9 vergessene biblische Basics

Warum die Kirche keine neuen Ideen braucht, um gesund zu werden

Kaum eine Kirche hat so viele Bibeln, Bücher und Theologen wie die Kirche in Deutschland. Trotzdem ist sie krank. Nicht weil ihr theologische Spezialkenntnisse fehlen, sondern weil sie einige der grundlegendsten und zentralsten Aussagen der Bibel vernachlässigt:

  1. Das Reich Gottes ist DAS Thema des Neuen Testaments. Jesu Reden hatten das Ziel, den Menschen „das Reich Gottes begreiflich zu machen“ (Matth. 22, 1). Er lehrte uns beten: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe.“ Damit stellte er klar: Wer zu diesem Reich gehören will muss sich dem Willen Gottes unterordnen. Es geht um einen Herrschaftswechsel! Reden wir wieder darüber, damit die Kirche ihren Auftrag wahrnimmt, das Evangelium vom Reich Gottes in die ganze Welt zu tragen – bis alle Völker es gehört haben (Matth. 24, 14).

  2. Gottesfurcht ist kein Spezialthema für Superfromme sondern die Basis aller Weisheit und Erkenntnis (Spr. 9, 10). Gott ist kein netter Opa, der unsere Fehler weglächelt. Er sitzt nicht in einem Schaukelstuhl sondern auf einem Thron. Er ist ein verzehrendes Feuer mit Macht über ewiges Leben und ewigen Tod. Reden wir wieder darüber, dass wir einen eifersüchtigen Gott haben, dem allein alle Ehre gehört und vor dem sich eines Tages jedes Knie Tages beugen wird. Wohl uns, wenn wir jetzt schon damit anfangen. Wehe uns, wenn wir sein Wort nach unserem Gusto verkürzen, ergänzen oder uminterpretieren (Offb. 22, 18-19).

  3. Ein reines Herz und ein gutes Gewissen war für Paulus das Wichtigste, was er mit seinem Dienst hervorbringen wollte (1. Tim. 1, 5): „Das Ziel meiner Unterweisung ist, dass alle Christen von der Liebe erfüllt sind, die aus einem reinen Herzen kommt, aus einem guten Gewissen und aufrichtigem Glauben.“ Petrus sah die Taufe als eine Bitte um ein reines Gewissen (1. Petr. 3, 21). Als David sich seiner Schuld bewusst wurde betete er: „Schaffe in mir ein reines Herz!“ (Ps. 51, 12) Höchste Zeit, dass auch wir wieder so beten und über die Wichtigkeit eines reinen Gewissens sprechen, um Gott begegnen (Ps. 24, 3+4), zuversichtlich beten (1. Joh. 3, 21) und wie David mutig handeln zu können.

  4. Buße: In Hebr. 6, 1 ärgert sich der Briefschreiber, dass er die Christen immer wieder über das Basis-Einmaleins des Glaubens aufklären muss, beginnend mit: Buße – der Umkehr von den toten Werken. Nicht nur Johannes der Täufer, auch Jesus begann seine Predigt mit dem Ruf: Tut Buße (Matth. 4, 17)! Deshalb hat die Kirche auch heute nicht das Recht, den Menschen nach dem Mund zu reden. Sprechen wir stattdessen wie Jesus und die ersten Christen wieder über die Notwendigkeit, von falschen Wegen umzukehren.

  5. Der alte und der neue Mensch: Christwerden bedeutet nicht, die Bibel für wahr zu halten oder den ethischen Kompass zu ändern. Christ werden wir, indem unser alter Mensch am Kreuz mit Christus stirbt (Röm. 6, 6+7) und durch den Heiligen Geist erneuert wird (Röm. 8, 1-17). Wer nicht von neuem geboren wird kann nicht ins Reich Gottes kommen (Joh. 3, 3-5)! Also reden wir wieder darüber: Auf dem Weg des Lebens gibt es keine Abkürzung am Kreuz vorbei und keine Alternative zur Kraft des Heiligen Geistes.

  6. Geld: Jesus hat mehr über Geld und Besitz gesprochen als über Glaube und Gebet zusammen. 16 seiner 38 Gleichnisse befassen sich damit. Er hat gesagt: Gott UND dem Geld dienen ist unmöglich (Mt. 6, 24). Ganz offensichtlich gab es für Jesus keine größere und gefährlichere Versuchung als die Verlockung des Geldes. Auch Paulus hatte keine Scheu, sich 2 lange Kapitel mit Geld zu befassen (2. Kor. 8+9). Warum sprechen wir dann ausgerechnet in dem Land, in dem es Geld im Überfluss gibt, fast nie über dieses zentrale biblische Thema?

  7. Gericht und ewige Gottesferne sind Realitäten, vor denen gerade Jesus selbst uns wieder und wieder gewarnt hat. Das Evangelium ist eine Frohbotschaft, nicht weil es die Realität der Hölle ausblendet sondern weil es uns vor ihr rettet! Wenn unser Meister so viel darüber gesprochen hat sollten auch wir darüber reden: Das wichtigste im Leben ist, dass unser Name im Buch des Lebens steht (Luk. 10, 20; Offb. 20, 11-15), weil wir durch Christi Blut im Gericht gerecht gesprochen werden (Röm. 5, 9) und in Ewigkeit bei Gott sein dürfen statt ewig von ihm getrennt zu sein. DAS ist am Ende entscheidend!

  8. Predigt und Gebet waren DIE Hauptprioritäten der urchristlichen Gemeindeleiter. Organisatorische Aufgaben delegierten sie lieber schnell an Andere, damit ihnen dafür genügend Zeit bleibt (Apg. 6, 1-4). Während uns Predigten auch heute noch wichtig sind ist das Gebet in unserer Prioritätenliste leider weit nach hinten gerutscht. Dabei hat Paulus hat fast penetrant betont: Dankt und betet allezeit, beharrlich und ohne Unterlass. Die zahlreichen biblischen Verheißungen über Gebet sollten uns klar machen: Wir haben nicht, weil wir nicht bitten (Jak. 4, 2). Reden wir darüber, damit eine neue Gebetskultur gedeihen kann.

  9. Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Kraft war für Jesus das wichtigste aller Gebote (Mark. 12, 28-30). Zwar ist auch heute in der Kirche viel von Liebe die Rede. Aber so oft geht es nur um die Liebe zu Menschen. Eine Kirche, die die Liebe zu Gott vernachlässigt, verliert bald auch alles andere (Offb. 2, 4-5). Reden wir wieder darüber, was es bedeutet, Gott zu lieben und wie wir diese Liebe im Alltag praktisch leben und lebendig halten können.

Die Bibel ist in ihren wichtigen Aussagen sehr klar und einfach zu verstehen. Die Kirche braucht keine neuen Ideen oder Spezialerkenntnisse. Wir müssen ganz einfach das leben und in die alltägliche Praxis umsetzen, was ganz offensichtlich im Zentrum der biblischen Botschaft steht. Dann wird die Kirche gesund.

Vertiefend dazu:

Zu 1 „Das Reich Gottes“:
These 15: Die Kirche verkündigt das Evangelium vom anbrechenden Reich Gottes!

Zu 2 „Gottesfurcht“:
Ein Freund! Ein guter Freund…? Ist eine Freundschaft mit Gott möglich?

Zu 3 „Ein reines Herz“:
Ein reines Herz – Warum ein reines Gewissen so wichtig ist
Dem Vater in die Augen schauen – Wie wir ein reines Herz gewinnen können
(AiGG-Buch Kap. 5)

Zu 4 „Buße“:
Schenk uns Buße! Umkehren auf den Weg in die Freiheit
Change! Ein Plädoyer für eine Kirche mit Profil
These 22: Die Kirche darf nicht Gnade predigen ohne auch zur Buße zu rufen!
Raus aus der Sackgasse – Umkehr zu Heilung und Leidenschaft (AiGG-Buch Kap. 6)

Zu 5 „Der alte und der neue Mensch“:
Warum das Kreuz? Die Mitte der Heilsbotschaft für die ganze Menschheit
Am Scheideweg – Befreit durch das Kreuz und verwandelt durch Gnade (AiGG-Buch
Kap. 7)

Erfüllt! Der Heilige Geist macht den Unterschied
Energiewende – Leben aus einer neuen Kraftquelle (AiGG-Buch Kap. 8)

Zu 6 „Geld“:
These 85: Die Kirche muss lernen, fröhlich zu geben und Gott zu vertrauen!
These 86: Gott und nicht das Geld muss die Kirche leiten!

Zu 7 „Gericht und ewige Verdammnis“:
These 23: Die Kirche hat den Auftrag, das Gericht für alle Menschen anzukündigen!
These 24: Die Kirche darf nicht verschweigen, dass es eine ewige Verlorenheit gibt!

Zu 8 „Predigt und Gebet“:
These 39: Wortverkündigung und Gebet sind die Hauptaufgaben von Kirchen- und
Gemeindeleitern!
Den schlafenden Riesen wecken Von der ungeheuren Kraft des Gebets
Feiern und Beten in Gottes Gegenwart (AiGG-Buch Kap. 11)

Zu 9 „Gott lieben“:
Woran die Kirche krankt – und welche Medizin WIRKLICH hilft
1000 mal gehört – 1000 mal ist nix passiert… Wie Gottes Liebe erlebbar wird

Mein Bruder: Mein Gott!?

Niemand kennt meine Schwächen und Fehler so gut wie meine Frau, meine Kinder, meine Eltern und meine Geschwister. Sie haben alle meine großen und kleinen Katastrophen live miterlebt. Sie haben darunter gelitten, wenn ich schusselig, vergesslich, faul, schlecht gelaunt, unordentlich, arrogant, egoistisch oder ängstlich war. Mein großes Glück ist: Sie lieben mich trotzdem! Aber was würde geschehen, wenn ich ihnen ab sofort erzählen würde, dass ich in Wahrheit ihr Gott und der Erlöser der ganzen Menschheit bin? Zuerst würden sie sich über mich lustig machen. Dann würden sie mich vermutlich zum Psychiater schicken – zur Not mit Zwangseinweisung.

Schon Jesus hat erlebt: Das Prinzip, dass ein Prophet nichts gilt im eigenen Land, gilt in der eigenen Familie potenziert (Matthäus 13, 57). Fremden Leuten kann man vielleicht etwas vormachen, aber den nächsten Verwandten auf keinen Fall. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein normaler Mensch jemals seine Familie davon überzeugen könnte, dass er nicht von dieser Welt ist.

Umso erstaunlicher ist deshalb, was der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus etwa im Jahr 93 n.Chr. über Jakobus, den leiblichen Bruder von Jesus, geschrieben hat:

„Er (d.h. der Hohepriester Hannas) versammelte den Hohen Rat zum Gericht und stellte vor diesen den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.“

Jakobus war in Jerusalem bekannt als einer der Hauptleiter der dortigen urchristlichen Gemeinde (Gal. 2, 9). Josephus berichtet hier, wie Jakobus im Jahr 62 n.Chr. für seinen Glauben hingerichtet wurde. Das führt uns direkt zur großen 1-Million-Euro-Frage:

Wie um alles in der Welt hat Jesus es geschafft, seinen kleinen Bruder Jakobus derart felsenfest davon zu überzeugen, dass er Gottes Sohn und der Retter der gesamten Menschheit ist?

Laut Wikipedia beantworten die meisten Gelehrten diese Frage wie folgt: „Im Hinblick auf 1. Korinther 15, 7 wird zumeist angenommen, dass Jakobus nach einer Auferstehungserscheinung zum Glauben gekommen ist.“ Hm, da frage ich mich: Wenn Jesus nur ein Mensch war, was für eine „Erscheinung“ könnte das dann gewesen sein? Die Theorie, dass „Visionen“ zum Glauben an die Auferstehung führten, ist schon bei den Jüngern Jesu extrem abenteuerlich. Aber bei Jakobus ist das noch einmal eine andere Nummer: Schließlich hatte er als Kind noch mit Jesus gespielt. Wahrscheinlich ist, dass er zumindest immer wieder auch ziemlich genervt war von ihm (so wie auch seine Eltern). Kein Wunder also, dass Jakobus zu Jesu Lebzeiten kein Nachfolger von Jesus wurde (siehe z.B. Joh. 7, 5). Und obwohl Jesus dann auch noch den verfluchten Tod am Kreuz starb soll eine „Erscheinung“ ihn plötzlich so umgedreht haben, dass er begann, seinen ehemaligen Spielkameraden als Gott und Messias anzubeten, Lieder zu ihm zu singen, erfolgreich trotz größter Widerstände eine Gemeinde zu seinen Ehren zu bauen und schließlich für den Glauben an ihn in den Tod zu gehen??

Ich will ganz offen sein: Dass „Erscheinungen“ so etwas bewirken können kann glauben wer will, ich kann es nicht. Alles andere als eine echte, reale Begegnung mit dem von den Toten auferstandenen Jesus taugt nicht einmal ansatzweise, um einen derart drastischen Sinneswandel logisch nachvollziehbar erklären zu können.

Flavius Josephus war kein Freund des Christentums. Aber auch wenn er es ganz sicher nicht wollte: Mit seinem kleinen Bericht über Jakobus hat Josephus einen der stärksten außerbiblischen Beweise für die Wahrheit des Christentums geliefert, die wir kennen.

Siehe auch:

Was nun, Kirche?

Kann so ein Buch Mut machen?

„Ich möchte in schwierigen Zeiten Mut machen.“ 1 So beginnt das neue Buch von Ulrich Parzany, das von Vielen doch eher als bedrohlich und spalterisch statt als Mutmacher empfunden wird. Doch Parzany bleibt dabei: „Ich schreibe gegen Resignation. Ich will zeigen, wie in den Landeskirchen die Gemeinde des Jesus Christus gebaut und gesammelt wird und werden kann.“ 1 Ob Parzany wohl halten kann, was er sich da vorgenommen hat?

Um dem Patient Kirche zu helfen hält Parzany eine schonungslos ehrliche Diagnose für unumgänglich. Seine herausfordernde Hauptdiagnose lautet:

»Die Krise der Kirchen ist im Kern eine Krise der Verkündigung. Und die Krise der Verkündigung ist dadurch entstanden, dass das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden ist.« 2 »Die Bibelkritik ist der Krebsschaden der Kirche.« 3

Damit wendet sich Parzany ausdrücklich nicht gegen eine historische Erforschung der Bibel, denn „zum Verständnis der biblischen Texte ist es hilfreich, die historischen Zusammenhänge so gut wie möglich zu kennen.“ 4 Es geht Parzany auch nicht darum, einer bestimmten Bibelauslegung ein Wahrheitsmonopol zuzuschreiben, im Gegenteil: Als Mann der evangelischen Allianz, der schon viele überkonfessionelle Großveranstaltungen mitgestaltet hat, zeigt Parzany eine große Weite und wirbt für Vielfalt: „Pluralität ist purer Reichtum.“ 5 „Ich war und bin der Meinung, dass wir Christen gemeinsam öffentlich zu Jesus und in seine Nachfolge einladen sollen, auch wenn wir in einigen Fragen unterschiedliche Lehren vertreten. Das betrifft zum Beispiel die Frage der Taufe, der Gemeindeformen, der Art und Weise, wie wir den Heiligen Geist erfahren. Wenn es allerdings um das Evangelium von Jesus geht, darf es keine Kompromisse geben.“ 6

Keine Kompromisse, wenn es um das Evangelium geht! Als Evangelist macht Parzany deutlich, warum ihm das so wichtig ist: „Es geht nicht um Rechthaben, sondern um Rettung.“ 7 „Nur das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Bibel bezeugt wird, kann das Leben der Menschen und die Kirchen erneuern.“ 8 In dieser Haltung fühlt sich Parzany von Paulus bestärkt, der sich diesbezüglich ja sogar noch deutlich schärfer ausgedrückt hat (Gal. 1, 8-9!). Deshalb „muss die Grundfrage nach der Autorität der Heiligen Schrift geklärt sein: Die Bibel ist Gottes Wort, sie ist Urkunde der Offenbarung Gottes. Eine Kirche, die das nicht mehr bekennt, erledigt sich selber.“ 9

Auch wenn (oder vielleicht gerade weil) Parzany nicht in erster Linie ein theoretischer Akademiker ist, sind seine Ausführungen über die Entwicklungen in der Hermeneutik (die Lehre über das Verstehen und Auslegen der Bibel) von der Reformation bis heute äußerst aufschlussreich. Hatte Luther die Bibel noch als „Königin“ bezeichnet, so sagt die EKD heute offen, dass sie die Bibel nicht mehr als Wort Gottes versteht10. Parzany weist nach, wie dadurch sämtliche reformatorische Grundsätze (Allein die Schrift, allein durch Glauben, allein durch Gnade, Christus allein) ausgehöhlt und umgedeutet wurden. Und er stellt angesichts einiger Äußerungen evangelischer Spitzenleute, die im krassen Gegensatz zur geltenden Ordinationsverpflichtung11 stehen, die Frage: „Warum wird eigentlich gegen einen Bischof, der so offensichtlich die Autorität der Bibel infrage stellt, kein Lehrbeanstandungsverfahren eröffnet?“ 12 Parzany gibt sich selbst die Antwort: Das Problem der theologischen Selbstentkernung wird in der evangelischen Kirche weitgehend tabuisiert13 – was ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann.

Noch wichtiger ist dem Praktiker Parzany jedoch zu zeigen, dass die Bibelkritik, die ja seit langem die theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten beherrscht, inzwischen eine ganz praktische „verheerende Wirkung auf die Verkündigung in den Gemeinden“ entfaltet.14 Dazu zitiert er eine Studie, laut der „ein großer Teil der Pfarrerschaft wichtige Teile der christlichen Lehre nicht mehr für wahr und wichtig hält“ 2. Da „die Hauptamtlichen in der Regel am längeren Hebel sitzen“ 15 und zudem nur 14 % der Kirchengemeinderäte Mission für sehr wichtig halten16 ist gedeihliches missionarisches Arbeiten in vielen evangelischen Gemeinden kaum noch möglich. Denn es stimmt ja nun einmal: Wenn die Gemeindeleitung nicht darüber übereinstimmt, dass Menschen zur Umkehr in die Nachfolge von Jesus gerufen und darin gefördert werden sollen, dann „ist der Wurm in der ganzen Arbeit.“ 17

Vor diesem Hintergrund zeigt Parzany durchaus Verständnis dafür, dass nicht wenige Konservative die Kirche inzwischen verlassen und den freikirchlichen Weg gewählt haben. Für sich selber sagt er jedoch: „Ich habe Gottes Platzanweisung für mich in der evangelischen Kirche gesehen. Und das gilt auch heute.“ 18 Statt Resignation, Frust oder Verbitterung Raum zu geben sagt er fast trotzig: „Wir hören nicht auf, dafür zu beten, darum zu ringen und dafür zu arbeiten, dass Erneuerung in den Kirchen geschieht.“ 19 Dazu sucht Parzany nach Ansatzpunkten („brauchbare Baugerüste“), bei denen Erneuerung wachsen könnte wie z.B. in unterschiedlichen Gottesdienstformen, Hausbibelkreisen, Richtungsgemeinden, landeskirchliche Gemeinschaften und freien Werken. Allerdings räumt Parzany auch offen ein: „Ich kann nur Puzzleteile suchen und zusammensetzen.“ 20 DAS Patentrezept für die Erneuerung der Kirche hat er – wenig überraschend – nicht zu bieten.

Zur Arbeit für Erneuerung gehört für Parzany aber eindeutig auch, mit einer falsch verstandenen Konfliktscheu zu brechen, denn: „Wer schweigt, fördert, was im Gange ist.“ 21 „Wenn in Kirche und Theologie die Wahrheit des Evangeliums verfälscht wird, müssen wir widersprechen. Das muss leider auch öffentlich geschehen. Geheimverhandlungen in Hinterzimmern helfen der Gemeinde nicht.“ 22 Mit dieser Haltung sieht Parzany sich in bester reformatorischer Tradition: „500 Jahre nach der Reformation erinnern wir uns daran, dass harte Auseinandersetzungen nötig waren, um in den Kirchen Schritte in Richtung Erneuerung zu gehen.“ 8 Eine solch streitbare Haltung mag nicht Jedem in der Kirche schmecken. Man muss Parzany aber in jedem Fall zugutehalten, dass seine Position gut begründet und seine Motivation absolut authentisch ist.

Am Ende steht für Parzany aber nicht der Streit sondern das Evangelium im Mittelpunkt: „Weil das Evangelium von Jesus Christus die ganze Welt angeht, dürfen wir uns nicht freiwillig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Heute ist die Zeit, das Evangelium öffentlich zu verkündigen.“ 23 Spätestens hier wird deutlich: Parzany ist eben kein verbitterter alter Mann, wie manche seiner Gegner behaupten. Sein Anliegen ist, dass ein Weckruf durch Deutschland geht und Menschen für Jesus gewonnen werden! Deshalb ist dieses leicht und flüssig zu lesende Buch für mich tatsächlich ein echter Mutmacher – und der bisher beste Beitrag zum Reformationsjubiläum. Ich kann es nur herzlich zum Kauf empfehlen und ihm so viel Verbreitung wie irgend möglich wünschen.

Das Buch „Was nun, Kirche?“ von Ulrich Parzany ist bei SCM Hänssler erschienen und kann hier direkt beim Verlag bestellt werden.

1: S.7; 2: S.41; 3: S.49; 4: S.60; 5: S.126; 6: S. 186; 7: S. 177; 8: S.8; 9: S. 62; 10: Aus dem Grundlagentext der EKD Rechtfertigung und Freiheit – 500 Jahre Reformation 2017 S. 84: „Seit dem 17. Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb können sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als ‚Wort Gottes‘ verstanden werden.“ S.49; 11: Aus dem geltenden Pfarrerdienstgesetz der EKD (§3): „Die Ordinierten sind durch die Ordination verpflichtet, … das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis ihrer Kirche bezeugt ist, rein zu lehren.“ S.49; 12: S.51; 13: S.41; 14: S.54; 15: S.121; 16: S.146; 17: S. 149; 18: S.109; 19: S.133; 20: S.16; 21: S.121; 22: S.189; 23: S.197

Weitere lesenswerte Zitate aus „Was nun, Kirche?“:

Zur historisch-kritischen Theologie:

„Gern versucht man heute in den kirchlichen Debatten, Jesus Christus gegen die Bibel auszuspielen. Wir hätten keinen papierenen Papst, heißt es, es ginge darum, wie Luther zu fragen, „was Christum treibet“. … Aber welcher Jesus Christus ist gemeint, wenn jeder Bibelkritiker entscheidet, welche Worte von Jesus echt und welche ihm später in den Mund gelegt wurden?“ (S. 56)

„Im Grund ist „Jesus Christus“ damit eine Leerformel geworden, die jeder nach seinen Vorstellungen füllt und benutzt. Wenn also das reformatorische Prinzip „Allein die Bibel“ nicht mehr gilt, dann verliert auch das „Allein durch Jesus Christus“ seinen Inhalt. Die beiden daraus folgenden reformatorischen Grundsätze „Allein durch die Gnade“ und „Allein durch den Glauben“ lösen sich dann in Philosophie und Psychologie auf.“ (S. 57)

Zum reformatorischen Prinzip, dass die Bibel sich selbst auslegen muss:

„Ein wichtiger Grundsatz der Reformation hieß: Die Bibel legt sich selber aus. Alle Bibeltexte müssen im Zusammenhang gelesen werden.“ (S. 59)

„Der Gesamtzusammenhang der Heiligen Schrift lässt erkennen, wenn Aussagen begrenzte Gültigkeit für bestimmte Zeiten und Verhältnisse haben. Paulus schreibt einerseits, dass Frauen in den Gemeinden schweigen sollen (vgl. 1. Tim. 2, 12). Andererseits wird berichtet, dass die vier Töchter des Evangelisten Philippus als Prophetinnen redeten (vgl. Apg. 21, 9). Paulus war in dieser Gemeinde und nahm offenbar keinen Anstoß daran. Im Buch der Richter (4, 4) lesen wir, dass die Prophetin Deborah Israel regierte. Es gibt also in der „Frauenfrage“ durchaus unterschiedliche Aussagen in der Bibel. Homosexuelle Handlungen hingegen werden in der ganzen Bibel einheitlich als Sünde beurteilt (vgl. 3. Mose 18, 22; 20, 13; Römer 1, 26 ff.; 1. Kor. 6,9f; 1. Tim. 1,9ff). Deshalb zieht die Argumentation nicht, die sagt: Wenn die Aussagen über Homosexualität heute gelten sollen, dann müssten die Frauen auch Kopftücher tragen und im Gottesdienst schweigen.“ (S. 61)

Zur Situation in der Pfarrerschaft:

„Ich behaupte, es besteht keine Einigkeit in der Pfarrerschaft über die Grundaussagen des christlichen Glaubens.“ (S. 47)

„Gemeinden dürfen erwarten, dass nur solche Personen in diesen Dienst kommen, deren geistliche und persönliche Eignung festgestellt und bestätigt wurde.“ (S. 139)

„Die Fehlkonstruktion der Pastorenkirche besteht darin, dass sie so tut, als seien bei den Hauptamtlichen Pastoren fast alle Charismen monopolisiert. Das funktioniert nie.“ (S. 144)

Zur Gemeindeleitung:

„Ein Gemeindekirchenrat sollte aus Menschen bestehen, die mit Bibel und Gebet leben. Die Zusammenkünfte sollten Raum für das Studium der Bibel und zum Gebet für die Gemeinde haben.“ (S. 148)

Gegen das Richten über den Glauben Anderer:

„Es ist nicht meine Aufgabe, über einzelne Personen zu urteilen, ob ihr Glaube echt ist oder nicht. Ich glaube denen, die sich zu Jesus Christus bekennen, ihren Glauben.“ „Gott wird im Gericht das Unkraut vom Weizen trennen. Das ist also nicht unsere Sache. Es gab und gibt immer wieder Versuche, sogenannte „reine“ Gemeinden herzustellen. Das endet immer in Heuchelei, Hochmut und Anmaßung.“ (S. 19)

Zum Kirchenverständnis und der Situation der Kirche:

„Die heilige christliche Kirche besteht aus allen Jesusnachfolgern, in welchen kirchlichen und gemeindlichen Organisationen sie auch leben.“ (S. 34)

„Es gibt die Kirche des Jesus Christus nur in der Mission Gottes. Diese umfasst die vier Elemente Diakonie, Lehre und Evangelisation, Gemeinschaft und Gebet. Wer sich dieser Mission verweigert, trennt sich von Jesus.“ (S. 32)

„Tatsache ist heute, dass die Zeiten von Volkskirche längst vorbei sind. Die christliche Gemeinde ist eine Minderheit.“ (S. 38)

Zu Richtungsgemeinden:

„Trotzdem hoffe ich, dass dauerhaft mehr Raum für die kontinuierliche Gestaltung von evangelikalen Richtungsgemeinden geschaffen und bewahrt werden kann. Wenn dieser Raum eingeengt wird, ist es unvermeidlich, dass die engagierten Evangelikalen mehr und mehr den freikirchlichen Weg wählen werden.“ (S. 128)

Zur Verkündigung des Evangeliums:

„Entscheidend ist, ob wir als Verkündiger des Evangeliums selber wissen, dass es um ewiges Leben und ewige Verdammnis geht. Unsere Aufgabe ist es, aus Liebe die Wahrheit zu sagen.“ (S. 188)

Zum Thema „Selbstbestimmung“ als zentrale Herausforderung des Zeitgeistes:

„In den brisanten Streitfragen der Gegenwart geht es fast immer um Selbstbestimmung. Ob Abtreibung oder Selbsttötung – immer wird das Recht auf Selbstbestimmung als Hauptargument angeführt. Und in den normalen Alltagsfragen sowieso: Mein Körper, meine Zeit, mein Geld, mein Eigentum – ich habe das Recht, über mein Eigentum zu verfügen. Selbst wenn Menschen religiös sind und Gott als Hilfe suchen, bestimmen sie doch selber, was gut für sie ist und was nicht. Gott ist höchstens als Erfüllungsgehilfe gefragt. Sein Eigentumsrecht an der Welt und an unserem Leben wird glatt bestritten.“ (S. 83)

5 Argumente gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Heute habe ich meinem Landesbischof einen Brief geschrieben. Meine evangelische Landeskirche in Württemberg steht vor einer äußerst wichtigen Weichenstellung: Im Herbst wird die Synode entscheiden, ob sie – so wie die meisten anderen Landeskirchen – die Segnung oder gar die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglichen wird oder nicht. Ich habe die Kirchenleitung dringend gebeten, die geltenden Regelungen zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren NICHT zu ändern. Bevor Du meine Argumente dazu liest eine Anregung: Wie wäre es, wenn Du ebenfalls einen Brief an den Landesbischof (Adresse siehe hier) und/oder an einen Dir bekannten Synodalen schreibst? Du kannst gerne meine Argumente übernehmen oder – noch besser – Deine eigenen Gedanken formulieren. Als Kirchengemeinderat habe ich sehr pragmatisch argumentiert, ich hoffe, dass Andere noch viel stärker theologisch argumentieren werden. Wichtig ist: Immer respektvoll und freundlich bleiben. Und am besten ein inniges Gebet hinterherschicken. Lasst uns auf jeden Fall gemeinsam aktiv werden! Denn diese Entscheidung wird für meine Landeskirche dramatische Konsequenzen nach sich ziehen. Davon bin ich fest überzeugt aus folgenden Gründen:

1. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist für viele aktive Gemeindeglieder
nicht mit der Bibel und ihrem Gewissen vor Gott vereinbar

Es ist unstrittig, dass sämtliche biblische Passagen zum Thema Homosexualität negativ konnotiert sind. Die verschiedenen Ansätze, gleichgeschlechtliche Partnerschaften trotzdem mit dem biblischen Zeugnis vereinbar zu machen, sind umstritten. Insbesondere wurde die Behauptung, Paulus habe in der damaligen Lebenswelt noch gar keine auf Treue angelegte homosexuelle Partnerschaften im Blick haben können, mittlerweile klar widerlegt.1 Fakt ist: Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften wurde in der Vergangenheit quer durch die Jahrhunderte von allen Kirchen durchgängig abgelehnt. Auch heute noch stellt diese Position in der weltweiten Kirche Jesu eine Minderheitenmeinung dar. Im pietistisch geprägten Württemberg ist gerade unter den aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern der Anteil derer besonders hoch, die diesen exegetischen Sonderweg nicht mit ihrem Gewissen vor Gott vereinbaren können und ihn als Bruch mit dem reformatorischen Grundsatz des „Sola Scriptura“ und mit den Bekenntnissen der Kirche empfinden werden. Das wird das fruchtbare Miteinander von Kirchenleitung und ehrenamtlicher Mitarbeiterschaft zum Nachteil Aller spürbar belasten. Wir müssen damit rechnen, dass es auch unter engagierten Mitarbeitern zu Kirchenaustritten kommt und Gemeinden spürbar geschwächt werden.

2. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare verlagert den
öffentlichen Druck auf die lokalen Gemeindeleitungen

Bislang sind die lokalen Gemeindeleitungen vor dem öffentlichen Druck auf Segnung bzw. Trauung gleichgeschlechtlicher Paare durch das gültige Kirchenrecht geschützt. Wenn die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht wird, wird dieser Druck, der seit der politischen Durchsetzung der sog. „Ehe für alle“ noch einmal größer geworden ist, von der Kirchenspitze auf die lokalen Gemeindeleitungen verlagert, möglicherweise mit massiven Auswirkungen bis ins Privatleben von Ehrenamtlichen hinein. Es ist davon auszugehen, dass dies das gedeihliche Wirken vieler engagierter Leiter stark belasten wird und dass Manche auch aufgeben werden, weil sie sich dem Druck und dem Gewissenskonflikt auf Dauer nicht aussetzen wollen oder können.

3. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare verlagert den
Konflikt auf die lokale Ebene und multipliziert ihn dadurch

Das gültige Kirchenrecht verhindert bislang, dass der Konflikt in örtlichen Gemeinden ausgetragen wird. Dadurch werden viele Reibungsverluste vermieden. Wenn die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht wird, kann der Konflikt prinzipiell in jeder einzelnen Kirchengemeinde ausbrechen und das gemeindliche Leben massiv belasten oder gar ersticken. Immer wieder ist nachzulesen, dass lokale Konflikte zu diesem Thema auch in die überregionale Presse getragen werden. Dadurch wird nicht nur die Einheit einzelner Gemeinden sondern auch das Ansehen der ganzen Landeskirche und damit auch ihre missionarische Ausstrahlung aufs Spiel gesetzt.

4. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare unterminiert
die Glaubwürdigkeit der Kirche

Kirche hat keine Autorität aus sich selbst heraus sondern nur als Botschafter von Gottes zeitlosem Wort und Gebot. Sie kann nur deshalb Trost und Antworten für die grundlegenden Ewigkeitsfragen der Menschen geben, weil sie aus einer göttlichen Erkenntnisquelle schöpft, die außerhalb ihrer selbst liegt. Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, ob Kirche aus der Autorität einer zeitlosen Wahrheit heraus handelt oder ob sie den Menschen nach dem Mund redet. Die breite öffentliche Kritik an der EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie oder am Ablegen des Kreuzes auf dem Tempelberg bis tief in säkular/bürgerliche Milieus hinein belegt das. Die Ermöglichung der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mag kurzfristig Beifall bei einem Teil der Bevölkerung und der Medien bringen. Gleichzeitig jedoch höhlen solche Meinungsänderungen die Autorität und Glaubwürdigkeit der Kirche aus. Es führt dazu, dass die Stimme der Kirche zeitgeistabhängig und beliebig wirkt und sich selbst marginalisiert im vielfältigen Meinungskonzert einer offenen Gesellschaft. Da ist es kein Wunder, dass laut dem Religionssoziologen Detlef Pollack von der Universität Münster der Hauptgrund für den Kirchenaustritt mittlerweile schlicht darin liegt, dass den Menschen die Kirche ganz einfach egal ist.2

5. Ein theologisch liberaler Kurs lässt weltweit Kirchen schrumpfen

Eine neue kanadische Studie3 hat gezeigt, dass eine konservative Theologie gepaart mit innovativen Gottesdienstformen eine deutlich messbare positive Auswirkung auf das Gemeindewachstum hat. Detlef Pollack hat festgestellt, dass es der evangelischen Kirche dort am besten geht, wo sie „evangelikal oder sogar fundamentalistisch“ ist.2 Tatsächlich bestätigt sich dieser Trend weltweit: Die Kirchen schrumpfen im liberal geprägten Westen, aber sie wachsen in anderen Teilen der Welt, wo sie zuallermeist fest zum biblischen Wortlaut stehen. Auch die württembergische Landeskirche wird massiven Schaden nehmen, wenn sie noch stärker auf den Kurs der schrumpfenden liberalen Kirchen einschwenkt.

Auch mir ist wichtig, dass wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir homosexuell empfindenden Menschen noch liebe- und respektvoller begegnen können. Aber weil ich meine Kirche liebe hoffe und bete ich, dass sie an der Gültigkeit des biblischen Zeugnisses festhält, auch wenn es einmal – wie in diesem Fall – dem Zeitgeist widerspricht. Ohne das Fundament des „sola sriptura“ hat Kirche keine Zukunft.

1: Zusammengefasst unter anderem im Artikel „Prof. Dr. Siegfried Zimmer und die Schwule Frage” von Mario Wahnschaffe 05 / 2015
2: Katholisches Online Magazin Kirche + Leben Netz 06 / 2017
3: Theology Matters: Comparing the Traits of Growing and Declining Mainline Protestant Church Attendees and Clergy, Rev Relig Res (2016), zusammengefasst in idea 22.11.2017

Siehe auch:

Ehe für Alle: Zeit zum Aufwachen

Mit der Einführung der „Ehe für alle“ vollzieht die Politik nur den Meinungswandel nach, der sich in unserer Gesellschaft längst vollzogen hat. Als Nation entfernen wir uns seit Jahren von unseren christlichen Fundamenten.

Seien wir ehrlich: Wir Christen haben unsere Salz- und Lichtkraft weitgehend verloren. Während die CSD-Bewegung ohne Scham durch die Straßen unserer Städte marschiert sind die Märsche für Jesus längst wieder eingeschlafen und die ‘Demo für alle‘ krebst bei einigen 100 Teilnehmern herum. Die evangelische Kirche hat die gleichgeschlechtliche Ehe schon 2015 aktiv befürwortet. Die Regeln einiger Landeskirchen zur „Trauung für alle“ gehen schon jetzt weiter als die bisherigen staatlichen Regeln zur eingetragenen Lebenspartnerschaft. Aktuell hat die EKD erneut ein klares Votum für die Ehe für alle veröffentlicht. Wie können wir von der Politik erwarten, dass sie näher an den biblischen Vorgaben bleibt als die Kirche?

Machen wir uns nichts vor: Die Abkehr von unseren christlichen Fundamenten wird weitergehen. Schon seit Jahren wird auch in der ev. Kirche an der Öffnung des Ehebegriffs für die Polyamorie gearbeitet. Ist der Ehebegriff erst einmal aufgelöst gibt es kein logisches Argument mehr, warum nicht auch andere Partnerschaften die gleichen Rechte bekommen sollten. Die Ideologie der „sexuellen Vielfalt“ wird das Ideal der lebenslangen Treuepartnerschaft von Mann und Frau weiter verdrängen.

Täuschen wir uns nicht: Ehe und Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Wenn die bisher vom Grundgesetz geschützte Institution Ehe als Verbindung eines Mannes mit einer Frau umdefiniert wird (siehe dazu ein guter Kommentar der FAZ) hat das – genau wie die Lockerung des Abtreibungsrechts oder die massive Förderung der Berufstätigkeit von Müttern mit Kleinstkindern – gravierende Konsequenzen, zuerst für Kinder, auf Dauer aber natürlich für die ganze Gesellschaft. Wegschauen hilft nicht. Die Zeitgeistwelle, die die biblischen Fundamente unserer Gesellschaft wegspült, wird vermutlich schneller als wir denken auch über die scheinbar sicher geglaubten Fundamente unserer ganz persönlichen Lebensumstände hereinbrechen. Denken wir also nicht, all das würde uns persönlich nichts angehen.

Seien wir uns im Klaren darüber: Politiker können diese Entwicklung nicht aufhalten. Deutschland braucht eine neue Reformation und eine Erweckung! Die Kirche Jesu muss aufwachen aus ihrem Kirchenschlaf, um unser Land für das Evangelium zu gewinnen! Nur so kann das Problem der Abkehr von den biblischen Werten an der Wurzel gepackt und gewendet werden. Vergangene Erweckungsbewegungen haben bewiesen, dass sie die Gesellschaft tatsächlich nachhaltig verändern können. Verschiedene Signale deuten darauf hin, dass eine Erweckung auch heute wieder möglich ist. Also arbeiten wir dafür. Und beten wir. Denn es stimmt mehr denn je: Allein den Betern kann es noch gelingen.

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Die Bibel ist das Herzstück der westlichen Kultur

Wie ein Inder dem Westen sein wahres Erfolgsgeheimnis zeigt

Mit seinem „Buch der Mitte“ hat der indische Philosoph, Sozialreformer und Theologieprofessor Vishal Mangalwadi ein einzigartiges Zeugnis für die Wirkungsgeschichte der Bibel in der westlichen Kultur vorgelegt. Da musste offenbar erst ein Inder kommen, um uns Europäern klar zu machen, wie entscheidend wichtig die Bibel für die Entwicklung praktisch aller Errungenschaften unserer westlichen Kultur war:

  • Lange Zeit (und in vielen Kulturen auch heute noch) galten die als Helden, die viele andere unterjochen konnten. Heute hingegen ehren wir Mitmenschlichkeit und den Einsatz für Schwache, Kranke und Arme. Dieser Wandel geht auf die biblische Lehre zurück, dass ALLE Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen und so sehr geliebt sind, dass sogar Gott selbst für jeden Menschen starb. Daraus wuchs die (von engagierten Christen betriebene) Abschaffung der Sklaverei, die Entwicklung des Gesundheitswesens und unser technischer Fortschritt – denn in anderen Kulturen wurde kein Bedarf gesehen, die unteren gesellschaftlichen Schichten von schwerer, entwürdigender Arbeit zu entlasten.
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  • Zum technischen und wirtschaftlichen Aufschwung trug entscheidend auch die biblische Lehre bei, dass für Christen ihr Beruf auch Berufung und „Gottesdienst“ ist und dass Geld klug und weitsichtig verwaltet werden muss. Eine entscheidende Basis für eine florierende Wirtschaft ist zudem Vertrauen und Ehrlichkeit – Werte, die in Europa erst durch die Bibel (genauer gesagt durch die großen postreformatorischen Erweckungsbewegungen) groß geworden sind, während in anderen Kulturen die Korruption grassiert, die jede wirtschaftliche Entwicklung blockiert.
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  • Die Allgemeinbildung aller gesellschaftlichen Schichten war in vielen Kulturen eine direkte Folge der Übersetzung der Bibel in die Landessprachen. Zahlreiche Gründungen von Schulen und Universitäten lassen sich auf Christen zurückführen.
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  • Die biblische Idee einer sinnvoll geordneten Schöpfung sowie der Auftrag an die Menschen, die Schöpfung zu verwalten, war die Basis für die fulminante Entwicklung der Naturwissenschaft im postreformatorischen Westen (die im Wesentlichen von gläubigen Christen begonnen wurde!), während Pantheismus, Fatalismus und die Abschätzigkeit gegenüber allem Materiellen in anderen Kulturen den wissenschaftlichen Aufstieg über Jahrtausende blockiert haben.
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  • Gerade die biblische Forderung nach Monogamie, vorehelicher Keuschheit und lebenslanger Treue hat die Frauen des christlichen Westens so frei, unabhängig und stark gemacht, dass eine Frauenrechtsbewegung entstehen konnte, was in diesem Ausmaß in keiner anderen Kultur je gelungen ist. Und vor allem hat die Bibel damit die Familien stark gemacht, die die Keimzelle einer gesunden Gesellschaft sind!
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  • Unsere Demokratie geht nicht – wie oft behauptet – auf die Griechen zurück (deren Idee, dass das Volk regieren soll, hat schnell im Chaos geendet). Sie entwickelte sich vielmehr aus dem biblischen Prinzip, dass das Gesetz regiert, dem sich sowohl das Volk als auch jeder Herrscher beugen muss. Entsprechend waren an der Entwicklung demokratischer Verfassungen zahlreiche Christen entscheidend beteiligt. Sie haben auch das Ideal eingeführt, dass Minister (=“Diener“) gemäß dem Vorbild Jesu dem Volk dienen müssen statt es zu unterjochen und auszubeuten.
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  • Toleranz und Freiheit entsteht in einer Gesellschaft nur auf dem Fundament einer gemeinsam akzeptierten höheren Wahrheit (die Humanismus und Aufklärung allein niemals hervorbringen kann). Atheismus und Relativismus verdammen eine Gesellschaft hingegen dazu, unter dem Meinungsdiktat fehlerhafter Menschen zu leben – was letztlich zwangsläufig in Konflikten endet.

Vishal Mangalwadi weist detailliert nach, wie sehr die Bibel das westliche Denken durchdrungen hat bis hinein in Kunst, Kultur, Musik und Literatur. Er zeigt auf Basis vieler Untersuchungen und persönlicher Erlebnisse, wie positiv die Bibel gewirkt hat und wie im Vergleich dazu Gesellschaften unter dem Einfluss anderer Religionen oder Ideologien gescheitert sind. Mit diesem Buch räumt Mangalwadi auch auf mit der irrigen und naiven Vorstellung, alle Kulturen wären gleich und die ungleiche weltweite Verteilung von Wohlstand und Menschenrechten wären primär ein Produkt von westlichem Imperialismus. Dabei kommt ihm zugute: Er ist nicht nur ein akademischer Theoretiker sondern hat selbst aufopferungsvolle Entwicklungshilfe im ländlichen Indien geleistet und dabei die Auswirkungen von Kultur und Religion praktisch erlebt.

Nachdem die mittelalterlichen westlichen Eliten bis zur Reformation mit Gewalt verhindert hatten, dass das normale Volk in seiner Sprache die Bibel lesen kann, ist es heute eine neue Elite, die dem Volk die Bibel dadurch wegnimmt, dass sie ihre Glaubwürdigkeit bestreitet und behauptet, dass man die Bibel nur mit wissenschaftlichen Mitteln richtig verstehen könne. An die Stelle von Gottes Wahrheit hat sie einen alles beherrschenden Relativismus gesetzt. Muss deshalb die Sonne über dem Westen wieder untergehen?

Das Buch der Mitte macht klar: Politiker können den Abstieg des Westens nicht verhindern. Was der Westen vielmehr braucht ist eine neue Erweckung und eine Hinwendung zu Gottes Wort, wie er sie unter Männern wie Jonathan Edwards und John Wesley schon mehrfach erlebt hat. Wer dieses Buch gelesen hat kann schon aus Liebe zur nächsten Generation gar nicht anders, als sich mit Leidenschaft für Erweckung und für die Hinwendung zur Bibel einzusetzen.

Für mich heißt das: Unsere Gesellschaft braucht wieder mutige Männer und Frauen, die den Zeitgeist mit Gottes ewiggültiger Offenbarung konfrontieren, die gegen alle Widerstände Gottes Wort lehren und verbreiten und die Menschen zur Umkehr rufen. Je länger wir im angepassten Kirchenschlaf verharren, umso herausfordernder und existenzieller wird auch im Westen die Auseinandersetzung zwischen Gottes Wahrheit und dem Zeitgeist, in die die Christen zu allen Zeiten und in allen Kulturen hineingestellt waren und sind. Packen wir’s an! Ein guter Beitrag dazu wäre, dieses außergewöhnliche und augenöffnende Buch selbst zu lesen und nach Kräften weiter zu verbreiten.

„Das Buch der Mitte“ von Vishal Mangalwadi ist 2014 im Fontis-Verlag erschienen.

Siehe auch:

Die Berichte des NT weisen alle Eigenschaften von frühen, authentischen Augenzeugenberichten auf

Wie glaubwürdig sind die Texte des Neuen Testaments? Handelt es sich um authentische Augenzeugenberichte? Oder wurden die Berichte der Augenzeugen erst über viele Stationen weitergegeben und dabei (wie bei einem Telefonkettenspiel) immer stärker verfälscht, bevor sie aufgeschrieben wurden? Stammen Sie womöglich aus einer deutlich späteren Zeit und sogar aus einem anderen Land?

In seinen Vorträgen* belegt der Theologe und Direktor des Tyndale Studienzentrums in Cambridge Dr. Peter J. Williams, dass die Texte des Neuen Testaments alle Merkmale authentischer, unverfälschter und kenntnisreicher Augenzeugenberichte aufweisen:

1. Das passende Namensmuster

Jede Gesellschaft hat ihr eigenes Muster von besonders gängigen und häufig verwendeten Namen. Die im NT verwendeten Namen entsprechen sehr genau dem Muster üblicher Namen im Israel/Palästina aus der Zeit zwischen 330 v.Chr. und 200 n.Chr., wie man es aus antiken Schriften und Grabstätten rekonstruieren konnte (Quelle: Bauckham, Jesus and the Eyewitnesses).

Dass das NT exakt das richtige Namensmuster verwendet ist ein besonders guter Beleg für seine Authentizität. Namen haben keinen logischen Zusammenhang mit Personen, deshalb werden sie besonders leicht vergessen! Es war zur damaligen Zeit praktisch unmöglich, ein fremdes Namensmuster aus einem fremden Land und einer fremden Zeit so exakt zu imitieren. Tatsächlich weichen die Namensmuster der deutlich später entstandenen apokryphen Evangelien auch deutlich ab.

2. Die häufige Verwendung des Namens „Jesus“ statt „Christus“

Es gibt viele Hinweise darauf, dass schon ab dem Jahr 50 n.Chr. Jesus immer häufiger primär als „Christus“ und nicht mehr in erster Linie als „Jesus“ bezeichnet wurde (z.B. schon sichtbar in den Briefen von Paulus). Die Tatsache, dass in den Evangelien aber noch sehr häufig die ursprüngliche Bezeichnung „Jesus“ steht, spricht für den frühen Ursprung der zugrundeliegenden Quellen. Die apokryphen Evangelien Philippus, Judas, Petrus und Maria verwenden im Gegensatz dazu den Namen Jesus kaum noch oder gar nicht mehr.

3. Die Bezeichnung Jesu als „Menschensohn“

Jesus bezeichnet sich in den Evangelien immer wieder als „Menschensohn“ – ein Begriff, der in späteren Zeiten deutlich seltener bzw. z.T. überhaupt nicht mehr verwendet wurde und entsprechend in den meisten apokryphen Evangelien weit überwiegend fehlt. Auch das spricht für den frühen Ursprung der 4 Evangelien des NT.

4. Die authentischen Namenszusätze

Jesus war damals der sechsthäufigste Name in Israel. Um ihn von seinen vielen gleichnamigen Zeitgenossen unterscheiden zu können mussten die Menschen damals Namenszusätze machen (z.B. J. aus Nazareth, J. aus Galiläa etc.). In den Evangelien lässt sich beobachten: Die Autoren legen tatsächlich den Menschen aus dem Volk, die über Jesus reden, immer solche Namenszusätze in den Mund – eine Feinheit, an die man aus der Distanz heraus kaum denkt, wenn man später solche Geschichten über Jesus erfindet.

5. Die Bezeichnung der Nachfolger Jesu als „Christen“

Die Bezeichnung „Christ“ für einen Nachfolger Jesu stammt nicht aus der christlichen Bewegung selbst, sie wurde vielmehr von außenstehenden Beobachtern erfunden und erst später von den Christen selbst übernommen (so wie es auch z.B. bei den Quäkern oder den Methodisten war). Das Neue Testament verwendet den Begriff „Christ“ lediglich an 3 Stellen (Apg. 11, 26; Apg. 26, 28; 1. Petr. 4, 16), wobei es in den beiden Stellen in der Apostelgeschichte Außenstehende sind, die diesen Begriff verwenden. Das ist ein starkes Argument dafür, dass die Texte des NT noch aus der frühen Zeit stammen, in der die Christen diese Bezeichnung noch nicht für sich selbst übernommen hatten.

6. Die Verwendung von Gleichnissen

Jesus lehrt in den Evangelien immer wieder in Gleichnissen. Dieses Stilmittel kommt schon in den Briefen des NT praktisch nicht mehr vor. In der Lehre der Urkirche waren Gleichnisse nicht üblich und nicht gängig. Spätere Autoren hätten Jesus deshalb wohl keine Gleichnisse in den Mund gelegt.

7. Die häufigen Ortsnamen und die genauen Ortskenntnisse

Die 4 Evangelien verwenden – ganz im Gegensatz zu den apokryphen Evangelien – häufig Ortsnamen, auch von sehr kleinen und unbedeutenden Orten. In den 4 Evangelien kommen jeweils 12 – 14 Ortsnamen vor (insgesamt 23). Unter den zahlreichen apokryphen Evangelien finden sich außer der ganz vereinzelten Verwendung von Jerusalem und Nazareth praktisch überhaupt keine Ortsnamen.

Bemerkenswert ist, dass das Verhältnis zwischen der Anzahl der Wörter und der Ortsnamen in allen 4 Evangelien praktisch identisch ist:

Das ist eigentlich nur dadurch erklärbar, dass alle 4 Evangelien den gleichen Charakter haben, nämlich dass sie alle gleichermaßen auf authentischen Berichten kenntnisreicher Augenzeugen beruhen.

8. Gute Ortskenntnisse

Außer der Verwendung vieler Ortsnamen beweisen die Evangelisten auch, dass sie gut vertraut sind mit den örtlichen Gegebenheiten. So wurde z.B. nachgewiesen, dass es in Jericho (im Gegensatz zu anderen Regionen) tatsächlich Maulbeerfeigenbäume gab, wie der Evangelist Lukas in der Geschichte von Zachäus berichtet (Lukas 19, 4). Viele weitere Schilderungen örtlicher Gegebenheiten konnten inzwischen durch archäologische Forschungen bestätigt werden.

9. Frauen, Zweifel, strahlende Engel: Elemente, die niemand erfinden würde

Die Auferstehungsberichte enthalten Elemente, die damals niemand verwendet hätte, wenn er einen Auferstehungsbericht erfunden hätte: So sind in allen Evangelien Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung, obwohl Frauen damals als Zeugen keinerlei Glaubwürdigkeit zugebilligt wurde. Die Evangelien berichten, dass die Jünger selbst dann noch Zweifel an der Auferstehung hatten, als sie Jesus sahen. Das würde niemand betonen, wenn er bei seinen Lesern Zweifel zerstreuen möchte. Seltsam ist weiterhin, dass in den Auferstehungsberichten zwar die Engel strahlend und leuchtend dargestellt werden, nicht aber Jesus, obwohl er doch die Hauptperson ist und nicht die Engel. Alle das würde man in erfundenen Geschichten nicht erwarten.

10. Unterschiedliche Erzählungen, aber identische Kernaussagen und Zitate

Wenn Zeugen sich untereinander absprechen merkt man das an den allzu identischen Zeugenaussagen. Echte unabhängige Zeugenaussagen sind normalerweise ziemlich unterschiedlich aufgrund der verschiedenen Perspektiven und der verschiedenen Wahrnehmung. Wären die Auferstehungsberichte der 4 Evangelien vollkommen identisch müsste man davon ausgehen, dass sie entweder geglättet oder alle von 1 einzigen Zeugenaussage kopiert wurden. Jedoch gibt es in den Berichten erhebliche Unterschiede, was belegt: Hier liegen definitiv unabhängige Zeugenaussagen vor. Trotzdem sind die Kernaussagen der Berichte identisch und auch die scheinbaren Widersprüche lassen sich bei genauem Hinsehen durchaus erklären und harmonisieren. Außerdem gibt es v.a. bei Zitaten einige fast wortwörtliche Übereinstimmungen (z.B. kommt der Satz „Er ist nicht hier; er ist auferstanden“ sowohl bei Matthäus, Markus als auch bei Lukas vor). Dieses Muster aus Unterschieden und Übereinstimmungen spricht stark dafür, dass hier unabhängige Zeugen vom gleichen Geschehen berichten.

11. Passende, sich ergänzende Details in verschiedenen Berichten

Ein Vergleich der 4 Berichte in den 4 Evangelien zum Wunder der Brotvermehrung zeigt: Die Berichte enthalten Details, die für sich genommen belanglos erscheinen, insgesamt aber ein schlüssiges Gesamtbild ergeben:

  • Markus 6, 39 / Johannes 6, 10: Es gibt viel grünes Graß
  • Markus 6, 31: Viele kamen und gingen.
  • Johannes 6, 4: Es war Passahzeit (also eine Zeit, in der Viele unterwegs sind, um nach Jerusalem zu pilgern. Und eine Zeit am Ende der niederschlagsreichen Phase, in der es viel grünes Graß gab).
  • Johannes 6, 5: Jesus fragt Philippus, wo man Brot kaufen kann
  • Johannes 6, 7-8: Philippus und Andreas antworten
  • Lukas 9, 10: Die Brotvermehrung spielte sich nahe Bethsaida ab
  • Johannes 1, 44: Philippus und Andreas kommen aus Bethsaida (also kein Wunder, dass Jesus gerade Philippus fragt und warum er und Andreas antworten)

Dass sich die im jeweiligen Text enthaltenen scheinbar belanglosen Details zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen lassen spricht in besonderem Maße für die Authentizität der Berichte.

Fazit: Die genannten Fakten stellen im strengen Sinn natürlich keine Beweise für die Verlässlichkeit der Berichte des Neuen Testaments dar. Aber Tatsache ist: Wenn sie vor der Niederschrift erst über viele Stationen weiter gegeben und dabei durch Betrug oder Inkompetenz verfälscht worden wären, dann würde man einen solchen Befund keinesfalls erwarten. Die Berichte des Neuen Testaments weisen vielmehr durchgängig alle Eigenschaften von frühen authentischen Augenzeugenberichten auf. Es gibt keinen sachlichen Grund, ihre Vertrauenswürdigkeit in Frage zu stellen.

*: Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf 2 Vorträgen von Dr. Peter J. Williams:

Warum wir der Bibel vertrauen können 10: Der göttliche Anspruch

Allein schon aufgrund der Schönheit der Bergpredigt halten viele Menschen Jesus für einen weisen Lehrer. Auch Paulus, Petrus oder die alttestamentlichen Propheten würden nicht wenige Zeitgenossen so einstufen. Das Problem dabei ist: Jesus sah sich selbst nie als einen weisen Lehrer, ebenso wenig Paulus, Petrus oder die Propheten. Vielmehr nehmen alle biblischen Autoren für sich in Anspruch, dass ihre Aussagen direkt von Gott kommen. So sahen sich Mose und die alttestamentlichen Propheten als direkte Sprachrohre Gottes. Paulus betonte, dass seine Lehre nicht menschlich sondern eine direkte Offenbarung Gottes ist. Jesus sah sich gar selbst als Gott. Aufgrund dieses göttlichen Anspruchs wurde er gekreuzigt!

Es gab viele kluge Lehrer in der Geschichte. Aber keiner von ihnen sagte von sich selbst, dass er Gottes Worte verkündigt oder Gott ist. Somit geben uns die Texte der Bibel nicht die Möglichkeit, sie als weise menschliche Lehre einzuordnen. Es bleiben uns stattdessen nur 3 Optionen im Umgang mit der Bibel:

  1. Die Bibel ist das Werk von religiösen Schwärmern und Spinnern, die sich selbst oder ihre Botschaft für göttlich hielten.
  2. Die Bibel ist der größte und dreisteste Betrugsfall der Weltgeschichte.
  3. Die Bibel ist tatsächlich Gottes Wort.

Angesichts der komplexen und ausgefeilten Theologie und der herausragenden Ethik stellt sich in Bezug auf Option 1 natürlich die Frage: Kann das wirklich das Werk durchgeknallter religiöser Spinner sein? Mir scheint, dass das niemand ernsthaft annehmen kann.

Bleibt also die Option des großen Betrugs, dessen Ausmaß und Heimtücke man sich kaum vorstellen kann: Zahlreiche Menschen waren daran beteiligt. Sie alle müssen – teilweise in Absprache miteinander – entschlossen gewesen sein, das Volk Israel bzw. sogar die ganze Weltbevölkerung an der Nase herumzuführen und ihnen eine große religiöse Geschichte aufzutischen, die in Wahrheit nichts als ein Märchen ist. Schon Mose hätte damit begonnen, als er die 10 Gebote heimlich verfasst hat (u.a. mit dem Gebot, dass man nicht lügen darf!) und sie dann dem Volk Israel als von Gott selbst geschriebene Tontafeln verkaufte. Extrem dreist waren die alttestamentlichen Propheten, die zwar selbst Gottes Stimme nicht hören konnten aber permanent vor falschen Propheten warnten, die genau das gleiche taten wie sie selbst. Ebenso schlimm waren die jüdischen Gelehrten, die die prophetischen Texte im Nachhinein adelten durch das heimliche Einfügen angeblicher Vorhersagen. Am meisten fassungslos machen muss uns jedoch der gemeinsame Komplott der Jünger Jesu, als sie die Story von der Auferstehung, den Wundern, der Jungfrauengeburt in Betlehem und den Lehren und Vorhersagen Jesu erfanden und gemeinsam in alle Welt hinaustrugen.

Die großen Probleme dieser Lügentheorie haben wir ja bereits besprochen: Wer hatte etwas von all diesen Lügen? Und ist es überhaupt denkbar, dass ein Werk mit einer so komplexen Theologie und herausragenden Ethik von einer Horde Betrüger verfasst wurde?

Wir können diese Fragen mit naturwissenschaftlichen Mitteln niemals endgültig klären. Aber nüchtern gesehen muss man anerkennen: Die erfolgreiche Verbreitung in der Region und der Zeit der Augenzeugen, die zahllosen erfüllten Vorhersagen, die durchgängige Geschichte, das zutreffende Menschen- und Weltbild, das einzigartige Gottesbild und die herausragende Ethik kombiniert mit dem göttlichen Anspruch passt weder zu klugen Theologen noch zu religiösen Spinnern oder Betrügern. Übrig bleibt dann aber nur die Erklärung, dass hier tatsächlich Gott gesprochen hat.

All das belegt: Der christliche Glaube basiert nicht auf Märchen, Legenden oder Phantasie. Er kann sich auf Fakten berufen: Auf ein leeres Grab, auf zahlreiche Zeugen, die für diese Botschaft ihr Leben ließen und auf ein Buch, das in der Welt seinesgleichen sucht.

C.S. Lewis war einer der größten englischen Autoren und Literaten des 20. Jahrhunderts. Er war ein Freund Tolkiens und hat die berühmten Narnia-Bücher verfasst. Im Lauf seines Lebens hat er sich durch die Beschäftigung mit der Bibel vom Atheismus zum Christentum bekehrt. Ich möchte mein Plädoyer für die Vertrauenswürdigkeit der Bibel beschließen mit einem Zitat aus seinem Buch „Pardon – ich bin Christ“. Darin begründet dieser kluge Denker seine Hinwendung zum christlichen Glauben mit den folgenden Sätzen:

„Damit versuche ich, jedermann vor dem wirklich läppischen Einwand zu bewahren, er sei zwar bereit, Jesus als großen Morallehrer anzuerkennen, aber nicht seinen Anspruch, GOTT zu sein. Gerade das können wir nicht sagen. Ein Mensch, der nur ein Mensch ist, der solche Dinge wie Jesus sagt, wäre kein großer Morallehrer. Er wäre entweder ein Irrer – (auf der Ebene eines Menschen, der sagt, er wäre ein gekochtes Ei) – oder der Satan in Person. Wir müssen uns deshalb entscheiden: Entweder war (und ist) dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Man kann ihn als Geisteskranken einsperren, man kann ihn verachten oder als Dämon töten. Oder man kann ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber man kann ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht, diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen.

So stehen wir nun vor einer erschreckenden Alternative. Entweder war (und ist) dieser Mann, von dem wir reden, genau der, der er zu sein behauptete, oder er war ein Irrer, wenn nicht Schlimmeres. Nun scheint es mir allerdings klar, dass er weder ein Irrer noch ein Teufel war; das bedeutet dann aber, dass ich anerkennen muss, dass er Gott war und ist – auch wenn mir das seltsam oder furchterregend oder einfach unwahrscheinlich vorkommt. Gott ist in menschlicher Gestalt auf diese feindbesetzte Erde gekommen.“

Warum wir der Bibel vertrauen können 9: Die herausragende Ethik

Unbestritten ist die Bergpredigt ein Meisterwerk der Weltliteratur. Jesu Lehre über die Feindesliebe war und ist bis heute so revolutionär, dass selbst Angehörige anderer Religionen sich davon inspirieren und prägen ließen und sie als ultimativen Maßstab für moralisches Handeln sehen.

Unbestritten ist ebenso, dass es kein Regelwerk gibt, das eine vergleichbare Ausstrahlung auf die gesamte Menschheit hat wie die mosaischen 10 Gebote. Noch viele weitere biblische Passagen gelten im Bereich der Ethik bis heute als grundlegend:

  • Mit der Lehre, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, hat die Bibel die Grundlage für die individuelle, unveräußerliche Würde jedes Menschen gelegt. Rassismus und Diskriminierung sind mit der Bibel nicht vereinbar, weil alle Menschen gleichermaßen Geschöpfe Gottes sind.
  • „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ Dieser Ausspruch Jesu ist als die „goldene Regel“ berühmt geworden und gilt als ethischer Grundpfeiler.
  • Mit seiner Lehre über Vergebung (z.B. im Vater Unser) hat Jesus die Grundlage für Versöhnungsprozesse gelegt.
  • Jeus Lehre über praktizierte Nächstenliebe (z.B. im Gleichnis vom barmherzigen Samariter) legte die Grundlage für Diakonie und praktizierte Mitmenschlichkeit.
  • Die Fußwaschung ist bis heute DAS Zeichen, dass Leiter ihre Untergebenen nicht beherrschen sondern dienen sollen (weshalb wir heute Regierungs­mitglieder „Minister“ = „Diener“ nennen).
  • Selbst das alttestamentliche Prinzip von „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ erweist sich bei genauer Prüfung nicht als archaisches Faustrecht sondern als ein gewaltiger Fortschritt in der Rechtsgeschichte, weil hier das verbreitete Prinzip der Blutrache („Ich bringe Dich um, wenn Du mich schlägst“) durch eine Verhältnismäßigkeit von Vergehen und Strafe ersetzt wurde.

In seinem „Buch der Mitte“ hat der indische Philosoph Vishal Mangalwadi eindrucksvoll nachgewiesen, dass die enormen Fortschritte in Technik, Wissenschaft, Wirtschaft, Demokratie bis hin zum Gesundheitswesen und den Frauenrechten in der westlichen Welt letztlich alle auf den Einfluss der Bibel zurückzuführen sind.

Trotzdem steht die Bibel heute im Verdacht, überkommene ethische Maßstäbe zu lehren, vor allem im Bereich der Sexualethik. Die Forderung, Sexualität ausschließlich im Rahmen einer Ehe zwischen Mann und Frau auszuleben und sich ein Leben lang treu zu bleiben gilt seit dem Siegeszug der „sexuellen Befreiung“ als veraltet. Moderne Sexualkunde propagiert vielmehr die gleichberechtigte Vielfalt unterschiedlichster Lebensentwürfe und Sexualpraktiken. Statt Jugendliche zu lebenslangen Treuepartnerschaften zu ermutigen gilt die „traditionelle“ Familie bestenfalls noch als ein Modell von vielen. Aber ist das gegenüber der biblischen Sexualethik wirklich ein Fortschritt?

Bekanntermaßen sind die Versuche der sog. „68iger“, die traditionelle Familie durch kommunitäre Strukturen zu ersetzen, kläglich und schmerzlich gescheitert. Experten machen im Rahmen der sog. Bindungsforschung immer lauter darauf aufmerksam, dass die Geborgenheit bei festen Bezugspersonen für eine gesunde Entwicklung eines Kindes absolut essenziell ist. Wenn Familien zerbrechen oder gar nicht erst entstehen hat das zwangsläufig massive Auswirkungen auf die nächste Generation.

Anfang der 1930er Jahre beschäftigte sich der Anthropologe und Ethnologe Joseph D. Unwin mit der Frage, welche Konsequenzen es hat, wenn eine Gesellschaft ihre moralischen Normen zugunsten von sexueller Freizügigkeit aufgibt. Die Ergebnisse seiner Analyse von 86 verschiedenen Gesellschaften überraschten ihn selbst: Unwin fand einen strikten Zusammenhang zwischen dem Maß an sexueller Regulierung und dem Grad an kultureller Entwicklung. Aufsteigende Kulturen waren demnach stets geprägt von vorehelicher Keuschheit und Monogamie. Nach Einführung von sexueller Freizügigkeit dauerte es nach seiner Beobachtung höchstens 3 Generationen, bis ein kultureller Abstieg folgte. Sollte sich das bestätigen wäre es nur ein weiteres Beispiel dafür, wie herausragend und heilsam die Ethik der Bibel in Wahrheit ist.

Das führt zu der Frage: Woher hat dieses uralte Buch nur all diese beeindruckenden Weisheiten für ein gelingendes Zusammenleben der Menschen? Woher hat es diese ungeheure Ausstrahlung, die bis heute die Welt weit mehr beeinflusst und mehr Menschen fasziniert als jedes andere Buch? Die weitaus schlüssigste Erklärung ist für mich: Dieses Buch stammt von dem, der uns als unser Schöpfer besser kennt als jeder Andere und der deshalb genau weiß, wie unser Zusammenleben am besten funktioniert. Wir tun gut daran, auf dieses Buch zu hören!

Warum wir der Bibel vertrauen können 10: Der göttliche Anspruch

Vertiefend zu diesem Thema:

Warum wir der Bibel vertrauen können 8: Das einzigartige Gottesbild

Keine Land hat mich je so fasziniert wie Israel. Aber traurig fand ich, dass viele Plätze, an denen Jesus gewirkt hatte, heute überbaut sind mit prächtigen Kirchen. Überall sieht man Marmor, Gold und Silber, so als ob die Kirchenbauer die Armut und Einfachheit Jesu im Nachhinein korrigieren und Jesus den Pomp, Glanz und Gloria verleihen wollten, der sich aus ihrer Sicht wohl gehört für einen König.

Ganz offensichtlich tun wir Menschen uns enorm schwer damit, wie Jesus war. Er hat die menschlichen Vorstellungen von einem Herrscher vollkommen auf den Kopf gestellt:

Das Bild, das Jesus von Gott zeichnete, war revolutionär. Niemand konnte sich Gott damals als einen Vater vorstellen, der uns Menschen trotz völligem Versagen voller Liebe entgegenrennt, bedingungslos vergibt und ein rauschendes Fest mit uns feiert (Lukas 15, 11-32).

Während Religion überall in der Welt bedeutet, dass Menschen die unterschiedlichsten Dinge tun müssen, um vor Gott bestehen zu können ist es beim Gott der Bibel genau umgekehrt: ER erniedrigt sich und tut am Kreuz selbst alles, damit wir vor Gott bestehen und in einer Liebesbeziehung mit ihm leben können!

Die große Frage ist: Wie ist dieses einzigartige Bild vom liebenden Vater-Gott sowie die Theologie vom stellvertretenden Sühnetod seines Sohnes und von der Erneuerung des menschlichen Herzens durch den Heiligen Geist entstanden? Wer hat das erfunden und warum?

Die Juden hatten ja etwas völlig Anderes erwartet, nämlich einen mächtigen Messias, der die Römer vertreibt. Als Jesus den von Gott verfluchten Tod am Kreuz starb war das für die führenden Juden der endgültige Beweis dafür, dass Jesus definitiv nicht der Messias sein konnte. Tatsächlich galt das Kreuz in der Antike als so entehrend, ekelerregend und abstoßend, dass es in der Urkirche nicht gezeigt wurde (es wurde erst im 5. Jahrhundert das Symbol der Christen). Und für die Griechen war die Idee eines sterbenden Gottes ohnehin absurd. Kein Wunder, dass Paulus schrieb, dass die Botschaft vom Kreuz in den Augen seiner Zeitgenossen ein Ärgernis und eine Torheit war!

Fakt ist: Wir finden weder zur Zeit Jesu noch davor vergleichbare theologische Ideen außerhalb der Bibel.* Die Lehre des Neuen Testaments scheint wahrhaft vom Himmel gefallen zu sein. Das legt nahe, dass dieses einzigartige Gottesbild tatsächlich kein Produkt menschlicher Phantasie ist, sondern dass es offenbart wurde von dem einen Gott, der allein weiß, wie und wer er wirklich ist.

Warum wir der Bibel vertrauen können 9: Die herausragende Ethik

*: Insbesondere der Mithraismus und die Sekte der Essener wurden gelegentlich als Vorläufer des Christentums gehandelt, weil es in ihren Lehren und Praktiken einige Parallelen gab, z.B. Riten mit Ähnlichkeiten zum Abendmahl und zur Taufe, Güterteilung oder Nächstenliebe. Die Unterschiede sind aber so gewaltig, dass sich solche Ansichten zurecht nie durchsetzen konnten. Insbesondere die oben angesprochenen zentralen Lehren des Christentums findet man auch bei diesen Glaubensrichtungen nicht. Kein Wunder, dass sie im Neuen Testament nirgends erwähnt werden.