Warum wir der Bibel vertrauen können 7: Das bestätigte Weltbild

Die Bibel macht 2 grundlegende Aussagen über die Welt:

  1. Die Welt wurde von Gott geschaffen.
  2. Schöpfer und Schöpfung sind vollständig verschieden und getrennt voneinander.

Diese beiden Aussagen ergeben sich schon aus dem Schöpfungsbericht, werden aber noch vielfach wiederholt und verstärkt, z.B. durch die häufigen Warnungen, keine Geschöpfe sondern den Schöpfer anzubeten. Damit setzt sich die Bibel ab von den weit verbreiteten animistischen und pantheistischen Vorstellungen, die v.a. im Hinduismus und vielen Naturreligionen eine große Rolle spielen und die uns lehren, dass Gott in der Natur zu finden sei. Dieses Weltbild blockiert naturwissenschaftliches Denken, weil es dazu verleitet, Naturphänomene als göttliches Wirken zu interpretieren (z.B. den Donner als Ausdruck des Zorns der Götter) statt nach den natürlichen Ursachen zu suchen.

Das Christentum hingegen war durch die Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung nach der Reformation wegbereitend für die Entstehung der modernen Naturwissenschaft. Pioniere der Naturwissenschaft wie Kepler, Kopernikus oder Newton waren überzeugt davon, dass die von Gott geschaffene Welt intelligenten Gesetzmäßigkeiten folgt. So sagte z.B. der tiefgläubige Isaac Newton, der als einer der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten gilt: „Die wunderbare Einrichtung und Harmonie des Weltalls kann nur nach dem Plan eines allwissenden und allmächtigen Wesens zustande gekommen sein.“ Was folgte war eine gigantische naturwissenschaftliche Erfolgsgeschichte, die das biblische Weltbild einer vom Schöpfer getrennten und somit nach natürlichen Gesetzmäßigkeiten funktionierenden Schöpfung ohne Zweifel voll bestätigt hat.

Der grandiose Erfolg hat die Wissenschaft dazu verleitet, noch einen Schritt weiter zu gehen und Gott nicht nur bei der Erklärung der Naturphänomene sondern auch bei der Frage nach der Entstehung der Natur außen vor zu lassen. Inzwischen haben wir mehr als 150 Jahre gottlose Ursprungsforschung hinter uns. Das Fazit ist eindeutig: Der Versuch, die Entstehung der Welt ohne Gott zu erklären ist ein grandioser Flop! Trotz intensivster Forschungen haben wir bis heute keinerlei schlüssige Erklärungen dafür, wie…

… die passgenauen Naturkonstanten zustande kamen, die das Universum und das Leben überhaupt ermöglichen.

… aus unbelebten Bausteinen lebende Zellen entstehen konnten, obwohl auch die einfachst denkbare Zelle so unfassbar komplex ist, dass unsere Forscher sie bis heute nicht wirklich verstehen geschweige denn im Labor herstellen können.

… das Leben sich immer höher entwickeln und mehrfach unabhängig voneinander so unglaublich komplexe Strukturen wie z.B. das Linsenauge hervorbringen konnte.

… es zu der überwältigenden und oft sinnlos verschwenderischen Schönheit in der Natur gekommen ist.

… Geist und Bewusstsein entstehen konnte, so dass Menschen heute über Gott und die Welt nachdenken können.

Der 2. thermodynamische Hauptsatz beweist, was wir im Alltag permanent erleben: Ohne gezieltes Eingreifen wächst das Chaos, nicht die Ordnung. Die Informatik hat bestätigt, dass codierte Informationen, wie wir sie z.B. in der DNA vorfinden, immer zwangsläufig auf einen intelligenten Informationsgeber hinweisen. Die euphorische Hoffnung vom Anfang des 20. Jahrhunderts, dass man bald alles ohne Gott erklären kann, ist deshalb in der Wissenschaft längst verflogen. Vielmehr müssen wir anerkennen: Die neuen Erkenntnisse haben zwar einige Antworten aber noch viel mehr neue Fragen hervorgebracht. Die Idee, dass die Welt ohne Einfluss einer höheren Intelligenz hätte entstehen können, ist heute noch viel abstruser als vor 150 Jahren.

Würden wir der Bibel vertrauen hätten wir das schon längst wissen können. So schrieb z.B. Paulus: „Seit Erschaffung der Welt haben die Menschen die Erde und den Himmel und alles gesehen, was Gott erschaffen hat, und können daran ihn, den unsichtbaren Gott, in seiner ewigen Macht und seinem göttlichen Wesen klar erkennen. Deshalb haben sie keine Entschuldigung dafür, von Gott nichts gewusst zu haben.“ (Römer 1, 20)

Noch nie wussten wir so gut wie heute, dass Paulus recht hat: Die Schöpfung beweist, dass es einen Schöpfer gibt. In ihr ist nicht Gott, aber sehr wohl seine Weisheit zu finden. Dieses zutreffende Weltbild spricht einmal mehr dafür, dass die Bibel inspiriert wurde von dem, der die ganze Welt geschaffen hat und deshalb nun einmal auch am besten weiß, woher sie kommt und wie sie funktioniert.

⇒ Warum wir der Bibel vertrauen können 8: Das einzigartige Gottesbild

Vertiefend zu diesem Artikel:

Warum wir der Bibel vertrauen können 6: Das realistische Menschenbild

Es gibt eine Frage, die die Philosophen seit Jahrtausenden umtreibt und die bis heute nicht geklärt ist: Warum sind Menschen böse? Auf diese Frage gibt es im Prinzip 2 mögliche Antworten:

  1. Die Menschen tragen in ihrem Kern etwas Böses, das unabhängig von den Umständen immer wieder die Oberhand gewinnt.
  2. Die Menschen sind im Kern eigentlich gut, nur die widrigen Umstände können sie böse machen.

Weit populärer ist natürlich die 2. These. Kein Politiker dürfte äußern, dass Menschen im Kern böse sind. Auch in Kirchen hört man das kaum noch. Stattdessen hat es immer wieder Versuche gegeben, Gesellschaften von Machtstrukturen und ungleicher Besitzverteilung zu befreien, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Damit wurde die Hoffnung verbunden, dass es dann keine Gewalt mehr gibt. Der Kommunismus ist das populärste Beispiel für diesen Traum. Jedoch sind solche Versuche bislang allesamt kläglich gescheitert. Alle Hoffnungen auf ein kommunistisches Paradies haben sich zerschlagen.

Bibelleser überrascht das nicht. Denn die Bibel macht durchgängig deutlich, dass die Menschen in ihrem Kern etwas Böses in sich tragen, das nicht einfach dadurch verschwindet, dass man sie gut behandelt. Schon ganz zu Beginn in 1. Mose 8, 21 sagt die Bibel, dass die Gedanken und Taten der Menschen von Kindheit an böse sind. In Römer 3, 12 sagt Paulus, dass es keinen einzigen Menschen gibt, der gut ist. In Römer 7, 14-24 schildert er, dass das Böse auch in seinem eigenen Leben spürbar stärker ist als sein Wunsch, Gutes zu tun. Daran kann der Mensch aus sich selbst heraus auch nichts Wesentliches ändern.

Die Weltgeschichte belegt durchgängig, dass diese Sicht des Menschen äußerst realistisch ist. Der Kapitalismus hat sich weitgehend durchgesetzt. Er funktioniert, weil er im Kern auf den Egoismus des Menschen setzt, der ihn antreibt, etwas für sich selbst zu erreichen. Offenbar bringen Menschen auf Dauer nur dann Leistung, wenn sie selbst davon profitieren, nicht aber wenn sie nur für die Allgemeinheit etwas Gutes tun sollen.

Der menschliche Egoismus wird auch durch die Erfahrung belegt, dass in rein kapitalistischen Systemen die Unternehmer ihre Arbeiter rücksichtslos ausbeuten, wie es aktuell z.B. in der Textilindustrie in Entwicklungsländern wieder zu beobachten ist. Gut, dass wir in Deutschland mittlerweile eine umfangreiche Sozialgesetzgebung und Gewerkschaften eingeführt haben,
um die Unternehmer zu zwingen, nicht nur in die eigene Tasche zu wirtschaften!

Aber auch bei den politischen Systemen zeigt sich, dass das biblische Menschenbild zutrifft: Eigentlich wäre eine Monarchie mit einem guten und weisen Herrscher wesentlich effizienter als eine träge Demokratie. Jedoch erweist sich die Demokratie deshalb als das wesentlich bessere Modell, weil Machthaber kontrolliert werden müssen. Im Zweifelsfall muss es möglich sein, sie abzusetzen. Die Geschichte hat bewiesen, dass sie sonst schnell zu selbstgefälligen Ignoranten werden, die das Volk ausbeuten. Den guten König, der einfach nur das Beste für sein Volk will und ein Diener der Menschen ist, gibt es offensichtlich nur im Märchen.

All das zeigt: Auch wenn es uns nicht gefällt hat sich das biblische Menschenbild vielfach voll bestätigt. Und wir tun gut daran, eine entsprechend realistische Politik zu fördern, die das Böse im Menschen berücksichtigt anstatt auf ein unrealistisches Gutmenschentum zu setzen.

Auch bei diesem Thema zeigt sich: Die Bibel schmiert uns keinen Honig ums Maul. Ihre Ehrlichkeit und ihr Realismus ist bestechend. Auch das ist ein klarer Hinweis dafür, dass die Bibel von Gott inspiriert sein muss. Denn wer kennt uns Menschen besser als der, der uns geschaffen hat?

Warum wir der Bibel vertrauen können 7: Das bestätigte Weltbild

Vertiefend zu diesem Thema:

Warum wir der Bibel vertrauen können 5: Die schonungslose Ehrlichkeit

Nüchterne, objektive und differenzierte Geschichtsschreibung ist selten. Das liegt daran, dass wir Menschen nun einmal selten nüchtern und objektiv sind! Wir lieben es, schwarz-weiß zu malen. Spitzensportler können ein Lied davon singen: Heute werden sie hochgejubelt, morgen macht man sie zum Deppen der Nation. Auch Politikern und sonstigen Promis geht es nicht viel besser. Mit Sachlichkeit oder Objektivität hat die öffentliche Meinung oft wenig zu tun. Diktatoren tun deshalb alles, um sie nach Kräften zu unterdrücken.

Es wäre deshalb normal, wenn auch in der Bibel zumindest einige der Personen stark verzerrt dargestellt werden. Wir müssten Beschreibungen von dunklen Bösewichtern und heldenhaften Lichtgestalten erwarten. Und vor allem müssten wir erwarten, dass die Mächtigen der jeweiligen Zeit Einfluss genommen und die Texte zu ihren Gunsten schöngefärbt haben.

Tatsache ist aber: Die Bibel ist anders! Sie ist ehrlich! Sie ist sogar so schonungslos ehrlich, dass einem manchmal fast der Atem stockt:

Aber die erstaunliche Ehrlichkeit der Bibel hat noch mehr Aspekte:

  • Die Aussage von Frauen war in der Antike nichts wert. Hätte man damals einen überzeugenden Auferstehungsbericht erfinden wollen hätte man natürlich Männer und nicht Frauen das leere Grab von Jesus finden lassen. Nicht so die Bibel! Hier stehen Frauen im Mittelpunkt der wichtigsten Geschichte des Christentums!
  • Wenn die verschiedenen Evangelien über gleiche Ereignisse berichten unterscheiden sie sich oft voneinander und scheinen sich sogar zu widersprechen. Zwar wurde vielfach gezeigt, dass sich diese Texte sehr wohl zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen und deshalb keineswegs widersprüchlich sein müssen. Trotzdem sind es gerade diese Abweichungen, die die Texte so glaubwürdig machen – denn sie zeigen, dass es sich um unabhängige Zeugen handelt und dass niemand nachträglich die Berichte verändert hat, um sie glattzubügeln und kompatibel zu machen.
  • Jesus war keineswegs immer nett und friedlich. Im Gegenteil: Er hat die geistlichen Führer rüde angegriffen („verbohrte Dummköpfe“, Schlangenbrut“, „getünchte Gräber“…), manchmal radikalste Forderungen gestellt und teilweise so provozierende und schwer verständliche Reden gehalten, dass ihm die meisten seiner Nachfolger wieder davongelaufen Manches davon dürfte bis heute kein Prediger von der Kanzel sagen, ohne sofort gefeuert zu werden. Trotzdem hat es niemand für nötig befunden, solche sperrigen Aussprüche Jesu zu entschärfen.

Wie kann man sich diese Ehrlichkeit der Bibel erklären? Wer hat darauf geachtet, dass hier quer durch die Generationen, Herrschafts- und Machtsysteme hindurch 66 lange Bücher lang nie jemand geschont oder einseitig glorifiziert wird und dass niemand die Botschaft glättet oder an den Geschmack der Leser anpasst? Ich finde dafür keine andere wirklich vernünftige Erklärung als die, dass Gott strikt darauf geachtet hat, dass sein Buch ausschließlich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit berichtet.

Warum wir der Bibel vertrauen können 6: Das realistische Menschenbild

Vertiefend zu diesem Thema:

  • Der mit Gott kämpft Was uns biblische Namen über die Ehrlichkeit der Bibel und über Gottes unendliche Gnade sagen

Warum wir der Bibel vertrauen können 4: Die durchgängige Geschichte

Allein in den letzten 500 Jahren hat es in der christlichen Theologie gewaltige Umbrüche gegeben. Würde man Schriften eines modernen Theologen wie Rudolf Bultmann mit Schriften von Martin Luther in 1 Buch zusammenpacken gäbe es zahlreiche Widersprüche. Nähme man dann noch einen katholischen Vertreter aus der Zeit vor der Reformation dazu wäre das theologische Chaos komplett.

Im Vergleich zur Bibel sollte das aber immer noch harmlos sein! Denn die Bibel wurde über einen Zeitraum von 1600 Jahren von mindestens 40 äußerst unterschiedlichen Autoren geschrieben (vom einfachen Handwerker bis zum gelehrten König war alles dabei), die zudem völlig verschiedenen kulturellen und religiösen Einflüssen ausgesetzt waren und dabei – im Gegensatz zu den christlichen Theologen – keine Bibel als gemeinsame Glaubensgrundlage hatten. In einem so abenteuerlichen Sammelband wäre alles andere als eine wilde, zusammenhanglose Mischung unterschiedlicher und widersprüchlicher Gottesvorstellungen eine riesige Überraschung!

Die Realität ist deshalb absolut verblüffend: Tatsächlich erzählen die 66 Bücher der Bibel eine gemeinsame, durchgängige Geschichte mit einem klar erkennbaren roten Faden und sie entwerfen dabei ein geschlossenes Bild von Gott und der Welt. Übereinstimmend erklären sie zum Beispiel:

  • Es gibt einen persönlichen, redenden und leidenschaftlichen Gott mit einigen geradezu menschlichen Zügen (laut Mose 1, 26+27 wurde der Mensch ja nach Gottes Bild erschaffen).
  • Gott offenbart sich von Beginn an auch als Geist. Und bereits das AT enthält deutliche Hinweise auf Gottes Sohn. Neben diesem dreieinigen Gott gibt es keine anderen Götter.
  • Gut und Böse sind klare Gegen­sätze. Sie werden durch Gott und seinen Widersacher, den Teufel, personifiziert.
  • Der heilige Gott kann Sünde nicht ertragen. Sünde hat katastrophale (letztlich tödliche) Folgen und trennt uns von Gott und seinem Segen.

Basierend auf diesem Gottes- und Weltbild entfaltet die Bibel eine dramatische Geschichte, in der es im Kern um Gottes Ringen um eine Liebesbeziehung zu den Menschen geht. Sie beginnt mit dem Bericht darüber, wie diese Beziehung zerbricht und sie endet mit der Schilderung, wie sie wieder hergestellt wird. Der zentrale Wendepunkt ist Jesu Tod am Kreuz, der den Vorhang im Tempel zerreißen lässt und damit den versperrten Zugang zu Gottes heiliger Gegenwart wieder öffnet.

Quer durch die Bibel ist Jesus der Dreh- und Angelpunkt: Schon gleich nach der Katastrophe im Garten Eden kündigt Gott der Schlange (ein Bild für den Teufel) einen Nachkommen Evas an, der ihr am Ende den Kopf zertritt, obwohl die Schlange ihn „stechen“ wird. Schon bald folgen immer direktere Hinweise auf diesen Nachkommen und sein stellvertretendes Sterben für die Sünden der Menschen:

Es ist also kein Wunder, dass Jesus beim Spaziergang mit den Emmausjüngern offenbar Stunden brauchte, um ihnen alle Stellen zu erklären, die schon im AT auf ihn hinweisen. Auch die Ereignisse an Pfingsten werden im AT bereits angekündigt. Und noch viel mehr Beispiele für die großen Erzähllinien und die zahllosen buchübergreifenden Zusammenhänge und Querverweise der Bibel könnten hier genannt werden.

Die große Frage ist: Wie konnten so extrem unterschiedliche Autoren in unterschiedlichen Epochen und Kulturen diese große, stimmige, zusammenhängende Geschichte schreiben? Wer war der kultur- und generationenübergreifende Regisseur, der den roten Faden definiert, beibehalten und schrittweise entfaltet hat?

Darauf finde ich keine befriedigende Antwort außer die, dass hier der eine Gott im Spiel gewesen ist, der durch alle Generationen hindurch der Herr der Geschichte ist und bleibt.

Warum wir der Bibel vertrauen können 5: Die schonungslose Ehrlichkeit

Vertiefend zu diesem Thema:

Warum wir der Bibel vertrauen können 3: Die eingetroffenen Vorhersagen

Etwa ein Viertel der ganzen Bibel beschäftigt sich mit Vorhersagen über zukünftige Ereignisse, von denen sich erstaunlich viele genau erfüllt haben. Die nachfolgende Aufzählung stellt nur eine kleine Auswahl dar:

Auch wenn es zu den Prophetien natürlich oft Interpretationsspielräume und Diskussionen gibt: Niemand behauptet heute, dass die Erfüllung all dieser Vorhersagen glückliche Zufälle sind. Stattdessen bringen Skeptiker im Wesentlichen 2 Argumente vor:

1. Die Vorhersagen wurden erst im Nachhinein in die Texte hineingeschmuggelt.

So behaupten bibelkritische Theologen z.B., dass Teile des Buchs Jesaja später eingefügt worden sein müssen, weil darin u.a. der Wiederaufbau des salomonischen Tempels vorhergesagt wird, obwohl er zu Jesajas Zeit noch nicht einmal zerstört war. Im Text erscheint sogar der Name des persischen Herrschers Kyros, der fast 200 Jahre nach Jesaja den Wiederaufbau anordnete!

Die Theorie der nachträglich eingefügten Prophetien würde aber bedeuten, dass die jüdischen Gelehrten über Jahrhunderte hinweg die prophetischen Texte immer wieder bewusst manipuliert hätten. Ist das angesichts der Ehrfurcht der Juden vor ihren heiligen Texten überhaupt denkbar? Warum ist dieser Betrug nie jemandem aufgefallen? Warum hat man nie Quellen gefunden, die das Flickwerk belegen?

Aber auch wenn man diese Theorie glauben möchte: Auf die alttestamentlichen Vorhersagen über Jesus lässt sich dieses Argument natürlich nicht anwenden, weil das AT nachweislich schon vor Jesu Geburt vollständig vorlag. Hier kommt dann das zweite Argument ins Spiel:

2. Die Berichte zum Leben und Sterben Jesu wurden im Nachhinein so manipuliert,
dass sie zu den alttestamentlichen Prophetien passen.

Aber wir haben es ja bereits erörtert: Solche Lügen über Jesus in der Zeit und der Region der Augenzeugen zu verbreiten hat wenig Erfolgsaussichten. Und die Leidenschaft, Ausstrahlung und Opferbereitschaft der ersten Christen spricht nicht dafür, dass sie gemeinsam ein ausgeklügeltes Lügengebäude erfunden haben.

Diese beiden Erklärungsversuche sind also schon sehr zweifelhaft. Vollständig ins Leere greifen sie jedoch bei den Vorhersagen, die die Neuzeit betreffen:

Alles nur Zufälle? Ich halte das für nicht wirklich vorstellbar. Wesentlich glaubwürdiger erscheint mir die naheliegende Annahme, dass diese eingetroffenen Vorhersagen tatsächlich von dem einen und einzigen stammen, der tatsächlich die Zukunft kennt: Gott.

⇒ Warum wir der Bibel vertrauen können 4: Die durchgängige Geschichte

Vertiefende Artikel zum Thema:

Warum wir der Bibel vertrauen können 2: Das Rätsel der Auferstehung

Das Leben und Sterben Jesu war in der Antike offensichtlich so bekannt, dass man es nicht ernsthaft bestreiten konnte. Jedenfalls tut das keine antike Quelle. Auch der jüdische Talmud wirft Jesus zwar Zauberei vor, bestätigt aber seine Existenz und Hinrichtung. Aber was wirklich erstaunlich ist: Es gibt auch keine antike Quelle, die behauptet, dass Jesus in Wahrheit im Grab verwest wäre! Das wäre ja der naheliegendste Einwand gegen das um sich greifende Christentum gewesen. Um dem christlichen Spuk ein schnelles Ende zu bereiten hätten die Gegner nur den Leichnam Jesu öffentlich präsentieren müssen. Jedoch wird das leere Grab nirgends bestritten.

Stattdessen wurden immer wieder Theorien entwickelt, um das leere Grab zu erklären. Schon die Bibel berichtet vom Gerücht, die Jünger hätten den Leichnam Jesu gestohlen, während die Wachsoldaten schliefen. Allein die Existenz dieses Gerüchts macht deutlich, wie groß schon damals die Erklärungsnot gewesen sein muss. Denn dass die unbewaffneten, kriegsunerfahrenen, eingeschüchterten und schwer enttäuschten Jünger sich kurzerhand aufraffen, todesmutig einen von Soldaten bewachten Leichnam zu stehlen, ist schwer vorstellbar. Die Aussage, dass die Soldaten geschlafen hätten, war gleich doppelt fragwürdig: Erstens wurde das Einschlafen während der Wache schwer bestraft. Und was noch seltsamer ist: Wenn die Soldaten tatsächlich eingeschlafen sind, woher wussten sie dann, dass die Jünger den Leichnam gestohlen haben?

Trotz dieser Unstimmigkeiten hat dieses Gerücht in unterschiedlichen Varianten bis heute überlebt. Seit damals sind noch ein paar mehr Theorien dazu gekommen:

  • War Jesus nur scheintot?
  • Hatten die Jünger eine Art kollektiver Halluzinationen?
  • Haben die Jünger die Auferstehungsgeschichte frei erfunden?

Die Idee, Jesus sei nur scheintot gewesen, kann man schnell abhaken. Selbst wenn – was extrem unwahrscheinlich ist – die römischen Henker Mist gebaut und den Körper Jesu vorschnell abgehängt hätten, selbst wenn Jesus den massiven Blutverlust im Grab trotz fehlender Flüssigkeitszufuhr überlebt hätte, selbst wenn er sich selbständig aus seinen Bandagen befreien, den schweren Stein beiseiteschieben und die Wachen hätte austricksen können: Wie um alles in der Welt hätte ein halb verbluteter, geschundener, traumatisierter und pflegebedürftiger Jesus die Jünger auf die Idee bringen können, dass er ein vom Tod auferstandener Gott und Messias ist?

Kollektive Halluzinationen können wir ebenso schnell vergessen. „Erscheinungen“ von Toten waren in der antiken Welt nichts Ungewöhnliches. Aber sie waren nur ein neuer Beweis dafür, dass die Person wirklich tot ist. Sie hätten daher niemand in Aufruhr versetzt. Hinzu kommt: Halluzinationen können Einzelne haben, aber nicht ganze Gruppen. Die Illusion hätte sich spätestens dann in Luft aufgelöst, wenn die vernünftig gebliebenen Realisten die Träumer daran erinnert hätten, dass Jesus nebenan im kühlen Grab verwest!

Aber selbst wenn man eine dieser Theorien glauben möchte: In jedem Fall wären dann die zahlreichen detaillierten Berichte der Bibel zur leiblichen Auferstehung Jesu frei erfundene Märchen. Besonders dreist wäre die Behauptung von Paulus, dass mehr als 500 überwiegend noch lebende Zeugen den Auferstandenen gesehen haben. Selbst wenn wir den Aposteln so viel Verschlagenheit unterstellen bleibt die große Frage: WARUM in aller Welt haben sie sich so etwas ausgedacht? Und warum ist diese Botschaft auf so fruchtbaren Boden gestoßen?

Das Problem war ja nicht nur, dass die Idee eines gekreuzigten (und damit in den Augen der Juden verfluchten) Gottessohns sowohl bei Juden wie bei Griechen äußerst unattraktiv war. Noch viel schlimmer ist: Jedem Verkündiger und jedem neuen Anhänger dieser Lehre musste klar gewesen sein, dass man sich damit nichts als Ärger und Todfeinde einhandelt!

Tatsächlich wurde die erste christliche Generation massiv verfolgt. Mehrere römische Historiker schildern eindrücklich, mit welch unfassbar grausamen Methoden die Christen massenhaft hingerichtet wurden. Vermutlich starben 11 der 12 Apostel den Märtyrertod. Und dann gab es da nicht einen Einzigen, der im Angesicht seiner Henker schwach wurde und zugab, dass alles nur eine Lüge oder ein schöner Traum gewesen ist?

Menschen riskieren ihr Leben für Überzeugungen – aber nicht für eigene Lügen! Nein, diese ersten Christen müssen zutiefst von der Auferstehung überzeugt gewesen sein, anders kann man sich ihren Enthusiasmus, ihre Ausstrahlung, ihren Erfolg in der Verbreitung ihrer Botschaft, ihre Leidens- und Opferbereitschaft und ihre fehlende Furcht vor dem Tod nicht erklären.

Fakt ist, dass bis heute niemand schlüssig erklären konnte…

… was die Jünger Jesu samt dem hoch gebildeten Christenhasser Paulus in so kurzer Zeit um 180° umgedreht und zu todesmutigen Botschaftern der Auferstehungsbotschaft gemacht hat.

… wieso diese Botschaft so kurz nach Jesu Tod mitten in Jerusalem nicht entkräftet werden konnte sondern vielmehr derart erfolgreich eingeschlagen hat, dass in kürzester Zeit eine große Gemeinde entstand, die die Basis für eine historisch einmalige weltweite Missionsbewegung wurde.

Bislang gibt es dafür nur eine schlüssige Erklärung: Jesus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Warum wir der Bibel vertrauen können 3: Die eingetroffenen Vorhersagen

Weiterführend zu diesem Artikel:

Warum wir der Bibel vertrauen können 1: Die hohe Qualität der Überlieferung

Tacitus gilt als der wohl größte Historiker der römischen Antike. Die Originalausgabe seiner im Jahr 110 veröffentlichten „Annalen“ ist jedoch längst verschollen. Die älteste bekannte Abschrift stammt aus dem 9. Jahrhundert. Dazwischen liegen fast 800 Jahre, in denen der Text wieder und wieder abgeschrieben wurde. Wir müssen befürchten, dass sich dabei im Lauf der Zeit immer mehr Fehler eingeschlichen haben. Bei anderen antiken Schriften wie z.B. von Homer, Herodot oder Julius Caesar beträgt die Zeitspanne zwischen der Entstehung und dem Alter der ältesten erhaltenen Abschriften sogar 900 Jahre oder mehr! Und die Zahl der erhaltenen alten Abschriften ist selten höher als 2-stellig.

Was leider kaum jemand weiß: Keines der antiken Werke ist auch nur annähernd so gut überliefert wie das Neue Testament. Wir kennen heute mehr als 5500 (!) historische Abschriften davon. Hinzu kommen viele Tausend Übersetzungen und Zitate in den Schriften der ersten Kirchenväter. Durch die riesige Zahl alter Quellen kann der ursprüngliche Text heute mit höchster Genauigkeit rekonstruiert werden. So hat z.B. die Quellenanalyse von Prof. Strutwolf von der Universität Münster die Zuverlässigkeit der neutestamentlichen Texte stark untermauert. Hinzu kommt: Das vermutlich älteste Abschriftenfragment des NT geht etwa auf das Jahr 125 zurück und reicht damit nur wenige Jahrzehnte an das verschollene Original heran! Die Vielzahl und die weit verteilten Fundorte der historischen Quellen legt nahe, dass sich die Abschriften der neutestamentlichen Schriften schon sehr früh weit verbreitet haben. Man kann Texte aber nicht mehr fälschen, wenn sie schon überall im Umlauf sind. Was wir im neuen Testament heute lesen ist somit mit großer Sicherheit tatsächlich genau das, was die Autoren ursprünglich geschrieben haben.

Kaum noch umstritten ist auch, dass das NT zumindest größtenteils noch im 1. Jahrhundert entstanden ist. Denn nur so ist zu erklären, warum über so dramatische Ereignisse wie die Zerstörung des Tempels (70 n.Chr.) oder der Tod von Petrus (ca. 67 n.Chr.) oder Jakobus (62 n.Chr.) im ganzen NT nirgends berichtet wird*. Vermutlich hat Lukas sein Evangelium und die Apostelgeschichte sogar schon etwa um das Jahr 60 n.Chr. fertig gestellt (also nur 30 Jahre nach der Kreuzigung), denn seine Berichte brechen noch vor dem Tod von Paulus (ca. 64 n.Chr.) ab. Die Texte des NT wurden somit zuerst in der Zeit und in der Region der Augenzeugen verbreitet und sind dort angesichts der raschen Ausbreitung des Urchristentums offensichtlich sehr gut angekommen. Wenn aber die Zeit- und Augenzeugen die Texte überzeugend fanden spricht das in besonderem Maße für ihre hohe Glaubwürdigkeit!

Beim Alten Testament sah die Situation lange Zeit anders aus: Die älteste Abschrift des ca. im Jahr 700 v.Chr. geschriebenen Jesaja-Buchs stammte aus dem Jahr 900 n.Chr. Die 1600 Jahre, in denen der Text immer wieder abgeschrieben wurde, ließen befürchten, dass er heute viele Fehler enthält. Im Jahr 1947 wurde aber in Qumran eine vollständige Jesajarolle aus dem Jahr 200 v.Chr. entdeckt. Das Wunder war: Diese 1100 Jahre ältere Handschrift hat den Text bis auf unbedeutende Kleinigkeiten komplett bestätigt. Das beweist, wie penibel genau die jüdischen Gelehrten ihre heiligen Texte überliefert haben!

Aber müssen wir vielleicht befürchten, dass die biblischen Autoren in ihrem religiösen Eifer schlampig und einseitig geschrieben haben? Lukas betonte zwar ausdrücklich, dass seine Texte eine „genaue Zusammenfassung“ der von ihm „sorgfältig studierten“ Augenzeugenberichte der Jünger Jesu sind. Aber ich erinnere mich noch gut daran, wie ich im Religionsunterricht darüber „aufgeklärt“ wurde, dass Lukas in Wahrheit Unsinn erzählt hat: Die in der Weihnachtsgeschichte erwähnte Volkszählung hätte erst 10 Jahre nach der Geburt Jesu stattgefunden. Auch wäre Quirinius erst nach dem Tod von Herodes Statthalter in Syrien geworden. Die Geschichte von Joseph und Maria sei deshalb ein christliches Märchen, das erfunden wurde, damit die Lebensgeschichte Jesu gut zu den alttestamentlichen Prophetien passt.

Auch der bekannte Altertumsforscher Sir William Ramsay ging zu Beginn seiner Forschungen über die historische Geographie Kleinasiens davon aus, dass die Berichte von Lukas unzuverlässig sind. Im Verlauf seiner Forschung erwiesen sich die Angaben von Lukas zu Orten, Regionen, Personen, Ämtern und Titeln aber als so zuverlässig, dass er am Ende zu seiner eigenen Überraschung eingestehen musste: „Weiteres Forschen … ergab, dass das Buch (von Lukas) der genauesten Prüfung bezüglich seiner Kenntnis über die Welt der Ägäis standhalten konnte, und dass es mit so viel Urteilsvermögen, Fähigkeit, Kunst und Wahrnehmung der Wahrheit geschrieben wurde, dass es ein Modell für ein historischen Werk darstellt“.

Wie wir inzwischen wissen, kann auch die Weihnachtsgeschichte sehr wohl stimmen: Belege zeigen, dass Kaiser Augustus auch vor Jesu Geburt schon eine Volkszählung angeordnet hatte und dass Quirinius vor seiner Zeit als Statthalter schon einmal in Syrien war, nämlich als Oberbefehlshaber der römischen Truppen. Und das Wort, das in der Weihnachtsgeschichte meist mit „Statthalter“ übersetzt wird, kann genauso auch „Oberbefehlshaber“ bedeuten!

Auch wenn wie üblich unter den Historikern und Theologen immer noch reichlich gestritten wird: In keinem Punkt kann Lukas heute als widerlegt gelten. Im Gegenteil: Wenn wir heute wie selbstverständlich den Berichten von Tacitus über Kaiser Nero glauben müssen wir um ein vielfaches mehr den Texten der Bibel vertrauen – denn sie sind erheblich besser belegt und überliefert!

Warum wir der Bibel vertrauen können 2: Das Rätsel der Auferstehung

Vertiefend zu diesem Artikel:

*: Was es lediglich gibt sind vage prophetische Ankündigungen: Die Zerstörung des Tempels wurde von Jesus vorhergesagt (z.B. Matth. 24, 2). Aber nirgends wird im NT berichtet, dass und wie sie tatsächlich passiert ist (im Gegensatz dazu hat Lukas z.B. in Apg. 11, 28 zuerst die Prophetie über eine kommende Hungersnot geschildert und dann sofort über die Erfüllung dieser Vorhersage berichtet)! In Joh. 21, 19 macht Jesus eine Andeutung auf den zukünftigen Tod von Petrus, aber im Gegensatz zum Märtyrertod des viel unbekannteren Stephanus wird über das Martyrium von Petrus nirgends etwas berichtet. Auch der Tod von Jakobus, der laut Gal. 2, 9 in der Jerusalemer Gemeinde eine zentrale Rolle spielte, wird im NT mit keinem Wort erwähnt. Warum haben die Autoren des NT nirgends über diese teilweise von Jesus extra angekündigten und für die Urgemeinde so einschneidenden Ereignisse berichtet, während so viele andere wesentlich unbedeutendere Ereignisse ausführlich geschildert werden? Diese und weitere Fragen haben v.a. seit John A.T. Robinson wieder viele Theologen dazu bewogen, von einer Frühdatierung der Evangelien auszugehen.

10 Gründe, warum es auch heute noch vernünftig ist, der Bibel zu vertrauen

„Glauben kannst Du in der Kirche!“ Mit diesem Satz wollten mir meine Lehrer in der Schule stets vermitteln: Glaube hat in der Welt der Vernunft, der Aufklärung und der Wissenschaft keinen Platz. Verlässlich ist nur, was naturwissenschaftlich beweisbar ist. Allerdings wird in der naturwissenschaftlichen Beweisführung mit Beobachtungen und Experimenten gearbeitet – 2 Methoden, die bei der Frage nach der Zuverlässigkeit der biblischen Texte kaum weiterhelfen. Niemand kann in die biblische Zeit zurückreisen und beobachten, was wirklich geschehen ist. Experimentell nachstellen kann man die biblischen Ereignisse erst recht nicht.

Ob die biblische Geschichtsschreibung zuverlässig ist kann man deshalb mit naturwissenschaftlichen Mitteln letztlich weder beweisen noch widerlegen. Man kann nur Hinweise und Argumente sammeln, so wie es ein Kommissar in einer Mordermittlung tut. Das Ergebnis fällt bei weitem nicht immer eindeutig aus. Die vielen Streitigkeiten und Lagerbildungen unter Historikern und Theologen belegen das eindrucksvoll.

Die wissenschaftliche Untersuchung der Bibel hat noch ein weiteres ganz grundsätzliches Problem: Göttliches und Übernatürliches wird in der wissenschaftlichen Methode von vornherein ausgeschlossen! In der Wissenschaft geht man immer davon aus, dass Alles eine natürliche Ursache hat. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass die universitäre christliche Theologie heutzutage eine echte Wissenschaft sein möchte. So sah z.B. der einflussreiche evangelische Theologe Wolfhart Pannenberg Gott nicht als unmittelbaren Gegenstand der theologischen Wissenschaft an. Diese Entwicklung bringt die Theologie in eine skurrile Situation: Viele „Lehrer von Gott“ (=“Theologen“) rechnen in ihrer Forschung gar nicht mehr mit Gott! Folgerichtig misstrauen sie schon aus Prinzip den biblischen Berichten über Wunder, die Auferstehung oder die Jungfrauengeburt. Eingetroffene Prophetien halten sie prinzipiell für nachträgliche Manipulationen. Und natürlich muss eine solche „gott-lose“ Theologie die Bibel zwangsläufig als fehlerhaftes menschliches Machwerk einstufen.

Wichtig ist dabei zu wissen: All das ist zunächst einmal kein Ergebnis kluger Forschungsarbeit sondern nichts anderes als ein klassischer Zirkelschluss: Man bekommt das heraus, was man aufgrund der Anwendung der wissenschaftlichen Methode von Anfang an vorausgesetzt hat!

Es ist vor diesem Hintergrund nicht überraschend, dass Wissenschaftler meist alle die Argumente in den Mittelpunkt rücken, die die Fehler- und Mangelhaftigkeit der biblischen Texte zu belegen scheinen. Kaum beachtet wird hingegen, dass es nüchtern betrachtet eine ganze Reihe an beeindruckenden Fakten gibt, die klar darauf hinweisen, dass die Bibel vertrauenswürdig ist und von Gott inspiriert sein muss. Tatsächlich kann sich der auf der Bibel basierende christliche Glaube auf erstaunliche Tatsachen berufen. Wer der Bibel vertraut braucht seine Vernunft deshalb keineswegs an der Garderobe des Kircheneingangs ablegen. Christen müssen sich in der Welt der Aufklärung und der Wissenschaft weder verstecken noch minderwertig fühlen.

Um diese These zu untermauern werden in dieser Artikelserie die 10 wichtigsten Argumente für die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit zusammengefasst. Ich lade alle Leser ein, die ermutigenden Fakten weiter zu verbreiten.

Warum wir der Bibel vertrauen können 1: Die hohe Qualität der Überlieferung

Die Auferstehung Jesu: Fakt oder Fiktion? Der Indizienprozess

Ist Jesus tatsächlich auferstanden? Diese Frage wird hier im Rahmen eines Indizienprozesses verhandelt. Der AiGG-Blog dokumentiert den Prozessverlauf:

Richter: Sehr verehrte Anwesende, ich begrüße Sie im Gerichtssaal. Der Fall, um den es geht, ist Ihnen bekannt. Ich will zunächst betonen: Heute geht es nicht um Glauben! Vor Gericht zählen ausschließlich Fakten, Fakten und noch einmal Fakten. Ob die Geschichte von der Auferstehung stimmt oder nicht können wir mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht klären, denn Naturwissenschaft arbeitet mit Beobachtung und Experiment. Beide Instrumente taugen zur Klärung dieses Falles leider nicht. Wenn Geschichtswissenschaftler herausfinden wollen, ob ein Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, müssen sie letztlich einen Indizienprozess führen, genau wie Richter und Kommissare, die entscheiden müssen, ob jemand tatsächlich ein Verbrechen begangen hat oder nicht. Dafür müssen sie Spuren und Hinweise sammeln und auf ihre Beweiskraft prüfen und bewerten. Sie müssen Zeugen befragen und die Glaubwürdigkeit der Zeugen prüfen. Genau das werden wir heute tun. Dabei werden wir 2 Dinge als Fakten voraussetzen, weil sie bereits zuvor ausführlich geprüft und eindeutig entschieden wurden:

  1. Jesus hat gelebt!
  2. Er ist in Jerusalem gekreuzigt worden!

Diese beiden Fakten sind heute nicht mehr wirklich umstritten, nicht einmal unter sehr kritischen Theologen und Wissenschaftlern. Schließlich gibt es neben den biblischen Berichten auch zahlreiche außerbiblische Bestätigungen, z.B. vom römischen Geschichtsschreiber Tacitus, vom jüdischen Geschichtsschreiber Josephus Flavius, aus dem Talmud und viele mehr.

Heute geht es nun um die Frage: Ist Jesus nicht nur gekreuzigt worden sondern ist er auch von den Toten auferstanden? Genau das wurde und wird bis heute von den Nachfolgern Jesu behauptet. Der Anwalt der Anklage hat dazu eine ganze Reihe von Anklagen gegen diese These zusammengetragen. Herr Anwalt: Die Kläger, die Sie vertreten, haben unterschiedliche Behauptungen, die den Nachfolgern Jesu widersprechen. Könnten Sie uns bitte die zentralen Anklagepunkte zusammenfassen.

Anwalt: Ja, die Kläger, die ich vertrete, stellen die Behauptung von der Auferstehung Jesu grundlegend in Frage. Allerdings sind sie sich nicht einig, was stattdessen wirklich geschehen ist. Die zentralen Thesen der Kläger lauten wie folgt:

  • Es war gar nicht Jesus, der ans Kreuz geschlagen wurde. Das sagt übrigens auch der Koran.
  • Jesus war gar nicht tot sondern er war nur betäubt oder scheintot.
  • Die Leiche wurde gestohlen oder ist auf andere Weise verschwunden. Das vertrat übrigens auch z.B. Johann Wolfgang von Goethe.
  • Die Jünger hatten nur Visionen und Halluzinationen.
  • Die ganze Geschichte ist erfunden und stellt eine große Lüge dar.

Richter: Vielen Dank, Herr Anwalt. Die Nachfolger Jesu und vor allem die Autoren des Neuen Testaments sitzen heute also auf der Anklagebank. Und die Anklage lautet:

Ihr habt uns eine Geschichte aufgetischt, die nicht den Tatsachen entspricht! Damit habt ihr Millionen von Menschen getäuscht. Ihr habt ihnen eine falsche Hoffnung eingeimpft, die unendlich viele Menschen ihre Lebenszeit, viele sogar ihren Besitz oder sogar ihr Leben gekostet haben. Was für ein Verbrechen! Wenn sich dieser Vorwurf bestätigt, ist die absolute Höchststrafe mehr als angemessen.

Also, meine sehr verehrten Gerichtsbesucher und Schöffen: Schreiten wir zur Prüfung der Fakten. Was können wir zu dieser Geschichte heute sicher wissen? Welche Spuren hat sie hinterlassen? Dazu hat der heutige Verteidiger eine Reihe von Beweisen und Indizien gesammelt. Herr Verteidiger, welche Beweise können Sie uns präsentieren?

Verteidiger: Das 1. Beweisstück ist die rasend schnelle Ausbreitung des Auferstehungsglaubens trotz größter Widerstände! Innerhalb von nur 270 Jahren hat sich dieser Glaube über den ganzen Mittelmeerraum ausgebreitet. Obwohl das römische Reich die Christen massiv bekämpft hat musste es nach etwa 300 Jahren kapitulieren und hat schließlich selbst den christlichen Glauben übernommen. Diese extreme Ausbreitung einer neuen Religion gegen größte Widerstände, massive Gewalt und Verfolgung, ohne Machtinstrumente, ohne moderne Kommunikations- oder Verkehrsmittel, erst recht ohne Waffengewalt, ist historisch einmalig.

Richter: Vielen Dank. In der Tat müssen wir hier die Frage stellen: Woher kam diese unglaubliche Dynamik? Wie konnte eine solch ungewöhnliche Geschichte eine solche Euphorie und eine solche Bewegung auslösen? Das wird hier vor Gericht noch zu klären sein. Herr Verteidiger: Haben Sie noch mehr Beweisstücke?

Verteidiger: Ja, natürlich. Das 2. Beweisstück lautet: Der Glaube an die Auferstehung ist am Ort und in der Zeit der Augenzeugen entstanden! Diesen Glauben hat also nicht irgendjemand erfunden, der weit weg von den Originalschauplätzen oder Augenzeugen war. Nein, dieser Glaube nahm seinen Ausgangspunkt dort, wo die Geschichte geschehen sein soll: In Jerusalem! Und zwar kurz nach der Kreuzigung Jesu.

Richter: Gibt es konkrete Belege dafür, dass sich dieser Glaube wirklich kurz nach der Kreuzigung in Jerusalem ausgebreitet hat?

Verteidiger: Ja, und zwar in der Bibel selbst: In 1. Korinther 15, 3-4 zitiert Paulus ein Glaubensbekenntnis, das er nicht selbst geprägt hat sondern das er selbst empfangen hat. Ich zitiere: „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift. Er wurde von Petrus gesehen und dann von den zwölf Aposteln.“

Die Theologen sind sich einig: Die formelhafte Formulierung dieses Textes steht für ein fixiertes Glaubensbekenntnis, das Paulus gehört und gelernt haben muss, als er selbst nach Jerusalem kam, um die Gemeinde und die Apostel zu treffen. Das war also etwa im Jahr 36 n. Chr., etwa 3 – 5 Jahre nach der Kreuzigung.

Richter: Gibt es auch außerbiblische Zeugnisse dazu?

Verteidiger: Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schrieb folgendes: „Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, verhängte er die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk ‚Chrestianer‘ nannte. Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Der Aberglaube verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom.“

Richter: Vielen Dank. Somit bestätigt auch Tacitus: Der Auferstehungsglaube ist nicht irgendwo entstanden sondern genau dort, wo Jesus gekreuzigt wurde. Herr Verteidiger: Bitte fahren Sie fort mit Ihren Beweisstücken!

Verteidiger: Das 3. Beweisstück ist das leere Grab. Das Grab Jesu wird bis heute in der Grabeskirche in Jerusalem verehrt, und die meisten Gelehrten gehen davon aus, dass es sich wirklich dort befunden hat. Aber im Vergleich zu anderen berühmten Persönlichkeiten gibt es eine Besonderheit: Das Grab ist leer. Es ist kein Leichnam darin. Und zu keiner Zeit gingen die Christen davon aus, dass dort der Leichnam Jesu tatsächlich liegen würde. Und was noch wichtiger ist: Es gibt keine einzige Quelle, weder innerhalb noch außerhalb der Bibel, die einen Hinweis darauf geben würde, dass die ersten Christen sich mit einem Leichnam Jesu hätten auseinandersetzen müssen oder dass irgendjemand behauptete, den Verbleib Jesu oder seines Leichnams zu kennen. Stattdessen gibt es lediglich eine sehr alte Behauptung, dass die Jünger den Leichnam gestohlen hätten. So berichtet es der Evangelist Matthäus:

„Sofort wurde eine Versammlung aller Ältesten einberufen. Sie beschlossen, die Soldaten zu bestechen, und gaben ihnen die folgende Anweisung: »Ihr müsst sagen: `Die Jünger von Jesus kamen in der Nacht, während wir schliefen, und haben seinen Leichnam gestohlen.´ Wenn der Statthalter davon erfährt, werden wir euch beistehen. Ihr braucht nichts Schlimmes zu befürchten.« Die Soldaten nahmen das Bestechungsgeld an und sagten, was ihnen aufgetragen worden war. Ihre Geschichte verbreitete sich unter den Juden, und sie erzählen sie noch bis zum heutigen Tag.“ (Matth. 28, 11-15)

Ganz offensichtlich rechnete Matthäus damit, dass seine Leser diese Geschichte kennen, sonst hätte er nicht die weite Verbreitung und ihre Beständigkeit so betont. Er hätte das sicher nicht getan, wenn es diese Behauptung nicht wirklich gegeben hätte. Diese Geschichte beweist zweierlei:

  • Auch für die Gegner des Christentums war das Grab wirklich leer. Sie konnten keinen Leichnam präsentieren, um die Botschaft der Christen zu konterkarieren.
  • Es gab eine enorme Erklärungsnot der Gegner der Christen! Denn was ist das für eine absurde Geschichte! Die Soldaten sollen eingeschlafen sein? Auf Einschlafen während der Wache stand für Soldaten schlimme Strafen. Deshalb musste man ihnen Beistand zusichern, sonst hätten die das nie geäußert. Und dann sollen verschüchterte, tief enttäuschte Jünger todesmutig direkt neben den schlafenden Wachen den schweren Grabstein beiseite gerollt und den Leichnam geklaut haben? Wer sich so eine unglaubwürdige Geschichte ausdenkt, muss wirklich in großer Erklärungsnot gewesen sein!

Das leere Grab gilt deshalb inzwischen als historisch zuverlässig.

Anwalt: Das ist aber noch längst kein Beweis für die Auferstehung! Selbst Lukas schildert ja, dass das leere Grab nur Verwirrung gestiftet hat und sogar von den Jüngern nicht als Beweis für die Auferstehung gewertet wurde!

Richter: Das ist richtig. Ich denke, es ist Zeit, sich den Zeugenaussagen zuzuwenden. Herr Verteidiger: Dazu zunächst die Frage: Wie viele Zeugen haben wir denn?

Verteidiger: Viele glauben ja, es gäbe nur 1 schriftlichen Zeugen, nämlich die Bibel. Aber die Bibel ist ja bekanntlich ein Sammelband verschiedener Bücher. In Wahrheit gibt es mindestens 5 verschiedene schriftliche Zeugen, die in der Bibel von der Auferstehung berichten: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes und Paulus.

Anwalt: Gut, aber die könnten ja alle voneinander abgeschrieben haben oder eben alle dem gleichen Lügner aufgesessen sein!

Richter: Herr Verteidiger: Gibt es in den Texten einen Hinweis darauf, dass diese schriftlichen Zeugen letztlich alle aus der gleichen Quelle gespeist werden?

Verteidger: Wir haben das natürlich geprüft. Die Prüfung hat ergeben, dass die Schilderungen von der Auferstehung teilweise sehr unterschiedlich, ja scheinbar widersprüchlich sind.

Anwalt: Widersprüche! Das beweist doch, dass die Zeugenaussagen nicht zu gebrauchen sind!

Verteidiger: Nein, ganz im Gegenteil! Wenn mehrere Zeugen absolut identisch und wortgleich einen Vorfall schildern beweist das, dass sie sich untereinander abgesprochen haben. Dann hätten wir keine unabhängigen Zeugen. Diese 5 Zeugen hier unterscheiden sich aber erheblich. Das heißt nicht, dass sie zwangsweise widersprüchlich sind. Wenn man sich intensiv mit den Texten beschäftigt lassen sich die Schilderungen sehr wohl zusammenfügen zu einem stimmigen Gesamtgeschehen. Aber eindeutig ist: Diese Zeugen schildern den Vorgang aus sehr individuellen, unterschiedlichen Perspektiven mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten. Und diese scheinbaren Widersprüche wurden auch nachträglich nicht geglättet.

Richter: Da muss ich den Verteidiger bestätigen. Wir kennen das ja von Unfallzeugen. Selbst wenn die Zeugen ganz ehrlich berichten scheinen sich ihre Berichte zu widersprechen, weil sie ganz unterschiedliche Perspektiven hatten und sich an ganz unterschiedliche Details erinnern. Genauso sieht das hier auch aus. Es spricht also alles dafür, dass wir hier unabhängige Berichte unterschiedlicher Zeugen haben.

Anwalt: Na gut. Aber die große Frage ist doch jetzt: Wie glaubwürdig sind diese Zeugen? Schließlich berichten Sie eine Geschichte, die naturwissenschaftlich vollkommen unmöglich ist!

Richter: Ja, dem müssen wir jetzt zwingend nachgehen. Herr Verteidiger: Was können wir jetzt über die Glaubwürdigkeit dieser 5 Zeugen sagen?

Verteidiger: Wir haben die Glaubwürdigkeit der schriftlichen Zeugen ausführlich geprüft und dazu 5 wichtige Hinweise entdeckt. Ich beginne mit dem 1. Hinweis: Der hohe Selbstanspruch! Die Eigenaussage der schriftlichen Zeugen ist, dass es sich hier nicht nur um Glaubenszeugnisse sondern um eine historisch genaue Dokumentation der Ereignisse handelt, die auf der Auswertung von Augenzeugenberichten basieren. Dazu der Zeuge Lukas:

„Ich habe es für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, auf dass du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist.“ (Lukas 1, 3-4)

Anwalt: Herr Verteidiger, Sie wissen genau, dass dieser Anspruch von Lukas oft kritisiert und in Frage gestellt worden ist. Viele Theologen sind der Meinung, dass Lukas sehr ungenau und hypothetisch geschrieben hat.

Verteidiger: Es gibt aber durchaus auch Forscher, die anderer Meinung waren. Dazu haben wir eine Zeugenaussage von Sir William Mitchell Ramsay. Er war Archäologe und gilt bis heute als einer der herausragenden Experten in der antiken Geografie Kleinasiens, also der Region, in der das Evangelium und die Apostelgeschichte von Lukas spielt. Er war so geschätzt, dass er sich einen Adelstitel und 9 Ehrendoktorwürden erworben hat. Und seine große Frage war genau die: Wie zuverlässig war Lukas in seinen historischen Angaben? Ramsay ging zu Beginn seiner Forschung davon aus, dass die Angaben von Lukas in der Apostelgeschichte oft unzuverlässig waren. Aber im Rahmen seiner Forschung kam er immer mehr zu einer anderen Überzeugung. Er schreibt:

„Weiteres Forschen … ergab, dass das Buch (von Lukas) der genauesten Prüfung bezüglich seiner Kenntnis über die Welt der Ägäis standhalten konnte, und dass es mit so viel Urteilsvermögen, Fähigkeit, Kunst und Wahrnehmung der Wahrheit geschrieben wurde, dass es ein Modell für ein historischen Werk darstellt.“

Richter: Vielen Dank. Ohne in diesen Streit unter Forschern eingreifen zu wollen halten wir jedenfalls fest: Die schriftlichen Zeugen hielten sich selbst nicht für Märchenerzähler sondern für Historiker, die ganz exakt aufschreiben wollten, was wirklich passiert ist. Herr Verteidiger:  Was ist der nächste Hinweis zur Frage der Glaubwürdigkeit der schriftlichen Zeugen?

Verteidiger: Der 2. Hinweis heißt: Die Berufung auf Augenzeugen! Am glaubwürdigsten ist ein Bericht natürlich dann, wenn der Autor auf das eigene Wissen der Leser setzen kann! Genau dieses extrem schlagkräftige Argument hat Paulus benutzt, als er über den auferstandenen Jesus schrieb: „Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben.“  (1. Kor. 15, 6)

Paulus sagte hier also seinen Lesern: Überzeugt euch selbst! Fragt nach! Es gibt hunderte von Leuten, die das bezeugen können. So etwas tut man nicht, wenn man sich seiner Sache nicht sehr, sehr sicher ist.

Richter: Das ist in der Tat ein starker Hinweis für die Glaubwürdigkeit des Zeugen. Herr Vertediger: Welchen Hinweis können Sie noch präsentieren?

Verteidiger: Der 3. Hinweis lautet: Die zeitliche Nähe zu den Ereignissen! Diese Zeugen konnten sich deshalb auf Augenzeugen berufen, weil sie die Ereignisse sehr kurz nach ihrem Geschehen aufgeschrieben haben.

Anwalt: Nun ist ja aber die Entstehungszeit der Bücher des neuen Testaments hoch umstritten! Es gibt viele Theologen und Experten, die behaupten, dass diese Schriften erst viel später entstanden sind.

Verteidiger: Ja, die Entstehungszeit des neuen Testaments ist umstritten. Aber Fakt ist: Das gesamte Neue Testament erwähnt folgende Ereignisse mit keinem Wort:

  • Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahr 70 nach Christus
  • Die Hinrichtung von Paulus etwa im Jahr 64 nach Christus
  • Die Hinrichtung von Petrus, spätestens 67 nach Christus

Alle diese Ereignisse waren für die ersten Christen absolut dramatisch und einschneidend. Sie müssen sie so empfunden haben wie wir heute den Fall der Mauer, den 9/11-Anschlag oder die Ermordung von Präsident Kennedy. Das geradezu dröhnende Schweigen über diese dramatischen Ereignisse spricht stark dafür, dass zumindest viele der Schriften vorher schon fertig gestellt wurden, d.h. also maximal 30 bis 35 Jahre nach der Kreuzigung und somit in einer Zeit, in der es noch massenhaft Augenzeugen gab, die die Angaben der Autoren prüfen und notfalls anfechten konnten.

Richter: Das spricht in der Tat stark für ihre Glaubwürdigkeit! Herr Anwalt, was sagen Sie dazu?

Anwalt: Schön und gut. Aber wer sagt mir, dass die Schriften nicht im Nachhinein gefälscht wurden? Das kann man ja auch im Nachhinein alles so aussehen lassen und hintricksen, wie es jetzt aussieht!

Richter: Das ist ein wichtiger Einwand! Herr Verteidiger: Was sagen Sie dazu? Gibt es vielleicht doch Hinweise auf eine nachträgliche Manipulation der Texte?

Verteidiger: Zu dieser Frage ist der 4. Hinweis sehr wichtig: Die vielen sehr alten Quellen! Antike Schriften sind ja normalerweise sehr dünn belegt. Die Originale sind längst verschollen. Und normalerweise haben wir kaum mehr als 10 oder 20 historische Abschriften, die meist viele hundert Jahre jünger sind als die verschollenen Originale. Beim Neuen Testament ist das vollkommen anders: Die ältesten Textfragmente stammen schon aus dem Jahr 125 nach Christus, sind also nur wenige Jahrzehnte jünger als die Originale. Und wir verfügen heute über  mehr als 5500 historische Abschriften, dazu viele tausend Übersetzungen und dazu noch die Zitate aus den Schriften der Kirchenväter! Das Neue Testament spielt also in Bezug auf die Überlieferungsqualität in einer völlig anderen Liga als alle anderen antiken Quellen.

Wir haben dazu noch einen Zeugen, der sich extrem intensiv mit diesen vielen Quellen auseinandergesetzt hat, nämlich Prof. Holger Strutwolf von der Universität Münster. Er gilt weltweit als führend im Fach der sogenannten Textkritik. Herr Professor Strutwolf hat alle diese zahllosen Quellen digitalisiert und vergleicht sie nun, um herauszufinden, wie wohl der ursprüngliche Text gelautet hat. Denn klar ist: Wenn sehr viele Abschriften identisch sind, dann ist das ein sehr starkes Argument dafür, dass der Text ursprünglich so gelautet haben muss. Inzwischen ist er mit etwa 1/5 des Neuen Testaments durch. Und sein Zwischenergebnis lautet: 99,9 % der Texte haben sich als absolut zuverlässig erwiesen! Bei etwa 0,1% des Textes musste er kleine Korrekturen vornehmen. Und selbst diese 0,1% waren für den Sinn und v.a. für die theologischen Aussagen der Texte nicht relevant. Sein Zwischenfazit ist daher: “Insgesamt ist die Überlieferung der Bibel sehr gut und sehr treu. In den theologischen Punkten gibt es unter den Abertausenden Handschriften kaum Abweichungen.“

Richter: Mit anderen Worten: Wir können uns sehr sicher sein, dass der Text des Neuen Testaments, den wir heute vorliegen haben, sehr genau dem entspricht, den die Evangelisten und Apostel damals verfasst haben. Herr Verteidiger: Haben Sie noch mehr Hinweise finden können?

Verteidiger: Ja, der 5. Hinweis lautet: Frauen als Zeugen! Die Berichte über die Auferstehung nennen Frauen als die ersten Zeugen der Auferstehung.

Richter: Warum ist das wichtig?

Verteidiger: Die Aussage von Frauen galt im damaligen Kontext als absolut minderwertig. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus schrieb damals folgendes: „Das Zeugnis der Frau ist nicht rechtsgültig wegen der Leichtfertigkeit und Dreistigkeit des weiblichen Geschlechts.“ Deshalb war es kein Wunder, dass auch in den biblischen Berichten die Jünger den Berichten der Frauen erst einmal nicht geglaubt haben! Hätte jemand damals diese Geschichte erfunden hätte er deshalb niemals Frauen als die ersten und wichtigsten Zeugen ausgesucht sondern selbstverständlich Männer, um glaubwürdig zu sein.

Anwalt: Gut, aber es könnte ja trotzdem sein, dass diese Frauen keine wahre Geschichte erzählt haben sondern dass es sich um Wunschträume, Visionen oder Halluzinationen handelte! Schließlich waren die Leute nach der Kreuzigung alle sehr aufgewühlt und durcheinander. Und sie waren sicher in einer extremen Situation. Da kann so etwas schon mal vorkommen, dass man selber etwas glaubt, was gar nicht wirklich passiert ist.

Richter: Ja, diesen Einspruch müssen wir ernst nehmen. Herr Verteidiger: Haben Sie sich mit diesem Vorwurf auseinandergesetzt?

Verteidiger: Ja, natürlich. Aber die schriftlichen Schilderungen geben überhaupt keinen Hinweis darauf, dass es sich nur um Wunschträume gehandelt hätte. Dagegen sprechen mehrere Elemente aus diesen Schilderungen:

  • Zum einen der greifbare, physische Körper des Auferstandenen! Jesus hat gegessen und getrunken. Er ließ sich anfassen und begreifen im wahrsten Sinne des Wortes. Das passt nicht zu Halluzinationen.
  • Und dann ist da noch die Tageszeit und die zweifelnden Jünger! Die Begegnungen mit dem Auferstandenen geschahen nicht nachts im Traum oder im Dunklen in einer spiritistischen Sitzung sondern mitten am Tag, und dazu noch völlig unerwartet. Die Jünger steigerten sich nicht in Wunschträume hinein sondern sie waren ganz im Gegenteil extrem schwer von der Auferstehung zu überzeugen!

Diese Schilderungen passen also wirklich in keinster Weise dazu, dass es sich hier um Halluzinationen handelte. Und dazu kommt: Halluzinationen können Einzelne haben, aber nicht ganze Gruppen! Die Illusion von ein paar wenigen hätte sich ja spätestens dann in Luft aufgelöst, wenn die vernünftig gebliebenen Realisten die Träumer daran erinnert hätten, dass Jesus nebenan im kühlen Grab verwest!

Und schließlich: Totenerscheinungen waren in der Antike nichts Ungewöhnliches. Aber sie bewiesen damals nur, dass die Person wirklich tot ist! Auf Basis des Berichts von einer Totenerscheinung wäre deshalb niemand in Wallung geraten. Die Begeisterung und Euphorie der Jünger lässt sich nur dadurch erklären, dass etwas völlig anderes geschehen sein muss als eine Erscheinung von einem Geist oder einem Toten.

Anwalt: Gut, das mag sein. Aber vielleicht war Jesus gar nicht wirklich tot! Vielleicht war er nach der Kreuzigung nur scheintot gewesen!

Verteidiger: Im Ernst, Herr Anwalt, halten Sie das wirklich für wahrscheinlich? Selbst wenn – was extrem unwahrscheinlich ist – die römischen Henker Mist gebaut und den Körper Jesu vorschnell abgehängt hätten, selbst wenn Jesus den massiven Blutverlust im Grab trotz fehlender Flüssigkeitszufuhr überlebt hätte, selbst wenn er sich selbständig aus seinen Bandagen befreien, den schweren Stein beiseite schieben und die Wachen hätte austricksen können: Wie um alles in der Welt hätte ein halb verbluteter, geschundener, traumatisierter und pflegebedürftiger Jesus die Jünger auf die Idee bringen können, dass er ein vom Tod auferstandener Gott und Messias ist? Das klingt doch alles extrem an den Haaren herbeigezogen.

Anwalt: Mag sein, Herr Verteidiger: Aber was Sie definitiv nicht entkräften können ist der Vorwurf, dass es sich einfach um eine große Lüge gehandelt hat! Eine Verschwörung der frustrierten und enttäuschten Nachfolger Jesu. So etwas kann es doch geben, oder?

Verteidiger: O.K., nehmen wir also einmal an: Diese 5 Zeugen haben alle unabhängig voneinander eine umfangreiche, ausgeklügelte und dreiste Lügengeschichte entweder frei erfunden oder von verschiedenen Jüngern Jesu übernommen.  Sie haben sich dazu noch auf erfundene Augenzeugen berufen in der Hoffnung, dass ihre Lügen nicht auffliegen. Und sie hatten das Glück, das aus irgendeinem Grund das Grab leer war, vielleicht weil sie den Leichnam selber gestohlen haben, weil ihn jemand weggebracht hat, oder warum auch immer. Die große Frage ist doch: Wie glaubwürdig ist diese Lügentheorie? Dazu sollten wir nun neben den schriftlichen auch die mündlichen Zeugen berücksichtigen!

Richter: Was wissen wir denn über die mündlichen Zeugen?

Verteidiger: Zu den mündlichen Zeugen haben wir folgende Fakten vorliegen:

  1. Es waren viele!
  2. Sie standen für eine Botschaft, die abstoßend und unattraktiv war!
  3. Sie waren extrem opferbereit!

Richter: Dass es viele waren ist ja klar, denn sonst hätte sich die Botschaft nicht so rasend schnell ausbreiten können. Aber was meinen sie damit, dass sie für eine Botschaft standen, die abstoßend und unattraktiv war?

Verteidiger: Die Botschaft von einem gekreuzigten und wieder auferstandenen Gott war damals eben äußerst seltsam. Horst Frank, der Chefredakteur des bayrischen evangelischen allgemeinen Sonntagsblatts hat dazu etwas geschrieben, was heutzutage die wenigsten wissen. Er schreibt:

„Die Kreuzigung galt in der Antike als entehrend und grausam, ekelerregend und abstoßend. Der hellenistische Schriftsteller Lukian wollte deshalb sogar den Buchstaben T aus dem Alphabet streichen. Das Kreuz wurde in der Urkirche nicht gezeigt. Erst im 4. Jahrhundert wurden Kreuzigungen abgeschafft und erst weitere hundert Jahre später wurde das Kreuz das Symbol der Christen.“

Das heißt: Das Kreuz war lange so unattraktiv, dass man es eher verschämt versteckt hat statt es in den Vordergrund zu rücken.

Richter: Heißt das, dass es gar keine älteren Kreuzesdarstellungen gibt?

Verteidiger: Die älteste bekannte Kreuzesdarstellung stammt aus dem Jahr 125. Es ist eine Kritzelei an der Wand einer römischen Kaserne. Auf dem Kreuz hängt eine menschliche Gestalt mit einem Eselskopf. Darunter kniet ein ein Soldat. Und zu lesen ist der Spruch „Alexamenos betet seinen Gott an.“ Das heißt: Das Kreuz wurde eingesetzt, um die Christen zu verspotten und zu mobben!

Und für Juden war es sogar noch schlimmer. In der Tora, dem mosaischen, jüdischen Gesetz kann man lesen: „Ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott.“ (5. Mose 21, 23) Ein Gekreuzigter war für Juden also ein Verfluchter. Das war – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade eine gute Voraussetzung für diesen neuen Glauben. Kein Wunder, dass Paulus sagte: „Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit.“ (1. Korinther 1, 23) Es war also von vornherein klar, dass man sich mit so einer Botschaft keine Freunde sondern nichts als Feinde macht!

Richter: Das wirft natürlich die Frage auf: Warum und für wen hätten die Jünger so eine abstoßende Geschichte erfinden sollen, nachdem sie gerade erlebt hatten, dass ihr Prediger den verfluchten Tod am Kreuz gestorben ist? Für wen? Mit welchem Ziel? Das Tatmotiv liegt demnach vollkommen im Dunkeln.

Verteidiger: Ja, unbedingt. Zumal wir berücksichtigen müssen, dass die Zeugen extrem leidens- und opferbereit waren! Tatsächlich wurde die erste christliche Generation massiv verfolgt. Mehrere römische Historiker schildern eindrücklich, mit welch unfassbar grausamen Methoden die Christen massenhaft hingerichtet wurden. Tacitus schildert, wie Nero Christen in Tierfelle einwickeln ließ, damit sie sich besser als Löwenfutter eignen. Und er nutzte brennende Christen als Festbeleuchtung. Vermutlich starben 11 der 12 Apostel den Märtyrertod. Praktisch die gesamte erste Generation der Christen war direkt oder indirekt von massiver Bedrohung, Verfolgung und Märtyrertum betroffen. Dazu kam die Opferbereitschaft, sich in die ganze Welt aufzumachen und überall unter massiven Entbehrungen und Todesgefahr diese Botschaft von der Auferstehung weiter zu verbreiten. Denn Reisen war damals alles andere als ein Spaß!

Und das alles sollen diese Leute für eine Lüge auf sich genommen haben? Und dann gab es da nicht einen Einzigen, der im Angesicht seiner Henker schwach wurde und zugab, dass alles nur eine Lüge oder ein schöner Traum gewesen ist? Menschen riskieren ihr Leben für Überzeugungen – aber nicht für eigene Lügen! Nein, diese ersten Christen müssen zutiefst von der Auferstehung überzeugt gewesen sein, anders kann man sich ihren Enthusiasmus, ihre Ausstrahlung, ihren Erfolg in der Verbreitung ihrer Botschaft, ihre Leidens- und Opferbereitschaft und ihre fehlende Furcht vor dem Tod nicht erklären.

Richter: Vielen Dank für dieses leidenschaftliche Plädoyer, Herr Verteidiger! Vielen Dank auch Ihnen, Herr Anwalt! Ich will damit die Beweisaufnahme abschließen und die zentralen Fakten noch einmal zusammenfassen:

  1. Der Auferstehungsglauben hat sich unglaublich schnell ausgebreitet.
  2. Die Geschichte ist am Ort und in der Zeit der Augenzeugen entstanden.
  3. Es gibt auch von Gegnern keinen Widerspruch zum leeren Grab.
  4. Es gibt 5 unabhängige schriftliche Zeugen.
  5. Die schriftlichen Zeugen sind glaubwürdig aufgrund …
    … ihres historischen Anspruchs.
    … ihrer Berufung auf Augenzeugen.
    … ihrer zeitlichen Nähe zu den Ereignissen.
    … der Verwendung von Frauen als Zeugen.
    … der vielen sehr alten Quellen und der hervorragenden Überlieferung.
  6. Die Botschaft war äußerst unattraktiv, somit fehlt das Tatmotiv für eine Lüge.
  7. Halluzinationen oder Scheintot scheiden als Erklärung offensichtlich aus.
  8. Die extreme Opferbereitschaft der Zeugen sprechen gegen ein Komplott aus Lügen.

Wie konnte also die Geschichte von der Auferstehung entstehen? Warum ist sie entstanden? Wie konnte sie sich so rasend schnell verbreiten am Ort und in der Zeit der Augenzeugen der Kreuzigung Jesu? Warum war sie so erfolgreich trotz des massiven Widerstands der Mächtigen der damaligen Zeit? Warum konnte niemand die Geschichte entkräften? Warum gibt es so viele unterschiedliche und hervorragend überlieferte Zeugen dafür? Und warum waren die Zeugen so enthusiastisch, so erfolgreich und so extrem opferbereit? Aus meiner Sicht sehe ich auf diese Fragen nur folgende Antwortmöglichkeiten:

  • Das ist entweder ein großes, ungelöstes Rätsel.
  • Oder die Geschichte von der Auferstehung ist die Wahrheit.

Sehr geehrte Schöffen: Es ist Zeit für Ihr Urteil…

Mehr zu diesem Thema:

Paradigmenwechsel: Die harten und die weichen Themen

Vor einiger Zeit war ein hochrangiger Kirchenvertreter in unserer Kirchengemeinderatssitzung zu Gast. Ich durfte den Abend mit einem biblischen Impuls einleiten. Im Blick auf unsere blühende und wachsende Jugendarbeit warnte ich: Es reicht nicht, wenn unsere Programme gut laufen! Erst wenn unsere jungen Leute lernen, sich selber in der Bibel zu verwurzeln und aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus zu schöpfen (Kol. 2, 7) haben wir einen nachhaltigen Erfolg erzielt!

Nach meiner Andacht bedankte sich unser Gast und leitete den folgenden Sitzungsteil mit den Worten ein: „Kommen wir jetzt von den weichen Themen wie Bibellesen und Beten zu den harten Themen.“ Dann ging es ausführlich um Finanzen, Bauprojekte, Pfarrstellen, Mitarbeitersituation und aktuelle Veranstaltungen.

Mich aber hat die ganze Zeit sein Eingangsstatement nicht losgelassen: Sind DAS wirklich die harten Themen? Sind es diese Themen wirklich wert, ihnen den größten Teil unserer Aufmerksamkeit und Energie zu schenken, während wir über Fragen zum geistlichen Leben nur kurz zu Beginn sinnieren, ohne weiter darüber zu sprechen?

Je länger ich darüber nachdenke wird mir klar: Wir brauchen einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Kirche! Genau wie die Hingabe an Gott allein entscheidend war für den Erfolg der Könige Israels (eindrücklich nachzulesen in den Könige- und Chronik-Büchern) wird sich die Zukunft der Kirche letztlich allein an der Qualität ihres geistlichen Lebens entscheiden. Aus der engen Verbindung  mit Jesus wächst Alles, was die Kirche Jesu seit jeher ausgemacht hat: Ihre Ausstrahlung, ihre Kraft, ihre Leidenschaft, ihre Glaubwürdigkeit, ihre Opferbereitschaft. Alle anderen Themen sind nur Symptome, an denen wir vergeblich herumdoktern, solange unser geistliches Leben lahmt.

Unser Fokus in der Kirchen- und Gemeindeleitung muss deshalb wieder auf den Themen liegen, die auch die Apostel als ihr Kerngeschäft ansahen: Gebet und Gottes Wort (Apg. 6, 1-4). DAS sind die harten Themen, die darüber entscheiden, ob Gemeinde und Kirche gesund und nachhaltig wächst oder nicht. DAS sind die Themen, an denen sich entscheiden wird, ob wir mittelfristig überhaupt noch Finanzen, Gebäude, Pfarrstellen, Mitarbeiter und Veranstaltungen haben werden oder nicht.

Frustrierend war für mich in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Themen und Beschlüsse der letzten EKD-Synode (siehe unten). Da geht es um Politik, Geld, Gesellschaft, Organisation und Recht. Was ich hingegen überhaupt nicht finde ist: Geistliches Leben fördern. Die Menschen für das Bibelstudium begeistern. Ein lebendiges Gebetsleben entwickeln. Das Evangelium glaubwürdig und kraftvoll bezeugen. Missionarischen Gemeindeaufbau voranbringen…

Dass sich die EKD-Spitze so sehr auf politische Themen konzentriert ist besonders traurig wenn man berücksichtigt, was eine EKD-eigene Studie jüngst zutage gefördert hat: Demnach interessieren sich nicht einmal aktive Gemeindeglieder für die Papiere, die an der Spitze der EKD verfasst werden. Selbst bei hochbrisanten Themen gilt, dass für die Gemeindeglieder „Informationen der EKD und Diskussionen auf der Ebene der EKD praktisch keine Rolle spielen“.

Umso mehr ist es Zeit, umzukehren. Hin zum Gebet. Hin zu Gottes Wort. Hin zur Konzentration auf die alles entscheidende Frage, wie authentisches geistliches Leben in unseren Gemeinden, Gruppen und Kreisen wachsen kann. Kirchliche Organisationen haben nur dann eine Überlebenschance, wenn sie sich diesem Paradigmenwechsel schnell und gründlich stellen.

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Was die EKD-Synode 2016 beschlossen hat (vollständig nachzulesen hier):

Schwerpunktthema: Bekräftigung für ein „Europa des Friedens, der Aussöhnung und der Gerechtigkeit“

Kundgebung gegen Judenmission

Politische Beschlüsse:

  • Entschließung zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen
  • Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer
  • Integration als Motor der politischen Erneuerung (Für „Inklusive Integrationspolitik“)
  • Verstetigung des Förderprogramms „Demokratie leben“
  • Studien zur „Haltungen von Kirchenmitgliedern im Kontext politischer Kultur“
  • Kompetenzerweiterung von KiTa-Leitern im Umgang mit religiöser Vielfalt
  • KiTas sollen von der öffentl. Hand besser ausgestattet werden
  • Teilhabe für Menschen mit Behinderungen verlässlich sichern
  • Zusammenführung und Modernisierung der Pflegeausbildung

Beschlüsse zum Umweltschutz:

  • Konsequente Umsetzung des Weltklimaabkommens von Paris

Kirchenpolitische Beschlüsse:

  • Entlastung der Haushalts- und Kassenführung
  • Beschluss EKD-Haushalt 2017
  • Verbindungsmodell zwischen EKD, VELKD und UEK
  • Bitte um Information zur friedensethischen Diskussion und Projekte zur Friedensethik
  • Dauerhafte kostenlose Bereitstellung einer kostenlosen Bibel-App
  • Berichterstattung über den Prozess „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“
  • Unverständnis über die Abschaffung der Frauenordination in Lettland
  • Richterwahl Verfassungsgerichtshof der EKD
  • Änderung Geschäftsordnung EKD-Synode
  • Änderungen dienstrechtlicher Regelungen im Kirchengesetz

Siehe auch: