Warum Gebet und Genuss zusammengehört…

…und warum “In meinem Herzen Feuer” viel mehr ist als einfach nur ein weiteres Buch zum Thema Gebet

Ich habe schon einige Bücher über Gebet gelesen. Sie waren alle sehr überzeugend und hinterließen in mir das (leider wenig nachhaltige) Gefühl: JA, DU SOLLTEST mehr beten! Das neue Buch von Dr. Johannes Hartl hat in mir hingegen eher das Gefühl hinterlassen: JA, DU DARFST mehr beten! Du darfst Dich auf die Abenteuerreise des Gebets begeben! Du darfst die Gottesbegegnung noch viel mehr genießen lernen!

Wenn Johannes HarBuchcover In meinem Herzen Feuertl über Gebet spricht tut er das oft in etwa so, wie wenn ein 5-Sterne-Koch in poetischer Sprache von auserlesenen Köstlichkeiten schwärmt. Viele der im Buch beschriebenen Speisen erschienen mir zwar vertraut, einige waren für mich allerdings auch eine gewisse Zumutung: Die Einübung des Schweigens, kontemplatives Gebet, Gebet im Kloster – da schluckt ein protestantischer Pietist wie ich es bin. Aber zugleich fällt auf: Johannes Hartl spricht mit einer solchen Liebe von Jesus und vom Wort Gottes wie gerade wir Pietisten es doch eigentlich immer betont haben und doch leider immer weniger tun, seit auch immer mehr Evangelikale meinen, dass Bibeltreue für Enge, Gesetzlichkeit, Lieblosigkeit und Denkfaulheit steht. Johannes Hartl widerlegt alle diese Klischees eindrücklich: Seine abenteuerlichen Reiseberichte, seine ungeheure Belesenheit, seine Offenheit für andere Menschen und Kulturen und seine intellektuelle Wachheit zeugen von einer ungezähmten Neugier, die ansteckend wirkt. Für ihn ist es gerade die Liebe und Hingabe an Jesus und an sein Wort, die von Enge und Oberflächlichkeit befreit und in die Weite und in die Freiheit führt. Und ins Gebet, das für Johannes Hartl nicht nur geistliche Disziplin sondern gelebte Liebe, Genuss, Reichtum und Verschwendung bedeutet. Ein Schlüsselsatz des Buches ist für mich:

“Seine Gegenwart wahrnehmen zu lernen, ist der Schlüssel zu einem Gebet, das nicht mehr Leistung oder Anstrengung ist, als es Leistung oder Anstrengung ist, etwas Schönes zu sehen und es schön zu nennen.”

Ja, das scheint mir wirklich ein zentraler Schlüssel für Gebet zu sein und zugleich eine Antwort auf meine drängende Frage, warum wir angesichts der destruktiven Megatrends unserer Zeit nicht schon längst gemeinsam solange beten, bis er gemäß seinem Versprechen unser Land heilt. Wir wissen vielleicht viel über Gott. Aber das heißt eben noch lange nicht, ihn zu kennen! Hartls Therapievorschlag für die Christenheit lautet deshalb:

“Das Staunen neu zu lernen, Jesus wirklich kennenzulernen und sich von ihm faszinieren zu lassen, das wäre tatsächlich unsere Rettung und unsere Verwandlung.”

Damit drückt Johannes Hartl haargenau das aus, was mich beim Projekt “AUFATMEN in Gottes Gegenwart” seit langem bewegt. Die Faszination der Gottesbegegnung ist Johannes Hartl sogar noch wichtiger als die dramatischen Gebetserhörungen und Kraftwirkungen, die er als Folge des Gebets erlebt hat. Hartls Berichte, was Gebet alles bewegen kann, sind dennoch ein wichtiger Teil dieses Buchs. Sie lassen mich neu träumen davon, was wohl geschehen würde, wenn wir uns nicht nur in Augsburg sondern in allen Regionen Deutschlands über die Konfessionsgrenzen hinweg zusammentäten, um gemeinsam zu beten!

Ehrlich gesagt: Bis vor kurzem hätte ich mir kaum vorstellen können, ein Buch eines katholischen Theologen weiter zu empfehlen. Das Revolutionäre an diesem Buch liegt auch darin, dass es eine Entwicklung befeuert, die man ohne Übertreibung als kirchenhistorisch bezeichnen darf. Nachdem jüngst die seit 1909 andauernde Spaltung zwischen Evangelikalen und Pfingstlern überwunden und mit der Versöhnungsarbeit zwischen den einst blutig verfolgten Täufern und den Landeskirchen begonnen wurde deutet sich jetzt an, dass es pünktlich zum 500 jährigen Jubiläum der Reformation möglich werden könnte, dass einer der tiefsten Risse in der Einheit der weltweiten Christenheit zu heilen beginnt und Protestanten und Katholiken langsam zueinander finden. Welch ein gewaltiges Hoffnungszeichen! Einheit als Folge von Gebet ist deshalb für mich eines der heimlichen Hauptthemen dieses Buches. Auch deshalb empfehle ich von Herzen: Unbedingt lesen!!

Die Nachricht hinter den Nachrichten

Welche Botschaft sich hinter den Schreckensmeldungen unserer Zeit verbirgt

Ich schaue gerne Nachrichtensendungen an und informiere mich gerne im Internet darüber, was alles passiert in der Welt. Aber seit einiger Zeit vergeht mir der Spaß. Die schlechten Nachrichten häufen sich. Die Dramatik nimmt in bedrückender Weise zu. Dabei meine ich jetzt nicht nur die schlimmen Berichte aus den Kriegsgebieten wie Irak, Syrien, Libyen, Israel, Ukraine, Nigeria, Sudan usw. Genauso drücken mich die Berichte über Hetze, Hass und Gewalt mitten in Europa, mitten in Deutschland. Fast noch mehr Sorge bereitet mir die Frühsexualisierung und Pornografisierung unserer Jugend bei gleichzeitiger Verstaatlichung der Kindererziehung und Wegfall der Ideale von Treue und Familie. Wie sollen in unserer Gesellschaft emotional gesunde Kinder aufwachsen, wenn es immer weniger lebenslange Partnerschaften gibt? Und was wird mit unserer destabilisierten Gesellschaft passieren, wenn eine neue Finanzblase platzt und alle Rettungsschirme schon verbraucht sind?

Beim Nachdenken über diese Probleme regt sich in mir der Kampfgeist. Wir müssen doch aufstehen und etwas tun! Dann freue mich über all die Initiativen wie Petitionen, Demonstrationen, Großveranstaltungen usw. Ja, ich glaube wirklich, dass wir mehr denn je gerufen sind, aufzustehen und Salz und Licht unserer Gesellschaft zu sein. Nicht zuletzt die Onlinepetition zum Bildungsplan hat gezeigt, dass wir durchaus etwas bewegen können.

Aber am Ende denke ich: Auch wenn wir zu einer noch viel größeren Einheit finden und viel aktiver werden: Es wird wohl trotzdem nicht reichen. Wir werden die destruktiven Megatrends wohl nicht aufhalten können. Das könnte mich in die Verzweiflung treiben. Müssen wir denn wirklich hilflos zusehen, wie alles zerbricht?

In meinem Lied „Show your presence („Offenbare Deine Gegenwart“) habe ich dazu die folgenden Zeilen formuliert:

„Wenn alles gesagt und getan ist, wenn es keinen Weg mehr gibt, wohin wir uns wenden können, und wenn alle menschliche Hoffnung erloschen ist, dann begreifen wir es wieder: Es gibt nur 1 Ort, wo wir hingehen können, um Heilung für unsere Wunden zu finden. Wir werden Dein Angesicht suchen weil wir wissen: Wir brauchen Dich!“

Bild Video Show your presenceDas Lied ist inspiriert von 2. Chronik 7, 14, wo Gott uns verspricht, dass es trotz allem Chaos noch 1 Chance zur Rettung gibt, nämlich wenn das “Volk, das meinen Namen trägt, dann Reue zeigt, wenn die Menschen zu mir beten und meine Nähe suchen und zu mir zurückkehren, will ich sie im Himmel erhören und ihnen die Sünden vergeben und ihr Land heilen.”

Das klingt phantastisch. Fast zu schön, um wahr zu sein. Aber der Punkt ist: ES IST WAHR! Es gibt ganze Bücher in der Bibel, deren Geschichten immer nur diese 1 Botschaft haben: Gott hat diese Verheißung tatsächlich ernst gemeint! Und wer sich mit Erweckungsgeschichte oder den phantastischen Entwicklungen in Ländern wie Südkorea beschäftigt stellt fest: Hinter den Erfolgen stand und steht immer eine große Gebetsbewegung!

Aber leider sieht es bislang so aus, als ob ich mit meinem Lied zu optimistisch war. Trotz aller Schreckensnachrichten scheinen wir noch nicht wirklich zu begreifen, dass Gebet tatsächlich unsere einzige Rettung ist. Noch sind Gebetsabende meist die am schlechtesten besuchten Veranstaltungen im Gemeindeprogramm. Dabei haben Gebetsveranstaltungen so viele Vorteile:

  • Sie sind längst nicht so aufwändig und kräfteraubend wie Gottesdienste oder Evangelisationen. Im Gegenteil: Wenn wir dabei Gottes Gegenwart suchen statt nur Gebetsanliegen abzuarbeiten sind sie erfrischender als alles andere.
  • Im Gegensatz zu Protestaktionen verursachen Gebetsabende niemals Missverständnisse, Ärger oder Gegenproteste.
  • Gebetsveranstaltungen sind maximal effizient, denn wir erreichen 2 Ziele gleichzeitig: Die Erneuerung unseres Herzens UND unserer Gesellschaft.

Deshalb stellt sich mir die große Frage: Warum tun wir es nicht einfach? Warum folgen wir nicht einfach den Ortwin Schweitzers und Johannes Hartls dieser Welt, kehren um und fangen an, gemäß Gottes Anweisung als ganzes Volk Gottes gemeinsam zu beten und Gottes Angesicht zu suchen? Es wäre so einfach!

DIE NACHRICHT HINTER DEN NACHRICHTEN HEISST DESHALB: Allein den Betern kann es noch gelingen! GENAU JETZT ist die Zeit, unsere Prioritäten zu ändern und uns Zeit zu nehmen, um über alle Konfessions- und Generationsgrenzen hinweg gemeinsam Gottes Angesicht zu suchen, bis er kommt, um unser Land zu heilen!

Warum tun wir es nicht einfach?

Siehe auch:

Tatort Münster – ein hochbrisanter Fall der Kirchengeschichte

Warum wir die gnadenlose Verfolgung der Täufer nicht vergessen dürfen

Die Stadt Münster ist Tatortfans als Krimihochburg bestens bekannt. Hier löst das geniale Ermittlerduo Boerne und Thiel seine Fälle. Bei meinem Besuch in Münster fiel mir auf, dass diese Stadt aber auch reale Mordfälle zu bieten hat: Im Turm der Lambertikirche hängen noch immer die 3 Käfige, in denen 1536 die Leichen der öffentlich hingerichteten Anführer der Täuferbewegung zur Schau gestellt wurden. Der makabre Anblick hat mich betroffen gemacht. Seit ich vor ein paar Jahren das (äußerst empfehlenswerte!) Buch „Feuertaufe“ von Peter Hoover gelesen habe lässt mich das Drama der Täufer nicht mehr los.

Käfige LambertikircheLeider ist nur Wenigen bekannt, was sich damals abgespielt hat: Im 16. Jahrhundert entstand neben den reformierten Kirchen eine weitere reformatorische Bewegung, die noch einen Schritt weiter gehen wollte: Die Verbindung von Kirche und Staat sollte aufgelöst werden. Die Taufe sollte Ausdruck einer persönlichen Glaubensentscheidung sein, weshalb die Kindertaufe nicht anerkannt wurde. Stattdessen ließen sich Erwachsene taufen, ohne dabei die Einmaligkeit der Taufe in Frage zu stellen (der leider immer noch benutzte Begriff „Wiedertaufe“ war ein Schimpfwort, der den Täufern eine Irrlehre unterstellte, die sie nie vertreten haben und der deshalb dringend abgeschafft gehört).

Die Täuferbewegung wuchs schnell und konnte in weiten Teilen Mitteleuropas Gemeinden gründen. Von den Kirchen wurde sie aber als Bedrohung empfunden. Mit dem Wiedertäufermandat von Speyer und dem Augsburger Bekenntnis begann ab 1529 eine etwa 300 Jahre lang andauernde systematische Verfolgung. Viele tausend Menschen wurden dabei grausam vertrieben, eingesperrt, gefoltert, verbrannt, enthauptet oder ertränkt, und zwar nicht nur in katholischen sondern auch in vielen reformierten Regionen – und mit ausdrücklicher Unterstützung Martin Luthers! Diese gezielte und organisierte Ausrottung einer ganzen kirchlichen Bewegung wurde vom mennonitischen Täuferforscher Wolfgang Krauß zurecht als „Kirchenmord“ („Ekklesiozid“ in Anlehnung an den Begriff “Genozid” für Völkermord) bezeichnet. Eindrücklich schildert er, wie das Trauma bei den Nachfahren der in die ganze Welt vertriebenen Täufer (Mennoniten, Hutterer und Amische) bis heute nachwirkt.

Die Gründe für diese Verbrechen bleiben weitgehend rätselhaft. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. in Münster) waren die Täufer absolut friedlich und pazifistisch. Sogar ihre Gegner bescheinigten ihnen höchste moralische Integrität. Umso beschämender ist es, dass es fast 500 Jahre gedauert hat, bis endlich im Jahr 2010 Vertreter der lutherischen Kirchen die Täuferbewegung um Vergebung gebeten haben. Ist damit dieser Fall jetzt abgeschlossen? Nein, auf keinen Fall. Die Aufarbeitung der fürchterlichen Verfolgung der Täufer ist längst noch nicht bewältigt. Und die Erinnerung an die historische Schuld muss uns sensibel machen für unsere Gegenwart:

Leider haben wir Christen oft die Neigung, die Stillen im Land sein zu wollen. Lieber nichts sagen, um nirgends anzuecken. Aber ich glaube nicht, dass das eine Tugend ist. Gerade in Deutschland sollten wir wissen, wohin das führen kann. Auch deshalb unterstütze ich von Herzen die Initiative Zeit zum Aufstehen, damit wir Christen neu auf das schauen, was uns eint und gemeinsam eine Stimme finden für Gewissens- und Religionsfreiheit und gegen jede Benachteiligung und Verfolgung von Christen und Angehörigen aller Religionen weltweit“. Und natürlich müssen wir noch viel mehr tun: Gemeinsam beten, spenden, die Stimme auf vielfältige Weise erheben und uns einsetzen für Schwache und Verfolgte und für die Einheit der Christen, um die Jesus so intensiv gebetet hat. Es ist höchste Zeit, dass der Leib Jesu die historische Spaltung vollends überwindet und in seiner Vielfalt an Prägungen über die Konfessionsgrenzen hinweg zu einer Herzenseinheit findet. Nicht zuletzt das 500-jährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 wäre dafür ein großartiger Anlass!

Miteinander reden – nicht übereinander!

Gedanken zur ARD-Doku “Mission unter falscher Flagge”

Am 4. August wurde Deutschland in einer ARD-Doku über „radikale Christen in Deutschland“ aufgeklärt, die angeblich „Mission unter falscher Flagge“ betreiben. Obwohl dabei nur einige freikirchliche Gruppen mit charismatisch/pfingstlicher Prägung gezeigt wurden hat der Film letztlich die gesamte evangelikale Bewegung ins Zwielicht gerückt.

Die völlig einseitige, undifferenzierte und reißerische Darstellung mit subtilen Schnitten und düsteren Klängen hat viele Christen sehr empört. Das ging auch mir so. Nicht zuletzt die inzwischen verfügbaren Stellungnahmen des Gospel Forums, der FCJG Lüdenscheid, der TOS Tübingen oder des Werks Mission Freedom (inkl. der Pressemitteilung des MdB Frank Heinrich) haben die äußerst mangelhafte journalistische Qualität des Films überdeutlich werden lassen.

Bei allem Ärger über die ARD-Journalisten gibt es jedoch eine Sache, die mich offen gesagt noch mehr bedrückt: Es war ein Pfarrer meiner evangelischen Landeskirche Württemberg, der diese Mitchristen im Film so massiv angegriffen hat. Sein harmlosester Vorwurf war dabei noch, dass in den Veranstaltungen der freien Gemeinden das Evangelium wie in schlechten Managerseminaren angepriesen würde. Viel schlimmer war seine Aussage, dass es nach seinem „Eindruck“ hinter den Kulissen der freien Gemeinden Machtmissbrauch, Manipulation und sogar Gewalt gäbe. Die Belege dafür waren dünn. Außer ein paar vorgelesenen Behauptungen anonymer „Aussteiger“ wurden in dem ganzen Film praktisch keine Fakten genannt, um die harten Vorwürfe zu belegen, und das, obwohl die ARD-Journalisten hinter der Kamera offenbar kräftig von der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der württembergischen Landeskirche unterstützt wurden, wie die Filmemacher im Interview berichten.

Was mich dabei umtreibt ist: Vertreter meiner eigenen Kirche tun hier doch genau das, wofür der Papst gerade eben bei den Pfingstkirchen um Vergebung gebeten hat, nämlich die Beförderung einer undifferenzierten und einseitigen Stigmatisierung pfingstlich/charismatischer Mitchristen.

Natürlich ist mir aus persönlicher schmerzlicher Erfahrung sehr bewusst, dass es Manipulation, Gewalt und Machtmissbrauch tatsächlich auch in christlichen Kreisen gibt. ABER: Diese Probleme gibt es überall, wo Menschen mit verletzter Identität versuchen, ihre persönlichen Defizite durch menschliche Anerkennung und Macht zu kompensieren. Das ist keine Spezialität charismatisch/pfingstlicher Gruppen. Hier muss jede Gemeinde und Kirche zuerst vor ihrer eigenen Haustüre kehren.

Miteinander redenUnd wenn wir den Eindruck gewinnen, dass solche Probleme anderswo gerade gehäuft auftauchen, dann sollten wir MITEINANDER und nicht ÜBEREINANDER sprechen, so wie es Paulus gemacht hat. Wir lesen ja in der Bibel, dass es auch in den urchristlichen Gemeinden z.T. schlimme Fehler und Fehlentwicklungen gab. Gut, dass Paulus das direkt mit den Gemeinden besprochen hat statt die Bevölkerung Korinths oder Galatiens öffentlich vor den christlichen Gemeinden zu warnen!

Gerade jetzt kämpft meine Kirche wieder mit einer neuen Austrittswelle. Das drückt mich sehr. Noch bedrückender finde ich, dass unsere Gesellschaft große Probleme hat und mehr denn je die gute Nachricht des Evangeliums benötigt. Dafür brauchen wir Christen eine starke gemeinsame Stimme im Land! Jesus hat deutlich gemacht, dass unser Zeugnis erst dann an Strahlkraft gewinnt, wenn die Christen in Einheit zusammenstehen.

Deshalb meine ich: Wir können wir es uns nicht leisten, öffentlich auf einander loszugehen! Denn damit schaden wir am Ende dem Ruf ALLER Christen, auch dem unserer eigenen Kirche!

Ich wünsche mir deshalb sehr, dass meine Kirche dem Beispiel des Papstes folgt und klar zum Ausdruck bringt, dass…

… es nicht der Wahrheit entspricht, wenn charismatisch/pfingstliche Christen derart einseitig und undifferenziert negativ dargestellt werden.

… es nicht in Ordnung ist, Mitchristen (so wie überhaupt niemanden) ohne klare Faktenlage öffentlich niederzumachen.

… evangelikal und charismatisch geprägte Christen auch in vielen evangelischen Gemeinden äußerst wertvolle ehrenamtliche Arbeit leisten und ein wichtiger und wertgeschätzter Bestandteil der evangelischen Kirche sind.

… moderne, jugendgemäße Formen, wie sie im Film zu sehen waren, auch innerhalb der Kirche gefördert und begrüßt werden als wertvolle Hilfe gegen den massiven Bindungsabbruch von Jugendlichen zur Kirche.

Ob mein Wunsch wohl in Erfüllung geht? Ich habe den Pfarrer, der in der Sendung zu Wort kam, und meine Kirchenleitung darauf angesprochen. Vielleicht kommen wir ja miteinander ins Gespräch und gemeinsam einen Schritt vorwärts auf dem Weg zu der Einheit, für die Jesus so intensiv gebetet hat. Dann hätte dieser ARD-Film doch noch etwas Gutes bewirkt…

Streitpunkt Bibelverständnis: Wie gehen wir richtig mit dem Buch der Bücher um?

Die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Bibel hat quer durch die Kirchengeschichte bis heute unendlich viel Streit und Spaltungen unter Christen produziert. Ist wirklich die ganze Bibel Gotteswort? Falls ja: Müssen wir dann alles wörtlich auf unser Leben anwenden, was in der Bibel steht, selbst wenn es uns fremdartig, unlogisch, falsch oder ungerecht erscheint? Nein, so kann das nicht gemeint sein. Gott hat uns einen Verstand gegeben, um ihn zu benutzen und auch beim Bibellesen nicht auszuschalten. Und ich habe schon zu viele Menschen erlebt, die mit der Bibel „erschlagen“ und verletzt worden sind statt in ihr der Liebe des Vaters zu begegnen.

Müssen wir dann also unterscheiden lernen zwischen menschlichen Irrtümern und Gottes ewigen Wahrheiten in der Bibel? Schließlich waren es ja Menschen, die die Bibel geschrieben haben. Aber wer entscheidet dann, was von Gott ist und was nicht? Auf welcher Grundlage? Nein, das kann auch nicht der richtige Weg sein. Denn dann landen wir in einer Beliebigkeit, in der sich jeder seine Privatwahrheit bastelt und es kein gemeinsames Fundament mehr gibt. Wir sehen am Niedergang unserer Kirche, wohin solch ein kritisches Bibelverständnis führt.

Mein Vorschlag lautet deshalb: Gehen wir mit der Bibel doch einfach so um, wie sie selbst es uns lehrt: Die ganze Bibel ist von Gott inspiriert (2. Tim. 3, 16). Aber unsere Erkenntnis, wie sie auszulegen ist, bleibt Stückwerk (1. Kor. 13, 9+12).

Das schützt sowohl vor dem Hochmut, wir wären gescheiter als die Bibel als auch vor dem Hochmut, wir wüssten besser als alle anderen, wie die Bibel auszulegen ist. Das verleiht uns eine respektvolle Liebe zur Bibel und hält uns gleichzeitig in der Abhängigkeit vom Geist Gottes, der uns allein in die Wahrheit leiten kann (Joh. 16, 13), denn der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig (2. Kor. 3, 6). Das schützt uns vor übereilten Schlüssen und vorschnellem Verurteilen anderer Christen. Das erinnert uns daran: Wir Christen sind nicht im Besitz der Wahrheit. Wir hoffen nur, dass die Wahrheit in Person (nämlich Jesus) immer mehr Besitz von uns ergreift!

Es ist höchste Zeit, dass die Theologie an den Universitäten vollends herunterkommt von ihrem hohen Ross der Vergötterung des menschlichen Verstands und dass sie sich wieder der Bibel unterordnet anstatt menschliche Meinungen zur letzten Instanz der Wahrheit zu machen. Es ist Zeit, der Bibel wieder zuzutrauen, dass sie besser über uns Menschen, Gott und die Welt Bescheid weiß als der Zeitgeist. Und es ist Zeit, dass Theologen und Kirchenfürsten aufhören, ihre speziellen Erkenntnisse zu unumstößlichen Dogmen zu erheben und durch Kirchengesetze Mauern aufzubauen, wo Gott niemals Mauern wollte.

Sola Scriptura – allein die Schrift! Die Schrift ist genug! Zusätzliche Wahrheitsinstanzen braucht kein Mensch. Aber die Bibel brauchen wir alle – mehr denn je! Gesundes Christsein und eine gesunde Kirche lebt von einer tiefen und respektvollen Liebe zur Bibel. Jeder Mensch und jede Generation ist gerufen, sie mit wachem Verstand zu lesen und ihre Schätze neu für sich zu heben. Unter ihr können wir uns alle treffen und uns miteinander auf den Weg machen zur Mitte und zum Autor der Bibel und zum Haupt der Kirche, das uns in die frei machende Wahrheit, zur Liebe des Vaters und zur Fülle des Lebens führt: Jesus!

Bibelpendel