10 Die Kirche muss von einer tiefen Leidenschaft für die Verlorenen geprägt sein!

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Lukas 19, 10: „Der Menschensohn ist gekommen, um Verlorene zu suchen und zu retten.“

Gott will, dass alle Menschen gerettet werden (1. Tim. 2, 4). Selbst wenn 99 von 100 Schafen beim Hirten sind: Er macht sich auf die Suche nach dem einen, das verlorenen ist. Wenn er es findet feiert der ganze Himmel (Luk. 15,3-7).

Bei uns ist die Situation im Moment leider eher umgekehrt: Nur etwa 5 von 100 Schafen sind beim Hirten. Und trotzdem kümmert sich die Kirche fast nur um diese 5. Dabei hatte Jesus die Leidenschaft Gottes für jeden Menschen doch mit so unglaublich schönen, eindrucksvollen Bildern beschrieben wie dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, dem der Vater bei seiner Rückkehr entgegenläuft, ihm um den Hals fällt, küsst und mit ihm ein großes Fest feiert. Und Jesus hat nicht nur gesprochen, er hat seine Leidenschaft für die Verlorenen auch praktisch gelebt: Immer wieder hat er die Gemeinschaft mit den verachteten Außenseitern gesucht, mit ihnen Zeit verbracht und mit ihnen gegessen. Dass er damit die Frommen seiner Zeit gegen sich aufbrachte hat ihn offenbar nicht gestört (Lukas 15, 1-2).

Wenn die Kirche ihrem Herrn folgt kann sie deshalb eigentlich gar nicht anders, als seine Leidenschaft für die Verlorenen zu teilen. Solange die Kirche sich aber zurückzieht in ihr gutbürgerliches Milieu, solange sie sich selbst genug ist, solange sie sich nur konzentriert auf ihre Gemeindeprogramme, solange sie die Nase rümpft über einen verlotterten Obdachlosen oder einen gepiercten Punk, der sich in die Kirche verirrt hat, solange verfehlt sie ihr Ziel.

Kirche, die die Verlorenen liebt, muss hinausgehen und sich Zeit nehmen für die Menschen, die uns und Jesus brauchen. Und sie muss ihre Veranstaltungen so gestalten, dass gerade die Außenseiter der Gesellschaft sich besonders herzlich willkommen fühlen. Sie muss ihre Botschaft so formulieren, dass die Einladung, zum himmlischen Vater nach Hause zu kommen, von wirklich jedem verstanden werden kann. Wenn sie das tut wird sie wieder regelmäßig Grund zum Feiern haben – über jeden verlorenen Sünder, der gerettet wird.

11 Kirche ist primär die Gemeinschaft Aller, die Jesus lieben, statt konfessionelle Institution!

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Johannes 21, 17: „Hast du mich lieb? … Dann weide meine Schafe.“  

Was meinte Jesus, als er zu Petrus sagte: „Auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen“? Dachte er da an eine Institution mit hierarchischen Strukturen, speziellen Kirchengesetzen und Kirchen­steuern?

Sicher war Jesus bewusst, dass eine so große Bewegung auch Strukturen braucht. Schon die Apostel setzten zur Versorgung der Witwen Diakone ein, weil sie selbst sonst organisatorisch überfordert gewesen wären. Paulus hat an jedem Ort Älteste eingesetzt. Und es gab von Anfang an regelmäßige Zusammenkünfte, bei denen möglichst alle dabei sein sollten.

Und doch macht die Bibel in vielen Bildern und Vergleichen klar: Die Strukturen und Organisationsformen sind nicht das Wesen der Kirche. Kirche ist im Kern keine Institution sondern ein lebendiger Organismus. Weder Kirchenmitgliedschaft noch Taufe ist das entscheidende Kriterium bei der Frage, wer zur Kirche gehört. Mit-Glied sind vielmehr alle, die zum Leib gehören, weil sie mit Jesus als Haupt des Leibes verbunden sind.

Deshalb gilt für mich ganz praktisch: Wer Jesus liebt und ihm folgt, der ist mir Schwester und Bruder. Mit dem bin ich verbunden, egal ob evangelisch, katholisch, freikirchlich oder institutionell gänzlich ungebunden. In Wahrheit gibt es trotz all der institutionellen Vielfalt schon immer nur 1 Kirche: Die Gemeinschaft Aller, die Jesus lieben.

So hilfreich und notwendig Strukturen und Organisationen auch sein mögen: Es ist höchste Zeit, dass wir uns in unserem Herzen in allererster Linie zu dieser einen, einzigen Kirche zugehörig fühlen und uns mit allen Jesusnachfolgern in unserem Umfeld und auf der ganzen Welt herzlich verbunden wissen. Und es ist Zeit, dass wir alle Strukturen und Organisationsformen immer wieder überprüfen auf die Frage hin: Dienen Sie noch dem Wachstum des Leibes Christi und der lebendigen Gemeinschaft der Kinder Gottes? Oder sind sie zum Selbstzweck und somit zum hinderlichen Ballast geworden?

12 Die Kirche schöpft ihre Kraft aus der Freude über ihre Erlösung!

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Philipper 3, 1: „Was immer auch geschehen wird, liebe Freunde, freut euch im Herrn. Ich werde nicht müde, euch dies zu schreiben, denn es wird euch nur noch mehr stärken.“
Nehemia 8, 10: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

Lange Zeit war mir dieser seltsame Widerspruch gar nicht aufgefallen: Da lasen wir als Gemeinde die hochemotionalen Psalmen Davids mit all den Aufforderungen zum Jauchzen und Jubeln, aber unser Tonfall war eher wie bei einer monotonen Verlesung eines Notarvertrags. Dabei können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass die biblischen Autoren echten Jubel und Freudengesang vor Augen hatten, wenn sie diese Vokabeln benutzten. Die Hebräer gingen eben schon immer von einer Einheit zwischen Körper und Geist aus. Sie wussten um die Wichtigkeit von Emotionen, die – wenn sie echt sind – immer auch körperlichen Ausdruck finden (wie man in jedem Fußballstadion leicht beobachten kann).

Die staubtrockene Atmosphäre in vielen Gemeinden ist eben nicht nur Ausdruck einer verkopften Kultur oder Prägung sondern auch ein Hinweis auf einen Mangel an Gnade, Vergebung und Dankbarkeit für unsere Erlösung durch Jesu Opfertod am Kreuz.

Das Problem dabei ist: Die Freude an Jesus ist für Christen eine entscheidende Kraftquelle! Wer sich nicht authentisch über seine Erlösung freut, der ist auch nur wenig dienst- und opferbereit. Dem fehlt die Kraft für die kleinen und großen Herausforderungen des Glaubensalltags. Der kann seine emotionalen Bedürfnisse nicht aus dem Glauben heraus stillen und muss sich zwangsläufig andere Quellen suchen. Und der ist auch kein glaubwürdiges Zeugnis für den Glauben an den Erlöser.

Vom atheistischen Philosophen Friedrich Nietzsche stammt der Satz: “Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.” Erst wenn der Jubel der Erlösten wieder ein Wesenskern und Markenzeichen der Kirche wird, dann wird sie auch wieder die Kraft, Opferbereitschaft, Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit haben, die ihr heute fehlt.

13 Die Kirche lebt in der Erwartung des wiederkommenden Christus!

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Offenbarung 22, 20: „Derjenige, der dies alles bezeugt, sagt: »Ja, ich komme bald!« Amen! Komm, Herr Jesus!“

Advent heißt für die meisten Christen: Einstimmung auf Weihnachten. Dabei deutet das Wort Advent (=“Ankunft“) mindestens ebenso auf die Wiederkunft Jesu hin! Dass diesen Aspekt kaum jemand auf dem Radar hat ist eigentlich seltsam. Bei den ersten Christen war das nämlich genau umgekehrt: Nirgends lesen wir in der Bibel, dass sie sich großartig mit der Erinnerung an Jesu Geburt beschäftigt hätten. Aber die Erwartung seiner Wiederkehr war ein Riesenthema für sie! Das hat ihnen inmitten von Verfolgung Kraft und Hoffnung, Leidenschaft und Opferbereitschaft verliehen.

Eine ganze Reihe von Jesu Gleichnissen fordern uns auf, dass wir jederzeit bereit sein sollen für seine Wiederkehr. Paulus hielt die Sehnsucht nach Jesu Wiederkehr sogar für ein zentrales Merkmal eines Christen. Ganz offensichtlich ist das Bewusstsein der bevorstehenden Wiederkunft Jesu wichtig für ein gesundes Christsein, weil sie unsere Prioritäten und Perspektive auf die Welt geraderückt. Und angemessen ist die Erwartung des baldigen Kommens Jesu in jedem Fall. Schließlich kann jeder von uns schon heute vor seinem Schöpfer stehen – auch wenn Jesus erst in 1000 Jahren wiederkommen sollte.

Natürlich wird kein Mensch je vorhersagen können, wann Jesus wiederkommt. Aber selbst wenn es noch etwas länger dauert gilt in jedem Fall: ER WIRD KOMMEN! Und zwar plötzlich und überraschend, wie ein Dieb in der Nacht, den niemand erwartet. Er wird auf dem Ölberg erscheinen, genau wie er damals in den Himmel gegangen ist. Dann wird er sein ewiges Reich aufrichten. Alle, die in seinem Buch geschrieben stehen, wird er bei sich versammeln, ihre Tränen abwischen und ein Fest mit ihnen feiern. So kostbar die Rückbesinnung auf Jesu Geburt auch ist: Angesichts dieser gewaltigen Aussichten hat die Kirche Jesu allen Grund, viel mehr nach vorne als nach hinten zu schauen!

Ölberg

Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Kirche sich neu anstecken lässt von der Sehnsucht der ganzen Schöpfung nach Jesu Wiederkehr. Und wenn wir das nächste Mal die „Ankunfts-Kerzen“ anzünden verbinden wir das am besten mit diesem letzten Gebet der Bibel: „Komm, Herr Jesus!“ Diese Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Jesu ist seit jeher ein zentrales Wesensmerkmal der Kirche.

Der ganze Artikel zur These 13: Warten auf den explosivsten Tag der Weltgeschichte

14 Die Kirche verkündigt Christus als den einzigen Weg zu Gott und zum ewigen Leben!

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Apostelgeschichte 4, 12: „In ihm allein gibt es Erlösung! Im ganzen Himmel gibt es keinen anderen Namen, den die Menschen anrufen können, um errettet zu werden.

Johannes 14, 6: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Unstrittig gilt in der evangelischen Kirche die Aussage „Solus Christus – Christus allein“ als wahr. Neuerdings stellt die EKD jedoch die These auf, dass dieses zentrale Bekenntnis der Reformation zu den subjektiven, nicht zu den objektiven Wahrheiten gehört. So schreibt sie in ihrem Papier „Reformation und Islam“, dass die reformatorische Rede von „Christus allein“ zwar damals noch einen Ausschluss anderer Vorstellungen beinhaltete. Heute könne man das aber nicht mehr ohne weiteres so sehen. Erstens weil die biblischen Texte nicht mehr wie damals als unmittelbares »Wort Gottes« verstanden werden könnten. Zweitens äußert die EKD (S. 25):

„Die Herausforderung besteht darin, von Christus zu sprechen, aber so, dass dabei nicht der Glaube des anderen abgewertet oder für unwahr erklärt wird. So wie für den Christen das Gehören zu Christus der einzige Trost im Leben und im Sterben ist, so ja auch für den Anhänger der anderen Religion sein spezifischer Glaube.“

Für mich mag also gelten: Christus allein ist mein Trost. Für andere Menschen (z.B. Muslime) gilt eben eine andere subjektive Wahrheit. Passend dazu ist im gesamten Papier vom Missionsauftrag keine Rede. Stattdessen wird nur vom Dialog gesprochen, aber ohne missionarisches Ziel, wie das bei subjektiven Wahrheiten nun einmal üblich ist.

Blogbild Christus allein groß

Die Bibel hingegen sagt von der ersten bis zur letzten Seite: Christus ist DAS Zentrum der Geschichte Gottes mit allen Menschen. Ihre ganze Heils- und Weltgeschichte ist vollständig auf Christus ausgerichtet. Wer die zentrale Rolle von Christus als objektive, für alle Menschen gültige Wahrheit anzweifelt, muss deshalb zwangsläufig die ganze Bibel anzweifeln.

Wenn die Kirche aber selbst nicht mehr daran glaubt, objektive Wahrheiten in den Händen zu halten, dann hat sie auch nichts mehr, woran Menschen sich verlässlich festhalten können, weder im Leben noch im Sterben. Wenn alles gleich gültig ist, ist alles gleichgültig. Kein Wunder, dass die Botschaft der Kirche weder als attraktiv noch als provokant wahrgenommen wird sondern so oft einfach nur noch desinteressiertes Achselzucken hervorruft.

Deshalb ist es 500 Jahre nach Luther allerhöchste Zeit, es neu zu buchstabieren: Christus allein! Für alle Menschen, zu allen Zeiten! Nur so hat Kirche Zukunft.

Der ganze Artikel zur These 14: Christus allein! – Für Christen objektiv oder subjektiv wahr?

15 Die Kirche verkündigt das Evangelium vom anbrechenden Reich Gottes!

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Matthäus 24, 14: „Die Botschaft vom Reich Gottes wird auf der ganzen Welt gepredigt werden, damit alle Völker sie hören.“

Das zentrale Thema des Neuen Testaments ist die Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes. Schon die allerersten Worte, die Markus von Jesus überliefert, zeigen das: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“ (Markus 1, 15) Matthäus berichtet sogar, dass Jesus im Grunde permanent über dieses Thema sprach: „Jesus erzählte ihnen noch viele andere Gleichnisse, um ihnen das Reich Gottes begreiflich zu machen.“ (Matth. 22, 1)

In seinen Reden und Gleichnissen beschrieb Jesus ein Reich, in dem vollkommen andere Gesetze gelten: Es gehört Menschen, die wie Kinder vertrauen (Luk. 18, 16-17). Die Größten sind nicht die Herrschenden sondern die, die allen dienen (Matth. 23, 11). Es steht nicht in Konkurrenz zu den politischen Systemen, da es nicht von dieser Welt ist (Joh. 18, 36). Sich dem herrschenden politischen und zugleich Gottes Königsherrschaft unterzuordnen war deshalb für Jesus und Paulus kein Widerspruch.

Und doch machte Paulus klar, dass es beim Evangelium vom Reich Gottes letztlich um einen Herrschaftswechsel geht,  heraus  „aus der Macht der Finsternis“ hinein „in das Reich des geliebten Sohnes“ (Kol. 1, 13).

Paulus lehrte uns auch, dass die ganze Schöpfung sehnsüchtig auf den Tag wartet, an dem ausgerufen wird: „Jetzt ist es geschehen: Die Rettung und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus sind da!“ (Offb. 12, 10) Dann wird Jesus auf der Erde sein ewiges Friedensreich aufrichten, in dem es keine Tränen, kein Leid, keinen Tod und keine Schmerzen mehr gibt (Offb. 21, 4).

Bis dahin hat Jesus seine Kirche beten gelehrt:

„Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“

Wo Jesu Wille geschieht, wo er in unserer Mitte regiert, da ist dieses Reich schon jetzt mitten unter uns. Als seine Nachfolger sind wir Botschafter dieses Königreichs, die die Menschen aufrufen, sich mit dem König versöhnen zu lassen.

Es ist Zeit, dass die Kirche wieder neu ihren Auftrag wahrnimmt, diese zentrale Botschaft Jesu und seiner Jünger in die ganze Welt zu tragen – bis alle Völker sie gehört haben.

