Lasst mir bloß die Schatzkarte in Ruhe!

Oder: Warum ich liberale Theologie so belanglos finde

Der große Moment war gekommen. Die Schatzkarte wurde auf dem Tisch ausgebreitet. Und tatsächlich: Tief im Inneren der Insel war die Stelle markiert, an der der sagenhafte Schatz vergraben sein musste. Doch die leuchtenden Augen verdunkelten sich. Der Weg zum Schatz schien eng, steil und gefährlich zu sein. Gemurmel ging durch den Raum. „Gibt’s da eigentlich Geländer?“ „Da müssten wir ja erst mal trainieren.“ „Das kann man doch niemand zumuten.“ Erste grundlegende Zweifel wurden formuliert: „Man kann doch so eine alte Schatzkarte nicht einfach auf heute übertragen!“ „Mir kann doch keiner erzählen, dass es nur EINEN Weg zum Schatz geben soll!“ Dann wurde die Kritik grundsätzlicher: „Mit unseren heutigen Möglichkeiten finden wir sicher einen besseren Weg.“ „Und vielleicht ja auch ein besseres Ziel!” „Eben! Wer definiert überhaupt, was ein Schatz ist? Schöne Strände sind doch auch ein großer Schatz, oder?“ „Solange es ein schöner Weg ist, ist doch auch alles gut!” Jetzt waren sich alle einig: Diese Karte konnten sie unmöglich einfach so als Reiseroute verwenden. Stifte wurden gezückt. Doch bevor jemand etwas auf die Karte zeichnen konnte schlug Fred auf den Tisch. „Glaubt ihr ernsthaft, dass ihr den Weg besser kennt als der, der den Schatz vergraben hat? Lasst mir bloß die Schatzkarte in Ruhe! Ich gehe diesen Weg. Ich finde den Schatz. Ihr dürft euch solange gerne um schöne Wege und Strände kümmern. Dafür braucht ihr die Karte nicht. Im Internet gibt es Pläne ohne Ende.“ Mit diesen Worten nahm er die Karte und ging, um sich auf den Weg zu machen.

Der sagenumwobenste Schatz dieser Welt heißt: Ewiges Leben! Jeder hofft darauf. Aber kein Mensch weiß etwas Genaues darüber. Paulus hingegen hat behauptet:

„Ich bin ein Apostel von Jesus Christus, dazu berufen, […] die Wahrheit zu verbreiten, die zum Glauben führt. Diese Wahrheit schenkt die Hoffnung auf ewiges Leben.“
(Titus 1, 1-2a)

Ich will ehrlich mit Ihnen sein, lieber Leser: Mich interessiert halt nun mal vor allem dieser Schatz. Andere dürfen gerne für den Tierschutz, Klimaschutz, Gleichberechtigung, Karriere, Erfolg, Schönheit usw. leben. Ich will in erster Linie ewiges Leben haben. Und zwar nicht nur für mich (das wäre ja egoistisch) sondern auch für die Menschen um mich herum. Und da wir Menschen nun mal keine Ahnung über das Leben nach dem Tod haben und da es am Ende eben nur 1 objektive Wahrheit geben kann interessiert mich letztlich nur eins: Was hat Gott dazu gesagt?

Und jetzt kenne ich halt nur 1 Gruppe von Menschen, denen ich wirklich abnehme, dass sie tatsächlich Gott gehört haben: Die Autoren der Bibel! Sie behaupteten nicht nur ständig, das wahre Wort Gottes zu predigen. Sie waren auch noch bereit, für ihre Botschaft in den Tod zu gehen. Ihre Worte waren so kraftvoll, dass sie bis heute die Welt verändern – im Gegensatz zu so vielen hochtrabenden theologischen Theorien, von denen nach kurzer Zeit kein Mensch mehr spricht.

Ihr lieben Theologen, ihr habt so eine wichtige Aufgabe! Ich wünsche mir von euch, dass ihr mir helft, die Bibel, die Schatzkarte Gottes, besser lesen und verstehen zu können. Bitte fordert mich heraus, diesen biblischen Weg zu gehen. Konfrontiert mich damit, welche meiner Wege nicht zur biblischen Schatzkarte passen. Wenn ich eine Bibelstelle falsch verstehe dann zeigt mir bitte eine andere, die mich korrigiert. Und bitte warnt mich vor falschen Lehren und Lehrern, die mir Wege empfehlen, die von der Bibel abweichen. Ich finde es offen gesagt traurig, dass das so wenige von euch tun.

Aber wenn ihr euch stattdessen mehr mit anderen Theologen und theologischen Gedankengebäuden statt mit der Bibel beschäftigt, hilft mir das nicht wirklich weiter. Und wenn ihr euch über die Bibel stellt und anfangt, euren Verstand, eure Meinung, eure Erfahrung, den Zeitgeist, menschliche Erkenntnisse oder Bedürfnisse zum Schiedsrichter über richtig und falsch in der Bibel zu machen, dann bin ich raus. Denn ich glaube einfach nicht, dass ihr besser über das (ewige) Leben Bescheid wisst als die Apostel und Propheten, die uns Gottes Wort verkündigt haben.

Geradezu lächerlich finde ich es, wenn manche von euch meinen, sie könnten biblische Lehren mit ihrer Logik widerlegen. Mal ernsthaft: Wer von uns will denn beurteilen, ob die Möglichkeit einer ewigen Verdammnis, vor der Jesus uns so intensiv gewarnt hat, nicht doch auch Ausdruck von Gottes Liebe und Gerechtigkeit sein kann? Wer von uns wollte beurteilen, ob es nicht doch einen blutigen Sühnetod brauchte, um uns vor dieser Verdammnis zu bewahren? Wir verstehen ja nicht mal wie eine winzige lebende Zelle funktioniert. Und dann wollen wir definieren, wie Schuld, Vergebung, Erlösung, Gerechtigkeit und die Ewigkeit konstruiert sein muss, damit es für unsere erbärmlichen logischen Fähigkeiten akzeptabel ist? Ich finde: Hochmut ist gar kein Ausdruck für so eine menschliche Selbstüberschätzung.

Deshalb seid mir bitte nicht böse, dass theologische Theorien, die man nicht klar und deutlich mit der Bibel belegen kann, bei mir nur Schulterzucken auslösen (und übrigens nicht nur bei mir, wie man an den rapide schrumpfenden Kirchenmitgliederzahlen sieht). Feministische Theologie, Befreiungstheologie, transformative Theologie, tiefenpsychologische Theologie: Alle diese kurzlebigen theologischen Modewellen finde ich einfach nur belanglos, wenn sie primär menschlich und nicht biblisch getrieben sind. Ich liebe biblische Theologie! Die Bibel soll sich selber auslegen und selber definieren, wie sie richtig zu verstehen ist! Deshalb schlage ich von allen Büchern immer noch am liebsten die Bibel auf und hebe aus ihr die kostbaren Schätze, die mir verbrieft und verlässlich das Leben bringen. DAS finde ich spannend ohne Ende.

P.S. an alle die jetzt glauben, mir wäre die Not dieser Welt egal und mir ginge es nur ums Seelenheil: Mein Jesus hat gesagt, dass die in den Himmel kommen, die den Hungrigen zu essen geben, die Fremden aufnehmen, den Armen helfen und die Kranken und Kriminellen besuchen (Matth. 25, 31-45). Interessanterweise waren es ja gerade die Jesusnachfolger mit biblischer Perspektive, die so ungeheuer viel für unser aller Wohlstand, Gesundheit und Bildung getan haben (wie Vishal Mangalwadi in seinem „Buch der Mitte“ eindrücklich nachgewiesen hat). Vielleicht ja deshalb, weil genau diese biblische Ewigkeitsperspektive nicht nur an die Symptome sondern an die Wurzel der Nöte dieser Welt geht, nämlich an unsere Sündhaftigkeit und unseren Egoismus. Vielleicht wächst Gerechtigkeit in einer Gesellschaft ja viel mehr durch erneuerte Herzen statt nur durch Politik. Also bevor ihr euch über meine angebliche Weltflucht lustig macht würde ich sagen: Abwarten, wer am Ende wirklich mehr gegen die Not der Welt getan hat… J

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C.H. Spurgeon: Ein Manifest für die Kirche von heute

Charles Haddon Spurgeon war ein englischer Baptistenpastor und gilt als einer der bekanntesten Prediger des 19. Jahrhunderts. 1891, 1 Jahr vor seinem Tod, nahm er zum letzten Mal an einer Konferenz seines Predigerseminars teil und hielt dort eine 3-teilige Predigt, die als sein „finales Manifest“ gilt.

Obwohl der Text mehr als 100 Jahre alt ist wirkt er brandaktuell. Die letzte Phase des Dienstes von Spurgeon war stark geprägt von seinem Kampf gegen die Ausbreitung der modernen Bibelkritik. Spurgeon war überzeugt davon, dass es für die Kirche von existenzieller Bedeutung ist, am Glauben an eine „wahre und wirkliche Inspiration der Heiligen Schrift“ festzuhalten. Für diese Überzeugung musste er viel Kritik einstecken und schmerzhafte Konflikte durchleiden. Zuletzt trat er aus dem Baptistenbund aus, weil er dort keine klare Abgrenzung mehr gegen das Vordringen der bibelkritischen Strömungen erkennen konnte.

Ich habe noch nie ein so glühendes, leidenschaftliches Plädoyer für das konsequente Festhalten an der Gültigkeit von Gottes Wort gelesen. Kleine Kostprobe gefällig?

„Man sagt uns, wir sollten einen Teil unserer altmodischen, überholten Theologie aufgeben, um den Rest zu retten. Wir sitzen in einem Wagen und fahren durch die russische Steppe. Die Peitschen knallen, und die Pferde galoppieren wie wild, aber die Wölfe sind uns auf den Fersen! Siehst du nicht die feurigen Augen? Wir sind in großer Gefahr. Was sollen wir tun?

Jemand schlägt vor, ein Kind hinauszuwerfen oder auch zwei. Solange sie das Baby fressen, können wir einen Vorsprung herausholen, aber wenn sie uns wieder einholen, was dann? Nun, sei ein Mann, wirf deine Frau hinaus! „Ein Mensch gibt alles her, was er besitzt, wenn er damit sein eigenes Leben retten kann.“
Du kannst fast alle Wahrheiten aufgeben in der Hoffnung, eine zu retten. Wirf die Inspiration hinaus, und lass die Kritiker sie verschlingen. […] Wirf die angeborene Verderbnis menschlicher Natur hinaus, die ewige Strafe und dann die Macht des Gebets.
Die Kutsche ist wunderbar erleichtert. Nun noch eins: Opfere das große Sühneopfer! Schluss mit der Sühne!
Brüder, dieser Rat ist niederträchtig und mörderisch. Diesen Wölfen entkommen wir ganz oder gar nicht. Wir wollen „die Wahrheit, die ganze Wahrheit, und nichts als die Wahrheit“ oder überhaupt nichts. Wir werden niemals versuchen, die Hälfte der Wahrheit zu retten, indem wir schließlich jeden Teil der Wahrheit hinauswerfen. Der „weise“ Rat, den man uns gegeben hat, bedeutet, Gott zu verraten und zu verkaufen und uns selbst bitter zu enttäuschen. Wir stehen mit allem, oder wir fallen. (S. 90-92)“

So viel Leidenschaft Spurgeon für dieses Thema auch hatte: Die Wichtigkeit der Gemeinde und die zentrale Bedeutung des Heiligen Geistes hielt er für noch wichtiger. Seine Überzeugung war: „Wenn der Heilige Geist gegangen ist, regiert der Tod, und die Kirche wird zum Friedhof.“ (S. 141) Immer wieder wird in solchen Zitaten deutlich: Hier spricht ein Praktiker, der nur 1 Ziel hat: Gott zu verherrlichen und Menschen mit diesem Gott bekannt zu machen.

Spurgeons „Finales Manifesto“ wurde 2014 an über zehntausend Pfarrer und Pastoren in England verteilt. Man kann sich nur wünschen, dass auch die deutsche Kirche die Worte dieses Kämpfers für das Evangelium hört. Sie hat es mehr als nötig. Spurgeon hat nicht mehr miterleben dürfen, dass die Bibelkritik zurückgedrängt wird. Hätte er gewusst, dass die westliche Kirche 120 Jahre später noch viel mehr als damals davon überschwemmt ist, wäre er sicher entsetzt gewesen. Denn eigentlich war er zuversichtlich, dass es eine Wende geben wird: „Wenn die Herrscher der Stunde dem viel erduldenden Volk nicht mehr den Mund verbieten können, gibt es eine Rückkehr zum früheren Glauben, und dann werden sie stärker als zuvor daran kleben.“ (S. 34) Könnte es sein, dass diese Stunde der Rückkehr doch noch kommt? Jetzt, da das Internet es ermöglicht, dass auch unstudierte Laien sich informieren, sich vernehmbar öffentlich äußern und liberalen Theologen entgegentreten können? Jetzt,  da immer offensichtlicher wird, in welchen Verfall die moderne Bibelkritik die Kirche führt? Es wäre sehr zu wünschen. Um der Kirche und um Gottes Ehre willen. Darum „Vorwärts, Christi Streiter, mit dem Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist. Vorwärts in der lebendig machenden Kraft des Heiligen Geistes. Eine andere Kraft habt ihr nicht.“ (S. 156)

Das Buch „Finales Manifesto“ ist erschienen im fontis-Verlag.

Weitere Zitate von C.H. Spurgeon …

… zur Gültigkeit von Gottes Wort

Wenn wir im Wort Gottes keinen unfehlbaren Standard der Wahrheit haben, sind wir Seefahrer ohne Kompass. (S. 23)

Die Heilige Schrift ist im Reich Gottes wie Gott im Universum – vollkommen genug. In ihr ist alles Licht, ist alle Kraft geoffenbart, die der Mensch in geistlichen Fragen jemals brauchen könnte. (Seite 49)

Wir haben die Ernte gesehen, die auf unsere Aussaat folgt, und wir werden unser Saatgut nicht tauschen, nur weil das launische Diktat des Zeitgeistes es so will. (S. 59)

Die Menschen brauchen Predigten, die aus der Bibel gewachsen sind. (S. 74)

Wir wollen überzeugend sprechen, und deshalb sprechen wir schriftgemäß. Außerdem sind wir entschlossen, nichts zu predigen außer das Wort Gottes. (S. 75)

Man kann nicht den dunklen und ernsten Teil der Wahrheit auslassen, ohne die Kraft aller anderen Wahrheiten, die man predigt, zu schwächen. Wenn man den kommenden Zorn verschweigt, beraubt man die Wahrheit von der Errettung ihrer Strahlkraft und ihrer Dringlichkeit. (S. 95)

… zum Wesen und zum Auftrag von Gemeinde:

Eine Gemeinde ist ein seelenrettendes Unternehmen, oder sie ist nichts. (S. 118)

Wenn die Herde unter unserer Obhut nicht wächst, sollte es uns das Herz brechen. (S. 111)

Es war nie der Auftrag der Kirche, der Welt Unterhaltung zu bieten. (S. 26)

Glaubt mir, wenn eine Gemeinde nicht betet, ist sie tot. Das gemeinsame Gebet sollte nicht an letzter Stelle stehen, es sollte das Wichtigste sein. Eine Gemeinde steht und fällt mit ihrer Gebetsmacht. (S. 112)

In unseren Gemeinden sollte jeder Gott dienen. (S. 112)

… zur Bedeutung des Heiligen Geistes:

Wenn der Geist Gottes fehlt, wird sogar die Wahrheit zum Eisberg. (S. 139)

Immerzu, am Anfang, im Fortsetzen und beim Beenden jedes guten Werkes, verlasst euch ganz bewusst und wirklich und wahrhaftig auf den Heiligen Geist. Alles muss von ihm kommen, sogar das Bewusstsein dafür, dass ihr ihn braucht. Auch die Gebete, mit denen ihr ihn anfleht, müssen von ihm kommen. Ihr tut ein so geistliches Werk, so hoch erhaben über alle menschliche Macht, dass es euch eine garantierte Niederlage einbringt, wenn ihr den Heiligen Geist außer Acht lasst. Lasst den Heiligen Geist für eure Bemühungen die Conditio sine qua non sein. Geht so weit, ihm zu sagen: „Wenn du nicht selbst voranziehst, dann schick uns nicht von hier fort.“ (2. Mose 33, 15) (S. 143/144)

Wir sollten die Predigt so vorbereiten, als hinge alles von uns allein ab, und dann dem Heiligen Geist vertrauen im Wissen, dass alles nur von ihm abhängt. (S. 152)

Der Geist Gottes ist mit der Kraft der Arbeiter, er ist kein Freund der Faulenzer. (S. 152)

Siehe auch:

  • Pfusch am Bau – Wilhelm Busch erklärt den richtigen Umgang mit der Bibel

Mein Bruder: Mein Gott!?

Niemand kennt meine Schwächen und Fehler so gut wie meine Frau, meine Kinder, meine Eltern und meine Geschwister. Sie haben alle meine großen und kleinen Katastrophen live miterlebt. Sie haben darunter gelitten, wenn ich schusselig, vergesslich, faul, schlecht gelaunt, unordentlich, arrogant, egoistisch oder ängstlich war. Mein großes Glück ist: Sie lieben mich trotzdem! Aber was würde geschehen, wenn ich ihnen ab sofort erzählen würde, dass ich in Wahrheit ihr Gott und der Erlöser der ganzen Menschheit bin? Zuerst würden sie sich über mich lustig machen. Dann würden sie mich vermutlich zum Psychiater schicken – zur Not mit Zwangseinweisung.

Schon Jesus hat erlebt: Das Prinzip, dass ein Prophet nichts gilt im eigenen Land, gilt in der eigenen Familie potenziert (Matthäus 13, 57). Fremden Leuten kann man vielleicht etwas vormachen, aber den nächsten Verwandten auf keinen Fall. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein normaler Mensch jemals seine Familie davon überzeugen könnte, dass er nicht von dieser Welt ist.

Umso erstaunlicher ist deshalb, was der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus etwa im Jahr 93 n.Chr. über Jakobus, den leiblichen Bruder von Jesus, geschrieben hat:

„Er (d.h. der Hohepriester Hannas) versammelte den Hohen Rat zum Gericht und stellte vor diesen den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.“

Jakobus war in Jerusalem bekannt als einer der Hauptleiter der dortigen urchristlichen Gemeinde (Gal. 2, 9). Josephus berichtet hier, wie Jakobus im Jahr 62 n.Chr. für seinen Glauben hingerichtet wurde. Das führt uns direkt zur großen 1-Million-Euro-Frage:

Wie um alles in der Welt hat Jesus es geschafft, seinen kleinen Bruder Jakobus derart felsenfest davon zu überzeugen, dass er Gottes Sohn und der Retter der gesamten Menschheit ist?

Laut Wikipedia beantworten die meisten Gelehrten diese Frage wie folgt: „Im Hinblick auf 1. Korinther 15, 7 wird zumeist angenommen, dass Jakobus nach einer Auferstehungserscheinung zum Glauben gekommen ist.“ Hm, da frage ich mich: Wenn Jesus nur ein Mensch war, was für eine „Erscheinung“ könnte das dann gewesen sein? Die Theorie, dass „Visionen“ zum Glauben an die Auferstehung führten, ist schon bei den Jüngern Jesu extrem abenteuerlich. Aber bei Jakobus ist das noch einmal eine andere Nummer: Schließlich hatte er als Kind noch mit Jesus gespielt. Wahrscheinlich ist, dass er zumindest immer wieder auch ziemlich genervt war von ihm (so wie auch seine Eltern). Kein Wunder also, dass Jakobus zu Jesu Lebzeiten kein Nachfolger von Jesus wurde (siehe z.B. Joh. 7, 5). Und obwohl Jesus dann auch noch den verfluchten Tod am Kreuz starb soll eine „Erscheinung“ ihn plötzlich so umgedreht haben, dass er begann, seinen ehemaligen Spielkameraden als Gott und Messias anzubeten, Lieder zu ihm zu singen, erfolgreich trotz größter Widerstände eine Gemeinde zu seinen Ehren zu bauen und schließlich für den Glauben an ihn in den Tod zu gehen??

Ich will ganz offen sein: Dass “Erscheinungen” so etwas bewirken können kann glauben wer will, ich kann es nicht. Alles andere als eine echte, reale Begegnung mit dem von den Toten auferstandenen Jesus taugt nicht einmal ansatzweise, um einen derart drastischen Sinneswandel logisch nachvollziehbar erklären zu können.

Flavius Josephus war kein Freund des Christentums. Aber auch wenn er es ganz sicher nicht wollte: Mit seinem kleinen Bericht über Jakobus hat Josephus einen der stärksten außerbiblischen Beweise für die Wahrheit des Christentums geliefert, die wir kennen.

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Die Bibel ist das Herzstück der westlichen Kultur

Wie ein Inder dem Westen sein wahres Erfolgsgeheimnis zeigt

Mit seinem “Buch der Mitte” hat der indische Philosoph, Sozialreformer und Theologieprofessor Vishal Mangalwadi ein einzigartiges Zeugnis für die Wirkungsgeschichte der Bibel in der westlichen Kultur vorgelegt. Da musste offenbar erst ein Inder kommen, um uns Europäern klar zu machen, wie entscheidend wichtig die Bibel für die Entwicklung praktisch aller Errungenschaften unserer westlichen Kultur war:

  • Lange Zeit (und in vielen Kulturen auch heute noch) galten die als Helden, die viele andere unterjochen konnten. Heute hingegen ehren wir Mitmenschlichkeit und den Einsatz für Schwache, Kranke und Arme. Dieser Wandel geht auf die biblische Lehre zurück, dass ALLE Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen und so sehr geliebt sind, dass sogar Gott selbst für jeden Menschen starb. Daraus wuchs die (von engagierten Christen betriebene) Abschaffung der Sklaverei, die Entwicklung des Gesundheitswesens und unser technischer Fortschritt – denn in anderen Kulturen wurde kein Bedarf gesehen, die unteren gesellschaftlichen Schichten von schwerer, entwürdigender Arbeit zu entlasten.
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  • Zum technischen und wirtschaftlichen Aufschwung trug entscheidend auch die biblische Lehre bei, dass für Christen ihr Beruf auch Berufung und „Gottesdienst“ ist und dass Geld klug und weitsichtig verwaltet werden muss. Eine entscheidende Basis für eine florierende Wirtschaft ist zudem Vertrauen und Ehrlichkeit – Werte, die in Europa erst durch die Bibel (genauer gesagt durch die großen postreformatorischen Erweckungsbewegungen) groß geworden sind, während in anderen Kulturen die Korruption grassiert, die jede wirtschaftliche Entwicklung blockiert.
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  • Die Allgemeinbildung aller gesellschaftlichen Schichten war in vielen Kulturen eine direkte Folge der Übersetzung der Bibel in die Landessprachen. Zahlreiche Gründungen von Schulen und Universitäten lassen sich auf Christen zurückführen.
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  • Die biblische Idee einer sinnvoll geordneten Schöpfung sowie der Auftrag an die Menschen, die Schöpfung zu verwalten, war die Basis für die fulminante Entwicklung der Naturwissenschaft im postreformatorischen Westen (die im Wesentlichen von gläubigen Christen begonnen wurde!), während Pantheismus, Fatalismus und die Abschätzigkeit gegenüber allem Materiellen in anderen Kulturen den wissenschaftlichen Aufstieg über Jahrtausende blockiert haben.
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  • Gerade die biblische Forderung nach Monogamie, vorehelicher Keuschheit und lebenslanger Treue hat die Frauen des christlichen Westens so frei, unabhängig und stark gemacht, dass eine Frauenrechtsbewegung entstehen konnte, was in diesem Ausmaß in keiner anderen Kultur je gelungen ist. Und vor allem hat die Bibel damit die Familien stark gemacht, die die Keimzelle einer gesunden Gesellschaft sind!
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  • Unsere Demokratie geht nicht – wie oft behauptet – auf die Griechen zurück (deren Idee, dass das Volk regieren soll, hat schnell im Chaos geendet). Sie entwickelte sich vielmehr aus dem biblischen Prinzip, dass das Gesetz regiert, dem sich sowohl das Volk als auch jeder Herrscher beugen muss. Entsprechend waren an der Entwicklung demokratischer Verfassungen zahlreiche Christen entscheidend beteiligt. Sie haben auch das Ideal eingeführt, dass Minister (=“Diener“) gemäß dem Vorbild Jesu dem Volk dienen müssen statt es zu unterjochen und auszubeuten.
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  • Toleranz und Freiheit entsteht in einer Gesellschaft nur auf dem Fundament einer gemeinsam akzeptierten höheren Wahrheit (die Humanismus und Aufklärung allein niemals hervorbringen kann). Atheismus und Relativismus verdammen eine Gesellschaft hingegen dazu, unter dem Meinungsdiktat fehlerhafter Menschen zu leben – was letztlich zwangsläufig in Konflikten endet.

Vishal Mangalwadi weist detailliert nach, wie sehr die Bibel das westliche Denken durchdrungen hat bis hinein in Kunst, Kultur, Musik und Literatur. Er zeigt auf Basis vieler Untersuchungen und persönlicher Erlebnisse, wie positiv die Bibel gewirkt hat und wie im Vergleich dazu Gesellschaften unter dem Einfluss anderer Religionen oder Ideologien gescheitert sind. Mit diesem Buch räumt Mangalwadi auch auf mit der irrigen und naiven Vorstellung, alle Kulturen wären gleich und die ungleiche weltweite Verteilung von Wohlstand und Menschenrechten wären primär ein Produkt von westlichem Imperialismus. Dabei kommt ihm zugute: Er ist nicht nur ein akademischer Theoretiker sondern hat selbst aufopferungsvolle Entwicklungshilfe im ländlichen Indien geleistet und dabei die Auswirkungen von Kultur und Religion praktisch erlebt.

Nachdem die mittelalterlichen westlichen Eliten bis zur Reformation mit Gewalt verhindert hatten, dass das normale Volk in seiner Sprache die Bibel lesen kann, ist es heute eine neue Elite, die dem Volk die Bibel dadurch wegnimmt, dass sie ihre Glaubwürdigkeit bestreitet und behauptet, dass man die Bibel nur mit wissenschaftlichen Mitteln richtig verstehen könne. An die Stelle von Gottes Wahrheit hat sie einen alles beherrschenden Relativismus gesetzt. Muss deshalb die Sonne über dem Westen wieder untergehen?

Das Buch der Mitte macht klar: Politiker können den Abstieg des Westens nicht verhindern. Was der Westen vielmehr braucht ist eine neue Erweckung und eine Hinwendung zu Gottes Wort, wie er sie unter Männern wie Jonathan Edwards und John Wesley schon mehrfach erlebt hat. Wer dieses Buch gelesen hat kann schon aus Liebe zur nächsten Generation gar nicht anders, als sich mit Leidenschaft für Erweckung und für die Hinwendung zur Bibel einzusetzen.

Für mich heißt das: Unsere Gesellschaft braucht wieder mutige Männer und Frauen, die den Zeitgeist mit Gottes ewiggültiger Offenbarung konfrontieren, die gegen alle Widerstände Gottes Wort lehren und verbreiten und die Menschen zur Umkehr rufen. Je länger wir im angepassten Kirchenschlaf verharren, umso herausfordernder und existenzieller wird auch im Westen die Auseinandersetzung zwischen Gottes Wahrheit und dem Zeitgeist, in die die Christen zu allen Zeiten und in allen Kulturen hineingestellt waren und sind. Packen wir’s an! Ein guter Beitrag dazu wäre, dieses außergewöhnliche und augenöffnende Buch selbst zu lesen und nach Kräften weiter zu verbreiten.

“Das Buch der Mitte” von Vishal Mangalwadi ist 2014 im Fontis-Verlag erschienen.

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Die Berichte des NT weisen alle Eigenschaften von frühen, authentischen Augenzeugenberichten auf

Wie glaubwürdig sind die Texte des Neuen Testaments? Handelt es sich um authentische Augenzeugenberichte? Oder wurden die Berichte der Augenzeugen erst über viele Stationen weitergegeben und dabei (wie bei einem Telefonkettenspiel) immer stärker verfälscht, bevor sie aufgeschrieben wurden? Stammen Sie womöglich aus einer deutlich späteren Zeit und sogar aus einem anderen Land?

In seinen Vorträgen* belegt der Theologe und Direktor des Tyndale Studienzentrums in Cambridge Dr. Peter J. Williams, dass die Texte des Neuen Testaments alle Merkmale authentischer, unverfälschter und kenntnisreicher Augenzeugenberichte aufweisen:

1. Das passende Namensmuster

Jede Gesellschaft hat ihr eigenes Muster von besonders gängigen und häufig verwendeten Namen. Die im NT verwendeten Namen entsprechen sehr genau dem Muster üblicher Namen im Israel/Palästina aus der Zeit zwischen 330 v.Chr. und 200 n.Chr., wie man es aus antiken Schriften und Grabstätten rekonstruieren konnte (Quelle: Bauckham, Jesus and the Eyewitnesses).

Dass das NT exakt das richtige Namensmuster verwendet ist ein besonders guter Beleg für seine Authentizität. Namen haben keinen logischen Zusammenhang mit Personen, deshalb werden sie besonders leicht vergessen! Es war zur damaligen Zeit praktisch unmöglich, ein fremdes Namensmuster aus einem fremden Land und einer fremden Zeit so exakt zu imitieren. Tatsächlich weichen die Namensmuster der deutlich später entstandenen apokryphen Evangelien auch deutlich ab.

2. Die häufige Verwendung des Namens „Jesus“ statt „Christus“

Es gibt viele Hinweise darauf, dass schon ab dem Jahr 50 n.Chr. Jesus immer häufiger primär als „Christus“ und nicht mehr in erster Linie als „Jesus“ bezeichnet wurde (z.B. schon sichtbar in den Briefen von Paulus). Die Tatsache, dass in den Evangelien aber noch sehr häufig die ursprüngliche Bezeichnung „Jesus“ steht, spricht für den frühen Ursprung der zugrundeliegenden Quellen. Die apokryphen Evangelien Philippus, Judas, Petrus und Maria verwenden im Gegensatz dazu den Namen Jesus kaum noch oder gar nicht mehr.

3. Die Bezeichnung Jesu als „Menschensohn“

Jesus bezeichnet sich in den Evangelien immer wieder als „Menschensohn“ – ein Begriff, der in späteren Zeiten deutlich seltener bzw. z.T. überhaupt nicht mehr verwendet wurde und entsprechend in den meisten apokryphen Evangelien weit überwiegend fehlt. Auch das spricht für den frühen Ursprung der 4 Evangelien des NT.

4. Die authentischen Namenszusätze

Jesus war damals der sechsthäufigste Name in Israel. Um ihn von seinen vielen gleichnamigen Zeitgenossen unterscheiden zu können mussten die Menschen damals Namenszusätze machen (z.B. J. aus Nazareth, J. aus Galiläa etc.). In den Evangelien lässt sich beobachten: Die Autoren legen tatsächlich den Menschen aus dem Volk, die über Jesus reden, immer solche Namenszusätze in den Mund – eine Feinheit, an die man aus der Distanz heraus kaum denkt, wenn man später solche Geschichten über Jesus erfindet.

5. Die Bezeichnung der Nachfolger Jesu als „Christen“

Die Bezeichnung „Christ“ für einen Nachfolger Jesu stammt nicht aus der christlichen Bewegung selbst, sie wurde vielmehr von außenstehenden Beobachtern erfunden und erst später von den Christen selbst übernommen (so wie es auch z.B. bei den Quäkern oder den Methodisten war). Das Neue Testament verwendet den Begriff „Christ“ lediglich an 3 Stellen (Apg. 11, 26; Apg. 26, 28; 1. Petr. 4, 16), wobei es in den beiden Stellen in der Apostelgeschichte Außenstehende sind, die diesen Begriff verwenden. Das ist ein starkes Argument dafür, dass die Texte des NT noch aus der frühen Zeit stammen, in der die Christen diese Bezeichnung noch nicht für sich selbst übernommen hatten.

6. Die Verwendung von Gleichnissen

Jesus lehrt in den Evangelien immer wieder in Gleichnissen. Dieses Stilmittel kommt schon in den Briefen des NT praktisch nicht mehr vor. In der Lehre der Urkirche waren Gleichnisse nicht üblich und nicht gängig. Spätere Autoren hätten Jesus deshalb wohl keine Gleichnisse in den Mund gelegt.

7. Die häufigen Ortsnamen und die genauen Ortskenntnisse

Die 4 Evangelien verwenden – ganz im Gegensatz zu den apokryphen Evangelien – häufig Ortsnamen, auch von sehr kleinen und unbedeutenden Orten. In den 4 Evangelien kommen jeweils 12 – 14 Ortsnamen vor (insgesamt 23). Unter den zahlreichen apokryphen Evangelien finden sich außer der ganz vereinzelten Verwendung von Jerusalem und Nazareth praktisch überhaupt keine Ortsnamen.

Bemerkenswert ist, dass das Verhältnis zwischen der Anzahl der Wörter und der Ortsnamen in allen 4 Evangelien praktisch identisch ist:

Das ist eigentlich nur dadurch erklärbar, dass alle 4 Evangelien den gleichen Charakter haben, nämlich dass sie alle gleichermaßen auf authentischen Berichten kenntnisreicher Augenzeugen beruhen.

8. Gute Ortskenntnisse

Außer der Verwendung vieler Ortsnamen beweisen die Evangelisten auch, dass sie gut vertraut sind mit den örtlichen Gegebenheiten. So wurde z.B. nachgewiesen, dass es in Jericho (im Gegensatz zu anderen Regionen) tatsächlich Maulbeerfeigenbäume gab, wie der Evangelist Lukas in der Geschichte von Zachäus berichtet (Lukas 19, 4). Viele weitere Schilderungen örtlicher Gegebenheiten konnten inzwischen durch archäologische Forschungen bestätigt werden.

9. Frauen, Zweifel, strahlende Engel: Elemente, die niemand erfinden würde

Die Auferstehungsberichte enthalten Elemente, die damals niemand verwendet hätte, wenn er einen Auferstehungsbericht erfunden hätte: So sind in allen Evangelien Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung, obwohl Frauen damals als Zeugen keinerlei Glaubwürdigkeit zugebilligt wurde. Die Evangelien berichten, dass die Jünger selbst dann noch Zweifel an der Auferstehung hatten, als sie Jesus sahen. Das würde niemand betonen, wenn er bei seinen Lesern Zweifel zerstreuen möchte. Seltsam ist weiterhin, dass in den Auferstehungsberichten zwar die Engel strahlend und leuchtend dargestellt werden, nicht aber Jesus, obwohl er doch die Hauptperson ist und nicht die Engel. Alle das würde man in erfundenen Geschichten nicht erwarten.

10. Unterschiedliche Erzählungen, aber identische Kernaussagen und Zitate

Wenn Zeugen sich untereinander absprechen merkt man das an den allzu identischen Zeugenaussagen. Echte unabhängige Zeugenaussagen sind normalerweise ziemlich unterschiedlich aufgrund der verschiedenen Perspektiven und der verschiedenen Wahrnehmung. Wären die Auferstehungsberichte der 4 Evangelien vollkommen identisch müsste man davon ausgehen, dass sie entweder geglättet oder alle von 1 einzigen Zeugenaussage kopiert wurden. Jedoch gibt es in den Berichten erhebliche Unterschiede, was belegt: Hier liegen definitiv unabhängige Zeugenaussagen vor. Trotzdem sind die Kernaussagen der Berichte identisch und auch die scheinbaren Widersprüche lassen sich bei genauem Hinsehen durchaus erklären und harmonisieren. Außerdem gibt es v.a. bei Zitaten einige fast wortwörtliche Übereinstimmungen (z.B. kommt der Satz „Er ist nicht hier; er ist auferstanden“ sowohl bei Matthäus, Markus als auch bei Lukas vor). Dieses Muster aus Unterschieden und Übereinstimmungen spricht stark dafür, dass hier unabhängige Zeugen vom gleichen Geschehen berichten.

11. Passende, sich ergänzende Details in verschiedenen Berichten

Ein Vergleich der 4 Berichte in den 4 Evangelien zum Wunder der Brotvermehrung zeigt: Die Berichte enthalten Details, die für sich genommen belanglos erscheinen, insgesamt aber ein schlüssiges Gesamtbild ergeben:

  • Markus 6, 39 / Johannes 6, 10: Es gibt viel grünes Graß
  • Markus 6, 31: Viele kamen und gingen.
  • Johannes 6, 4: Es war Passahzeit (also eine Zeit, in der Viele unterwegs sind, um nach Jerusalem zu pilgern. Und eine Zeit am Ende der niederschlagsreichen Phase, in der es viel grünes Graß gab).
  • Johannes 6, 5: Jesus fragt Philippus, wo man Brot kaufen kann
  • Johannes 6, 7-8: Philippus und Andreas antworten
  • Lukas 9, 10: Die Brotvermehrung spielte sich nahe Bethsaida ab
  • Johannes 1, 44: Philippus und Andreas kommen aus Bethsaida (also kein Wunder, dass Jesus gerade Philippus fragt und warum er und Andreas antworten)

Dass sich die im jeweiligen Text enthaltenen scheinbar belanglosen Details zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen lassen spricht in besonderem Maße für die Authentizität der Berichte.

Fazit: Die genannten Fakten stellen im strengen Sinn natürlich keine Beweise für die Verlässlichkeit der Berichte des Neuen Testaments dar. Aber Tatsache ist: Wenn sie vor der Niederschrift erst über viele Stationen weiter gegeben und dabei durch Betrug oder Inkompetenz verfälscht worden wären, dann würde man einen solchen Befund keinesfalls erwarten. Die Berichte des Neuen Testaments weisen vielmehr durchgängig alle Eigenschaften von frühen authentischen Augenzeugenberichten auf. Es gibt keinen sachlichen Grund, ihre Vertrauenswürdigkeit in Frage zu stellen.

*: Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf 2 Vorträgen von Dr. Peter J. Williams:

Warum wir der Bibel vertrauen können 10: Der göttliche Anspruch

Allein schon aufgrund der Schönheit der Bergpredigt halten viele Menschen Jesus für einen weisen Lehrer. Auch Paulus, Petrus oder die alttestamentlichen Propheten würden nicht wenige Zeitgenossen so einstufen. Das Problem dabei ist: Jesus sah sich selbst nie als einen weisen Lehrer, ebenso wenig Paulus, Petrus oder die Propheten. Vielmehr nehmen alle biblischen Autoren für sich in Anspruch, dass ihre Aussagen direkt von Gott kommen. So sahen sich Mose und die alttestamentlichen Propheten als direkte Sprachrohre Gottes. Paulus betonte, dass seine Lehre nicht menschlich sondern eine direkte Offenbarung Gottes ist. Jesus sah sich gar selbst als Gott. Aufgrund dieses göttlichen Anspruchs wurde er gekreuzigt!

Es gab viele kluge Lehrer in der Geschichte. Aber keiner von ihnen sagte von sich selbst, dass er Gottes Worte verkündigt oder Gott ist. Somit geben uns die Texte der Bibel nicht die Möglichkeit, sie als weise menschliche Lehre einzuordnen. Es bleiben uns stattdessen nur 3 Optionen im Umgang mit der Bibel:

  1. Die Bibel ist das Werk von religiösen Schwärmern und Spinnern, die sich selbst oder ihre Botschaft für göttlich hielten.
  2. Die Bibel ist der größte und dreisteste Betrugsfall der Weltgeschichte.
  3. Die Bibel ist tatsächlich Gottes Wort.

Angesichts der komplexen und ausgefeilten Theologie und der herausragenden Ethik stellt sich in Bezug auf Option 1 natürlich die Frage: Kann das wirklich das Werk durchgeknallter religiöser Spinner sein? Mir scheint, dass das niemand ernsthaft annehmen kann.

Bleibt also die Option des großen Betrugs, dessen Ausmaß und Heimtücke man sich kaum vorstellen kann: Zahlreiche Menschen waren daran beteiligt. Sie alle müssen – teilweise in Absprache miteinander – entschlossen gewesen sein, das Volk Israel bzw. sogar die ganze Weltbevölkerung an der Nase herumzuführen und ihnen eine große religiöse Geschichte aufzutischen, die in Wahrheit nichts als ein Märchen ist. Schon Mose hätte damit begonnen, als er die 10 Gebote heimlich verfasst hat (u.a. mit dem Gebot, dass man nicht lügen darf!) und sie dann dem Volk Israel als von Gott selbst geschriebene Tontafeln verkaufte. Extrem dreist waren die alttestamentlichen Propheten, die zwar selbst Gottes Stimme nicht hören konnten aber permanent vor falschen Propheten warnten, die genau das gleiche taten wie sie selbst. Ebenso schlimm waren die jüdischen Gelehrten, die die prophetischen Texte im Nachhinein adelten durch das heimliche Einfügen angeblicher Vorhersagen. Am meisten fassungslos machen muss uns jedoch der gemeinsame Komplott der Jünger Jesu, als sie die Story von der Auferstehung, den Wundern, der Jungfrauengeburt in Betlehem und den Lehren und Vorhersagen Jesu erfanden und gemeinsam in alle Welt hinaustrugen.

Die großen Probleme dieser Lügentheorie haben wir ja bereits besprochen: Wer hatte etwas von all diesen Lügen? Und ist es überhaupt denkbar, dass ein Werk mit einer so komplexen Theologie und herausragenden Ethik von einer Horde Betrüger verfasst wurde?

Wir können diese Fragen mit naturwissenschaftlichen Mitteln niemals endgültig klären. Aber nüchtern gesehen muss man anerkennen: Die erfolgreiche Verbreitung in der Region und der Zeit der Augenzeugen, die zahllosen erfüllten Vorhersagen, die durchgängige Geschichte, das zutreffende Menschen- und Weltbild, das einzigartige Gottesbild und die herausragende Ethik kombiniert mit dem göttlichen Anspruch passt weder zu klugen Theologen noch zu religiösen Spinnern oder Betrügern. Übrig bleibt dann aber nur die Erklärung, dass hier tatsächlich Gott gesprochen hat.

All das belegt: Der christliche Glaube basiert nicht auf Märchen, Legenden oder Phantasie. Er kann sich auf Fakten berufen: Auf ein leeres Grab, auf zahlreiche Zeugen, die für diese Botschaft ihr Leben ließen und auf ein Buch, das in der Welt seinesgleichen sucht.

C.S. Lewis war einer der größten englischen Autoren und Literaten des 20. Jahrhunderts. Er war ein Freund Tolkiens und hat die berühmten Narnia-Bücher verfasst. Im Lauf seines Lebens hat er sich durch die Beschäftigung mit der Bibel vom Atheismus zum Christentum bekehrt. Ich möchte mein Plädoyer für die Vertrauenswürdigkeit der Bibel beschließen mit einem Zitat aus seinem Buch „Pardon – ich bin Christ“. Darin begründet dieser kluge Denker seine Hinwendung zum christlichen Glauben mit den folgenden Sätzen:

„Damit versuche ich, jedermann vor dem wirklich läppischen Einwand zu bewahren, er sei zwar bereit, Jesus als großen Morallehrer anzuerkennen, aber nicht seinen Anspruch, GOTT zu sein. Gerade das können wir nicht sagen. Ein Mensch, der nur ein Mensch ist, der solche Dinge wie Jesus sagt, wäre kein großer Morallehrer. Er wäre entweder ein Irrer – (auf der Ebene eines Menschen, der sagt, er wäre ein gekochtes Ei) – oder der Satan in Person. Wir müssen uns deshalb entscheiden: Entweder war (und ist) dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Man kann ihn als Geisteskranken einsperren, man kann ihn verachten oder als Dämon töten. Oder man kann ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber man kann ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht, diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen.

So stehen wir nun vor einer erschreckenden Alternative. Entweder war (und ist) dieser Mann, von dem wir reden, genau der, der er zu sein behauptete, oder er war ein Irrer, wenn nicht Schlimmeres. Nun scheint es mir allerdings klar, dass er weder ein Irrer noch ein Teufel war; das bedeutet dann aber, dass ich anerkennen muss, dass er Gott war und ist – auch wenn mir das seltsam oder furchterregend oder einfach unwahrscheinlich vorkommt. Gott ist in menschlicher Gestalt auf diese feindbesetzte Erde gekommen.“

Warum wir der Bibel vertrauen können 9: Die herausragende Ethik

Unbestritten ist die Bergpredigt ein Meisterwerk der Weltliteratur. Jesu Lehre über die Feindesliebe war und ist bis heute so revolutionär, dass selbst Angehörige anderer Religionen sich davon inspirieren und prägen ließen und sie als ultimativen Maßstab für moralisches Handeln sehen.

Unbestritten ist ebenso, dass es kein Regelwerk gibt, das eine vergleichbare Ausstrahlung auf die gesamte Menschheit hat wie die mosaischen 10 Gebote. Noch viele weitere biblische Passagen gelten im Bereich der Ethik bis heute als grundlegend:

  • Mit der Lehre, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, hat die Bibel die Grundlage für die individuelle, unveräußerliche Würde jedes Menschen gelegt. Rassismus und Diskriminierung sind mit der Bibel nicht vereinbar, weil alle Menschen gleichermaßen Geschöpfe Gottes sind.
  • „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ Dieser Ausspruch Jesu ist als die „goldene Regel“ berühmt geworden und gilt als ethischer Grundpfeiler.
  • Mit seiner Lehre über Vergebung (z.B. im Vater Unser) hat Jesus die Grundlage für Versöhnungsprozesse gelegt.
  • Jeus Lehre über praktizierte Nächstenliebe (z.B. im Gleichnis vom barmherzigen Samariter) legte die Grundlage für Diakonie und praktizierte Mitmenschlichkeit.
  • Die Fußwaschung ist bis heute DAS Zeichen, dass Leiter ihre Untergebenen nicht beherrschen sondern dienen sollen (weshalb wir heute Regierungs­mitglieder „Minister“ = „Diener“ nennen).
  • Selbst das alttestamentliche Prinzip von „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ erweist sich bei genauer Prüfung nicht als archaisches Faustrecht sondern als ein gewaltiger Fortschritt in der Rechtsgeschichte, weil hier das verbreitete Prinzip der Blutrache („Ich bringe Dich um, wenn Du mich schlägst“) durch eine Verhältnismäßigkeit von Vergehen und Strafe ersetzt wurde.

In seinem “Buch der Mitte” hat der indische Philosoph Vishal Mangalwadi eindrucksvoll nachgewiesen, dass die enormen Fortschritte in Technik, Wissenschaft, Wirtschaft, Demokratie bis hin zum Gesundheitswesen und den Frauenrechten in der westlichen Welt letztlich alle auf den Einfluss der Bibel zurückzuführen sind.

Trotzdem steht die Bibel heute im Verdacht, überkommene ethische Maßstäbe zu lehren, vor allem im Bereich der Sexualethik. Die Forderung, Sexualität ausschließlich im Rahmen einer Ehe zwischen Mann und Frau auszuleben und sich ein Leben lang treu zu bleiben gilt seit dem Siegeszug der „sexuellen Befreiung“ als veraltet. Moderne Sexualkunde propagiert vielmehr die gleichberechtigte Vielfalt unterschiedlichster Lebensentwürfe und Sexualpraktiken. Statt Jugendliche zu lebenslangen Treuepartnerschaften zu ermutigen gilt die „traditionelle“ Familie bestenfalls noch als ein Modell von vielen. Aber ist das gegenüber der biblischen Sexualethik wirklich ein Fortschritt?

Bekanntermaßen sind die Versuche der sog. „68iger“, die traditionelle Familie durch kommunitäre Strukturen zu ersetzen, kläglich und schmerzlich gescheitert. Experten machen im Rahmen der sog. Bindungsforschung immer lauter darauf aufmerksam, dass die Geborgenheit bei festen Bezugspersonen für eine gesunde Entwicklung eines Kindes absolut essenziell ist. Wenn Familien zerbrechen oder gar nicht erst entstehen hat das zwangsläufig massive Auswirkungen auf die nächste Generation.

Anfang der 1930er Jahre beschäftigte sich der Anthropologe und Ethnologe Joseph D. Unwin mit der Frage, welche Konsequenzen es hat, wenn eine Gesellschaft ihre moralischen Normen zugunsten von sexueller Freizügigkeit aufgibt. Die Ergebnisse seiner Analyse von 86 verschiedenen Gesellschaften überraschten ihn selbst: Unwin fand einen strikten Zusammenhang zwischen dem Maß an sexueller Regulierung und dem Grad an kultureller Entwicklung. Aufsteigende Kulturen waren demnach stets geprägt von vorehelicher Keuschheit und Monogamie. Nach Einführung von sexueller Freizügigkeit dauerte es nach seiner Beobachtung höchstens 3 Generationen, bis ein kultureller Abstieg folgte. Sollte sich das bestätigen wäre es nur ein weiteres Beispiel dafür, wie herausragend und heilsam die Ethik der Bibel in Wahrheit ist.

Das führt zu der Frage: Woher hat dieses uralte Buch nur all diese beeindruckenden Weisheiten für ein gelingendes Zusammenleben der Menschen? Woher hat es diese ungeheure Ausstrahlung, die bis heute die Welt weit mehr beeinflusst und mehr Menschen fasziniert als jedes andere Buch? Die weitaus schlüssigste Erklärung ist für mich: Dieses Buch stammt von dem, der uns als unser Schöpfer besser kennt als jeder Andere und der deshalb genau weiß, wie unser Zusammenleben am besten funktioniert. Wir tun gut daran, auf dieses Buch zu hören!

Warum wir der Bibel vertrauen können 10: Der göttliche Anspruch

Vertiefend zu diesem Thema:

Warum wir der Bibel vertrauen können 8: Das einzigartige Gottesbild

Keine Land hat mich je so fasziniert wie Israel. Aber traurig fand ich, dass viele Plätze, an denen Jesus gewirkt hatte, heute überbaut sind mit prächtigen Kirchen. Überall sieht man Marmor, Gold und Silber, so als ob die Kirchenbauer die Armut und Einfachheit Jesu im Nachhinein korrigieren und Jesus den Pomp, Glanz und Gloria verleihen wollten, der sich aus ihrer Sicht wohl gehört für einen König.

Ganz offensichtlich tun wir Menschen uns enorm schwer damit, wie Jesus war. Er hat die menschlichen Vorstellungen von einem Herrscher vollkommen auf den Kopf gestellt:

Das Bild, das Jesus von Gott zeichnete, war revolutionär. Niemand konnte sich Gott damals als einen Vater vorstellen, der uns Menschen trotz völligem Versagen voller Liebe entgegenrennt, bedingungslos vergibt und ein rauschendes Fest mit uns feiert (Lukas 15, 11-32).

Während Religion überall in der Welt bedeutet, dass Menschen die unterschiedlichsten Dinge tun müssen, um vor Gott bestehen zu können ist es beim Gott der Bibel genau umgekehrt: ER erniedrigt sich und tut am Kreuz selbst alles, damit wir vor Gott bestehen und in einer Liebesbeziehung mit ihm leben können!

Die große Frage ist: Wie ist dieses einzigartige Bild vom liebenden Vater-Gott sowie die Theologie vom stellvertretenden Sühnetod seines Sohnes und von der Erneuerung des menschlichen Herzens durch den Heiligen Geist entstanden? Wer hat das erfunden und warum?

Die Juden hatten ja etwas völlig Anderes erwartet, nämlich einen mächtigen Messias, der die Römer vertreibt. Als Jesus den von Gott verfluchten Tod am Kreuz starb war das für die führenden Juden der endgültige Beweis dafür, dass Jesus definitiv nicht der Messias sein konnte. Tatsächlich galt das Kreuz in der Antike als so entehrend, ekelerregend und abstoßend, dass es in der Urkirche nicht gezeigt wurde (es wurde erst im 5. Jahrhundert das Symbol der Christen). Und für die Griechen war die Idee eines sterbenden Gottes ohnehin absurd. Kein Wunder, dass Paulus schrieb, dass die Botschaft vom Kreuz in den Augen seiner Zeitgenossen ein Ärgernis und eine Torheit war!

Fakt ist: Wir finden weder zur Zeit Jesu noch davor vergleichbare theologische Ideen außerhalb der Bibel.* Die Lehre des Neuen Testaments scheint wahrhaft vom Himmel gefallen zu sein. Das legt nahe, dass dieses einzigartige Gottesbild tatsächlich kein Produkt menschlicher Phantasie ist, sondern dass es offenbart wurde von dem einen Gott, der allein weiß, wie und wer er wirklich ist.

Warum wir der Bibel vertrauen können 9: Die herausragende Ethik

*: Insbesondere der Mithraismus und die Sekte der Essener wurden gelegentlich als Vorläufer des Christentums gehandelt, weil es in ihren Lehren und Praktiken einige Parallelen gab, z.B. Riten mit Ähnlichkeiten zum Abendmahl und zur Taufe, Güterteilung oder Nächstenliebe. Die Unterschiede sind aber so gewaltig, dass sich solche Ansichten zurecht nie durchsetzen konnten. Insbesondere die oben angesprochenen zentralen Lehren des Christentums findet man auch bei diesen Glaubensrichtungen nicht. Kein Wunder, dass sie im Neuen Testament nirgends erwähnt werden.

Warum wir der Bibel vertrauen können 7: Das bestätigte Weltbild

Die Bibel macht 2 grundlegende Aussagen über die Welt:

  1. Die Welt wurde von Gott geschaffen.
  2. Schöpfer und Schöpfung sind vollständig verschieden und getrennt voneinander.

Diese beiden Aussagen ergeben sich schon aus dem Schöpfungsbericht, werden aber noch vielfach wiederholt und verstärkt, z.B. durch die häufigen Warnungen, keine Geschöpfe sondern den Schöpfer anzubeten. Damit setzt sich die Bibel ab von den weit verbreiteten animistischen und pantheistischen Vorstellungen, die v.a. im Hinduismus und vielen Naturreligionen eine große Rolle spielen und die uns lehren, dass Gott in der Natur zu finden sei. Dieses Weltbild blockiert naturwissenschaftliches Denken, weil es dazu verleitet, Naturphänomene als göttliches Wirken zu interpretieren (z.B. den Donner als Ausdruck des Zorns der Götter) statt nach den natürlichen Ursachen zu suchen.

Das Christentum hingegen war durch die Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung nach der Reformation wegbereitend für die Entstehung der modernen Naturwissenschaft. Pioniere der Naturwissenschaft wie Kepler, Kopernikus oder Newton waren überzeugt davon, dass die von Gott geschaffene Welt intelligenten Gesetzmäßigkeiten folgt. So sagte z.B. der tiefgläubige Isaac Newton, der als einer der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten gilt: „Die wunderbare Einrichtung und Harmonie des Weltalls kann nur nach dem Plan eines allwissenden und allmächtigen Wesens zustande gekommen sein.“ Was folgte war eine gigantische naturwissenschaftliche Erfolgsgeschichte, die das biblische Weltbild einer vom Schöpfer getrennten und somit nach natürlichen Gesetzmäßigkeiten funktionierenden Schöpfung ohne Zweifel voll bestätigt hat.

Der grandiose Erfolg hat die Wissenschaft dazu verleitet, noch einen Schritt weiter zu gehen und Gott nicht nur bei der Erklärung der Naturphänomene sondern auch bei der Frage nach der Entstehung der Natur außen vor zu lassen. Inzwischen haben wir mehr als 150 Jahre gottlose Ursprungsforschung hinter uns. Das Fazit ist eindeutig: Der Versuch, die Entstehung der Welt ohne Gott zu erklären ist ein grandioser Flop! Trotz intensivster Forschungen haben wir bis heute keinerlei schlüssige Erklärungen dafür, wie…

… die passgenauen Naturkonstanten zustande kamen, die das Universum und das Leben überhaupt erst ermöglichen.

… aus unbelebten Bausteinen lebende Zellen entstehen konnten, obwohl auch die einfachst denkbare Zelle so unfassbar komplex ist, dass unsere Forscher sie bis heute nicht wirklich verstehen geschweige denn im Labor herstellen können.

… das Leben sich immer höher entwickeln und mehrfach unabhängig voneinander so unglaublich komplexe Strukturen wie z.B. das Linsenauge hervorbringen konnte.

… es zu der überwältigenden und oft sinnlos verschwenderischen Schönheit in der Natur gekommen ist.

… Geist und Bewusstsein entstehen konnte, so dass Menschen heute über Gott und die Welt nachdenken können.

Der 2. thermodynamische Hauptsatz beweist, was wir im Alltag permanent erleben: Ohne gezieltes Eingreifen wächst das Chaos, nicht die Ordnung. Die Informatik hat bestätigt, dass codierte Informationen, wie wir sie z.B. in der DNA vorfinden, immer zwangsläufig auf einen intelligenten Informationsgeber hinweisen. Die euphorische Hoffnung vom Anfang des 20. Jahrhunderts, dass man bald alles ohne Gott erklären kann, ist deshalb in der Wissenschaft längst verflogen. Vielmehr müssen wir anerkennen: Die neuen Erkenntnisse haben zwar einige Antworten aber noch viel mehr neue Fragen hervorgebracht. Die Idee, dass die Welt ohne Einfluss einer höheren Intelligenz hätte entstehen können, ist heute noch viel abstruser als vor 150 Jahren.

Würden wir der Bibel vertrauen hätten wir das schon längst wissen können. So schrieb z.B. Paulus: „Seit Erschaffung der Welt haben die Menschen die Erde und den Himmel und alles gesehen, was Gott erschaffen hat, und können daran ihn, den unsichtbaren Gott, in seiner ewigen Macht und seinem göttlichen Wesen klar erkennen. Deshalb haben sie keine Entschuldigung dafür, von Gott nichts gewusst zu haben.“ (Römer 1, 20)

Noch nie wussten wir so gut wie heute, dass Paulus recht hat: Die Schöpfung beweist, dass es einen Schöpfer gibt. In ihr ist nicht Gott, aber sehr wohl seine Weisheit zu finden. Dieses zutreffende Weltbild spricht einmal mehr dafür, dass die Bibel inspiriert wurde von dem, der die ganze Welt geschaffen hat und deshalb nun einmal auch am besten weiß, woher sie kommt und wie sie funktioniert.

Warum wir der Bibel vertrauen können 8: Das einzigartige Gottesbild

Vertiefend zu diesem Artikel:

Warum wir der Bibel vertrauen können 6: Das realistische Menschenbild

Es gibt eine Frage, die die Philosophen seit Jahrtausenden umtreibt und die bis heute nicht geklärt ist: Warum sind Menschen böse? Auf diese Frage gibt es im Prinzip 2 mögliche Antworten:

  1. Die Menschen tragen in ihrem Kern etwas Böses, das unabhängig von den Umständen immer wieder die Oberhand gewinnt.
  2. Die Menschen sind im Kern eigentlich gut, nur die widrigen Umstände können sie böse machen.

Weit populärer ist natürlich die 2. These. Kein Politiker dürfte äußern, dass Menschen im Kern böse sind. Auch in Kirchen hört man das kaum noch. Stattdessen hat es immer wieder Versuche gegeben, Gesellschaften von Machtstrukturen und ungleicher Besitzverteilung zu befreien, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Damit wurde die Hoffnung verbunden, dass es dann keine Gewalt mehr gibt. Der Kommunismus ist das populärste Beispiel für diesen Traum. Jedoch sind solche Versuche bislang allesamt kläglich gescheitert. Alle Hoffnungen auf ein kommunistisches Paradies haben sich zerschlagen.

Bibelleser überrascht das nicht. Denn die Bibel macht durchgängig deutlich, dass die Menschen in ihrem Kern etwas Böses in sich tragen, das nicht einfach dadurch verschwindet, dass man sie gut behandelt. Schon ganz zu Beginn in 1. Mose 8, 21 sagt die Bibel, dass die Gedanken und Taten der Menschen von Kindheit an böse sind. In Römer 3, 12 sagt Paulus, dass es keinen einzigen Menschen gibt, der gut ist. In Römer 7, 14-24 schildert er, dass das Böse auch in seinem eigenen Leben spürbar stärker ist als sein Wunsch, Gutes zu tun. Daran kann der Mensch aus sich selbst heraus auch nichts Wesentliches ändern.

Die Weltgeschichte belegt durchgängig, dass diese Sicht des Menschen äußerst realistisch ist. Der Kapitalismus hat sich weitgehend durchgesetzt. Er funktioniert, weil er im Kern auf den Egoismus des Menschen setzt, der ihn antreibt, etwas für sich selbst zu erreichen. Offenbar bringen Menschen auf Dauer nur dann Leistung, wenn sie selbst davon profitieren, nicht aber wenn sie nur für die Allgemeinheit etwas Gutes tun sollen.

Der menschliche Egoismus wird auch durch die Erfahrung belegt, dass in rein kapitalistischen Systemen die Unternehmer ihre Arbeiter rücksichtslos ausbeuten, wie es aktuell z.B. in der Textilindustrie in Entwicklungsländern wieder zu beobachten ist. Gut, dass wir in Deutschland mittlerweile eine umfangreiche Sozialgesetzgebung und Gewerkschaften eingeführt haben,
um die Unternehmer zu zwingen, nicht nur in die eigene Tasche zu wirtschaften!

Aber auch bei den politischen Systemen zeigt sich, dass das biblische Menschenbild zutrifft: Eigentlich wäre eine Monarchie mit einem guten und weisen Herrscher wesentlich effizienter als eine träge Demokratie. Jedoch erweist sich die Demokratie deshalb als das wesentlich bessere Modell, weil Machthaber kontrolliert werden müssen. Im Zweifelsfall muss es möglich sein, sie abzusetzen. Die Geschichte hat bewiesen, dass sie sonst schnell zu selbstgefälligen Ignoranten werden, die das Volk ausbeuten. Den guten König, der einfach nur das Beste für sein Volk will und ein Diener der Menschen ist, gibt es offensichtlich nur im Märchen.

All das zeigt: Auch wenn es uns nicht gefällt hat sich das biblische Menschenbild vielfach voll bestätigt. Und wir tun gut daran, eine entsprechend realistische Politik zu fördern, die das Böse im Menschen berücksichtigt anstatt auf ein unrealistisches Gutmenschentum zu setzen.

Auch bei diesem Thema zeigt sich: Die Bibel schmiert uns keinen Honig ums Maul. Ihre Ehrlichkeit und ihr Realismus ist bestechend. Auch das ist ein klarer Hinweis dafür, dass die Bibel von Gott inspiriert sein muss. Denn wer kennt uns Menschen besser als der, der uns geschaffen hat?

Warum wir der Bibel vertrauen können 7: Das bestätigte Weltbild

Vertiefend zu diesem Thema: