Die Auferstehung Jesu: Fakt oder Fiktion? Der Indizienprozess

Ist Jesus tatsächlich auferstanden? Diese Frage wird hier im Rahmen eines Indizienprozesses verhandelt. Der AiGG-Blog dokumentiert den Prozessverlauf:

Richter: Sehr verehrte Anwesende, ich begrüße Sie im Gerichtssaal. Der Fall, um den es geht, ist Ihnen bekannt. Ich will zunächst betonen: Heute geht es nicht um Glauben! Vor Gericht zählen ausschließlich Fakten, Fakten und noch einmal Fakten. Ob die Geschichte von der Auferstehung stimmt oder nicht können wir mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht klären, denn Naturwissenschaft arbeitet mit Beobachtung und Experiment. Beide Instrumente taugen zur Klärung dieses Falles leider nicht. Wenn Geschichtswissenschaftler herausfinden wollen, ob ein Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, müssen sie letztlich einen Indizienprozess führen, genau wie Richter und Kommissare, die entscheiden müssen, ob jemand tatsächlich ein Verbrechen begangen hat oder nicht. Dafür müssen sie Spuren und Hinweise sammeln und auf ihre Beweiskraft prüfen und bewerten. Sie müssen Zeugen befragen und die Glaubwürdigkeit der Zeugen prüfen. Genau das werden wir heute tun. Dabei werden wir 2 Dinge als Fakten voraussetzen, weil sie bereits zuvor ausführlich geprüft und eindeutig entschieden wurden:

  1. Jesus hat gelebt!
  2. Er ist in Jerusalem gekreuzigt worden!

Diese beiden Fakten sind heute nicht mehr wirklich umstritten, nicht einmal unter sehr kritischen Theologen und Wissenschaftlern. Schließlich gibt es neben den biblischen Berichten auch zahlreiche außerbiblische Bestätigungen, z.B. vom römischen Geschichtsschreiber Tacitus, vom jüdischen Geschichtsschreiber Josephus Flavius, aus dem Talmud und viele mehr.

Heute geht es nun um die Frage: Ist Jesus nicht nur gekreuzigt worden sondern ist er auch von den Toten auferstanden? Genau das wurde und wird bis heute von den Nachfolgern Jesu behauptet. Der Anwalt der Anklage hat dazu eine ganze Reihe von Anklagen gegen diese These zusammengetragen. Herr Anwalt: Die Kläger, die Sie vertreten, haben unterschiedliche Behauptungen, die den Nachfolgern Jesu widersprechen. Könnten Sie uns bitte die zentralen Anklagepunkte zusammenfassen.

Anwalt: Ja, die Kläger, die ich vertrete, stellen die Behauptung von der Auferstehung Jesu grundlegend in Frage. Allerdings sind sie sich nicht einig, was stattdessen wirklich geschehen ist. Die zentralen Thesen der Kläger lauten wie folgt:

  • Es war gar nicht Jesus, der ans Kreuz geschlagen wurde. Das sagt übrigens auch der Koran.
  • Jesus war gar nicht tot sondern er war nur betäubt oder scheintot.
  • Die Leiche wurde gestohlen oder ist auf andere Weise verschwunden. Das vertrat übrigens auch z.B. Johann Wolfgang von Goethe.
  • Die Jünger hatten nur Visionen und Halluzinationen.
  • Die ganze Geschichte ist erfunden und stellt eine große Lüge dar.

Richter: Vielen Dank, Herr Anwalt. Die Nachfolger Jesu und vor allem die Autoren des Neuen Testaments sitzen heute also auf der Anklagebank. Und die Anklage lautet:

Ihr habt uns eine Geschichte aufgetischt, die nicht den Tatsachen entspricht! Damit habt ihr Millionen von Menschen getäuscht. Ihr habt ihnen eine falsche Hoffnung eingeimpft, die unendlich viele Menschen ihre Lebenszeit, viele sogar ihren Besitz oder sogar ihr Leben gekostet haben. Was für ein Verbrechen! Wenn sich dieser Vorwurf bestätigt, ist die absolute Höchststrafe mehr als angemessen.

Also, meine sehr verehrten Gerichtsbesucher und Schöffen: Schreiten wir zur Prüfung der Fakten. Was können wir zu dieser Geschichte heute sicher wissen? Welche Spuren hat sie hinterlassen? Dazu hat der heutige Verteidiger eine Reihe von Beweisen und Indizien gesammelt. Herr Verteidiger, welche Beweise können Sie uns präsentieren?

Verteidiger: Das 1. Beweisstück ist die rasend schnelle Ausbreitung des Auferstehungsglaubens trotz größter Widerstände! Innerhalb von nur 270 Jahren hat sich dieser Glaube über den ganzen Mittelmeerraum ausgebreitet. Obwohl das römische Reich die Christen massiv bekämpft hat musste es nach etwa 300 Jahren kapitulieren und hat schließlich selbst den christlichen Glauben übernommen. Diese extreme Ausbreitung einer neuen Religion gegen größte Widerstände, massive Gewalt und Verfolgung, ohne Machtinstrumente, ohne moderne Kommunikations- oder Verkehrsmittel, erst recht ohne Waffengewalt, ist historisch einmalig.

Richter: Vielen Dank. In der Tat müssen wir hier die Frage stellen: Woher kam diese unglaubliche Dynamik? Wie konnte eine solch ungewöhnliche Geschichte eine solche Euphorie und eine solche Bewegung auslösen? Das wird hier vor Gericht noch zu klären sein. Herr Verteidiger: Haben Sie noch mehr Beweisstücke?

Verteidiger: Ja, natürlich. Das 2. Beweisstück lautet: Der Glaube an die Auferstehung ist am Ort und in der Zeit der Augenzeugen entstanden! Diesen Glauben hat also nicht irgendjemand erfunden, der weit weg von den Originalschauplätzen oder Augenzeugen war. Nein, dieser Glaube nahm seinen Ausgangspunkt dort, wo die Geschichte geschehen sein soll: In Jerusalem! Und zwar kurz nach der Kreuzigung Jesu.

Richter: Gibt es konkrete Belege dafür, dass sich dieser Glaube wirklich kurz nach der Kreuzigung in Jerusalem ausgebreitet hat?

Verteidiger: Ja, und zwar in der Bibel selbst: In 1. Korinther 15, 3-4 zitiert Paulus ein Glaubensbekenntnis, das er nicht selbst geprägt hat sondern das er selbst empfangen hat. Ich zitiere: „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift. Er wurde von Petrus gesehen und dann von den zwölf Aposteln.“

Die Theologen sind sich einig: Die formelhafte Formulierung dieses Textes steht für ein fixiertes Glaubensbekenntnis, das Paulus gehört und gelernt haben muss, als er selbst nach Jerusalem kam, um die Gemeinde und die Apostel zu treffen. Das war also etwa im Jahr 36 n. Chr., etwa 3 – 5 Jahre nach der Kreuzigung.

Richter: Gibt es auch außerbiblische Zeugnisse dazu?

Verteidiger: Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schrieb folgendes: „Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, verhängte er die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk ‚Chrestianer‘ nannte. Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Der Aberglaube verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom.“

Richter: Vielen Dank. Somit bestätigt auch Tacitus: Der Auferstehungsglaube ist nicht irgendwo entstanden sondern genau dort, wo Jesus gekreuzigt wurde. Herr Verteidiger: Bitte fahren Sie fort mit Ihren Beweisstücken!

Verteidiger: Das 3. Beweisstück ist das leere Grab. Das Grab Jesu wird bis heute in der Grabeskirche in Jerusalem verehrt, und die meisten Gelehrten gehen davon aus, dass es sich wirklich dort befunden hat. Aber im Vergleich zu anderen berühmten Persönlichkeiten gibt es eine Besonderheit: Das Grab ist leer. Es ist kein Leichnam darin. Und zu keiner Zeit gingen die Christen davon aus, dass dort der Leichnam Jesu tatsächlich liegen würde. Und was noch wichtiger ist: Es gibt keine einzige Quelle, weder innerhalb noch außerhalb der Bibel, die einen Hinweis darauf geben würde, dass die ersten Christen sich mit einem Leichnam Jesu hätten auseinandersetzen müssen oder dass irgendjemand behauptete, den Verbleib Jesu oder seines Leichnams zu kennen. Stattdessen gibt es lediglich eine sehr alte Behauptung, dass die Jünger den Leichnam gestohlen hätten. So berichtet es der Evangelist Matthäus:

„Sofort wurde eine Versammlung aller Ältesten einberufen. Sie beschlossen, die Soldaten zu bestechen, und gaben ihnen die folgende Anweisung: »Ihr müsst sagen: `Die Jünger von Jesus kamen in der Nacht, während wir schliefen, und haben seinen Leichnam gestohlen.´ Wenn der Statthalter davon erfährt, werden wir euch beistehen. Ihr braucht nichts Schlimmes zu befürchten.« Die Soldaten nahmen das Bestechungsgeld an und sagten, was ihnen aufgetragen worden war. Ihre Geschichte verbreitete sich unter den Juden, und sie erzählen sie noch bis zum heutigen Tag.“ (Matth. 28, 11-15)

Ganz offensichtlich rechnete Matthäus damit, dass seine Leser diese Geschichte kennen, sonst hätte er nicht die weite Verbreitung und ihre Beständigkeit so betont. Er hätte das sicher nicht getan, wenn es diese Behauptung nicht wirklich gegeben hätte. Diese Geschichte beweist zweierlei:

  • Auch für die Gegner des Christentums war das Grab wirklich leer. Sie konnten keinen Leichnam präsentieren, um die Botschaft der Christen zu konterkarieren.
  • Es gab eine enorme Erklärungsnot der Gegner der Christen! Denn was ist das für eine absurde Geschichte! Die Soldaten sollen eingeschlafen sein? Auf Einschlafen während der Wache stand für Soldaten schlimme Strafen. Deshalb musste man ihnen Beistand zusichern, sonst hätten die das nie geäußert. Und dann sollen verschüchterte, tief enttäuschte Jünger todesmutig direkt neben den schlafenden Wachen den schweren Grabstein beiseite gerollt und den Leichnam geklaut haben? Wer sich so eine unglaubwürdige Geschichte ausdenkt, muss wirklich in großer Erklärungsnot gewesen sein!

Das leere Grab gilt deshalb inzwischen als historisch zuverlässig.

Anwalt: Das ist aber noch längst kein Beweis für die Auferstehung! Selbst Lukas schildert ja, dass das leere Grab nur Verwirrung gestiftet hat und sogar von den Jüngern nicht als Beweis für die Auferstehung gewertet wurde!

Richter: Das ist richtig. Ich denke, es ist Zeit, sich den Zeugenaussagen zuzuwenden. Herr Verteidiger: Dazu zunächst die Frage: Wie viele Zeugen haben wir denn?

Verteidiger: Viele glauben ja, es gäbe nur 1 schriftlichen Zeugen, nämlich die Bibel. Aber die Bibel ist ja bekanntlich ein Sammelband verschiedener Bücher. In Wahrheit gibt es mindestens 5 verschiedene schriftliche Zeugen, die in der Bibel von der Auferstehung berichten: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes und Paulus.

Anwalt: Gut, aber die könnten ja alle voneinander abgeschrieben haben oder eben alle dem gleichen Lügner aufgesessen sein!

Richter: Herr Verteidiger: Gibt es in den Texten einen Hinweis darauf, dass diese schriftlichen Zeugen letztlich alle aus der gleichen Quelle gespeist werden?

Verteidger: Wir haben das natürlich geprüft. Die Prüfung hat ergeben, dass die Schilderungen von der Auferstehung teilweise sehr unterschiedlich, ja scheinbar widersprüchlich sind.

Anwalt: Widersprüche! Das beweist doch, dass die Zeugenaussagen nicht zu gebrauchen sind!

Verteidiger: Nein, ganz im Gegenteil! Wenn mehrere Zeugen absolut identisch und wortgleich einen Vorfall schildern beweist das, dass sie sich untereinander abgesprochen haben. Dann hätten wir keine unabhängigen Zeugen. Diese 5 Zeugen hier unterscheiden sich aber erheblich. Das heißt nicht, dass sie zwangsweise widersprüchlich sind. Wenn man sich intensiv mit den Texten beschäftigt lassen sich die Schilderungen sehr wohl zusammenfügen zu einem stimmigen Gesamtgeschehen. Aber eindeutig ist: Diese Zeugen schildern den Vorgang aus sehr individuellen, unterschiedlichen Perspektiven mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten. Und diese scheinbaren Widersprüche wurden auch nachträglich nicht geglättet.

Richter: Da muss ich den Verteidiger bestätigen. Wir kennen das ja von Unfallzeugen. Selbst wenn die Zeugen ganz ehrlich berichten scheinen sich ihre Berichte zu widersprechen, weil sie ganz unterschiedliche Perspektiven hatten und sich an ganz unterschiedliche Details erinnern. Genauso sieht das hier auch aus. Es spricht also alles dafür, dass wir hier unabhängige Berichte unterschiedlicher Zeugen haben.

Anwalt: Na gut. Aber die große Frage ist doch jetzt: Wie glaubwürdig sind diese Zeugen? Schließlich berichten Sie eine Geschichte, die naturwissenschaftlich vollkommen unmöglich ist!

Richter: Ja, dem müssen wir jetzt zwingend nachgehen. Herr Verteidiger: Was können wir jetzt über die Glaubwürdigkeit dieser 5 Zeugen sagen?

Verteidiger: Wir haben die Glaubwürdigkeit der schriftlichen Zeugen ausführlich geprüft und dazu 5 wichtige Hinweise entdeckt. Ich beginne mit dem 1. Hinweis: Der hohe Selbstanspruch! Die Eigenaussage der schriftlichen Zeugen ist, dass es sich hier nicht nur um Glaubenszeugnisse sondern um eine historisch genaue Dokumentation der Ereignisse handelt, die auf der Auswertung von Augenzeugenberichten basieren. Dazu der Zeuge Lukas:

„Ich habe es für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, auf dass du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist.“ (Lukas 1, 3-4)

Anwalt: Herr Verteidiger, Sie wissen genau, dass dieser Anspruch von Lukas oft kritisiert und in Frage gestellt worden ist. Viele Theologen sind der Meinung, dass Lukas sehr ungenau und hypothetisch geschrieben hat.

Verteidiger: Es gibt aber durchaus auch Forscher, die anderer Meinung waren. Dazu haben wir eine Zeugenaussage von Sir William Mitchell Ramsay. Er war Archäologe und gilt bis heute als einer der herausragenden Experten in der antiken Geografie Kleinasiens, also der Region, in der das Evangelium und die Apostelgeschichte von Lukas spielt. Er war so geschätzt, dass er sich einen Adelstitel und 9 Ehrendoktorwürden erworben hat. Und seine große Frage war genau die: Wie zuverlässig war Lukas in seinen historischen Angaben? Ramsay ging zu Beginn seiner Forschung davon aus, dass die Angaben von Lukas in der Apostelgeschichte oft unzuverlässig waren. Aber im Rahmen seiner Forschung kam er immer mehr zu einer anderen Überzeugung. Er schreibt:

„Weiteres Forschen … ergab, dass das Buch (von Lukas) der genauesten Prüfung bezüglich seiner Kenntnis über die Welt der Ägäis standhalten konnte, und dass es mit so viel Urteilsvermögen, Fähigkeit, Kunst und Wahrnehmung der Wahrheit geschrieben wurde, dass es ein Modell für ein historischen Werk darstellt.“

Richter: Vielen Dank. Ohne in diesen Streit unter Forschern eingreifen zu wollen halten wir jedenfalls fest: Die schriftlichen Zeugen hielten sich selbst nicht für Märchenerzähler sondern für Historiker, die ganz exakt aufschreiben wollten, was wirklich passiert ist. Herr Verteidiger:  Was ist der nächste Hinweis zur Frage der Glaubwürdigkeit der schriftlichen Zeugen?

Verteidiger: Der 2. Hinweis heißt: Die Berufung auf Augenzeugen! Am glaubwürdigsten ist ein Bericht natürlich dann, wenn der Autor auf das eigene Wissen der Leser setzen kann! Genau dieses extrem schlagkräftige Argument hat Paulus benutzt, als er über den auferstandenen Jesus schrieb: „Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben.“  (1. Kor. 15, 6)

Paulus sagte hier also seinen Lesern: Überzeugt euch selbst! Fragt nach! Es gibt hunderte von Leuten, die das bezeugen können. So etwas tut man nicht, wenn man sich seiner Sache nicht sehr, sehr sicher ist.

Richter: Das ist in der Tat ein starker Hinweis für die Glaubwürdigkeit des Zeugen. Herr Vertediger: Welchen Hinweis können Sie noch präsentieren?

Verteidiger: Der 3. Hinweis lautet: Die zeitliche Nähe zu den Ereignissen! Diese Zeugen konnten sich deshalb auf Augenzeugen berufen, weil sie die Ereignisse sehr kurz nach ihrem Geschehen aufgeschrieben haben.

Anwalt: Nun ist ja aber die Entstehungszeit der Bücher des neuen Testaments hoch umstritten! Es gibt viele Theologen und Experten, die behaupten, dass diese Schriften erst viel später entstanden sind.

Verteidiger: Ja, die Entstehungszeit des neuen Testaments ist umstritten. Aber Fakt ist: Das gesamte Neue Testament erwähnt folgende Ereignisse mit keinem Wort:

  • Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahr 70 nach Christus
  • Die Hinrichtung von Paulus etwa im Jahr 64 nach Christus
  • Die Hinrichtung von Petrus, spätestens 67 nach Christus

Alle diese Ereignisse waren für die ersten Christen absolut dramatisch und einschneidend. Sie müssen sie so empfunden haben wie wir heute den Fall der Mauer, den 9/11-Anschlag oder die Ermordung von Präsident Kennedy. Das geradezu dröhnende Schweigen über diese dramatischen Ereignisse spricht stark dafür, dass zumindest viele der Schriften vorher schon fertig gestellt wurden, d.h. also maximal 30 bis 35 Jahre nach der Kreuzigung und somit in einer Zeit, in der es noch massenhaft Augenzeugen gab, die die Angaben der Autoren prüfen und notfalls anfechten konnten.

Richter: Das spricht in der Tat stark für ihre Glaubwürdigkeit! Herr Anwalt, was sagen Sie dazu?

Anwalt: Schön und gut. Aber wer sagt mir, dass die Schriften nicht im Nachhinein gefälscht wurden? Das kann man ja auch im Nachhinein alles so aussehen lassen und hintricksen, wie es jetzt aussieht!

Richter: Das ist ein wichtiger Einwand! Herr Verteidiger: Was sagen Sie dazu? Gibt es vielleicht doch Hinweise auf eine nachträgliche Manipulation der Texte?

Verteidiger: Zu dieser Frage ist der 4. Hinweis sehr wichtig: Die vielen sehr alten Quellen! Antike Schriften sind ja normalerweise sehr dünn belegt. Die Originale sind längst verschollen. Und normalerweise haben wir kaum mehr als 10 oder 20 historische Abschriften, die meist viele hundert Jahre jünger sind als die verschollenen Originale. Beim Neuen Testament ist das vollkommen anders: Die ältesten Textfragmente stammen schon aus dem Jahr 125 nach Christus, sind also nur wenige Jahrzehnte jünger als die Originale. Und wir verfügen heute über  mehr als 5500 historische Abschriften, dazu viele tausend Übersetzungen und dazu noch die Zitate aus den Schriften der Kirchenväter! Das Neue Testament spielt also in Bezug auf die Überlieferungsqualität in einer völlig anderen Liga als alle anderen antiken Quellen.

Wir haben dazu noch einen Zeugen, der sich extrem intensiv mit diesen vielen Quellen auseinandergesetzt hat, nämlich Prof. Holger Strutwolf von der Universität Münster. Er gilt weltweit als führend im Fach der sogenannten Textkritik. Herr Professor Strutwolf hat alle diese zahllosen Quellen digitalisiert und vergleicht sie nun, um herauszufinden, wie wohl der ursprüngliche Text gelautet hat. Denn klar ist: Wenn sehr viele Abschriften identisch sind, dann ist das ein sehr starkes Argument dafür, dass der Text ursprünglich so gelautet haben muss. Inzwischen ist er mit etwa 1/5 des Neuen Testaments durch. Und sein Zwischenergebnis lautet: 99,9 % der Texte haben sich als absolut zuverlässig erwiesen! Bei etwa 0,1% des Textes musste er kleine Korrekturen vornehmen. Und selbst diese 0,1% waren für den Sinn und v.a. für die theologischen Aussagen der Texte nicht relevant. Sein Zwischenfazit ist daher: “Insgesamt ist die Überlieferung der Bibel sehr gut und sehr treu. In den theologischen Punkten gibt es unter den Abertausenden Handschriften kaum Abweichungen.“

Richter: Mit anderen Worten: Wir können uns sehr sicher sein, dass der Text des Neuen Testaments, den wir heute vorliegen haben, sehr genau dem entspricht, den die Evangelisten und Apostel damals verfasst haben. Herr Verteidiger: Haben Sie noch mehr Hinweise finden können?

Verteidiger: Ja, der 5. Hinweis lautet: Frauen als Zeugen! Die Berichte über die Auferstehung nennen Frauen als die ersten Zeugen der Auferstehung.

Richter: Warum ist das wichtig?

Verteidiger: Die Aussage von Frauen galt im damaligen Kontext als absolut minderwertig. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus schrieb damals folgendes: „Das Zeugnis der Frau ist nicht rechtsgültig wegen der Leichtfertigkeit und Dreistigkeit des weiblichen Geschlechts.“ Deshalb war es kein Wunder, dass auch in den biblischen Berichten die Jünger den Berichten der Frauen erst einmal nicht geglaubt haben! Hätte jemand damals diese Geschichte erfunden hätte er deshalb niemals Frauen als die ersten und wichtigsten Zeugen ausgesucht sondern selbstverständlich Männer, um glaubwürdig zu sein.

Anwalt: Gut, aber es könnte ja trotzdem sein, dass diese Frauen keine wahre Geschichte erzählt haben sondern dass es sich um Wunschträume, Visionen oder Halluzinationen handelte! Schließlich waren die Leute nach der Kreuzigung alle sehr aufgewühlt und durcheinander. Und sie waren sicher in einer extremen Situation. Da kann so etwas schon mal vorkommen, dass man selber etwas glaubt, was gar nicht wirklich passiert ist.

Richter: Ja, diesen Einspruch müssen wir ernst nehmen. Herr Verteidiger: Haben Sie sich mit diesem Vorwurf auseinandergesetzt?

Verteidiger: Ja, natürlich. Aber die schriftlichen Schilderungen geben überhaupt keinen Hinweis darauf, dass es sich nur um Wunschträume gehandelt hätte. Dagegen sprechen mehrere Elemente aus diesen Schilderungen:

  • Zum einen der greifbare, physische Körper des Auferstandenen! Jesus hat gegessen und getrunken. Er ließ sich anfassen und begreifen im wahrsten Sinne des Wortes. Das passt nicht zu Halluzinationen.
  • Und dann ist da noch die Tageszeit und die zweifelnden Jünger! Die Begegnungen mit dem Auferstandenen geschahen nicht nachts im Traum oder im Dunklen in einer spiritistischen Sitzung sondern mitten am Tag, und dazu noch völlig unerwartet. Die Jünger steigerten sich nicht in Wunschträume hinein sondern sie waren ganz im Gegenteil extrem schwer von der Auferstehung zu überzeugen!

Diese Schilderungen passen also wirklich in keinster Weise dazu, dass es sich hier um Halluzinationen handelte. Und dazu kommt: Halluzinationen können Einzelne haben, aber nicht ganze Gruppen! Die Illusion von ein paar wenigen hätte sich ja spätestens dann in Luft aufgelöst, wenn die vernünftig gebliebenen Realisten die Träumer daran erinnert hätten, dass Jesus nebenan im kühlen Grab verwest!

Und schließlich: Totenerscheinungen waren in der Antike nichts Ungewöhnliches. Aber sie bewiesen damals nur, dass die Person wirklich tot ist! Auf Basis des Berichts von einer Totenerscheinung wäre deshalb niemand in Wallung geraten. Die Begeisterung und Euphorie der Jünger lässt sich nur dadurch erklären, dass etwas völlig anderes geschehen sein muss als eine Erscheinung von einem Geist oder einem Toten.

Anwalt: Gut, das mag sein. Aber vielleicht war Jesus gar nicht wirklich tot! Vielleicht war er nach der Kreuzigung nur scheintot gewesen!

Verteidiger: Im Ernst, Herr Anwalt, halten Sie das wirklich für wahrscheinlich? Selbst wenn – was extrem unwahrscheinlich ist – die römischen Henker Mist gebaut und den Körper Jesu vorschnell abgehängt hätten, selbst wenn Jesus den massiven Blutverlust im Grab trotz fehlender Flüssigkeitszufuhr überlebt hätte, selbst wenn er sich selbständig aus seinen Bandagen befreien, den schweren Stein beiseite schieben und die Wachen hätte austricksen können: Wie um alles in der Welt hätte ein halb verbluteter, geschundener, traumatisierter und pflegebedürftiger Jesus die Jünger auf die Idee bringen können, dass er ein vom Tod auferstandener Gott und Messias ist? Das klingt doch alles extrem an den Haaren herbeigezogen.

Anwalt: Mag sein, Herr Verteidiger: Aber was Sie definitiv nicht entkräften können ist der Vorwurf, dass es sich einfach um eine große Lüge gehandelt hat! Eine Verschwörung der frustrierten und enttäuschten Nachfolger Jesu. So etwas kann es doch geben, oder?

Verteidiger: O.K., nehmen wir also einmal an: Diese 5 Zeugen haben alle unabhängig voneinander eine umfangreiche, ausgeklügelte und dreiste Lügengeschichte entweder frei erfunden oder von verschiedenen Jüngern Jesu übernommen.  Sie haben sich dazu noch auf erfundene Augenzeugen berufen in der Hoffnung, dass ihre Lügen nicht auffliegen. Und sie hatten das Glück, das aus irgendeinem Grund das Grab leer war, vielleicht weil sie den Leichnam selber gestohlen haben, weil ihn jemand weggebracht hat, oder warum auch immer. Die große Frage ist doch: Wie glaubwürdig ist diese Lügentheorie? Dazu sollten wir nun neben den schriftlichen auch die mündlichen Zeugen berücksichtigen!

Richter: Was wissen wir denn über die mündlichen Zeugen?

Verteidiger: Zu den mündlichen Zeugen haben wir folgende Fakten vorliegen:

  1. Es waren viele!
  2. Sie standen für eine Botschaft, die abstoßend und unattraktiv war!
  3. Sie waren extrem opferbereit!

Richter: Dass es viele waren ist ja klar, denn sonst hätte sich die Botschaft nicht so rasend schnell ausbreiten können. Aber was meinen sie damit, dass sie für eine Botschaft standen, die abstoßend und unattraktiv war?

Verteidiger: Die Botschaft von einem gekreuzigten und wieder auferstandenen Gott war damals eben äußerst seltsam. Horst Frank, der Chefredakteur des bayrischen evangelischen allgemeinen Sonntagsblatts hat dazu etwas geschrieben, was heutzutage die wenigsten wissen. Er schreibt:

„Die Kreuzigung galt in der Antike als entehrend und grausam, ekelerregend und abstoßend. Der hellenistische Schriftsteller Lukian wollte deshalb sogar den Buchstaben T aus dem Alphabet streichen. Das Kreuz wurde in der Urkirche nicht gezeigt. Erst im 4. Jahrhundert wurden Kreuzigungen abgeschafft und erst weitere hundert Jahre später wurde das Kreuz das Symbol der Christen.“

Das heißt: Das Kreuz war lange so unattraktiv, dass man es eher verschämt versteckt hat statt es in den Vordergrund zu rücken.

Richter: Heißt das, dass es gar keine älteren Kreuzesdarstellungen gibt?

Verteidiger: Die älteste bekannte Kreuzesdarstellung stammt aus dem Jahr 125. Es ist eine Kritzelei an der Wand einer römischen Kaserne. Auf dem Kreuz hängt eine menschliche Gestalt mit einem Eselskopf. Darunter kniet ein ein Soldat. Und zu lesen ist der Spruch „Alexamenos betet seinen Gott an.“ Das heißt: Das Kreuz wurde eingesetzt, um die Christen zu verspotten und zu mobben!

Und für Juden war es sogar noch schlimmer. In der Tora, dem mosaischen, jüdischen Gesetz kann man lesen: „Ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott.“ (5. Mose 21, 23) Ein Gekreuzigter war für Juden also ein Verfluchter. Das war – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade eine gute Voraussetzung für diesen neuen Glauben. Kein Wunder, dass Paulus sagte: „Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit.“ (1. Korinther 1, 23) Es war also von vornherein klar, dass man sich mit so einer Botschaft keine Freunde sondern nichts als Feinde macht!

Richter: Das wirft natürlich die Frage auf: Warum und für wen hätten die Jünger so eine abstoßende Geschichte erfinden sollen, nachdem sie gerade erlebt hatten, dass ihr Prediger den verfluchten Tod am Kreuz gestorben ist? Für wen? Mit welchem Ziel? Das Tatmotiv liegt demnach vollkommen im Dunkeln.

Verteidiger: Ja, unbedingt. Zumal wir berücksichtigen müssen, dass die Zeugen extrem leidens- und opferbereit waren! Tatsächlich wurde die erste christliche Generation massiv verfolgt. Mehrere römische Historiker schildern eindrücklich, mit welch unfassbar grausamen Methoden die Christen massenhaft hingerichtet wurden. Tacitus schildert, wie Nero Christen in Tierfelle einwickeln ließ, damit sie sich besser als Löwenfutter eignen. Und er nutzte brennende Christen als Festbeleuchtung. Vermutlich starben 11 der 12 Apostel den Märtyrertod. Praktisch die gesamte erste Generation der Christen war direkt oder indirekt von massiver Bedrohung, Verfolgung und Märtyrertum betroffen. Dazu kam die Opferbereitschaft, sich in die ganze Welt aufzumachen und überall unter massiven Entbehrungen und Todesgefahr diese Botschaft von der Auferstehung weiter zu verbreiten. Denn Reisen war damals alles andere als ein Spaß!

Und das alles sollen diese Leute für eine Lüge auf sich genommen haben? Und dann gab es da nicht einen Einzigen, der im Angesicht seiner Henker schwach wurde und zugab, dass alles nur eine Lüge oder ein schöner Traum gewesen ist? Menschen riskieren ihr Leben für Überzeugungen – aber nicht für eigene Lügen! Nein, diese ersten Christen müssen zutiefst von der Auferstehung überzeugt gewesen sein, anders kann man sich ihren Enthusiasmus, ihre Ausstrahlung, ihren Erfolg in der Verbreitung ihrer Botschaft, ihre Leidens- und Opferbereitschaft und ihre fehlende Furcht vor dem Tod nicht erklären.

Richter: Vielen Dank für dieses leidenschaftliche Plädoyer, Herr Verteidiger! Vielen Dank auch Ihnen, Herr Anwalt! Ich will damit die Beweisaufnahme abschließen und die zentralen Fakten noch einmal zusammenfassen:

  1. Der Auferstehungsglauben hat sich unglaublich schnell ausgebreitet.
  2. Die Geschichte ist am Ort und in der Zeit der Augenzeugen entstanden.
  3. Es gibt auch von Gegnern keinen Widerspruch zum leeren Grab.
  4. Es gibt 5 unabhängige schriftliche Zeugen.
  5. Die schriftlichen Zeugen sind glaubwürdig aufgrund …
    … ihres historischen Anspruchs.
    … ihrer Berufung auf Augenzeugen.
    … ihrer zeitlichen Nähe zu den Ereignissen.
    … der Verwendung von Frauen als Zeugen.
    … der vielen sehr alten Quellen und der hervorragenden Überlieferung.
  6. Die Botschaft war äußerst unattraktiv, somit fehlt das Tatmotiv für eine Lüge.
  7. Halluzinationen oder Scheintot scheiden als Erklärung offensichtlich aus.
  8. Die extreme Opferbereitschaft der Zeugen sprechen gegen ein Komplott aus Lügen.

Wie konnte also die Geschichte von der Auferstehung entstehen? Warum ist sie entstanden? Wie konnte sie sich so rasend schnell verbreiten am Ort und in der Zeit der Augenzeugen der Kreuzigung Jesu? Warum war sie so erfolgreich trotz des massiven Widerstands der Mächtigen der damaligen Zeit? Warum konnte niemand die Geschichte entkräften? Warum gibt es so viele unterschiedliche und hervorragend überlieferte Zeugen dafür? Und warum waren die Zeugen so enthusiastisch, so erfolgreich und so extrem opferbereit? Aus meiner Sicht sehe ich auf diese Fragen nur folgende Antwortmöglichkeiten:

  • Das ist entweder ein großes, ungelöstes Rätsel.
  • Oder die Geschichte von der Auferstehung ist die Wahrheit.

Sehr geehrte Schöffen: Es ist Zeit für Ihr Urteil…

Mehr zu diesem Thema:

Paradigmenwechsel: Die harten und die weichen Themen

Vor einiger Zeit war ein hochrangiger Kirchenvertreter in unserer Kirchengemeinderatssitzung zu Gast. Ich durfte den Abend mit einem biblischen Impuls einleiten. Im Blick auf unsere blühende und wachsende Jugendarbeit warnte ich: Es reicht nicht, wenn unsere Programme gut laufen! Erst wenn unsere jungen Leute lernen, sich selber in der Bibel zu verwurzeln und aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus zu schöpfen (Kol. 2, 7) haben wir einen nachhaltigen Erfolg erzielt!

Nach meiner Andacht bedankte sich unser Gast und leitete den folgenden Sitzungsteil mit den Worten ein: „Kommen wir jetzt von den weichen Themen wie Bibellesen und Beten zu den harten Themen.“ Dann ging es ausführlich um Finanzen, Bauprojekte, Pfarrstellen, Mitarbeitersituation und aktuelle Veranstaltungen.

Mich aber hat die ganze Zeit sein Eingangsstatement nicht losgelassen: Sind DAS wirklich die harten Themen? Sind es diese Themen wirklich wert, ihnen den größten Teil unserer Aufmerksamkeit und Energie zu schenken, während wir über Fragen zum geistlichen Leben nur kurz zu Beginn sinnieren, ohne weiter darüber zu sprechen?

Je länger ich darüber nachdenke wird mir klar: Wir brauchen einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Kirche! Genau wie die Hingabe an Gott allein entscheidend war für den Erfolg der Könige Israels (eindrücklich nachzulesen in den Könige- und Chronik-Büchern) wird sich die Zukunft der Kirche letztlich allein an der Qualität ihres geistlichen Lebens entscheiden. Aus der engen Verbindung  mit Jesus wächst Alles, was die Kirche Jesu seit jeher ausgemacht hat: Ihre Ausstrahlung, ihre Kraft, ihre Leidenschaft, ihre Glaubwürdigkeit, ihre Opferbereitschaft. Alle anderen Themen sind nur Symptome, an denen wir vergeblich herumdoktern, solange unser geistliches Leben lahmt.

Unser Fokus in der Kirchen- und Gemeindeleitung muss deshalb wieder auf den Themen liegen, die auch die Apostel als ihr Kerngeschäft ansahen: Gebet und Gottes Wort (Apg. 6, 1-4). DAS sind die harten Themen, die darüber entscheiden, ob Gemeinde und Kirche gesund und nachhaltig wächst oder nicht. DAS sind die Themen, an denen sich entscheiden wird, ob wir mittelfristig überhaupt noch Finanzen, Gebäude, Pfarrstellen, Mitarbeiter und Veranstaltungen haben werden oder nicht.

Frustrierend war für mich in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Themen und Beschlüsse der letzten EKD-Synode (siehe unten). Da geht es um Politik, Geld, Gesellschaft, Organisation und Recht. Was ich hingegen überhaupt nicht finde ist: Geistliches Leben fördern. Die Menschen für das Bibelstudium begeistern. Ein lebendiges Gebetsleben entwickeln. Das Evangelium glaubwürdig und kraftvoll bezeugen. Missionarischen Gemeindeaufbau voranbringen…

Dass sich die EKD-Spitze so sehr auf politische Themen konzentriert ist besonders traurig wenn man berücksichtigt, was eine EKD-eigene Studie jüngst zutage gefördert hat: Demnach interessieren sich nicht einmal aktive Gemeindeglieder für die Papiere, die an der Spitze der EKD verfasst werden. Selbst bei hochbrisanten Themen gilt, dass für die Gemeindeglieder „Informationen der EKD und Diskussionen auf der Ebene der EKD praktisch keine Rolle spielen“.

Umso mehr ist es Zeit, umzukehren. Hin zum Gebet. Hin zu Gottes Wort. Hin zur Konzentration auf die alles entscheidende Frage, wie authentisches geistliches Leben in unseren Gemeinden, Gruppen und Kreisen wachsen kann. Kirchliche Organisationen haben nur dann eine Überlebenschance, wenn sie sich diesem Paradigmenwechsel schnell und gründlich stellen.

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Was die EKD-Synode 2016 beschlossen hat (vollständig nachzulesen hier):

Schwerpunktthema: Bekräftigung für ein „Europa des Friedens, der Aussöhnung und der Gerechtigkeit“

Kundgebung gegen Judenmission

Politische Beschlüsse:

  • Entschließung zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen
  • Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer
  • Integration als Motor der politischen Erneuerung (Für „Inklusive Integrationspolitik“)
  • Verstetigung des Förderprogramms „Demokratie leben“
  • Studien zur „Haltungen von Kirchenmitgliedern im Kontext politischer Kultur“
  • Kompetenzerweiterung von KiTa-Leitern im Umgang mit religiöser Vielfalt
  • KiTas sollen von der öffentl. Hand besser ausgestattet werden
  • Teilhabe für Menschen mit Behinderungen verlässlich sichern
  • Zusammenführung und Modernisierung der Pflegeausbildung

Beschlüsse zum Umweltschutz:

  • Konsequente Umsetzung des Weltklimaabkommens von Paris

Kirchenpolitische Beschlüsse:

  • Entlastung der Haushalts- und Kassenführung
  • Beschluss EKD-Haushalt 2017
  • Verbindungsmodell zwischen EKD, VELKD und UEK
  • Bitte um Information zur friedensethischen Diskussion und Projekte zur Friedensethik
  • Dauerhafte kostenlose Bereitstellung einer kostenlosen Bibel-App
  • Berichterstattung über den Prozess „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“
  • Unverständnis über die Abschaffung der Frauenordination in Lettland
  • Richterwahl Verfassungsgerichtshof der EKD
  • Änderung Geschäftsordnung EKD-Synode
  • Änderungen dienstrechtlicher Regelungen im Kirchengesetz

Siehe auch:

5 Gründe, warum eine Erweckung bevorsteht

Die Kirche ist nicht mehr zu retten. So sieht es zumindest der humanistische Pressedienst. Sie sei in einer „Lose-Lose-Situation“: Passt sie sich dem Zeitgeist an, wird sie inhaltlich ausgehöhlt. Verwehrt sie sich einer „Modernisierung“ wird sie erst recht nicht mehr ernst genommen. Die ständig schrumpfenden Mitgliederzahlen scheinen das zu bestätigen.

Und trotzdem ist kein Niedergang des Christentums in Westeuropa zu erwarten. Ganz im Gegenteil: Es gibt mindestens 5 deutliche Anzeichen dafür, dass die Kirche Jesu vor einem Aufbruch ungekannten Ausmaßes steht:

1. Historische Versöhnungs- und Einheitsbewegungen

Weite Teile der Kirchengeschichte waren von Spaltungen geprägt. Heute sehen wir hingegen eine nie dagewesene Entwicklung hin zur Einheit der Kirche Jesu. Hier nur ein paar Schlaglichter:

  • 500 Jahre nach Beginn der blutigen Verfolgung der Täuferbewegungen haben die Lutheraner und die Schweizer Reformierten endlich für diese Verbrechen um Vergebung gebeten und mit den Täufern Versöhnungsgottesdienste gefeiert.
  • 100 Jahre, nachdem die sog. Berliner Erklärung einen tiefen Keil zwischen pfingstlich und evangelikal geprägte Christen getrieben hat, kam es 2009 zu einer Versöhnung. Der tiefe Riss, der noch vor 20 Jahren quer durch die deutsche Christenheit ging, wurde inzwischen faktisch weitgehend geschlossen. Damit wurden auch viele Vorbehalte gegen Gaben und Wirkungen des Heiligen Geistes überwunden. Lobpreis und Anbetung war vor 20 Jahren noch ein Spaltpilz – heute vereint es die Kirche Jesu!
  • Zwischen der evangelischen und katholischen Kirche gibt es 500 Jahre nach der Spaltung erstaunliche Annäherungen. Und dass ein katholischer Theologe heute einer der beliebtesten Sprecher auf protestantisch/evangelikalen Veranstaltungen ist, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.
  • Mehrfach hat der Papst um Vergebung für das Verhalten der katholischen Kirche gegenüber den Freikirchen gebeten und damit die Grundlage für ein neues Miteinander gelegt.

Allgemein ist zu beobachten, dass die Bedeutung institutioneller Differenzen rasant abnimmt. Wo immer Christen andere Christen mit authentischem Glauben finden, verbünden sie sich über alle Konfessionsgrenzen hinweg. Das hat es in diesem Ausmaß noch nicht gegeben und kann nicht ohne Folgen bleiben. Schließlich hat Gott seinen Segen dorthin verheißen, wo seine Leute in Einheit zusammen sind (Ps. 133)!

2. Eine dynamisch wachsende Gebetsbewegung

Jeder Erweckung ging eine Gebetsbewegung voraus. So fällt z.B. der Beginn der Weltmissionsbewegung mit dem 100 Jahre andauernden 24-Stunden-Gebet der Herrnhuter Gemeinschaft zusammen. Seit kurzem sehen wir, wie die Zahl der Gebetshäuser in Deutschland stetig wächst. Beter vernetzen sich miteinander. Gebetswanderer durchschreiten betend unser Land. Bücher über Gebet sind Bestseller. Gebetskonferenzen werden so gut besucht, dass selbst die Tagesthemen berichten. Dieses Jahr haben sich erstmals tausende von Christen verbündet, um 40 Tage für eine Erweckung in Europa zu fasten. Das Gebet erlebt einen neuen Boom! Nach den vielen Erweckungen, die Europa bereits gesehen hat, ist es unvorstellbar, dass das dieses Mal ohne Folgen bleibt.

3. Die Rückkehr zu Gottes Wort

Lange Zeit schien es so, als ob das Vertrauen in die Bibel als das offenbarte, verlässliche Wort Gottes auch unter Evangelikalen immer weiter aufgegeben wird – bis Ende 2015 der Evangelist Ulrich Parzany in aller Deutlichkeit widersprach. Der Ruf, der Bibel mehr als dem Zeitgeist zu vertrauen, hallte wieder hörbar durchs Land. Der ehemalige württembergische ev. Landesbischof Prof. Gerhard Maier rief aus: Gebt den Protestanten das Bibelvertrauen zurück! Das bewegende Bekenntnis eines schwulen englischen Pfarrers zur Lehre Jesu erregt großes Aufsehen weit über die nationalen Grenzen hinaus. Der Umstand, dass gerade auch junge Theologen wieder lautstark für die Verlässlichkeit von Gottes Wort und gegen die Schwammigkeit kirchlicher Theologie auftreten, ließ jüngst den Leiter der ev. Nachrichtenagentur idea von einer „beginnenden Wende“ sprechen. Fakt ist: Durch ihren Subjektivismus und die daraus folgende Vielstimmigkeit, Widersprüchlichkeit und Uneinigkeit hat die liberale, universitäre Theologie massiv an Glaubwürdigkeit und Relevanz eingebüßt. An der Kirchenbasis findet sie immer weniger Gehör. Gleichzeitig wächst der Einfluss bibeltreuer Netzwerke wie z.B. der Gebetshausbewegung, dem Netzwerk Bibel und Bekenntnis, Evangelium 21 und den wachsenden freien Gemeinden wie z.B. dem Gospel Forum Stuttgart. Gerade erst hat das Gebetshaus Augsburg den Neubau eines großen Campus zur Ausbildung einer neuen Generation junger Leiter angekündigt. Die Ehrfurcht vor Gottes Wort kehrt in die Kirche Jesu zurück! Genau wie in den biblischen Zeiten eines Josia oder eines Hiskia wird das ganz sicher Wiederherstellung, Einheit und eine neue Dynamik mit sich bringen.

4. Die neue strukturelle Offenheit

Neuer Wein braucht neue Schläuche! Aber viele jahrhundertelang waren strukturelle Reformen im Bereich der Staatskirchen praktisch unmöglich. Jetzt öffnen sich selbst die großen Kirchen für frische Formen („fresh expressions“) von Gemeinde und Kirche. Die Bedeutung der „Parochie“ nimmt ebenso rasch ab wie die einst scharfe Trennung zwischen Klerus und Laien. Wie zu Zeiten der Reformation schauen die Kirchenmusiker und Prediger den Leuten wieder aufs Maul, um wie einst Paulus so viele Menschen wie möglich mit dem Evangelium zu erreichen. Die staatskirchlichen Fesseln beginnen abzufallen. Noch nie waren die Freiheiten so groß wie heute, dem Geist Gottes Raum zu geben, damit ER die kirchlichen Strukturen und Formen nach seinem Willen prägen kann.

5. Menschliche Sicherheiten zerbrechen

Nach dem Wirtschaftswunder, dem Entstehen einer friedlichen EU, der Euroeinführung und dem Ende des kalten Krieges schien alles so stabil und sicher zu sein, dass Gott verzichtbar erschien. Jetzt zerbricht in raschem Tempo ein Stabilitätsanker nach dem Anderen: Der kalte Krieg kehrt zurück. Die EU und die Nato bröckeln. Der Islamismus greift um sich und hat Verunsicherung und Terror im Gepäck. Das Platzen finanzieller Blasen sowie die Zinsabschaffung bei gleichzeitig wachsender Inflation lässt die Menschen um den Wert ihrer Ersparnisse fürchten. Die Globalisierung und die digitale Revolution drohen ganze Berufsgruppen arbeitslos zu machen. Die Parteienlandschaft wird unübersichtlicher und instabiler, die politischen Ränder werden immer stärker.

Die Erkenntnis, dass Humanismus und Aufklärung keine Selbstläufer sind sondern dass Gott und die Bibel für eine funktionierende und blühende Gesellschaft unverzichtbare Fundamente sind, wird deshalb auch in Westeuropa wieder um sich greifen. Der große Erfolg des wegweisenden „Buchs der Mitte“ belegt das schon jetzt.

Es ist nicht aufzuhalten

Jeder einzelne dieser 5 Punkte stellt schon für sich genommen ein (kirchen-)geschichtliches Erdbeben dar. Zusammengenommen halte ich es für völlig unvorstellbar, dass diese Entwicklungen folgenlos bleiben könnten. Dass im Moment noch wenig von einem neuen Aufbruch sichtbar ist muss nichts heißen. Ein Erdbeben, das unter Wasser geschieht, löst eine Welle aus, die einige Zeit völlig verborgen bleibt. Und doch ist ihre Kraft und Dynamik von nichts und niemandem aufzuhalten.

Als Daniel realisierte, dass die Wiederherstellung Israels bevorsteht lehnte er sich nicht zurück und wartete ab, was geschieht. Stattdessen betete und fastete er (Daniel 9, 2-3). Es gibt viele Daniels in diesen Tagen: Männer und Frauen, die die Stimme des guten Hirten hören, die Zeichen der Zeit erkennen und aktiv mitwirken, damit die Braut und Kirche Jesu schon bald in einer neuen Schönheit und Kraft hervortreten kann. Bist Du einer davon? Dann sei ermutigt und mach Dich bereit. Die Erweckung kommt.

Siehe auch:

Homosexuell und bibeltreu

Ein Redebeitrag des homosexuell empfindenden Pfarrers Sam Allberry in der Synode der Kirche Englands schlägt große Wellen. Das Video mit seinem bewegenden Plädoyer für die biblische Ehe und gegen das Mobbing von Menschen wie ihm wurde bereits mehr als 200.000 mal angeklickt. Der nachfolgende Text ist eine deutsche Übersetzung seiner 3-minütigen Ansprache vor dem anglikanischen Kirchenparlament im Februar 2017:

„Schon mein ganzes Leben lang fühle ich mich zum gleichen Geschlecht hingezogen. Das bedeutet, ich fühle mich in einer sexuellen, romantischen und tiefen emotionalen Weise von Menschen des gleichen Geschlechts angezogen. Ich habe mich entschieden, mich selbst so zu beschreiben, weil Sexualität für mich keine Frage der Identität ist – und das ist eine gute Nachricht! Ob ich mich als menschliches Wesen wertvoll und erfüllt fühle hängt nicht davon ab, ob ich romantische oder sexuelle Erfüllung finde – und das ist befreiend! Die vollständigste und erfüllteste Person, die jemals gelebt hat, war Jesus Christus. Er hat nie geheiratet. Er hatte nie eine romantische Beziehung und niemals Sex. Wenn wir sagen, diese Dinge wären essentiell für menschliches Leben, dann sprechen wir unserem Erlöser die Menschlichkeit ab.

Ich habe buchstäblich hunderte von Christen getroffen, die in meiner Situation sind. Ich kenne tausende mehr, die sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlen und fröhlich das traditionelle Verständnis von Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als dem einzigen gottgemäßen Rahmen für Sex befürworten. Dass Du nicht öfter von uns hörst liegt daran, dass es sehr hart ist, aufzustehen und in dieser Art und Weise über uns zu sprechen. Als jemand, der über gleichgeschlechtliche Anziehung spricht, muss ich sagen, dass meine Kirche kein sicherer Ort für mich ist. Mit „Kirche“ meine ich nicht meine Gemeinde sondern diese Synode. Das liegt nicht an dem, was in der Verlautbarung steht* sondern was seither geschehen ist. Ich wurde in der Schule dafür gemobbt, schwul zu sein. Jetzt fühle ich mich in der Synode gemobbt dafür, dass ich mich vom gleichen Geschlecht angezogen fühle und der Lehre Jesu über Ehe treu bin.

Ich bin dankbar, dass die Verlautbarung* die traditionelle Lehre über die Ehe bestätigt. Ich bin besorgt, dass wir uns schon jetzt darauf vorbereiten, dies pastoral zu unterlaufen. Deshalb ist meine Frage an die Bischöfe nicht: Werdet ihr diese Lehre bewahren? Meine Frage ist: Glaubt ihr wirklich daran? Ist es eine gute Nachricht für die Welt? Viele von uns haben herausgefunden, dass diese Lehre Leben spendet, so wie es die Botschaft und die Lehre Jesu immer tut. Danke.”

*: Sam Allberry erklärt den Hintergrund der Verlautbarung, die der Debatte zugrunde lag, wie folgt: „Das Treffen im Februar hatte viele Themen auf der Agenda, aber es war die Debatte über gleichgeschlechtliche Beziehungen, die am meisten Aufmerksamkeit erhielt. Zuvor hatte die Versammlung der Bischöfe eine Verlautbarung vorgelegt, in dem zum Thema Homosexualität Stellung genommen wurde. Sie machten darin klar, dass es keinen Anlass gab, die historische Definition von Ehe als eine Gemeinschaft von 1 Mann und 1 Frau zu ändern, dass es aber möglich sei, pastorale Beratung anderer Formen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften anzubieten, damit auch mögliche neue liturgische Segensformen. Normalerweise diskutiert und debattiert die Synode über eine solche Verlautbarung, um sie dann offiziell „zur Kenntnis“ zu nehmen, was bedeutet dass die Verlautbarung und ihr Inhalt bestätigt wird.  Jedoch bei dieser speziellen Verlautbarung gab es so außergewöhnlich starken Widerspruch, dass die Synode am Ende beschloss, die Verlautbarung nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen.“

In einem äußerst lesenswerten Interview erläutert Sam Allberry seinen Standpunkt im Nachgang noch genauer. Daraus hier einige wichtige Zitate:

„Das christliche Verständnis der Ehe ist äußerst wichtig. Jesus selbst lehrte, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen wird (Matthäus 19, 3-6) und dass jede sexuelle Aktivität außerhalb dieses Rahmens Sünde ist (Matthäus 15, 19). Christen können sich mit Teilen dieser Lehre schwer tun, aber wenn wir aufrichtig sein wollen müssen wir Jesus auf jeden Fall darin folgen. Der größere biblische Kontext zeigt uns, dass die Einheit zwischen Mann und Frau in der Ehe in Wahrheit ein Bild ist für die Einheit zwischen Himmel und Erde in Christus (Epheser 5, 32). Die Ehe soll das Evangelium verdeutlichen. Sie umzudefinieren wird das Evangelium verdunkeln, das sie darstellen sollte.“

„Einige wundern sich, wie es möglich ist, ein Christ zu sein und so zu empfinden. Meine Antwort ist, dass jeglicher unangemessene Wunsch eine Form von Versuchung ist, die bekämpft werden muss. … Versuchung ist keine Sünde. Die Bibel hat nie versprochen, dass wir von Versuchung vollständig verschont werden in diesem Leben, nur dass Gott uns die Kraft geben wird, gut damit umzugehen.“

„Die wichtigste – und oft übersehene – Tatsache ist, dass das Evangelium uns alle gleich behandelt. Wir sind alle Gefallene im sexuellen Bereich, egal ob wir uns vom gleichen oder vom anderen Geschlecht angezogen fühlen. Wir sind alle in der gleichen Situation und brauchen alle Vergebung und Wiederherstellung, die nur in Christus gefunden werden kann. Jüngerschaft beinhaltet für uns alle die gleichen Kosten: Sich selbst verleugnen und das Kreuz auf sich nehmen. Ich vermute, dass Christen, die es scheuen, ihren schwulen Freunden die Kosten des Evangeliums zuzumuten, niemals angefangen haben, die Kosten der Jüngerschaft in ihrem eigenen Leben zu zählen.“

„Wir müssen den säkularen Narrativen antworten mit einer christlichen Botschaft, und das versuche ich zu tun. Die Welt muss hören, dass homoerotisch empfindende Christen wie ich die Erfahrung der Güte Gottes bei diesem Thema miteinander teilen. Die Kultur muss wissen, dass es einen anderen Maßstab gibt, um menschliches Glück zu messen. Ein anderes, besseres Lebensmuster ist verfügbar. Gottes Wort über dieses Thema ist nicht nur wahr; es ist wirklich gut. Und die Zukunft ist großartig.“

Siehe auch:

Gebt den Protestanten das Bibelvertrauen zurück!

Der frühere württembergische Landesbischof Prof. Dr. Gerhard Maier hat einen bewegenden Vortrag gehalten, der eigentlich Pflichtprogramm sein sollte für die Theologen, Synodalen und Kirchenleiter unserer Zeit. In geradezu prophetischer Klarheit legt er die Krankheit der Kirche offen. Hören wir doch auf ihn und kehren wir endlich um, damit die Kirche Zukunft hat! Nachfolgend ein kurzer Auszug:

„In einer langsamen, allmählichen Entwicklung hat das Wort Gottes mehr und mehr die Stellung einer «Königin» eingebüsst, die ihm Luther so entschieden einräumen wollte. Es geriet nicht nur unter die Schatten des Zweifels, sondern der Theologiestudent sollte gezielt lernen, dass der Ausgangspunkt der neutestamentlichen Forschung «der wissenschaftliche Zweifel» sei. Die protestantischen Kirchen im nordatlantischen Raum stehen deshalb in einem ununterbrochenen Ringen um die Schriftfrage. Die Alternative lautet: Ist die Bibel Gottes Wort oder enthält sie es nur? Soweit ich es beurteilen kann, vertritt eine breite Mehrheit bis in die evangelikale Bewegung hinein die These, dass die Bibel lediglich Gottes Wort enthält. Die unmittelbar daraus folgende Aufgabe, festzustellen, wo dann in der Bibel dieses Wort Gottes vorliegt, ist kirchlich nicht mehr beantwortbar. Sie mündet in einen Subjektivismus, der ein Kirche-Sein ernsthaft in Frage stellt. … Die Bibel wird in deren Sichtweise als ein Niederschlag menschlicher Erfahrungen behandelt. Altes und Neues Testament leben aber von der Aussage «Und Gott sprach». Versteht man dies nur noch als Ausdruck menschlicher Erfahrung, dann verschwindet der Gott, der in Raum und Zeit eingreift, aus der Geschichte. … Der evangelischen Gemeinde, die in der Reformation mit der Bibel beschenkt wurde, die gerade dadurch ihre Mündigkeit erlangt hatte, wurde auf diese Weise die Bibel wieder entzogen. Ein Kontinuum der Reformationsgeschichte ist damit zerbrochen. Verse wie diejenigen, die Nikolaus
Ludwig von Zinzendorf 1725 dichtete: «Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir, denn ich zieh es aller Habe und dem grössten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun» haben damit die Bodenhaftung verloren. Ist es nicht so, dass unsere Andachten mehr und mehr von unseren klugen Gedanken leben, aber immer weniger vom Schwarzbrot der Bibel? Welche Antworten wird das 500-jährige Jubiläum auf solche Herausforderungen geben? … Das Gedenken an die Reformatoren genügt nicht. Mein Wunsch lautet: Gebt den Protestanten das Bibelvertrauen zurück!“

Den ganzen Vortrag von Prof. Maier kann man…

… sich hier auf Video anschauen.

… hier nachlesen.

Es lohnt sich!

Wie eine Kirchengemeinde Kinder und Jugendliche für Jesus begeistern kann

Darf ich Sie einladen, mich an einem ganz normalen Sonntagvormittag in die Kinder- und Jugendarbeit meiner Kirchengemeinde zu begleiten?

Um 9.00 Uhr treffen sich die Kinderkirchmitarbeiter. Gemeinsam aufbauen, lachen, beten, bis um 9.45 Uhr die Kids (3. Klasse bis Konfirmandenalter) zur „Spielstraße“ hereinstürmen (die „Mäuse“ ab 4 Jahre bis 2. Klasse treffen separat sich im Haus nebenan). Ich kicke mit den Jungs im Keller. Andere basteln, spielen und toben. Um 10.15 Uhr beginnt das „Plenum“. 40 Kinder sind gekommen! Ich darf Musik machen. Lobpreis mit Kindern macht wirklich Spaß! Dann erzählt eine Mitarbeiterin auf kreative Art und Weise, wie das Zeugnis eines jungen Mädchens dazu geführt hat, dass Naaman aus Syrien beim Prophet Elisa nicht nur Heilung sondern auch den lebendigen Gott Israels entdeckt hat. Gespannt hören die Kinder zu. Danach gehen sie in die altersgerechten Kleingruppen, wo das Thema kreativ und altersgerecht vertieft wird.

Ab 11.00 Uhr trudeln die ersten Teenies ein zur „Chillout-Zone“. In einem Raum mit Sofas, Theke und Getränken können sie erst mal ankommen und Zeit miteinander verbringen. Im Saal proben derweil schon die jungen Musiker der heutigen Band. Um 11.30 Uhr strömen rund 50 junge Leute herein, darunter etliche Konfirmanden. Die Teenskirche beginnt mit Lobpreis, dann erzählt unsere Laienpredigerin anhand von Hesekiels Vision von den Totengebeinen von den tiefen Krisen, durch die sie gegangen ist, und wie Gott sie darin begleitet hat. Sehr authentisch. Sehr berührend.

12.30 Uhr: Die Teenskirche ist aus, aber viele gehen noch nicht nach Hause. Um 13.00 Uhr ist aufgeräumt. Einige Mitarbeiter stehen noch im Kreis, halten sich an den Händen und danken Gott für diesen Vormittag.

Unter der Woche werden sich einige davon wiedersehen in den Jungscharen, der Jungenschaft oder in einem der Jugendkreise. Seit unsere Gemeinde vor einigen Jahren ein „Trainee-Programm“ eingeführt hat (1 Jahr Persönlichkeitsbildung und Mitarbeitertraining im Anschluss an das Konfirmandenjahr) ist jedes Jahr ein neuer Jugendkreis entstanden.

Nicht wenige ehemalige Kinderkirchkinder sind heute selbst Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit. Inzwischen dringt die Jugend sogar in den „Erwachsenengottesdienst“ vor: Sie moderieren, spielen in Bands, bereichern den Gottesdienst mit kreativen Beiträgen. Jüngst hat sogar eine Jugendliche gepredigt. So werden Jugendliche selbst zu Beteiligten in der Gemeinde statt nur zuzuschauen, was die Erwachsenen machen.

Was macht den Erfolg unsere Kinder- und Jugendarbeit aus? Sind es die Konzepte? Ja, das auch. Das 3-teilige Promiselandkonzept von Willow Creek (Spielstraße, Plenum, Kleingruppen) bewährt sich in unserer Gemeinde hervorragend. Auch das Trainee-Programm als Folgeangebot für die Konfirmanden mit einer Mischung aus Persönlichkeitsbildung und Glaubensinhalten erweist sich als äußerst geeignet, um Jugendliche über die Konfirmandenzeit hinaus für die Kirchengemeinde und den Glauben an Jesus zu interessieren.

Aber die tieferen Gründe für den Erfolg liegen ganz eindeutig in den 4 „G-heimnissen“ des Gemeindewachstums, die bei uns gelebt werden: Die gute Gemeinschaft und Einheit der Mitarbeiter, das gemeinsame Gebet, die klare Verkündigung von Gottes Wort und das Vertrauen in das Wirken von Gottes Geist sind die Grundlage für die Frucht, die hier heranwächst.

Wir können nicht genug in die nächste Generation investieren. Es geht nicht darum, sie zu beschäftigen und bei Laune zu halten sondern sie zu aktiven Beteiligten zu machen. Und vor allem geht es darum, sie in eine lebendige Liebesbeziehung mit Jesus zu führen. Wenn sich unsere jungen Leute mit dem Haupt der Kirche verbinden werden sie auch leicht in die Gemeinde zu integrieren sein. Nur so hat Kirche Zukunft.

Mehr dazu:

Dieser Tag

Jesus, wie wird es sein
an diesem Tag
an dem sich unsere Blicke treffen,
an dem Du, die Liebe meines Lebens,
sichtbar, spürbar, hörbar
vor mir stehst.

Eins weiß ich:
Dieser Tag
wird alles wert gewesen sein.

Danke, dass du bis dahin
an jedem einzelnen Tag
wie ein guter Freund
unsichtbar
an meiner Seite bleibst.

Die Klickhitliste der 95 neuen Thesen

95 Thesen sind eine ganze Menge. Für alle, die nur mal punktuell in einige der Thesen reinlesen wollen (sei es im Blog oder in der Buch-PDF) hier die „Klickhitliste“ mit den Thesen, die bisher die meiste Beachtung gefunden haben:

Platz 1: These 27 Der zentrale Auftrag der Kirche ist, Menschen zu Jüngern zu machen!

Platz 2: These 13 Die Kirche lebt in der Erwartung des wiederkommenden Christus!

Platz 3: These 4 Die Kirche steht an einem historischen Wendepunkt von der Staats- zur Freiwilligenkirche!

Platz 4: These 12 Die Kirche schöpft ihre Kraft aus der Freue über ihre Erlösung!

Platz 5: These 26 Liebe zu Gott zu wecken muss das Ziel allen kirchlichen Handelns sein!

Platz 6: These 14 Die Kirche verkündigt Christus als den einzigen Weg zu Gott und zum ewigen Leben!

Platz 7: These 21 Die Kirche muss klarstellen: Taufe ohne Glaube rettet nicht!

Platz 8: These 15 Die Kirche verkündigt das Evangelium vom anbrechenden Reich Gottes!

Platz 9: These 32 Die Kirche hat den Auftrag, sich für verfolgte und bedrängte Christen einzusetzen!

Platz 10: These 37 Die Bibel kennt keine Unterscheidung zwischen Klerus und Laien!

Und hier geht’s…
… zur Gesamtübersicht über alle 95 neue Thesen
… zu den 95 neuen Thesen in Buchform als PDF

1 Die Kirche braucht eine neue Reformation!

Hosea 10, 12: „Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen.“

Was waren das für gewaltige Nägel, die die Reformatoren in die Türe der Kirche geschlagen haben: Allein die Schrift! Allein durch den Glauben! Allein durch Gnade! Christus allein! Allein Gott die Ehre!

Umso trauriger ist es, mit anzusehen, wie die Kirche ihr großartiges Erbe verspielt, wie sie den Missionsbefehl vergisst, wie sie bezweifelt, ob die Bibel Gottes Wort ist, ob das Grab leer war oder nicht, ob Maria wirklich eine Jungfrau war und wie sie das Glaubensbekenntnis insgesamt in Frage stellt. Überall auf der Welt riskieren Christen ihr Leben für das Evangelium. Und wir Christen im Westen, die wir alle Freiheit haben, vernebeln es? Was müssen die verfolgten Christen und die „Wolke der Zeugen“ nur über uns denken???

Wäre es da nicht an der Zeit, wieder mutig aufzustehen, so wie es Luther einst todesmutig tat? Oder ist es unchristlich, mit Widerspruch Unfrieden zu stiften? Sollen wir nicht Friedensstifter sein?

Jesus war durchaus nicht immer so friedlich. Er konnte fürchterlich sauer werden, wenn der Ort des Gebets und der Anbetung, also die Kirche, verhunzt wird. Paulus hat sogar alle verflucht, die das Evangelium abwandeln. Warum diese drastischen Worte? Aus Liebe! Aus Sorge um die Menschen, die ohne eine lebendige, auf der Wahrheit gegründete Kirche das Rettungsboot des Evangeliums verpassen! Es ist nun einmal nicht lieblos, auf der untergehenden Titanic die nette Geselligkeit mit Alarmrufen zu stören!

Manche treten jetzt aus der Kirche aus, weil sie die Irrungen einiger Kirchenleiter nicht mehr ertragen. Das ist traurig. Ich freue mich über jeden, der auftritt statt austritt, weil ihm das kirchliche Fundament von Bibel und Bekenntnis wichtig ist. Damit das Schiff, das sich Gemeinde nennt, aus dem Strudel der Ver(w)irrung findet. Damit es sich neu orientiert an Gottes Worten und damit es seine Segel wieder hisst im Wind des Heiligen Geistes.

Das letzte, was wir angesichts einer rapide schrumpfenden Kirche jetzt brauchen ist ein rückwärtsgewandtes Reformationsgedenken. Schlagen wir es stattdessen gemeinsam neu an die Türen unserer Kirchen und theologischen Lehrstühle:

  • Sola Scriptura! Allein die Schrift! Die ganze Schrift ist von Gott eingegeben und ein verlässliches Fundament der Kirche.
  • Solus Christus! Christus allein! In keinem anderen Namen ist das Heil zu finden! Es ist unser Auftrag, diesen Namen allen Menschen zu verkünden!
  • Sola fide! Allein aus Glauben! Es reicht nicht, gut oder religiös zu leben. Allein das Vertrauen auf Jesus rettet!
  • Sola gratia! Allein aus Gnade! Nur Jesu Blut macht uns Sünder unverdient gerecht und öffnet uns den Zugang zu Gott und zum ewigen Leben!

Ecclesia semper reformanda est: Die Kirche muss immer wieder reformiert werden! Das bedeutet nicht, die Kirche dem Zeitgeist anzupassen sondern sie immer wieder vom Wort Gottes her auszurichten und zu erneuern. In diesem Sinne brauchen wir eine neue Reformation. Jetzt.