Wie bleiben wir Menschen mit Mission?

10 Zukunftsfragen an die Evangelikalen auf Basis des Buchs „Menschen mit Mission“ von Prof. Thorsten Dietz

Mit dem Buch „Menschen mit Mission“ hat Prof. Thorsten Dietz die bisher umfangreichste und differenzierteste Darstellung zur evangelikalen Bewegung in Deutschland vorgelegt. Welches Bild wird hier gezeichnet? Welche Konsequenzen folgen daraus für die Zukunft der Evangelikalen? Soviel ist sicher: Dieses Buch will wichtige Diskussionen anstoßen. Reden wir darüber!

Diese Artikelserie kann hier auch als PDF heruntergeladen werden.

Es soll Leute geben, die die Lektüre eines Buchs mit dem Ende beginnen. Das Ende von „Menschen mit Mission“ war für mich besonders spannend. Nach mehr als 450 Seiten steuert Thorsten Dietz auf der letzten Doppelseite auf diese finale Diagnose zu:

„Auch die evangelikale Bewegung in Deutschland hat ihre Krise. Dabei geht es längst nicht mehr in erster Linie darum, welche Beurteilung gleichgeschlechtliche Liebe findet und welch biblische Hermeneutik vertreten wird oder werden soll – sondern wie sie mit der Pluralität in ihren eigenen Kreisen umgeht: so, wie vom früheren Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz Michael Diener vorgeschlagen, dass die Evangelikalen, Pietisten etc. unterschiedliche moralische Überzeugungen aushalten und ihren gemeinsamen missionarischen Auftrag ins Zentrum stellen? Oder so, wie vor allem vom Netzwerk Bibel und Bekenntnis angestrebt, dass man sich verbindlich auf eindeutige Bekenntnisse einigt und entsprechend auf allen Ebenen durchsetzt, was in der jeweiligen Gemeinde, Kirche oder Allianz vertreten werden darf? Diese Grundfrage ist weiterhin ungelöst.“ (S. 458)

Thorsten Dietz ist bei weitem nicht der Einzige, der von einer Krise unter den Evangelikalen in Deutschland redet. Auch Ulrich Eggers schrieb jüngst in der Zeitschrift AUFATMEN: „Wir alle merken: Gemeinsam – das fällt in diesen Zeiten, in denen sich viele gewachsene Traditionen auflösen, selbst Einheits- oder Allianz-gewillten Christen zunehmend schwer! … Zunehmend zieht Misstrauen und Entfremdung ein, bedroht Einheit – und damit auch die gemeinsame Arbeitsplattform für missionarische Bewegung.“

Wenn es stimmt, dass der Umgang mit wachsender Pluralität tatsächlich DIE Herausforderung für die heutigen Evangelikalen ist, dann ist die zentrale Frage, der wir uns gemeinsam stellen müssen: Wie können wir die Einheit und die missionarische Dynamik der vielfältigen evangelikalen Jesusbewegung bewahren? Wie bleiben wir Menschen mit Mission?

Im Blick auf das Buch von Thorsten Dietz wäre dann zu fragen: Ist die Alternative, die Thorsten Dietz hier aufmacht, in dieser Form zutreffend beschrieben? Wir werden auf diese wichtige Frage am Ende dieser Artikelserie zurückkommen.

Die Evangelikalen: Eine einzigartige Erfolgsgeschichte

Thorsten Dietz macht in seinem Buch immer wieder deutlich: Es steht enorm viel auf dem Spiel! Immerhin handelt es sich bei den Evangelikalen heute um die weltweit zweitgrößte christliche Strömung nach dem Katholizismus (S. 92). Unbestreitbar blickt der Evangelikalismus auf eine beispiellose Wachstumsgeschichte zurück. In den USA waren um 1970 die sogenannten Mainline Churches, die historisch-protestantischen Kirchen in den USA (Anglikaner, Lutheraner, Reformierte etc.), doppelt so stark wie die Evangelikalen. Bis etwa 2005 hatten sich die Verhältnisse umgekehrt. (S. 37).

Der Erfolg der Evangelikalen zeigt sich auch im praktischen Gemeindeleben: Auf der Ebene der Gottesdienstbesuche oder gar der Gemeindegründung sind sie viel stärker als die liberalen Kirchen. (S. 339) Evangelikale besuchen häufiger den Gottesdienst, engagieren sich stärker ehrenamtlich und verbringen mehr Zeit in der Gemeinde. Dieses aktivere und lebendigere Gemeindeleben macht es auch für andere attraktiv, nicht zuletzt für die eigenen Kinder und Jugendlichen. Vergleichbare Befunde zeigen sich weltweit. (S. 425)

10 Zukunftsfragen an die Evangelikalen

Vor dem Hintergrund dieser erstaunlichen Erfolgsgeschichte führt das Buch von Thorsten Dietz zu einigen zentralen Zukunftsfragen für die evangelikale Bewegung:

  1. Was verbindet die Evangelikalen?
  2. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Evangelikalen?
  3. Haben die Evangelikalen ein Fundamentalismusproblem?
  4. Machen sich die Evangelikalen durch ihren Umgang mit der Wissenschaft unglaubwürdig?
  5. Was bedeutet das Phänomen der „Postevangelikalen“ für die evangelikale Bewegung?
  6. Ziehen sich die Evangelikalen zunehmend von der Gesellschaft zurück?
  7. Haben die Evangelikalen ein Problem mit „Rechts“(-populismus)?
  8. Fremdeln die Evangelikalen mit ihrem sozialen Auftrag?
  9. Stehen „Bekenntnis-Evangelikale“ für eine Profilierung durch Abgrenzung?
  10. Wie kann angesichts wachsender Pluralität heute noch Einheit in Vielfalt gelingen?

Die folgenden 10 Artikel greifen zu jeder dieser Fragen einige zentrale Thesen von Thorsten Dietz heraus und stellen dazu die drei folgenden Fragen:

  • Was können wir von Thorsten Dietz lernen?
  • Gibt es Anfragen oder Gegenperspektiven zu den Thesen von Thorsten Dietz?
  • Worüber sollten wir uns dringend gemeinsam klar werden?

Im finalen Artikel wage ich ein persönliches Fazit. Und ich möchte mich persönlich verorten auf der Landkarte, die Thorsten Dietz in seinem Buch zeichnet. Ich hoffe, ich konnte Dein Interesse wecken? Wenn ja, dann legen wir los mit

Frage 1: Was verbindet die Evangelikalen?

Zitate aus dem Buch sind in Farbe herausgehoben.

Das Buch “Menschen mit Mission” von Prof. Thorsten Dietz ist hier erhältlich.

3 Gedanken zu „Wie bleiben wir Menschen mit Mission?“

  1. Ich bin gespannt, wie die ANTWORTEN ausfallen. – Für mich ist ein Leitsätze von Dr. Fritz Laubach wichtig, den er mir im Zusammenhang mit seinem 90. Geburtstag geschrieben hat: ” Wir wollen demütig und unbeirrt an der Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift festhalten.”

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