Gottvertrauen: Die vergessene Kunst, die wir ganz neu lernen müssen

Ein Hinweis zu Beginn: Der Inhalt dieses Artikels mag auf den ersten Blick banal auf Dich wirken. Aber ich möchte Dich bitten: Klicke nicht einfach weg. Denn tatsächlich glaube ich: Das Thema dieses Artikels sollte gerade jetzt ganz oben auf unserer Agenda stehen. Meine Befürchtung ist: Christen, die sich damit nicht aktiv auseinandersetzen, könnten es schwer haben in den kommenden Tagen. Deshalb könnte diese Botschaft buchstäblich überlebenswichtig für Dich sein. Bitte lass mich versuchen, Dir zu erklären, warum:

Man kann seine Hoffnung und sein Vertrauen auf alles Mögliche setzen: Auf die eigene Klugheit. Auf das Bankkonto. Auf die Familie und andere „Connections“, die man so hat. Auf das Glück, das einen schon nicht verlassen wird. Auf Versicherungen. Auf Ärzte und Krankenhäuser. Auf den Fleiß, der doch bestimmt irgendwann auch einen Preis nach sich ziehen wird. Auf…

Wenn wir ehrlich sind, verlassen wir uns alle auf solche Dinge – auch als Christen. Wir haben viele Jahrzehnte in einem Land gelebt, in dem man damit zumeist auch gut durchgekommen ist. Aber in vielen Christen wächst gerade das Gefühl: Diese Zeiten könnten zu Ende gehen. Jeden Tag müssen wir mit ansehen, wie ein Sicherheitsanker nach dem anderen wegbricht, auf die wir uns bisher ganz selbstverständlich verlassen haben: Wirtschaftliche Stabilität. Gesundheit. Frieden. Geldwert. Gesunde Umwelt. Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Überlegenheit von Vernunft, Fakten und Ehrlichkeit. Religionsfreiheit. Plötzlich ist nichts mehr davon sicher.

Meine Prognose ist: Das wird nicht besser werden. Jesus hat für die letzte Zeit Wehen angekündigt (Matthäus 24,8). Wehen haben die Eigenschaft, zum Ende hin in immer kürzeren Abständen zu kommen und heftiger zu werden. Der Hebräerbrief kündigt an, dass Alles erschüttert wird, bis am Ende nur noch das unerschütterliche Reich Gottes bleibt (Hebräer 12,27). Wir sollten also nicht überrascht sein, wenn die Serie von Krisen weitergeht – und sogar noch schlimmer wird.

Immer öfter höre ich von Menschen, die diese Entwicklungen immer schlechter verkraften. Die Zuversicht schwindet. Manche Menschen werden passiv, depressiv, antriebslos, fatalistisch oder zynisch. Manche flüchten sich in aktivistischen Widerstandskampf – und zerstören damit erst recht den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Andere wollen mangels Zukunft keine Kinder mehr bekommen – und zerstören damit erst recht die Zukunft.

Wir Christen sind davon überhaupt nicht ausgenommen. Jesus sagte: Wir leben in der Welt. Und in der Welt habt ihr Angst (Joh. 16,33). Wenn ich ehrlich bin, spüre ich diese Angst zunehmend auch in mir hochkriechen, wenn ich Nachrichten oder Talkshows schaue oder in den sozialen Medien unterwegs bin. Und ich frage mich: Wie soll ich damit umgehen?

Kein biblisches Buch hat mir bei dieser Frage so sehr geholfen wie die Psalmen. Diese uralten Lieder fordern mich wieder und wieder heraus, meine Hoffnung WIRKLICH und TATSÄCHLICH auf Gott zu setzen:

„Du Israel, vertraue dem Herrn! Er allein bietet Hilfe und Schutz.“ (Ps. 115, 9)

„Glücklich ist, wer den Gott Jakobs zum Helfer hat, wer seine Hoffnung auf den Herrn setzt, auf seinen Gott!“ (Ps. 146, 5)

Denn du bist meine Hoffnung, mein Herr. Von meiner Jugend an, Herr, bist du der Grund für meine Zuversicht.“ (Ps. 71,5)

Die Psalmen sind voll von solchen Aussagen. Nur leider habe ich viele Jahre viel zu achtlos über sie hinweggelesen. Vermutlich neigen wir Christen im Westen dazu, solche Sätze als fromme, herzerwärmende Floskeln abzutun. Dabei geht es hier in Wahrheit um ein radikal anderes Lebenskonzept, das wir heute kaum noch kennen und das auch zur Zeit Davids äußerst selten und absolut außergewöhnlich war!

Nirgends wird das so deutlich wie in der Geschichte von David und Goliath. Während das gesamte Heer Sauls vor dem prahlerischen Riesen schlottert, bleibt David völlig cool und geht Goliath schließlich entgegen mit den kühnen Worten: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Speer. Ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaot. Er ist der Gott der Schlachtreihen Israels, die du lächerlich gemacht hast.“ (1. Samuel 17, 45)

David hat dieses Gottvertrauen tatsächlich gelebt, das er in den Psalmen besungen hat! Und genau das hat in seinem Leben den entscheidenden Unterschied gemacht! Ich ahne zunehmend: Es ist genau dieses Gottvertrauen, das wir Christen heute ganz neu lernen müssen. Denn Gottvertrauen ist wie ein Muskel, der trainiert werden muss. Wir Christen in Mitteleuropa haben diesen Muskel viele Jahrzehnte lang kaum gebraucht. Entsprechend schlaff ist er geworden. Wenn ich auf meine alltäglichen Gefühlswelten und Entscheidungen schaue, dann merke ich mit Schrecken, wie schwach mein Gottvertrauen in Wahrheit immer noch ist.

Die große Frage lautet deshalb: Wie können wir in diesen ganz anderen, außergewöhnlichen Lebensstil des Gottvertrauens hineinfinden, den David hatte? Bitte lass mich Dir ein paar Gedanken weitergeben, die mir dazu wichtig geworden sind:

1. Den Lebensstil des Gottvertrauens kann man nur mit intensivem Bibelstudium lernen.

Ich muss mich vertiefen in die Geschichten, Gedanken und Lieder dieser Leute, die ihr Vertrauen auf Gott gesetzt haben. Ich muss mich anstecken lassen von ihrer radikal anderen Perspektive, durch die sie mit Gott Geschichte schreiben konnten.

Ich versuche zudem, bestimmte Bibelverse immer und immer wieder durchzukauen, damit sie tiefer in mein Bewusstsein sinken: „Meine Kraft und meine Stärke ist der Herr.“ (Ps. 118, 14) „Nur er ist mein Fels und meine Rettung – meine feste Burg, sodass ich nicht wanke.“ (Ps. 62, 3) „Gott ist für uns eine starke Zuflucht. In höchster Not steht er uns bei. Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Fundamente der Erde schwanken und die Berge mitten im Meer wanken.“ (Ps. 46, 2-3)

Besonders wichtig wurde mir der folgende Vers, den ich mir vor allem morgens nach dem Aufstehen immer wieder selbst zuspreche:

„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.“ (Sprüche 3,5+6)

2. Ich will es mir zur Gewohnheit machen, meine Hoffnungen, meine Träume, meine Pläne, meine Aktivitäten und meine Befürchtungen immer wieder im Gebet in Gottes Hände zu legen.

In Psalm 127,1 sagt Salomo: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, nützt es nichts, dass sich die Bauleute anstrengen. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, nützt es nichts, dass der Wächter wachsam bleibt.“ Ich versuche, mir diese Wahrheit vor Augen zu halten und auf dieser Basis immer wieder zu beten: Lass das Werk unserer Hände gelingen!“ (Psalm 90, 17). Das klingt banal. Aber es ändert tatsächlich die ganze Art, wie wir unsere Herausforderungen und Projekte angehen.

3. Es ist wichtig, vergangene Erfolge und Siege richtig einzuordnen.

David hat Gottes Leute ermahnt: „»Wäre der Herr nicht für uns gewesen«, so soll Israel sprechen! »Wäre der Herr nicht für uns gewesen, als uns Menschen angegriffen haben: Dann hätten sie uns lebendig verschlungen…“ (Ps. 124, 1-3a) Unser Gottvertrauen steht und fällt mit der Dankbarkeit für Gottes Hilfe in all den großen und kleinen Herausforderungen des Lebens, die hinter uns liegen. Deshalb fordert David auch sich selbst auf: „Lobe den Herrn, meine Seele! Und vergiss nicht das Gute, das er für dich getan hat!“ (Ps. 103,2)

Wichtig ist in all dem:

Wir müssen unseren Muskel des Gottvertrauens trainieren, BEVOR es so richtig ernst wird!

Zwar ist es nie zu spät, sein Vertrauen auf Gott zu setzen. Aber wenn die Krise erst einmal da ist, dann tust Du Dich definitiv sehr viel leichter, wenn Du diesen Muskel schon vorher trainiert hast. Lass uns nicht naiv sein. Es gibt zu viele traurige Beispiele von Menschen, die durch Krisen buchstäblich überrollt und zerstört worden sind. Das sollte uns mahnen: JETZT ist die Zeit, unseren Glaubensmuskel zu trainieren! Deshalb hoffe ich so sehr, dass es mir gelingt, mit der Kraft von Gottes Wort und der Hilfe des Heiligen Geistes immer mehr hineinzufinden in diesen ganz besonderen Lebensstil, den David uns so eindrücklich vorgelebt hat.

Noch etwas ist mir wichtig:

Letztlich sind die Krisen unserer Zeit auch eine Chance für uns Christen!

Je dunkler es draußen wird, umso stärker können wir Christen dadurch auffallen, dass wir eine völlig andere, gänzlich unerschütterliche Hoffnung haben – weil der Gott, auf den wir hoffen, nun einmal nicht erschüttert werden kann und weil selbst der Tod für Christen nur eine Durchgangsstation zur Herrlichkeit ist. Deshalb könnten wir Christen gerade jetzt auffallen durch einen Frieden, der nicht an friedlichen Umständen hängt, sondern „alles Verstehen übersteigt“ (Philipper 4,7). Die unerschütterliche Hoffnung, die sogar die Märtyrer in der Arena nicht verließ, hatte schon das frühe Christentum so attraktiv gemacht. Es kann auch heute wieder die Kirche Jesu zum anziehenden Licht in der Finsternis machen.

Deshalb ist meine Frage an Dich: Machst Du mit? Lässt Du Dich rufen ins Trainingscamp, in dem unser Muskel des Gottvertrauens aufgebaut wird? Das wäre gut. In unseren Familien, Gemeinden, Dörfern und Städten werden gerade jetzt so dringend Menschen gebraucht, die wie David gelernt haben, ihre Hoffnung auf Gott zu setzen und im Vertrauen auf ihn mutig zu handeln! Willst Du einer davon sein? Willst Du Dich trainieren lassen, um dann auch anderen Mut machen und Hoffnung bringen zu können? Dann höre, was Gott Dir zu sagen hat:

„Glücklich sind die Menschen, Herr Zebaot, die sich ganz auf dich verlassen.“ (Ps. 84, 13)

„Es wird ja keiner enttäuscht, der auf dich hofft.“ (Ps. 25,3)

Und lass Dich ermutigen, durch das was Jesus uns mit auf diesen Weg gegeben hat:

„Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28,18+20)

Die stärkste Macht des Universums ist hier! Sie ist mit uns! Sie ist auf unserer Seite! Lass uns gemeinsam lernen, in und aus diesem Bewusstsein zu leben – jeden Tag ein wenig mehr.

Wichtiger denn je: Fester Halt in stürmischen Zeiten

Das Internet ist Segen und Fluch. Es bietet phantastische Möglichkeiten, das Evangelium zu verbreiten. Aber es überflutet uns auch mit einer unfassbaren Vielfalt an Meinungen und Positionen, die wir selbst oft gar nicht bewerten können. Ich merke das besonders in der Corona-Krise: Ständig werden uns Daten präsentiert, die ganz klar eine bestimmte Meinung belegen sollen. Das Problem ist nur: Man kann mit Zahlen und Daten fast alles belegen, sogar dass es ganz eindeutig die Störche sind, die uns die Kinder bringen, wie die hier verlinkte Grafik zeigt. Wer da noch widerspricht, dem ist angesichts dieser klaren Fakten doch nicht mehr zu helfen, oder? 😉

Eigentlich hätten gerade die öffentlich-rechtlichen Medien die Aufgabe, die gewaltige Daten- und Meinungsflut für uns zu filtern, professionell zu bewerten und uns mit gut begründeten und soliden Fakten und Positionen zu versorgen. Leider haben in den vergangenen Jahren viele Menschen das Vertrauen verloren, dass die öffentlich-rechtlichen Medien dieser Aufgabe gerecht werden. Umfragen haben belegt, was Viele längst in der Berichterstattung gespürt haben: Der politische Journalismus ist deutlich stärker links orientiert als das gesellschaftliche Spektrum. Und nicht wenige Journalisten haben begonnen, die Menschen mit ihrer Berichterstattung erziehen zu wollen, statt einfach nur neutral zu berichten, was lost ist in der Welt. Dieser zunehmende “Haltungsjournalismus” hat gerade auch im konservativen Spektrum bewirkt, dass immer mehr Menschen zu sogenannten „alternativen Medien“ abgewandert sind. Auch ich habe dort vieles gelesen, was ich spannend und einleuchtend fand. Nur: Es wäre ein schwerer Irrtum, zu glauben, dass alternative Medien wirklich verlässlicher wären.

Das Internet ist nun einmal insgesamt eine wenig verlässliche Informationsquelle. Sehr oft ist es ganz einfach nur ein Ort, an dem Stimmung und Meinung gemacht wird mit vereinfachten, emotional aufgeheizten Botschaften, die möglichst viele Klicks generieren sollen. Und niemand von uns sollte denken, er wäre davor gefeit, sich mitreißen zu lassen und infiziert zu werden von charismatischen Wortführern oder von den Anklagen dramatischer Schwarzmaler und Verschwörungstheoretiker.

Und niemand von uns sollte denken, dass wir die Stimmen und Meinungen im Internet immer richtig bewerten könnten. Denn in der Geschichte gab es ja tatsächlich immer wieder beides: Phantastische Aufbrüche, bei denen es gut gewesen wäre, wenn noch mehr Leute sich hätten anstecken lassen. Und düstere Verschwörungen, bei den es wichtig gewesen wäre, wenn mehr Leute frühzeitig dagegen aufgestanden wären. Wer hinter jeder Euphorie nur Schönfärberei und hinter jeder düsteren Warnung nur Verschwörungstheorien sieht, der hat die Geschichte nicht auf seiner Seite.

Orientierung wird überlebenswichtig

Wir sind also doppelt gefährdet: Wir können mitgerissen werden von falschen, manipulierenden Botschaften. Und wir können aus Misstrauen blind werden für echte Chancen und für ernstzunehmende Warnungen. Und ich glaube: Noch nie war es so schwierig, das eine vom anderen zu unterscheiden. Je aufgewühlter und polarisierter die Welt um uns herum ist, umso größer wird die Gefahr, irgendwann auf einen völlig falschen Zug aufzuspringen.

In all dem bin ich überzeugt: Die stürmischen Zeiten haben gerade erst begonnen. Deshalb ich möchte Dich inständig bitten: Vertrödle nicht Deine Zeit mit 1000 Ablenkungen! Suche JETZT nach einer festen, tragfähigen Verankerung für dein Leben! Du brauchst mehr denn je einen Kompass, der Dich verlässlich vor Verirrung schützen kann.

Aber wo finden wir diesen festen Anker? Wo finden wir diesen Kompass, der uns zuverlässig durchs Dikicht der widerstreitenden Meinungen und Informationen führt? Zu dieser Frage möchte ich Dir heute 2 Dinge dringend ans Herz legen, weil ich sie in der vor uns liegenden Zeit wirklich für überlebensnotwendig halte:

1. Lebe eine leidenschaftliche Christusbeziehung im Alltag

Halte Dich ganz eng an den Einzigen, der wirklich den Überblick hat: Jesus Christus! Sei Dir dabei bewusst: Es reicht nicht, an Jesus zu glauben oder die grundlegenden christlichen Überzeugungen für wahr zu halten. Was Du brauchst ist eine echte, persönliche Beziehung zu Jesus. Sei mit ihm auf Du und Du! Suche seine lebendige Gegenwart! Nimm Dir Zeit für Stille und Gebet! Suche dafür Formen, die alltagstauglich sind! Vielleicht gehst Du gerne spazieren und beten im Wald. Vielleicht richtest Du Dir eine Gebetsecke in Deiner Wohnung ein. Vielleicht gründest Du eine kleine Gebetsgruppe, mit der Du Dich regelmäßig triffst. Wie auch immer Du es machst: Es muss echt und lebendig sein. Es muss geisterfüllt sein. Jesus kann und will Dir begegnen, immer wieder neu. Er ist kein totes Dogma, sondern ein lebendiger Herr, der uns liebt, der uns begegnet, der unsere Gebete hört. Nichts brauchst Du in diesen stürmischen Zeiten mehr als die intakte Verbindung zu Deinem Herrn, Deinem Freund, Deinem Versorger, Helfer, Tröster, Beschützer, Ermahner, Vater, Schöpfer, Retter und Erlöser Jesus Christus. Mach es Dir zum wichtigsten in Deinem Leben, ihn zu loben und zu lieben. Bitte ihn regelmäßig um Wegweisung und Weisheit.

In SEINER Nähe wirst Du merken: Die Krisen und Stürme um uns herum haben nicht das letzte Wort. ER hat alles unter Kontrolle. Bei IHM bist Du auf der Seite des Siegers. Du kannst nicht tiefer fallen als in seine Hand. Das macht gelassen. Das macht fröhlich. Das macht dankbar. Das gibt Frieden und Hoffnung. Wer sich an Jesus hängt wird immer weniger anfällig dafür, sich zu sehr an fehlerhafte Menschen zu hängen. Und wer die Stimme des guten Hirten hört, der kann schneller auch die Stimmen erkennen, die nicht aus diesem Christusfrieden heraus kommen sondern die uns manipulieren, Angst machen, empören oder von Christus weglocken wollen. Jesus hat es fest versprochen:

„Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden in Ewigkeit nicht ins Verderben stürzen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.(Johannes 10, 27+28)

2. Verwurzle Dich tief in Gottes Wort

Falls Dir das Bibellesen schwerfällt, habe ich heute eine schlechte Nachricht für Dich: Es gibt keine Alternative dazu! Du kannst auf Dauer nicht leben von dem, was Gott zu Anderen gesagt hat. Es reicht nicht, immer nur Impulse, Predigten, Vorträge oder Bücher zu konsumieren. Wenn es ernst wird, dann wird Dir nur das, was Du selbst von Gott gehört hast, wirklich Halt und Orientierung geben. Und da Gott nun einmal vor allem und primär durch die Bibel zu uns spricht, musst Du lernen, dieses Buch zu lesen und zu lieben. Es gibt keinen anderen verlässlichen, Orientierung gebenden Maßstab in dieser Welt außer Gottes lebendiges Wort, das wir in der Bibel finden.

Aber ich habe auch eine gute Nachricht für Dich: Dieses Buch mag manchmal schwer zu verstehen sein. Aber je mehr man sich damit befasst, umso faszinierender, tiefer und kraftvoller wird es. Und die wirklich wichtigen Dinge sind darin am Ende doch sehr viel leichter zu verstehen, als man am Anfang glaubt. Wichtig ist dabei: Rechne damit, dass es wirklich Gott ist, der hier spricht. Denn genau das ist der Selbstanspruch dieses Buches. Vertraue darauf, dass der Heilige Geist Dir dieses Buch aufschließen und verständlich machen kann. Ich bin mir sicher: Es wird Dir am Ende genau so gehen wie mir: Dieses Buch ist ein kostbarer Schatz. Es hat mein Leben total verändert. Verpasse nicht, dieses Buch zu Deinem ständigen Begleiter zu machen. Und höre auf das, was Gott zu Josua sagte:

„Hör nicht auf, in dem Gesetzbuch zu lesen, und denk Tag und Nacht darüber nach. So weißt du, worauf du achtgeben musst. So kannst du dein ganzes Tun danach richten, wie es darin geschrieben steht. Dann wird dir alles gelingen, was du unternimmst. Dann hast du Erfolg.“ (Josua 1, 8)

Sei kein Einzelkämpfer, sondern lass Dir helfen

Ich verspreche Dir: Wenn Du diese beiden Punkte befolgst, dann bist Du schon mal auf einem ziemlich soliden Kurs. Unser Problem ist nur: In unserer lauten und ablenkungsreichen Welt fällt das Beten und Bibellesen so leicht unter den Tisch. Was wir deshalb unbedingt dazu noch brauchen ist die Gemeinschaft mit Menschen, die mit uns auf diesem Weg der Jesusnachfolge sind. Menschen, die uns ermutigen, für uns beten, uns ermahnen und Mut machen, auf dem Weg mit Jesus weiter zu gehen. Und dazu brauchen wir eine gesunde Verwurzelung in der historischen und weltweiten Christenheit. Ich werde sehr skeptisch, wenn ich theologische Positionen höre, die behaupten, die Bibel plötzlich besser verstehen zu können als zahllose Generationen von Christen vor uns. Der Heilige Geist hat schon immer den Menschen geholfen, die Bibel zu verstehen. Er tut es auch heute auf der ganzen Welt. Deshalb ermutige ich Dich, gute Bücher von wichtigen christlichen Lehrern zu lesen und gute Vorträge zu biblischen Themen zu hören. Dafür ist auch das Internet eine große Hilfe. Bleibe stets eine Lernender, damit Du nicht einseitig wirst und allzu viele blinde Flecken bekommst.

Wirf JETZT den rettenden Anker aus!

Es ist eigentlich gar nicht schwer: Pflege Deine Christusbeziehung. Verwurzele Dich in Gottes Wort. Lerne von der weltweiten und historischen Christenheit. Und teile Dein Leben mit Geschwistern, die gemeinsam mit Dir Jesus dienen und nachfolgen. Ich bin mir sicher: Je dunkler es in unserer Gesellschaft wird, umso mehr werden die Menschen und Gemeinschaften, die einen festen Halt in Christus gefunden haben, ein Licht sein in dieser Welt. Und viele werden kommen, um sich an diesem Licht zu orientieren.

Jetzt wieder im Angebot: Das Corona-Trainingslager

Ich finde Corona absolut ätzend. Denn ich liebe es, Jesus gemeinsam mit anderen Christen anzubeten. Ich liebe es, gemeinsam auf Gottes Wort zu hören. Ich liebe es, meine Brüder und Schwestern zu umarmen, mich mit ihnen auszutauschen, mit- und füreinander zu beten. Kurz: Ich liebe christliche Gemeinschaft! Sie war schon immer ein zentrales Element des Christentums. Und die Corona-Welle im Frühjahr hat mir gezeigt: Diese Gemeinschaft kann nicht digital ersetzt werden. Social distancing geht mit christlichem Gemeindeleben schlicht nicht zusammen.

Trotzdem muss ich mich jetzt wieder der Tatsache stellen: Die staatlichen Regeln lassen vieles von dem, was mir so kostbar ist, im Moment schlicht und einfach nicht zu. Heißt das, dass wir die nächsten Wochen unser Christsein wieder nur halb leben können? Nein, ich glaube: Solche Auszeiten können auch eine Chance sein, um etwas entscheidend Wichtiges zu lernen und zu trainieren. Denn die Corona-Zeit konfrontiert uns Christen wieder mit einer äußerst wichtigen Frage:

Wie viel von unserem Christsein lebt auch dann noch, wenn die Gemeindeprogramme wegfallen?

Bleibt unser Glaube trotzdem frisch und lebendig, weil wir gelernt haben, selbst direkt zur Quelle zu gehen, selbst aus ihr zu schöpfen, uns selbst im Glauben zu verwurzeln und zu wachsen? Können wir auch alleine Jesus begegnen und ihn anbeten? Können wir alleine erleben, wie Gottes Wort uns anspricht, bewegt und verändert? Oder versandet alles, wenn wir nicht von Mitchristen und Hauptamtlichen motiviert, bepredigt und in fromme Stimmung gebracht werden?

Eigentlich ist unsere „Corona-Situation“ gar nicht so ungewöhnlich. Die Kirche Jesu musste schon oft damit umgehen, dass sie sich nicht freizügig versammeln kann. Verfolgung war und ist für Christen weltweit eigentlich eher der Normalfall. Unsere Freizügigkeit, die uns so selbstverständlich vorkommt, ist in Wahrheit eher eine Ausnahme, die auch bald wieder vorbei sein kann. Und dann? Was werden wir tun, wenn es nicht mehr so einfach möglich ist, sich zu treffen? Was werden wir tun, wenn wir uns kein Gebäude und keinen Hauptamtlichen mehr leisten können? Wird dann auch unser Glaube vertrocknen? Das wäre tragisch.

Ich finde: Bei aller berechtigten Traurigkeit sollten wir die Corona-Einschränkungen auch als ein Trainingslager begreifen, auf dem wir lernen können, geistliche Selbstversorger zu werden. Jetzt ist eine großartige Zeit, zur Ruhe zu kommen, still zu werden, und ganz neu Beten zu lernen. Jetzt ist eine großartige Zeit, um sich ganz neu in die Bibel zu vertiefen. Jetzt ist eine großartige Zeit, endlich mal wieder ein richtig gutes geistliches Buch zu lesen (meine aktuelle Empfehlung: „Jesus. Eine Weltgeschichte“ von Markus Spieker! Hammer!!!). Jetzt ist die Zeit, ganz in Ruhe unsere geistlichen Wurzeln zu pflegen, unsere erste Liebe zu Jesus zu bewässern und die geistlichen Grunddisziplinen ganz neu einzuüben. Wenn wir das tun, wird die Corona-Zeit sowohl für unseren persönlichen Glauben als auch für die ganze Kirche Jesu ein wahrer Jungbrunnen sein.

In Kolosser 2, 6+7 fasst Paulus zusammen, was jetzt wichtig ist:

„Wie ihr nun Christus Jesus als euren Herrn angenommen habt, so lebt auch mit ihm und seid ihm gehorsam. Senkt eure Wurzeln tief in seinen Boden und schöpft aus ihm, dann werdet ihr im Glauben wachsen und in der Wahrheit, in der ihr unterwiesen wurdet, standfest werden. Und dann wird euer Leben überfließen von Dankbarkeit für alles, was er getan hat.“

Die Nähe Jesu suchen. Auf ihn hören. Mit ihm leben. Ihm nachfolgen. Aus seiner Quelle schöpfen. Sich in seinem Wort verwurzeln. Durch seine Wahrheit standfest werden. Ganz neu dankbar werden für das, was er für uns getan hat. Das wünsche ich Dir und mir ganz besonders in dieser wichtigen, wertvollen Zeit.

10 Gründe, warum ich froh bin, Christ zu sein

Ein runder Geburtstag ist immer ein guter Moment, um Bilanz zu ziehen. Dieses Jahr fiel mir auf, was für ein unglaubliches Privileg es doch ist, Christ sein zu dürfen. Hier kommen meine 10 wichtigsten Gründe dafür:

1. Ich habe eine Schuldmüllabfuhr! Ohne Jesus müsste ich versuchen, mein schlechtes Gewissen zu verdrängen und meinen Mist unter den Teppich zu kehren. Aber auf Dauer lebt es sich nicht gut auf ausgebeulten Teppichen. Wie gut, dass Jesus meinen Schuldschein zerrissen, ans Kreuz geheftet[1] und meine Schuld ins äußerste Meer geworfen hat.[2] Sie ist wirklich getilgt – beglaubigt vom obersten Weltenrichter persönlich. So gut, das zu wissen!

2. Ich habe eine weltweite Familie! Freunde zu haben, ist ja immer schön. Aber hast Du schon mal eine Gemeinschaft erlebt, in der Jesus die Mitte ist? Das fühlt sich für mich eher wie Familie an – Brüder und Schwestern, mit denen ich gemeinsam auf dem Weg bin. Wir teilen unser Leben und unsere Not. Wir beten füreinander. Diese Art von tiefer Verbundenheit habe ich bislang nur unter Christen erlebt. Ich möchte es nicht mehr missen.

3. Musik hat eine neue Dimension! Musikliebhaber war ich schon immer. Aber vor einigen Jahren habe ich Musik kennen gelernt, die nicht nur schön ist sondern dazu eine Ewigkeitsdimension enthält. Sie erhebt meine Seele zu Gott und bringt mich mit meinem himmlischen Vater in Verbindung. Wundervoll! Kein Wunder, dass Christen zu allen Zeiten leidenschaftlich gern gesungen haben.

4. Ich habe eine Informationsquelle, die hinter den Vorhang sieht! Sterben müssen wir alle. Aber was ist dann? Mein Lieblingsbuch, die Bibel, erzählt von einem Mann, der nachweislich von den Toten auferstanden ist. Er sagt: Wenn ich ihm vertraue, werde auch ich mit ihm ewig leben[3] – und feiern! Das nimmt meiner Todesangst die Spitze. Die Perspektive Ewigkeit taucht auch mein Diesseits in ein hoffnungsvolles Licht.

5. Mein Engagement hat ewigen Wert! Welchen Sinn macht es, mich abzurackern, wenn mein letztes Hemd doch keine Taschen hat? Jesus hingegen hat gesagt: Was ich für ihn und in seinem Namen tue, hat für mich und für andere Bedeutung über den Tod hinaus. Ich empfinde es als zutiefst befriedigend, Dinge zu tun, die derart nachhaltig sinnvoll sind. Ich liebe es, ein Leben zu führen, das sich wirklich lohnt.

6. Meine Bedeutung hängt nicht von meiner Leistungsfähigkeit ab! Ich muss kein High-Performer sein, um ein wert-volles Leben zu führen. Selbst wenn meine Kraft zerfällt, wenn kein Mensch mir mehr applaudiert und ich vielleicht nur noch beten kann, bin ich in Gottes Augen immer noch ein bedeutungsvoller Weltbeweger! Das gibt meinem Leben eine Würde, die mir niemand so einfach nehmen kann.

7. Ich bin wie verrückt geliebt! Ich habe einen Vater im Himmel, der mir seine Liebe ultimativ bewiesen hat, indem er in Jesus für mich den schrecklichen Weg ans Kreuz gegangen ist.[4] Er spricht mir zu, sein Sohn zu sein – ein geliebtes Kind des Königs[5], das nicht wegen seines Verhaltens sondern um seiner selbst willen geliebt wird. Mein Durst nach Liebe hat eine Quelle gefunden, die nie versiegt.[6] Welch ein Privileg!

8. Mein Gebetstelefon ist 24/7 verbunden mit dem Zentrum der Macht! Mein Beistand ist nie weiter als ein Gebet von mir entfernt.[7] Und ich weiß, dass Gebet Kraft hat – auch wenn es nicht immer so erhört wird, wie ich mir das wünsche. Oft habe ich erlebt, dass Gott auch heute noch Wunder tut. Wer meint, das seien Zufälle gewesen, täuscht sich. Zu offensichtlich war Gottes Eingreifen. Jesus ist tatsächlich bei mir an jedem Tag – wie er es versprochen hat.[8] Er hilft mir und er gibt mir Kraft. Danke Jesus!

9. Gottes Stoppschilder schützen mich vor Abgründen! Mein himmlischer Vater hat für mich ein paar Dinge zum absoluten Tabu erklärt: Mich mit einer anderen Frau einzulassen. Pornos anschauen. Zu einer Prostituierten gehen. Das und noch manches mehr sind absolute NoGos, über die ich nicht einmal nachdenken sollte. Wie gut! Dass ich heute den Segen einer intakten Ehe und Familie genießen darf, hat ganz sicher auch damit zu tun.

10. Egal, was kommt: Das Beste liegt immer noch vor mir! Je älter ich werde, umso mehr Energie, Gesundheit und Leistungsfähigkeit werde ich verlieren. Umso mehr schwinden meine Möglichkeiten. Trotzdem muss ich nicht fürchten, etwas verpasst zu haben. Ganz egal was kommt: Es gibt immer Hoffnung! Da liegt immer noch ein Leben vor mir, das unfassbar viel schöner ist als alles, was es hier auf dieser Erde zu erleben gibt.

Alles das habe ich mir nicht verdient. Ich bin ja nicht besser als irgendjemand sonst. Diese Privilegien kann man sich auch gar nicht verdienen. Sie sind ausschließlich kostenlos zu haben![9] Was wir Jesus dafür bringen müssen, ist nur unsere Schuld. Das Kreuz ist die Abgabestelle. Dass Jesus dort mein Versagen ausbaden musste, holt mich bis heute von meinem hohen Ross. Und es braucht ein wenig Vertrauen, um ihn zum Mittelpunkt und Bestimmer meines Lebens zu machen. Aber meine Erfahrung ist: Es lohnt sich! Total!

Natürlich gehe auch ich – genau wie alle Menschen – durch schmerzhafte Krisen und tiefe Täler. Christsein ist kein Freifahrtschein für ein unbeschwertes Leben ohne Versagen, Angst, Leid, Enttäuschung und Verlust. Aber in allem, was geschieht, bin ich nicht alleine. Ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hand. Ich glaube wirklich: Diese Hoffnung trägt – im Leben und im Sterben.

Falls Du diesen Jesus schon kennst: Vielleicht fallen Dir ja noch mehr Gründe ein, wegen denen Du dankbar bist, Christ zu sein? Dann schreib sie unten in die Kommentare. Und dann lass uns zusammen diesen unglaublich guten Gott feiern und die gute Nachricht verbreiten:

Es gibt einen Ort, der die Sehnsucht stillt. Es gibt ein Zuhaus für jedes Kind der Welt.
Und es gibt einen Vater, der wartet und hofft, dass die Welt ihn erkennt und ihn sucht.
Seine Wohnung ist hier mitten unter uns.

Im Hause des Herrn ist Geborgenheit. Und in seinem Arm geht die Einsamkeit.
Er wischt ab jede Träne, er heilt uns’re Herzen, er reinigt uns von jeder Schuld.
Seine Wohnung ist hier mitten unter uns.

Feiert und tanzt, seine Liebe, die macht uns frei.
Jubelt und jauchzt, sein Erbarmen ist täglich neu.
Er hat uns erlöst aus den Ketten der Schuld.
Er hat uns befreit von Bedrückung und Tod.
Wir sind Kinder des Vaters, erkauft durch sein teures Blut.


[1] Kolosser 2, 14: „Er hat die Liste der Anklagen gegen uns gelöscht; er hat die Anklageschrift genommen und vernichtet, indem er sie ans Kreuz genagelt hat.“

[2] Micha 7, 19: „Er wirft alle unsere Sünden ins tiefste Meer.“

[3] Johannes 14, 19: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“

[4] Johannes 3, 16: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“

[5] Römer 8, 15: „Wir sind doch Kinder Gottes geworden und dürfen ihn »Abba, Vater« rufen.“

[6] Johannes 4, 14: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird niemals mehr Durst haben.“

[7] Psalm 50, 15: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“

[8] Matthäus 28, 20: „Ich versichere euch: Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit.“

[9] Jesaja 55, 1: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“

Wohin mit dem Sex?

„Kein Sex vor der Ehe!“ wird von „konservativen“ Christen vertreten. Außerhalb dieser Kreise empfindet man solch eine Haltung als fundamentalistisch und weltfremd.“ Dieser Zustandsdiagnose von Marcel Locher ist ohne Frage zuzustimmen. Umso erfreulicher ist es, dass der Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) seinen 1. Theologischen Studientag im März 2019 der spannenden Frage gewidmet hat: „Wohin mit dem Sex? – Schriftverständnis und die Folgen für die Lebensführung“. Die Tagungsbeiträge gibt es inzwischen in Buchform zu kaufen. In der Einführung schreibt der Leiter des theologischen Ausschusses des BFP, Dr. Bernhard Olpen: Der „Studientag stellt die theologische Standortbestimmung zur Schrift vor, wie sie das Präsidium des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) vertritt.“ Das Buch hat also Gewicht für den gesamten BFP. Umso spannender ist die Frage, welche Ansichten hier zu diesem so umstrittenen Thema vertreten werden.

Die Positionen zur Sexualethik hängen vom Schriftverständnis ab

„Wie wir in Fragen der Sexualethik entscheiden, hängt maßgeblich von unserem Schriftverständnis und von unserer Hermeneutik[1] ab,“ schreibt Matthias C. Wolf zurecht. Deshalb ist es nur konsequent, dass sich der erste Beitrag von Dr. Bernhard Olpen zunächst der Frage nach dem Schriftverständnis in seiner geschichtlichen Entwicklung und seinen Konsequenzen für die Sexualethik widmet. Dazu gibt Olpen einen hochinteressanten Überblick von den ersten Kirchenvätern bis heute. Er zeigt dabei auf: Trotz Unterschieden im Detail war bis zur Aufklärung die Sichtweise dominant, dass die ganze Bibel inspiriert und von Gottes Geist eingehaucht ist. Luther ging zudem „das Wagnis ein, den literarischen Sinn der Schrift für ausreichend klar und aussagekräftig zu halten. Eine Grundannahme, die fortan für den Protestantismus grundlegend geworden ist“.

Erst mit der Aufklärung begann eine Sichtweise, in der der Bibeltext selbst nicht mehr unmittelbar als Wort Gottes betrachtet wurde. Die Trennung von Schriftwort und Offenbarung hatte auch für die Sexualethik gravierende Konsequenzen. Von den Kirchenvätern bis zu den Reformatoren war zuallermeist noch die Ehe als der einzig legitime Ort für Geschlechtsverkehr angesehen worden. Auch Mitte des 19. Jahrhunderts prägten noch „evangelikale Ideen über Moral und Sex die Kultur der Mittelklasse in England“, u.a. getrieben durch den Einfluss bekannter Erweckungsprediger wie John Wesley. Ebenso ging der deutsche Pietismus noch weitgehend von einer Klarheit und „Vollkommenheit der Schrift“ (J. A. Bengel) aus und „hielt in Anlehnung an Luthers Schriftverständnis an der Ehe als einzig legitimem Ort gelebter Sexualität fest.“ Erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte sich in Bezug auf die Sexualethik eine Sichtweise durch, die nicht nur den Bibeltext sondern auch „zeitbedingte Anschauungen zur Grundlage macht“. Beispielhaft verweist Olpen auf die vieldiskutierte EKD-Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ sowie auf die Arbeit von „Worthaus“:

„Siegfried Zimmer, einer der Initiatoren, versucht in der Darlegung seines Bibelverständnisses zwar eine vermittelnde Rolle einzunehmen, folgt in der Praxis jedoch dem Argument der veränderten gesellschaftlichen Wirklichkeit, die zu einer Neubewertung biblischer Texte führen müsse. Schriftstellen mit einem sexualethischen Bezug versteht er als zeitgebundene Dokumente einer vergangenen Zeit, die heute keine Gültigkeit mehr beanspruchen können. Er geht dabei so weit, einer Mutter, die von ihrem Sohn erwartet, mit Sex bis zur Ehe zu warten, eine „perverse Ethik“ zu unterstellen. Ähnlich wie die Verfasser der EKD-Orientierungshilfe stellt er normative und deskriptive Aussagen auf die gleiche Ebene und kommt zu dem Schluss, wer aus der Schrift herauslesen wolle, dass Sex vor der Ehe keine biblische Option sei, müsse sich auch für Polygamie, möglichst frühe und möglichst durch die Eltern arrangierte Ehen, Kinderreichtum und das Patriarchat aussprechen. Dass die Schrift selbst eine Bewertung der hier undifferenziert nebeneinandergestellten Texte und Modelle vornimmt, gerät ihm dabei völlig aus dem Blick. Unter dem Label „postevangelikal“ hält diese Form der Hermeneutik auch Eingang in das gemeindliche Leben freikirchlicher Strukturen…“

Marcel Locher geht noch genauer auf Zimmers Worthaus-Vortrag über christliche Sexualethik ein. Dort führt Zimmer „unterschiedliche historische Argumente an, welche die „konservative“ Sichtweise theologisch und ethisch infrage stellt. Auf diese historischen Argumente gründet Siegfried Zimmer seine Sexualethik. Armin Baum greift Zimmers historisch begründete Kritik an der „konservativen“ Sexualethik auf.[2] Baum entkräftet Zimmers Position mit überzeugenden wissenschaftlich-historischen Argumenten. Er verdeutlicht durch seine sachliche wissenschaftliche Herangehensweise, dass Zimmers Argumentation historisch nicht haltbar ist, und belegt damit, dass die daraus resultierenden sexualethischen Positionen nicht überzeugen können. Somit sind wir in dieser Fragestellung auf die ethische Norm der Schrift verwiesen und können diese nicht als kulturbedingt relativieren. Daher ist die ethische Weisung der Schrift bezüglich des Geschlechtsverkehrs vor der Ehe auch in unserer Zeit von Bedeutung.“

Olpen beschließt seinen Beitrag zum Thema Schriftverständnis und Sexualethik mit einem Fazit: „Eine biblische Hermeneutik, die den eigenen Verstehenshorizont zum Maßstab des Verstehens Gottes und der Schrift macht und die Maßstäbe einer weitgehend säkularisierten Mehrheitsgesellschaft mehr oder weniger unkritisch oder wertneutral als gesetzt ansieht, kann der Zeit, in der wir leben, nichts Wesentliches und Normschöpfendes bieten. Sie steht immer in der Gefahr, in der sie umgebenden Gesellschaft aufzugehen, statt ihr ein Gegenüber zu sein.“

Von der Wichtigkeit gründlicher theologischer Arbeit

Ganz ähnlich wie Olpen baut auch Matthias C. Wolff seine Ausführungen auf der soliden Grundlage des reformatorischen „Sola Scriptura“ und der sich selbst auslegenden Bibel auf. Er macht aber auch deutlich: Bibelstellen können nicht ohne weiteres wörtlich 1:1 auf heutige Situationen übertragen werden. Der biblische Gesamtkontext, die innerbiblische Gewichtung, die Textgattung und der historische Kontext müssen beachten werden, um klären zu können, welche konkreten ethischen Normen in unserem heutigen gesellschaftlichen Umfeld aus der Bibel abzuleiten sind: „Die Bibel ist Gottes Wort, aber sie ist nicht an uns geschrieben worden; sie ist stets Gottes Wort für uns, aber nicht immer Gottes Gebot an uns.“ Trotzdem spricht die Bibel nicht nur in ihre Zeit, denn „sie ist auch Gottes Reden für uns und vermittelt allgemeingültige Prinzipien für das Heil und das Zusammenleben der Menschen. Eine oberflächliche und meist willkürliche Eingrenzung von biblischen Anweisungen auf die damalige Zeit wird ihrem Selbstzeugnis und dem Anspruch der biblischen Theologie nicht gerecht.“

Und was lehrt die Bibel nun?

Als zeitlos gültige biblische Botschaft arbeitet Matthias Wolff zum einen heraus, dass Sexualität in der Bibel durchweg bejaht wird. „Erst durch die Begegnung mit Strömungen der griechisch-hellenistischen Philosophie und dem damit verbundenen Zug zur Verachtung des Leibes wie der irdischen Welt überhaupt fand eine Malefizierung der Sexualität über neuplatonisch geprägte Theologen (wie Augustinus) Eingang in das christliche Denken.“

Zugleich macht er klar: „An prominentester Stelle der biblischen Sexualethik steht der unbedingte Schutz der Ehe.“ Das bedeutet auch, „dass dem israelitischen Mann keine legitimen vor- oder außerehelichen Betätigungsräume offenstanden. Sex als folgenloses Privatvergnügen ohne Verantwortung und Konsequenzen ist dem Glauben des AT fremd.“ Und im Neuen Testament erfährt diese Linie sogar „eine ausdrückliche Verschärfung.“ So antwortete Paulus auf die Frage, wie denn mit sexuellem Verlangen umzugehen sei: „Wenn sie [gemeint sind Ledige oder Witwen] sich nicht enthalten können, sollen sie heiraten …“ (1Kor 7,9), und nicht etwa: „Habt Sex!“ oder Ähnliches.“ Wolff zitiert dazu Prof. Armin Baum: „Das ethische Prinzip, dass all diesen biblischen Texten gemeinsam ist, lautet: Je weniger Verbindlichkeit, desto weniger Intimität. Je mehr Verbindlichkeit, desto mehr Intimität. Und maximale Intimität verlangt maximale Verbindlichkeit.“ Das wird auch unterstrichen durch die Bedeutung des Begriffs „Unzucht“ (porneia, z.B. in Gal. 5,19) im Neuen Testament: „Es meint zum einen Prostitution, zum anderen aber auch jeglichen vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehr, sowohl bei Verheiraten als auch bei Unverheirateten.“ Locher ergänzt: „Somit wird deutlich, dass für das Zeugnis der Schrift auch Geschlechtsverkehr vor und außerhalb der Ehe mit Unzucht bezeichnet wird.“

Rauen Gegenwind gab es schon immer!

Bemerkenswert ist, dass sich die christliche Gemeinde nicht erst ab dem 20. Jahrhundert, sondern auch schon in der Antike mit dieser Lehre in einem scharfen Gegensatz zu ihrem Umfeld befand:

„Der entschlossene Rückgriff auf die in der Schöpfungsordnung angelegte Unauflöslichkeit der Ehe brachte die junge Gemeinde in deutlichen Kontrast zu der sexuellen Verkommenheit der griechisch-römischen Gesellschaft. … Wer behauptet, früher sei alles einfacher gewesen, etwa weil jeder mit dem Eintritt der Geschlechtsreife geheiratet habe, oder in unserer Welt könne man mit solchen Werten nicht mehr ankommen, dem fehlt das Verständnis für die antike Umwelt der Urkirche, die das Evangelium und seine Ethik in scharfem Kontrast zum Zeitgeist unerschrocken und unter hohen Risiken verkündigt hat. „Die Menschen der Bibel standen vor denselben Herausforderungen wie wir.“

Erst Recht vor dem Hintergrund dieses wachsenden Gegenwinds stellt sich nun aber die Frage:

„Wie sollen wir dies denn leben?“

Marcel Locher zeigt auf, wie wichtig es ist, nicht nur „eine starre Prinzipienethik“ zu lehren, „welche blutleer die Lebensrealität übergeht“ und die „nicht selten die Tendenz zur Gesetzlichkeit hat. Es geht um eine Jüngerschaftsethik, die im Geist Christi geführt wird und nur aus dem Geist Gottes heraus gelebt werden kann.“ Wichtig ist auch, die hohe Sinnhaftigkeit von Gottes Geboten zu verdeutlichen. Dabei ist insbesondere darauf hinzuweisen, wie wichtig die biblischen Prinzipien für den Schutz von Kindern sind, schließlich „birgt Geschlechtsverkehr immer auch die Möglichkeit der Zeugung eines Kindes in sich. Wer diese Möglichkeit ausschließt, setzt die individuelle sexuelle Selbstverwirklichung über den verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Sexualität. … Schon die Aussage, dass eine Frau ungewollt schwanger geworden ist und sich nun gezwungen sieht, dass Kind abzutreiben, zeigt die dahinterstehende Tragik.“ Nur die Ehe gibt Kindern den Schutzraum, den sie brauchen, um in einem gesunden, stabilen Umfeld aufwachsen zu können.

Und wie funktioniert das in der gemeindlichen Praxis?

Dazu liefert das Buch 2 anregende Praxisbeispiele. Christian Knorr aus der Christus Gemeinde Wuppertal schreibt: „Unserer Ansicht nach kommt keine Gemeinde umhin, sich hinsichtlich biblisch-theologischer Richtlinien zum Thema „Sexualität“ zu positionieren. … Es sollte beispielsweise nicht verborgen bleiben, wenn die Gemeinde den Wert „Kein Sex vor bzw. außerhalb der Ehe“ als von der Bibel her verbindlich ansieht.“ Neben dieser Verbindlichkeit im Kern sind ihm aber offene Ränder wichtig: „Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, so niederschwellig wie möglich die Gemeinde kennenzulernen. So ist auch Mitarbeit in vielen Teams möglich, auch wenn jemand noch nicht gläubig ist oder die ethischen Maßstäbe der Gemeinde nicht teilt.“ Wichtig ist ihm auch: „Kein Richtlinienpapier kann für jeden Fall und für jede Lebenssituation eine klare Antwort geben. … Aus unserer Sicht wären allzu detaillierte Listen, die jeden Fall erfassen, eine Praxis gelebter Gesetzlichkeit. Ein Wert bzw. Prinzip Gottes sollte „im Herzen“ eines Christen leben und von innen nach außen gelebt werden.“ „Klar in der Sache, aber offen und wertschätzend im Umgang mit Menschen“ ist für ihn eine zentrale Handlungsdevise. Dabei ist ihm wichtig, dass „wir nur durch eine gute Beziehung und aus Liebe heraus das Recht erwerben, in das Leben von Menschen zu sprechen.“ „Beziehung kommt immer vor Erziehung.“

Auch Mark Schröder von der Elim-Gemeinde Leipzig schreibt: „Wir sind der Überzeugung, dass Gott für die Sexualität den Rahmen der Ehe gegeben hat. Sex vor der Ehe ist nicht im Sinne des Erfinders. Wer das nicht beachtet, tut sich selbst nichts Gutes. Das kommunizieren wir deutlich.“ Er ergänzt aber auch: „Wir wollen keinen mit Regeln zwingen, sondern erreichen, dass aus eigener Überzeugung gehandelt wird.“ „Unser Ziel ist nicht, dass Menschen uns etwas beweisen, sondern dass sie selbst zum reifen Handeln befähigt werden. Nur dann schafft man ein Klima, in dem auch mit Versagen ehrlich umgegangen werden kann.“ In allen Gesprächen „geht es nicht um eine Be- oder Verurteilung eines Verhaltens, sondern darum, Ermutiger zu sein, damit die Lebensführung auf den richtigen Weg kommt.“

Man kann diesem wichtigen Buch nur eine möglichst weite Verbreitung wünschen. Denn auch unter Evangelikalen ist heute leider nicht mehr klar, was in der Bibel vermittelt und in diesem Buch vielfältig erläutert und unterstrichen wird:

„Wohin mit dem Sex? – in die Ehe!“


Das Buch “Schriftverständnis und die Folgen für die Lebensführung” ist beim Forum Theologie & Gemeinde als Paperback und als E-Book erhältlich.


[1] Wolff definiert dabei den Begriff „Hermeneutik“ wie folgt: „Hermeneutik (gr. hermeneia) = Wissenschaft/Kunst der Auslegung (altgr. hermeneúein: erklären, auslegen, übersetzen). Die Hermeneutik ist die Wissenschaft der Auslegung (biblischer) Texte. Es sind die Regeln, die bei der Bibelauslegung zur Anwendung kommen. Was darf man mit biblischen Texten machen und was nicht?

[2] Armin Baum: „Vorehelicher Geschlechtsverkehr in der Antike und in der Bibel“ https://www.weisses-kreuz.de/dynamo/files/user_uploads/mediathek/Weitere/WKExtra_Zimmer_Ehe.pdf