14 Die Kirche verkündigt Christus als einzigen Weg zu Gott und zum ewigen Leben!

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Apostelgeschichte 4, 12: „In ihm allein gibt es Erlösung! Im ganzen Himmel gibt es keinen anderen Namen, den die Menschen anrufen können, um errettet zu werden.

Johannes 14, 6: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Unstrittig gilt in der evangelischen Kirche die Aussage „Solus Christus – Christus allein“ als wahr. Neuerdings stellt die EKD jedoch die These auf, dass dieses zentrale Bekenntnis der Reformation zu den subjektiven, nicht zu den objektiven Wahrheiten gehört. So schreibt sie in ihrem Papier „Reformation und Islam“, dass die reformatorische Rede von „Christus allein“ zwar damals noch einen Ausschluss anderer Vorstellungen beinhaltete. Heute könne man das aber nicht mehr ohne weiteres so sehen. Erstens weil die biblischen Texte nicht mehr wie damals als unmittelbares »Wort Gottes« verstanden werden könnten. Zweitens äußert die EKD (S. 25):

„Die Herausforderung besteht darin, von Christus zu sprechen, aber so, dass dabei nicht der Glaube des anderen abgewertet oder für unwahr erklärt wird. So wie für den Christen das Gehören zu Christus der einzige Trost im Leben und im Sterben ist, so ja auch für den Anhänger der anderen Religion sein spezifischer Glaube.“

Für mich mag also gelten: Christus allein ist mein Trost. Für andere Menschen (z.B. Muslime) gilt eben eine andere subjektive Wahrheit. Passend dazu ist im gesamten Papier vom Missionsauftrag keine Rede. Stattdessen wird nur vom Dialog gesprochen, aber ohne missionarisches Ziel, wie das bei subjektiven Wahrheiten nun einmal üblich ist.

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Die Bibel hingegen sagt von der ersten bis zur letzten Seite: Christus ist DAS Zentrum der Geschichte Gottes mit allen Menschen. Ihre ganze Heils- und Weltgeschichte ist vollständig auf Christus ausgerichtet. Wer die zentrale Rolle von Christus als objektive, für alle Menschen gültige Wahrheit anzweifelt, muss deshalb zwangsläufig die ganze Bibel anzweifeln.

Wenn die Kirche aber selbst nicht mehr daran glaubt, objektive Wahrheiten in den Händen zu halten, dann hat sie auch nichts mehr, woran Menschen sich verlässlich festhalten können, weder im Leben noch im Sterben. Wenn alles gleich gültig ist, ist alles gleichgültig. Kein Wunder, dass die Botschaft der Kirche weder als attraktiv noch als provokant wahrgenommen wird sondern so oft einfach nur noch desinteressiertes Achselzucken hervorruft.

Deshalb ist es 500 Jahre nach Luther allerhöchste Zeit, es neu zu buchstabieren: Christus allein! Für alle Menschen, zu allen Zeiten! Nur so hat Kirche Zukunft.

Der ganze Artikel zur These 14: Christus allein! – Für Christen objektiv oder subjektiv wahr?

15 Die Kirche verkündigt das Evangelium vom anbrechenden Reich Gottes!

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Matthäus 24, 14: „Die Botschaft vom Reich Gottes wird auf der ganzen Welt gepredigt werden, damit alle Völker sie hören.“

Das zentrale Thema des Neuen Testaments ist die Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes. Schon die allerersten Worte, die Markus von Jesus überliefert, zeigen das: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“ (Markus 1, 15) Matthäus berichtet sogar, dass Jesus im Grunde permanent über dieses Thema sprach: „Jesus erzählte ihnen noch viele andere Gleichnisse, um ihnen das Reich Gottes begreiflich zu machen.“ (Matth. 22, 1)

In seinen Reden und Gleichnissen beschrieb Jesus ein Reich, in dem vollkommen andere Gesetze gelten: Es gehört Menschen, die wie Kinder vertrauen (Luk. 18, 16-17). Die Größten sind nicht die Herrschenden sondern die, die allen dienen (Matth. 23, 11). Es steht nicht in Konkurrenz zu den politischen Systemen, da es nicht von dieser Welt ist (Joh. 18, 36). Sich dem herrschenden politischen und zugleich Gottes Königsherrschaft unterzuordnen war deshalb für Jesus und Paulus kein Widerspruch.

Und doch machte Paulus klar, dass es beim Evangelium vom Reich Gottes letztlich um einen Herrschaftswechsel geht,  heraus  „aus der Macht der Finsternis“ hinein „in das Reich des geliebten Sohnes“ (Kol. 1, 13).

Paulus lehrte uns auch, dass die ganze Schöpfung sehnsüchtig auf den Tag wartet, an dem ausgerufen wird: „Jetzt ist es geschehen: Die Rettung und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus sind da!“ (Offb. 12, 10) Dann wird Jesus auf der Erde sein ewiges Friedensreich aufrichten, in dem es keine Tränen, kein Leid, keinen Tod und keine Schmerzen mehr gibt (Offb. 21, 4).

Bis dahin hat Jesus seine Kirche beten gelehrt:

„Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“

Wo Jesu Wille geschieht, wo er in unserer Mitte regiert, da ist dieses Reich schon jetzt mitten unter uns. Als seine Nachfolger sind wir Botschafter dieses Königreichs, die die Menschen aufrufen, sich mit dem König versöhnen zu lassen.

Es ist Zeit, dass die Kirche wieder neu ihren Auftrag wahrnimmt, diese zentrale Botschaft Jesu und seiner Jünger in die ganze Welt zu tragen – bis alle Völker sie gehört haben.

16 Die Kirche ruft Menschen, ihr Vertrauen ganz auf Jesus zu setzen!

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Matthäus 6, 32b+33: „Euer himmlischer Vater kennt eure Bedürfnisse. Wenn ihr für ihn lebt und das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen macht, wird er euch jeden Tag geben, was ihr braucht”

Liebe, Geborgenheit, Bedeutung, Wert, Sicherheit, Sinn, Glück: Das sind Bedürfnisse, die wir alle haben. Ohne Ausnahme. Ganz normal ist es deshalb, dass wir unser Leben so gestalten, dass diese Bedürfnisse möglichst optimal gestillt werden. Anders ausgedrückt: Unsere Bedürfnisse bestimmen, was die Top-Prioritäten unseres Lebens sind.

Jesus hat uns ein simples Gegenmodell zu diesem bedürfnisorientierten Lebensstil vorgestellt. Seine Botschaft ist: Es gibt einen Gott, der weiß, was wir brauchen. Besser als wir selbst. Deshalb sollen nicht länger unsere Bedürfnisse sondern Gott und sein Reich die Top-Prioritäten unseres Lebens sein.

Ganz konkret fordert Jesus uns zu 2 Dingen auf:

  1. Vertrauen, dass Gott sich tatsächlich um unsere Bedürfnisse kümmert.
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  2. Eine Entscheidung, Gott und sein Reich zur obersten Priorität unseres Lebens zu machen und in erster Linie um ihn statt um unsere Bedürfnisse zu kreisen.

Dann – so verspricht Jesus – wird der Schöpfer des Universums sich höchstpersönlich um unsere Bedürfnisse kümmern und uns alles geben, was wir brauchen. Und wer könnte besser wissen, was uns wirklich guttut, als der, der uns geschaffen hat?

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Die Aufgabe der Kirche ist es, für diesen Lebensstil des Gottvertrauens zu werben und die Gläubigen darin immer wieder zu ermutigen. Zugleich muss sie deutlich machen, dass Jesus auch heute noch jeden Menschen zu einer Entscheidung herausfordert und uns sagt: “Komm, und folge mir nach!“ Damit stellt er uns alle vor die grundlegende Frage: Willst Du Gott zur obersten Priorität und zur Nr. 1 Deines Lebens machen?

Wenn wir die Bibel ernst nehmen ist unsere Antwort auf diese Frage die wichtigste Entscheidung, die wir im Laufe unseres Lebens überhaupt treffen können. Deshalb muss die Einladung Jesu, ihm zu folgen und ihm ganz zu vertrauen, auch heute in jeder Kirche zu hören sein!

Der Artikel zur 16. These: Das Jesus-Prinzip

17 Die Kirche ruft die Menschen in eine Liebesbeziehung mit dem himmlischen Vater!

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Römer 8, 15: Wir sind doch Kinder Gottes geworden und dürfen ihn »Abba, Vater« rufen.“

Das “Vaterunser”, das Jesus uns beten gelehrt hat, ist heute so geläufig, dass uns kaum noch bewusst ist, welche Provokation dieses Gebet damals war. Die Juden hatten Gott meist als “Herr” oder “König der Welt” angesprochen. Das von Jesus benutzte Wort “Abba” war im Vergleich dazu eine zutiefst vertrauliche, fast intime Anrede.

Dabei hatte Gott sich auch schon im Alten Testament als liebevoller Vater vorgestellt: “Wie sich ein Vater über seine Kinder zärtlich erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten” (Psalm 103, 13). Das zeigt: Die überschwänglichen, liebevollen und zärtlichen Gefühle, die ein Vater für sein Kind empfindet, empfindet Gott auch für uns!

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Nirgends macht Jesus das so deutlich wie im bewegenden Gleichnis von dem Sohn, der seinen Vater verlässt und seinen Besitz verprasst. Trotzdem hält der Vater jeden Tag Ausschau nach ihm, rennt ihm bei seiner Heimkehr von weitem entgegen, umarmt und küsst ihn. Ohne jede Vorbedingung, ohne Vorwürfe oder Strafen feiert er ein ausgelassenes Fest und gibt ihm die volle Würde eines Sohnes zurück (Lukas 15, 11-32). Damit hat Jesus ein revolutionäres und zugleich tief berührendes Bild des himmlischen Vaters gezeichnet.

So macht Jesus immer wieder klar: Solange wir die Liebesbeziehung zum Vater nicht kennen, verpassen wir das eigentliche. Solange Gott nur graue Theorie in unseren Köpfen ist, ein theologisches Konstrukt, das wir für wahr halten, von dem wir aber nicht im Herzen ergriffen sind, solange leben wir am eigentlichen Ziel unseres Lebens und Christseins vorbei.

Zumal eine lebendige Liebesbeziehung zum Vater die Basis ist für alle Veränderungen, die Gott in unserem Leben bewirken möchte: Heilung unserer Identität, positive Entwicklungen in unserem Charakter, in unseren Gewohnheiten, in unseren Beziehungen, in unserem Beruf und unserem Dienst für Gott: All das wächst aus dieser Liebesbeziehung zum Vater heraus. Ohne diese enge Verbindung mit ihm hingegen „können wir nichts tun“ (Joh. 15, 15).

Deshalb muss es die Kirche als ihre zentrale Aufgabe begreifen, die Menschen in eine lebendige Liebesbeziehung zum Vater zu rufen.

18 Die Kirche ruft Menschen in eine Freundschaftsbeziehung mit Gott!

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Johannes 15, 15: „Ich nenne euch nicht mehr Diener, weil ein Herr seine Diener nicht ins Vertrauen zieht. Ihr seid jetzt meine Freunde.”

Ist es angemessen, Gott als seinen „Freund“ zu bezeichnen? Schließlich ist Gott ganz sicher kein „Kumpel“ von nebenan. Er ist der Schöpfer des Universums und der Herr aller Herren! Als Johannes ihn sah im gleißend hellen Licht mit donnernder Stimme und einem Schwert im Mund fiel er ohnmächtig zu Boden. Paulus ging es auch nicht besser. Umso erstaunlicher ist es, dass die Bibel uns trotzdem lehrt, dass dieser gewaltige, ehrfurchtgebietende Gott tatsächlich unser Freund sein möchte.

Natürlich ist Gott auch im Neuen Bund unser Herr, dem wir nachfolgen und dienen sollen. Aber während Gott im Alten Bund die Menschen noch ausschließlich wie Knechte behandelt hat, denen man Regeln und Gebote auferlegt, geht Gott im Neuen Bund als Vater mit uns um (Galater 4, 7). Auch ein Vater stellt Regeln auf. Aber das Ziel eines Vaters ist nicht nur blinder Gehorsam. Gott will sein Gesetz „in unser Herz schreiben“ (Jeremia 31, 33), so dass sie Teil unserer Persönlichkeit, unseres Charakters, unseres Wesens werden. Sein Ziel für uns ist jetzt Reife und Mündigkeit (Epheser 4, 13)!

Je älter und reifer Kinder werden, umso mehr werden sie zu einem Gegenüber und zu Freunden ihrer Eltern. Genau das ist auch Gottes Ziel für uns. Schon im Alten Testament blitzt das immer wieder auf, z.B. wenn Abraham erfolgreich mit Gott verhandelt (1. Mose 18, 16-33) oder wenn von Mose berichtet wird, dass er täglich mit Gott „wie mit einem Freund redete“. (2. Mose 33, 11). Erst recht wird das im Neuen Testament deutlich, als Jesus seine Jünger, mit denen er so viel Zeit verbrachte, als seine Freunde bezeichnete.

Das beweist: Dieser gewaltige Gott will tatsächlich, dass wir kleinen Menschen ihm ein mündiges Gegenüber und sein Freunde werden! Es ist die große Aufgabe der Kirche, den Menschen diese gewaltige Botschaft zu bringen und sie in einen Wachstumsprozess hineinzuführen, in dem diese ungewöhnlichste aller Freundschaften immer mehr wachsen und gedeihen kann.

Mehr dazu im Artikel: „Ein Freund! Ein guter Freund…?“

19 Die Botschaft vom Kreuz muss im Zentrum der kirchlichen Botschaft stehen!

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Lukas 9, 23: „Wenn einer von euch mit mir gehen will, muss er sich selbst verleugnen, jeden Tag aufs Neue sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.“

Das Kreuz ist das Zentrum der christlichen Botschaft. Paulus hatte sich sogar extra vorgenommen, über gar nichts anderes zu reden (1. Korinther 2, 2). Jesus sagte, dass seine Jünger sich JEDEN TAG mit dem Kreuz befassen sollten. Aber was ist an dieser Kreuzesbotschaft denn eigentlich so wichtig?

Fakt ist: Das Kreuz provoziert. Es ist ein Skandal, den heutzutage manche Theologen am liebsten loswerden wollen, weil es nicht zur kuschligen Weichspülreligion passt, die mancher gerne hätte. Denn das Kreuz sagt uns Menschen: Wir stecken so tief im Sumpf der Sünde, dass wir aus eigener Kraft unmöglich ein Leben führen können, das in Gottes Augen bestehen kann. Unsere Schuld ist so gravierend, dass Gott uns als gerechter Richter verurteilen MUSS, sonst würde er sich selber schuldig machen. Um uns zu retten gab es für Jesus gar keinen anderen Weg, als an unserer Stelle unsere Schuld zu bezahlen und den Tod zu sterben, den wir verdient hätten.

DAS ist demütigend. DAS macht allen Vorstellungen vom Gutmenschentum ein jähes Ende und setzt die Axt an die Wurzel unseres Stolzes. Es raubt uns jede Illusion, dass wir doch irgendwie schon recht sind. Nein, sind wir nicht. Und wir werden daran trotz aller Bemühungen auch nichts ändern können.

Das Kreuz auf sich zu nehmen bedeutet deshalb: Kapitulieren! Aufgeben! Nicht länger versuchen, aus eigener Kraft ein anständiges Leben zu führen, auf das wir stolz sein könnten. Sondern auf die Knie gehen und eingestehen: Ich kann es nicht. Ich bin verloren. Ich kann mich nicht reinwaschen. Das einzige, was mir hilft ist, dass Jesus für mich bezahlt und mir einen Neuanfang schenkt, den ich eigentlich nie und nimmer verdient hätte. Was ich brauche ist: Gnade! Unverdiente Gnade.

Das hört sich alles ziemlich niederschmetternd an. Das ist es auch. Durch das Kreuz stirbt etwas in uns: Unser Stolz. Unser Profilierungsdrang. Unser Geltungsbedürfnis. Unser Macht- und Überlegenheitsstreben. Unser Rachebedürfnis. Kurz: Unser ichbezogenes Ego oder „alter Mensch”, wie die Bibel es ausdrückt. Aber das Paradoxe ist: Genau aus diesem Sterben heraus wächst neues Leben, das getränkt ist in der Gnade Gottes. Mit einer geschenkten Würde, die uns kein Mensch rauben kann und nicht am Beifall Anderer hängt. Mit einem neuen Herzen, das aus der Gnade, Liebe und Vergebung Gottes lebt und uns dadurch selbst zu gnädigen Menschen macht, die auch Andere tragen, ertragen und lieben können. Dort unter dem Kreuz baut Gott seine Kirche, die aus einer Gemeinschaft von begnadigten, erneuerten Menschen besteht, in denen Christus selber lebt.

Deshalb ist es höchste Zeit, die Botschaft vom Kreuz wieder zu dem machen, was sie ist: Ein Ärgernis! Ein Frontalangriff auf unseren Stolz! Und zugleich: Das Zentrum des Evangeliums! Die Mitte der Heilsbotschaft für die ganze Menschheit! HIER verliert die Sünde ihre Macht. HIER verliert der Tod seinen Sieg. Denner wurde gestraft, damit wir Frieden haben. Durch seine Wunden wurden wir geheilt.” Wenn wir mit ihm gestorben sind werden wir auch mit ihm leben. Diese Botschaft muss in jeder Kirche zu hören sein!

Mehr dazu im Artikel: „Warum das Kreuz?“

20 Die Kirche ruft Menschen, sich in Christus erneuern zu lassen!

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Johannes 3, 3: „Ich versichere dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Die Botschaft der Kirche hat nicht zum Ziel, die Menschen für ein frömmeres oder ethischeres Verhalten zu gewinnen. Gott will unser Leben gar nicht verändern. Er will es erneuern! Deshalb spricht die Bibel immer wieder von einem alten Menschen und einem neuen Menschen (z.B. Epheser 4, 22-24). Paulus ging sogar so weit zu sagen: Ich lebe, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2, 20).

Solange unser Christsein nur darin besteht, unser Verhalten etwas frömmer und christlicher zu machen sind wir wie ein Autotuner, der sein Auto sportlich lackiert, tieferlegt, mit Sportlenkrad, Sportsitzen und Spoilern versieht. Aber solange der Motor der gleiche bleibt, wird er keinen Deut schneller vorankommen als vorher. Es ist nur Fassade, die spätestens bei voller Beladung am nächsten Berganstieg peinlich auffallen wird.

Das neue Leben, zu dem die Kirche die Menschen ruft, bedeutet viel mehr als ein frommes Lebenstuning. Es geht um einen Fahrertausch, damit die Richtung unseres Lebens vom Geist Gottes statt von unseren selbstsüchtigen Wünschen bestimmt wird (Römer 8, 5-14). Es geht darum, seine Heimat im Himmel zu finden statt an die Welt gebunden zu sein (Hebräer 13, 14). Und vor allem geht es um einen grundlegend anderen Lebensantrieb:

Solange unser Leben von unserer Leistung angetrieben wird und wir unsere Energie aus der Bewunderung unserer Mitmenschen ziehen, werden Stress und Stolz die Atmosphäre unseres Lebens prägen. Der Gnadenmotor hingegen startet, wenn wir uns eingestehen, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen. Er zieht seine Energie aus der Liebe und Wertschätzung Gottes. Und hinten heraus kommt der Wohlgeruch von Freude und Dankbarkeit, weil wir als Begnadigte immer auch Beschenkte sind.

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Deshalb ruft die Kirche die Menschen, am Kreuz ihren alten Leistungs-Umweltverpester zu verschrotten, sich von Gott einen neuen Wagen mit Gnadenantrieb schenken zu lassen – mit dem Heiligen Geist als Chauffeur, mit der Liebe und Wertschätzung Gottes im Tank und dekoriert mit dem ehrenvollen Diplomaten­kennzeichen eines Botschafters des himmlischen Königsreichs. Da wir diesen Wagen nicht verdient haben können wir zwar nicht stolz auf ihn sein – aber die Freude am Fahren ist garantiert!

Mehr dazu im Kapitel 7 des AiGG-Buchs: „Am Scheideweg: Befreit durch das Kreuz und verwandelt durch Gnade“

21 Die Kirche muss klarstellen: Taufe ohne Glaube rettet nicht!

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Matthäus 16, 16: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“

Wer heute in Deutschland Menschen einladen möchte, Christ zu werden, stößt auf ein besonderes Problem: Viele Menschen müssen erst einmal begreifen, dass sie gar keine Christen sind, bevor man sie einladen kann, Christ zu werden! Ganz offensichtlich wird in der kirchlichen Kommunikation viel zu wenig deutlich: Getauft zu sein und gelegentlich die Kirche zu besuchen macht einen Menschen noch lange nicht zum Kind Gottes und zum Nachfolger Christi.

Man mag theologische Gründe für die Durchführung der Kindertaufe finden. Aber die volkskirchliche Praxis neigt leider dazu, allein schon aus dem Sakrament eine dauerhafte, unveränderbare Heilszusage abzuleiten, die biblisch so nicht haltbar ist. Denn die Bibel stellt klar: Entscheidender noch als die Taufe ist der persönlicher Glaube! Denn nicht alle, die getauft sind, haben gemäß Johannes 3, 16 das ewige Leben sondern alle die glauben! Nicht alle Getauften dürfen sich gemäß Johannes 1, 12 Gottes Kinder nennen sondern alle, die ihn aufnehmen und an ihn glauben!

Die Gnade Gottes mag vorauseilend sein vor der Entscheidung des Menschen für Gott. Aber sie macht eine persönliche Glaubensentscheidung auf keinen Fall überflüssig!

Wenn die Kirche das verschweigt macht sie sich zum religiösen Servicedienstleister, die die Gnadengaben Gottes zum Schleuderpreis verschenkt. So macht sie Gnade billig. Und gerade das wird ihr zum Verhängnis, wie Dietrich Bonhoeffer so eindrücklich herausgearbeitet hat:

„Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz. Sie hat uns den Weg zu Christus nicht geöffnet, sondern verschlossen. Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche.“
Dietrich Bonhoeffer (nachzulesen in: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche”)

22 Die Kirche darf nicht Gnade predigen ohne auch zur Buße zu rufen!

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Jakobus 5, 9+10: „Tut Buße, Erkennt eure Schuld und weint darüber; klagt und trauert! Seid traurig, statt zu lachen, und niedergeschlagen, statt euch zu freuen. Wenn ihr eure Schuld vor dem Herrn eingesteht, wird er euch wieder aufrichten.“

Das Neue Testament ist voller Aufrufe zur Umkehr und zur Buße. Aber mal abgesehen von Themen wie Toleranz und Barmherzigkeit wagt es die Kirche heute kaum noch, Menschen zu hinterfragen und zur Umkehr zu rufen. So spricht sie zum Beispiel beim Thema Familie zwar ganz viel über Vielfalt – aber kaum noch über die Sünde des Ehebruchs und der Untreue.

Dabei hatte gerade Jesus den Menschen immer wieder ihr Fehlverhalten klar vor Augen gehalten: Geld, Sex, Gier, Hochmut, Heuchelei, Unbarmherzigkeit, Unbelehrbarkeit… alle menschlichen Abgründe hat er offen angesprochen, manchmal sogar in einer drastischen Deutlichkeit, die zu unserem Bild vom liebevollen Jesus gar nicht so recht passen will („ihr getünchten Gräber, ihr Schlangen, ihr Otterngezücht…“).

Erstaunlicherweise hat er damit trotzdem die Massen mobilisiert. Offensichtlich haben die Menschen gemerkt: Wenn Jesus sie zur Umkehr ruft tut er das nicht, weil er ein kleinlicher Spiel- und Spaßverderber oder ein spießiger Prinzipienreiter ist. Er tut es aus Liebe! Er tut es, weil Menschen auf dem Weg in den Abgrund eben nicht mit Beruhigungen sondern nur mit dem Ruf zur Umkehr geholfen werden kann.

Wenn die Kirche auf den Ruf zur Buße verzichtet hat das dramatische Folgen. „Wem wenig vergeben ist, der liebt wenig“, hat Jesus einmal gesagt. Anders ausgedrückt: Liebe und Leidenschaft für Jesus entsteht dort, wo Menschen ihre Fehler und Sünden erkennen und Gottes Vergebung und Gnade erleben. Der enge Zusammenhang zwischen Buße, Vergebung und leidenschaftlicher Liebe zu Jesus erklärt die Dynamik vieler Erweckungs­bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen die Themen Sünde, Buße und Gnade eine zentrale Rolle spielten. Er erklärt aber auch die Lauheit einer Christenheit, die selbstgerecht glaubt, auf das Thema Buße verzichten zu können.

Ein Weichspülevangelium, das nur Gottes Liebe und Barmherzigkeit kennt aber Gottes Heiligkeit und seinen Ruf zur Buße ausblendet erregt zwar keinen Anstoß. Aber es ist auch belanglos. Jesus war kein netter Softie, der alles weggelächelt hat. Als seine Botschafter dürfen wir es auch nicht sein. Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, die Menschen auf der Titanic mit Säuselmusik zu berieseln. Sie soll sie in die Rettungsboote rufen! Höchste Zeit, dass die Kirche den Ruf zur Buße nicht länger nur den Ernährungsmedizinern und den Umweltschützern überlässt sondern selbst wieder offen anspricht, wo aus Sicht der Bibel heute Umkehr nötig ist.

Dieser Text ist die Kurzform des Artikels: Change! Ein Plädoyer für eine Kirche mit Profil

Weiterführend zum Thema Buße: Schenk uns Buße

23 Die Kirche hat den Auftrag, das Gericht für alle Menschen anzukündigen!

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Offenbarung 20, 12: „Ich sah die Toten, die großen und die kleinen, vor Gottes Thron stehen. Und es wurden Bücher aufgeschlagen, darunter auch das Buch des Lebens. Und die Toten wurden nach dem gerichtet, was in den Büchern über sie geschrieben stand, nach dem, was sie getan hatten.“

„Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Bis heute wird dieser Satz aus dem apostolischen Glaubensbekenntnis von jedem Konfirmanden auswendig gelernt. Und doch hört man in der Kirche so wenig von diesem alles entscheidenden Tag der Weltgeschichte.

Dabei sehnt sich doch die ganze Welt nach Gerechtigkeit. Wäre es nicht furchtbar, wenn all die Verbrechen, Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten der Welt einfach so sang- und klanglos vergessen würden? Wäre das ein gerechter Gott, wenn er die, die auf Kosten anderer gelebt und gehandelt haben, nicht zur Rechenschaft ziehen würde?

Aber die Bibel ist eindeutig und klar: Der Tag wird kommen, an dem ALLES noch einmal auf den Tisch kommt. Alles Verborgene wird für Alle sichtbar werden. Jesus wird all den Terroristen, Kriegstreibern, Unterdrückern, Ausbeutern, Vergewaltigern, Räubern und Betrügern machtvoll entgegentreten. Im Gericht wird er endlich der heiß ersehnten Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen.

Aber auch alle Verfehlungen von uns ganz normalen, scheinbar anständigen Menschen, unsere Heuchelei, unser Egoismus, unsere Gleichgültigkeit, unsere Lügen und Intrigen und unsere Gottvergessenheit werden an diesem Tag zur Sprache kommen. Kein Mensch könnte in diesem Gericht bestehen, weil wir ausnahmslos alle schuldig geworden sind – gäbe es da nicht das Opfer, das Jesus am Kreuz für uns gebracht hat, um unsere Schuld zu bezahlen und die gerechte Strafe an unserer Stelle zu tragen. Aber wenn wir durch Jesu Blut gereinigt wurden, wird unser  Name im Buch des Lebens gefunden werden. Und wir werden zu denen gehören, die er bei sich versammelt, um alle unsere Tränen abzuwischen und ein ewiges Fest mit uns zu feiern.

Die Botschaft vom Gericht ist eine Freudenbotschaft für alle Opfer von Verbrechen und Unterdrückung auf der ganzen Welt. Und sie ist eine Warnung an alle, die meinen, dass ihre Taten keine Konsequenzen hätten, solange man ihnen nicht auf die Schliche kommt oder niemand mächtig genug ist, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Und sie ist eine riesengroße Einladung, schon jetzt zu dem großen Anwalt und Fürsprecher zu kommen, der uns mit Gelassenheit und Freude auf diesen Tag vorausblicken lässt: Jesus! Höchste Zeit, dass diese so entscheidend wichtige Botschaft auch in der Kirche wieder zu hören ist.