6 Gründe, warum ich (gerade auch als Christ) niemals gendern werde

„Geschlechtergerechte Sprache bezeichnet einen Sprachgebrauch, der in Bezug auf Personenbezeichnungen die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und darüber hinaus aller Geschlechter zum Ziel hat und die Gleichstellung der Geschlechter in gesprochener und geschriebener Sprache zum Ausdruck bringen will.“

So beschreibt „Wikipedia“ das Anliegen der sogenannten „Gendersprache“. Gerechtigkeit und Gleichberechtigung liegt auch Christen sehr am Herzen. Kein Wunder also, dass auch im christlichen Umfeld immer häufiger gegendert wird. Hier kommen 6 Gründe, warum ich gerade auch als Christ trotzdem niemals gendern werde:

1. Die Gendersprache befördert selbst das Problem, das sie lösen will

Die Behauptung, dass die deutsche Grammatik ungerecht und diskriminierend sei, ist mindestens fragwürdig. Denn das grammatische Geschlecht („Genus“) hat in der deutschen Sprache ja zuallermeist rein gar nichts mit dem biologischen Geschlecht („Sexus“) zu tun. Das gilt nicht nur für Gegenstände (“der Löffel”, “die Gabel”, “das Messer”) sondern auch für viele Personenbezeichnungen. Kein Mensch denkt bei femininen Begriffen wie „die Person“, „die Wache“, „die Geisel“ oder „die Koryphäe“ nur an Frauen.

Begriffe wie „Leiter“, „Lehrer“ oder „Arzt“, bei denen es zusätzlich eine spezifisch weibliche Form gibt („Leiterin“, „Lehrerin“, „Ärztin“) sind in der deutschen Sprache doppeldeutig. Sie können entweder geschlechtsneutral („generisch“) gemeint sein oder spezifisch männlich. „Der Leiter“ kann also ebenso wie „die Leitung“ gleichermaßen eine Frau wie einen Mann meinen. Wie wir diese doppeldeutigen Begriffe verstehen, hängt vom Kontext und auch von unserer Erfahrung ab. Da jeder von uns schon mit vielen Lehrerinnen und Ärztinnen zu tun hatte, denken wir intuitiv an Männer und Frauen gleichermaßen, wenn von einer „Gruppe von Lehrern und Ärzten“ die Rede ist. Wir gehen in diesem Fall also intuitiv vom „generischen Maskulinum“ aus, das mit dem biologischen Geschlecht nichts zu tun hat.

Ein Problem entsteht erst dann, wenn man in solchen Fällen das grammatische Geschlecht grundsätzlich mit dem biologischen Geschlecht verknüpft. Dann kann man zu der Meinung gelangen: Das generische Maskulinum sei diskriminierend, weil es männlich geprägt sei. Frauen würden bestenfalls mitgemeint, in der Aussprache aber unterschlagen. Das könne überkommene Rollenbilder verfestigen. Wer auf der Basis solcher Argumente meint, man müsse doch besser von einer „Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern und Ärztinnen und Ärzten“ sprechen, erzeugt nicht nur einen sperrigen Bandwurmsatz, sondern auch ein Problem, das in anderen Sprachen ganz bewusst vermieden wird. Die Schriftstellerin Nele Pollatschek schreibt dazu:

„Das Wort Prime Minister bezeichnet de facto für den Großteil der englischen Geschichte einen Mann, einfach schon deshalb, weil Frauen weder wählen noch gewählt werden durften. Die englische Lösung für dieses Problem ist es nicht, eine weibliche Form einzuführen, obwohl Prime Ministress durchaus ginge, sondern eine Frau zu wählen. Spätestens ab 1979, als Margaret Thatcher Premier wurde, wurde das Wort Prime Minister de facto generisch (d.h. geschlechterunabhängig) und wird mit jedem weiblichen PM immer generischer.“[1]

Die englische Sprachentwicklung geht also genau den umgekehrten Weg wie die Gendersprache: Die historisch bedingte männliche Prägung des Begriffs wird durch die praktische Lebenserfahrung aufgelöst, statt sie zu verfestigen, indem man zusätzlich explizit weibliche Begriffe bildet. In der DDR gab es ähnliche Entwicklungen. Leitend ist dabei das Prinzip: Nichts ist so inklusiv und gerecht wie die Verwendung von Begriffen, die über das biologische Geschlecht gar nichts aussagen und somit grundsätzlich immer alle Menschen gleichermaßen meinen. Wer aber das grammatische Geschlecht grundsätzlich mit dem biologischen Geschlecht verknüpft, sexualisiert die Sprache und macht sie zum Schlachtfeld. Erst dann müssen Menschen verschiedenen Geschlechts in der Sprache um Gleichberechtigung kämpfen und Andere bedrängen, ihr angeblich diskriminierendes Sprachverhalten zu ändern. Gendern will also ein Problem lösen, das es durch die Verknüpfung von Genus und Sexus selbst erzeugt und befördert.

Ob das generische Maskulinum wirklich zur Festigung von Geschlechterrollen beiträgt, ist unter Experten übrigens hoch umstritten.[2] Fakt ist: Auch in Deutschland hat die jahrzehntelange Dauerberieselung mit dem Satz „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ nicht verhindert, dass es in beiden Berufen heute einen hohen Frauenanteil gibt.

2. Gendersprache polarisiert die Gesellschaft

Die Gendersprache führt zu Lagerbildung: Während sich die einen ausgegrenzt, benachteiligt und „nicht mitgemeint“ fühlen, empfinden Andere die Gendersprache als elitäres, moralistisch aufgeladenes Umerziehungsprogramm. Während sich die einen als Vorkämpfer für eine bessere Gesellschaft fühlen (und Andersdenkende bekämpfen), sagen Andere: „Einen Text mit Gendersternchen lese ich nicht.“[3] Gendersprache zerstört also den sachlichen Diskurs, weil sie emotional aufgeladene Zustimmung oder Ablehnung erzeugt, noch bevor das erste Argument ausgetauscht wurde. Damit fördert sie die Blasenbildung und Polarisierung der Gesellschaft.

3. Gendersprache wird von einer wachsenden Mehrheit abgelehnt

Umfragen zeigen: Tatsächlich lehnt eine wachsende Mehrheit der Bevölkerung die Gendersprache ab. Im Jahr 2021 hat die Ablehnung der “Gendersprache” im Vergleich zu 2020 um 9% zugenommen, bei Jugendlichen sogar um 11%. Nur noch 26% der Bevölkerung waren 2021 “eher” oder “voll und ganz” dafür.[4] Es handelt sich hier also nicht um eine natürlich wachsende neue Sprachkultur, wie manchmal behauptet wird. Gendersprache ist vielmehr ein künstliches Sprachkonzept, das ein spezielles Milieu gegen den Willen der Mehrheit durchsetzen möchte. Natürlich sind Mehrheiten kein Argument für oder gegen die Gendersprache. Deutlich wird aber auch: Wer so wie Luther den Menschen „aufs Maul schauen“ möchte, um ihnen den Zugang zum Evangelium zu erleichtern, der sollte von der Gendersprache Abstand nehmen.

4. Gendersprache funktioniert nicht

Die wachsende Ablehnung der Gendersprache liegt auch darin begründet, dass sie in der Praxis schlicht nicht funktioniert, wenn man sie konsequent umsetzen will. Kein Mensch wird je von Bürger*innenmeister*innenkandidat*innen sprechen. Auch die immer häufiger anzutreffenden Partizipien („Studierende“) sind keine Lösung. Das liegt zum einen daran, dass die Partizipienbildung den Sinn verändert: Während der Satz „Der Autofahrer öffnet die Tür“ nicht weiter aufregend klingt, beschreibt der Satz „Der Autofahrende öffnet die Tür“ ein ziemlich dramatisches Geschehen. Auch ein „Leitender“ oder „Mitarbeitender“ ist nicht einfach sinnidentisch mit einem Leiter oder Mitarbeiter. Dazu kommt: Die Partizipienbildung ist immer dann gar nicht möglich, wenn sich die Bezeichnung von einem Substantiv ableitet (Autor, Abiturient, Influencer…). Und wollen wir ernsthaft in Zukunft von Klempnernden und Metzgernden sprechen?

5. Gendersprache erschwert die Kommunikation und grenzt Menschen aus

Kein Wunder, dass angesichts solcher Probleme bislang keine allgemeingültige Regeln für das “Gendern” entwickelt werden konnten. Vielmehr kursieren die unterschiedlichsten Vorschläge, wie die Gendersprache konkret ausgestaltet werden soll. Wenn offizielle Institutionen trotzdem die Gendersprache einführen, dann unterwandert das zwangsläufig die moderne Errungenschaft einer allgemeinverbindlichen Grammatik und damit auch einer gemeinsamen, verbindenden Sprache. Glauben wir wirklich, dass es unserem Bildungswesen nicht schadet, wenn sich selbst Schulbücher, Lehrer und Dozenten nicht mehr an grammatische Regeln halten und wenn wir Schüler mit solchen Aufgabenstellungen konfrontieren?

„Arbeitet nun zu zweit. Lest den rechts stehenden Text (S.7) folgendermaßen: Eine/r ist Zuhörer/in, der /die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen. Der/die Vorleser/in muss angeben, ob die Zusammenfassung richtig war.“[5]

Und werden nicht noch mehr Bürger den Bezug zu Bürokratie, Behörden und Politik verlieren, wenn dort eine solche Sprache eingeführt wird?

 „1) Zur Vorbereitung ihrer Beratungen können die Fraktionen im Rahmen ihrer Aufgaben von der*vom Bürgermeister*in Auskünfte über die von dieser*diesem oder in ihrem*seinem Auftrag gespeicherten Daten verlangen, soweit der Datenübermittlung nicht Rechtsvorschriften, insbesondere Bestimmungen über den Datenschutz, entgegenstehen. 2) Das Auskunftsersuchen ist durch die*den Fraktionsvorsitzende*n schriftlich unter wörtlicher Wiedergabe des Fraktionsbeschlusses an die*den Bürgermeisterin*Bürgermeister zu richten.“[6]

Gendersprache ist eben gerade nicht inklusiv, im Gegenteil: Sie macht unsere Sprache noch sehr viel komplizierter und uneinheitlicher. Sie beschädigt deshalb die Kommunikation und grenzt vor allem all jene aus, für die die deutsche Sprache ohnehin schwer zu lernen und zu beherrschen ist.

6. Die Gendersprache ist auch ein Vehikel für fragwürdige Ideologie

Das größte Problem an der Gendersprache ist jedoch, dass es bei diesem Thema eben nicht nur um Sprache und Gleichberechtigung geht. So heißt es in einem aktuellen Aufruf, der von mehr als 200 Sprach- oder Literaturwissenschaftlern unterzeichnet wurde:

„Das Bemühen um Geschlechtergerechtigkeit auch im Sprachgebrauch ist ebenso legitim wie begrüßenswert und kann nicht pauschal als “ideologisch” qualifiziert werden. Dennoch haben ideologische Strömungen im Feminismus und auch die Identitätspolitik ganz maßgeblich die Entwicklung der Gendersprache geprägt und dominieren die auch mit moralischen Argumenten geführten Debatten heute noch.“[7]

Sichtbar werden solche ideologische Einflüsse besonders dort, wo Fakten einseitig interpretiert, geleugnet oder sogar aggressiv bekämpft werden. Ein besorgniserregender Fall von „Cancel Culture“ wurde jüngst wieder sichtbar, als ein Basisvortrag zur biologischen Zweigeschlechtlichkeit an der Berliner Humboldt-Universität wegen Protestaufrufen abgesagt wurde. Dabei ist die Zweigeschlechtlichkeit in der Biologie eine simple Tatsache, an der auch verschiedene genetische oder hormonelle Störungen nichts ändern. „Ein weiteres biologisches Geschlecht, welches für die Fortpflanzung der Lebewesen eine Rolle spielt, ist bis heute nirgends beschrieben worden“, sagt der Biologie Siegfried Scherer zurecht.[8] Was für Biologen eine Selbstverständlichkeit ist, wird von nicht wenigen Genderaktivisten heute als pure Menschenfeindlichkeit dargestellt. Mit einer derart aggressiven und diskursfeindlichen Ideologie kann und will ich mich gerade auch als Christ nicht gemein machen – auch aus biblischen Gründen. Schließlich bestätigt die biologische Forschung bis heute, was die Bibel bereits in ihrem ersten Kapitel lehrt:

„Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie.“ (1. Mose 1, 27)

Folgerichtig bekennt die deutsche evangelische Allianz in ihrer Glaubensbasis:

„Der Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverwechselbare Würde. Er ist als Mann und Frau geschaffen.“

Ich meine: Daran sollten wir Christen gemeinsam festhalten. Die Verwendung von Gendersternchen, Doppelpunkten, Schrägtrichen, Unterstrichen oder anderen „mehrgeschlechtlichen Schreibweisen“ passt dazu nicht. Es gibt wesentlich bessere Wege, um unsere Liebe und unseren Respekt für alle vielfältigen Menschen auszudrücken und sie allesamt in unseren Gemeinschaften herzlich willkommen zu heißen.

Tipp: Sehr kurzweilig, fundiert und empfehlenswert zu diesem Thema ist das Video „Warum Gendersprache scheitern wird“ von der YouTuberin Alicia Joe, das inzwischen mehr als 1,6 Millionen mal angeklickt wurde:

[1] Dr. Nele Pollatschek: „Gendern macht die Diskriminierung nur noch schlimmer“, Tagesspiegel, 30.08.2022: https://www.tagesspiegel.de/kultur/deutschland-ist-besessen-von-genitalien-gendern-macht-die-diskriminierung-nur-noch-schlimmer/26140402.html

[2] So schreibt Philipp Hübl: “Die Studien haben fast alle einen Haken. Sie schliessen von einem Einfluss im besonderen Fall, also der gegenderten Form, auf einen vergleichbaren Einfluss im Standardfall, dem generischen Maskulinum. Das ist aber nur dann gerechtfertigt, wenn man andere Einflussfaktoren ausschliessen kann. Und der stärkste ist unser sozial erlerntes Rollenbild, das wir ganz unabhängig von der Sprache an die Welt herantragen. … Wäre das generische Maskulinum für die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau verantwortlich, müsste die Ungleichheit zwischen Mann und Frau in Genus-Sprachen wie dem Deutschen oder dem Französischen stärker ausfallen als in Sexus-Sprachen wie dem Englischen. Auch das scheint nicht der Fall zu sein.” In: “Steht die Gleichberechtigung in den Sternen”, NZZ 31.03.2018, www.nzz.ch/feuilleton/der-erfolg-des-steht-in-den-sternen-gendergerechte-sprache-ld.1369855

[3] Harald Schmidt in der SWR-Sendung Nachtcafe https://twitter.com/hawaiitoast_/status/1416667997725470721?lang=de

[4] Umfrageergebnis von infratest dimap: https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/

[5] In: „Treffpunkt Deutsch 3“, OEBV-Verlag S. 6, zitiert in „Gendern in Schulbüchern“, online unter https://vds-ev.de/wp-content/uploads/2017/02/deutschinsgg_gendern.pdf

[6] Aus der Geschäftsordnung des Rates der Stadt Neuss: https://www.neuss.de/rathaus/ortsrecht/pdf/30-02-geschaeftsordnung.pdf

[7] „Aufruf: Wissenschaftler kritisieren die Genderpraxis des öffentlich rechtlichen Rundfunks“ vom Juli 2022: www.linguistik-vs-gendern.de/

[8] Prof. Siegfried Scherer in: „Biologe Scherer: „Fortpflanzungsbiologen unterscheiden zwei Geschlechter – und zwar genau zwei“, 2.8.2022, PRO Medienmagazin www.pro-medienmagazin.de/biologie-scherer-wie-viele-geschlechter-gibt-es/

 

8 Gedanken zu „6 Gründe, warum ich (gerade auch als Christ) niemals gendern werde“

  1. Paar valide Gedanken dabei, aber sie greifen zu kurz:

    1. Das Problem der “Bilder im Kopf” ist ja durch ein ganz einfaches Experiment zu belegen, nämlich, dass Leute bei “Nennen sie mir ihre Lieblingsschauspieler” deutlich weniger Frauen aufzählen als wenn man sie nach “Schauspieler und Schauspielerinnen” fragt. Der englischsprachige Raum hat sich zu einem anderen Weg entschieden, die Möglichkeit im Deutschen andere Geschlechter explizit zu nennen kann aber auch ein Vorteil sein um dieses Probleme zu beheben. Also kein Argument.

    2. Stimmt. Welche Seite polarisiert und eskaliert sei mal dahingestellt. Was das allerdings für ein Argument für Christen sein soll ist mir schleierhaft. Jesus hat auch polarisiert.

    3. Stimmt. Die Mehrheit entscheidet aber nicht über die moralische Richtigkeit. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt aber auch (konservatives) Christentum, bzw. Jesus ab. Wieder die Frage, was das für ein christliches Argument sein soll.

    Für 4 + 5 kann man auf Probleme hinweisen – das Ziel ist aber doch nicht, ein “System” zu schaffen in dem plötzlich alles einfach ist und funktioniert. Man muss auch pragmatische Lösungen finden ( :innen ist übrigens m.E. deutlich pragmatischer als die Doppelaufzählung). So oder so weißt sie aber auf ein reales Problem in der Gesellschaft hin (vgl. mit den Experiementen in der Gesellschaft).

    6. Es gibt auf beiden Seiten Hohlbrote, die die jeweils andere Seite gern feiert und als Strohfrauen und Strohmännern (hihi) abfackelt. Die Ideologie, die da automatisch mitschwingen soll, wird meist nur von stramm Rechten hochstilisiert die pauschal nicht damit klarkommen, dass sich die Denkmodelle seit der Aufklärung weiterentwickelt haben – und das mit Grund, weil sie eben unzureichend die Wirklichkeit abbilden. Transportierte Ideologie findet man übrigens auch in der angemerkten Biologin – einfach rauszufinden, wenn man ihre anderen Beiträge im Internet beachtet.

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    • Nachtrag: Wichtig ist außerdem, dass es einen gewissen Status Quo gibt, den wir wohl nicht mehr zurückrollen können. Wir werden es eben nicht schaffen, wieder generisch-maskuline Formen einzuführen und damit alle zu meinen – diese Schlacht wurde in den 60-70ern (?) geschlagen und verloren. Hinterhertrauern hilft hier nicht, egal wie man zu dieser Entscheidung der (deutschen) Gesellschaft steht.

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    • Zu 1: Wie in meinem Artikel dargelegt sind maskuline Personenbezeichnungen, zu denen es explizit auch eine zusätzliche spezifisch weibliche Form gibt, im Deutschen doppeldeutig, das heißt: Wenn es keinen weiteren Kontext dazu gibt, dann KÖNNEN sie als spezifisch männlich verstanden werden. In diesem Fall: “Schauspieler” kann in dieser völlig kontextfreien Form tatsächlich als spezifisch männlich verstanden werden. Das gilt erst recht, je stärker die spezifisch weibliche Form gefördert wird – wie es bei uns der Fall ist. Deshalb ist dieses Ergebnis nicht überraschend, spricht aber nicht gegen das Argument, dass die “englische Lösung”, das Problem anzugehen, der deutlich bessere Weg ist.
      Zu 2: Ich stehe dazu, dass ich es für ein wichtiges Anliegen halte, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken.
      Zu 3: Bitte lesen, was ich geschrieben habe. Ich habe extra darauf hingewiesen, dass “Mehrheit” an sich kein Argument gegen die Gendersprache ist. Sie ist aber ein Argument dagegen, dass es sich um einen “natürlichen Sprachwandel” handelt und sie spricht dafür, dass wir Christen davon Abstand nehmen sollen, wenn wir den Menschen auch sprachlich entgegenkommen wollen.
      Zu 4+5: Im Namen der Gendersprache auf “Pragmatik” zu pochen, wirkt schon etwas skurril auf mich. Es gibt nichts unpragmatischeres als Gendersprache. Wenn Du Dir die Zeit nimmst, auch mal das Video anzuschauen, wird das noch viel deutlicher. Die Experten, die prognostizieren, dass die Gendersprache scheitern wird, führen das vor allem auf die mangelhafte Sprachökonomie in der Gendersprache zurück.
      Zu 6: Schon Deine Ausdrucksweise (“meist nur von stramm Rechten hochstilisiert, die pauschal nicht damit klarkommen…”) unterstreicht, dass es hier um sehr viel mehr geht als nur um Sprache und Gerechtigkeit, sondern um “Denkmodelle, die sich seit der Aufklärung weiterentwickelt haben”. Genau. Und diese sehe ich kritisch auf Basis sachlicher Argumente und auf Basis so mancher Beobachtungen in unserer Gesellschaft.
      Zum Nachtrag: Wir werden ja sehen, wie das ausgeht. Die Geschichte hat gezeigt, dass es immer wieder überraschende Wenden gab.

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  2. Eine Gesellschaft entwickelt sich nicht rückwärts sondern vorwärts. Hochdiverse Demokratien,
    wie die unsere es gegenwärtig ist, suchen und finden neue Umgangsweisen und Ausdrucksformen für gesellschaftliche Themen.
    Warum können Christen sich dem nicht mal konstruktiv vorwärtsgewandt stellen? Warum immer nur restaurativ und rückwärtsgewandt?
    Schade.

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