Warum das Design-Argument ein Gamechanger ist!

Es tut sich etwas in der wissenschaftlichen Welt. Die „Gott-Hypothese“ kehrt zurück.[1] Und eine entscheidende Rolle spielt dabei das Design-Argument. Doch leider wird die Bedeutung, die Tragweite und die Wucht dieses Arguments bislang in unseren Breitengraden noch eher selten erkannt – leider auch von Christen und Theologen. Dabei rüttelt das Design-Argument an einem der grundlegendsten Paradigmen, das die akademische Welt über ein Jahrhundert dominiert hat.

Knapp zusammengefasst lautet dieses Paradigma: Seriöse Wissenschaft rechnet ausschließlich mit innerweltlichen, naturgesetzlich erklärbaren Ursachen. Damit wird nicht nur gesagt, dass Wissenschaft göttliche Eingriffe mit ihren Methoden nicht erfassen kann. Das Paradigma verlangt vielmehr, dass göttliche Eingriffe als Erklärung prinzipiell ausgeschlossen werden! Das gilt nicht nur für die Erforschung unserer geschaffenen Welt sondern auch für die Erforschung des Ursprungs der Welt, für die Erforschung des menschlichen Geistes und für die Erforschung der Bibel – mit allen weitreichenden Konsequenzen für unser Welt- und Menschenbild sowie für die Theologie, das Bibelverständnis, die Exegese und die Verkündigung in den Gemeinden.[2]

Das Problem war bisher: Der von diesem Paradigma geprägte Wissenschaftsbegriff galt vielfach als derart selbstverständlich, dass er kaum thematisiert geschweige denn hinterfragt wurde.[3] Dabei ist dieses Paradigma noch nie bewiesen worden. Philosophisch wurde es schon des Öfteren in Frage gestellt.[4] Wenn sich jetzt auch noch in den unterschiedlichsten naturwissenschaftlichen Fachdisziplinen[5] das Bild verfestigt, dass die Entstehung des Universums und des Lebens unmöglich allein durch innerweltliche Prozesse erklärt werden kann, dann ist die Vorstellung von einer Welt als geschlossenem System, in dem jede beobachtete Wirkung grundsätzlich auf eine natürliche, innerweltliche Ursache zurückgeführt werden kann, auch aus naturwissenschaftlichen Gründen passé. Dann ist klar: Wir befinden uns in Wahrheit in einer offenen Welt, die einerseits wohlgeordnet ist, in die ihr Ordnungsgeber aber auch eingreifen kann. Denn genau das hat er gemäß dem Design-Argument ja offenkundig bereits getan, und zwar nicht nur am Anfang der Weltgeschichte. Die Entstehung des Lebens wird ja gerade im konventionellen Modell nicht am Beginn, sondern erst lange Zeit nach der Entstehung des Universums angenommen. Das Design-Argument zeigt also: Im Verlauf der Weltgeschichte muss es „geistige Verursachungen“ gegeben haben!

Wenn das stimmt, dann ist es nicht mehr länger sachgemäß, die Option historischer Schöpfungsakte als „unwissenschaftlich“ darzustellen und grundsätzlich vom Diskurs in der biologischen Ursprungsforschung auszuschließen. Auch in anderen Wissenschaftsbereichen ergeben sich neue Möglichkeiten:

  • In der Neurologie kann wieder offen die Option diskutiert werden, dass der menschliche Geist nicht nach dem Ursache-Wirkungsprinzip einer chemischen Maschine funktioniert sondern wesensmäßig immaterieller Natur sein könnte und damit auch einen freien Willen und eine die Zeit überdauernde personale Identität haben kann.[6]
  • In der akademischen Theologie kann wieder offen die Option diskutiert werden, dass biblische Wunderberichte auf tatsächliche, historische Wunder zurückgehen, dass biblische Vorhersagen bereits vor ihrem Eintreffen aufgeschrieben wurden und dass die biblischen Texte gemäß ihrem Selbstanspruch echten Offenbarungscharakter haben könnten.

Die Konsequenz wäre also, dass die wissenschaftliche Welt ihre Suche nach Wahrheit deutlich ergebnisoffener betreiben könnte. Es müsste keinen grundsätzlichen Gegensatz mehr geben zwischen wissenschaftlichem Arbeiten und dem Glauben an Gott. Mehr noch: Christen dürften wissen, dass es für ihren Glauben auch gute naturwissenschaftliche Argumente gibt. Und sie hätten einen weiteren Grund, der Bibel zu vertrauen. Denn schließlich lehrte uns die Bibel schon immer drei Dinge über die Welt, die durch das Design-Argument jetzt ganz neu bestätigt werden:

  1. Wir leben in einer geschaffenen Welt.
  2. Schöpfer und Schöpfung sind strikt getrennt.
  3. Gott kann punktuell in den Lauf der Welt eingreifen.

Es war dieses biblische Weltbild, das die Erfolgsgeschichte der Wissenschaft einst in Gang gesetzt hat[7]. Gerade der Glaube an einen intelligenten „Gesetzgeber“ hatte Wissenschaftspioniere wie Newton, Kopernikus oder Kepler dazu motiviert, nach Naturgesetzen zu suchen. Heute bestätigt das Design-Argument erneut, dass das biblische Weltbild eine sehr gute Grundlage für fruchtbare Wissenschaft bietet.

Deshalb bin ich so dankbar für das von Reinhard Junker und Markus Widenmeyer herausgegebene Buch „Schöpfung ohne Schöpfer?“. Im Artikel „Warum Intelligent Design für Wissenschaft unverzichtbar ist“ hat Junker zentrale Thesen dieses Buchs zusammengefasst. Dabei wird deutlich: Anders als oft behauptet ist das Design-Argument sehr gut begründet, und zwar sowohl wissenschaftlich als auch wissenschaftsphilosophisch. Und es ist auf der Höhe der Zeit! Gerade die neuesten rasanten Entwicklungen in der Molekularbiologie liefern ständig neue Bestätigungen dafür, dass die Entstehung des Lebens und der biologischen Baupläne nicht allein auf ziellose, selbstorganisierende Prozesse zurückgeführt werden können. Die immer offenkundigeren Hinweise auf die kreative Tätigkeit eines intelligenten, zielorientierten Designers können nicht mehr länger einfach vom Tisch gewischt werden, wenn man intellektuell redlich auf die faszinierenden Fakten schauen möchte.

Paulus hatte also doch recht, als er schrieb, dass die Schöpfung klare Hinweise enthält, dass es einen Schöpfer gibt:

„Seit Erschaffung der Welt haben die Menschen die Erde und den Himmel und alles gesehen, was Gott erschaffen hat, und können daran ihn, den unsichtbaren Gott, in seiner ewigen Macht und seinem göttlichen Wesen klar erkennen.“

(Römer 1, 20)


[1] Siehe dazu das aktuell erschienene Buch von Stephen C. Meyer „Return of the God-Hypothesis“. Hintergrund ist die Erzählung, dass der französische Mathematiker, Physiker und Astronom Pierre-Simon Laplace im frühen 19. Jahrhundert zu Napoleon in Abgrenzung zu Isaac Newton gesagt haben soll: „Gott? Diese Hypothese benötige ich nicht.“

[2] Siehe dazu Markus Till: „Das wunderkritische Paradigma“ (https://blog.aigg.de/?p=5240)

[3] Die Argumente, die zur Durchsetzung des naturalistisch geprägten Wissenschaftsbegriffs geführt haben, werden erläutert und diskutiert in Markus Till: “Außerwissenschaftliche Vorannahmen: Denkvoraussetzungen von Wissenschaftlern und Theologen” (https://blog.aigg.de/?p=4930)

[4] Ein jüngeres Beispiel ist Keil, Geert, Naturgesetze, Handlungsvermögen und Anderskönnen, Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 2007, 55 (6), 929-948.

[5] Das Design-Argument erweist sich nicht nur in der Biologie, sondern auch in der Kosmologie, Physik, Chemie und in der Mathematik als schlagkräftig! Siehe dazu das Buch „Das geplante Universum: Wie die Wissenschaft auf Schöpfung hindeutet“ von Markus Widenmeyer et al. (https://blog.aigg.de/?p=4615)

[6] Siehe dazu das Buch von Markus Widenmeyer: „Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus“

[7] So schrieb z.B. C.S. Lewis: „Die Menschen wurden Wissenschaftler, weil sie Gesetze in der Natur erwarteten, und sie erwarteten Gesetze in der Natur, weil sie an einen Gesetzgeber glaubten.“ Carl Friedrich von Weizsäcker stellte fest: Die moderne Wissenschaft ist „ein Geschenk, ich hätte auch sagen dürfen, ein Kind des Christentums.“

 

Warum „Intelligent Design“ für Wissenschaft unverzichtbar ist

Von Reinhard Junker

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Wenn Wissenschaftler die Geschichte des Lebens, der Erde oder des ganzen Kosmos rekonstruieren möchten, arbeiten sie ähnlich wie ein Kriminalkommissar, der ein vergangenes Geschehen aufzuklären hat und die Umstände herausfinden möchte, die zu einem Todesfall führen. War es Mord oder Selbstmord oder trat der Tod auf natürlichem Wege ein? Das vergangene Geschehen ist der direkten Beobachtung entzogen; wir können es nicht wiederholen, auch wenn einzelne Aspekte, die gesetzmäßigen Charakter haben, experimentell zugänglich sein können (der Kriminalist kann z. B. anhand von Zerfallsprozessen an der Leiche den Todeszeitpunkt ziemlich genau bestimmen). Wenn glaubwürdige Augenzeugen fehlen, ist nur ein Indizienbeweis möglich, um eine stimmige Erklärung der am Tatort gefundenen Indizien zu erhalten; im Idealfall gibt es nur eine einzige widerspruchsfreie Erklärung und der Fall ist gelöst, zumindest nach bestem Wissen. Unter Umständen bleibt der Fall aber mangels Beweisen ungelöst, weil die Indizien zu mehreren Szenarien passen (und kein Geständnis vorliegt).

Wenn der Kriminalkommissar seine Arbeit korrekt – und damit insbesondere unvoreingenommen – macht, berücksichtigt er alle zugänglichen Indizien, um zu einem möglichst umfassenden Gesamtbild zu kommen, und er wird allen Spuren und Verdachtsmomenten nachgehen. Das heißt: Er ist für alle möglichen Antworten offen. Ein Kommissar, der eine der möglichen Erklärungen grundsätzlich ausschließen würde, hat seinen Beruf verfehlt. Oder was würden Sie von einem Kommissar halten, der „Mord“ von vornherein ausschließen würde mit der „Begründung“, es müsse unter allen Umständen eine Erklärung dafür geben, dass der Tod auf natürlichem Wege eingetreten sei? Die Möglichkeit, dass es einen Täter gab, der absichtsvoll gehandelt hat, dürfe nicht berücksichtigt werden?

Muss „Schöpfung“ ausgeschlossen werden?

Die Aufklärung der Entstehung des Lebens und zur Geschichte der Lebewesen ist mit einem Kriminalfall vergleichbar: Ein vergangenes Geschehen soll anhand von Indizien aufgeklärt werden. Und wenn kein Augenzeugenbericht vorliegt, sind die Indizien die einzigen Wegweiser.[1] Aber erstaunlicherweise geht die überwältigende Mehrheit der heutigen Biologen in ihren Forschungen zum Ursprung der Lebewesen so vor wie ein Kommissar, der eine geplante Handlung eines Täters grundsätzlich ausschließt. Die Möglichkeit, dass ein Schöpfer absichtsvoll gehandelt hat und dass dies die korrekte Erklärung für die Existenz von Lebewesen ist, wird prinzipiell ausgeschlossen.[2] Selbst wenn es deutliche Spuren gibt, die auf einen Schöpfer hinweisen, werden diese gewöhnlich nicht verfolgt. So schreibt Scott Todd (1999) in der Wissenschaftszeitschrift Nature: „Selbst wenn alle Daten auf einen intelligenten Schöpfer weisen, würde eine solche Hypothese aus der Wissenschaft ausgeschlossen werden, weil sie nicht naturalistisch ist.“ Der Genetiker Richard Lewontin (1997) hat sich ähnlich geäußert: „Wir sind … durch unsere von vornherein getroffene Grundsatzentscheidung für den Materialismus dazu gezwungen, Forschungsansätze und Erklärungskonzepte zu entwickeln, die sich auf materialistische Erklärungen beschränken. Dabei spielt es keine Rolle, wie sehr sie der Intuition der Nichteingeweihten entgegenstehen oder ob sie ihnen rätselhaft erscheinen. Darüber hinaus ist dieser Materialismus absolut, denn wir können keinen göttlichen Fuß in der Tür zulassen.“

Diese Zitate besagen: Die Wissenschaftlergemeinschaft sei faktisch darauf festgelegt, dass es auf alle Ursprungsfragen eine naturalistische bzw. materialistische Antwort geben muss. Mit „naturalistisch“ ist hier gemeint, dass ausschließlich natürliche Vorgänge den betreffenden Naturgegenstand hervorgebracht haben und die Möglichkeit einer absichtsvollen, kreativen Verursachung ausgeschlossen ist. Wo Wissenschaftler diese naturalistische Vorannahme treffen, werden nur natürliche Vorgänge in Erklärungen der Entstehung biologischer Gegenstände berücksichtigt und zwar unabhängig von der Beweislage. Dies führt automatisch zu einer Evolutionsanschauung, zur Vorstellung einer allgemeinen Abstammung aller Lebewesen von andersartigen Vorfahren, wobei dieser Evolutionsprozess ohne jede Zielorientierung verlaufen sein soll, wie von Evolutionsbiologen in der Regel deutlich betont wird.[3]

Dass die Beweislage keine Rolle spielt, bringen die Lehrbuchautoren Zrzavy, Storch & Mihukla (2009, 439) wie folgt zum Ausdruck: „Wir wissen es nicht, wir haben keine Ahnung. Wir wissen nur, dass der Darwinismus in der Lage ist, alles zu erklären, und letztendlich irgendeine Erklärung bieten wird, wenn wir das Phänomen wirklich unter die Lupe nehmen würden.“ So ist auch der Biologe Axel Lange (2020, 11) angesichts offener Fragen in der Evolutionsforschung überzeugt: „Antworten, die noch fehlen, wird es irgendwann geben“ und meint damit Antworten im Rahmen des Naturalismus.

Wie wird diese Vorgehensweise begründet?

Sehr oft wird behauptet, dass Wissenschaft das Wirken eines Schöpfers methodisch ausblenden müsse, auch in Fragen des Ursprungs und der erstmaligen Entstehung. Das beruht aber auf einem folgenschweren Denkfehler: Zwar sind naturwissenschaftliche Erklärungen auf naturwissenschaftlich zugängliche Faktoren (d.h. Gesetzmäßigkeiten und Randbedingungen) beschränkt. Ein Schöpfer ist kein solcher Faktor. Falsch ist aber, wenn man daraus schließen wollte, dass alle Erklärungen naturwissenschaftlich sein müssten und also ein Schöpfer auszuschließen wäre. Allein unser Alltagsdenken kennt zwei ganz unterschiedliche Faktoren, durch die wir Dinge erklären: Erstens natürliche Faktoren. Und zweitens geistige oder personale Faktoren, d.h. Personen und ihre Handlungen.

Durch diesen Fehlschluss resultiert für  Ursprungfragen eine inakzeptable Vorentscheidung in der Sache: Von vornherein wird ein planvolles und zielorientiertes Handeln eines Schöpfers ausgeschlossen. Damit wird insbesondere ein Grundprinzip wissenschaftlichen Arbeitens aufgegeben, nämlich die (unvoreingenommene) Suche nach der zutreffenden Antwort.[4] Stattdessen wird die „beste“ naturalistische Antwort gesucht – „beste“ in Anführungszeichen, weil alle naturalistischen Antworten falsch sein könnten und falsche Antworten nie die besten sein können.

Die Festlegung auf den Naturalismus bildet den weltanschaulichen Hintergrund der Arbeitsweise der institutionalisierten Wissenschaften, oder wenigstens des derzeit dominanten Teils. Ohne Kenntnis dieses Hintergrundes sind aktuelle Diskussionen über evolutionäre Erklärungen und über den Design-Ansatz nicht zu verstehen.

Wir wollen noch genauer auf den erwähnten Fehlschluss eingehen. Er besteht darin, dass der Bereich, in dem per definitionem oder zumindest aus guten Gründen naturwissenschaftliche Methoden anzuwenden sind, auf andere oder gar alle Sachbereiche ausgedehnt wird. Wo sind per definitionem naturwissenschaftliche Erkenntnismethoden anzuwenden? Dies sind experimentelle Zusammenhänge. Hier geht es darum, in kontrollierbaren Experimenten gesetzmäßige, also in diesem Sinne rein natürliche Zusammenhänge herauszuarbeiten. Denn das ist der Sinn und Zweck naturwissenschaftlicher Experimente. Aus guten Gründen werden wissenschaftliche Methoden angewandt, wo wir aus hinreichend ähnlichen, paradigmatischen Beispielen wissen, dass sie akkurat anwendbar sind. Beispiele sind Planentenbewegungen, chemische Reaktionen, Mechanik oder Elektrizität.

Beides trifft bei der Frage um Schöpfung vs. natürliche Entstehung (Evolution) nicht zu: Hier geht es in erster Linie nicht um experimentelle Wissenschaft und es geht nicht um Fälle, die den genannten paradigmatischen Fällen hinreichend ähnlich sind. Stattdessen steht die Frage nach der erstmaligen Entstehung von ganz besonderen Naturgegenständen im Raum: Wie entstanden erste Lebewesen, wie entstanden komplex-funktionale Konstruktionen der Lebewesen wie z. B. molekulare Nano-Maschinen in den Zellen oder eine flugtaugliche Vogelfeder? Für Lebewesen und ihre Konstruktionen sind dabei ganz andere Gegenstände paradigmatisch, nämlich insbesondere maschinenartige Gebilde. Alle Gegenstände dieser Art, deren Ursprung uns bekannt ist, kamen aufgrund des Einsatzes von Intelligenz und Planung ins Dasein.[5] In den weitgehend experimentellen, empirischen[6] Naturwissenschaften ist eine methodische Beschränkung auf natürliche, gesetzmäßig beschreibbare Ursachen und Ursache-Wirkungszu­sam­menhänge erforderlich.[7] Im günstigen Fall kann dadurch herausgefunden werden, was natürliche Prozesse zu leisten vermögen. Ob und wie in den regelhaft verlaufenden natürlichen Prozessen Gottes Wirken zu Buche schlägt, kann hier methodisch ausgeblendet werden und darüber kann auch mit der empirischen Methode der Naturwissenschaften nichts ausgesagt werden.[8]

Ganz anders ist die Situation, wenn es um Ursprungsfragen geht, um Fragen der erstmaligen Entstehung und somit um ganz bestimmte einmalige Vorgänge in der Vergangenheit. Diese Vorgänge kann man nicht experimentell untersuchen. Sie müssen anhand von Indizien rekonstruiert werden.

Bei der Ermittlung relevanter Indizien zur Aufklärung der Entstehung des Lebens und seiner Baupläne spielt Naturwissenschaft natürlich trotzdem eine unverzichtbare Rolle: Naturwissenschaftliche Forschung liefert die erforderlichen Indizien: Wie sind die Lebewesen aufgebaut und welche Prozesse des Lebens sind bekannt? Unsere Kenntnisse über die Lebewesen sind die Indizien, die zur Lösung des Falles „Schöpfung/Evolution“ herangezogen werden können. Daher ist die verbreitete Einschätzung falsch, dass der „Design-Ansatz“ (Intelligent Design) ein „science stopper“ sei, weil bei offenen Fragen auf einen Schöpfer verwiesen werde. Das stellt die Tatsachen in Wirklichkeit auf den Kopf: Tatsächlich wird jede erdenkliche naturwissenschaftliche Forschung benötigt, um überhaupt mögliche Indizien für einen Schöpfer zu entdecken! Damit ist auch das Lückenbüßer-Argument zurückzuweisen, das häufig gegen den Design-Ansatz vorgebracht wird (s. u.).

Gründe für „Design“

Die naturalistische Weltanschauung ist seit etwa dem 19. Jahrhundert sehr stark im Denken vieler Naturwissenschaftler verankert. Dennoch ist sie nicht im Konzept der Naturwissenschaft enthalten. Das Konzept der Naturwissenschaft beinhaltet die Anwendung der naturwissenschaftlichen Methode in ihrem Bereich, aber nicht die universelle Anwendung auf alle Seinsbereiche. Die empirisch-theoretische Methode der Naturwissenschaft ist daher völlig unabhängig vom weltanschaulichen Rahmen anwendbar: Naturalisten können genauso wie Kreationisten erfolgreich Motoren entwickeln, die Mechanismen bestimmter chemischer Reaktionen erforschen oder Planentenbewegungen berechnen. Darin liegt eine der Stärken dieser Methode. Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen hat sich das Motto „Wissenschaft in einer geschaffenen Welt“ gegeben. Denn gerade in einer intelligent geplanten und geschaffenen Welt sind „intelligente“ Naturdinge zu erwarten, die hochkomplexe, feinabgestimmte Strukturen enthalten, welche vielschichtige Zweck-Mittel-Beziehungen widerspiegeln; und entsprechende empirische Forschungen sind vielversprechend. Von einem intelligenten Schöpfer kann man jedenfalls intelligent gestaltete Werke und Naturabläufe erwarten. Im Rahmen des Naturalismus gibt es dagegen für diese Erwartung keine guten, klaren Gründe.

Daher steht die naturalistische Weltanschauung in Spannung zu einigen systematischen Befunden der Naturwissenschaften, insbesondere der Biologie (um die es in diesem Beitrag geht), aber auch der Physik und Chemie (Widenmeyer 2019). Denn der Wissensfortschritt offenbart zunehmend eine atemberaubende Komplexität und vielfache informationsgesteuerte Prozesse sowie vielfältige Wechselwirkungen und anspruchsvolle Regelkreise bei Organismen. Wir wissen aufgrund der Ergebnisse des ENCODE-Projekts, dass das menschliche Erbgut sehr viel ausgeklügelter aufgebaut ist als man zu Beginn der Jahrtausendwende noch wusste (Borger 2021). Es gibt atemberaubend komplexe und intelligent eingerichtete, flexible Verhaltensweisen bei Tieren. Lebewesen sind plastisch an verschiedene Umweltbedingungen anpassbar, es gibt Redundanzen, Reparaturmechanismen, Puffersysteme und andere generelle Eigenschaften, die nach all unserer Erfahrung ein kaum vorstellbares Ausmaß an Planung erfordern und eine klare Zukunftsorientierung erkennen lassen und somit klare Design-Indizien sind. Denn nur eine handelnde Person kann planen und zukunftsorientiert sein (siehe dazu den Kasten „Der Kern des Design-Arguments“).

Dieser Wissenszuwachs hat Folgen für den Fall „Schöpfung/Evolution“: Durch den immensen Fortschritt der empirischen Forschung der Naturwissenschaftsdisziplin Biologie steigen auch die Anforderungen an eine Erklärung für die Entstehung der Naturgegenstände deutlich an. Die Hinweise auf Planung und Zielsetzung und damit die Anlässe, „Design“ bzw. „Schöpfung“ als Erklärung in Betracht zu ziehen, häufen sich und werden zunehmend stärker. Dagegen bleiben die hinreichend konkretisierten und empirisch belegten natürlichen Evolutionsprozesse, die als Erklärungen in Frage kommen könnten, immer weiter hinter dem Erklärungsziel zurück.

Die Folge ist: Evolutionstheoretiker legen höchst vage Modelle vor, die die wesentlichen Fragen nicht beantworten, sie setzen das Erklärungsziel herab, indem das, was zu erklären ist, nur ziemlich unscharf formuliert wird (s. das Beispiel „Vogelfeder“ weiter unten). Nicht selten werden darüber hinaus handelnde Pseudosubjekte eingeführt. Zwei aktuelle Beispiele: „Die Evolution […] kann schneller reagieren und Evolutionsverläufe verkürzen“ (Lange 2020, 195). „In jüngerer Zeit wird […] von Handlungsinstanzen und Akteuren des Organismus gesprochen“ (Lange 2020, 142). Oder es wird einfach an die Vorstellungskraft appelliert.[9]

Darüber hinaus gibt es ein grundsätzliches methodisches Problem bei Erklärungen zur Entstehung von evolutionären Neuheiten (Makroevolution): Der naturwissenschaftliche Erklärungsbegriff wird stark verwässert, um weiterhin von vermeintlichen evolutionstheoretischen Erklärungen reden zu können. Dies geschieht dadurch, dass die in den Naturwissenschaften verwendete Erklärung eines Sachverhaltes aus Gesetzmäßigkeiten und bestimmten Randbedingungen eingeschränkt oder ganz aufgegeben wird. Manche Wissenschaftler räumen offen ein, dass die Entstehung evolutiver Neuheiten nicht aus Gesetzmäßigkeiten der Natur hergeleitet werden kann. Das heißt aber nichts anderes, als dass die Möglichkeit einer naturwissenschaftlichen Erklärung in Frage gestellt wird und jedenfalls nicht vorliegt.[10]

Insofern Evolutionstheoretiker die Entstehung des Neuen in der Evolution nicht naturwissenschaftlich erklären können (und z. T. das gar nicht als möglich betrachten), ist dies ein weiterer Anlass dafür, dass ein ganz anderer Erklärungstyp – Erklärung durch geistige, kreative Verursachung – mindestens ernsthaft in Betracht gezogen werden sollte. Dieser Erklärungstyp ist eine vollkommen rationale, jedoch natürlich keine  naturwissenschaftliche Alternative (d. h. nicht allein auf der Basis vom Gesetzmäßigkeiten und Randbedingungen erklärend, sondern diese lediglich berücksichtigend). Aber gerade diesbezüglich ist er gegenüber evolutionären Erklärungsansprüchen nicht im Nachteil, da auch diese hier faktisch keine naturwissenschaftliche Erklärung liefern.

Aber genau diese Option der kreativen Verursachung ist in großen Teil der Wissenschaftsgemeinschaft seltsamerweise tabu. „Seltsamerweise“ deshalb, weil dafür keine rationalen Gründe vorgelegt werden konnten. Im Gegenteil: Alle Gegenstände, die aufgrund ihrer komplexen zweckorientierten Beschaffenheit den hier zu erklärenden biologischen Sachverhalten ähneln und deren Ursprung uns bekannt ist, sind durch Planung und Einsatz von Intelligenz entstanden. Entsprechend springen die Anlässe, die Option „Design“ zu erwägen, geradezu ins Auge (s. o.) und Biologen bringen dies auch regelmäßig zum Ausdruck. So definiert Richard Dawkins – einer der profiliertesten Gegner des Gedankens an Planung in der Natur – Biologie als „das Studium komplizierter Dinge, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen worden“ (Dawkins 1987, 13), um anschließend das Design als Illusion zu werten. Auch für Ayala (1994, 4) scheint „das funktionale Design der Organismen und ihrer Eigenschaften … die Existenz eines Designers zu sprechen.“ Ähnliche Zitate finden sich bei vielen Evolutionstheoretikern.[11] Gründe, diesem Anschein eines Designs nachzugehen und offen für einen „Design-Ansatz“ zu sein, gibt es genug.

Das Beispiel Vogelfeder und Vogelflug

Am Beispiel der Erklärung der Entstehung von Vogelfeder und Vogelflug soll diese paradoxe Situation – klare Hinweise auf einen Schöpfer und dennoch dessen Ausschluss – in aller Kürze erläutert werden (ausführlicher bei Junker 2016).

Vogelfedern sind die komplexeste Körperbedeckung im Tierreich und erfüllen vielfältige Funktionen.

Flugfedern sind trotz ihrer erstaunlichen Leichtheit zugleich auch sehr robust, biegsam, drehbar und knickfest. Sie kombinieren also sehr unterschiedliche Eigenschaften. Dafür ist zunächst geeignetes Baumaterial erforderlich. Dieses Material besteht vor allem aus langen Proteinfasern aus einem speziellen Eiweiß-Stoff, dem beta-Keratin, aus dem über 80 % der Feder bestehen. Außerdem muss das Keratin in Federschaft, -ästen und -strahlen auf eine ganz bestimmte, passende Weise „verbaut“ sein. Nur dann weisen die Federn ihre besonderen Eigenschaften auf. Einzelne Faserzüge zweigen in die Federäste ab, die Federäste „wurzeln“ also sozusagen im Schaft. Das trägt zu ihrer Stabilität und Knickfestigkeit bei.

Ganz speziell gebaut sind auch die Federstrahlen, die von den Federästen nach beiden Seiten hin abgehen. Die Hakenstrahlen auf der einen Seite haben winzige Häkchen, die mit den Strahlen des benachbarten Astes wie bei einem Reißverschluss verhaken. Sie schließen dabei so dicht, dass die Federfahne luftundurchlässig ist. Bei zu starker Belastung kann der „Reißverschluss“ kontrolliert aufreißen, ohne dass die Feder beschädigt wird. Der Vogel kann die Feder mithilfe des Schnabels wieder in Ordnung bringen. Auch der Schaft hat es in sich: In seinem Inneren befindet sich ein schaumartiges Netzwerk von Fasern. Diese Fasern sind mit einem chemischen Stoff beschichtet, der Gase bindet. Das führt dazu, dass die Feder unter schwachem Druck steht. So kann sie nicht so leicht geknickt werden und springt nach einer Verbiegung in die normale Form zurück.

Aber selbst die allerbesten Federn ermöglichen noch lange keinen Flug. Es wird auch eine zweckmäßige Verankerung im Körper benötigt. Die Federn dürfen nicht zu locker und nicht zu fest sitzen. Dafür sorgen Bindegewebe und Fettpolster. Am eingesenkten Teil der Feder, der Federspule, setzt ein Muskelgeflecht an. Damit können die Federn koordiniert bewegt werden. Für die Funktion dieser Muskeln sind wiederum Blutgefäße und Verbindungen zu den Nervenbahnen nötig. Außerdem registrieren Sinneskörperchen und spezielle Fadenfedern die Positionen der einzelnen Federn. Diese Positionsinformation wird genutzt, um die gerade passenden Federbewegungen auszulösen.

Außerdem muss insgesamt ein funktionsfähiges Federkleid ausgebildet sein, vielfältige Steuerungsmechanismen und Koordination der Bewegungen, eine entsprechende Gehirnorganisation und anderes mehr.

Aufgrund der vielfältigen Verflechtungen vom Baumaterial bis zur Bewegungssteuerung weisen viele Forscher auf den Aspekt der Synorganisation hin. Die einzelnen Module und Ebenen können nicht isoliert voneinander verstanden werden und auch nicht isoliert entstanden sein. In Summe haben wir mit dem Federkleid eine Gesamtorganisation vor uns, die insgesamt bezüglich der Flugfähigkeit in wesentlichen Teilen nichtreduzierbar komplex erscheint und ein klares Design-Indiz (vgl. Kasten „Der Kern des Design-Arguments“) darstellt, weil zahlreiche typische Merkmale für eine kreative Entstehung vorliegen.

Evolutionäre Entstehungsmodelle beinhalten 5–8 hypothetische Stadien von einem haarartigen Auswuchs bis zur asymmetrischen flugtauglichen Feder. Solche Modelle sind viel zu grob und zu vage und daher völlig ungeeignet, eine evolutive Entstehung zu erklären, denn sie berücksichtigen die zahlreichen Details und Wechselbeziehungen nicht einmal ansatzweise. Man kann leicht zeigen, dass die Unterschiede von Stadium zu Stadium viel zu groß sind, um sie durch kleinschritte Veränderungen erklären zu können, die auf richtungslosen Mutationen und zukunftsblinder Selektion beruhen (Details dazu bei Junker 2017).

Ähnlich ist die Situation bezüglich der Entstehung des Vogelflugs. Hier stehen sich klassischerweise die Cursorial- und die Arborealhypothese gegenüber, d. h. eine Entstehung des Vogelflugs vom Boden aus (schnelles Laufen) oder von Bäumen aus (beginnend mit Sprüngen), in jüngerer Zeit auch Mischhypothesen aus diesen beiden Ansätzen. Eine Analyse der Kriterien, mit denen die Theoriekonkurrenten getestet werden, zeigt, dass viele gar nicht als Tests geeignet sind, weil sie zu vage sind und nicht den in Rede stehenden Vorgang der Flugentstehung testen, sondern nur Rahmenbedingungen. Weiterhin wird häufig mit Kritik am Konkurrenzmodell argumentiert, was aber nicht als Test und auch nicht als positives Argument für die eigene Hypothese gelten kann. Gegen alle diskutierten Vogelflug-Entstehungsmodelle gibt es eine Fülle von schwerwiegenden Einwänden, von denen die meisten schon für sich alleine das jeweilige Modell in Frage stellen (Junker 2017). Erklärungsversuche im Rahmen des Naturalismus sind daher bisher faktisch gescheitert. Es sind keine regelhaften oder gar als Naturgesetze beschreibbaren biologischen Zusammenhänge bekannt, die eine natürliche Entstehung flugtauglicher Federn, des Vogelflugs und der damit zusammenhängenden Synorganisationen plausibel machen.

Vor diesem Hintergrund kann man sagen: Die evolutionären Modelle zur Entstehung von Federn von Flug bleiben nur deshalb im Rennen, weil die grundsätzliche Alternative einer Schöpfung ausgeschlossen wird. Bestünde Offenheit für die Option „Schöpfung“, müsste die Indizienlage im Rahmen eines Vergleichs zwischen Schöpfung und natürlicher Evolution bewertet werden und nicht alleine innerhalb des Naturalismus. Und bei diesem Vergleich hätte der Ansatz „Schöpfung“ folgende Argumente (bzw. Design-Indizien) auf seiner Seite:

  • Die ausgeprägte Synorganisation der Federstruktur samt Follikel, Federmuskeln, Sinnesorganen in der Haut ist ein klares Schöpfungsindiz. Denn es müssen viele Aspekte und Details über mehrere Ebenen hinweg aufeinander abgestimmt sein, damit Flugtauglichkeit gewährleistet ist. Natürliche, geistlose Mechanismen sind nach allem, was wir wissen, mit der dafür erforderlichen Koordination überfordert.
  • Die Flugtauglichkeit der Federn – so anspruchsvoll die Voraussetzungen dafür sind – ist aber nur eine notwendige und noch keine hinreichende Voraussetzung für die Flugfähigkeit. Dafür müssen gleichzeitig viele weitere morphologische Strukturen, ausgefeilte Steuerungen und angepasste Verhaltensweisen verwirklicht sein, die wiederum mit den Eigenschaften der Federn abgestimmt sein müssen. Dass dafür enormer planerischer und ingenieurstechnischer Aufwand betrieben werden muss, weiß jeder Flugzeugkonstrukteur.
  • Alle bisherigen evolutionären Flugentstehungshypothesen haben sich nachhaltig als unplausibel erwiesen (Junker 2017).

Der Design-Ansatz legt sich im Gegensatz zum naturalistischen Ansatz der Evolution nicht von vornherein auf einen bestimmten Erklärungstyp fest. Es handelt sich um einen ergebnisoffenen  Ansatz:  Die  vorliegenden  relevanten Indizien sollen daraufhin bewertet werden, ob rein natürliche, planlose Prozesse für die Entstehung eines in Rede stehenden Naturgegenstandes (z. B. Flugfeder) ausreichen, oder ob ein geistiger Input als wesentliche Ursache wahrscheinlicher ist. Dabei schließen sich beide Antworttypen gegenseitig aus: Entweder sind natürlich Ursachen alleine ausreichend oder sie erklären einen Naturgegenstand nicht und ein geistiger Input ist (an irgendeiner Stelle) erforderlich. Für sich gegenseitig ausschließende Sichtweisen gilt: Nachhaltiges Scheitern eines Ansatzes (hier: natürliche Evolution) trotz intensiver Lösungsbemühungen ist zugleich ein Argument für den Alternativansatz (hier: Schöpfung). Im Falle von Vogelfedern und Vogelflug liegt eine Fülle typischer Design-Indizien vor, die mit dem Fortschritt der Forschung kontinuierlich zugenommen hat. Während die Option „Schöpfung“ also klare Indizien für sich verbuchen kann, steht die Option „Natürliche Mechanismen“ trotz vielfältiger Bemühungen mit ziemlich leeren Händen da. Wenn man einen Vergleich der Stimmigkeit der beiden Erklärungstypen mit den Indizien zulässt, ist klar, wohin sich die Waage neigt.

Das Beispiel von Vogelfeder und Vogelflug kann als paradigmatisch angesehen werden. Bei jedem komplex-funktionalen Organ – anfangen von molekularen Nano-Maschinen in den Zellen bis zu anatomisch-physiologischen Bauplanmodulen und komplexen Verhaltensweisen – zeigen sich vergleichbare Verhältnisse wie bei Vogelfeder und Vogelflug. Man kann auch bei anderen Beispielen leicht erkennen, dass 1. Evolutionstheoretiker die Latte des Erklärungszieles viel zu tief hängen, indem zahlreiche minimal für die Funktionalität erforderliche Details nicht berücksichtigt werden, und 2. dass die evolutionären Entstehungsmodelle viel zu grob sind, um eine schrittweise Entstehung plausibel zu machen.


Einschub: Der Kern des Design-Arguments

Was starke Indizien für Schöpfung sind (Design-Indizien) und wann die Indizienlage gegen eine natürliche Entstehung spricht, ist im Grunde leicht nachvollziehbar, denn wir sind als Menschen selbst kreativ und künstlerisch tätig. Daher haben wir in der Regel ein sehr gutes Gespür dafür, welche Merkmale geschaffene Gegenstände kennzeichnen. Solche Merkmale kommen bei bloßen Naturprodukten nicht vor. Eine entscheidende, für uns als geistbegabte, kreative Wesen kennzeichnende Fähigkeit ist, dass wir in der Lage sind, uns Dinge vorzustellen, die noch gar nicht existieren. Das betrifft vor allem zukünftige Dinge, zum Beispiel eine Maschine, die wir bauen wollen, oder ein Bild, das wir gerne malen würden. Entsprechend können wir uns Ziele setzen, Wege überlegen, wie wir diese Ziele erreichen werden, und für diesen Zweck geeignete Mittel auswählen (Tab. 1). So entwerfen und konstruieren Techniker Maschinen, Programmierer schreiben Computerprogramme und Künstler modellieren einen Gegenstand oder malen ein Gemälde.

Wichtig ist nun: All das können rein natürliche Prozesse, also Zufall und Naturgesetze nicht. Natürliche Prozesse sind sozusagen „blind“ in Bezug auf Ziele oder das Erreichen eines Zieles durch geeignete Mittel. Sie können keine Ziele analysieren oder geeignete Mittel bei der Verfolgung eines Zieles auswählen. Die Dinge laufen einfach so ab, wie es die Naturgesetze und zufälligen Rahmenbedingungen vorgeben. So ist das z.B., wenn Wasser einen Abhang hinunterströmt, bei der Erosion von Fels durch Wind und Wasser, beim Fallen von Gegenständen, bei der Anziehung oder Abstoßung geladener Teilchen, bei der Entstehung von Wolken und Niederschlag, bei der Bildung von Rippeln an einem sandigen Ufer usw.

Es ist somit ein enormer Unterschied, ob für die Gestaltung eines Gegenstandes die geistigen Kapazitäten einer Person zur Verfügung stehen oder nur natürliche Prozesse und zufällige Effekte. Entsprechend groß sind auch die Unterschiede zwischen geistig (kreativ) verursachten Gegenständen und rein natürlich entstandenen Dingen. Es verwundert daher nicht, dass sich die Merkmale von Gegenständen, die rein natürlichen Ursprungs sind, in allen klaren Fällen sehr deutlich von kreativ verursachten Gegenständen unterscheiden (z. B. ein Kieselstein in einem Bachbett im Vergleich zu einer Skulptur eines Bildhauers; vgl. auch Abb. 1). Schöpfungsindizien und Indizien einer rein natürlichen Verursachung sind in der Regel sehr verschieden und klar unterscheidbar (Tab. 2).

Tabelle 1:  Kennzeichen von Schöpfung bzw. kreativer Verursachung

  • Zielsetzung (Zukunftsorientierung)
  • Planung
  • Wahl (der Mittel)
  • Überlegungen zu Zwischenschritten
  • Einkalkulieren möglicher Hindernisse
  • Gedankliches Vorstellen von Weg und Ziel

=> Natürliche Vorgänge können das nicht.

Abbildung 1: Funktionale und nicht-funktionale Komplexität

Abbildung 1 zeigt zwei komplexe Konstellationen, links den Teil einer Maschine, rechts eine Halde aus grobem Geröll und Felsbrocken im Hochgebirge. Nur im Fall der Maschine ist die Komplexität zugleich funktional und organisiert. Genau dafür – für das Funktionieren der Maschine – müssen die Anordnungen der Teile und auch ihre eigene Beschaffenheit hochspezifisch sein. Das heißt: Die Struktur ist nur von ihrem Zweck bzw. von ihrer Zielsetzung her zu verstehen. Intuitiv erfassen wir sofort, dass die Organisiertheit der Maschine Planung und Konstruktion voraussetzt. Bei der Geröllhalde reichen Naturprozesse aus, um die vorliegende Konstellation zu erklären.

Die Gründe, weshalb wir in einem Fall eine nichtgeistige und im anderen eine geistige Verursachung annehmen, kann man allgemein gemäß Tab. 2 zusammenfassen.

Diese Kriterien können auch auf Lebewesen, ihre Teile oder auch ihr Verhalten angewendet werden und mit ihnen kann festgestellt werden, ob Design-Indizien vorliegen, die auf das Wirken eines Schöpfers hinweisen.

Tabelle 2: Indizien für geistige und natürliche Verursachung

Indizien für geistige, kreative Verursachung (Schöpfung)

  • Spezifische, komplexe Muster mit erkennbarer Zielsetzung
  • Bei hinreichenden Kenntnissen über natürliche Vorgänge (was läuft naturgesetzmäßig ab, was nicht?): Keine konkreten Mechanismen für Entstehung der zweckmäßigen Struktur in Sicht
  • Bei Lebewesen und in der Technik: Zweckmäßigkeit eines Gebildes aus mehreren aufein­ander abgestimmten spezifisch strukturierten Teilen

Indizien für natürliche Entstehung

  • Unspezifische (zufällige) Formen in Bezug auf einen Zweck/eine Funktion im technischen Sinne
  • Natürliche Gesetzmäßigkeiten reichen nach aller bisherigen Kenntnis aus
  • Keine Zweckmäßigkeit in sich

Wichtig ist dabei: Design (Schöpfung, geistige, kreative Verursachung) und Nicht-Design (natürliche, zufällige Verursachung) schließen einander aus. Entweder liegt im Wesentlichen eine kreative Verursachung eines Gegenstandes vor oder dieser ist alleine aufgrund natürlicher Prozesse entstanden. Bei der kreativen Verursachung können natürliche materielle Dinge und natürliche Abläufe beteiligt sein, aber sie sind nicht die entscheidende Ursache.


Das angebliche Lückenbüßer-Problem

Im Rahmen des naturalistischen Ansatzes wird oft argumentiert, es handle sich nur um ein vorläufiges Nichtwissen oder um vorläufig noch offene Fragen bezüglich der Entstehungsvorgänge. Doch woher will man das wissen? Der Wissensfortschritt könnte die Situation genauso gut verschärfen und das ist in der Vergangenheit auch regelmäßig geschehen. So haben z. B. die neueren Forschungen zum Federfeinbau gezeigt, dass der Bau der Federn noch sehr viel komplizierter ist als zuvor bekannt (Lingham-Soliar & Murugan 2013; Lingham-Soliar 2017; Laurent et al. 2014; Wang & Meyers 2017).

Grundsätzlicher muss hier aber bedacht werden: Die Erklärung durch kreative Verursachung (Schöpfung) ist gar nicht in den Lücken einer naturalistischen Ursprungshypothese zu verorten und ergänzt eine solche auch nicht, sondern sie ist eine Alternative zu einer solchen Hypothese, die einen völlig andersartigen Prozess darbietet. Die Vorstellung, mit einer Erklärung durch Schöpfung würden Lücken geschlossen, übersieht, dass ein anderer Erklärungstyp anstelle eines gescheiterten naturwissenschaftlichen Erklärungsversuchs vorliegt.

Das vermeintliche Lückenargument, das gegen den Design-Ansatz vorgebracht wird, setzt zudem (ohne Beleg) den Naturalismus als Standard voraus: der Naturalismus wäre demzufolge die zutreffende Weltanschauung und eine Erklärung alleine durch natürliche Prozesse wäre möglich. Nur unter dieser Voraussetzung erscheinen ungelöste Fragen als „Lücken“. Fällt diese Voraussetzung dagegen weg und lässt man einen offenen Ansatz zu, können „Lücken“ auch Indizien dafür sein, dass es einen natürlichen Entstehungsweg gar nicht gibt. Ob das so ist, muss Forschung zeigen und deshalb ist Forschung gerade auch für den Design-Ansatz wichtig.

Übrigens dienen erklärungstechnisch leere evolutionäre Spekulationen oder der Verweis auf zukünftige Forschung häufig als Platzhalter im evolutionstheoretischen Theoriengebäude. Dabei handelt es sich wirklich um Lückenbüßer, weil der substanziell unbegründete Anspruch besteht, alles durch natürliche, evolutive Prozesse erklären zu wollen.

„Schöpfung ohne Schöpfer? Eine Verteidigung des Design-Arguments in der Biologie“

Aber haben wir etwas übersehen? Wie kann es trotz der geschilderten Situation sein, dass der Design-Ansatz in der Biologie in der akademischen Welt nicht verfolgt wird, ja verpönt ist und dass „Intelligentes Design“ als mögliche entscheidende Ursache für biologische Phänomene bei der Suche nach der zutreffenden Erklärung nicht in Betracht gezogen wird? Warum wird eine (rein) natürliche Evolution der Lebewesen als Tatsache angesehen, und warum werden diejenigen, die diese vermeintliche „Tatsache“ in Frage stellen, fast vollständig aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgeschlossen? (vgl. Schmidtgall 2018) Gibt es hierfür irgendwelche besonderen wissenschaftlichen, methodischen, philosophischen oder gar theologischen Gründe?

In dem jüngst veröffentlichten Sammelband „Schöpfung ohne Schöpfer? Eine Verteidigung des Design-Arguments in der Biologie“ wird diesen Fragen nachgegangen. Die oben angeschnittenen Themen werden ausführlich in insgesamt 23 Einzelbeiträgen von fünf Autoren behandelt. Die meisten Beiträge stammen aus der Feder der Herausgeber Reinhard Junker und Markus Widenmeyer.

Im Einzelnen werden folgende Fragestellungen und Zielsetzungen verfolgt:

  • Kritische Analysen von Evolutionstheorien. Welchen Status haben Evolutionstheorien als historische Rekonstruktionen der Naturgeschichte? Hier wird z. B. gezeigt, dass die methodische Vorgehensweise bei historischen Evolutionstheorien[12] in vielerlei Hinsicht der Vorgehensweise im Rahmen des Design-Ansatzes ähnelt. Als Konsequenz ergibt sich, dass die Gründe, die für den Ausschluss des Design-Ansatzes aus wissenschaftlichen Erklärungen im Wesentlichen auch für die historische Evolutionstheorien gelten würden.
  • Welche Erklärungskraft haben aktuelle kausale Evolutionstheorien, die die Ursachen des Formenwandels und insbesondere der Entstehung evolutionärer Neuheiten (Makroevolution) beschreiben?
  • Wie wird Wissenschaft, einschließlich Naturwissenschaft, im Rahmen eines Schöpfungsparadigma (Design-Ansatz) betrieben?
  • Welches sind die grundlegenden Argumente bzw. Überlegungen im Rahmen des Design-Ansatzes? Welche Kritik gibt es an diesem Ansatz und wie stark ist ihre argumentative Kraft?
  • Welche (Typen von) Indizien sind an den Lebewesen nachweisbar, die als „Spuren eines Schöpfers“ interpretiert werden können?

Es wird gezeigt, dass es gute Gründe dafür gibt, den Design-Ansatz zu verfolgen und dass die Einbeziehung dieses Ansatzes erkenntnisfördernd ist. Auf klassische Gegenargumente wie z. B., dass Kritik an einem umfassenden „Ansatz Evolution“ bzw. der „Design-Ansatz“ per se unwissenschaftlich oder gar wissenschaftsfeindlich sei, oder auch auf den Lückenbüßervorwurf (s. o.) wird ausführlich eingegangen. Es wird dargelegt, dass ein Ausschluss des Erklärungstyps „Design“ ohne zwingende Sachgründe und aus vermeintlich methodischen Gründen eine unwissenschaftliche, weil dogmatische Haltung widerspiegelt .

Zusammenfassend ergeben sich drei wichtige Gründe für eine umfassende Suche nach zutreffenden Antworten unter Einschluss des Antworttyps „Schöpfung“ („Design“):

  1. Bestimmte Antwortoptionen dürfen nicht von vornherein ausgeschlossen werden, weil sonst möglicherweise die zutreffende Antwort ausgeschlossen wird. Die Offenheit für den Design-Ansatz ist nicht nur eine legitime, sondern auch eine notwendige Voraussetzung für eine rationale, d. h. ergebnisoffene, wahrheitsorientierte Ursprungsforschung.
  2. Es gibt tatsächlich sehr starke Indizien für einen Schöpfer. Solche Indizien werden anhand von Kriterien erkannt, die auf anderen Gebieten unstrittig sind. Wir zögern normalerweise keine Sekunde, ein komplex-funktionales Gebilde wie eine Maschine auf einen Urheber zurückführen. Warum soll beispielsweise funktionale Komplexität bei Lebewesen kein Indiz für einen Schöpfer sein, wo dieses Kennzeichen in Bereich der Technik ein unstrittiges Indiz ist?
  3. Die untersuchten nicht-empirischen, d. h. philosophischen oder methodologischen Argumente gegen einen Design-Ansatz zeigen sich bei genauer Analyse als unbegründet.

Kurzer Überblick über das Buch

Im längeren Teil I dieses Buches werden grundlegende wissenschaftstheoretische Fragen zu historischen und kausalen Evolutionstheorien behandelt. Evolutionstheoretische Modellierungen werden in Bezug auf ihre Argumentationsstruktur untersucht und es wird herausgearbeitet, dass Evolutionstheorien, die Innovationen in der Biologie zum Gegenstand haben, zumindest derzeit nicht als naturwissenschaftliche Theorien formuliert werden können. Die Besonderheiten von Ursprungsforschung und der Rekonstruktion der Naturgeschichte im Vergleich zur naturwissenschaftlichen Hypothesenbildung werden diskutiert. Eine wichtige Einsicht ist: Evolutionstheorien bilden ein konzeptionelles Gerüst für die Formulierung historischer und kausaler Evolutionstheorien, das ein Ergebnis einer Wahl bzw. einer Konvention ist, die grundsätzlich auch anders ausfallen könnte – und auch anders ausfallen sollte, falls es dafür gute Gründe gibt.

Bereits in Teil I wird an passenden Stellen darauf hingewiesen, dass und warum es in Ursprungsfragen bei der Erklärung naturwissenschaftlicher Daten angebracht ist, auch eine Schöpfung in Betracht zu ziehen, also eine geistige bzw. kreative Verursachung, die wir auch sonst in vielen Bereichen des Lebens und in der Wissenschaft als Erklärung heranziehen (z. B. Forensik, Unterscheidung von Artefakten und zufällig geformten Strukturen). Dieser Erklärungsansatz, von den Autoren als „Design-Ansatz“ bezeichnet und unter dem Schlagwort „Intelligent Design“ bekannt, wird in Teil II des Buches entfaltet und in mehreren Beiträgen gegen verschiedene Arten von Kritik verteidigt.

Ein wissenschaftlicher Ansatz ist generell ergebnisoffen, was natürlich auch für den Design-Ansatz gelten muss. Es werden daher Kriterien formuliert, anhand derer untersucht werden kann, ob eine geistige oder nicht-geistige (natürliche) Ursache für die Entstehung eines Naturgegenstandes wahrscheinlicher ist. Das Ergebnis steht im Einzelfall erst fest, wenn aussagekräftige Indizien geprüft wurden. Das ist anders als in einem naturalistischen Ansatz, in dem die Suche auf natürliche, intelligenzfreie Ursachen beschränkt ist und jegliche Bezugnahme auf einen zielorientiert handelnden Akteur ausgeschlossen wird. Ansätze, die sich auf eine naturalistische Weltanschauung festlegen, tun dies entsprechend auf Kosten zweier grundlegender wissenschaftlicher Grundsätze: Ergebnisoffenheit und Orientierung an Tatsachen.

In Teil III werden schließlich einige neuere Buchpublikationen, die sich mit den Themen dieses Sammelbandes befassen, vorgestellt.

Ein Teil der Beiträge dieses Bandes wurde in den vergangenen Jahren bereits in ähnlicher Form publiziert, meistens als Internetartikel auf der Homepage der Studiengemeinschaft Wort und Wissen (wort-und-wissen.org) und einige in der Zeitschrift „Studium Integrale Journal“ (si-journal.de). Für die Publikation in diesem Sammelband wurden alle Beiträge jedoch gründlich überarbeitet und teilweise erweitert. Da alle Beiträge ursprünglich als Einzelbeiträge entstanden sind und jeder Beitrag ohne Kenntnis der anderen lesbar sein sollte, haben wir einige Redundanzen in Kauf genommen.

Über den Autor

Dr. Reinhard Junker (Jahrgang 1956), ursprünglich Gymnasiallehrer für Biologie und Mathematik, seit 1985 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen. 1992 Promotion über eine kritische Beurteilung theistischer Evolutionsvorstellungen an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Leuven/Belgien. Arbeitsgebiete: Design-Argument in der Biologie, Leistungsfähigkeit der Variationsmechanismen, Vergleichende Biologie und Paläontologie, theologische Fragen über „Bibel und Naturwissenschaft“.

Zum Buch

Junker R & Widenmeyer M (Hg, 2021) Schöpfung ohne Schöpfer? Eine Verteidigung des Design-Arguments in der Biologie. Studium Integrale. SCM Hänssler, Hardcover, 328 Seiten, ca. 30 Abb., Format 16,5 x 24, 19,95 €.

Inhaltsverzeichnis und Bestellmöglichkeit:

https://www.wort-und-wissen.org/produkt/schoepfung-ohne-schoepfer/


Fußnoten:

[1] Für Christen sind die biblischen Schöpfungstexte allerdings gleichsam Augenzeugenberichte.

[2] Irgendein Schöpfer wird nicht unbedingt ausgeschlossen, wohl aber ein Schöpfer, der konkret in der Welt geschaffen hat, so dass auch Spuren seines Schöpfungshandelns vorliegen und gefunden werden können.

[3] Zwar gibt es auch Wissenschaftler, die diese naturalistische Vorannahme nicht machen; eine deutliche Mehrheit denkt aber derzeit in einem solchen naturalistischen Rahmen.

[4] Es mag sein, dass eine Antwort nicht gelingt; es geht hier darum, alle denkbaren Antwortmöglichkeiten einzubeziehen.

[5] Wobei die Konstruktionen der Lebewesen ungleich leistungsfähiger sind als technische Konstruktionen; das wird allgemein anerkannt.

[6] „empirisch“ bedeutet „durch Erfahrung“; im Bereich der Naturwissenschaft: „durch Beobachtung“ (meistens im Rahmen eines Experiments).

[7] Das ist manchmal gar nicht so trivial, weil dazu der zu untersuchende Vorgang von unerwünschten Einflussgrößen isoliert werden muss und gleichzeitig die tatsächlichen Einflussgrößen bekannt und beherrschbar sein müssen.

[8] Es gibt zahlreiche biblische Aussagen über das beständige Wirken Gottes in der Schöpfung; Theologen sprechen von „concursus divinus“ (göttliche Mitwirkung).

[9] Beispiel: „Man kann sich leicht vorstellen, dass der hervorragend angepasste Körper und breite Schwanz des Bibers in der heutigen Form erst evolviert sind, nachdem der Biber viele Generationen lang konsequent seine spezielle Nische aus Damm und Wasser gebaut hat“ (Lange 2020, 204).

[10] Dass keine Erklärung für evolutive Neuheiten vorliegt, wird von vielen Evolutionstheoretikern aktuell ausdrücklich festgestellt, vgl  Junker (2015) und beispielhafte Zitate unter https://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n243.php

[11] Rammerstorfer (2006) hat dazu einige interessante Zitate zusammengetragen, die hier z. T. wiedergegeben wurden.

[12] Historische Evolutionstheorien haben Rekonstruktionen der hypothetischen Evolution zum Inhalt, während kausale Evolutionstheorien zum Ziel haben, natürliche Mechanismen des Formenwandels zu beschreiben.


Quellen

Ayala F (1994) Darwin’s Revolution. In: Campbell J & Schopf J (eds) Creative Evolution?! Boston, Mass.

Borger P (2021) „Wenn ENCODE richtig liegt, dann ist Evolution falsch.“ Wie ENCODE unser Verständnis des Erbguts veränderte. Stud. Integr. J. 28, 30–37.

Dawkins R (1987) Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer für den Darwinismus. München.

Gould SJ (1991) Eine Anhörung für Vavilov. In: Gould SJ: Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt. Frankfurt, S. 132-142.

Junker R (2015) „Brauchen wir eine neue Evolutionstheorie?“ Stud. Integr. J. 22, 48–51.

Junker R (2016) Vogelfedern und Vogelflug. 1. Was eine Evolutionshypothese erklären müsste. Stud. Integr. J. 23, 75–82.

Junker R (2017) Dino-Federvieh – Zum Ursprung von Vogelfeder und Vogelflug. Internetartikel. https://www.wort-und-wissen.org/wp-content/uploads/b-17-1_feder-und-flug.pdf

Lange A (2020) Evolutionstheorie im Wandel. Ist Darwin überholt? Berlin: Springer.

Laurent CM, Palmer C, Boardman RP, Dyke G & Cook RB (2014) Nanomechanical properties of bird feather rachises: exploring naturally occurring fibre reinforced laminar composites. J. R. Soc. Interface 11: 20140961; doi:10.1098/rsif.2014.0961

Lewontin R (1997) Billions and billions for demons. The New York Review, January 9, S. 31. www.nybooks.com/articles/1997/01/09/billions-and-billions-of-demons/

Lingham-Soliar T & Murugan N (2013) A new helical crossed-fibre structure of b-keratin in flight feathers and its biomechanical implications. PLoS ONE 8(6): e65849. doi:10.1371/journal.pone.0065849

Lingham-Soliar T (2017) Microstructural tissue-engineering in the rachis and barbs of bird feathers. Sci. Rep. 7:45162; doi:10.1038/srep45162.

Rammerstorfer M (2006) Nur eine Illusion? Biologie und Design. Marburg.

Schmidtgall B (2018) Die Intoleranz des Naturalismus. https://www.wort-und-wissen.org/wp-content/uploads/d18-2.pdf

Todd SC (1999) A view from Kansas on that evolution debate. Nature 401, 423.

Wang B & Meyers MA (2017) Light like a feather: A fibrous natural composite with a shape changing from round to square. Adv. Sci. 2017, 4, 1600360.

Widenmeyer M (2019) Das geplante Universum. Holzgerlingen: SCM.

Zrzavy J, Storch D & Mihukla S (2009) Evolution. Ein Lese-Lernbuch. Heidelberg. Spektrum Akademischer Verlag.

Wie wahre Weisheit wächst

Ja, es stimmt: Christsein ist Herzenssache. Aber nicht nur! Die Bibel kennt auch eine hohe Wertschätzung der Vernunft und des Verstandes. Besonders deutlich wird das im Buch der Sprüche. Die herausragende Bedeutung von Einsicht, Klugheit, Erkenntnis, Verstand, Vernunft und Weisheit begegnet dem Leser dort auf Schritt und Tritt. Dazu kommt die fast schon penetrante Aufforderung: Sei offen für guten Rat und Ermahnung! Profitiere von der Klugheit der Anderen! Mit diesem Denken legte die Bibel die Grundlage für Philosophie und Wissenschaft. Es ist kein Zufall, dass Kirchen und Klöster früher Brutstätten des Wissens und der Technik waren, aus denen sich auch Schulen und Universitäten entwickelt haben. Ein denkfeindliches Christentum, das vor allem auf subjektiven Gefühlen und Erfahrungen beruht, kann sich nicht auf die Bibel berufen.

Allerdings macht die Bibel dabei eines deutlich: Das menschliche Denken muss „geeicht“ werden. Es braucht eine Grundlage, die ihm eine gesunde Ausrichtung und Orientierung verleiht. Tatsächlich ist die Geschichte voll von faszinierenden und beeindruckenden menschlichen Gedankengebäuden, die Tod und Unheil brachten, weil sie auf falschen Fundamenten aufgebaut wurden. Gerade das zurückliegende 20. Jahrhundert ist dafür ein fürchterliches und hoffentlich bleibend mahnendes Zeugnis.

Deshalb heißt es in den Sprüchen:

„Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.“ (Spr. 1, 7)

Wir verrennen uns, wenn wir die menschliche Vernunft an die oberste Stelle setzen. Wir verheben uns, wenn wir Gott einsperren in die Grenzen unseres Denkens. Immer, wenn wir uns vom demütigen Bewusstsein lösen, dass wir nur abhängige, begrenzte Geschöpfe sind, da nimmt unser Denken irgendwann zerstörerische Formen an.

Einsicht, Klugheit, Erkenntnis, Verstand, Vernunft, Weisheit und guter Rat wird heute dringender denn je gebraucht. Es beginnt damit, dass wir unsere Knie vor unserem Schöpfer beugen und sein Wort unser Denken prägen lassen. Gesunde Ehrfurcht vor Gottes heiligem Wort ist der gute Boden, auf dem wahre Klugheit, Weisheit und Vernunft gedeiht.

Außerwissenschaftliche Vorannahmen: Denkvoraussetzungen von Wissenschaftlern und Theologen

Die Inhalte dieses Artikels sind auf YouTube als Vortrag verfügbar, der am 1.11.2019 bei einer Tagung des deutschen christlichen Techniker-Bunds (DCTB) gehalten wurde.

Der Artikel steht auch als PDF zum Download bereit.

„Was war der größte Fehler Ihres Lebens?“, fragte der Journalist. Der alte Kunstkritiker lachte. „Als ich einmal unser Kind im Kindergarten abholte, baten mich die Betreuerinnen, einen Blick auf die gesammelten Kunstwerke des Kindergartens zu werfen. Leider fiel mir nicht auf, dass zwischen den Kinderbildern ein abstraktes Werk eines bekannten Künstlers hing. Das brachte mir noch für lange Zeit ein spöttisches Grinsen ein – und lehrte mich viel darüber, wie leicht man durch Vorurteile etwas Wunderbares übersehen kann.“

Vorannahmen wirken wie eine Brille. Sie beeinflussen unsere Sichtweise. Sie tauchen die Wirklichkeit in ein bestimmtes Licht. Das kann erhellend sein. Das kann uns aber auch auf eine völlig falsche Fährte führen – so wie bei diesem Kunstkritiker. Fehleinschätzungen aufgrund falscher Vorerwartungen ereignen sich ständig in unserem Alltag. Sie kommen aber auch in der Wissenschaft vor, und zwar in sehr viel stärkerem Maße, als es oft vermittelt wird. Tendenziell wird heute oft der Eindruck erweckt: Anders als die Religion ist die Wissenschaft objektiv. Wir können uns darauf verlassen, dass sie uns ein verlässlich richtiges Bild von der Welt und von der Wirklichkeit zeichnet, das bewiesen werden kann und in jeder Hinsicht vernünftig ist. Aber inwieweit stimmt das? Gibt es nicht auch in der Wissenschaft das Phänomen, dass Sichtweisen und Darstellungen von außerwissen­schaftlichen Vorannahmen geprägt werden? Welche Folgen hat das für unser Weltbild? Und was müssen wir tun, um uns selbst und unseren Mitmenschen die Chance zu geben, sich auf einer realistischen Faktenbasis ein eigenes Bild von der Wirklichkeit zu machen? Wie können wir den Einfluss von außerwissen­schaftlichen Vorannahmen erkennen, kritisch bewerten und dadurch echte Fakten von ideologisch gefärbten Interpretationen unterscheiden? Tatsächlich ist das oft gar nicht so einfach.

Außerwissenschaftliche Vorannahmen verstecken sich oft hinter den darauf aufgebauten Denkgebäuden!

Außerwissenschaftliche Vorannahmen kommen selten auf dem Präsentierteller daher. Sie bleiben oft verborgen hinter einer Fassade von klugen, schlüssigen und völlig richtigen Argumentationsketten. Die Gedankengebäude, die auf außerwissenschaftlichen Denkvoraussetzungen aufgebaut werden, können äußerst beeindruckend sein und deshalb viele Menschen beeinflussen. Das Problem ist nur: Wenn die Denkvoraussetzung falsch ist, dann ist auch das ganze hochintelligente Gedankengebäude falsch.

Falsche außerwissenschaftliche Vorannahmen können gewaltige Konsequenzen haben!

Falsche außerwissenschaftliche Vorannahmen können ganze Nationen auf eine falsche Fährte führen – mit katastrophalen Folgen. Ganze Gesellschaften wurden zum Beispiel auf der Idee aufgebaut, dass der Mensch kein Problem mit bösen, ungerechten Gedanken und Grundhaltungen hat, sondern dass er tief im Herzen eigentlich ein guter Mensch ist, der nur Erlösung von bösen und ungerechten Umständen braucht, damit dieser gute Kern zum Vorschein kommt. Daraus entstand die Idee: Wenn wir allen alles wegnehmen und dann ganz gerecht alles an alle verteilen, sodass allen alles gleichermaßen gehört und es keine Ungerechtigkeit mehr gibt, dann werden alle Menschen zufrieden sein und sich gerne für die Allgemeinheit engagieren. Diese Idee hat aber nicht nur nicht funktioniert. Sie hat gewaltiges Leid mit Millionen von Toten über viele Gesellschaften gebracht und sie tut das bis heute. Erstaunlich ist, wie sehr diese Idee trotz der durchgängig negativen Erfahrungen in der Geschichte bis heute immer wieder in Mode kommt.

Im nationalsozialistischen Reich wurden andere Vorannahmen ins Spiel gebracht: Die Rassenideologie hat die Vorstellung vermittelt, dass es stärkere und schwächere menschliche Rassen gäbe und dass es für die Weiterentwicklung der Menschheit geradezu die Pflicht der besseren, höher entwickelten Rasse sei, sich durchzusetzen und die unterentwickelten Rassen zu verdrängen. Vor dem Hintergrund der aufkommenden Evolutionstheorie konnte der Eindruck vermittelt werden, dass dieser Gedankengang auch sachlich, ja geradezu wissenschaftlich begründet werden könnte. Wer heute nachforscht und sieht, wie stark solche Ideen sogar in intellektuellen und akademischen Kreisen verfingen, der kann nur staunen und erschrecken, mit welcher Kraft Vorrannahmen ganze Gesellschaften im Extremfall zu absurden und grauenvollen Schlussfolgerungen bringen können.

Es geht also um enorm viel, wenn wir über die Denkvoraussetzungen nachdenken, die unsere Gesellschaft prägen. Und es ist von enormer Bedeutung, dass wir uns diese Grundannahmen und ihren Einfluss auf unser Denken bewusst machen.

Vier weltanschauliche Grundannahmen

Im Folgenden werden vier verschiedene weltanschauliche Grundannahmen als außerwissenschaftliche Denkvoraussetzungen zum Verständnis der Welt vorgestellt, die heute weit verbreitet sind und weltweit prägende Kraft entwickelt haben. Diese vier weltanschaulichen Grundannahmen unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre unterschiedlichen Antworten auf drei verschiedene Grundfragen. Die erste Frage lautet:

Gibt es etwas Übernatürliches jenseits der physischen Welt?

Die Frage nach der Transzendenz ist für unser Weltbild ganz grundlegend und entscheidend. Wenn wir diese Frage mit „nein“ beantworten, dann mündet unser Denken im sogenann-

ten „Naturalismus“. Diese Weltanschauung behauptet: Es gibt keinen Gott und keine übernatürlichen Phänomene. Alle Vorgänge lassen sich auf naturgesetzlich festgelegte Ursache-Wirkungs-Beziehungen zurückführen.

Wenn wir die Frage nach dem Übernatürlichen aber mit „ja“ beantworten, kommen wir zu einer zweiten Grundfrage:

Greift das Übernatürliche direkt in die natürlichen Vorgänge dieser Welt ein?

Wenn wir diese Frage mit „nein“ beantworten, dann glauben wir zwar, dass es etwas Übernatürliches gibt. Aber unser Denken bewegt sich trotzdem im Rahmen eines „schwachen oder methodischen Naturalismus“, der in etwa besagt: Es gibt einen Gott bzw. eine übernatürliche Realität, die aber nur auf geheimnisvolle Weise ins Weltgeschehen eingreift, ohne dabei die Naturgesetze zu verletzen.

Wenn wir hingegen die Frage nach dem Eingreifen des Übernatürlichen mit „ja“ beantworten, stellt sich die dritte grundsätzliche Frage:

Ist das Übernatürliche von der physischen Welt getrennt?

Wenn wir diese Frage mit „nein“ beantworten, dann gelangen wir zu einer Weltanschauung, die man als „Pantheismus“ bezeichnen kann und die in etwa besagt: Es gibt einen Gott bzw. eine übernatürliche Realität, die aber von der natürlichen Welt nicht wesensmäßig getrennt, sondern untrennbar mit ihr verwoben ist.

Wenn wir die Frage nach der Trennung des Übernatürlichen von der physischen Welt hingegen mit „ja“ beantworten, kommen wir auf die Spur einer Weltanschauung, die wir in diesem Artikel als „biblischen Supernaturalismus“[1] bezeichnen werden. Diese Weltanschauung sagt: Es gibt einen Schöpfergott und eine übernatürliche Realität. Diese ist wesensmäßig vom Geschaffenen verschieden. Sie greift zwar bei der Weltentstehung, sonst aber nur punktuell in Naturvorgänge ein.

Die Frage ist nun: Was kann uns die heutige Wissenschaft zu diesen drei Grundfragen und den vier weltanschaulichen Grundannahmen sagen? Oft wird heute der Eindruck erweckt, dass die Naturwissenschaft diese Fragen geklärt habe. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir uns genauer mit den Möglichkeiten und Grenzen naturwissenschaftlicher Forschung befassen.

Möglichkeiten und Grenzen der Naturwissenschaft

Die grundsätzliche Frage ist: Sind die Werkzeuge der Wissenschaft denn überhaupt geeignet, um auf die oben genannten drei Grundfragen Antworten geben zu können? Dafür müssen wir uns genauer anschauen, mit welchen Methoden die Naturwissenschaft die Wirklichkeit erfasst. Sie benutzt dafür im Wesentlichen zwei Werkzeuge:

  1. Beobachtung: Im Lauf der Zeit hat die Wissenschaft immer ausgeklügeltere Instrumente und Methoden entwickelt, um auch fernste Welten des Kosmos und die winzig kleinen Elemente in unserem Mikrokosmos exakter beobachten zu können.
  2. Experiment: In der Wissenschaft werden überschaubar große Systeme mit möglichst kontrollierbaren Bedingungen und wenig Variablen geschaffen. Darin kann dann möglichst exakt getestet werden, wie sich die Wirklichkeit verhält.

Ein zentral wichtiges Element in der Wissenschaft ist die Wiederholbarkeit oder Reproduzierbarkeit. Ein Experiment ist erst dann aussagekräftig, wenn es überall auf der Welt nachgestellt werden kann und wenn alle Wissenschaftler unter den gleichen Bedingungen die gleichen Beobachtungen machen.

Gerade die Reproduzierbarkeit ist aber ein großes Problem bei der Frage nach dem Übernatürlichen. Selbst wenn in Einzelfällen etwas Übernatürliches stattfindet, könnte das niemals reproduzierbar in einem Experiment nachgestellt und wiederholt werden. Das Übernatürliche zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es sich systematischen Regeln und Gesetzen entzieht. Die naturwissenschaftliche Methode ist deshalb prinzipiell ungeeignet, um übernatürliche Vorgänge systematisch erfassen zu können.

Das bedeutet aber nicht, dass es etwas Übernatürliches prinzipiell nicht geben kann. Das bedeutet nur, dass die naturwissenschaftliche Methodik nicht aussagekräftig ist zu dieser allerersten und wichtigsten Grundfrage! Das heißt aber auch: Wenn wir uns entscheiden, unser Denken und unsere Forschung auf einer dieser Weltanschauungen aufzubauen, dann ist das eine außerwissenschaftliche Vorannahme.

Insgesamt gilt somit: Bei den vier weltanschaulichen Grundannahmen handelt es sich um außerwissenschaftliche Denkvoraussetzungen, die naturwissenschaftlich weder bewiesen noch widerlegt werden können. Wer die Ablehnung des Übernatürlichen mit Naturwissenschaft begründet, der verhält sich wie ein Fischer, dessen Netze eine Netzweite von 5 cm haben und der auf Basis seines Fangs behauptet: Es existieren nur Fische, die größer als 5 cm sind! Wenn die Untersuchungsmethode nur einen Teil der Wirklichkeit erfasst, darf daraus niemals auf die gesamte Wirklichkeit geschlossen werden.

Warum die Wissenschaft trotzdem Position bezieht

Obwohl naturwissenschaftliche Methoden die Frage nach dem Übernatürlichen gar nicht beantworten können, hat die Wissenschaft trotzdem eine starke Meinung zu den oben dargestellten Grundfragen und Grundannahmen entwickelt. Denn auch wenn das Übernatürliche naturwissenschaftlich weder bewiesen noch ausgeschlossen werden kann, kann man natürlich trotzdem die Frage stellen: Welche der vier Grundannahmen bewährt sich in der Praxis? Auf welcher Basis kann man fruchtbar wissenschaftlich arbeiten und forschen?

Auf der Suche nach natürlichen Ursachen

Seit jeher hatten Menschen Naturphänomene vor Augen, die sie zunächst einmal nicht verstanden haben und bei denen sie daher auch nicht wussten: Gibt es dafür eine natürliche Erklärung? Steckt etwas Übernatürliches dahinter?

Um das herauszufinden, haben wir Menschen nur eine Möglichkeit: Wir müssen nach einer natürlichen Erklärung suchen! Sobald eine natürliche Erklärung gefunden wird, können wir definitiv sagen: Eine Erklärung mit natürlichen Mechanismen reicht bei diesem Naturphänomen aus! Wenn sich bestimmte Erklärungslücken aber dauerhaft nicht schließen oder wenn diese Lücken bei bestimmten Fragen im Lauf der Zeit sogar immer größer werden, dann müsste sich eigentlich die Frage stellen: Existiert vielleicht kein natürlicher Mechanismus? Steckt vielleicht etwas Übernatürliches, etwas Göttliches dahinter? Dann müssten wir uns für ein supernaturalistisches Denkmodell öffnen.

In der Praxis passiert das aber nicht! Und dafür gibt es auch nachvollziehbare Gründe. In der Geschichte des Denkens und Forschens wurden zwei wichtige Beobachtungen gemacht, die unser heutiges Denken stark geprägt haben:

1.   Nichtnaturalistische Modelle erweisen sich als „Wissenschaftskiller“

Lange Zeit hatten die Menschen keine Erklärung dafür, warum es Lichtpunkte (Sterne) am Himmel gibt und warum der Himmel sich verdunkeln kann und es plötzlich blitzt und donnert. Deswegen haben sie sich auf übernatürliche Erklärungen eingelassen. So wurde vermutet: Hinter den Sternen stecken Götter. Wenn es blitzt, dann sind es die Götter, die zornig sind und unter krachendem Getöse Blitze auf die Erde werfen. Solche Erklärungsmuster kann man in vielen alten Legenden und Mythen nachlesen.[2]

Das Problem an dieser Sichtweise ist: Es hält uns von der wissenschaftlichen Suche nach natürlichen Erklärungen ab! Wer glaubt, dass in einem Gewitter Götter am Werk sind, der forscht nicht mehr nach einer natürlichen Ursache. Das ist ein wichtiger Grund, warum sich die Wissenschaft und der technische Fortschritt in pantheistischen Kulturen und Denkweisen oft schwertut. Deshalb sagen die meisten Naturwissenschaftler heute zu Recht: Wir dürfen auf keinen Fall vorschnell von Phänomenen, die wir nicht erklären können, auf übernatürliche Ursachen schließen! Das würde die Wissenschaft blockieren. Es lohnt sich, hartnäckig nach natürlichen Ursachen zu suchen.

2.   Forschung auf Basis des „Ursache-Wirkungs-Prinzips“ hat gewaltige Erfolge erzielt!

Die Entscheidung, grundsätzlich immer eine natürliche Ursache zu vermuten, hat eine gewaltige Erfolgsgeschichte ausgelöst. Elektrisches Licht, Radio, viele Durchbrüche in der Medizin: All das hat zu Recht riesigen Eindruck auf die Menschen gemacht. Jeder hat gemerkt: Dieses Prinzip bewährt sich! Es lohnt sich, hinter den Naturphänomenen keine Geisterwelt zu vermuten, sondern von ganz rational erklärbaren Mechanismen auszugehen. Den Theologen Rudolf Bultmann hat das zu dem bekannten Ausspruch veranlasst: „Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.“[3]

Die allgemeine Beobachtung war also: Die Lücken schließen sich! Wir entdecken immer mehr natürliche Erklärungen für die Naturphänomene. Deshalb brauchen wir immer weniger spekulieren, ob da vielleicht irgendein Gott am Werk ist. Diese Sachlage hat auch den Theologen Dietrich Bonhoeffer umgetrieben, als er schrieb: „Es ist mir wieder ganz deutlich geworden, dass man Gott nicht als Lückenbüßer unserer unvollkommenen Erkenntnis figurieren lassen darf; wenn nämlich dann – was sachlich zwangsläufig ist – sich die Grenzen der Erkenntnis immer weiter herausschieben, wird mit ihnen auch Gott immer weiter weggeschoben und befindet sich demgemäß auf einem fortgesetzten Rückzug.“[4]

Gott als Lückenbüßer, dem mit fortschreitender wissenschaftlicher Erkenntnis immer mehr der Boden unter den Füßen weggezogen wird: Dieses Szenario wurde zu einem Schreckgespenst in der Theologie. Und deshalb hat man auch unter Theologen immer öfter gesagt: Das ist der falsche Weg. Man darf nicht aus Erklärungslücken auf Gott schließen! Der richtige Weg ist: Wenn es Erklärungslücken gibt, dann ist das kein Hinweis auf Gott, sondern nur darauf, dass wir noch nicht genügend geforscht haben.

Erklärungslücken sind demnach also kein Anlass, von der Naturwissenschaft in die Theologie überzugehen, sondern sich wieder an die naturwissenschaftliche Arbeit zu machen, um noch gründlicher, noch intensiver zu forschen, bis eines Tages die natürliche Erklärung gefunden wird. Wenn nur genügend Zeit, genügend Ressourcen und genügend kluge Köpfe zur Verfügung stehen, dann werden die natürlichen Erklärungen irgendwann gefunden werden.

Die naturwissenschaftliche Selbstbeschränkung auf natürliche Ursachen

Aus diesen Gründen hat sich die Naturwissenschaft für eine Selbstbeschränkung entschieden: Sie geht grundsätzlich davon aus, dass bei den beobachteten Naturphänomenen ausschließlich natürliche Vorgänge ablaufen. Die Betrachtung der Welt ist somit kein Weg mehr, um in ihr in irgendeiner Weise Gott zu finden.

Daraus ergibt sich eine Situation, in der nur noch zwei der vier eingangs vorgestellten Denkmodelle als wissenschaftlich gelten dürfen: Der Naturalismus oder der schwache, methodische Naturalismus, der zwar damit rechnet, dass es einen Gott oder etwas Ähnliches gibt, der aber zugleich davon ausgeht, dass dieser Gott nicht direkt innerhalb von Raum und Zeit in das Weltgeschehen eingreift. Die supernaturalistischen Modelle sind somit in der wissenschaftlichen Welt heutzutage weitestgehend vom Tisch.

Wichtig ist aber zu verstehen: Die Durchsetzung des naturalistisch geprägten Wissenschaftsbegriffs resultiert nicht etwa daraus, dass der Supernaturalismus wissenschaftlich widerlegt wäre. Die Vorherrschaft naturalistischer Denkmodelle resultiert vielmehr auf dem Eindruck, dass naturalistisch geprägte Forschung erfolgreich ist sowie auf dem Wunsch, den weiteren Fortschritt in den Wissenschaften und in der technischen Entwicklung auf keinen Fall behindern zu wollen. Die Frage ist allerdings:

Inwieweit treffen die Argumente gegen den Supernaturalismus zu?

Entscheidend wichtig zur Beantwortung dieser Frage ist eine notwendige Differenzierung: Unzweifelhaft richtig ist, dass sich pantheistische Vorstellungen tatsächlich als ein „Wissenschaftskiller“ erwiesen haben. Wer hinter heute beobachtbaren Naturphänomenen übernatürliche Kräfte vermutet, verliert tatsächlich den naturwissenschaftlichen Antrieb. Die oben genannten Gründe, die zur Selbstbeschränkung auf naturalistische Sichtweisen geführt haben, greifen also tatsächlich, um pantheistische Vorstellungen und Denkmodelle zurückzuweisen.

Die Frage ist jedoch: Gelten diese Argumente auch für den biblischen Supernaturalismus?

Ist der biblische Supernaturalismus tatsächlich ein „Wissenschaftskiller“?

Erinnern wir uns: Der biblische Supernaturalismus trennt strikt zwischen Schöpfer und Schöpfung. Wir können uns das besonders eindrücklich anhand der Betrachtung der Sterne verdeutlichen: Der biblische Schöpfungsbericht kennt – anders als alle anderen damaligen Schöpfungsmythen – keine Götter und keine übernatürlichen Kräfte hinter den Sternen. Er sagt vielmehr: Die Sterne sind ganz einfach „Lichter“, die den Menschen zur Orientierung dienen sollen![5]

Auch sonst wird die Natur in der Bibel gänzlich entgöttlicht. Folgerichtig ist das ganze Alte Testament voll von Anweisungen, auf keinen Fall die Schöpfung anzubeten, sondern Gott allein, von dem wir uns kein geschöpfliches Bild machen sollen.[6] Die Brüder Hansjörg und Wolfgang Hemminger haben deshalb zu Recht notiert:

„Die Schöpfungsgeschichte bringt eine vollständige Entgöttlichung und Entzauberung der Welt, so vollständig, wie sie außerhalb des Judentums auch nicht annähernd erreicht wurde … Jeder Zeitgenosse, der an sein Horoskop glaubt, fällt in ein Denken zurück, das in 1. Mose 1 bereits überwunden ist.“ [7]

Ein Blick in die Wissenschaftsgeschichte zeigt: Es war genau diese Sichtweise einer von Gott wohlgeordneten, aber von ihm gänzlich getrennten Schöpfung, die die Pioniere der Naturwissenschaft angetrieben haben. So lesen wir z. B. bei Isaac Newton: „Die wunderbare Einrichtung und Harmonie des Weltalls kann nur nach dem Plan eines allwissenden und allmächtigen Wesens zustande gekommen sein.“[8] Dieser Wissenschaftspionier war ein tief gläubiger Christ. Er hat sich gerade nicht gegen das Schöpfungsdenken gewandt, ganz im Gegenteil: Das Schöpfungsdenken war die Basis seiner Forschungsarbeit! Newton war nicht der einzige, der so dachte. Ähnliche Überlegungen lassen sich bei vielen bekannten Wissenschaftspionieren finden, wie z. B. bei Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Galileo Galilei oder Blaise Pascal. Ein Blick auf einen Zeitstrahl zeigt: Diese gläubigen Naturwissenschaftler haben die Erfolgsgeschichte der Wissenschaft gestartet, schon lange bevor das Denken der Aufklärung aufkam.

Prof. Peter Gerdsen schreibt deshalb zu Recht: „Auch ist festzustellen, dass die Entwicklung der Naturwissenschaft die Dynamik und Schwungkraft, die sie auszeichnet, bereits erhielt, als die Philosophie der Aufklärung von ihrem Höhepunkt in Form der Philosophie Kants noch weit entfernt war.“ [9] Das weit verbreitete Narrativ, dass die Erfolgswelle der Naturwissenschaft eine Frucht der Aufklärung gewesen sei, stimmt also nicht. Das bestätigt auch der englische Literat C. S. Lewis, wenn er schreibt: Diese Leute wurden nicht Wissenschaftler, weil sie alles Übernatürliche ablehnten sondern „die Menschen wurden Wissenschaftler, weil sie Gesetze in der Natur erwarteten, und sie erwarteten Gesetze in der Natur, weil sie an einen Gesetzgeber glaubten.“[10] Und Carl Friedrich von Weizsäcker ergänzt: Die moderne Wissenschaft ist „ein Geschenk, ich hätte auch sagen dürfen, ein Kind des Christentums.“ [11]

Ist der biblische Supernaturalismus also ein „Wissenschaftskiller“? Nein, keinesfalls! Tatsache ist viel mehr:

  • Dass wir die Natur wohlgeordnet und mathematisch fassbar vorfinden, ist in einem naturalistischen Denkmodell gar nicht zu erwarten und darüber hinaus kaum erklärbar!
  • Der Glaube an einen Schöpfergott war in Wahrheit ein „Wissenschaftsgebärer“, weil er die Wissenschaftspioniere erwarten ließ, dass in der Natur Regelhaftigkeit und Ordnung vorgefunden wird, die der Mensch ergründen und erforschen kann!

Was wir in der Welt vorfinden, passt also viel besser zum biblischen Supernaturalismus als zu einem naturalistischen Weltbild. Der massive Erfolg der Naturwissenschaften lässt sich deshalb sehr gut auf die Denkgrundlagen des biblischen Supernaturalismus zurückführen.

Ist Wissenschaft auf Basis des biblischen Supernaturalismus weniger erfolgreich?

Dabei müssen wir bedenken: Auch der biblische Supernaturalismus erwartet Erfolg bei Anwendung des Ursache-Wirkungsprinzips in der Erforschung der Naturvorgänge. Denn er trennt zwischen Schöpfer und Schöpfung. Bei der Untersuchung des Geschaffenen geht er davon aus, dass in aller Regel alles mit natürlichen und nicht mit übernatürlichen Dingen vor sich geht.

Nur bei der Erforschung der Weltentstehung erwartet er etwas anderes. Hier erwartet er Anzeichen von absichtsvoller Planung und von Zielgerichtetheit statt absichts- und zielloser Ursache-Wirkungsketten als Ursache für die Entstehung. Die zentrale Frage lautet deshalb: War denn die Beschränkung auf absichtslose Ursache-Wirkungsketten bei der Erforschung der Weltentstehung tatsächlich erfolgreicher? Diese Fragestellung kann im Fachunterricht aus verschiedensten Blickwinkeln thematisiert werden. Entscheidend ist jedoch eine grundlegende Differenzierung:

Der grundlegende Unterschied zwischen der Erforschung des Geschaffenen und der Erforschung der Weltentstehung

Der grundsätzliche Unterschied zwischen der Erforschung des Geschaffenen und der Erforschung der Weltentstehung wird leider oft übersehen. Für die Beurteilung der Fruchtbarkeit des Denkmodells des biblischen Supernaturalismus ist diese Unterscheidung jedoch grundlegend wichtig: Bei der Erforschung des Geschaffenen fragt die Wissenschaft nach dem „Wie“. Wie funktioniert es, was ich da sehe? Bei der Frage nach der Weltentstehung geht es aber um die Frage: Woher kommt es? Wie ist das entstanden?

Ein Beispiel: Der Translationsprozess der Zelle

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Der grundlegende Unterschied zwischen der Frage nach dem „Wie“ und dem „Woher“ kann zum Beispiel sehr anschaulich anhand des Translationsprozesses in lebenden Zellen verdeutlicht werden. Bei der Erforschung dieses Prozesses hat die Naturwissenschaft in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte bei der Frage nach dem „Wie“ erzielt. Translation bedeutet: Übersetzung! Im Translationsprozess wird die biologische Information, die auf der DNA gespeichert ist, in biologisches Material (genauer gesagt in ein „Protein“) „übersetzt“.

Für diesen Prozess wird zunächst von einem Abschnitt der DNA eine Kopie in Form einer RNA-Kette erzeugt. Auf der RNA ist also genau wie auf der DNA biologische Information codiert gespeichert. Aber wie kann diese biologische Information in ein Protein übersetzt werden?

In den letzten Jahrzehnten wurde deutlich: Die Maschinerie, die diesen Translationsprozess leistet, ist atemberaubend komplex. Entdeckt wurde eine ausgeklügelt arbeitende molekulare Maschine, das sogenannte „Ribosom“. Dieses hat die Fähigkeit, die RNA-Kette zu binden und sie in Verbindung mit den sogenannten „Transport-RNA-Molekülen“ zu bringen. Diese können auf der einen Seite an die RNA-Kette andocken. Auf der anderen Seite tragen sie eine von 20 möglichen sogenannten „Aminosäuren“, und zwar immer genau die Aminosäure, die durch den Code der RNA vorgegeben wird. Die Aminosäuren werden vom Ribosom zu einer wachsenden Kette zusammengefügt. Die Reihenfolge der Aminosäuren entscheidet wiederum darüber, wie sich die Kette nach ihrer Bildung faltet und welche Funktion somit das entstehende Protein übernehmen kann (ein Protein ist letztlich nichts anderes als eine gefaltete Kette aus Aminosäuren).

Dieser ausgetüftelte Translationsmechanismus ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie weit uns die Forschung nach dem „Wie“ gebracht hat. Aber wie hat sich die Situation entwickelt bei der Frage: Woher kommt dieser komplexe und ausgeklügelte Apparat? Wie ist das entstanden? Dazu stellen sich heute gewaltige Fragen:

  1. Wie entstanden die großen und sehr komplexen Makromoleküle der Zelle (DNA, RNA, Proteine, Fette, Zucker)?
  2. Woher kommt die Information der DNA? Dazu muss man wissen: DNA ist ein Informationsträger mit einem unregelmäßigen, nach grammatischen Gesetzen angeordneten zielgerichtet funktionierenden Code! Nach allem, was wir heute wissen, kann ein derartiger Code nur von einem intelligenten Geist programmiert werden.
  3. Wie entstanden solche komplexen zellulären molekularen Maschinen?
  4. Das allergrößte Rätsel ist das Henne-Ei-Problem: Gab es zuerst die Information oder zuerst den Übersetzungsapparat? Das Problem ist: Das eine macht ohne das andere keinen Sinn. Man kann mit dem Übersetzungsapparat nichts anfangen, solange die Information nicht da ist. Und man kann mit der Information nichts anfangen, solange es den Übersetzungsapparat nicht gibt. Beides für sich genommen ist komplex und kann nach allem, was wir wissen, nicht durch blinde und absichtslose Prozesse von selbst entstehen. Erst recht kann nicht beides parallel entstehen. Oder doch?

Bei dieser Frage wird häufig auf das Miller/Urey-Experiment verwiesen, das im Jahr 1952 mit dem Nobelpreis belohnt wurde. Bis heute findet man dieses Experiment in vielen Schulbüchern, wenn es um die Frage nach der Entstehung des Lebens geht. Die Anordnung in diesem Experiment soll eine Atmosphäre simulieren, wie sie auf einer angenommenen Urerde einst existiert haben könnte. Man nahm an, dass es Orte mit heißen Quellen gab, wo Wasser verdampfte sowie Orte, an denen Gase wieder kondensieren und sich als Flüssigkeit sammeln konnten. Zudem ging man vom Einwirken von Blitzen aus. In diesem Versuchsaufbau entstand mit der Zeit ein schwarzes, öliges Gemisch. Als Sensation wurde damals die Tatsache gehandelt, dass dieses Gemisch auch einige Aminosäuren enthielt, also die Grundsubstanzen von Proteinen. Die Schlussfolgerung war: Auf einer angenommenen Urerde könnten von selbst ohne Einwirkung von äußerer Intelligenz Aminosäuren entstanden sein. Das weckte die Hoffnung, dass dies nur ein erster Schritt sein würde hin zur Klärung der Frage, wie Leben ohne übernatürliche Einwirkungen von außen durch rein natürliche Mechanismen entstanden sein könnte.

Dazu muss man sich aber klar machen: Der Unterschied zwischen einer Aminosäure und einer lebens- und fortpflanzungsfähigen Zelle ist noch wesentlich größer als der Unterschied zwischen einem Backstein und dem Petersdom. Bis zur Erklärung der Entstehung des Lebens war also immer noch ein gigantischer Weg zurückzulegen. Die Frage ist: Wie ist es nach 1952 weiter gegangen?

Zu dieser Frage äußerte sich im Jahr 2019 Prof. James M. Tour, einer der weltweit führenden Forscher im Bereich der Biomolekülsynthese, wie folgt: „Was geschah in den zwei Dritteln eines Jahrhunderts seit Miller / Urey in anderen Wissenschaftsfeldern? Wir sind ins Weltall geflogen. Wir haben Satellitenkommunikation, Internet und Mikrochips. In den gleichen 66 Jahren sind wir immer noch genau da, wo Miller und Urey waren.“ [12]

Prof. Tour sagt also: Bei der Frage nach dem „Wie“ sind wir seit 1952 in vielen Feldern extrem weitergekommen! Aber bei der Frage nach dem „Woher“ des Lebens herrscht absoluter Stillstand. Bis heute haben wir noch nicht einmal verstanden, wie das Leben wirklich funktioniert, geschweige denn, dass wir in der Lage wären, Leben in unseren Labors künstlich nachzubauen. Im Gegenteil deuten alle Experimente darauf hin: Komplexe, biologisch wirksame Makromoleküle und lange Molekülketten entstehen nicht von selbst. Viel eher zerfallen sie, als dass sie sich bilden. Und vollkommen unvorstellbar ist die selbständige Bildung von komplexen molekularen Maschinen, wie wir sie reihenweise in unseren Zellen beobachten und ohne die auch das einfachste denkbare Leben nicht möglich wäre.

Das Feld der Lebensentstehung nicht der einzige Bereich mit diesem Trend. Überall in der Ursprungsforschung ist zu beobachten: Beim „Wie“ nimmt das Wissen, beim „Woher“ nehmen die Fragen zu:

Im Feld der Genetik hat der US-amerikanische Biochemiker Michael Behe 2019 ein Buch veröffentlicht[13], in dem er darlegt, wie rasant sich die Erkenntnisse in der Molekularbiologie gerade in den letzten beiden Jahrzehnten weiterentwickelt haben. Aber in Bezug auf die Frage nach der Evolution zeigt sich aus seiner Sicht immer klarer, dass die klassischen darwinschen Evolutionsmechanismen, also Mutation und Selektion, bei der Frage nach der Entstehung komplexer biologischer Systeme nicht weiterhelfen. Ja, mehr noch: Er zeigt, dass die darwinschen Mechanismen die Entstehung neuer biologischer Systeme sogar aktiv behindern! Mit anderen Worten: Wir erleben einen rasanten Fortschritt bei der Entschlüsselung der biologischen Systeme. Aber wir erleben einen Rückschritt bei der Frage, wie diese Systeme mit natürlichen Mechanismen entstehen konnten.

Das gleiche Bild scheint sich zunehmend in der Paläontologie herauszuschälen. Seit langem steht das Problem im Raum, dass die im Rahmen einer Evolutionstheorie erwarteten Übergangsformen weitgehend fehlen. Die Hoffnung war, dass bei zukünftigen Fossilfunden die Übergangsformen noch gefunden werden. Die Frage ist: Hat sich diese Hoffnung bestätigt? Der Paläontologe Dr. Günter Bechly hat dazu jüngst berichtet[14], dass wir inzwischen eine Situation haben, in der wir wissen können, dass der Fossilbericht ein gutes, aussagekräftiges Bild der Vergangenheit liefert. Und wie sieht dieses Bild aus? Wir finden immer wieder explosionsartig eine Fülle neuer biologischer Baupläne, die plötzlich auftauchen und dann über lange Zeit vergleichsweise unverändert bleiben. Aber wir finden keine belastbaren Hinweise auf eine schrittweise Höherentwicklung über die Grenzen von Familien hinaus. Sein Fazit ist: Der Fossilbericht widerspricht fundamental den Erwartungen und Vorhersagen, die die naturalistische Evolutionstheorie aufgestellt hat.

Ganz ähnlich sieht es auch im Feld der Mathematik, Chemie und Physik aus. Hierzu hat Dr. Markus Widenmayer zusammen mit Kollegen 2019 das Buch „Das geplante Universum“ veröffentlicht[15]. Darin wird aufgezeigt: Die mathematisch elegant beschreibbaren physikalischen und chemischen Eigenschaften des Universums sind exakt so eingestellt, dass Leben möglich ist. Wir können mit gutem Grund von einer Feinabstimmung des Universums sprechen. Und die große Frage ist: Woher kommt diese Feinabstimmung? Wer hat die Naturkonstanten so fein aufeinander abgestimmt? Die Erklärungsnot ist so groß, dass inzwischen mit fantastischen Annahmen operiert wird. Eine Idee ist zum Beispiel, dass es in Wahrheit nicht nur ein Universum gibt, sondern ein Multiversum, also unzählige Universen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Ausgerechnet bei unserem Universum sei der extrem unwahrscheinliche Zufall eingetreten, dass alles haargenau so passt, dass Leben existieren kann. Aber selbst bei diesem fantastischen Modell ergeben sich grundsätzliche Fragen: Woher käme dieser Universumsgenerator, der permanent neue Universen produziert und dabei die Bedingungen ständig variiert? Und man darf durchaus die Frage stellen: Sind solche fantastischen und nicht widerlegbaren Gedankengebäude denn tatsächlich wissenschaftlicher als die schlichte Annahme eines Schöpfers?

Eines der größten Rätsel ist und bleibt der menschliche Geist. Wie konnte unpersönliche, dumme, planlose Materie einen menschlichen Geist hervorbringen, der denkt, plant, fühlt, der seiner selbst bewusst ist und über sich und über Gott nachdenkt? Auch bei dieser grundlegenden Frage ist die Forschung nicht weitergekommen. Vor wenigen Jahren brachte der bekannte atheistische Philosoph Thomas Nagel das Buch „Geist und Kosmos“ heraus[16]. Darin macht er deutlich: Der Naturalismus ist unfähig, Bewusstsein, Vernunft und Wertvorstellungen auf physikalische oder chemische Prozesse zu reduzieren. Er geht deshalb davon aus, dass „die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist“ (so der Untertitel seines Buches).

Aus diesem kleinen Überblick über die verschiedenen Forschungsfelder ergibt sich ein deutliches Gesamtbild:

Überall gibt es rasante Fortschritte bei der Frage „Wie funktioniert es?“. Aber bei der Frage „Woher kommt es?“ gibt es grundlegende, wachsende ungelöste Probleme im naturalistischen Modell:

  1. Wie kam es zur Feinabstimmung des Universums und seiner Elemente?
  2. Wie entstanden das Leben und die komplexen molekularen Maschinen?
  3. Woher kommt die auf der DNA gespeicherte Information?
  4. Wie entstand die Vielfalt der komplexen biologischen Baupläne?
  5. Woher kommt der Geist und das Selbst-Bewusstsein?

Diese und noch mehr derartige Fragen zeigen: Es geht bei der Frage nach dem „Woher“ längst nicht mehr nur um „Lücken“, die noch offen sind. Nein, es geht um die grundlegenden Fragen zur Entstehung der heutigen Realität, und zwar in allen Bereichen. Der rasante Erkenntnisgewinn hat keine natürlichen Entstehungsmechanismen zutage gefördert, sondern im Gegenteil immer mehr Hinweise auf absichtsvolles Design, dessen Entstehung nicht natürlich erklärbar ist.

Was sagt dieser Trend aus über die vier weltanschaulichen Grundannahmen?

Im starken sowie im schwachen Naturalismus wird erwartet, dass immer mehr natürliche Erklärungen gefunden werden – sowohl bei der Frage nach dem „Wie“ als auch bei der Frage nach dem „Woher“. Denn auch der schwache Naturalismus räumt vielleicht die Option eines übernatürlichen Anfangs ein (z.B. vor dem Urknall), der aber definitiv lange vor der Entstehung des Lebens auf der Erde anzusetzen ist. Aber nach diesem Anfang rechnet er nicht mehr mit übernatürlichen Eingriffen von außen.

Im Pantheismus wird erwartet, dass die natürlichen Erklärungen weder beim „Wie“ noch bei der Frage nach dem „Woher“ auf dem Vormarsch sind, weil ja überall mit göttlichen Kräften gerechnet wird, die die Reproduzierbarkeit durcheinanderbringen.

Aber beim biblischen Supernaturalismus wird genau das erwartet, was wir heute immer deutlicher vorfinden: Bei der Erforschung des Geschaffenen tauchen immer mehr natürliche Erklärungen auf. Das wird im biblischen Supernaturalismus erwartet, weil es sich um Geschaffenes handelt, das nach natürlichen Gesetzen funktioniert. Aber bei der Frage nach dem „Woher“ wird in diesem Denkmodell nicht die Entdeckung von immer mehr natürlichen Entstehungsmechanismen erwartet, sondern eine Zunahme von Hinweisen auf einen Designer. Denn gemäß der Aussage der Bibel ist die Welt das Produkt eines weisen, intelligenten Designers, eines Schöpfers.[17] Genau das zeigen auch die wissenschaftlichen Trends:

Wer von den vorgefundenen Fakten auf einen Schöpfer schließt, tut das also nicht aufgrund von Dingen, die wir nicht wissen (also auf der Basis von Lücken), sondern aufgrund von Dingen, die wir wissen: Zielorientiert angeordnete und zu komplexen Systemen absichtsvoll zusammengefügte Teile sowie verschlüsselte codierte Informationen sind immer ein Resultat der Tätigkeit eines absichtsvoll handelnden Geistes. Das wissen wir nicht nur intuitiv aus unserem Alltag, das bestätigt sich auch ständig empirisch in der wissenschaftlichen Forschung und wird zudem durch den zweiten thermodynamischen Hauptsatz gestützt.[18]

Noch nie wussten wir so viel über die unglaubliche Komplexität und Feinabstimmung der Natur wie heute. Es wirkt deshalb inzwischen wie ein eigenartiges Paradoxon, dass wir trotz dieses Wissenszuwachses heute annehmen, dass eine Gießkanne grundsätzlich das Werk von Designern und Ingenieuren ist, ein Schmetterling aber das Ergebnis von plan- und ziellosen Ursache-Wirkungsketten.

Vor dem Hintergrund der heutigen naturwissenschaftlichen Entwicklungen müssten wir eigentlich mehr denn je konstatieren, dass Paulus absolut recht hatte mit seiner Aussage: „Seit Erschaffung der Welt haben die Menschen die Erde und den Himmel und alles gesehen, was Gott erschaffen hat, und können daran ihn, den unsichtbaren Gott, in seiner ewigen Macht und seinem göttlichen Wesen klar erkennen.“ (Römer 1,20a). Daher dürfen sich auch moderne, aufgeklärte Menschen selbstbewusst zum biblischen Supernaturalismus bekennen, denn dieser ist weder wissenschafts- noch technikfeindlich, sondern er wird im Gegenteil von aktuellen naturwissenschaftlichen Trends klar gestützt.

Der biblische Supernaturalismus: Nach wie vor „verboten“ in der akademischen Welt

Trotz dieser Situation ist es bis heute so, dass der biblische Supernaturalismus bleibt in weiten Teilen der akademischen Welt „verboten“, weil er dem vorherrschenden rationalistisch geprägten Wissenschaftsbegriff widerspricht. Praktisch erleben musste das zum Beispiel der bereits erwähnte Paläontologe Dr. Günter Bechly. Bechly war noch bis vor wenigen Jahren beim Naturkundemuseum in Stuttgart beschäftigt. Im Jahr 2009 war er Kurator der weltweit beachteten Evolutionsausstellung in Stuttgart anlässlich des 150. „Geburtstags“ von Darwins Buch „Über den Ursprung der Arten“. Er war damals noch Atheist und nahm sich vor, den Glauben an die Entstehung der Natur durch einen intelligenten Designer in der Ausstellung möglichst lächerlich zu machen. Er bestellte deshalb einige Bücher, die die These eines intelligenten Designers vertreten, und legte sie auf die eine Seite einer Waage. Auf die andere Seite der Waage legte er Darwins Buch „Über den Ursprung der Arten“. Natürlich neigte sich in seiner Installation die Waage auf der Seite von Darwins Buch. Damit wollte Bechly zeigen: Alle diese Bücher über den intelligenten Designer sind Leichtgewichte. Als belastbares Schwergewicht hat sich allein Darwins Buch erwiesen, das uns bis heute den richtigen Weg weist.

Aber Bechly machte einen „Fehler“: Er nahm die Bücher über das intelligente Design in die Hand und begann, darin zu lesen. Die Inhalte überraschten ihn völlig. Denn er fand darin nicht den erwarteten religiös-funda­menta­listischen „Dünnpfiff“, sondern vielmehr starke Argumente, auf die er keine Antwort wusste und auf die er auch von Kollegen keine Antwort bekam. Aber Bechly blieb hartnäckig. Er begann, seine Fragen auf einer eigenen Homepage zu veröffentlichen. Das blieb nicht ohne Konsequenzen. Man strich ihm zuerst die Forschungsmittel. Schließlich hat sich das Museum von ihm getrennt.[19] Es ist also bis heute so: In Bezug auf den Supernaturalismus gibt es ein Denkverbot in unserer akademischen wissenschaftlichen Welt. Wer dieses Denkverbot übertritt, wird nicht selten ausgeschlossen. Entsprechend äußert auch z. B. der Theologe Patrick Becker[20]: „Weil das duale Denken[21] inzwischen nicht mehr viele Freundinnen und Freunde findet, darum hat auch diese Intelligent-Design-Richtung zumindest in Europa eher einen Außenseitercharakter.“ Drastischer noch formuliert der Theologe Prof. Siegfried Zimmer: „Man kann intelligent-design-mäßig Gottes Schaffen nicht analysieren. … Aus der Analyse der Welt kann man erkennen: Das hat ein Schöpfer gemacht. … So einfach ist es nicht. … Die lieben Christlein legen es sich so hübsch naiv zurecht.“ [22]

Wer also aus der Komplexität der Welt auf einen intelligenten Designer schließt, muss sich hier als „naives Christlein“ bezeichnen lassen. Diese Grundskepsis und sogar Verachtung gegenüber der Annahme einer übernatürlich wirkenden Kraft innerhalb von Raum und Zeit gilt erstaunlicherweise sogar in der Theologie. So schreibt Prof. Tapio Puolimatka: „Wenn Theologen zum Ausgangspunkt ihrer Forschung nehmen würden, dass Gott gesprochen habe und dass man Gottes Sprechen erkennen und verstehen könne, dann würden sie in einen Konflikt mit der breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit geraten.“ [23]

Naturalismus und biblischer Supernaturalismus: Gemeinsamkeiten und ein wichtiger Unterschied

Ein Vergleich zwischen dem Naturalismus und dem biblischen Supernaturalismus zeigt somit wichtige Übereinstimmungen: Beide Denkmodelle gehen davon aus, dass Naturphänomene in aller Regel eine natürliche Ursache haben. Deshalb sind für beide Denkmodelle die Instrumente der Beobachtung und der experimentellen Wiederholbarkeit sinnvolle wissenschaftliche Methoden zur Erforschung der Welt. Das heißt auch: Bei der Frage nach dem „Wie“ betreiben bibelgläubige Christen und Naturalisten die gleiche Art von erfolgreicher Wissenschaft.

Worin sich diese Denkmodelle aber nicht einig sind, ist die Frage: Können göttliche Eingriffe in Raum und Zeit möglicherweise die beste Erklärung bei Fragen nach dem „Woher“ sein? Und sind punktuelle, singuläre göttliche Eingriffe ins Weltgeschehen denkbar, z. B. bei der Auferstehung Jesu, bei biblischer Prophetie oder bei sonstigen Wundern?

Die Frage, welches Denkmodell der Wahrheit entspricht, kann die Wissenschaft nicht abschließend beantworten. Hier muss es deshalb Denkfreiheit geben für konkurrierende Modelle. Hier braucht es offenen Wettbewerb und respektvollen Dialog. In diesem Wettbewerb brauchen sich Christen, die der Bibel vertrauen, in keiner Weise zu schämen. Denn die biblischen Grundannahmen sowie das biblische Welt- und Menschenbild haben sich nach allem, was wir heute wissen, in beeindruckender Weise bestätigt.

Warum dieses Thema so wichtig ist: Die Wahrheit wird euch frei machen

Auf einem zentralen Gebäude der Universität Freiburg haben die Erbauer auf der Fassade einen Bibelvers eingeprägt, der eine Aussage Jesu wiedergibt: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“

Diese Inschrift zeigt drei Dinge:

  1. Die Suche nach der Wahrheit war schon immer ein Antrieb der Wissenschaft. Heute gibt es aber die Gefahr, das Konzept der Wahrheit zu verlieren. In der Postmoderne wurde vielfach ein alternatives Denkmodell kultiviert: Es gäbe überhaupt keine objektive Wahrheit sondern nur subjektive Wahrheiten. Das Problem daran ist: Wenn die Wahrheit stirbt, stirbt auch die Wissenschaft.
  2. Ganz offensichtlich haben die damaligen Leiter der Universität noch gewusst: Die Wissenschaft kann zwar die Schöpfung erforschen. Sie kann die Gedanken Gottes in der Schöpfung nach-denken. Aber für die letzten Fragen sind wir Menschen auf andere Wahrheitsquellen angewiesen. Auf die letzten Fragen finden wir nur Antworten, wenn dieser Jesus, der gesagt hat „Ich bin die Wahrheit“, sie uns offenbart.
  3. Die damaligen Leiter haben offenbar geahnt, dass es Konsequenzen hat, wenn Gesellschaften wahren oder falschen Denkansätzen folgen. Die Entscheidung für die richtigen Denkvoraussetzungen ist nicht eine Frage des Geschmacks sondern von Freiheit oder Knechtschaft.

Die Auseinandersetzung um die außerwissenschaftlichen Vorannahmen ist deshalb viel mehr als Denkakrobatik. In dieser Auseinandersetzung geht es um ungeheuer viel. Es ist deshalb von größter Bedeutung, dass Christen verstehen, dass es in jeder Hinsicht vernünftig und gut begründet ist, der Bibel zu vertrauen, dass sie uns eine solide Grundlage gibt für unser Denken, für unser Forschen, für unsere Ethik und für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Es lohnt sich, dafür gemeinsam offen einzustehen.


[1] Der Supernaturalismus wird oft auch als „Supranaturalismus“ bezeichnet.

[2] Zusammengefasst in Wikipedia unter https://de.wikipedia.org/wiki/Astralgottheit und  https://de.wikipedia.org/wiki/Donner#Mythologie

[3] Rudolf Bultmann: Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, in: Hans W. Bartsch (Hg.): Kerygma und Mythos, Bd. 1 (Theologische Forschung, Bd. 1), Hamburg 41960, S. 15–48, hier: S. 18.

[4] Brief vom 29. Mai 1944, Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, zit. n.

Berta Moritz: Schöpfung und Evolution, reloaded, 3.3.2016, http://www.kath.net/news/54251

[5] 1. Mose 1,14: „Und Gott sprach: Am Himmel sollen Lichter entstehen, um den Tag von der Nacht zu unterscheiden.“

[6] Z. B. 2. Mose 20,4: „Du sollst dir kein Götterbild machen.“

[7] Hans-Jörg und Wolfgang Hemminger: Jenseits der Weltbilder. Naturwissenschaft, Evolution, Schöpfung. Quell-Verlag Stuttgart 1991, S. 145f.

[8] Ernst Frankenberger: Gottbekenntnisse großer Naturforscher, Johannes-Verlag Einsiedeln 1994; S. 8

[9] Peter Gerdsen: Das Christentum in seiner Bedeutung für die moderne Wissenschaft, Professorenforum-Journal 2004, Vol. 5, No. 3, S. 46

[10] Clive S. Lewis, C.S. (1960) Miracles. Collins, Fontana; zitiert von Uwe Zerbst: Die Bibel vor der Wahrheitsfrage, online unter www.academia.edu/31864040/Die_Bibel_vor_der_Wahrheitsfrage, S. 142

[11] Carl F.v. Weizsäcker: Die Tragweite der Wissenschaft, Band. I: Schöpfung und Weltentstehung.

Die Geschichte zweier Begriffe, 4. Aufl., Hirtzel-Verlag Stuttgart 1973, S. 179-180

[12] James M. Tour: The Origin of Life Has Not Been Explained, online unter www.youtube.com/watch?v=r4sP1E1Jd_Y&t=683s, ab 10:50

[13] Michael J. Behe: Darwin Devolves, HarperOne New York, 2019

[14] Günter Bechly: Wissenschaft ohne Scheuklappen – Einwände gegen Darwins Evolutionstheorie, Vortrag vom 7.5.2018 beim Evangelischen Arbeitskreis der CDU Stuttgart, online unter https://www.youtube.com/playlist?list=PLwBfDPNE4CobU4KVWs2hPdFtHYIIhBUg9

[15] Markus Widenmayer (Hrsg.): Das geplante Universum, SCM Hänssler Holzgerlingen 2019

[16] Thomas Nagel: Geist und Kosmos: Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist, Suhrkamp Berlin 2016

[17] „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“ (1. Mose 1,1)

[18] Der zweite thermodynamische Hauptsatz besagt unter anderem, dass in einem geschlossenen System die Entropie (die man umgangssprachlich als ein Maß der Unordnung beschreiben kann) nicht abnimmt, sondern in der Regel zunimmt.

[19] Das berichtet Günter Bechly im Video „Zweifel an Darwin“, online unter https://www.youtube.com/watch?v=LWVIzw0mTOw&t=5s

[20] Patrick Becker: Wo bleibt der Sinn? Zu den Einseitigkeiten naturwissenschaftlicher Weltdeutung, Vortrag vom 20.5.2018 in Weimar, online in der Worthaus-Mediathek unter: https://worthaus.org/worthausmedien/wo-bleibt-der-sinn-zu-den-einseitigkeiten-naturwissenschaftlicher-weltdeutung-8-3-1/

[21] „Dual“ im Sinne einer Wechselwirkung zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen

[22] Siegfried Zimmer: Die erste Schöpfungserzählung (1. Mose 1,1-2,4a) – Teil 2, Vortrag vom 21.5.2018 in Weimar, online in der Worthaus-Mediathek unter: https://worthaus.org/worthausmedien/die-erste-schoepfungserzaehlung-1-mose-11-24a-teil-2-8-4-2/

[23] Tapio Puolimatka: Glaube, Wissenschaft und die Bibel, Ruhland Verlag Bad Soden 2018, S. 28


Weiterführend zu diesem Thema sind im AiGG-Blog (blog.aigg.de) u.a. folgende Artikel erschienen:

Um die Rolle von Denkvoraussetzungen („Vorurteilen“) sowie viele weitere Probleme in De­batten zwischen unter­schied­lich geprägten Christen geht es auch im Buch „Zeit des Umbruchs“, das im September 2019 bei SCM R. Brockhaus erschie­nen ist. Informationen, Leseproben, Stimmen und Rezensionen zum Buch gibt es unter zeitdesumbruchs.aigg.de.

Siehe dazu auch:

Wie Vorannahmen die (Bibel-)Wissenschaft beeinflussen – und warum sie von jedem Menschen auf Augenhöhe beurteilt werden können
Erkenntnisse aus dem Buch “Glaube, Wissenschaft und die Bibel” von Prof. Tapio Puolimatka