Biblische Stolperstellen: Ist der Gott des AT grausam?

Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden. Puh. Die Lektüre der 5 Bücher Mose ist stellenweise äußerst harte Kost. Für uns aufgeklärte Mitteleuropäer ist die Todesstrafe ja ohnehin eine Zumutung. Aber die Aufzählung der Vergehen, die in den 5 Mosebüchern anscheinend mit dem Tod bestraft werden sollen, wirkt verstörend: Mord und Totschlag, Anbetung fremder Götter, Inzest, Ehebruch, ja sogar das Holzaufsammeln am Sabbat, Geschlechtsverkehr mit einer menstruierenden Frau oder fehlender Respekt vor den Eltern: Alles das soll todeswürdig sein? Das klingt für uns fast noch finsterer als im finsteren Mittelalter. Ist der Gott des Alten Testaments denn so grausam? Ist das vielleicht gar nicht der gleiche Gott wie im Neuen Testament?

Bibel StolperstelleUnwillkürlich drängen sich Fragen auf:

  • Warum wird in den 10 Geboten dann ausdrücklich gesagt: Du sollst nicht töten?
  • Warum wurden dann Mörder oder Ehebrecher wie Kain, Mose oder David nicht hingerichtet oder von Gott bestraft?
  • Warum schildert dann das Alte Testament praktisch keine Gerichtsprozesse, in denen Menschen von einem Richter zum Tod verurteilt werden?
  • Warum hat sich dann der Jude Jesus, der sich doch voll und ganz hinter die Schriften des Mose gestellt hat, dazwischen geworfen, als die Ehebrecherin gesteinigt werden sollte?
  • Warum wurde und wird dann unter orthodoxen Juden – anders als in vielen islamischen Staaten, die der Scharia folgen – die Todesstrafe kaum praktiziert und weithin abgelehnt?
  • Wie passt das zusammen mit vielen Stellen der Bibel, in denen (auch schon im Alten Testament) das Bild vom liebevollen, geduldigen, barmherzigen und gnädigen Gott gezeichnet wird?

Wir könnten es uns leicht machen und sagen: Die Bibelstellen zur Todesstrafe sind halt zeitbedingte Zeugnisse der damaligen rauen Kultur und haben mit Gott nichts zu tun. Aber so einfach ist es nicht. Denn Jesus hat höchstpersönlich die eingangs zitierte Todesdrohung ausdrücklich als Gotteswort bestätigt (Matth. 15, 4)! Auch wenn wir die Bibel von Jesus her auslegen kommen wir also an diesen Versen nicht so einfach vorbei.

Aber wie geht man dann damit um?

Bei meiner Suche nach Antworten hat mir ein Text des Theologen Prof. Thomas Hieke („Das Alte Testament und die Todesstrafe“) sehr geholfen. Er hat den Urtext einer genauen Analyse unterzogen. Daraus schließt er, dass die bei diesen Todesdrohungen am häufigsten verwendete Formel so übersetzt werden kann: “Wer Vater oder Mutter flucht, der wird gewiss getötet werden. Die Frage ist: Ist das wirklich eine Aufforderung, Beschuldigte vor einen Richter und letztlich zum Henker zu zerren? Es gibt viele Hinweise, dass genau das nie gemeint war:

  • Todesurteile durften nur bei Bestätigung von 2-3 unabhängigen Zeugen ausgesprochen werden (5. Mose 19, 15). Das ist bei all den Gesinnungs- oder Sexualdelikten, die naturgemäß im Verborgenen stattfinden, kaum praktikabel. Wie sollte das z.B. gehen bei einer Vergewaltigung, bei der der Hilferuf der Frau von niemand gehört wurde (5. Mose 22, 25-27)?
  • Praktisch alle Tatbestände, die in den Mosebüchern mit einer Todessanktion belegt werden, tauchen an anderer Stelle noch einmal auf – dort aber ohne Todessanktion! So wird z.B. Ehebruch in Sprüche 6, 32-33 stark geächtet, es ist von Schlägen und Schande die Rede, nicht aber von der Todesstrafe.
  • Noch gravierender ist für Thomas Hieke: „Für keinen der Tatbestände, die mit einer Todessanktion belegt sind, gibt es einen Fall in der (biblischen) erzählenden Literatur, wo ein diesbezüglicher Todesrechtsprozess und eine Hinrichtung berichtet werden.” (S. 369) Im Gegenteil: Bei Mördern wie Kain, Mose oder David, der dazu noch ein Ehebrecher war, liest man nichts von der Todesstrafe. Wenn es in Israel über Jahrhunderte eine Todesstrafjustiz gegeben hätte wäre es kaum erklärbar, warum das in den biblischen Büchern so gut wie nirgends auftaucht.

Dass die Todessanktionen in den Mosebüchern schon damals nicht als „Todesstraf-prozessordnung“ verstanden wurden bestätigt der orthodoxe Jude Arie Folger: „Diese Einschränkungen und manche weitere zeigen, dass nach unserer Tradition Todesurteile eher Theorie als Praxis sein sollten. Nach dem Talmud kamen sie kaum vor.“

Aber warum stehen diese Todessanktionen dann in den Mosebüchern? Um das zu verstehen muss man 2 grundlegende Prinzipien kennen, die sich quer durch das Alte und Neue Testament ziehen:

  1. Sünde (also ein Verstoß gegen Gottes Gebote) hat letztlich immer tödliche Konsequenzen! „Der Lohn der Sünde ist der Tod“ (Römer 6, 23) – zwar normalerweise nicht unmittelbar, aber jedenfalls in Bezug auf das ewige Leben. Das zeigt sich schon in der Paradiesgeschichte: Obwohl Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis essen tritt die angekündigte Todesstrafe nicht ein, im Gegenteil: Gott kümmert sich sogar noch fürsorglich um ihre Kleider! Erst viel später sterben Adam und Eva tatsächlich.
  2. Ohne besondere Vorkehrungen ist die Begegnung sündiger Menschen mit Gottes Heiligkeit immer absolut tödlich – so wie es absolut tödlich wäre, wenn Menschen mit einem Raumschiff auf der Sonne landen wollten. Deutlich wird das z.B. beim Tod Usas, der versehentlich die Bundeslade berührt und dabei stirbt, obwohl er es in guter Absicht getan hatte (2. Samuel 6, 6-7).

Beide Prinzipien prägen die Mosebücher ganz besonders. Denn diese Zeit war nun einmal bestimmt von der Sondersituation einer ganz außergewöhnlichen Gottespräsenz, die sich sogar sichtbar (Wolken- und Feuersäule!) und hörbar (Gottes Stimme!) äußerte. Viele der Gebote waren deshalb letztlich Sicherheitsvorschriften, die die Priester und das Volk Israel vor der lebensgefährlichen Gegenwart des heiligen Gottes schützen sollten.

Auch in der jungen christlichen Gemeinde gab es eine solche Sondersituation mit einer sichtbaren (Feuerflammen!) und spürbaren (Erdbeben!) Gottespräsenz. Hananias und Saphira mussten erleben, welch tödliche Folgen das haben kann. Aber aus keiner dieser Ausnahmesituationen darf man ableiten, dass Christen für die Todesstrafe sein müssten. Thomas Hieke stellt im Gegenteil klar: „Daher ist auch aus dem Alten Testament die Todesstrafe nicht zu begründen.“

Der eigentliche Charakter der Todesankündigungen in den Mosebüchern wird in 5. Mose 27, 15-26 deutlich: Zahlreiche Tatbestände, die andernorts mit der Todessanktion verknüpft sind, werden hier “nur” mit einer Fluchformel belegt. Die Ausführung des Fluchs ist natürlich Gottes Sache und nicht die Angelegenheit menschlicher Justiz. Daraus kann man rückschließen: Wenn Mose schreibt, dass Menschen, die gegen ein bestimmtes Gebot verstoßen, „gewiss getötet werden“, dann meint das zunächst einmal: Diese Tat ist Sünde, die letztlich (wie bei Adam und Eva) den Fluch des Todes nach sich zieht! Das Ziel dieser Aussagen war nicht, dass diese Menschen gleich umgebracht werden sollen. Vielmehr ging es um eine intensive Warnung vor den katastrophalen, letztlich tödlichen Konsequenzen der Sünde. Und Warnung ist immer ein Ausdruck von Liebe – nicht von Grausamkeit.

Werden diese Bibelstellen dadurch weniger schmerzhaft? Nein. Da der Tod in der Bibel der große Feind Gottes ist können wir sicher sein, dass Gott genauso darunter leidet. Und doch ist es wichtig, diese Texte nicht zu verdrängen und nicht zu glätten, weil sie ein Schlüssel zu Gottes Gnade sind. Paulus schrieb in Römer 5, 20-21, dass uns das Gesetz (also die 5 Bücher Mose) gegeben wurde, damit uns das Ausmaß und die tödlichen Konsequenzen der Sünde vor Augen geführt wird. Das ist wichtig für uns! Denn wer selbstgerecht die Konsequenzen der Sünde verdrängt oder verharmlost macht Gottes Gnade billig und kraftlos. Dann wird die Leidenschaft der Christen lau – ein weit verbreitetes Problem unserer heutigen Kirche. Das zeigt mir wieder einmal, wie schädlich es ist, unbequeme Verse nach dem Bibel-Bastel-Bogen-Prinzip willkürlich aus Gottes Wort herauszuschneiden.

Wenn uns hingegen schmerzhaft bewusst wird, dass wir zu Recht verurteilt und verloren sind werden wir leidenschaftlich dankbar für Gottes Gnade. Die 5 Bücher Mose helfen uns dabei, indem sie uns ungeschminkt vor Augen führen, welche schlimmen Konsequenzen Sünde hat und wie sehr wir auf Gnade angewiesen sind. Und genau diese Gnade brauchen wir, um dabei sein zu können, wenn eines Tages der heilige Gott ohne jede Grenze und Schranke mitten unter den Menschen wohnt. Diese Gnade ist der Schlüssel zum Leben in Gottes Gegenwart – jetzt und hier und in der Ewigkeit!

Vielen Dank an Prof. Thomas Hieke (Alttestamentler an der Universität Mainz) für die fachliche Beratung zu diesem Artikel!

Siehe auch:

Was kommt auf uns zu?

Die 2 großen Megatrends der Weltgeschichte

Angesichts der Entwicklungen in der Welt musste ich in den letzten Wochen immer wieder an ein Gleichnis aus Matthäus 13 denken, das m.E. wie kein anderes die 2 großen Megatrends der Weltgeschichte beschreibt:

»Das Himmelreich ist vergleichbar mit einem Bauern, der gutes Saatgut auf sein Feld säte. Doch in der Nacht, als alles schlief, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging wieder weg. Als das Korn zu wachsen begann und Ähren ausbildete, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da kamen die Arbeiter des Bauern und sagten: `Herr, das Feld, auf dem du gutes Saatgut gesät hast, ist voller Unkraut!´ `Das hat mein Feind getan!´, rief der Bauer aus. `Sollen wir das Unkraut ausreißen?´, fragten die Arbeiter. Er antwortete: `Nein, wenn ihr das tut, schadet ihr dem Weizen. Lasst beides bis zur Zeit der Ernte wachsen. Dann will ich den Erntehelfern sagen, dass sie das Unkraut heraussammeln und verbrennen sollen. Den Weizen aber sollen sie in die Scheune bringen.´«

Einige Verse später erklärt Jesus, worum es hier geht: Der Bauer ist er selbst, sein Feind ist der Teufel. Das Feld ist die Welt, in dem sich bis zur Ernte (dem Ende der Weltgeschichte) die Menschen, die zu Gottes Reich gehören, genauso vermehren wie die Menschen, die von Satan bestimmt sind. Jesus hat also 2 große Megatrends angekündigt:

  1. Die Kirche wächst!
  2. Das Böse wächst!

Das dumme ist: Während uns der zweite Trend durch die täglichen Schreckensnachrichten permanent vor Augen geführt wird erfährt man vom ersten Trend so gut wie nichts. Aber heißt das, dass es ihn nicht gibt? Nein, ganz im Gegenteil! Allein die Entwicklungen von der Reformationszeit bis heute sind so atemberaubend, dass Martin Luther sie sich wohl niemals hätte träumen lassen:

  • Die Bibel, die bis zur ersten Übersetzung Martin Luthers im Jahr 1534 nur von einer kleinen Elite gelesen werden konnte, ist heute in mehr als 2600 Sprachen übersetzt und das meistgedruckte und am weitesten verbreitete Buch der Erde.
  • Seit 1732 die Herrnhuter damit begannen, Missionare in die Welt zu senden, ist die Zahl der Missionswerke auf etwa 5.000 angewachsen. Diese senden aktuell mehr als 400.000 Missionare aus und konnten bereits mehr als 70 % der Weltbevölkerung mit dem Evangelium erreichen.**
  • Lag im Jahr 1800 der Anteil missionarisch gesinnter Christen (“GCC”*) an der Weltbevölkerung noch bei etwa 2 %, so ist er bis heute bereits auf etwa 10 % gestiegen.** Das phänomenale Kirchenwachstum in China ist sogar so beeindruckend, dass inzwischen auch die säkulare Presse davon berichtet!

Anteil GCC Weltbevölkerung2Was kommt also auf uns zu? Optimistische Christen glauben, dass uns vor allem großes Kirchenwachstum und Erweckungen erwarten. Pessimistische Christen sehen hingegen vor allem Katastrophen, Erschütterungen und Verfolgung auf uns zukommen. Wer hat Recht? Eindeutige Antwort der Bibel: Beide! Das Unkraut wächst genauso wie der Weizen. Das hat für mich 2 ganz konkrete Konsequenzen:

  1. Es lohnt sich, sich voll in die Kirche Jesu und ins Reich Gottes zu investieren! Genau wie in den letzten Jahrhunderten dürfen wir auch in Zukunft gewaltige Durchbrüche und begeisternde Entwicklungen erwarten, die man sich heute noch kaum vorstellen kann.
  2. Statt naivem Gutmenschentum brauchen wir einen realistischen, wachen Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen. Als Salz und Licht der Gesellschaft sind wir berufen, das Böse durch Gebet und Engagement so gut es geht in Schach zu halten. Wir müssen uns aber auch in Deutschland darauf vorbereiten, dass unsere materiellen Sicherheiten eines Tages überraschend schnell wegbrechen können.

Entscheidend ist, uns von Hoffnung statt von Angst leiten zu lassen. Bei Jesus sind wir auf der Seite des Siegers! Er selbst ermutigt uns: “Ich habe euch das alles gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. Hier auf der Erde werdet ihr viel Schweres erleben. Aber habt Mut, denn ich habe die Welt überwunden.”

* GCC: „Great Commission Christians“ werden (in Abgrenzung zu Namenschristen) definiert als aktive Kirchenmitglieder aus allen Konfessionen und Traditionen, die den Missionsbefehl Jesu ernst nehmen und umzusetzen versuchen.

** Quelle: Status of Global Mission 2014, veröffentlicht vom Gordon-Conwell Theological Seminary in Massachusetts

Siehe auch: JETZT Öl nachfüllen!

Du bist ein Überraschungspaket!

Gott liebt Überraschungspakete! Damit meine ich Leute, die Dinge tun, die man ihnen menschlich niemals zugetraut hätte. In der Bibel gibt es massenweise solcher Typen. Mose zum Beispiel. Als Gott ihn am Dornbusch aufforderte, Israel aus Ägypten zu befreien sah es ganz danach aus, dass Gott die völlig falsche Wahl getroffen hatte. Denn Mose hatte Minderwertigkeitskomplexe: »Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten führen sollte?« Klar, dass er das sagt. Ein Mörder und ein Flüchtling zu sein nagt nun einmal am Selbstvertrauen.

Und Mose hat noch mehr Probleme: »Wenn ich zu den Israeliten sage: “Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch gesandt”, und sie mich fragen: “Wie heißt er denn?”, was soll ich ihnen dann antworten?« Er hatte also auch von Theologie keine Ahnung. Aber Gott bleibt gelassen: »Sag ihnen einfach: »Ich bin« hat mich zu euch gesandt.«

Doch Mose legt nach: »Aber sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören!« Puh. Ein Pessimist war Mose also auch noch! Und so eine kleingläubige, minderwertige Theologienull soll so ein gewagte Unternehmen anführen? Für Gott ist das scheinbar kein Problem. Er zeigt ihm einfach ein paar Zaubertricks, um das Volk Israel und den Pharao beeindrucken zu können.

Aber selbst das stellt Mose nicht zufrieden: »Herr, ich bin kein guter Redner.« Also sorry, Gott. Wen hast Du Dir da eigentlich ausgesucht? Ein Anführer, der nicht reden kann? Aber auch das bringt Gott nicht aus dem Konzept. Mit einer Eselsgeduld ermutigt er ihn: »Ich werde dir helfen und dir zeigen, was du reden sollst.«

Also alles gut? Nein, Mose packt den ultimativen Hammer aus: »Herr, bitte schick doch einen anderen!« Das reicht. Jetzt wird Gott sauer. Verständlich. Ich an Gottes Stelle hätte gekocht und gedacht: Ist der noch ganz bei Trost? Da erscheine ich ihm hier spektakulär mit dem brennenden Busch, lasse ihn übernatürlich meine Stimme hören, spreche ihm gut zu, zeige ihm coole Zaubertricks, sage ihm meine Souffleurdienste zu. Und was sagt der? Nimm einen anderen! Der hat sie doch nicht alle! Minderwertigkeitskomplexe. Pessimistisch. Theologisch kompetenzfrei. Kriegt den Mund nicht auf. Und dann ist er auch noch schlicht und einfach ungehorsam!

Was würdest Du an Gottes Stelle machen? Soviel ist sicher: In jedem Vorstellungsgespräch der Welt wäre Mose haushoch durchgefallen. Jedes Assessment-Center hätte ihn zuallererst von der Liste gestrichen. Aber was macht Gott? Stellt ihm einfach Aaron zur Seite und schickt ihn trotzdem los.

Ganz offensichtlich sieht Gott Dinge, die für uns Menschen unsichtbar sind. Hinter all unseren Minderwertigkeitskomplexen, unserem Kleinglauben, unseren Ängsten, unserem Zweifel, unserem Versagen sieht er ein Überraschungspaket mit einem gewaltigen Potenzial!

Blogbild ÜberraschungspaketTatsächlich wurde Mose ein gewaltiger Anführer, der nebenbei mit seinen Schriften die ganze Menschheitsgeschichte prägte. Das muss man sich mal vor Augen halten: Dieser komplexbeladene Typ, der gedacht hat, dass er nichts zu sagen hat, dessen Worte lernt nach 3000 Jahren immer noch jeder Konfirmand auswendig! Ist das nicht Wahnsinn?

Die Bibel ist voll von solchen Fällen. Denken wir nur an den einfachen Fischer und Verleumder Simon, den Jesu von Anfang an “Petrus”, also „Fels“ nannte. Oder an den Zweifler Gideon, den Gott erst durch mehrere Wunder überzeugen musste, dass er wirklich mit ihm ist. Alle diese “Helden” waren in Wahrheit Überraschungspakete, deren Leistung man menschlich gesehen nie erwartet hätte.

Wir haben deshalb allen Grund, im Blick auf uns selbst unsere menschlichen Maßstäbe abzulegen. Anstatt auf unsere Seele zu hören, die uns einreden will, dass wir nichts können und niemand sind sollten wir den Gedanken zulassen, dass Gott uns ganz anders sieht. Dass er uns ansieht wie Mose oder diesen Simon Petrus und zu uns sagt: Du bist erwählt. Du bist mein Kind. Und mein Fels. Mein großes Überraschungspaket. Da steckt so viel mehr in Dir als Du denkst. Komm, mein Kind! Lass es mich für Dich auspacken!

 

Noch mehr biblische Überraschungspakete findest Du hier: Der mit Gott kämpft

Zeit, Frieden zu stiften!

Meine Generation kannte keinen Krieg. Auch der RAF-Terror der 70er Jahre ist uns weitgehend fremd. Umso mehr wühlt es uns auf, wenn wir damit konfrontiert werden, dass Friede auch bei uns keine Selbstverständlichkeit ist. Entsprechend aufgescheucht erscheinen mir viele Reaktionen der letzten Tage. Es geht wild durcheinander. Alle wollen Frieden. Aber womit tragen wir wirklich zum Frieden bei?

Was NICHT dem Frieden dient:

Pauschalaussagen wie „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, “Der Islam ist eine friedliche Religion” oder „Es gibt keine Islamisierung in Deutschland“ sind gut gemeint und haben das berechtigte, wichtige Anliegen, die vielen gut integrierten, freundlichen und friedliebenden Muslime in Deutschland vor Diffamierungen zu schützen. Aber sie sind trotzdem kontraproduktiv. Denn angesichts der täglichen Horrormeldungen islamisch motivierter Gewalt (allein im November 2014 wurden weltweit über 5000 (!) Menschen im Namen Allahs getötet) sind sie so offensichtlich falsch, dass sie zwangsläufig Misstrauen und Protest hervorrufen müssen. Zurecht merkt der FOCUS an: “Solche Sätze helfen niemandem, der sich durch den Islam bedroht fühlt, wie es mehr als die Hälfte der Deutschen nach der jüngsten Bertelsmann-Studie tun. Im Gegenteil: Floskeln dieser Art sind eher dazu angetan, die Frustration zu steigern. Denn in dem Satz schwingt die Belehrung mit, dass der mit der Angst einfach nicht richtig Bescheid weiß.”

Wie gefährlich der Islam tatsächlich sein kann und weltweit häufig ist haben zuletzt viele Journalisten und Experten gut herausgearbeitet: “In nicht weniger als 18 der 20 am höchsten eingestuften Länder gilt ‘Islamischer Extremismus’ als Haupttriebkraft der Verfolgung” stellt die WELT fest und weist darauf hin, dass es „historisch und aktuell keinen (!) Staat mit islamischer Bevölkerungsmehrheit und einer pluralistischen Ordnung (gibt), die Nichtmuslime gleichbehandelt.“ Die ZEIT ergänzt: „Der Islam, auch der moderate, ist noch immer zu oft eine Rutschbahn in die Entfremdung von der westlichen Lebensweise.“ Und CICERO äußert: „Diese Blutspur um die Welt reicht als Beleg: Mit dieser Religion stimmt in ihrem aktuellen Zustand etwas nicht. Sie verleitet ganz offenbar mehr als jede andere derzeit real existierende Religion dazu, im Namen eines Gottes zu morden.“ Diese Einschätzung wird von der Islam-Expertin Christine Schirrmacher  sachlich gut begründet. Die WELT hat deshalb recht: “Doch, dieses Massaker hat mit dem Islam zu tun. Dieses Beschwichtigen muss endlich aufhören” – übrigens auch bei den Kirchenvertretern, wie CHRIST UND GEGENWART ergänzt.

Zumal der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky nicht müde wird, auf die ganz reale Islamisierung mitten in Deutschland hinzuweisen. Es ist unerträglich, dass es in unserem Land wieder Orte gibt, in denen sich Juden nicht mehr offen als solche zeigen können. Islamistische Propaganda verbreitet sich natürlich auch bei uns. Der Verfassungsschutz verweist auf immerhin 6500 Salafisten (mit rasant wachsender Tendenz), von denen rund 800 als militant und etwa 200 gar als „tickende Zeitbomben“ bezeichnet werden müssen. Dass in Deutschland trotz mehrerer Versuche noch kein Anschlag geglückt ist, ist menschlich gesehen pures Glück.

Es ist nicht islamophob, ausländerfeindlich oder rechtspopulistisch, diese Fakten offen anzusprechen. Im Gegenteil: Schon 2006 forderten Schriftsteller und Journalisten (darunter Salman Rushdie) eindringlich, nicht wegen Angst vor „Islamophobie“ auf Kritik am Islam zu verzichten. Die WELT beklagt zurecht, wie sehr der notwendige gesellschaftliche Dialog leidet unter einer „Stimmung, die jede Kritik am Islam wahlweise als “rassistisch”, “Gefahr für die Demokratie”, “ausländerfeindlich” oder gar “rechtsradikal”, zumindest aber als “Panikmache” abtut.”

Genauso schädlich sind aber auch umgekehrt die Parolen von der „Lügenpresse“ und alle pauschalen Angriffe auf Politik und Medien. Ja, auch ich habe im letzten Jahr oft unter einseitiger Berichterstattung gelitten. Aber mit diesem Artikel will ich auch zeigen: Wir haben sehr wohl eine differenzierte, vielfältige Presselandschaft, für die wir dankbar sein können! Sie ist eine zentrale Stütze unserer freien Gesellschaft, deshalb müssen wir sie bei aller kritischen Begleitung nach Kräften stützen. Unliebsame Berichte, Kommentare und Satire müssen wir Demokraten aushalten, selbst wenn es verletzend ist.

Blogbild FriedenstaubeWas dem Frieden dient:

  • Fürchtet Euch nicht: Der Allianz-Vorsitzende Michael Diener und das Gospel-Forum haben recht: Angst ist ein schlechter Ratgeber! Gott ist in Kontrolle! Wir sollten immer aus dem Frieden Gottes heraus agieren, der höher ist als jede Vernunft und als alle noch so schwierigen Umstände.
  • Den Mund aufmachen – sachlich und differenziert: Wir Christen neigen dazu, uns um des lieben Friedens Willen aus allem heraushalten zu wollen. Damit überlassen wir das Feld den falschen Kräften. Gerade um des lieben Friedens Willen müssen wir als Meinungsmacher präsent sein in Politik, Medien, Gesellschaft und sozialen Netzwerken. Dafür müssen wir uns informieren und engagieren. Also auf Ihr Christen: Geht in die Politik! Werdet Journalisten! Mischt Euch ein!
  • Islamismus entschieden bekämpfen: Dafür hat z.B. der im Land von Stuttgart 21 bekannte Friedensstifter Heiner Geißler konkrete Vorschläge gemacht: Islamisten nach Möglichkeit ausweisen, Polizei und Verfassungsschutz stärken, Vollverschleierung verbieten, die Anwendung islamischen Rechts konsequent verhindern… Ich finde, das sind sinnvolle Ansätze.
  • Gelebte Mitmenschlichkeit: Mich begeistern all die Christen und Mitbürger, die sich engagieren für Flüchtlinge, für Begegnung mit Muslimen und anderen Migranten, die sich einsetzen gegen Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit, für ein gastfreundliches Deutschland (Gastfreundlichkeit gegenüber Ausländern ist in der Bibel ein extrem hohes Gut!) und für ein gelingendes Miteinander durch Engagement in Kirchen, Vereinen, Diakonie, Schulen, Firmen und, und, und…
  • Gebet: Wir brauchen dringend eine strategische Allianz für intensives, konfessions- und generationsübergreifendes Gebet. Hier sind Pioniere gesucht, die das Volk Gottes dafür gewinnen, gemeinsam die mächtigste Waffe der Kirche zu ergreifen, die letztlich allein das Potenzial hat, das Ruder herumzureißen.

Lassen wir uns doch neu von Jesus ermutigen und herausfordern: „Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Matth. 5, 9) Herr, hilf mir, mich nicht von Wut oder Angst mitreißen zu lassen sondern im umgekehrten Geist zu leben und ein Licht in der Finsternis zu sein.

MEHR!

Wow, was für eine Woche mit gleich 2 so bewegenden Ereignissen:

An der 24-Stunden-Gebetskette in unserer Gemeinde haben etwa 70 Beter einen Tag durchgängig mit Gebet gefüllt. Vom Teenager bis zum hohen Seniorenalter waren alle Altersgruppen vertreten. Auch Freikirchler waren dabei. Unvergesslich bleibt für mich das Bild, wie um Mitternacht 8 Teenies im Chorraum unserer Kirche zusammen kommen, um gemeinsam zu singen und zu beten. Oder der Bericht der jungen Beterin, die um 23 und 5 Uhr je 1 Stunde gebetet hat und dazwischen vor Begeisterung nicht schlafen konnte. Und die geniale Atmosphäre beim abschließenden Lobpreisabend, bei dem immer wieder zum Ausdruck kommt: 1 Stunde Gebet war zu kurz! Wir wollen MEHR!

MEHR BlogbildUnd dann war da die MEHR-Konferenz des Gebetshauses in Augsburg: Mehr als 4000 Christen feiern Jesus. Auch hier: Alle Generationen sind vertreten. Die Konfessionen sind bunt gemischt. Die Lehreinheiten sind tiefgründig und biblisch fundiert. Wären da nicht die Mönche, Nonnen, Geistliche in „voller Montur“ und die Eucharistiefeiern, man würde nie auf die Idee kommen, dass die Veranstaltung katholisch geprägt ist.

Am letzten Abend bitten der katholische Johannes Hartl und der Protestant Allen Hood sich gegenseitig um Vergebung für Hochmut und Vorurteile gegenüber der anderen Konfession. Die Konferenzteilnehmer fangen an, Christen der jeweils anderen Konfession zu segnen. Ich kann meine Tränen nicht länger zurückhalten. Das ist Jahreslosung in Aktion und Kirchengeschichte live. 1991 habe ich so etwas schon einmal erlebt: Auf einer Konferenz hatten sich ein prominenter Charismatiker und ein bekannter konservativer Evangelikaler öffentlich um Vergebung gebeten für gegenseitigen Hochmut und Vorurteile. Heute kann man sich kaum noch erinnern, wie tief damals die Gräben zwischen diesen beiden „Lagern“ gewesen waren. Ob wir in 25 Jahren genauso an die heute noch bestehenden Gräben zwischen Katholiken und Protestanten zurückdenken werden?

Bewegend auch die Berichte darüber, was Gott in der Welt tut: Wunder im nahen Osten inmitten der grausamen Christenverfolgungen. Wunder in der europäischen Politik. Rapides Wachstum in der weltweiten Gebetsbewegung. Und die Aussicht, dass der Missionsbefehl Jesu wohl in wenigen Jahren erfüllt werden kann, weil alle Volksgruppen der Erde das Evangelium in ihrer Sprache hören können.

Johannes Hartl benennt 4 große Herausforderungen unserer Zeit: Aggressiver Säkularismus, Zerstörung frühkindlicher Bindungen, das „System Islam“ und Erschütterungen im politischen Bereich. Aber er macht auch deutlich: Wir müssen davor keine Angst haben, wenn wir uns auf diese 5 „Säulen für die Erneuerung“ konzentrieren:

  1. Eine Kultur des Gebets
  2. „Evangelisations-Mainstreaming“ (d.h. alle kirchlichen Strukturen richten sich auf Evangelisation aus und rechnen dabei auch mit Zeichen und Wundern)
  3. Eine Theologie, die von Gottesfurcht geprägt ist und die Herrlichkeit Gottes verkündigt
  4. Einheit
  5. Göttliche Strategien für die gesellschaftlichen Herausforderungen

Da jubelt mein Herz, decken sich diese Punkte doch ganz mit meinem großen Traum von Kirche. Und wer mich kennt weiß, dass Einheit seit langem eins meiner wichtigsten Anliegen ist. Keine Frage: Wir brauchen eindeutig MEHR davon!

So steht mir am Ende dieser bewegenden Woche das Motto der MEHR-Konferenz vor Augen: „Siehe, ich tue etwas Neues“. Beide Ereignisse der letzten Woche haben mir gezeigt, dass es wirklich stimmt:

„Seht hin; ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Seht ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste und lasse Flüsse in der Einöde entstehen.“ (Jesaja 43, 19)

Siehe auch: Träumer dringend gesucht!

Träumer dringend gesucht!

Also mit guten Vorsätzen fürs neue Jahr hab ich’s nicht so, ehrlich gesagt. Ich bin einfach nicht diszipliniert genug, um allein auf Basis einer vernünftigen Erkenntnis dauerhaft etwas in meinem Leben zu ändern.

Ganz anders sieht das mit Träumen und Visionen aus. Unser Ex-Bundeskanzler Schmidt hat ja mal gesagt: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Aber meine Erfahrung ist: Eine begeisternde Vision setzt ungeahnte Kräfte frei. Ein lebendiger Traum beflügelt, spornt an, macht Mut, mobilisiert. Dass das nicht nur bei mir funktioniert sieht man in der Weltgeschichte: Großen Veränderungen gingen immer die Träume visionärer Menschen voraus (man denke nur an Martin Luther-Kings großem Traum vom Ende der Rassentrennung). Und in der Bibel lesen wir: „Wenn keine Vision da ist, verwildert ein Volk.“ (Sprüche 29, 18). Auch das kann man in unserem Land und in unserer Kirche live beobachten: Wenn alles gleich gültig ist ist alles gleichgültig. Ohne ein verbindendes Ideal, ein gemeinsames Ziel, ohne eine motivierende Hoffnung fällt alles auseinander.

Deshalb sind Träumer dringend gesucht in unseren Tagen! Mich selbst bewegt so ein Traum. Einer, der mich buchstäblich manchmal nachts wach liegen lässt. Einer, der mich immer neue Ideen entwickeln, hoffen, arbeiten und beten lässt. Um was es da geht? Ganz einfach: Mein Traum ist, dass sich das Gesicht und Selbstverständnis der Kirche Jesu in Deutschland grundlegend verändert. Konkret träume ich, dass man diese 6 Dinge bald ganz selbstverständlich über die Kirche Jesu sagen wird:

  1. Die Christen aus allen Kirchen und Generationen fühlen sich als Glieder an 1 Leib! Sie wissen, dass sie einander brauchen und dass sie nur gemeinsam die Welt verändern können!
  2. Die Christen lieben Jesus und die Bibel! Statt Gesetzlichkeit und Ver(w)irrung prägt Leidenschaft die Kirche Jesu.
  3. Es wird rund um die Uhr gebetet! Was die Herrnhuter einst begannen breitet sich aus und verleiht der Kirche ungeahnte Kräfte.
  4. Menschen werden heil durch die Liebe Gottes! In einer Zeit, in der immer mehr Menschen ohne verbindliche Liebe aufwachsen müssen weiß die Kirche den Weg zu Identität, Heimat und Heilung beim himmlischen Vater.
  5. Wunder gibt es immer wieder! Was in der Bibel und der Kirchengeschichte immer wieder bezeugt wurde gehört auch zur Kirche des 21. Jahrhunderts!
  6. Bekehrungen sind an der Tagesordnung weil die Liebe und Einheit der Christen und die Kraft des Evangeliums so attraktiv ist, dass immer mehr Menschen zu Jesus finden.

Blogbild Traum von KircheKlingt unrealistisch? Vielleicht. Genau wie viele Ankündigungen der Bibel, die trotzdem eingetreten sind. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass mein Traum wahr wird. Nicht nur, weil ich schon jetzt viele hoffnungsvolle Entwicklungen sehe sondern vor allem, weil ich überzeugt bin, dass auch Gott diesen Traum träumt. Denn schließlich wird die Kirche doch einmal die Braut Jesu sein! Und welcher Bräutigam träumt nicht von einer schönen Braut? Deshalb gilt für die Kirche das, was der erste Premierminister Israels David Ben-Gurion angesichts der lange erträumten aber nie für möglich gehaltenen Entstehung des Staates Israel einst sagte: „Wer nicht an Wunder glaubt ist kein Realist!“

Die Frage ist: Lassen wir uns anstecken von diesem Traum? Und vor allem: Fangen wir an, konkret dafür zu beten? Denn ich bin überzeugt: Unsere Gebete von heute entscheiden, wie die Kirche morgen aussieht! Skeptiker, Zyniker, Kritiker und Bedenkenträger haben wir genug. Gott sucht Menschen, die er mit seinem Traum von Kirche anstecken kann. Ich glaube: Es ist Zeit, gemeinsam Großes von Gott erwarten! Denn wir haben einen großen Gott, der uns einen großen Auftrag gegeben hat! Und er hat verheißen, jeden Tag bei uns zu sein. Auch 2015!

Siehe auch:

Alles außer romantisch

Keine Sorge: Mit diesem Post will ich niemandem die Weihnachtsromantik verderben. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, Weihnachten wird erst dann wirklich romantisch, wenn uns bewusst wird, dass die Geschichte dahinter das krasse Gegenteil davon war!

Und zwar nicht nur deshalb, weil es im Stall halt nicht nach Backäpfeln und Nüssen sondern nach Gülle roch und weil statt Glanz und Lichterschein alles voller Staub, Dreck und Insekten war (seit der Geburt meines Sohnes kann ich mir kaum ausmalen, was das für Maria bedeutet haben muss). Maria und Josef waren arm. Sie gehörten zu einem unterdrückten Volk in einem besetzten Land. Sie waren verachtet wegen ihrem unehelichen Kind. Sie wurden von einem grausamen Kindermörder vertrieben. Sie mussten als Ausländer Schutz suchen im fremden Ägypten. In der Weihnachtsgeschichte kommt also das ganze Leid und Elend dieser Welt zusammen, mit dem wir auch heute konfrontiert sind.

Was sagt uns das über Gott? Stellen wir uns einmal vor, es gäbe einen reichen Herrscher, der beschließt, für einige Jahre seinen Palast zu verlassen, um als Straßenkehrer in einer primitiven Unterkunft im Ghetto zu leben ohne Schutz vor Kriminellen, ohne Komfort und Hygiene. Ich kann mir nicht vorstellen, dass je ein menschlicher Herrscher so etwas tun wird. Aber ganz genau das hat Gott getan! Weil er einer von uns sein wollte. Weil er uns auf Augenhöhe begegnen möchte. Weil er uns so unendlich liebt. Weil er uns gewinnen, nicht beherrschen möchte. Ist das nicht unglaublich?

Wenn ich darüber nachdenke wird mir warm ums Herz. Es ist doch einfach unfassbar, wie viel ich IHM wert bin!

Leider ist unsere Welt falsch gepolt. Wir schauen auf die Großen, Reichen und Mächtigen, auf die, die im Rampenlicht stehen. Aber weil Gott beschloss, seinen Sohn in einem unbedeutenden Nest in einem unbedeutenden Land als Sohn unbedeutender Eltern zur Welt kommen zu lassen hätte die Menschheit dieses historische Ereignis beinahe komplett verpasst. Denn außer ein paar von Engeln alarmierten Hirten und einigen verrückten Sterndeutern hatte niemand die Zeichen der Zeit erkannt. So ist es auch heute noch: Wenn Gott uns nicht durch seinen Geist die Augen öffnet bleibt uns das Wunder von Weihnachten verborgen.

Wie die Hirten Blogbild

Der Stall ist vor allem und zuerst ein Bild für unser Herz. Es ist dunkel, dreckig und stinkig durch unsere Sünde. Aber Jesus ekelt sich nicht vor uns. Er liebt uns! Er kommt mitten in unsere Dunkelheit, unsere Bitterkeit, unsere Wut und unser Versagen. Er klopft an unsere Tür und nimmt Wohnung in unserem unaufgeräumten Herzen – wenn wir ihm nur aufmachen und ihn hereinbitten.

Ich wünsche allen Lesern, Freunden und auch mir selbst einige ruhige Tage, in denen uns Gottes Geist ganz neu die Augen unseres Herzens öffnet für die unbegreifliche Liebe Gottes, die uns gerade in der Weihnachtsgeschichte und in dem Kind im Futtertrog so überwältigend vor Augen geführt wird. Vielleicht kann dieses Lied einen Beitrag dazu leisten. Die Aufnahme ist nicht mehr taufrisch. Aber es reicht, um das Lied kennen zu lernen und mit Hilfe dieses Akkordsheets vielleicht auch nachsingen zu können. Und spätestens dann kann Weihnachten so richtig romantisch werden…

Wie die Hirten

O mein Jesus, Du kamst in die Welt
wurdest gebor’n in einem Stall im kleinen Betlehem.
Du hast Deinen Thron vertauscht
mit einer Krippe und mit Stroh.
Du zogst Windeln an statt Deinem Königskleid.

O mein Jesus, wer kann versteh’n
was Du dort in jener Nacht hast für uns getan.
Deine Herrlichkeit und Macht
hast Du verlassen und Du kamst
bis hinab in uns’re tiefste Niedrigkeit.

Alle Engel beten Dich an
alle Zeit vor Deinem Thron bis in Ewigkeit.
Doch weil Du uns so sehr liebst kamst Du zu uns in uns’re Welt
mitten in den Schmutz und  in die Dunkelheit.

O mein Jesus, Du kamst auch zu mir
in den Schmutz und in die Nacht meiner Sünden.
Doch Du wurdest mir zum Licht und Deine Liebe macht mich heil.
Staunend seh’ ich, Herr, was Du für mich getan!

Wie die Hirten komm ich zu Dir
an Deine Krippe und beug’ die Knie.
Deine Liebe ist so groß und ich weiß: Sie gilt auch mir!
So wie Du Dich für mich gabst, geb’ ich mich Dir.

Zeitlos gültige Baupläne

Manche Passagen der Bibel bewegen sich in Bezug auf Spannung und Dramatik in etwa auf dem Niveau eines Telefonbuchs. So auch die vielen Kapitel im 2. Mose, in denen Planung und Bau der “Stiftshütte” (also des transportablen Vorläufers des Tempels) beschrieben wird. Da fragt man sich: Was sollen wir heute bloß mit all diesen Details zu Zelt, Brandopferaltar, Wasserbecken, Schaubrottisch, Ölleuchter, Räucheraltar und Bundeslade anfangen?

Einfache Antwort: Sehr, sehr viel!!!

Wenn wir wollen, dass Menschen in Gottes Gegenwart aufatmen können müssen wir ja die große Frage klären: Wie kommt Gottes Gegenwart zu den Menschen? Genau darauf geben die Baupläne der Stiftshütte Antwort! Denn ihr Zweck war ja genau der: Einen Ort zu schaffen, an dem der heilige Gott mitten unter den sündigen Menschen wohnen kann. Die einzelnen Gegenstände machen deutlich, was aus Gottes Sicht für einen solchen Ort gebraucht wird. Man muss zum Glück kein Theologe sein, um die Symbolsprache dahinter zu verstehen:

Stiftshütte BlogbildAuffällig ist, dass alle diese Elemente von Erweckungsbewegungen schon einmal entdeckt wurden: Die Reformation und der Pietismus haben die Wichtigkeit des Wortes Gottes und biblischer Lehre betont. Die charismatische Bewegung hat die wichtige Rolle des Heiligen Geistes (für ihn steht das Öl im Leuchter!) erkannt. Den Heiligungsbewegungen des 19. Jahrhunderts wurde die Notwendigkeit von Umkehr und Heiligung besonders wichtig. Die Herrnhuter haben eine enorme Hingabe und Opferbereitschaft entwickelt, als sie zahlreiche Missionare in alle Welt sandten. Mit ihrer 100-jährigen 24/7-Gebetskette haben sie zudem eine intensive Kultur des Gebets und der Anbetung gelebt.

Manchmal waren diese Bewegungen leider etwas einseitig auf bestimmte Elemente fixiert. Sie haben deshalb an Dynamik verloren und manche ihrer Entdeckungen sind dadurch wieder in Vergessenheit geraten oder wurden gar von anderen Bewegungen bekämpft.

Deshalb glaube ich: Es ist Zeit, Gottes Bauplan neu zu beachten, endlich alle diese Elemente gemeinsam in den Blick zu nehmen und gleichermaßen zu fördern (und da habe ich bei mir selbst noch ganz schön viel zu tun). Ich bin sicher: Wenn wir uns mit unseren verschiedenen Schwerpunkten als lebendige Steine zusammenfügen lassen wird Gottes Gegenwart sich mehr denn je kraftvoll in unserer Mitte offenbaren und Menschen verändern!

Übrigens: Der Text würdigt ausführlich die Künstler und Baumeister der Stiftshütte. Die Wertschätzung Gottes für ihre Arbeit trieft förmlich durch alle Zeilen – nicht zuletzt durch die eindrucksvolle Wolke und Feuersäule, die nach der Fertigstellung die Gegenwart Gottes sichtbar werden ließ. Deshalb lass Dir sagen, der Du heute an Gottes Gemeinde baust, Dich dafür investierst, aufopferst und Deine Gaben dafür trainierst: Lass Dich nicht entmutigen! Gottes Gunst ist auf Dir! Bau weiter an diesem wichtigsten Ort, den es auf der Erde überhaupt nur geben kann: Der Ort, an dem ER seine Gegenwart offenbart!

Siehe auch:

History Maker – wenn junge Christen Geschichte schreiben

Sonntag, 26. Oktober 2014: Ich sitze vor etwa 30 Teenagern und jungen Erwachsenen, die gerade im Rahmen einer „Community Week“ 1 Woche lang zusammen im evangelischen Gemeindehaus wohnen. Die kommenden Tage sollen dafür genutzt werden, die ChurchNight vorzubereiten, die am darauffolgenden Freitag stattfindet. Ich eröffne die Planungen mit dem Satz: „So sieht im Moment das Programm der ChurchNight aus.“ Dabei zeige ich ein weißes Blatt Papier in die Runde.

CN Band zugeschnitten1ModerationWas dann geschieht verblüfft mich bis heute. So viel Kreativität, Begeisterung und Engagement hätte ich mir nicht träumen lassen. Rasch füllen die Jugendlichen ganz selbständig das von ihnen gewählte Thema „History Maker“ mit Inhalten. Da werden 4 Themenblöcke definiert, ein Tanz wird choreografiert, die Band probt, ein Video wird produziert, 2 junge Moderatorinnen durchdenken die Abläufe, ja sogar das Predigen wird teilweise von den Jugendlichen selbst übernommen.

Das „Gesamtkunstwerk“, das am 31.10. dann in unserer Martinskirche zu erleben war, hat die Besucher tief beeindruckt, und zwar nicht nur wegen der Vielfalt an Gaben und Talenten sondern vor allem wegen der Leidenschaft und Tiefe, die an diesem Abend zu spüren war.

Tanz1Der letzte Predigtimpuls wurde von 2 Teenagern in Form eines „Poetry Slams“ vorgetragen. Raus aus der Passivitätwar ihre herausfordernde Botschaft. Beschämt hat mich, dass es in der Tat in meiner Generation so wenige Vorbilder gibt für diesen jesusmäßigen Lebensstil, den sie leben wollen. Deshalb müssen gerade auch wir Älteren diesen eindringlichen Weckruf so dringend hören. Denn Kirche hat nur Zukunft, wenn wir gemeinsam aufstehen, um mit Gott Geschichte zu schreiben. Danke an Euch junge Leute, dass Ihr einfach schon mal angefangen habt.

Raus aus der Passivität

Was wäre, wenn…?

Was wäre, wenn wir in einer Gesellschaft leben würden, in der uns weder Trägheit noch unser schnelles Leben davon abhalten würden anderen Menschen unsere Hand zu reichen?

Was, wenn uns weder unser Stolz noch unser Egoismus daran hindern würden, uns der Not anderer zu stellen?

Stell dir vor, du hättet keine Angst, schlecht dazustehen und wärst in Situationen, in denen du gebraucht wirst nicht überfordert, weil du dich nicht für zu unbedeutend oder unfähig hältst, denn oft sind es unsere eigenen Gedanken, die uns entmutigen.

Was wäre, wenn wir anfangen würden den Blick von unseren eigenen Problemen zu heben und beginnen, umsichtig die Not der Anderen zu erkennen?

Aber ehrlich, wann hätten wir diesen Blick erlernen sollen und von wem? Zu selten gibt es Menschen, Vorbilder, die uns das konkret vorleben, an denen wir uns ein Beispiel nehmen können.

Doch es gibt einen, der hat das beispiellos und konsequent in seinem Leben umgesetzt: Jesus! Nehmt euch ihn zum Vorbild! Lasst es uns sein, die damit anfangen, eine Generation von Historymakern zu werden, die die Bibel leben, denn vielleicht bist du der letzte Jesus, den dein Nächster erlebt und die erste Bibel die er lesen kann. Gott schenkt uns genügend Möglichkeiten in unserem Alltag, wir müssen unseren Blick nur schärfen, um sie zu erkennen und dann zu ergreifen.

Und es ist wahr: Niemand ist durch Geben je arm geworden. Jedes Mal, wenn wir helfen, wachsen wir selbst und bekommen Dankbarkeit geschenkt. Aber wichtig ist: Lass dich nicht entmutigen, denn es könnte sein, dass gerade dein Wort und deine Tat einen Stein ins Rollen bringt, dessen Größe dir gar nicht bewusst ist.

Aber ist es wirklich DAS, was wichtig ist? Dass wir uns durch gute Taten groß machen? Nein! Was viel mehr zählt ist doch der Fakt, dass Gott uns als seine Werkzeuge gebrauchen möchte, dass wir ein Teil seiner Geschichte sein dürfen. Also glaube nicht länger an zufällige Begegnungen. Gott schickt euch auf den Weg! Auf den Weg, um seine Geschichte, His Story, zu teilen und groß zu machen.

Wir haben die Kraft dazu. Denn unsere Quelle der Stärke liegt in unserem Herrn. Sie versiegt nie.

Was wäre, wenn Du jetzt verändert aus diesem Gottesdienst heraus gehst, anfängst aufzustehen.

Was wäre, wenn…?

Text: Danica Schillhorst und Helena Müller  /  Fotos: Rolf Sahm

Siehe auch:

Den Himmel gibt’s echt! Aber…

…gibt es auch lebende Menschen, die ihn schon gesehen haben?

Christliche Berichte über Nahtoderfahrungen (NTE) mit Himmelserlebnissen haben Hochkonjunktur. Kein Wunder. Wer würde sich nicht wünschen, einen Blick in die Ewigkeit werfen zu können? In manchen Kinos läuft unter dem Titel „Den Himmel gibt’s echt“ gerade sogar ein Film über einen Jungen, der während einer lebensbedrohlichen Krankheit den Himmel gesehen haben will. Was die Geschichte besonders macht: Der Junge erzählt auch von der Begegnung mit einer Schwester und seinem Großvater, die beide verstorben sind und die er nie kennen gelernt hat. Ist das ein Beweis, dass der Junge wirklich den Himmel gesehen hat? Jedenfalls ist es so beeindruckend, dass die Geschichte in den USA ein absoluter Renner ist.

Ich habe schon viele Himmelsberichte von Christen mit einer NTE gehört und gelesen. Vor allem die Bücher von Don Piper und Todd Burpo fand ich spannend und ermutigend. Zumal erst vor Kurzem eine Gruppe von Wissenschaftlern auf Basis einer großen Studie erklärt hat, dass die verschiedenen Erklärungsversuche zur Entstehung der NTE’s nicht ausreichen, um die außerkörperlichen Erlebnisse rational verständlich zu machen. Interessant ist auch die Geschichte eines renommierten Neurochirurgen, der immer glaubte, dass das Gehirn eine biologische Maschine ist. Seit seiner NTE ist er fest überzeugt, dass der Mensch eine Seele hat, die unabhängig vom Körper weiterlebt.NahTodErfahrung

Jedoch steht für mich fest: Nahtoderfahrungen können niemals eine solide Basis für Glaubensüberzeugungen sein! Dafür ist einfach viel zu unsicher, was davon wirklich real, was Traum und was reine Erfindung ist. Für Christen ist die Bibel die einzige verlässliche Quelle zur Frage, was nach dem Tod passiert. Und trotzdem kann es spannend sein, sich mit NTE-Berichten auseinanderzusetzen. Diesen Sommer hat meine Frau mich auf ein Buch über eine NTE gestoßen, das mich geradezu umgehauen hat. Autor ist der Journalist Clemens Hagen. Da er kein Christ ist hat mich besonders interessiert: Was erlebt wohl ein Nichtchrist in einer NTE? Sieht er auch einen Himmel?

Hagen berichtet zunächst (so wie übrigens in jeder 3. NTE) von einer blitzschnell ablaufenden Bilderfolge, die ihm noch einmal sein ganzes Leben vor Augen führt. Dann schildert er:

„Plötzlich ist mir sehr kalt. Und ich frage mich, ob es Trost gibt. So etwas wie das Jüngste Gericht? Habe ich in den 50 Jahren auf diesem Planten mehr richtig gemacht oder mehr falsch? Wohin wird die Waagschale sich neigen? Wer wird darüber befinden? Was geschieht nun mit mir? Gibt es Himmel? Gibt es Hölle? Gibt es Strafe? Gibt es Vergebung? Gibt es Gott?“

Er wird in ein tiefes, dunkles Wasser hinabgezogen und landet schließlich in einem Garten neben einem Apfelbaum. „Gerade möchte ich einen Apfel pflücken, da erscheint eine Gestalt. Sie ist dunkel und bedrohlich.“ Intuitiv spricht Hagen das Wesen als „Herr Vorsitzender“ an, als wäre er in einer Gerichtsverhandlung. Und tatsächlich sagt die Gestalt zu ihm: „Deine Taten, die guten wie die bösen, kannst du nicht mehr rückgängig machen.“ Dann führt der „Vorsitzende“ ihm Ereignisse vor Augen, in denen er andere Menschen geschädigt hat: Einen Jungen hatte er so gemobbt, dass dieser sich beinahe umgebracht hätte. Ein Mädchen hatte er verlassen, die von ihm schwanger war und dann das Kind abgetrieben hat. Als Chef hatte er mehrere Mitarbeiter entlassen, wodurch ganze Familien zerbrochen sind.

Aber Hagen sieht nicht ein, dass er deswegen ein schlechter Mensch sein soll. Es folgt eine Serie von grauenvollen Visionen. Immer wieder wird Hagen gefoltert und gequält. Egal, ob er einer verstörenden Sexorgie beiwohnt oder als gnadenloser Finanzer selbst zum grausamen Täter wird: Immer geht es um das abgrundtief Böse und die völlige Abwesenheit von Gutem, das dem Bösen Einhalt gebietet. So stelle ich mir die Hölle vor.

Interessanterweise erwähnt das Buch, dass solche höllischen Visionen unter Komapatienten weit verbreitet seien. Auch die wissenschaftliche Studie über NTE‘s berichtet, dass 46 % der Patienten sich verfolgt fühlten oder Angst hatten. Nahtoderlebnisse sind also bei weitem nicht immer so harmonisch und friedvoll, wie oft behauptet wird.

Langsam erwacht Hagen aus dem Koma und seine quälenden Visionen vermischen sich immer mehr mit der Realität. Trotzdem wird deutlich: Hagen hält das, was er erlebt hat, nicht nur für dunkle Alpträume sondern er ist überzeugt, dass er mit einer realen jenseitigen Welt in Berührung gekommen ist. Der Gedanke an den „Vorsitzenden“ lässt ihn nicht los. Als er einen Chor „O happy day“ singen hört kommen ihm die Tränen. In den letzten Zeilen des Buchs notiert er:

„Ich denke heute häufig an das Lieblingsbibelzitat meines leider viel zu früh verstorbenen Vaters. … Es lautet: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Es hat ihm Kraft gegeben zu einer Zeit, als er bereits wusste, dass sich sein Leben dem Ende zuneigt. Er hat sein Wissen damals ganz für sich behalten, um die Familie nicht zu beunruhigen. Nur in seiner Bibel markierte er mit Bleistift den Vers. Ach, so denke ich oft, hätte ich ihm damals nur sagen können, was ich ihm heute sagen könnte.“

Als ich das Buch zuschlage bin ich erst einmal platt. Wie könnte man noch deutlicher das biblische Bild einer bösen unsichtbaren Welt bestätigen, die durch unsere bösen Taten das Recht bekommt, uns anzuklagen und zu beherrschen. Einen unbiblischen Allversöhnungsglauben kann man aus NTE’s somit gleich gar nicht ableiten. Aber vor allem denke ich: Ganz egal, woher Hagens Visionen tatsächlich kamen: Könnte ich ihm doch nur sagen, dass seine Verfehlungen nicht so harmlos sind, wie er denkt, dass er Vergebung braucht und dass er vor seiner nächsten Begegnung mit dem „Ankläger der Brüder“ unbedingt den Einen kennenlernen muss, der unsere Strafe am Kreuz auf sich genommen, die Anklagen gelöscht und dadurch die Mächte des Bösen entwaffnet hat. Das wünsche ich allen meinen Mitmenschen. Herr hilf mir, alles zu tun, dass sie es rechtzeitig erfahren.