16 Die Kirche ruft Menschen, ihr Vertrauen ganz auf Jesus zu setzen!

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Matthäus 6, 32b+33: „Euer himmlischer Vater kennt eure Bedürfnisse. Wenn ihr für ihn lebt und das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen macht, wird er euch jeden Tag geben, was ihr braucht”

Liebe, Geborgenheit, Bedeutung, Wert, Sicherheit, Sinn, Glück: Das sind Bedürfnisse, die wir alle haben. Ohne Ausnahme. Ganz normal ist es deshalb, dass wir unser Leben so gestalten, dass diese Bedürfnisse möglichst optimal gestillt werden. Anders ausgedrückt: Unsere Bedürfnisse bestimmen, was die Top-Prioritäten unseres Lebens sind.

Jesus hat uns ein simples Gegenmodell zu diesem bedürfnisorientierten Lebensstil vorgestellt. Seine Botschaft ist: Es gibt einen Gott, der weiß, was wir brauchen. Besser als wir selbst. Deshalb sollen nicht länger unsere Bedürfnisse sondern Gott und sein Reich die Top-Prioritäten unseres Lebens sein.

Ganz konkret fordert Jesus uns zu 2 Dingen auf:

  1. Vertrauen, dass Gott sich tatsächlich um unsere Bedürfnisse kümmert.
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  2. Eine Entscheidung, Gott und sein Reich zur obersten Priorität unseres Lebens zu machen und in erster Linie um ihn statt um unsere Bedürfnisse zu kreisen.

Dann – so verspricht Jesus – wird der Schöpfer des Universums sich höchstpersönlich um unsere Bedürfnisse kümmern und uns alles geben, was wir brauchen. Und wer könnte besser wissen, was uns wirklich guttut, als der, der uns geschaffen hat?

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Die Aufgabe der Kirche ist es, für diesen Lebensstil des Gottvertrauens zu werben und die Gläubigen darin immer wieder zu ermutigen. Zugleich muss sie deutlich machen, dass Jesus auch heute noch jeden Menschen zu einer Entscheidung herausfordert und uns sagt: “Komm, und folge mir nach!“ Damit stellt er uns alle vor die grundlegende Frage: Willst Du Gott zur obersten Priorität und zur Nr. 1 Deines Lebens machen?

Wenn wir die Bibel ernst nehmen ist unsere Antwort auf diese Frage die wichtigste Entscheidung, die wir im Laufe unseres Lebens überhaupt treffen können. Deshalb muss die Einladung Jesu, ihm zu folgen und ihm ganz zu vertrauen, auch heute in jeder Kirche zu hören sein!

Der Artikel zur 16. These: Das Jesus-Prinzip

17 Die Kirche ruft die Menschen in eine Liebesbeziehung mit dem himmlischen Vater!

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Römer 8, 15: Wir sind doch Kinder Gottes geworden und dürfen ihn »Abba, Vater« rufen.“

Das “Vaterunser”, das Jesus uns beten gelehrt hat, ist heute so geläufig, dass uns kaum noch bewusst ist, welche Provokation dieses Gebet damals war. Die Juden hatten Gott meist als “Herr” oder “König der Welt” angesprochen. Das von Jesus benutzte Wort “Abba” war im Vergleich dazu eine zutiefst vertrauliche, fast intime Anrede.

Dabei hatte Gott sich auch schon im Alten Testament als liebevoller Vater vorgestellt: “Wie sich ein Vater über seine Kinder zärtlich erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten” (Psalm 103, 13). Das zeigt: Die überschwänglichen, liebevollen und zärtlichen Gefühle, die ein Vater für sein Kind empfindet, empfindet Gott auch für uns!

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Nirgends macht Jesus das so deutlich wie im bewegenden Gleichnis von dem Sohn, der seinen Vater verlässt und seinen Besitz verprasst. Trotzdem hält der Vater jeden Tag Ausschau nach ihm, rennt ihm bei seiner Heimkehr von weitem entgegen, umarmt und küsst ihn. Ohne jede Vorbedingung, ohne Vorwürfe oder Strafen feiert er ein ausgelassenes Fest und gibt ihm die volle Würde eines Sohnes zurück (Lukas 15, 11-32). Damit hat Jesus ein revolutionäres und zugleich tief berührendes Bild des himmlischen Vaters gezeichnet.

So macht Jesus immer wieder klar: Solange wir die Liebesbeziehung zum Vater nicht kennen, verpassen wir das eigentliche. Solange Gott nur graue Theorie in unseren Köpfen ist, ein theologisches Konstrukt, das wir für wahr halten, von dem wir aber nicht im Herzen ergriffen sind, solange leben wir am eigentlichen Ziel unseres Lebens und Christseins vorbei.

Zumal eine lebendige Liebesbeziehung zum Vater die Basis ist für alle Veränderungen, die Gott in unserem Leben bewirken möchte: Heilung unserer Identität, positive Entwicklungen in unserem Charakter, in unseren Gewohnheiten, in unseren Beziehungen, in unserem Beruf und unserem Dienst für Gott: All das wächst aus dieser Liebesbeziehung zum Vater heraus. Ohne diese enge Verbindung mit ihm hingegen „können wir nichts tun“ (Joh. 15, 15).

Deshalb muss es die Kirche als ihre zentrale Aufgabe begreifen, die Menschen in eine lebendige Liebesbeziehung zum Vater zu rufen.

18 Die Kirche ruft Menschen in eine Freundschaftsbeziehung mit Gott!

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Johannes 15, 15: „Ich nenne euch nicht mehr Diener, weil ein Herr seine Diener nicht ins Vertrauen zieht. Ihr seid jetzt meine Freunde.”

Ist es angemessen, Gott als seinen „Freund“ zu bezeichnen? Schließlich ist Gott ganz sicher kein „Kumpel“ von nebenan. Er ist der Schöpfer des Universums und der Herr aller Herren! Als Johannes ihn sah im gleißend hellen Licht mit donnernder Stimme und einem Schwert im Mund fiel er ohnmächtig zu Boden. Paulus ging es auch nicht besser. Umso erstaunlicher ist es, dass die Bibel uns trotzdem lehrt, dass dieser gewaltige, ehrfurchtgebietende Gott tatsächlich unser Freund sein möchte.

Natürlich ist Gott auch im Neuen Bund unser Herr, dem wir nachfolgen und dienen sollen. Aber während Gott im Alten Bund die Menschen noch ausschließlich wie Knechte behandelt hat, denen man Regeln und Gebote auferlegt, geht Gott im Neuen Bund als Vater mit uns um (Galater 4, 7). Auch ein Vater stellt Regeln auf. Aber das Ziel eines Vaters ist nicht nur blinder Gehorsam. Gott will sein Gesetz „in unser Herz schreiben“ (Jeremia 31, 33), so dass sie Teil unserer Persönlichkeit, unseres Charakters, unseres Wesens werden. Sein Ziel für uns ist jetzt Reife und Mündigkeit (Epheser 4, 13)!

Je älter und reifer Kinder werden, umso mehr werden sie zu einem Gegenüber und zu Freunden ihrer Eltern. Genau das ist auch Gottes Ziel für uns. Schon im Alten Testament blitzt das immer wieder auf, z.B. wenn Abraham erfolgreich mit Gott verhandelt (1. Mose 18, 16-33) oder wenn von Mose berichtet wird, dass er täglich mit Gott „wie mit einem Freund redete“. (2. Mose 33, 11). Erst recht wird das im Neuen Testament deutlich, als Jesus seine Jünger, mit denen er so viel Zeit verbrachte, als seine Freunde bezeichnete.

Das beweist: Dieser gewaltige Gott will tatsächlich, dass wir kleinen Menschen ihm ein mündiges Gegenüber und sein Freunde werden! Es ist die große Aufgabe der Kirche, den Menschen diese gewaltige Botschaft zu bringen und sie in einen Wachstumsprozess hineinzuführen, in dem diese ungewöhnlichste aller Freundschaften immer mehr wachsen und gedeihen kann.

Mehr dazu im Artikel: „Ein Freund! Ein guter Freund…?“

19 Die Botschaft vom Kreuz muss im Zentrum der kirchlichen Botschaft stehen!

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Lukas 9, 23: „Wenn einer von euch mit mir gehen will, muss er sich selbst verleugnen, jeden Tag aufs Neue sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.“

Das Kreuz ist das Zentrum der christlichen Botschaft. Paulus hatte sich sogar extra vorgenommen, über gar nichts anderes zu reden (1. Korinther 2, 2). Jesus sagte, dass seine Jünger sich JEDEN TAG mit dem Kreuz befassen sollten. Aber was ist an dieser Kreuzesbotschaft denn eigentlich so wichtig?

Fakt ist: Das Kreuz provoziert. Es ist ein Skandal, den heutzutage manche Theologen am liebsten loswerden wollen, weil es nicht zur kuschligen Weichspülreligion passt, die mancher gerne hätte. Denn das Kreuz sagt uns Menschen: Wir stecken so tief im Sumpf der Sünde, dass wir aus eigener Kraft unmöglich ein Leben führen können, das in Gottes Augen bestehen kann. Unsere Schuld ist so gravierend, dass Gott uns als gerechter Richter verurteilen MUSS, sonst würde er sich selber schuldig machen. Um uns zu retten gab es für Jesus gar keinen anderen Weg, als an unserer Stelle unsere Schuld zu bezahlen und den Tod zu sterben, den wir verdient hätten.

DAS ist demütigend. DAS macht allen Vorstellungen vom Gutmenschentum ein jähes Ende und setzt die Axt an die Wurzel unseres Stolzes. Es raubt uns jede Illusion, dass wir doch irgendwie schon recht sind. Nein, sind wir nicht. Und wir werden daran trotz aller Bemühungen auch nichts ändern können.

Das Kreuz auf sich zu nehmen bedeutet deshalb: Kapitulieren! Aufgeben! Nicht länger versuchen, aus eigener Kraft ein anständiges Leben zu führen, auf das wir stolz sein könnten. Sondern auf die Knie gehen und eingestehen: Ich kann es nicht. Ich bin verloren. Ich kann mich nicht reinwaschen. Das einzige, was mir hilft ist, dass Jesus für mich bezahlt und mir einen Neuanfang schenkt, den ich eigentlich nie und nimmer verdient hätte. Was ich brauche ist: Gnade! Unverdiente Gnade.

Das hört sich alles ziemlich niederschmetternd an. Das ist es auch. Durch das Kreuz stirbt etwas in uns: Unser Stolz. Unser Profilierungsdrang. Unser Geltungsbedürfnis. Unser Macht- und Überlegenheitsstreben. Unser Rachebedürfnis. Kurz: Unser ichbezogenes Ego oder „alter Mensch”, wie die Bibel es ausdrückt. Aber das Paradoxe ist: Genau aus diesem Sterben heraus wächst neues Leben, das getränkt ist in der Gnade Gottes. Mit einer geschenkten Würde, die uns kein Mensch rauben kann und nicht am Beifall Anderer hängt. Mit einem neuen Herzen, das aus der Gnade, Liebe und Vergebung Gottes lebt und uns dadurch selbst zu gnädigen Menschen macht, die auch Andere tragen, ertragen und lieben können. Dort unter dem Kreuz baut Gott seine Kirche, die aus einer Gemeinschaft von begnadigten, erneuerten Menschen besteht, in denen Christus selber lebt.

Deshalb ist es höchste Zeit, die Botschaft vom Kreuz wieder zu dem machen, was sie ist: Ein Ärgernis! Ein Frontalangriff auf unseren Stolz! Und zugleich: Das Zentrum des Evangeliums! Die Mitte der Heilsbotschaft für die ganze Menschheit! HIER verliert die Sünde ihre Macht. HIER verliert der Tod seinen Sieg. Denner wurde gestraft, damit wir Frieden haben. Durch seine Wunden wurden wir geheilt.” Wenn wir mit ihm gestorben sind werden wir auch mit ihm leben. Diese Botschaft muss in jeder Kirche zu hören sein!

Mehr dazu im Artikel: „Warum das Kreuz?“