenbart wurde und dass die Schrift das wichtigste Zeugnis dieser Offenbarung ist. Sie glauben, dass die Kirche die Verkörperung des auferstandenen Herrn Jesus in der Welt ist und dass sein Auftrag, die Verlorenen zu suchen und zu retten, immer noch gültig und wichtig ist.

Progressive Christen glauben, dass Jesus Christus bestenfalls ein göttlich inspirierter Lehrer ist, dass die Schriften fehlerhafte, menschliche Dokumente sind und dass die Kirche ein Leib von spirituell gesinnten Menschen ist, die gerne Frieden und Gerechtigkeit zu Allen bringen und die Welt zu einem besseren Ort machen möchten.

Ich weiß, ich verallgemeinere hier sehr stark, aber die grundlegende Trennung ist klar erkennbar, und Gläubige auf beiden Seiten geben zu, dass „historische“ und „progressive“ Christen in allen Denominationen existieren. Die reale Trennung in der Christenheit verläuft nicht mehr zwischen Protestanten und Katholiken, sondern zwischen progressiven und historischen Christen.

Schaut man sich die Dynamik der progressiven Christenheit genauer an, dann wird sie am Ende dieses Jahrhunderts entweder ausgestorben sein oder aufgehört haben, Christentum zu sein. Momentan tritt der Modernismus noch im christlichen Gewand auf, sowohl in den großen protestantischen Kirchen als auch in Teilen der katholischen Kirche. Das wird nicht mehr sehr lange der Fall sein aus 12 sehr einfachen Gründen:

1. Modernisten bezweifeln das Übernatürliche und sind deshalb nicht wirklich religiös. Bei Religion geht es um einen Austausch mit der anderen Welt. Es geht um die Rettung von Seelen, Erlösung von der Sünde, Himmel, Höllenverdammnis, das Leben nach dem Tod, Engel und Dämonen und ähnliche Themen. Progressive befassen sich mit all dem nicht. Für sie geht es bei Religion darum, für Gleichberechtigung zu kämpfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, nett zu allen zu sein, und es geht ihnen um „Spiritualität“. Es dauert nicht lange, bis die Menschen realisieren, dass man dafür nicht in die Kirche gehen muss, und das bedeutet schließlich den Tod für die progressive Christenheit. Sie werden schlussfolgern, dass dann, wenn es bei Religion um nicht mehr als um gute Werke geht, das religiöse Ritual überflüssig ist… und sie hätten damit recht.

2. Progressive Religion ist im Wesentlichen individualistisch und nicht gemeinschaftsorientiert.

3. Progressives Christentum ist subjektiv und gefühlsbetont. Es meidet die Dogmatik. Wenn diese Einstellung vorherrscht, stirbt die modernistische Religion, weil ihre Anhänger es nicht mehr als nötig ansehen, sich irgendwo anzuschließen oder bestimmte Inhalte zu glauben.

4. Indem sie sich selbst von der Tradition abschneiden, werden sie (d.h. Progressive) nur das neueste religiöse Gimmick, die neueste Mode oder Anpassung an die aktuelle Kultur haben. Eine Religion, die Tradition zerstört, zerstört sich selbst.

5. Das Verwerfen der Verlässlichkeit der Bibel basiert auf einer rationalistischen Denkschule, die längst ihr Verfallsdatum überschritten hat.

6. Die progressive Christenheit wird aussterben, weil sie keine Forderungen an ihre Anhänger stellt. Frag irgendeinen Modernisten: „Warum sollte ein Christ zur Kirche kommen?“ Was wird er antworten? „Du musst nicht zur Kirche kommen. Sie ist da, wenn Du sie möchtest. Wenn es Dir gut tut und Du Dich dadurch besser fühlst sind wir da, um Dir zu dienen.“ Dieses Mitgefühl ist zwar lobenswert, aber sie sollten nicht überrascht sein, wenn niemand kommt.

8. Anhänger aller übernatürlichen Religionen verlangen moralische Reinheit, Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung. Die Modernisten sehen Religion nicht als Infragestellung, sondern als Erfüllung der eigenen Bedürfnisse. Hedonisten werden bald begreifen, dass Religion – selbst in ihrer verwässerten modernen Form – den Stress nicht wert ist.

10. Progressive dachten immer, sie seien die Radikalen, aber sie sind mittlerweile Teil des Establishments. Sie gehen immer mit der Mehrheit, vor allem wenn die Mehrheit vorgibt, „radikal“ oder „subversiv“ zu sein. Das Ziel, von möglichst vielen Menschen respektiert zu werden, ist der Todeskuss für jede echte Religion.

11. Die historischen Christen sind jetzt die Radikalen. Wenn die ganze Welt liberal wird, sind es die Konservativen, die die Radikalen sind. Wenn moralische Dekadenz auf der ganzen Welt vorherrscht, wird Keuschheit radikal. Wenn die ganze Welt von Relativismus verschlungen wird, ist der Dogmatiker der Radikale. Wenn die ganze Welt von Materialismus geblendet wird, ist derjenige radikal, der an Wunder und Übernatürliches glaubt.

12. Das Dogma der Progressiven ist, dass „alle willkommen sind“. Sie verstehen nicht, dass eine Religion nur dann eine Religion sein kann, wenn es Grenzen gibt. Kein Club ohne Regeln für die Mitglieder und keine Kirche ohne Dogma und moralische Erwartungen. Die Türen der progressiven Kirchen mögen weit offen sein… aber das führt letztlich dazu, dass die Menschen die Kirchen so schnell wie möglich verlassen werden.

Siehe auch:

  • These 56: Die Kirche wächst auf Dauer nur, wenn sie der Bibel vertraut – Erfahrungen aus der weltweiten Kirche und der Kirchengeschichte

nonbiblipedia

Biblische Stolperstellen: Ein „fluchender“ Paulus?

“Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.”
(Galater 1, 8)

Meine Güte Paulus. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Es ist ja O.K., dass Du Deine Überzeugungen vertrittst. Man kann beim Ringen um die Wahrheit ruhig auch mal streiten. Aber Andere verfluchen? Geht gar nicht! Vor allem nicht in unserer heutigen Zeit, in der doch jeder nach seiner Façon selig werden soll und exklusive Wahrheiten grundsätzlich als gefährlicher, friedensgefährdender Fundamentalismus gelten. Mit so einem Satz würdest Du Dir heute jedenfalls einen heftigen Shitstorm zuziehen.

Aber fragen wir doch zuerst einmal: Was hat Paulus eigentlich genau gesagt?

Das griechische Wort „Anathema“ knüpft an den alttestamentlichen „Bann“ an und zeigt an, dass etwas dem Gericht Gottes ausgeliefert wird. Johannes sagt inhaltlich ganz am Ende der Bibel im Grunde genau das gleiche: Jedem, der die Botschaft dieses Buches ändert, drohen die Gerichtsplagen Gottes (Offb.22,18-19). Bemerkenswert ist: Paulus „flucht“ nicht einfach verächtlich über Andere. Er stellt sich selbst mit unter diese Gerichtsdrohung (“Aber selbst wenn wir oder ein Engel…”). Auch ihn soll also das Gericht Gottes treffen, wenn er etwas Falsches predigt!

Das bringt uns zu der Frage: Warum hat Paulus das gesagt?

Ich stelle mir gerade folgenden Skandal vor: Eine Firma, die Rettungsringe herstellt, hat beim Material gespart. Die Rettungsringe sehen immer noch genauso aus und schwimmen auch auf dem Wasser. Aber durch das billige Material gehen sie unter, sobald sich jemand daran festhält.

Man will sich den Shitstorm kaum ausmalen, den sich diese Firma – völlig zurecht – zuziehen würde. Mehr noch: Die Verantwortlichen gehören vor Gericht! Sie müssen verklagt und hart verurteilt werden. Denn mit ihrem Verhalten haben sie Menschenleben gefährdet!

Mit diesem Bild wird die heftige Aussage von Paulus verständlich. Ganz offensichtlich haben ihn die folgenden Überzeugungen tief geprägt:

  • Die Menschen sind ernsthaft gefährdet. Sie können verloren gehen. Es geht um ihr (ewiges) Leben!
  • Das Evangelium ist eine dringend notwendige Rettungsbotschaft (Röm.1,16)!
  • Nur das richtige Evangelium rettet! Dieses einzig richtige Evangelium hat der Apostel direkt von Gott empfangen (Gal 1,11-121.Thess.2,13).
  • Ein verändertes Evangelium rettet nicht! Am Evangelium etwas zu ändern bedeutet, Menschen in falscher Sicherheit zu wiegen und womöglich in den Untergang zu treiben.

Das „Anathema“ unterstreicht also die Dringlichkeit, Göttlichkeit, Exklusivität und den Rettungscharakter der apostolischen Evangeliumsbotschaft.

Manche moderne Theologen mögen das anders sehen. Sie mögen diesen Exklusivismus ablehnen und stattdessen betonen, dass es doch eine Vielzahl von Deutungen, Auslegungen und Wahrheiten gäbe. Sie mögen auch diese Dringlichkeit verwerfen und glauben, dass Gottes Liebe am Ende so oder so alle Menschen retten wird. Das ist natürlich legitim. Aber sie sollten dann nicht so tun, als ob sie nur die Theologie von Paulus in die heutige Zeit übersetzen. Sie sollten vielmehr offen und ehrlich sagen, dass ihre Botschaft sich grundlegend von der paulinischen Theologie unterscheidet. Sie sollten offen sagen, dass das ein anderes Evangelium ist.

Um im Bild zu bleiben: Wenn manche moderne Theologen schon den Rettungsring ändern, dann sollten sie nicht so tun, als würden sie ein modernisiertes Original verkaufen sondern eindeutig und klar das Firmenlogo tauschen, damit Jeder sofort sehen kann: Das ist ein anderer Ring von einer anderen Firma! Dann können die Menschen selbst entscheiden, welchen „Hersteller“ sie für vertrauenswürdig halten. Dann können sie selbst entscheiden ob sie lieber nach dem Ring des Apostels oder der modernen Theologen greifen.

Ich habe mich übrigens bereits entschieden.

Siehe auch:

  • Christus allein! – Für Christen objektiv oder subjektiv wahr? Und was die Kirche dazu sagt…

Weitere “biblische Stolperstellen”:

Und was ist mit denen, die noch nie von Jesus gehört haben?

Glaube! Das ist ein absoluter Kernbegriff des Neuen Testaments. Vom Glauben hängt alles ab: Vergebung. Heilung. Rettung. Erneuerung. Ewiges Leben. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen (Hebr.11,6). Aber glauben kann man nur, was man gehört hat. Der Glaube kommt aus der Verkündigung, sagt Paulus (Röm.10,17). Daraus ergibt sich die Frage: Was ist dann mit denen, die nie etwas von Jesus und vom Evangelium gehört haben und somit gar keine Chance haben, zu glauben? Sind sie vom ewigen Leben ausgeschlossen nur weil sie das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort geboren zu werden?

Zur Zeit der ersten Christen hat sich diese Frage in besonders dramatischer Weise gestellt, schließlich wusste damals nur ein winziger Bruchteil der Weltbevölkerung etwas von diesem jüdischen Wanderprediger namens Jesus. Und trotzdem bekannten die Apostel unter Einsatz ihres Lebens: In keinem anderen Namen ist das Heil (Apg.4,12)! Auch wenn sich das Evangelium mittlerweile über die ganze Welt ausgebreitet hat: Immer noch gibt es zahlreiche völlig unerreichte Volksgruppen, in denen kein Mensch etwas von Jesus weiß.

Das Problem geht aber noch viel weiter. Auch im (nach-)christlichen Europa gibt es massenhaft Menschen, die im Grunde keine Ahnung vom Evangelium haben, selbst wenn sie offiziell Christen sind. Und außerdem: Was ist denn mit denen, die…
… schon als Kind oder sogar schon im Mutterleib gestorben sind bzw. getötet wurden?
… ein völlig falsches Evangelium gehört haben (z.B. eines mit billiger Gnade oder ein
xxigesetzliches Evangelium der Werkgerechtigkeit)?
… in der Zeit des Alten Testaments und somit vor Jesus gelebt haben?

Fragen über Fragen, die das neutestamentliche Konzept der Rettung durch den Glauben herausfordern. Wie antwortet man als Christ darauf?

Spekulationen

Die Bibel enthält einige Verse, die Anlass zu Spekulationen bieten:

Gab es auch vor dem Tod Jesu schon eine Möglichkeit, gerettet zu werden?
Ja, definitiv! Mose und Elia tauchen quicklebendig im Neuen Testament wieder auf (Matth.17,3). In Hebräer 11 werden zahlreiche Personen beschrieben, die durch ihr Vertrauen auf Gott Rettung fanden. Gibt es also eine Rettung ohne Jesus? Ich glaube nein. Denn diese Rettung geschah schon damals nicht durch das Einhalten von Geboten sondern durch Glauben (Römer 4) sowie durch Schuldbekenntnis und Sündenvergebung (Psalm 32). Im (an sich wirkungslosen) Opferkult wurden die Menschen schon damals bildhaft auf die kommende Vergebung durch das einmalige Opfer Jesu (Hebr.10,10) hingewiesen. Damit bezog sich im Grunde schon der damalige Glaube auf den Tod Jesu am Kreuz.

Spricht Gott auch zu Menschen, die keine Christen sind?
Ja, auch dafür liefert die Bibel Beispiele. Besonders bemerkenswert sind die Sterndeuter, die Jesus in der Krippe fanden und ihn anbeteten. Heute hören wir immer wieder, dass Jesus sich vor allem unter Muslimen im Traum offenbart. Wer weiß schon, wie viele Menschen auf diese Weise das Heil gefunden haben? Aber ein Massenphänomen ist das sicher nicht. Außerdem hat das nichts damit zu tun, dass es an Jesus vorbei Errettung geben könnte.

Gibt es Gerechtigkeit auch durch gute Werke und ein gutes Gewissen?
In Römer 2,15+16 schreibt Paulus, dass Menschen, die Gottes Gesetz nicht kennen, trotzdem durch ihr Gewissen richtiges von falschem Verhalten unterscheiden können und dass dies im letzten Gericht von Jesus bewertet wird. Gibt es für Paulus also die Möglichkeit, durch eine gute Lebensführung und ein reines Gewissen auch ohne Jesus gerechtfertigt zu werden? Wenn man die Paulusbriefe als Ganzes nimmt muss man diese Frage wohl verneinen. Für ihn waren durchweg alle Menschen Sünder (Röm.3,9-20). Das Gewissen trägt genau wie das Gesetz nur dazu bei, sich seiner Sünde bewusst zu werden (Röm.3,20). Retten kann es uns nicht.

Gibt es eine Entscheidungsmöglichkeit nach dem Tod?
Das legen zumindest 2 Verse im 1. Petrusbrief nahe (1.Petr.3,18-20 und 1.Petr.4,6), die man so verstehen kann, dass Jesus auch in der Totenwelt gepredigt hat. In 1. Kor. 15,29 kann man eine Bemerkung von Paulus so verstehen, dass die Korinther sich auch für Tote taufen ließen, so als ob man ihnen dadurch noch nachträglich helfen könnte. Paulus hat gegen diese Praxis nicht protestiert. Jedoch hat sie sich nie im Christentum durchgesetzt. Außerdem gibt es viele Theologen, die sowohl die angeblichen Predigten im Totenreich als auch die angebliche Taufpraxis für Tote bestreiten und die genannten Verse völlig anders deuten.

Insgesamt sind alle diese Verse eindeutig viel zu dünn, um mit ihnen Lehren über alternative Heilsmöglichkeiten begründen zu können. Deshalb sollten wir uns lieber mit den Dingen befassen, die wir eindeutig und klar aus der Bibel wissen können:

Was wir sicher wissen können:

5 biblische Lehren sind in Bezug auf unsere Fragestellung wichtig:

  1. Gott ist der Richter – und wir sind es nicht! Deshalb ist es sein gutes Recht, uns über die oben genannten Spekulationen im Unklaren zu lassen, denn sie sind ja nur für seinen Job wichtig, nicht für unseren. Und deshalb sollen und dürfen wir uns auch nicht zum Richter darüber machen, wer gerettet wird und wer nicht. Wie gut, dass wir das getrost Gott überlassen können.
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  2. Gott IST Liebe! Wir können uns vollkommen sicher sein, dass ER, der sogar seinen Sohn am Kreuz für uns hat sterben lassen, definitiv alles tun und ausschöpfen wird, damit möglichst viele Menschen bei ihm sein werden. Er will ja, dass alle gerettet werden (1.Tim.2,4).
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  3. Gott ist gerecht! Wir können also völlig sicher sein, dass Gott am Ende, wenn alles Verborgene ans Licht kommt, Urteile fällen wird, bei denen auch wir sagen werden: Na klar! Das ist die einzig richtige, vollkommen gerechte Konsequenz.
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  4. Es gibt die Möglichkeit, dass Menschen für immer von Gott getrennt bleiben müssen! Jesus nennt diesen Zustand Hölle. Er hat oft und sehr klar darüber geredet. Deshalb haben auch wir als Jesu Schüler nicht das Recht, diese Gefahr zu ignorieren, zu verschweigen, schönzureden oder wegzutheologisieren.
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  5. Christen haben einen klaren Auftrag: Hingehen! Das Evangelium predigen! Menschen auf der ganzen Welt zu Jüngern machen, damit sie den schmalen Weg in Gottes Reich finden! Darauf sollen wir unsere volle Energie richten! Aus Liebe zu Gott und den Menschen.

Christen sorgen sich also nicht in erster Linie um Themen wie soziale Gerechtigkeit. Die Erweckungsgeschichte hat gezeigt: Solche Probleme können ohnehin wesentlich effizienter und nachhaltiger behoben werden, wenn die Kirche ihren eigentlichen Job macht und Menschen zum Heil und zur Erneuerung in Christus führt. Nur so packen wir das Grundproblem unserer Welt an der Wurzel an: Unsere Rebellion gegen Gott und unsere Verstrickung mit der Sünde. Wie gut, dass zu allen Zeiten Christen in alle Welt gezogen sind, um den Menschen von Jesus zu erzählen. Egal ob in der Weltmission oder vor unserer Haustür: Unser Auftrag ist es, den Menschen das rettende Evangelium zu bringen.

Siehe auch:

  • These 27: Der zentrale Auftrag der Kirche ist, Menschen zu Jüngern zu machen!

Woran die Kirche krankt – und welche Medizin WIRKLICH hilft

Meine Kirche ist krank. Es nimmt mich mit, wie sie langsam ausblutet. Allein in den 10 ersten Jahren des neuen Jahrtausends hat sie fast 9 % ihrer Mitglieder und 13 % ihrer Gemeinden verloren. Vor allem die Jugend wendet sich in rasantem Tempo ab. Das tut weh. Ich wünsche mir so sehr eine wachsende, lebendige Kirche, die vielen Menschen das Evangelium bringt und Salz und Licht unserer Gesellschaft ist. Was also tun? Viele sagen: Wir müssen dringend wieder ins Gespräch mit den Menschen kommen!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Im Vergleich zur hippen Mediengesellschaft präsentiert sich meine Kirche in etwa so sexy wie eine schrullige Kirchenmaus. Mittelalterliche Formen, vorhersehbare Abläufe, langweiligen Ansprachen, und das alles versteckt hinter hohen Kirchenmauern… So kommt man mit niemand ins Gespräch. Was also tun? Viele sagen: Wir brauchen dringend frische, zeitgemäße Formen, neue Gottesdienstformate, angesagte Musik, milieusensible Kommunikation und innovative Gemeindeformen, in denen die Kirche sich aufmacht und hingeht zu den Menschen!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Ohne Inhalte sind die besten Formen ermüdender Aktionismus und ein Bluff, den die Menschen schnell durchschauen. Wenn niemand weiß, was denn die besondere Botschaft der Kirche ist und warum wir sie brauchen hilft die schönste Verpackung nichts. Was also tun? Viele sagen: Wir brauchen dringend ein klares Profil und Predigten mit einer starken, bewegenden Botschaft!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Wir haben die Botschaft verloren! Die ersten Christen hatten noch ihr Leben dafür gegeben, dass jeder vom Sühnetod Jesu und von seiner Auferstehung erfährt. Aber die Theologen unserer Tage sind sich nicht einmal mehr über diese allerzentralsten Glaubensaussagen einig. Kein Wunder, dass man statt eines klaren Evangeliums allzu oft nur noch verschwurbelte Gutmenschensätze hört. Ohne die Bibel als Maßstab zerfasert die Kirche und ihre Botschaft wird kraftlos wie ein stumpfes Schwert. Was also tun? Viele sagen: Wir brauchen dringend wieder eine Theologie, die sich klar an der Bibel als Gottes Wort orientiert!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Theologisches Verstandes­wissen ohne einen von Gottes Geist und Gnade geprägten Charakter macht arrogant und hartherzig, verursacht Spaltung und verjagt die Menschen statt sie zu gewinnen (1.Kor.8,1). Nichts ist schlimmer als eine gesetzliche, herz- und geistlose Treue zur Bibel, die Menschen mit Bibelworten bedrängt, ohne sie mit der Liebe Gottes in Berührung zu bringen.

Deshalb bleiben alle diese wichtigen und notwendigen Anstrengungen zur Heilung der Kirche am Ende wertlos, solange wir das wichtigste aller Gebote verpassen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Das zweite ist ebenso wichtig: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das heißt also: Ohne die gelebte, authentische Liebe zu Jesus und unseren Mitmenschen bleibt jede andere Medizin für die Kirche am langen Ende wirkungslos!

Mein Aufruf lautet deshalb: Ihr lieben Kämpfer für Gemeindewachstum, frische Formen, bessere Predigten, mehr kirchliches Profil, biblische Theologie und gute, an Gottes Wort orientierte Lehre: Wie gut, dass es euch gibt! Ich bin auf Eurer Seite! Ich arbeite leidenschaftlich mit für alle diese wichtigen Ziele! Aber wenn wir nicht tiefer schürfen, wenn wir nicht das Ziel vor Augen haben, dass Menschen eine tiefe Liebe zu Jesus entwickeln, dann springen wir zu kurz! Dann bauen wir auf Sand und die Kirche wird nicht gesund. Denn Jesus hat kein Interesse an einem Religionsverein. Er will eine Braut!

Paulus hat einst das Ziel all seines Wirkens so beschrieben: „Das Ziel meiner Unterweisung ist, dass alle Christen von der Liebe erfüllt sind.“ Er wusste: Wer Jesus wirklich liebt, der orientiert sich auch liebend gerne an Gottes Wort, gewinnt daraus ein klares Profil und bringt aus Liebe zu seinen Mitmenschen (so wie Paulus) ständig frische Formen hervor, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sie für Christus zu gewinnen. So gewinnt die Kirche Ausstrahlung und wächst wie von selbst.

Also machen wir es doch wie Paulus. Einen kürzeren Weg zur Heilung der Kirche gibt es nicht.

Siehe auch: Die 4 G-heimnisse des Gemeindewachstums

Lasst mir bloß die Schatzkarte in Ruhe!

Oder: Warum ich liberale Theologie so belanglos finde

Der große Moment war gekommen. Die Schatzkarte wurde auf dem Tisch ausgebreitet. Und tatsächlich: Tief im Inneren der Insel war die Stelle markiert, an der der sagenhafte Schatz vergraben sein musste. Doch die leuchtenden Augen verdunkelten sich. Der Weg zum Schatz schien eng, steil und gefährlich zu sein. Gemurmel ging durch den Raum. „Gibt’s da eigentlich Geländer?“ „Da müssten wir ja erst mal trainieren.“ „Das kann man doch niemand zumuten.“ Erste grundlegende Zweifel wurden formuliert: „Man kann doch so eine alte Schatzkarte nicht einfach auf heute übertragen!“ „Mir kann doch keiner erzählen, dass es nur EINEN Weg zum Schatz geben soll!“ Dann wurde die Kritik grundsätzlicher: „Mit unseren heutigen Möglichkeiten finden wir sicher einen besseren Weg.“ „Und vielleicht ja auch ein besseres Ziel!” „Eben! Wer definiert überhaupt, was ein Schatz ist? Schöne Strände sind doch auch ein großer Schatz, oder?“ „Solange es ein schöner Weg ist, ist doch auch alles gut!” Jetzt waren sich alle einig: Diese Karte konnten sie unmöglich einfach so als Reiseroute verwenden. Stifte wurden gezückt. Doch bevor jemand etwas auf die Karte zeichnen konnte schlug Fred auf den Tisch. „Glaubt ihr ernsthaft, dass ihr den Weg besser kennt als der, der den Schatz vergraben hat? Lasst mir bloß die Schatzkarte in Ruhe! Ich gehe diesen Weg. Ich finde den Schatz. Ihr dürft euch solange gerne um schöne Wege und Strände kümmern. Dafür braucht ihr die Karte nicht. Im Internet gibt es Pläne ohne Ende.“ Mit diesen Worten nahm er die Karte und ging, um sich auf den Weg zu machen.

Der sagenumwobenste Schatz dieser Welt heißt: Ewiges Leben! Jeder hofft darauf. Aber kein Mensch weiß etwas Genaues darüber. Paulus hingegen hat behauptet:

„Ich bin ein Apostel von Jesus Christus, dazu berufen, […] die Wahrheit zu verbreiten, die zum Glauben führt. Diese Wahrheit schenkt die Hoffnung auf ewiges Leben.“
(Titus 1, 1-2a)

Ich will ehrlich mit Ihnen sein, lieber Leser: Mich interessiert halt nun mal vor allem dieser Schatz. Andere dürfen gerne für den Tierschutz, Klimaschutz, Gleichberechtigung, Karriere, Erfolg, Schönheit usw. leben. Ich will in erster Linie ewiges Leben haben. Und zwar nicht nur für mich (das wäre ja egoistisch) sondern auch für die Menschen um mich herum. Und da wir Menschen nun mal keine Ahnung über das Leben nach dem Tod haben und da es am Ende eben nur 1 objektive Wahrheit geben kann interessiert mich letztlich nur eins: Was hat Gott dazu gesagt?

Und jetzt kenne ich halt nur 1 Gruppe von Menschen, denen ich wirklich abnehme, dass sie tatsächlich Gott gehört haben: Die Autoren der Bibel! Sie behaupteten nicht nur ständig, das wahre Wort Gottes zu predigen. Sie waren auch noch bereit, für ihre Botschaft in den Tod zu gehen. Ihre Worte waren so kraftvoll, dass sie bis heute die Welt verändern – im Gegensatz zu so vielen hochtrabenden theologischen Theorien, von denen nach kurzer Zeit kein Mensch mehr spricht.

Ihr lieben Theologen, ihr habt so eine wichtige Aufgabe! Ich wünsche mir von euch, dass ihr mir helft, die Bibel, die Schatzkarte Gottes, besser lesen und verstehen zu können. Bitte fordert mich heraus, diesen biblischen Weg zu gehen. Konfrontiert mich damit, welche meiner Wege nicht zur biblischen Schatzkarte passen. Wenn ich eine Bibelstelle falsch verstehe dann zeigt mir bitte eine andere, die mich korrigiert. Und bitte warnt mich vor falschen Lehren und Lehrern, die mir Wege empfehlen, die von der Bibel abweichen. Ich finde es offen gesagt traurig, dass das so wenige von euch tun.

Aber wenn ihr euch stattdessen mehr mit anderen Theologen und theologischen Gedankengebäuden statt mit der Bibel beschäftigt, hilft mir das nicht wirklich weiter. Und wenn ihr euch über die Bibel stellt und anfangt, euren Verstand, eure Meinung, eure Erfahrung, den Zeitgeist, menschliche Erkenntnisse oder Bedürfnisse zum Schiedsrichter über richtig und falsch in der Bibel zu machen, dann bin ich raus. Denn ich glaube einfach nicht, dass ihr besser über das (ewige) Leben Bescheid wisst als die Apostel und Propheten, die uns Gottes Wort verkündigt haben.

Geradezu lächerlich finde ich es, wenn manche von euch meinen, sie könnten biblische Lehren mit ihrer Logik widerlegen. Mal ernsthaft: Wer von uns will denn beurteilen, ob die Möglichkeit einer ewigen Verdammnis, vor der Jesus uns so intensiv gewarnt hat, nicht doch auch Ausdruck von Gottes Liebe und Gerechtigkeit sein kann? Wer von uns wollte beurteilen, ob es nicht doch einen blutigen Sühnetod brauchte, um uns vor dieser Verdammnis zu bewahren? Wir verstehen ja nicht mal wie eine winzige lebende Zelle funktioniert. Und dann wollen wir definieren, wie Schuld, Vergebung, Erlösung, Gerechtigkeit und die Ewigkeit konstruiert sein muss, damit es für unsere erbärmlichen logischen Fähigkeiten akzeptabel ist? Ich finde: Hochmut ist gar kein Ausdruck für so eine menschliche Selbstüberschätzung.

Deshalb seid mir bitte nicht böse, dass theologische Theorien, die man nicht klar und deutlich mit der Bibel belegen kann, bei mir nur Schulterzucken auslösen (und übrigens nicht nur bei mir, wie man an den rapide schrumpfenden Kirchenmitgliederzahlen sieht). Feministische Theologie, Befreiungstheologie, transformative Theologie, tiefenpsychologische Theologie: Alle diese kurzlebigen theologischen Modewellen finde ich einfach nur belanglos, wenn sie primär menschlich und nicht biblisch getrieben sind. Ich liebe biblische Theologie! Die Bibel soll sich selber auslegen und selber definieren, wie sie richtig zu verstehen ist! Deshalb schlage ich von allen Büchern immer noch am liebsten die Bibel auf und hebe aus ihr die kostbaren Schätze, die mir verbrieft und verlässlich das Leben bringen. DAS finde ich spannend ohne Ende.

P.S. an alle die jetzt glauben, mir wäre die Not dieser Welt egal und mir ginge es nur ums Seelenheil: Mein Jesus hat gesagt, dass die in den Himmel kommen, die den Hungrigen zu essen geben, die Fremden aufnehmen, den Armen helfen und die Kranken und Kriminellen besuchen (Matth. 25, 31-45). Interessanterweise waren es ja gerade die Jesusnachfolger mit biblischer Perspektive, die so ungeheuer viel für unser aller Wohlstand, Gesundheit und Bildung getan haben (wie Vishal Mangalwadi in seinem „Buch der Mitte“ eindrücklich nachgewiesen hat). Vielleicht ja deshalb, weil genau diese biblische Ewigkeitsperspektive nicht nur an die Symptome sondern an die Wurzel der Nöte dieser Welt geht, nämlich an unsere Sündhaftigkeit und unseren Egoismus. Vielleicht wächst Gerechtigkeit in einer Gesellschaft ja viel mehr durch erneuerte Herzen statt nur durch Politik. Also bevor ihr euch über meine angebliche Weltflucht lustig macht würde ich sagen: Abwarten, wer am Ende wirklich mehr gegen die Not der Welt getan hat… J

Siehe auch:

„Ehe für alle“ – Fortschritt wohin?

Ein Diskussionsbeitrag von Gastautor Dr. Reinhard Junker
Der Artikel kann mit ausführlicheren Anmerkungen hier als PDF heruntergeladen werden.

„Ehe für alle“ – klingt gut und einladend, es wird niemand „diskriminiert“, es gelten gleiche Rechte für alle, niemandem wird etwas weggenommen. Und wenn Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen, ist das doch wertvoll und verdient Unterstützung, unabhängig davon, ob es sich um eine hetero- oder homosexuelle Beziehung handelt. Wo also  ist das Problem?

In diesem Beitrag möchte ich zunächst darlegen, was aus christlicher Sicht zur Ehe gesagt werden kann und anschließend die Argumente untersuchen, die spezifisch von kirchlicher Seite für die „Ehe für alle“ vorgebracht werden. Im zweiten Teil soll es um Argumente gehen, die unabhängig von christlicher Dogmatik und Ethik in der Diskussion über die „Ehe für alle“ (Efa) vorherrschen: Wie begründen die Befürworter die Efa und aus welchen Gründen lehnen sie ihre Gegner ab? In einem dritten Teil werden einige Konsequenzen erörtert.

1. „Ehe für alle“ aus christlicher Sicht

Beim Thema „Ehe“ fängt man aus christlicher Sicht am besten buchstäblich bei Adam und Eva an. Nach dem biblischen Schöpfungszeugnis schuf Gott den Menschen als Mann und Frau, beide zusammen zu seinem Bilde (1. Mose 1,27), unterschiedlich – nicht nur körperlich, sondern auch in ihrem Fühlen, Denken und Handeln. Das unterstreicht 1. Mose 2, wo gesagt wird, dass die Frau als „passende Entsprechung“ zu Adam geschaffen wurde. Die Frau ergänzt den Mann im Sinne einer Gleichstufigkeit und Gleichwertigkeit.[1] Auch wird die Unterschiedlichkeit von Anfang an betont, die schon vor dem Fall schöpfungsmäßig vorgegeben ist. Beide werden mit einer bipolaren Sexualität ausgestattet: „Er schuf sie männlich und weiblich.“ 1. Mose 2,18.20 bringt die Zuordnung und das Miteinander der beiden Geschlechter zum Ausdruck: Der Mann ist hilfs- und ergänzungsbedürftig; „es ist nicht gut“, dass Adam allein ist.[2] Der Mann ist unvollständig und bedarf eines passenden Gegenübers. Die wunderhafte Erschaffung Evas nicht aus Staub (wie bei Adam), sondern aus der „Seite“ (wahrscheinlich aus der Herzgegend) bringt zum Ausdruck, wie wesensverwandt beide sind. Der abschließende Jubelruf Adams in 2,23 und 2,24 bestätigt, wie großartig Gottes Idee der Ehe ist, die hier eingesetzt wird.

Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ist also schöpfungsmäßig gegeben, es handelt sich um eine geschöpfliche Grundtatsache, und so ist auch die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott als Grundordnung eingesetzt worden. Jesus bestätigt dies nach dem Zeugnis der Evangelien ausdrücklich und uneingeschränkt mit Verweis auf die Heilige Schrift (Mt 19,4-5: „Habt Ihr nicht gelesen?“) und zitiert sinngemäß aus 1. Mose 1 und wörtlich aus 1. Mose 2. Es geht in Mt 19,3ff. zwar um die Frage der Ehescheidung, aber Jesus begründet die Antwort auf die ihm gestellte Frage mit Verweis auf den Anfang und bekräftigt damit, dass die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau geschöpfliche Realitäten sind und dass die Ehe von Gott selber am Anfang eingesetzt wurde. Entscheidend ist hier die Grundhaltung Jesu zur (damals gegebenen) Heiligen Schrift, die er als Autorität anerkennt.

Paulus geht noch weiter: Auch er zitiert 2. Mose 2,24 und nimmt die Ehe von Mann und Frau als Bild für die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde (bzw. Kirche). So wie Christus die Kirche geliebt und sich für die hingegeben hat, so sollen Männer ihre Frauen lieben (Eph 5, 25). Das darf den Männern durchaus zu denken geben, und Paulus wiederholt das sinngemäß in V. 29. Dieser Vergleich macht nochmals klar: So wie Christus und seine Kirche lebenslang in einer Liebes- und Treuebeziehung zusammengehören, so auch Mann und Frau in der Ehe. Wir befinden uns hier im Zentrum dessen, was die christliche Lehre und Botschaft ausmachen: Schöpfung und Erlösung (hier: die Hingabe Jesu an die Kirche, wie Paulus es formuliert).

Folgen wir der Heiligen Schrift, ist also klar: Die Ehe ist ausschließlich eine auf lebenslange Treue angelegte Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau. Der Theologe Wolfhart Pannenberg schreibt dazu: „Denn eine Kirche, die sich dazu drängen ließe, homosexuelle Betätigung nicht mehr als Abweichung von der biblischen Norm zu behandeln und homosexuelle Lebensgemeinschaften als eine Form persönlicher Liebesgemeinschaft neben der Ehe anzuerkennen, eine solche Kirche stünde nicht mehr auf dem Boden der Schrift, sondern im Gegensatz zu deren einmütigem Zeugnis. Eine Kirche, die einen solchen Schritt tut, hätte darum aufgehört, evangelische Kirche in der Nachfolge der lutherischen Reformation zu sein.“[3]

Einwände

Trotz dieses klaren biblisch-exegetischen Befundes werden von kirchlicher Seite Argumente für eine „Ehe für alle“ (Efa) angeführt, die nachfolgend genannt und bewertet werden sollen.

Zunächst fällt auf, dass auf die Schöpfungstexte meist gar nicht eingegangen wird, obwohl es für einen Christen in dieser Frage kaum eine grundsätzlichere Begründung als die geschöpfliche Wirklichkeit geben kann. Stattdessen wird auf das Liebesgebot Jesu und auf heutige Kenntnisse über Homosexualität verwiesen und der Begriff „Ehe“ wird mit neuem Inhalt gefüllt. So seien „Vertrauen, Verlässlichkeit und die Übernahme von Verantwortung in der Gestaltung menschlicher Beziehungen von zentraler Bedeutung“ und dafür biete die Ehe beste Voraussetzungen, heißt es in einer Stellungnahme der EKD, in der die Efa gutgeheißen wird. Damit werde die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau nicht geschmälert, sondern unterstrichen.[4] Matthias Hestermann vom Gesprächskreis „Offene Kirche“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg nimmt ebenfalls Bezug auf eine lebenslange Verantwortung, die Menschen füreinander übernehmen, daher sei eine Home-Ehe gerechtfertigt.[5] Mit solchen Argumentationen wird jedoch „Ehe“ grundlegend neu definiert – darauf soll weiter unten eigens eingegangen werden.
Weiter wird argumentiert, man müsse die Bibel von ihrer Mitte her verstehen, dazu gehöre, dass Jesus niemanden ausgrenzen wolle.[6] Die Befürworter der Efa betonen in diesem Zusammenhang, dass Jesus Christus die Liebe über das Gesetz gestellt habe[7], aus zentralen biblischen Geboten ergebe sich „der Impuls zu einer Öffnung der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“, so der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.[8]

Entgegnung: Diese Argumentation ist aus zwei Gründen unhaltbar, aus einem logischen und aus einem exegetischen.

Zum einen: Weder aus dem Liebesgebot Jesu noch aus irgendwelchen anderen Worten oder Taten Jesu kann logisch etwas darüber gefolgert werden, was „Ehe“ bedeutet. Dass Jesus sich ausgegrenzten Menschen zugewendet hat, hat mit der Definition von Ehe und somit mit der Efa schlicht nichts zu tun. Diese Argumentation könnte allenfalls greifen, wenn „Ehe“ neu definiert wird (dazu siehe den 2. Teil).

Zum anderen: Man kann nicht bestimmte Jesusworte (und Taten) gegen andere (oder auch gegen die der Apostel[9]) ausspielen oder als höher- oder geringerwertig einstufen. Denn sie stammen alle aus denselben Quellen, den Evangelien (bzw. dem ganzen Neuen Testament).[10] Mit welcher Begründung wollte man Jesu Aussagen über Ehe und Ehescheidung in Mt 19,3ff. als ungültig oder zeitbedingt erklären, das Liebesgebot aber nicht? Wenn manche Jesusworte als maßgeblich akzeptiert und gegen andere ausgespielt werden, bedeutet das einen selektiven Umgang mit Jesu Worten, und man stellt sich damit über die Heilige Schrift. Dann aber kann man nicht behaupten, man berufe sich auf die Bibel. Denn unter diesen Umständen ist nicht das uns in der Heiligen Schrift gegebene Wort Gottes entscheidend, sondern das, was man selber dafür hält. „Wenn Du glaubst, was Dir am Evangelium gefällt, und zurückweist, was Dir nicht gefällt, vertraust Du nicht dem Evangelium, sondern Dir selbst“ (Aurelius Augustinus[11]). Es kommt hinzu, dass Jesus ausdrücklich das Halten der Gebote gefordert hat; Jesusliebe und das Halten der Gebote gehören zusammen: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15; vgl. 2. Joh 4-6). Das Gesetz ist durch das Evangelium nicht außer Kraft gesetzt, sondern erfüllt worden. Zudem ist ja auch das Liebesgebot ein Gebot. Stünde die Liebe über den Geboten, wäre auch das Liebesgebot betroffen, was zu einem Selbstwiderspruch führen würde.

Wenn von Befürwortern der Efa doch einmal auf 1. Mose 1 und 2 Bezug genommen wird, dann in einer kritischen Haltung. Diese Texte seien veraltet bzw. spiegelten ein veraltetes Verständnis von Mann und Frau wider. Auch die durchweg negative Bewertung praktizierter Homosexualität  in biblischen Texten wird auf diese Weise abgetan. Man wisse heute, dass Homosexualität wie z. B. die Haarfarbe angeboren sei, während Jesus das nicht bekannt war; Gott habe manche Menschen so geschaffen; das müsse die Theologie heute berücksichtigen.[12] Abgesehen davon, dass hier erneut moderne Einschätzungen und Meinungen über die Heilige Schrift gestellt werden[13], ist die Behauptung, Homosexualität sei angeboren (und somit auch von Gott geschaffen), unbewiesen und aufgrund vieler Studien auch unwahrscheinlich. Die Entwicklung von Homosexualität scheint vielmehr durch besondere Umstände während der Entwicklung in Kindheit und Jugendzeit begünstigt zu werden.[14] Jesus als Sohn Gottes und Schöpfungsmittler wusste natürlich über Homosexualität Bescheid (vgl. Mt 19,12). Und die Behauptung, Paulus habe in der damaligen Lebenswelt noch auf Treue angelegte homosexuelle Partnerschaften nicht im Blick haben können, ist mittlerweile widerlegt.“[15]

2. Zum Artikel 6 des deutschen Grundgesetzes

Wir wenden uns nun den Aussagen des deutschen Grundgesetzes zu Ehe und Familie zu und fragen, ob die Efa damit vereinbar ist, welche Begründungen für eine Vereinbarkeit vorgetragen werden und wie diese zu bewerten sind.

Im Grundgesetz widmet sich Artikel 6 dem Thema Ehe und Familie. Absatz 1 und 2  formulieren:
„(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ Hier ist nicht nur von der Ehe die Rede, sondern – unterscheidend davon – auch von Familie; im Weiteren dann – in unmittelbarem Zusammenhang – von der Erziehung der Kinder. Es ist also im Kontext völlig klar, dass mit Ehe nur eine Verbindung von Mann und Frau gemeint ist, auch wenn das nicht ausdrücklich gesagt wird. Die Väter des Grundgesetzes hatten natürlich an nichts anderes gedacht, es war zu selbstverständlich, als dass das extra hätte gesagt werden müssen.[16] Da im unmittelbaren Zusammenhang von Kindern die Rede ist, die nun einmal nur aus einer Verbindung von Mann und Frau hervorgehen können, ist jeder Zweifel über die grundgesetzmäßige Bedeutung von „Ehe“ ausgeschlossen. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass damals öffentlich praktizierte Homosexualität unter Strafe gestellt war. Weiter bestätigt wird das durch Urteile des Bundesverfassungsgerichts (BVG) aus den Jahren 2002 und 2012, in denen expressis verbis zum Ausdruck gebracht wird, dass eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen wird.[17]

Wenn also andere Beziehungen anders behandelt werden als die Ehe von Mann und Frau, ist das eine gerechtfertigte Ungleichbehandlung. Es wird zurecht ein Unterschied gemacht; genauer: Der Unterschied ist bereits in der Sache vorhanden. Gleiches wird gleich und Unterschiedliches unterschiedlich gehandhabt. Jeder Mensch hat genau einen Vater und eine Mutter, daher ist die Ehe von Mann und Frau etwas Exklusives und entsprechende Ungleichbehandlung („Diskriminierungen“) sind angebracht. Es gibt in der Gesellschaft unzählige sachlich begründete „Diskriminierungen“ im Sinne von Ungleichbehandlungen, ohne dass jemals ein Problem darin gesehen würde.[18]

Fazit: Um Abbau von „Diskriminierung“ und „Gleichstellung“ kann es bei der Efa gar nicht gehen. Denn die Ehe von Mann und Frau ist in relevanten Punkten etwas substantiell anderes als andere Beziehungen. Die Frage ist vielmehr, ob ein Unterschied für eine unterschiedliche Behandlung relevant ist oder ob in den relevanten Punkten überhaupt Gleichheit gegeben ist, die eine Gleichstellung begründet. Letzteres ist bei der Ehe eben nicht der Fall – für einen Christen in erster Linie aus biblischen Gründen. Doch auch wenn Gottes Wort nicht als maßgeblich anerkannt wird, gibt es Grund genug, einen Unterschied zu machen: Nur aus der Verbindung von Mann und Frau kann potentiell Nachwuchs hervorgehen. Nur diese Verbindung kann potentiell zum Erhalt des Gemeinwesens der kommenden Generationen beitragen. Hier kann man nichts „gleichstellen“ und eine Ungleichbehandlung ist sachlich gerechtfertigt.

Begründung für Efa

Trotz der klaren Aussagen des Artikels 6 des Grundgesetzes (GG) und der Urteile des BVG aus den Jahren 2002 und 2012 behaupten die meisten Befürworter der Efa, diese sei mit dem GG vereinbar. Im Wesentlichen werden dafür zwei Begründungen genannt: 1. Es gebe in der Gesellschaft einen Wandel des Eheverständnisses, 2. Es sei ein Abbau von Diskriminierung gefordert.

Zu 1.: Bezüglich der „Ehe für alle“ wird argumentiert, dass Artikel 6, Absatz 1 des Grundgesetzes heute anders gelesen werden müsse, nämlich „im Lichte des 21. Jahrhunderts“, während er früher sehr wörtlich verstanden worden sei.[19] Es ist die Rede von einem „Verfassungswandel“; beim Ehebegriff des Grundgesetzes stehe nach heutigem Verständnis der Gedanke im Vordergrund, dass Menschen einander beistünden und Verantwortung füreinander übernähmen.[20] Der Ehebegriff habe sich so sehr gewandelt, dass man heute etwas signifikant anderes darunter verstehen müsse als früher. Er könne an die jeweiligen zeitlichen Vorstellungen angepasst werden, da der Grundgesetzgeber den Begriff der Ehe nicht definiert habe.[21] 
Damit ist also nicht mehr wesentlich, dass ein Mann und eine Frau eine Treuebeziehung eingehen, und es ist nicht mehr wesentlich, dass nur aus einer solchen Beziehung potentiell (!) Nachwuchs hervorgehen kann. Was eine Ehe ist, ergibt sich nicht mehr als der natürlichen (bzw. geschöpflichen) sich ergänzenden Verschiedenartigkeit der Geschlechter. Stattdessen soll „dauerhafte Verantwortung“ das Kriterium sein (derzeit zwischen zwei Personen).
Ein zentraler Begriff des menschlichen Miteinanders erhält somit eine völlig neue, weitreichend veränderte Bedeutung. „Ehe für alle“ geht also nur durch eine grundlegende Umdefinierung von Ehe und auch nur durch Missachtung der unbestreitbaren natürlichen leiblichen und geistig-seelischen Unterschiede von Mann und Frau.

Einwände: Wenn der Ehebegriff wirklich so grundlegend wandelbar wäre, hätte das Grundgesetz (GG) an dieser Stelle seine Funktion als Korrektiv verloren. „Grundrechte haben eine leitende und schützende Funktion für jeden einzelnen Bürger und für die Gesellschaft.“[22] Der einzige Sinn einer Verfassung ist gerade der Schutz vor dem Zeitgeist, und es geht immer darum, wie die Gesetze ursprünglich gemeint waren. Sonst bräuchten wir keine Verfassung und man könnte sonst fast Beliebiges in die Verfassung hineinlesen oder aus ihr herausstreichen, womit sie faktisch unwirksam gemacht würde. Es steht einem Parlament und überhaupt niemandem zu, den Ehebegriff umzudefinieren.[23] Wie bereits erläutert war es für die Väter des Grundgesetzes nicht erforderlich, „Ehe“ zu definieren; der Begriff „Ehe“ ist vorstaatlich und kann vom Gesetzgeber gar nicht definiert werden, genauso wenig wie z.B. „Menschenwürde“.[24] Wer darauf verweist, dass das GG „Ehe“ nicht definiert habe und daraus den Schluss zieht, eine Ehe könne auch unter gleichgeschlechtlichen Partnern vollzogen werden, sollte bedenken, dass das GG auch nicht definiert, dass eine Ehe zwischen nur zwei Personen geschlossen wird.[25] Darauf kommen wir weiter unten zurück.

Vor diesem Hintergrund kommentiert Matthias von Gersdorff die Umdefinierung der Ehe treffend: „Wer so denkt, braucht gar keine Verfassung. Für ihn ist die Kultur oder besser gesagt, der Zeitgeist, die absolute Richtschnur für politisches und gesellschaftliches Leben. … Recht wird in dieser Welt von demjenigen definiert, der die Deutungshoheit über die Kultur besitzt. Kultureller Einfluss ersetzt geradezu das Recht. Wer gesellschaftlichen Einfluss besitzt, der definiert auch, was Recht ist. Er definiert also, was die Ehe ist, was Eigentum ist, was ‚Recht auf Leben‘ ist etc.“[26]
Der Journalist Jürgen Liminski weist darauf hin, dass bis auf spezielle Ausnahmen bei allen 5000 Gesellschaften, „die wir seit dem ersten Geschichtsschreiber Herodot kennen“, das „konjugale Prinzip“ vorherrschend war, das heißt die Verbindung von Mann und Frau. Dies sei der „Kern der Gesellschaft, aus ihr entsteht die Generationenfolge, in ihr wurzelt die Identität der Familienmitglieder … Ausnahmen entstanden meistens aus Not. … Es ist nicht das Recht, das Gleichgeschlechtlichen gemeinsame Kinder verbietet, sondern die Natur.“[27]

Befürworter der Efa weisen darauf hin, dass sich die Ehe auch früher gewandelt habe, etwa dass z. B.  konfessionsverschiedene Ehen oder Ehen zwischen Bürgerlichen und Adligen ein Tabu gewesen seien[28] oder dass Vernunftehen früher gegenüber Liebesheiraten vorherrschten; doch das alles betrifft nicht die Bedeutung dessen, was eine Ehe ist.[29] Der Wandel in der Praktizierung von Ehen kann keine Begründung für eine Neudefinition von Ehe sein.

Wenn „dauerhafte Verantwortung“ das Kriterium für eine „Ehe“ ist, ist zu erwarten, dass weitere Änderungen folgen werden und sie werden auch schon reichlich gefordert.[30] Warum soll das nur für zwei Menschen gelten? Wenn Ehe aber alles Mögliche sein kann, ist der Ehebegriff faktisch aufgelöst.

Die Folgen sind darüber hinaus von grundsätzlicher Art: Eine klar verständliche Bedeutung der Sätze des Artikels 6 wäre verloren gegangen, wenn einfach zu verstehende Sätze und Begriffe scheinbar nach Belieben umgedeutet werden können. Somit wird Sprache geradezu absurd. Wenn der Wortsinn nicht mehr gilt, ist klare Kommunikation nicht mehr möglich.

Zu 2.:Als Begründung für die Efa wird häufig auch auf den Gleichheitsgrundsatz und der Abbau von Diskriminierungen verwiesen. So hieß es in einem der Gesetzesentwürfe zur Efa: „Gleichgeschlechtlichen Paaren ist bis heute die Ehe verwehrt, was eine konkrete und symbolische Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität darstellt.”[31] Im Juni 2015 kam von den Landesregierungen Niedersachsens und Thüringens eine Bundesratsinitiative, in der es heißt: „Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, die verfassungswidrige Diskriminierung eingetragener Lebenspartnerschaften zu beenden.“[32]  

Dieses Argument ist falsch, denn es wird niemand diskriminiert, weil er ein Mann oder sie eine Frau ist oder wegen der sexuellen Orientierung. Sondern es wird ein Unterschied zwischen der „klassischen“ Ehe und anderen Beziehungen gemacht – wie oben dargelegt aus gutem Grund.

3. Konsequenzen der „Ehe für alle“

Es wird oft gesagt, die Efa nehme niemandem etwas weg; das war auch in der kurzen Debatte im Bundestag am 30. 6. 2017 zu hören, nach der 393 Parlamentarier für die Efa stimmten. Auf den zweiten Blick kommen aber Zweifel auf.

Efa bedeutet auch Kinder für alle, da damit auch das Adoptionsrecht gegeben ist. Manchen Kindern werden dadurch die wahren Eltern bzw. das Aufwachsen mit Vater und Mutter vorenthalten;[33]die Kinder werden aber irgendwann nach ihren wahren Eltern fragen. Welche Folgen wird das haben? Außerdem ist zu bedenken: „Heranwachsende werden im Prozess der Identifikation mit ihrem biologischen Geschlecht verunsichert, wenn ihnen vorgespiegelt wird, daß Menschen gleichen Geschlechtes ‚heiraten‘. Die Ausbildung stabiler mit sich selbst identischer Persönlichkeiten wird behindert.“[34] 
Frauen werden als Leihmütter benötigt und verlieren ihre Würde als Mütter.
Wie dargelegt wird klare Sprache vernebelt und das Rechtsverständnis verliert an Glaubwürdigkeit, wenn Begriffe umdefiniert werden.[35]

„Ehe für alle“ – nur ein Anfang?

Wie oben erläutert geht Efa nur durch eine Neudefinition von Ehe, was mit einem Wandel des Eheverständnisses in der Gesellschaft begründet wird und damit, dass das GG „Ehe“ nicht definiere. Beide (wie gezeigt unhaltbaren) Begründungen begünstigen weitere Veränderungen: Auch Beziehungen zwischen mehr als zwei Personen und alle auf Dauer angelegten Verantwortungsgemeinschaften fallen unter das neue Kriterium und wären dann vom GG ebenfalls nicht ausgeschlossen, wenn wirklich nicht klar wäre, was das GG mit „Ehe“ meint.[36] Die faktisch der Efa zugrunde gelegte Neudefinition von „Ehe“ ermöglicht keine Abgrenzung und keine Privilegierung der Ehe im ursprünglichen Sinne des Artikels 6 GG. Wenn es wirklich um „Ehe für alle“ geht, kann man die Institution „Ehe“ gleich ganz abschaffen.[37]

Es muss in diesem Zusammenhang zu denken geben, dass gerade diejenigen, die bisher abfällig über die Ehe geredet und jahrelang die Ehe als Auslaufmodell diffamiert haben, sie jetzt für alle haben wollen.[38] Ist es also überhaupt glaubwürdig, dass es den Befürwortern der Efa wirklich um die „Ehe“ geht – oder ist die Efa nur ein Schritt zu ihrer Abschaffung?

Kirchenrat Hans Lachenmann analysiert m.E. treffend, wenn er feststellt: „Bei der Offensive der Schwulen- und Lesbenbewegung geht es nur vordergründig um die Gleichberechtigung der Homosexuellen und gegen deren ‚Diskriminierung‘ durch die Gesellschaft. Es geht um die Frage, welches Menschenbild unsere Kultur prägen soll: Das jüdisch-christliche Menschenbild von 1. Mose 1,27f oder das Menschenbild, das die Polarität der Geschlechter (Die Doppelikone ‚Adam und Eva‘ als Ebenbild Gottes) einebnet in einen ‚Monoïkismus‘[39] (G.-F. Dumont), von dem nach der Gleichsetzung von Ehe und ‚Homo-Ehe‘ auch noch weitere ‚Lebensformen‘ ableitbar sind.“[40]

Die Efa muss im größeren Zusammenhang des Gender Mainstreaming angesehen werden. Nach den Vorstellungen der „Gender“-Lehre ist die Zweigeschlechtlichkeit keine natürliche (oder geschöpfliche) Gegebenheit, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt, das es zu überwinden gelte zugunsten einer sexuellen Vielfalt – zugunsten einer vom Menschen selbst konstruierten Welt. Markus Till schreibt dazu auf seinem Blog zurecht: „Dieser Wandel wird nach meiner festen Überzeugung schwerwiegende Folgen für unsere Gesellschaft nach sich ziehen, denn die immer lauter werdende Ermutigung zum ‚Anything goes‘ bringt am Ende eben weniger und nicht mehr verbindliche Partnerschaften und damit auch weniger Schutzräume für das gesunde Aufwachsen von Kindern hervor.“[41]

Zur Konstruktion einer eigenen Wirklichkeit anstelle der Akzeptanz des geschöpflich Gegebenen gehört auch eine entsprechende Sprache und in diesem Zusammenhang muss die oben angesprochene Umdefinition des Begriffs „Ehe“ gesehen werden. So werden an sich klare Texte dekonstruiert und „ihre“ Bedeutung (nach den eigenen Vorstellungen) neu konstruiert. Diese Zusammenhänge können hier nur angedeutet werden. Aus christlicher Sicht sind solche Entwicklungen Symptome eines Aufstandes gegen die geschöpfliche Wirklichkeit und Schöpfungsordnung Gottes.

Mit der „Ehe für alle“ werden fundamentale Grenzen durchbrochen – Grenzen, die durch die Schöpfung vorgegeben sind (oder für den Nicht-Schöpfungsgläubigen: durch die Natur gegeben). „Ehe für alle“ steht für einen grundlegenden Paradigmenwechsel: Nicht die vorgegebene Schöpfung bildet den Rahmen für das Leben, sondern es wird eine Wirklichkeit nach eigenem Gutdünken selbst konstruiert. Auf Dauer kann es aber nicht gut gehen, wenn man die geschöpflichen Vorgaben auflöst. Die Nichtakzeptanz der geschöpflichen Wirklichkeit und deren Ersetzung durch eigene, letztlich realitätsferne Konstrukte bedeutet nichts anderes als eine Art Vergewaltigung der Wirklichkeit, mit bösen Folgen.[42] Das Verbleiben an den geschöpflichen Vorgaben bzw. eine Umkehr zu diesen ist daher das Gebot der Stunde.

Hinweis: In der PDF-Version sind viele Zitate, die hier aus Platzgründen nur in Kurzform oder paraphrasiert wiedergegeben wurden, komplett enthalten.

[1] Das ist gegenüber den außerbiblischen Schöpfungstexten einzigartig und liegt in der Ebenbildlichkeit des Menschen begründet. Auf das Verhältnis von Mann und Frau aus biblischer Sicht wird an dieser Stelle nicht näher eingegangen.

[2] Nach dem wiederholten „Es war (sehr) gut“ in 1. Mose, sticht das „es ist nicht gut …“ umso deutlicher heraus.

[3] Beiträge zur Ethik, Göttingen, S. 102.

[4] EKD 28. 6. 2017: https://www.ekd.de/Stellungnahme-des-Rates-der-EKD-zur-Debatte-um-die-Ehe-fuer-alle-24373.htm.

[5] http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.streit-um-segnung-homosexueller-paare-zeitgeist-darf-nicht-der-massstab-sein.39f8c2e6-2166-4b51-a35a-38fce8a305d7.html

[6]  Vgl. z. B.: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/sollte-sich-die-kirche-an-einer-homosexuellen-parade-beteiligen-101831.html

[7] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.wildberg-ehe-fuer-alle-geraet-zum-hauptthema.17b725df-9ca2-4baf-88ef-d79c6baa81a3.html

[8] http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/kritik-an-bedford-strohm-weil-er-die-ehe-fuer-homosexuelle-befuerwortet-90949.html

[10] Die damit zusammenhängenden bibelwissenschaftlichen Fragen sollen hier nicht aufgeworfen werden. Im Zusammenhang mit der Efa wird darauf nach meinen Beobachtungen nicht Bezug genommen.

[11] zitiert unter https://theoblog.de/das-ganze-evangelium/5021/.

[12] http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.streit-um-segnung-homosexueller-paare-zeitgeist-darf-nicht-der-massstab-sein.39f8c2e6-2166-4b51-a35a-38fce8a305d7.html

[13] Das müsste schlüssig begründet werden und darf nicht einfach nur behauptet werden. Oder soll „veraltet“ heißen, dass heute eben gilt, was „modern“ ist?

[14] Zwillings- und Geschwisterstudien sprechen deutlich gegen die „Veranlagung“-These. Die Behauptung, Homosexualität sei Sache der Vererbung oder Anlage ist daher aus sachlichen Gründen zurückzuweisen. Außerdem: Auch wenn Dispositionen angeboren sein mögen, kann es moralisch verwerflich sein, den Neigungen nachzugeben. Paulus mahnt: „Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt“ (Gal. 5,24).

[15] http://www.mariowahnschaffe.de/blog/einzelpredigten/prof-dr-siegfried-zimmer-und-die-schwule-frage

[16] Begriffe mit einer klaren Bedeutung müssen nicht definiert werden genauso wenig man z. B. „Mensch“ oder „Menschenwürde“ definieren muss.

[17] BVG 17. 7. 2002: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/07/fs20020717_1bvf000101.html,

BVG 19. 6. 2012: http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/bvg12-059.html

[18] Zwei Beispiele von vielen: Nur wer die Hochschulreife hat, darf studieren; nur wer den Führerschein erworben hat, darf einen PKW fahren usw.

[19] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ehe-fuer-alle-thomas-heilmann-erklaert-seine-position-a-1154998.html

[20] http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/ehe-fuer-alle-gastbeitrag-ehe-fuer-alle-15092764.html?printPagedArticle=true#pageIndex2

Weitere Belege siehe PDF-Version.

[21] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ehe-fuer-alle-ist-ohne-grundgesetzaenderung-moeglich-15092930.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

[22] „Ehe für alle – eine Gewissensfrage?“ Eine Stellungnahme der Deutschen Evangelischen Allianz,http://www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/ehe-fuer-alle-eine-gewissensfrage.html

[23] Vgl.  http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=14851

[24] Ein Leser macht in einer Zuschrift an die FAZ klar, warum die Möglichkeit eine Umdefinierung zur Beliebigkeit des Ehebegriffs würde: „Das hieße für Art. 6 GG: ‚Ehe und Familie, wie auch immer sie im Zuge der Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Gegebenheiten verstanden werden, stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.‘ Daraus geht unmittelbar die Absurdität der Auffassung hervor, denn wie kann etwas besonders geschützt werden, was gar nicht definiert ist?“ (Andres Lang, Birkenau, Leserbrief am 13. 7. 17)

[25] Das Grundgesetz hat nur wenige Begriffe definiert aus dem einfachen Grund, dass die Bedeutung von Begriffen lexikalisch fixiert ist, im Hinblick auf die damals üblichen Verwendungen und Referenzen der Begriffe.

[26] http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2017/07/heiko-maas-und-die-homo-ehe-ersetzt-der.html

[27] http://www.deutschlandfunk.de/metzner-vs-liminski-ist-die-gleichstellung-von.2927.de.html?dram:article_id=391174, http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2017/07/01/artikel/selbstmord-der-zivilisation.html

[28] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ehe-fuer-alle-thomas-heilmann-erklaert-seine-position-a-1154998.html, http://www.deutschlandfunk.de/metzner-vs-liminski-ist-die-gleichstellung-von.2927.de.html?dram:article_id=391174

[29] Die im Text https://www.welt.de/debatte/kommentare/article166332757/Das-Herz-des-Grundgesetzes-ist-gross-genug-fuer-alle.html von Bundesjustizminister Heiko Maas gezogenen Vergleiche gehen an der Sache völlig vorbei.

[30] Zahlreiche Belege dazu sind in der PDF-Version zusammengestellt. Selbst innerhalb der Kirche gibt es bereits Bestrebungen zur Anerkennung von Polyamorie: http://www.deutschlandfunkkultur.de/mehr-als-die-monogame-ehe.1278.de.html?dram:article_id=260748

[31] http://www.deutschlandfunk.de/ehe-fuer-alle-abstimmung-wohl-am-freitag.2852.de.html?dram:article_id=389737

[32] http://www.faz.net/aktuell/politik/bundeslaender-mit-rot-gruen-koalition-wollen-homo-ehe-13625827.html

[33] Die Tatsache, dass viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, ändert daran nichts; niemand wird schließlich behaupten wollen, dass es keinen Unterschied ausmacht, ob beide Eltern oder nur ein Elternteil für die Kinder da sind.

„Nicht Erwachsene haben ein Recht auf ein Kind, auch Heteropaare nicht, sondern Kinder ein Recht auf Mama und Papa. …  Dem Recht auf Adoption folgt dann automatisch das Recht auf künstliche Befruchtung“ (Birgit Kelle, https://www.welt.de/debatte/kommentare/article166078234/Wir-erleben-gerade-die-Vernichtung-der-Ehe.html)

[34] Stellungnahme Gemeindenetzwerk unter http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=14851; vgl. https://philosophia-perennis.com/2017/06/30/regenbogenfamilien-der-mensch-ist-kein-spielzeug/). Zur Frage, ob Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, keinerlei Benachteiligung haben, siehe https://www.mercatornet.com/features/view/hijacking-science-how-the-no-differences-consensus-about-same-sex-families/18900 und http://www.dijg.de/homosexualitaet/adoptionsrecht/gleichgeschlechtliche-elternschaft/

[35] Vgl. die Einschätzung des ehem. Bundesverfassungsrichters Hans Hugo Klein unter http://cicero.de/innenpolitik/ehe-fuer-alle-aus-meiner-sicht-ein-verfassungsbruch).

[36] Es würde auch nichts nützen, die Ehe ausdrücklich als Verbindung genau zweier Menschen zu definieren, denn das könnte später geändert werden – mit derselben Begründung wie für die Efa: gesellschaftlicher Wandel, Verfassungswandel.

[37] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-zur-ehe-fuer-alle-die-ehe-wird-abgeschafft-15079952.html

[38] http://www.sueddeutsche.de/politik/ehe-fuer-alle-hauptsache-liebe-1.3567789, http://cicero.de/innenpolitik/ehe-fuer-alle-weshalb-ueberhaupt-heiraten

[39] Monoikismus ist eine extreme bzw. extremistische Auffassung von Gleichheit.

[40] http://www.cbb-baden.de/pdf/doks%20gegenwind.pdf

[41] M. Till, Offener Brief an H. Bedford-Strohm, 31. 5. 17, http://blog.aigg.de/?p=1136

[42] „… Joseph D. Unwin (1895 – 1936), hat allerdings in einer umfangreichen Untersuchung über ‚Sex and Culture‘ an 80 unzivilisierten und 8 Hochkulturen über 5000 Jahre herausgefunden, dass alle Hochkulturen streng monogam begannen und eine Generation nach dem Zerfall der Familienstrukturen untergingen. Die ‚Ehe für alle‘ könnte diesen Prozess beschleunigen und dem großen Kulturhistoriker Arnold Toynbee recht geben, der sagte: ‚Zivilisationen gehen nicht zugrunde, sie begehen Selbstmord‘“ (JürgenLiminski, http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2017/07/01/artikel/selbstmord-der-zivilisation.html).

„Trauung für alle“ in der Ev. Landeskirche Württemberg?

Die Landessynode der Evangelischen Landeskirche Württemberg wird in ihrer Herbsttagung vom 27.-30. November 2017 eine weitreichende Entscheidung treffen: Der Oberkirchenrat möchte der Synode vorschlagen, zukünftig die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in öffentlichen Gottesdiensten zu ermöglichen. Das Thema ist keine Kernfrage des Evangeliums. Es ist zudem komplex und aufwühlend, weil die Geschichte des Umgangs mit homosexuell empfindenden Menschen auch unter Christen teils so dunkel und schuldbeladen ist, dass man nur weinen und um Vergebung bitten kann.

Aber es geht bei diesem Thema eben auch um das Schriftverständnis und somit um die Gesamtausrichtung der Kirche. Und es geht um die Frage, welche Zukunft konservative Christen in der evangelischen Kirche haben. Die badische Landeskirche, die (so wie viele andere Landeskirchen auch) die Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare bereits eingeführt hat, hat jüngst klargestellt: Konservative Pfarrer müssen damit rechnen, eines Tages ihren Gewissensschutz und damit möglicherweise ihren Job zu verlieren, wenn sie sich solchen Segnungen verweigern. Für Dekane gilt das schon jetzt. Junge konservative Christen müssen daher schon jetzt gut überlegen, ob sie überhaupt noch ein Pfarramt in der badischen Landeskirche anstreben können.

Die Ermöglichung öffentlicher Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare wird den öffentlichen Druck bei diesem Thema auf die lokalen Gemeindeleitungen verlagern. Der Konflikt, der bislang nur an der Kirchenspitze tobt, wird damit vielfach multipliziert. Realistisch und nüchtern gesehen müssen wir damit rechnen, dass damit viele Gemeinden in kraftraubende Konflikte stürzen werden, manche werden sich gar spalten. Noch mehr engagierte konservative Mitarbeiter (die vielerorts die tragenden Säulen lebendiger Gemeindearbeit sind) werden aus der Kirche austreten. Warum meines Erachtens auch die Glaubwürdigkeit der Kirche insgesamt leiden und die Kirche weiter schrumpfen wird, habe ich in einem offenen Brief an Landesbischof Dr. Frank Otfried July erläutert.

Da es also um so enorm viel geht befasst sich der AiGG-Blog in diesem und im nächsten Artikel noch einmal mit diesem Thema. Zunächst möchte ich den AiGG-Blog-Lesern die jüngste Veröffentlichung des Albrecht-Bengel-Hauses Tübingen ans Herz legen. Rektor Dr. Clemens  Hägele hat in einer Sonderausgabe der Zeitschrift THEOLOGISCHE ORIENTIERUNG (TO) die Frage „TRAUUNG FÜR ALLE in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg?“ behandelt. Sehr sorgfältig beantwortet er darin 22 Fragen, die den Gegnern einer Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare oft gestellt werden. Die Schrift ist mit herausgegeben von Dekan Ralf Albrecht, dem Vorsitzenden der Christusbewegung Lebendige Gemeinde Württemberg, und von Pfarrer Steffen Kern, dem Vorsitzenden der Apis (Evangelischer Gemeinschaftsverband Württemberg) und der Vereinigung Gnadau Württemberg. Ich wünsche diesem aus meiner Sicht sehr gelungenen Text größtmögliche Verbreitung. 

Im folgenden Artikel wird Gastautor Dr. Reinhard Junker die Hintergründe und Konsequenzen der sog. “Ehe für alle” beleuchten.

Siehe auch: 

6 Gründe für die “Flucht aus Evangelikalien”

Erfahrungen und Einsichten aus dem „Hossa-Land“

Die letzten Wochen haben mich sehr nachdenklich gemacht. Der AiGG-Worthaus-Artikel stand wochenlang auf Platz 1 der „christlichen Blog-Charts“ und wurde sogar von idea Spektrum aufgegriffen (Ausgabe 44/2017). Da wurde offensichtlich ein Nerv getroffen. Scheinbar gibt es vielerorts Absetzbewegungen in Richtung eines liberalen Bibelverständnisses. In idea war jüngst auch zu lesen, dass im lahmenden christlichen Buchmarkt gerade die Bücher mit liberalen Botschaften noch am besten laufen. Aber warum ist das so? Was ist an liberalen Botschaften so attraktiv, dass sie so viele Menschen locken, ihren evangelikalen, bibeltreuen Glauben hinter sich zu lassen?

Um das besser zu verstehen habe ich mich für einige Zeit aus „Evangelikalien“ ins „Hossa-Land“ aufgemacht. „Hossa-Talk“ ist ein Podcast von Gottfried “Gofi” Müller (ehemals bekannt als Jugendevangelist) und Jakob “Jay” Friedrichs (bekannt aus dem Comedy-Duo Superzwei). Jede Woche gibt es eine neue Folge mit Diskussionen, Gesprächen und Interviews zu unterschiedlichsten Glaubensthemen, gerne auch live von frommen Locations wie z.B. dem Jesus-Treff Stuttgart oder der evangelischen Hochschule Tabor. Auch Worthaus-Referenten wie Siegfried Zimmer und Thorsten Dietz waren schon zu Gast. Überhaupt ergänzen sich Worthaus und Hossa-Talk in vielerlei Hinsicht und werden deshalb von vielen Fans im Duett genossen.

Ohne Frage: Die Talks von Jay und Gofi sind hochsympathisch (auch wenn mir die Kraftausdrücke über Sachen, die mir persönlich kostbar und heilig sind, schon manchmal ziemlich an die Nieren gehen). Man kann nicht anders als die beiden zu mögen. Jedes Wort ist ehrlich, authentisch, mitten aus dem Leben. Würden wir uns treffen hätten wir sicher viel Spaß zusammen, auch wenn wir in vielen Punkten völlig konträrer Meinung sind (Holger Lahayne hat die teils schwerwiegenden inhaltlichen Probleme von Hossa Talk hier und hier sowie bei seinem Hossa-Talk-Gastauftritt sehr schön dargelegt).

Gofi hat jüngst ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Flucht aus Evangelikalien“. Darin beschreibt er, wie sein ehemals festgefügter Glaube ins Wanken kam, wie er die evangelikale Welt verlassen musste und wie Kunst ihm geholfen hat, neue Perspektiven zu entwickeln. „Evangelikalien“ steht dabei nicht für die ganze evangelikale Bewegung sondern vielmehr für eine Erfahrung von Enge, Ausgrenzung und angstbesetztem Glauben, die er in evangelikalen Kreisen erlebt hat. Jay hat eine gar nicht so unähnliche Geschichte hinter sich. Dieses Buch hat mir sehr geholfen, das “Hossa-Land” besser zu verstehen.

Ich habe viel gelernt im “Hossa-Land”. Denn dort wird uns Evangelikalen ein Spiegel vorgehalten, in den wir unbedingt mal hineinschauen sollten, auch wenn es weh tut. Doch man kann einiges lernen zu der Frage: Was läuft eigentlich schief bei uns Evangelikalen? Womit schrecken wir Menschen ab – selbst solche, die jahrelang in unserer Mitte sind? Eine Erkenntnis, die ich dazu aus dem Hossa-Land mitgebracht habe lautet: In unseren Gemeinden und Gemeinschaften geht es tatsächlich manchmal eng zu. Und das sind die 6 Räume, an denen es bei uns offenbar gar nicht so selten mangelt:

1. Raum zum Denken!

Gofi schreibt in seinem Buch: „Wir haben uns vorgenommen, unsere Zweifel, Fragen und Überzeugungen offen auszusprechen. Warum? Weil wir die Erfahrung machen, dass man das in vielen christlichen Gemeinschaften nicht darf.“ (S. 91) Tatsächlich gibt es im Hossa-Land (genau wie bei Worthaus) keine Tabus. Jede Frage darf gestellt, über Alles darf diskutiert werden. Ständig liegen heiße Fragen auf dem Tisch. Das macht es spannend zuzuhören. Denn viele dieser Fragen werden in unseren Gemeinden leider tatsächlich eher gemieden. Das ist ein großes Problem. Denn Menschen wollen ihren Verstand gerne benutzen! Gott hat uns mit einem gesunden Forscherdrang beschenkt (Spr. 25,2). Deshalb stellt es uns nicht zufrieden, die immer gleichen oberflächlichen Gott-liebt-Dich-und-seid-nett-zueinander-Predigten zu hören. Schließlich können die wenigsten Menschen auf Dauer ihre Fragen und Zweifel verdrängen und gegen ihren Intellekt „anglauben“. Vielleicht ging das ja noch vor der Aufklärung. Heute definitiv nicht mehr.

Das tragische an der Sache ist: Es gibt ja so viele phantastische Gründe für unseren Glauben, für die Auferstehung Jesu, für die Schöpfung und vieles mehr! Es gibt überzeugende Argumente, warum die Bibel wirklich vertrauenswürdig ist. Die Bibel enthält eine wunderbare, faszinierende Logik und Tiefe, die man zwar nie vollständig aber doch schrittweise ergründen und erforschen kann. Es gibt großartige Argumente, warum die biblische Sexualethik eben nicht veraltet sondern heilsam und glücksbringend ist. Es gibt einleuchtende Antworten auf die vielfältige Kritik an der Bibel. ABER ÜBER ALL DAS REDEN WIR NICHT IN UNSEREN GEMEINDEN! Was für ein Drama! Wir lassen unsere Leute verhungern, weil es so wenig „Schwarzbrot“ gibt: Gute, fundierte Bibellehre, wissenschaftlich fundierte „Apologetik“ (= Argumente für den Glauben), verständlich aufbereitete Antworten auf Fragen, die modernen Menschen zwangsläufig kommen, wenn sie mit biblischem Christentum konfrontiert werden.

Wir müssen deshalb endlich klug und fundiert reden lernen über schwierige Bibelstellen (z.B. Gewalt im Alten Testament), Glaube und Wissenschaft, den Segen biblischer Sexualethik, Argumente für die Verlässlichkeit der Bibel und des Christentums, eine bibelgemäße „Hermeneutik“ (d.h. die Art und Weise, wie die Bibel ausgelegt werden soll) und vieles mehr. Wichtig ist dabei: Keine Tabus! Keine Angst vor Fragen, Diskussionen und scheinbar schwierigen Gesprächen! Denn (und das ist ein Ausspruch von Gofi) wenn unser Glaube wirklich wahr ist, dann können wir ganz entspannt sein, denn dann wird er sich auch durchsetzen. Denn Wahrheit setzt sich auf Dauer immer durch! Also weg mit der Angst vor Diskussionen, weg mit Denkfaulheit und Bildungsfeindlichkeit. Unser Verstand darf sich zwar nicht über Gott erheben, aber er ist uns trotzdem geschenkt worden, um ihn nach Kräften zu benutzen! Früher war es die Kirche, die die Universitäten gegründet und für die Bildung der Menschen gesorgt hat. Höchste Zeit, an diese alte Tradition wieder anzuknüpfen!

2. Raum für die Vaterliebe Gottes!

Gofi schreibt: „Wer von uns betet in der Gewissheit, dass ein liebender ‚Abba‘ es kaum erwarten kann, dem Gestotter seines Kindes zu lauschen? Ist es nicht so, dass wir ihn eher als unseren leiblichen zeitungslesenden Vater vor Augen haben, der, von einem langen Arbeitstag rechtschaffen müde, eigentlich nur noch eines will, nämlich in Ruhe gelassen zu werden?“ (S. 41) Das erinnert mich an einen Teilnehmer unseres jährlichen Glaubenskurses. Er hörte sich alles geduldig an, war aber sehr reserviert. Am letzten Abend brach es aus ihm heraus: Was ist, wenn dieser Vater im Himmel wie mein eigener Vater ist? Genauso unbarmherzig? Genauso strafend? Genauso fordernd? Natürlich hatten wir im Kurs genau das Gegenteil gelehrt. Die unglaublich großzügige, barmherzige, grenzenlose Vaterliebe Gottes ist ein Kernbestandteil unserer Botschaft.

Aber das eigene, real erlebte Vaterbild ist nun einmal unglaublich tief in uns verwurzelt. Wir übertragen es fast zwangsläufig auf Gott, bewusst oder unbewusst. Das verändert man nicht durch die weit verbreitete Dauerberieselung mit der Rede vom „lieben Gott“. Was wir vielmehr brauchen ist eine echte Herzensbegegnung mit dieser alles übersteigenden Liebe unseres himmlischen Vaters. Dafür müssen wir Raum schaffen in unseren Gemeinden! Gerade in unserer vaterlosen Gesellschaft können wir nicht wirklich erfolgreich Kirche bauen, wenn es in unseren Gemeinden keine Orte gibt, in denen Menschen tiefe, geistgewirkte, heilsame Begegnungen mit dem himmlischen Vater erleben können.

3. Raum für den Heiligen Geist!

Der Heilige Geist allein ist es, der uns die Größe dieser Vaterliebe vor Augen malen kann und in uns einen authentischen Ruf nach dem ‚Abba-Vater‘ weckt (Röm.8,15; Gal.4,6). Mangel an tiefgreifender Begegnung mit der echten, heilenden Vaterliebe Gottes ist immer auch Mangel an Geistesfülle in unseren Gruppen und Gemeinden. Deshalb müssen wir Raum schaffen für das Wirken des Heiligen Geistes!

Das wird auch die Art verändern, wie wir biblische Wahrheiten weitergeben. Paulus sagte: Theologisches Wissen ohne eine Liebesbeziehung zu Gott gibt uns vielleicht ein „Gefühl von Wichtigkeit“. „Doch nur die Liebe baut die Gemeinde wirklich auf.“ (1.Kor.8, 1-2). Selbst völlig korrekte theologische Botschaften sind wirkungslos, wenn die Liebe zu Gott und der Heilige Geist fehlt: „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2.Kor.3,6b). Wir sind also zwingend darauf angewiesen, dass der Heilige Geist das tut, was wir mit dogmatischen Argumenten alleine niemals schaffen können: Unseren Mitmenschen die Wahrheit des Evangeliums aufschließen und die menschlichen Gedankengebäude niederreißen (2.Kor.10,4). Aber ohne den Heiligen Geist und ohne eine Liebesbeziehung zum Vater wird Lehre und Dogmatik zur rechthaberischen, arroganten, verletzenden, ja laut Paulus sogar zur tödlichen Keule – und ein Grund dafür, warum so viele Menschen aus „Evangelikalien“ fliehen. C.H. Spurgeon hat es so ausgedrückt: „Ohne den Heiligen Geist wird sogar die Wahrheit zum Eisberg.“

4. Raum für ein freies Gewissen!

Gofi schreibt: „Wir Evangelikalen haben schreckliche Angst davor, ungenügend zu sein. Wir glauben zwar, dass der Christus […] dafür gestorben ist, damit wir frei sein können von der Schuld und der Anklage Satans. […] Aber Hand aufs Herz, wer von uns glaubt das denn wirklich?“ (S. 41) Volltreffer. In meinem eigenen Leben fiel mir auf, wie erfolgreich  der „Verkläger der Brüder“  (Offb.12,10) uns immer wieder einredet, dass Gott uns wegen unserer Schwächen und Fehler zumindest teilweise ablehnen und verurteilen müsste. Niemals hätte ich so wie David beten können: “Der Herr wird mich belohnen, weil ich aufrichtig bin, und mir den Lohn dafür geben, dass ich unschuldig bin” (Ps.18,21). So kann man doch nicht beten! Schließlich machen wir doch alle ständig Fehler und sündigen täglich, oder?

Stimmt schon. Und trotzdem haben wir ein falsches Gottesbild, wenn wir Gott einseitig nur als den strengen Richter sehen, der uns den Segen entzieht bei jedem Mangel, den er an uns findet. Unser Vater ist ein “gnädiger und barmherziger Gott, langsam zum Zorn und groß an Güte” (Jona 4,2, Ps.86,15; 103,8; 145,8; Joel 2,13). Das dürfen wir ganz neu begreifen lernen! Wenn schon David sich so völlig ohne Scham auf Gottes uneingeschränkte Gunst verließ, wie viel mehr können wir das tun, da doch Jesus doch für unsere Schuld gestorben ist und gesagt hat: “ES IST VOLLBRACHT!” Weil ER unsere Schuld bezahlt hat dürfen wir tatsächlich fröhlich, scham-los und mit freiem Gewissen die herrliche Freiheit der Kinder Gottes (Röm.8,21) genießen!

Aber das ist leichter gesagt als getan. Unsere Scham und unsere Angst vor Ablehnung sitzt tief. Deshalb war es für Paulus ein zentrales Ziel, „dass alle Christen von der Liebe erfüllt sind, die aus einem reinen Herzen kommt, aus einem guten Gewissen und aufrichtigem Glauben.“ (1.Tim.1,5) Ein unbelastetes, angstfreies Gewissen muss auch heute das Ziel unserer Unterweisung in den Gemeinden sein, damit Menschen nicht länger unter der Last von Selbstanklagen und Ablehnungsängsten die Flucht aus Evangelikalien antreten müssen.

5. Raum für Gnade statt Leistung!

Gofi schreibt: „Ich habe die Bibel so verstanden: Gott hat dich aus Gnade errettet, und jetzt beweise gefälligst, dass du es wert gewesen bist! Ich arbeite mir also den Arsch ab, bis es nicht mehr ging.“ Leistungsdenken ist tief in unserem westlichen Lebensstil verwurzelt – so tief, dass wir es fast unvermeidlich auch auf unsere Gottesbeziehung übertragen. Dabei hat Jesus klar gelehrt, dass er keine Leistung sondern Frucht in unserem Leben sehen möchte. Frucht können wir nicht durch noch so viel Leistung aus dem Boden zerren, wir können sie nur wachsen lassen. Unser „Job“ ist nicht in erster Linie, wie Marta hart zu arbeiten sondern wie Maria die innige Nähe zu Jesus zu suchen. Wer in ihm bleibt, der bringt Frucht (Joh.15,4-5). Bei ihm dürfen wir uns so sehr beschenken lassen, dass wir überfließen und selbst zu einer Quelle lebendigen Wassers werden (Joh.4,14). Wir müssen, wir können, wir dürfen Gott nichts beweisen, im Gegenteil: Was er sich von uns wünscht ist nur unsere Bereitschaft, ihm unsere Unfähigkeit einzugestehen und uns von ihm verändern, erneuern und mit unverdienter Gnade beschenken zu lassen. Wir müssen lernen zu beten: “Herr, gib mir nicht was ich verdient habe sondern beschenke mich unverdient aus Deinem Überfluss!” Solange wir Gott gegenüber im Leistungs- statt im Gnadenmodus unterwegs sind  bleiben wir Getriebene statt Beschenkte. Dann wird die Burnoutwelle weiter auch durch Evangelikalien schwappen und Menschen in die Flucht schlagen.

6. Raum zum Klagen und zornig sein!

Gofis Buch enthält einen derben Liedtext, „der eine Art Rachephantasie war, was zu meinem bisherigen moralischen Koordinatensystem zwar nicht passte, sich aber verdammt gut anfühlte und gleichzeitig Gewissensbisse nach sich zog.“ (S. 58) Die Frage ist in der Tat: Darf man so etwas als Christ? Wütend und zornig sein? Hiob hat sich nicht um diese Frage gekümmert. Er klagte Gott massiv an. Er hielt ihn für ungerecht und unterstellte ihm, kalt und zynisch zu sein: “Er vernichtet die Schuldlosen ebenso wie die Schlechten. Er lacht über die Angst der Unschuldigen.” (Hiob 9,22b+23) Das spannende ist: Gott hat diese Vorwürfe Hiobs weder zensiert noch ihn dafür verstoßen. Gott konnte damit umgehen, dass Hiob seine negativen Gefühle offen und ehrlich zum Ausdruck bringen und “los werden” wollte: “Darum will ich nicht schweigen, sondern aussprechen, was mich quält. Meine Seele ist voll Bitterkeit, ich muss meine Klagen loswerden.” (Hiob 7,11) Mir zeigt das: Gott schätzt Ehrlichkeit! Das ist ihm allemal lieber, als eine aufgesetzte Geistlichkeit, die nicht von Herzen kommt.

Natürlich sollte sich unsere Wut und Klage nicht auf Dauer so verfestigen, dass sie sich in Härte und Bitterkeit verwandelt. Aber sie unter den Teppich zu kehren führt erst Recht in die Bitterkeit. Deshalb braucht es Raum zum Klagen und zornig sein in unseren Gemeinschaften. Öffentliche Treffen sind dafür natürlich nicht der richtige Ort. Aber in der Seelsorge und Gesprächen mit Freunden muss es möglich sein, sich mal richtig „auszukotzen“. Wir haben die Aufgabe, anhand der vielen „Wut-Texte“ und Klagelieder in der Bibel zu lehren, dass wir Gott unsere Wut durchaus auch mal ungefiltert vor den Latz knallen dürfen. Schade, dass das bis heute so wenig bekannt ist und deshalb Menschen aus Evangelikalien fliehen müssen, um anderswo ihre Wut zu verarbeiten und los zu werden.

Mein Reisefazit…

…lautet deshalb: Wir sind nicht etwa zu biblisch in „Evangelikalien“, wie einige liberale Christen im Hossa-Land meinen. Im Gegenteil: Wir sind noch viel zu wenig biblisch! Denn die Bibel lädt uns ja herzlich und wortreich ein, alle diese Räume zu öffnen, zu betreten und einzunehmen! Höchste Zeit, dass wir es tun!

Lieber Jay, lieber Gofi, falls ihr das je lesen solltet, noch ein persönliches Wort an euch: Vielen Dank für eure Offenheit! Nein, eure Gedankenreisen machen mir keine Angst, genauso wenig wie mein Glaube an einen liebevollen, aber eben auch heiligen Gott, der (zum Glück) auch ein gerechter Richter ist und eben nicht zu allem einfach nur „Schwamm drüber“ sagt. Mein Vertrauen zur Bibel, mein fröhliches Festhalten an der Sühnetodlehre und vielen anderen „bibeltreuen“ Positionen, an denen ihr euch so abarbeitet, hat gute Gründe und fühlt sich eben so gar nicht „kalt, öde und lebensfeindlich“ an sondern frei, weit, warm, geliebt, getragen, voller Hoffnung und Zuversicht. Ich liebe es!

Ihr seid aus Evangelikalien ausgezogen, einem Zerrbild von dem, was Glaube und Kirche sein soll. Das verstehe ich. Aber ich finde: Wegen Zerrbildern das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Bibel über Bord zu werfen ist keine Lösung. Ich glaube nicht, dass es da ein gutes Land gibt hinter der nächsten Ecke unserer menschlichen Gehirnwindungen. Wenn Gottes Wort nicht mehr verlässlich gilt bleibt am langen Ende doch nur der Abgrund menschlicher Selbstüberschätzung. Die grünen Auen und das frische Wasser finde ich dort, wo ich jedem Wort des guten Hirten kindlich und unverschwurbelt vertrauen kann. Er hat doch immer noch die viel größere Perspektive als jeder postmoderne Stuhlkreis, in dem wir uns unser eigenes hippes Gottes- und Weltbild nach persönlichem Gusto zusammenstricken. Vielleicht entdeckt ihr das auf eurer Reise ja doch wieder ganz neu. Ich würde mich sehr freuen.

Siehe auch dieser Artikel zu Hossa Talk: Die Krise von Wahrheit und Irrtum – und welche Folgen das für die Kirche hat

Zu den in diesem Artikel beschriebenen “Räumen” wurden folgende Artikel veröffentlicht: