Vom Pferd gefallen

Von der Kunst, Fehlentwicklungen offen anzusprechen und sich zugleich ein weites Herz zu bewahren

Eins der schockierendsten Bücher, das ich je gelesen habe, war der Bericht über die Verfolgung der Täuferbewegung im 16. und 17. Jahrhundert. Was um alles in der Welt hat so phantastische Gottesmänner wie Martin Luther nur geritten, die grausame Ermordung von täuferisch gesinnten Glaubensgeschwistern samt der furchtbaren Vertreibungs- und Säuberungswellen mit zu unterstützen?

Leider ist dieses Drama kein Einzelfall. In der Kirchengeschichte gab es immer wieder theologisch hochkompetente Nachfolger Jesu, die gute und fruchtbringende geistliche Bewegungen bekämpft haben. Ganz offensichtlich ist es gar nicht so einfach, auf keiner der zwei folgenden Seiten vom Pferd zu fallen:

Die eine Seite des Pferdes: Einheit auf Kosten der Wahrheit

Für Paulus war absolut klar: Es gibt nur ein wahres Evangelium. Schon eine scheinbare Kleinigkeit wie die Ergänzung der Gnade Gottes durch die Beschneidung brachte ihn dazu, den ganzen bisherigen Gemeindeaufbau in Galatien komplett in Frage zu stellen (Gal.4,19). Zwar passt es gut zur Postmoderne, alle Sichtweisen gleichberechtigt nebeneinander stehen zu lassen. Mit dem Neuen Testament ist diese Sichtweise jedoch in keinster Weise vereinbar. Schließlich sind einige der neutestamentlichen Briefe regelrechte Streitschriften gegen falsche Lehren und Lehrer. Einheit auf Kosten der Wahrheit kam für die Apostel nicht in Frage, denn sie führt auf Dauer erst recht zu Spaltung. Das muss ich in meiner evangelischen Kirche gerade jetzt wieder schmerzlich erleben.

Die andere Seite des Pferdes: Falsche Mauern aus menschlicher Erkenntnis

Bei bestimmten Fragen konnte Paulus aber ziemlich flexibel sein. Er war bereit, sich um des Evangeliums willen der Kultur seiner Zielgruppe vollständig anzupassen (1.Kor.9,20ff.). Bei der Frage nach der Einhaltung von Feiertagen (Römer 14,5-6) oder dem Essen von Opferfleisch (1.Kor.10,23ff.) war es ihm wichtiger, das individuelle Gewissen zu beachten statt ein universelles Dogma aufzurichten. Auch Jesus hat zwar die Einhaltung der Gebote eingefordert, andererseits aber auch das Wohl von Menschen über die sklavische Einhaltung von Gesetzen gestellt (z.B. bei der Frage der Einhaltung des Sabbats Mark.2,27). Wer bei solchen Themen immer nur penibel statt flexibel ist richtet Mauern auf, die nicht im Sinne der Bibel sind und zerstört ebenfalls die Einheit der Kirche Jesu.

Die 1-Million-Euro-Frage

Es ist also wie so oft: Man kann auf 2 Seiten vom Pferd fallen! Das führt uns direkt zur großen 1-Million-Euro-Frage: Bei welchen Themen müssen wir denn nun unbedingt auf der richtigen Lehre bestehen? Und wo dürfen bzw. müssen wir flexibel und weitherzig sein, um die Einheit der Kirche trotz Lehrdifferenzen nicht unnötig zu beschädigen?

Die 1. Antwort: Christus

Viele würden jetzt antworten: Der unaufgebbare Kern des Christentums, auf den wir unbedingt bestehen müssen, ist keine Lehre sondern eine Person: Jesus Christus! Und tatsächlich finden sich im Neuen Testament Hinweise, die diese Antwort bestätigen. In 2. Timotheus 2, 22 ermahnt uns Paulus zum Frieden mit allen, „die mit aufrichtigen Herzen den Herrn anrufen.“ Und in Epheser 6, 24 wünscht er Gottes Gnade „allen, die Jesus lieb haben“. Paulus orientiert sich hier also bei der Frage, wer alles zur Gemeinschaft der Christen gehört, nicht an bestimmten zu bejahenden Dogmen. Vielmehr war für ihn die authentische Liebesbeziehung zu Jesus ein zentrales Kriterium. Ohne Liebe war für ihn sowieso jede Lehre wertlos (1.Kor.13). Auch für Jesus war die Liebe zu Gott das entscheidende Gebot (Mk.12,30). Wir lernen daraus: Auch Bibeltreue können auf dem falschen Dampfer sein, wenn sie zwar die richtigen Dogmen vertreten, aber die Liebe zu Jesus fehlt (Offb.2,4)!

So weit, so gut. In der gelebten Praxis reicht diese 1. Antwort aber nicht. Denn die Frage ist ja: Welchen Jesus meinen wir? Den Christus der Urchristen? Oder den „historischen Jesus“ einiger moderner Bibelwissenschaftler? Die Christusbilder, die in der christlich/kirchlichen Landschaft umherschwirren, haben zum Teil nur noch wenig miteinander zu tun. Damit Jesus das einende Band der Kirche sein kann muss man schon definieren, welchen Jesus man meint. Wir kommen daher bei der Beantwortung der 1-Million-Euro-Frage um Lehrfragen nicht herum. Und deshalb brauchen wir…

Die 2. Antwort: Die Autorität der Schrift

Allein durch die Schrift wissen wir, wer und wie Jesus ist. Nur wenn wir der Bibel Autorität einräumen bleibt gewährleistet, dass wir einigermaßen über das Gleiche reden, wenn wir von Jesus Christus sprechen. Entsprechend galt für die Reformatoren: Die Schrift soll die „Königin“, also die oberste Wahrheitsinstanz sein, über die sich nichts und niemand stellen kann. Sola scriptura heißt: Nur die Schrift soll die Schrift auslegen. Nur mit der Schrift kann verbindlich theologisch argumentiert werden. Und in allen entscheidenden Lehrfragen ist die Bibel so eindeutig und klar, dass Jeder, der sie demütig und hörend liest, ihre Botschaft verstehen kann.

Mit diesem Grundsatz entstand einerseits ein Schutz vor einem Zuviel an Dogmatik und vor der menschlichen Tendenz, die Bibel um zusätzliche Lehren ergänzen zu wollen. Das hatten ja schon die Pharisäer zu biblischen Zeiten praktiziert. Und bis heute tappen die kirchlichen Eliten immer wieder in diese Falle.

Zum Anderen entstand ein verbindliches gemeinsames Fundament, auf dessen Basis man sich zwar streiten, auseinandersetzen und um die Wahrheit ringen kann, das aber trotzdem der weltweiten Kirche Jesu bis heute ein solides gemeinsames Fundament verleiht – sofern die Bibel denn ernst genommen und respektiert wird.

Zwischenfazit

Somit haben wir eine doppelte Antwort auf die 1-Million-Euro-Frage: Die Liebe zu Christus muss die Mitte sein. Und die Autorität der Schrift muss anerkannt werden, um nicht in die Beliebigkeit zu rutschen.

Aber auch damit ist die 1-Million-Euro-Frage noch nicht komplett beantwortet. Denn die Frage bleibt ja: In welchen Lehren ist die Bibel denn nun eindeutig und klar? Und wo ist sie das nicht? Bei welchen Lehrdifferenzen muss man sich von einem christlichen Lehrer oder einer Bewegung distanzieren? Und welche Lehrdifferenzen sollten Christen fröhlich aushalten können, ohne sich voneinander trennen zu lassen?

6 Prinzipien für die Prüfung von Lehren und Bewegungen

Es würde Bücher füllen, wenn wir jetzt alle einzelnen Lehrunterschiede diskutieren würden, die einige Christen für fundamental und andere für verschmerzbar halten. Statt einer Einzeldiskussion will ich 6 Prinzipien nennen, die wir bei der Prüfung von Lehren und Bewegungen ganz grundsätzlich immer beachten müssen:

1. Niemals Fehlerfreiheit erwarten!

Zuerst müssen wir uns bewusst machen: NIEMAND hat eine vollkommen richtige und ausgewogene Theologie – auch wir selbst nicht. “Bildet euch nicht ein, alles zu wissen” ermahnte uns Paulus (Röm.12,16). Eine gewisse Weite in der Beurteilung anderer Christen ist deshalb zwingend erforderlich. Wir alle leben davon, dass Gott uns gegenüber diese Weite hat und gnädig mit uns umgeht! Paulus sagte deshalb auch nicht: Prüft alles – und wo ihr etwas Schlechtes findet verwerft alles, was aus dieser Richtung kommt. Vielmehr sagte er gelassen: „Prüft alles und behaltet das Gute“ (1.Thess.5,21).

2. Hochmut und Geistlosigkeit tötet

Wer sich im Dienst der Unterscheidung betätigen will braucht dazu den Heiligen Geist! Denn lieb- und geistlose Buchstabenwahrheit verursacht nicht nur Blähungen (1.Kor.8,1), sie wirkt geradezu tödlich (2.Kor.3,6). Tatsächlich verbirgt sich hinter Manchem, was sich die Reinhaltung der rechten Lehre auf die Fahne geschrieben hat, in Wahrheit Hochmut, Machtmissbrauch, Manipulation und Selbstbeweihräucherung. Man fühlt sich halt gut, wenn man im Gegensatz zu anderen die Wahrheit kennt. Das verschafft eine falsche Befriedigung und eine Scheinidentität, die auf Abgrenzung statt auf geistlicher Vollmacht beruht. Mit einer solchen falschen Motivation bringen sogar die theologisch korrektesten Worte Verwüstung statt Heilung. C.H. Spurgeon hat das so ausgedrückt: „Wenn der Geist Gottes fehlt, wird sogar die Wahrheit zum Eisberg.“ Das starke Wachstum der sogenannten „Postevangelikalen“ geht nach meinem Eindruck sehr wesentlich auf genau dieses Problem zurück. Wenn wir Konservativen das nicht abstellen sind wir selbst schuld am Exodus aus unseren Kreisen.

3. Durchgängigkeit des biblischen Zeugnisses

Mit einzelnen Bibelstellen kann man auch die schrägsten Lehren zusammen zimmern. Wenn aber die Bibel durchgängig immer nur in eine Richtung weist (wie z.B. bei der Frage nach der Bewertung von praktizierter Homosexualität), dann können wir unmöglich in eine andere Richtung zeigen. Wenn die Bibel aber in verschiedenen Passagen zu einem Thema unterschiedliche Akzente setzt (wie z.B. bei der Frage nach der Rolle von Frauen beim Predigen und Leiten) dann könnte es sein, dass auch wir bei diesem Thema unbedingt flexibel sein sollten.

4. Verwurzelung in Tradition und Bekenntnis

Bekenntnisse sind dazu da, uns Orientierung zu geben und uns einzugliedern in die große Auslegungsgemeinschaft der weltweiten und historischen Kirche. Wenn es Streitereien um die richtige Auslegung der Bibel gibt, dann hat für mich zunächst einmal die Seite mehr Glaubwürdigkeit, die bislang von der großen Mehrheit der weltweiten und historischen Theologen geteilt wurde. Wenn aber ein Lehrer oder eine Bewegung meint, etwas vollkommen Neues erkannt zu haben, dann sollten wir zurecht skeptisch sein.

5. Das Kriterium der Frucht

Jesus hat gelehrt: Einen guten Baum erkennt man nicht an der Form sondern an der Frucht (Mt.12,33). Das Problem ist: Man kann nicht immer sofort sehen, welche Frucht ein Baum hervorbringt. Dafür braucht es Zeit. Ich frage mich, wie ich wohl die Pfingstbewegung in ihren wilden, teils überdrehten und theologisch schrägen Anfangszeiten beurteilt hätte? Viele gute Leute haben sie damals abgelehnt oder sogar bekämpft. Heute sehen wir, dass diese Bewegung weltweit eine phantastisch gute Frucht für das Reich Gottes bringt. Wo würde die Kirche in Deutschland heute wohl stehen, wenn die Geschwister von 1909 die Fehlentwicklungen der ersten Zeit zwar klar kritisiert aber nicht gleich die gesamte Bewegung vollständig verurteilt hätten? Wie viele Menschen sind für immer verloren gegangen wegen der daraus resultierenden tiefen Spaltung der Kirche?

6. Statt Richten lieber öfter mal die Klappe halten

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Mt.7,1) „Mit welchem Maß ihr messt, werdet ihr gemessen werden.“ (Mk.4,24) Drastischer kann man nicht davor warnen, dass wir uns nicht an Gottes Stelle setzen und uns nicht zum Richter aufspielen sollen. Dazu passt die biblische Aufforderung, dass nicht zu viele Leute lehren sollten, weil sie von Gott besonders streng beurteilt werden (Jak.3,1). Mit anderen Worten: Wer sich im Dienst der Unterscheidung betätigt trägt eine riesige Verantwortung. Solange wir uns über etwas nicht ganz sicher sind, sollten wir doch lieber die Klappe halten!

Das gilt ganz besonders, wenn wir unseren Unterscheidungsdienst auf die folgenden fragwürdigen Prüfungskriterien stützen:

Vorsicht Falle: 6 fragwürdige Prüfungskriterien

Ich habe mich schon durch einige Bücher gekämpft, in denen vor Irrlehren und Irrlehrern gewarnt wurde. Einige dieser Bücher fand ich sehr wertvoll und unbedingt notwendig. In anderen jedoch ist mir immer wieder aufgefallen, dass fragwürdige Urteile auf der Basis folgender fragwürdiger Prüfungskriterien aufgestellt wurden:

1. Formen: Erinnern Sie sich noch an die Diskussionen, ob ein Schlagzeug dämonische Kräfte freisetzen kann? Heute höre ich immer wieder, moderne Lobpreislieder seien oberflächlich. Ich staune zugleich, wie teilnahmslos und distanziert einige dieser Leute die alten Choräle in ihren schrumpfenden Gemeinden heruntersingen. Was sie wohl über Davids verrückten Tanz vor der Bundeslade gesagt hätten? Mir scheint, die Strafe der Unfruchtbarkeit (2.Sam.6,23) trifft auch heute noch Christen, die Andere aufgrund ungewohnter Formen vorschnell verurteilen.

2. Gefühle werden zurecht oft kritisiert, weil sie niemals ein tragfähiges Fundament für unseren Glauben bilden können. Aber meine Bibel sprüht trotzdem vor Emotionen! Also Vorsicht: Eine emotionsgeladene Veranstaltung ist noch lange nicht einseitig emotional. Mein Eindruck ist, dass wir in Deutschland immer noch viel mehr an einem verkopften Christentum leiden, dem es an Herz, Leidenschaft und Liebe mangelt.

3. Überinterpretierte Einzelzitate: Wer von uns hat nicht irgendwann mal Blödsinn verzapft? Wer nur lange genug sucht, kann bei Jedem ein Zitat finden, mit dem man ihn öffentlich bloßstellen kann. Deshalb habe ich es mir abgewöhnt, mir aufgrund von ein paar Zitaten ein Urteil über jemand zu bilden.

4. Falscher Beifall: Noch schlimmer ist die Praxis, jemand zu verurteilen, weil er mal einen Irrlehrer zitiert hat oder von zweifelhaften Leuten Beifall bekommen hat. Nichts wird allein dadurch falsch, dass falsche Leute es gesagt haben oder Beifall klatschen.

5. Unterschiedliche Begriffsfüllung: Kommunikation ist oft eine schwierige Sache, weil wir Begriffe auf Basis unserer Prägung und Erfahrung ganz unterschiedlich füllen und mit ganz verschiedenen Emotionen verknüpfen. Um wirklich zu verstehen, wie Andere ticken und wie ihre Äußerungen gemeint sind, sollte man deshalb unbedingt mal die eigene Blase verlassen, bevor man urteilt.

6. Unterstellungen und Einseitigkeit: Die Versuchung ist so groß: Da hat man ein paar Puzzleteile, die in ein vorgefertigtes Bild passen. Dann ergänzt man einfach schnell die fehlenden Teile mit ein paar Unterstellungen, Übertreibungen oder mit dem Verschweigen anderer Puzzleteile, die nicht in unser Bild passen – und fertig ist das Bild vom Irrlehrer, auf das man genüsslich eindreschen kann.

Ich habe all das wohlgemerkt nicht nur einmal gesehen und erlebt. Darum gilt: Wer andere prüft, der prüfe auch sich selbst, und zwar regelmäßig – am besten mit Hilfe von denen, über die man spricht. Wenn ich mich vor dem direkten Gespräch mit denen fürchte, über die ich spreche, dann wäre das für mich ein klares Signal, dass meine Argumente vermutlich zu dünn und/oder meine Motivationen fragwürdig sind.

In den Sattel steigen statt auf die Anderen zeigen

In vielen Diskussionen begegnet mir immer wieder das gleiche Phänomen: Die Leute, die auf der einen Seite vom Pferd gefallen sind zeigen auf die, die auf der einen Seite unten liegen. Anhänger von „Einheit um jeden Preis“ zeigen auf die geistlosen Irrlehrenjäger und umgekehrt. Ist ja auch viel bequemer, liegen zu bleiben und sich dabei mit dem Irrtum der Anderen zu rechtfertigen, statt sich selbst zu hinterfragen.

Ich will es deshalb noch einmal in aller Deutlichkeit sagen: Bei aller hier dargestellten gebotenen Vorsicht ist das Verschweigen von Irrlehre absolut keine Alternative. Wir versündigen uns an den Schwachen, die dringend Orientierung brauchen, wenn wir das Feld den lautstarken Irrlehren und Irrlehrern überlassen. Den Irrtum einer Person zu benennen heißt ja nicht unbedingt, die Person selbst abzulehnen sondern zunächst einmal nur, eine notwendige Debatte anzustoßen. Petrus hat Paulus offenbar verziehen (2.Petr.3,15), nachdem Paulus öffentlich und namentlich seinen Irrtum angesprochen hatte (Gal.2,11ff.). Genauso sollten auch wir uns nicht daran stören, wenn Andere einen Lehrunterschied klar und deutlich benennen und ihre Meinung aus der Schrift heraus begründen. Unsere Kritiker sind oft die besten Berater, die wir haben. Gute, geschwisterliche, gerne auch kantige Auseinandersetzungen auf Basis der Schrift sind etwas, was wir heute wieder dringend brauchen. Die Reformation hätte es nicht gegeben, wenn die Nachfolger Jesu solchen Auseinandersetzungen aus dem Weg gegangen wären.

Damit die fromme Landschaft aber nicht in zahllose kleine Papsttümer zerfällt müssen wir dabei unbedingt unser demütiges, liebevolles und geisterfülltes Herz bewahren. Niemals dürfen wir vergessen, wie beschränkt und fehlerhaft wir selber sind. Wer den schwierigen aber wichtigen Dienst der Unterscheidung übernimmt sollte zugleich immer mit einstimmen in das sehnsüchtige Gebet Jesu, dass seine Nachfolger eins sein sollen wie er und der Vater eins sind, damit die Welt erkennt, dass er vom Vater gesandt worden ist (Joh. 17, 20-24).

Lasst uns um der Einheit der Kirche willen endlich dieses Pferd besteigen und mit Gottes Hilfe fest im Sattel sitzen bleiben!

Siehe dazu auch:

 

49 Die Kirche hat den Auftrag, um ihre Einheit zu kämpfen!

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1. Korinther 1, 10: „Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, … lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in “einem” Sinn und in “einer” Meinung.“
Epheser 4, 3-4: „Bemüht euch, im Geist eins zu sein, indem ihr untereinander Frieden haltet. Ihr sollt alle gemeinsam ein Leib sein und einen Geist haben, weil ihr alle zu einer Hoffnung berufen seid.“ 

Das Thema Einheit ist DAS große Kampffeld der Christenheit! Erfreulicherweise gibt es Mut machende Signale: Nach 500 Jahren schlimmer Verfolgung haben die Lutheraner die Täuferbewegungen um Vergebung und Versöhnung gebeten. 100 Jahre nach der Berliner Erklärung haben Pfingstler und ihre Gegner den Konflikt offiziell beendet. Sehr bewegend war für mich, wie sich 1991 Evangelikale und Charismatiker gegenseitig für ihre Vorurteile um Vergebung gebeten haben. Ähnliches durfte ich 2015 in Augsburg auf der MEHR-Konferenz zwischen protestantischen und katholischen Christen miterleben.

All das ist sehr erfreulich. Aber am Ziel sind wir noch lange nicht! Vor Ort besteht oft immer noch große Distanz zwischen Christen, Gemeinden und Gruppen mit unterschiedlicher Prägung, nicht zuletzt auch zwischen Landes- und Freikirchlern. Viel zu viele Christen können ein trauriges Lied davon singen, wie viel Streit, Konflikte, Misstrauen, Intrigen und Spaltungen es noch immer gibt.

Einheit fällt uns nicht einfach in den Schoss. Im Gegenteil: Auf dem Weg zur Einheit sind viele schwerwiegende Hindernisse und Widerstände zu überwinden. Manche davon beschäftigen die Kirche schon seit ihrer Entstehung. Und trotzdem bin ich felsenfest davon überzeugt, dass die Kirche Jesu eines Tages eine große Einheit erleben wird! Warum? Ganz einfach: Jesus selbst hat intensiv für diese Einheit gebetet! Und will hier etwa irgendjemand behaupten, dass ein Gebet, das Gott höchstpersönlich gesprochen hat, nicht erhört wird??? Eben.

Wir sollten uns deshalb nicht durch Negativerfahrungen einschüchtern lassen sondern der Aufforderung von Paulus folgen, uns ernsthaft und mit aller Kraft um Einheit zu bemühen, indem wir Christus in die Mitte rücken, Herzensbeziehungen bauen, Raum für Vielfalt geben und uns auf unser gemeinsames biblisches Fundament besinnen. Jesus feuert uns an: „Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ Und David motiviert uns mit Gottes großem Versprechen: „Seht, wie schön und angenehm es ist, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Wo dies geschieht, hat der Herr seinen Segen versprochen – Leben, das niemals enden wird!“

Die Artikelserie zur 49. These: Umkämpfte Einheit – Ein Frontbericht vom größten Kampfplatz des Christentums

53 Ohne Einheit ist die Kirche handlungsunfähig!

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Römer 12, 5: „Wir sind alle Teile seines einen Leibes, und jeder von uns hat eine andere Aufgabe zu erfüllen. Und da wir alle in Christus ein Leib sind, gehören wir zueinander, und jeder Einzelne ist auf alle anderen angewiesen.“

Jeder Mensch und jede Gemeinschaft hat Stärken und Schwächen. Niemand kann alles leisten! Kaum eine Gemeinde kann für alle Zielgruppen passende Angebote entwickeln und alle Dienste abdecken, die für ein nachhaltiges Wachstum gebraucht werden. Während z.B. die eine Gemeinde eine vitale Jugendarbeit hervorbringt ist die andere in der Seelsorge stark.

Entsprechend beschreibt die Bibel die Christen eines Hauskreises, einer Gemeinde, einer Firma, einer Schule, einer Stadt, einer Region als einen Leib, der aus unterschiedlichen Gliedern besteht, die nur im harmonischen Zusammenspiel miteinander handlungsfähig sind.

Ob es uns gefällt oder nicht: Wir brauchen einander! Als vielfältig geprägte und begabte Christen, Gruppen und Gemeinden sind wir allesamt auf gegenseitige Ergänzung und Unterstützung unbedingt angewiesen. Solange diese Einheit und Zusammenarbeit fehlt ist es kein Wunder, dass die Kirche kraft- und erfolglos ist. Zumal Jesus klar gemacht hat, dass die Einheit der Kirche auch die Grundlage für die Glaubwürdigkeit ihrer Botschaft ist (Joh. 17, 21). Logisch: Ohne Einheit ist es kein Wunder, wenn uns kein Mensch abkauft, dass wir Christen einem Gott der Liebe und Versöhnung folgen.

Einheit ist deshalb die grundlegende Voraussetzung dafür, dass die Kirche effizient arbeiten und etwas bewegen kann. Solange uns tiefe Gräben voneinander trennen, solange Jeder nur sein eigenes Ding dreht, solange jede Gruppe und jeder Kreis sich selbst genug ist und solange jede Gemeinde nur im eigenen Saft schmort werden wir als Kirche Jesu niemals gesellschaftsrelevant sondern immer nur harmlose Außenseiter bleiben.

Kein Wunder, dass Jesus so intensiv um Einheit gebetet hat. Die Einheit der Kirche ist eben keine Träumerei von besonders harmoniesüchtigen Christen sondern ein strategisch entscheidender Meilenstein auf dem Weg zur Umsetzung des Missionsbefehls.

54 Einheit scheitert in erster Linie an unseren menschlichen Schwächen

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Kolosser 3, 13+14„Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst. Das Wichtigste aber ist die Liebe. Sie ist das Band, das uns alle in vollkommener Einheit verbindet.“

Einheit scheitert oft gar nicht an unterschiedlichen theologischen Auffassungen, am unterschiedlichen Musikgeschmack oder an verschiedenen Meinungen zum Gemeindebau. Die wahren Gründe liegen oft tiefer. Einheit scheitert meist an unseren menschlichen Schwächen, an unserem Selbstwertmangel und an unserem Stolz.

Das Problem ist: Mit schwachem Selbstwertgefühl werden auch die ganz normalen zwischenmenschlichen Versäumnisse und Missverständnisse zum Problem. Dann kann schon eine kleine falsche Bemerkung genügen, um uns wütend zu machen oder uns in unser Schneckenhaus zu treiben. Die Befindlichkeiten von Menschen mit ramponiertem Selbstwertgefühl können die Einheit einer Gruppe oder Gemeinde deshalb sehr auf die Probe stellen.

Das gleiche gilt für stolze und überhebliche Menschen. Was Viele nicht wissen: Stolz und Selbstwertmangel sind oft Kehrseiten von ein und derselben Medaille! Wir Menschen kompensieren unseren brüchigen Selbstwert oft durch dominantes Auftreten, Besserwisserei, Überlegenheitsgefühle, stolz-medaillenegatives Reden oder Verachtung Anderer.

Wenn wir solche Tendenzen an uns entdecken ist es höchste Zeit, umzukehren und zu Jesus zu gehen. ER ist die Wertschätzungs-Quelle, die wir brauchen, um eine stabile Identität und einen gesunden Selbstwert zu entwickeln und dadurch wahrhaft einheitsfähig zu werden.

Und wir dürfen niemals vergessen: Wir leben ALLE davon, dass unser Gott unendlich viel Geduld mit uns hat, uns immer wieder vergibt und uns selbst dann treu bleibt, wenn wir untreu sind. Als Kirche müssen wir lernen, genauso mit unseren Mitchristen umzugehen, damit trotz aller Schwächen und Fehler Gemeinschaften wachsen können, die geprägt sind von Einheit und der Liebe, Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

Der Artikel zur 54. These: Umkämpfte Einheit (4): Stolz-Riesen und Selbstwertzwerge

55 Ohne gemeinsames biblisches Fundament fällt die Kirche auseinander

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2. Thessalonicher 2, 15: „So steht nun fest, liebe Brüder, und haltet euch an die Lehre, in der ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.“

Die Gründer dkaninchen-mit-karottees Kaninchenzüchtervereins hatten in die Satzung geschrieben: „Vereinsmitglied darf jeder werden, der Kaninchen in Ställen züchtet.“ Um die beste Züchtungsmethode gab es aber immer wieder Diskussionen. Immer mehr Vereine entstanden. Das Kaninchenzüchten breitete sich aus.

In der 2. Generation sagten Einige: „Unsere Vereinsgründer waren biologisch noch nicht so bewandert wie wir. Kaninchen sollten nicht im Stall sondern in Freigehegen gehalten werden!“ Bald schon gab es in jedem Verein 2 Lager mit Stall- und Freigehegefans.

In der 3. Generation sagten Einige: „Das Wort Kaninchen war früher doch nur ein Symbol für Kleintiere aller Art!“ Jetzt tummelten sich auf den Vereinsanlagen alle möglichen Tiere. Jeder durfte nach seiner Facon züchten was er wollte und wie er es wollte. Da jetzt Alle ihr eigenes Ding machten lebte man in den Vereinen nur noch lose nebeneinander her.

In der 4. Generation sagten Einige: „Die wahre Triebkraft unserer Gründerväter war im tieferen Sinn ja die Liebe zum Kaninchen. Inzwischen wissen wir: Es ist total lieblos, Kaninchen einzusperren! Wer wirklich im Geist unserer Gründer handeln möchte muss die Tiere in freier Wildbahn schützen statt Ställe und Gehege zu bauen!“ Jetzt brach offener Streit auf. Die neuen Käfiggegner schauten verächtlich auf die herab, die die Vereinssatzung immer noch wortwörtlich interpretieren wollten. Bald schon begannen sie, Unterschriften zu sammeln gegen diese rückständigen Tierquäler.

Außenstehende, die wissen wollten, worum es eigentlich in einem Kaninchenzüchterverein geht, bekamen jetzt vollkommen gegensätzliche Antworten zu hören. Kein Wunder, dass sie lieber in Vereine gingen wo man sich über Inhalt und Ziel noch halbwegs einig war. Außer den berufsoptimistischen Vereinsleitern glaubten immer weniger Kaninchenfreunde daran, dass es noch eine 5. Generation geben würde…

Die Kirche ist in der 4. Generation” angelangt. Christen starten öffentliche Petitionen gegen ihre Mitchristen. So fällt die Kirche auseinander.

Allerhöchste Zeit umzukehren und sich wieder um das zu sammeln, was uns unsere „Gründungsväter“, die Evangelisten und Apostel, in unsere Satzung, die Bibel, hineingeschrieben haben!