Transformation – Eine Aufgabe der Kirche?

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Verbindungen zwischen evangelikalen Christen mit Politikern wie Trump oder Bolsonaro wurden in den letzten Monaten auch von Christen teils heftig kritisiert. Manch einer sah darin sogar einen Grund, nicht mehr evangelikal sein zu wollen. Und auch ich bin der Meinung: Trotz allem begrüßenswerten Einsatz Trumps gegen Abtreibung und für Israel dürfen wir nie vergessen, dass das Reich Jesu nicht von dieser Welt stammt (Joh.18,36). Die Kirche Jesu hat einen Auftrag, der nicht mit Mitteln der Politik erreicht werden kann. Und wenn Kirche sich zu eng und unkritisch mit Politikern verbündet, dann werden auch alle ihre Schwächen und Fehler auf die Kirche zurückfallen – was bei Trump nicht nur angesichts seiner extrem polarisierenden Rhetorik besonders viel Schaden angerichtet hat.

Die Einsicht, dass die Kirche Jesu sich niemals zu sehr mit politischen Schwergewichten gemein machen sollte, schien mir zuletzt eigentlich weitgehender Konsens unter Evangelikalen in Deutschland zu sein. Umso mehr erstaunt es mich, immer öfter auch aus dem evangelikalen Umfeld Forderungen zu hören, dass Christen sich mit Greta Thunberg und Fridays for Future solidarisieren sollten. Zwar kann ich gut verstehen, dass auch vielen Christen Klimaschutz sehr wichtig ist. Jedoch ist auch Thunbergs Rhetorik teilweise sehr polarisierend und deshalb (m.E. zurecht) hoch umstritten.[1] Zudem hat Thunberg sowie die internationale FFF-Leitung ausgerechnet nach den fürchterlichen Raketenangriffen der Hamas auf Israel Inhalte der als antisemitisch einzustufenden BDS-Bewegung verbreitet. Hinzu kommen Hinweise auf linksextreme Einflüsse bei FFF. Greta Thunberg bekleidet zwar kein politisches Amt. Trotzdem gilt sie als eine der politisch einflussreichsten Persönlichkeiten der Gegenwart. Auch wenn man sie natürlich in keiner Weise mit Donald Trump vergleichen kann, frage ich mich: Müsste für die Kirche Jesu nicht auch bei Greta Thunberg und FFF genau die gleiche Warnung gelten, sich niemals öffentlich zu sehr mit politischen Akteuren gemein zu machen?

Transformieren oder Untergehen?

Um genauer zu verstehen, warum jetzt auch im evangelikalen Umfeld für den Schulterschluss mit FFF geworben wird, habe ich das „Handbuch Transformation“ gelesen, das von Tobias Faix und Tobias Künkler (beide Dozenten an der CVJM-Hochschule Kassel) herausgegeben wurde. Auf 383 Seiten findet man dort Artikel von 24 verschiedenen Autoren zum Thema „Transformation“. Den Begriff definiert Tobias Faix dabei wie folgt:

„Transformation beschreibt im Sinne einer Theologie der Transformation das Heilshandeln Gottes (missio Dei) an einer sich verändernden Welt.“ (S. 228)

Schon auf den ersten Seiten zeigt sich: Die Herausgeber Faix und Künkler legen allen Überlegungen zur Transformation eine pessimistische Weltsicht zugrunde, die sich weitgehend mit den Sichtweisen vieler FFF-Aktivisten deckt:

„Wir wissen immer deutlicher, dass die Menschheit längst mehrere planetare Grenzen überschritten hat und dabei hochkomplexe, irreversible Prozesse in Gang gesetzt hat, die gravierende negative Auswirkungen auf die Menschheit haben werden, besonders auf die zukünftigen Generationen und besonders die in Armut lebenden. Vor allem unter dem Eindruck der Klimakrise wächst gegenwärtig das gesellschaftliche Bewusstsein, dass es eine »Große Transformation« hin zu einer wirklich nachhaltigen Gesellschaft geben muss. … Einen Zwang zur Transformation zu postulieren, mag harsch klingen, aber letztlich stehen wir hier vor der Wahl, wie sie Harald Welzer folgendermaßen auf den Punkt brachte: »Transformation by design oder desaster«. Entweder wir schaffen es, die nötigen Transformationen zu gestalten, o­der wir werden durch Krisen und Katastrophen hierzu genötigt. Betrachtet man die wissenschaftlichen Prognosen des Klimawandels, dann werden die bereits gravierenden gesellschaftlichen Transformationen und Änderungen unserer Lebensweise, in die wir gegenwärtig durch die Covid-19-Pandemie gezwungen werden, im Rückblick dabei vielleicht vergleichsweise harmlos erscheinen.“ (S. 11) „Neben der Hitze sind aber auch Hunger, Ertrinken, Flächenbrände, Süßwassermangel, sterbende Meere, verpestete Luft, Seuchen, zusammenbrechende Wirtschaftssysteme, Klimaflüchtlinge und Klimakonflikte weitere Auswirkungen des Klimawandels. Mit anderen Worten: »Die desaströsen Auswirkungen, die wir heute überall um uns herum erleben, sind immer noch besser als das Best-Case-Szenario.« Genau deswegen leben wir in einem Kairos, der eine dritte Große Transformation nötig macht.“ (S. 22)

Jürgen Harder verstärkt dies noch mit den Worten (S. 33/34): „So ist »Das Ende der Welt, wie wir sie kannten« keine ferne Dystopie, sondern bereits jetzt im Gange« … »Eine Gesellschaft, die über ihren Fortbestand angesichts sich dramatisch verändernder Umweltbedingungen nicht nachdenkt … wird unter großen menschlichen Kosten peu a peu zerfallen … Oder sie wird sich kulturell und sozial erneuern und als eine andere, transformierte, überleben.«“

Die Klimakatastrophe: Ein geeigneter Motor für Transformation?

Wie gesichert und faktenbasiert diese apokalyptisch anmutende Sichtweise tatsächlich ist, wird im Buch nicht diskutiert. Ich habe zu diesen Fragen durchaus unterschiedliche und sich widersprechende Meinungen von Experten gehört. Da ich mich in diesem Feld nicht auskenne, kann ich das nicht bewerten. Meine Erfahrung ist aber zumindest, dass Wissenschaft hinter den Kulissen oftmals weit komplexer und weniger eindeutig ist, als dies in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Tatsache ist zudem, dass sich solche angsterzeugenden Weltuntergangsszenarien (wie z.B. vom im Buch erwähnten „Club of Rome“) in den vergangenen Jahr­zehnten schon des Öfteren als grob falsch erwiesen haben.[2]

Aber auch wenn man eine kommende Klimakatastrophe für wissenschaftlich gesichert hält, stellt sich aus meiner Sicht die Frage: Inwieweit können denn düstere Untergangswarnungen ein guter Antrieb für positive gesellschaftliche Transformationen sein? Anders gefragt: Ist Angst ein guter Ratgeber? Zumindest darüber hätte ich mir in diesem Buch einen abwägenden Diskurs gewünscht, um der Meinungsvielfalt in der Gesellschaft Rechnung zu tragen.

Transformation auf allen Ebenen

Die aus Sicht der Autoren unumgängliche „große Transformation“ soll laut Faix / Künkler alle Ebenen betreffen: Auf der „Mikroebene“ geht es um die Transformation einzelner Menschen. Auf der „Mesoebene“ geht es um die Transformation von Institutionen oder Organisationen. Auf der „Makroebene“ werden Transformationen der Gesamtgesellschaft erwartet. Und auf der „Metaebene“ kommen Transformationsprozesse bei gesellschaftskonstituierenden Ideen und Prozessen (z.B. aus philosophischer Perspektive) in den Blick.

Das führt natürlich zu der Frage: Welche Rolle kann bzw. soll die Kirche bei derartigen allumfassenden Transformationen spielen?

Transformation im biblischen Sinn ist nur christuszentriert zu denken

Ohne Zweifel sagt die Bibel viel zum Thema Transformation. Jedoch ist sie dort niemals ohne das konkrete Einlassen auf Gottes Wirken und seinen Willen denkbar. Volker Rabens schreibt dazu: „Unsere Untersuchung zur Transformation im Neuen Testament hat unsere Aufmerksamkeit wiederholt auf die zentrale Rolle Jesu Christi gelenkt.“ (S. 178) Genauer gesagt: „In der innigen, transformierenden Beziehung zu Gott werden die Gläubigen gemeinsam in das Bild Christi geformt.“ (S. 175) Auch Rüdiger Gebhardt bestätigt: „Wer in einer solchen Christusbeziehung lebt, ist ein veränderter ein neuer Mensch mit einem neuen Leben. … Das neue Leben – samt seiner neuen ethischen Ausrichtung – ist nicht mehr das eigene Leben, sondern es ist das Leben in Christus bzw. das Leben Christi in mir.“ (S. 191)

Für Gebhardt ist somit allein Christus die treibende Kraft echter Transformation: „Dadurch, dass Christus in ihm lebt, hat er eine neue Identität, ein neues Wesen (=forma) erlangt, obgleich er seinem Äußeren (=materia) nach als er selbst erkennbar bleibt. Und das ist exakt das, was durch den Begriff „Transformation“ zum Ausdruck gebracht werden kann.“ (S. 192) Transformation ist für Gebhardt deshalb „konsequent relational zu denken“: Die „eigentliche Pointe einer an Transformation orientierten Theologie“ ist die „permanente Rückbindung der Transformationsprozesse an die Gottes- bzw. Christusbeziehung.“ (S. 194)

Es geht im Neuen Testament somit gerade nicht nur um die Verbreitung „christlicher Werte“ oder einer von Christus losgelösten „jesuanischen Ethik“. Gleich gar nicht geht es um die Verbreitung eines „universellen Humanismus“, den Uwe Schneidewind in seinem Artikel für den Beitrag der Kirchen in den anstehenden gesellschaftlichen Transformationsprozessen hält (S. 43). Es geht vielmehr im Kern um eine Erneuerung der Herzen, die nur in der praktisch gelebten Beziehung mit dem auferstandenen Christus gelingen kann.

Das Reich Gottes ist dort, wo Christus herrscht

Das zeigt sich auch in der Lehre Jesu vom Reich Gottes. „Dein Reich komme“ gehörte für Jesus unmittelbar zusammen mit der Bitte „Dein Wille geschehe“. Entsprechend rief Jesus dazu auf, dass alle Menschen gelehrt werden sollten, alles zu halten, was Jesus befohlen hat (Mt. 28,20). Zurecht stellt Marcel Redling deshalb fest: „Im Zentrum eines jeden Gottesdienstes steht das gemeinsame Bekenntnis: Jesus ist Herr.“ (S. 134) Und Bernhard Ott, der als Gottes Ziel mit dieser Welt den „Shalom“ (also einen umfassenden Frieden) sieht, betont: „Shalom kann gefunden werden in der Beziehung zu Gott und in der Gemeinschaft des Volkes Gottes, das nach den Weisungen dieses Gottes lebt.“ (S. 153) Alle positiven Eigenschaften des künftigen und doch bereits angebrochenen Gottesreichs (wie z.B. Friede, Gerechtigkeit, Heil) hängen im Neuen Testament also immer untrennbar mit der Unterordnung unter Gottes Herrschaft zusammen.

Haben die Autoren des „Handbuchs Transformation“ angesichts dieses eindeutigen biblischen Befunds somit das Ziel vor Augen, die ganze Gesellschaft in die Nachfolge Jesu zu rufen, damit die ganze Gesellschaft transformiert werden kann?

Zwei Arten von Transformation

Damit kommen wir zum größten Problem dieses Buchs: Immer wieder wird stillschweigend gewechselt zwischen der Transformation in Christus einerseits und politischen sowie gesellschaftlichen Transformationsprozessen andererseits, ohne dabei ausreichend deutlich zu machen, dass sich diese beiden Arten von Transformation natürlich grundlegend voneinander unterscheiden:

Für eine Transformation in Christus ist der Ruf zur Christusnachfolge eine unabdingbare Voraussetzung. Viele gesellschaftliche Transformationsprozesse hingegen haben mit christlich-religiösen Einflussfaktoren zunächst einmal wenig oder gar nichts zu tun. Man kann zwar Vermutungen anstellen, dass auch hinter manchen Gesellschaftstransformationen ein göttliches Wirken stehen könnte oder dass es sich zumindest um eine Folgewirkung christlicher Einflüsse handelt.[3] Das ändert aber nichts daran, dass solche philosophisch, techno­logisch, soziologisch oder politisch verursachten gesellschaftlichen Verschiebungen und „Mind-Shifts“ etwas kategorial anderes sind als die im Neuen Testament beschriebene Erneuerung in Christus.

Ein gesellschaftskritisches Amt der Kirche?

Richtig ist natürlich, dass Christen sich für beide Arten von Transformation interessieren sollten. Wie alle Bürger einer demokratischen Gesellschaft sind auch Christen gerufen, sich politisch zu engagieren und positive gesellschaft­liche Veränderungen mit voranzubringen. Ich habe allergrößte Hochachtung vor Christen, die sich für die Überwindung von Sklaverei und Menschenhandel, für die Aufforstung von Wüstengebieten oder für die Gewährleistung gerechter Lieferketten engagieren.

Aber ist die öffentliche Einmischung in gesamtgesellschaftliche Transformationsprozesse wirklich auch der (öffentliche) Auftrag kirchlicher Institutionen? Tobias Faix meint: Ja! Er fordert deshalb eine „öffentliche Theologie“, die er wie folgt definiert: „Öffentliche Theologie … fordert eine prophetische Stimme und »Einmischung und Anwaltschaft« kirchlicher Akteure aufgrund der christlichen Tradition und ihrer Werte, die ein Orientierungspotenzial anbieten und immer auch eine gesellschaftskritische Dimension verkörpern. Sie setzen sich mit den Zukunftsfragen der Menschheit auseinander und kämpfen für die Durchsetzung der Menschenrechte sowie für die soziale Gerechtigkeit.“ (S. 227)

Um diesen Auftrag der Kirche biblisch zu begründen, zieht Tobias Faix eine Parallele zwischen heutiger politischer Agitation und den alttestamentlichen Propheten: „Das prophe­tische Amt der Kirche besteht vor allem darin, ungerechte Strukturen und unterdrückende Systeme zu identifizieren und aufzudecken. Und dies in Art und Weise der alttestamentlichen Propheten, also in einer Mischung aus Gesellschaftskritik und Poesie, mit Leidenschaft, analytischer Klugheit, Fantasie und Kreativität.“ (S. 234)

Dabei erwähnt Faix jedoch nicht, was Bernhard Ott richtigerweise als die entscheidende Mitte der Botschaft der Propheten ausmacht: „Die Botschaft der Propheten lautet durchgehend: Kehrt um zu Gott und zu seinen Schalom-Weisungen, dann werdet ihr aufblühen und Gottes Segen erfahren.“ (S. 158) Also gilt auch hier genau wie beim Reich Gottes: Die Hinweise der Propheten auf soziale und gesellschaftliche Missstände können niemals losgelöst verstanden werden von ihrem Ruf zur Unterordnung unter Gottes Herrschaft. Der Vergleich heutiger Gesellschaftskritik mit den alttestamentlichen Propheten blendet deshalb den entscheidenden Kern und zentralen Bezugspunkt der damaligen prophetischen Botschaften aus.

Wer sind die „Mächte und Gewalten“, gegen die die Kirche kämpft?

Ähnlich fragwürdig erscheint mir der Versuch, die biblische Rede vom Kampf gegen „Mächte und Gewalten“ auf irdische Institutionen umzumünzen: „Was die Bibel ‚Mächte und Gewalten‘ nennt, wird in der zeitgenössischen Sprache ‚Image‘, ‚Ideologie‘ und ‚Institution‘ genannt“ (S. 214), liest man im Artikel von Thomas Zeilinger, der dazu den Theologen Walter Wink zitiert: „Wir alle haben mit den Mächten dieser Welt zu tun. Sie leiten unsere Krankhäuser und unsere Rathäuser, versammeln sich in den Vorstandsräumen der Konzerne, ziehen unsere Steuern ein und stehen unseren Familien vor.“ (S. 214) Das steht natürlich im direkten Gegensatz zu Paulus, der ausdrücklich betont: „Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut. Er richtet sich gegen die Mächte und Gewalten, die Weltenherrscher, die diese Finsternis regieren. Ja, er richtet sich gegen die bösen Geister, die im Reich der Lüfte herrschen.“ (Eph.6,12)

Dazu kommt: In Bezug auf Gesellschafts­­kritik herrscht im Neuen Testament ein geradezu dröhnendes Schweigen. Dabei standen die gelebten Werte der ersten Christen in einem scharfen Kontrast zu den damaligen gesellschaftlichen Maßstäben. Zudem wurden die Christen zeitweise massiv benachteiligt und verfolgt. Sie hätten somit allen Grund gehabt, die gesellschaftlichen Zustände und die Herrschenden zu kritisieren. Trotzdem sucht man solche Kritik weitgehend vergeblich im Neuen Testament. Stattdessen hat Paulus die staatlichen Obrigkeiten auch noch ausdrücklich als von Gott eingesetzt bestätigt (Röm.13,1-7).

Die Transformation der Herzen als Fokus der kirchlichen Arbeit

Richtig ist natürlich, dass die Verbreitung des frühchristlichen Evangeliums tatsächlich zu einer grundlegenden Gesellschaftstransformation geführt hat. Aber die Strategie bestand zu keiner Zeit darin, dass Christen an die politischen Schalthebel der Macht gehen und die Gesellschaft durch sozialkritische Apelle umkrempeln sollten. Die Verkündigung des Evangeliums zielte nicht auf die Symptome, sondern vielmehr auf die Wurzel aller gesellschaftlicher Probleme: Dem menschlichen Herzen, das heillos in Sünde verstrickt ist und deshalb immer wieder auch böse Werke und (systemische) Ungerechtigkeit hervorbringt.

Rüdiger Gebhardt schreibt deshalb zurecht: „Es gilt, bei der Person anzusetzen und nicht am Werk. Nur so ist auch – in einem tiefen und radikalen Sinn – Erneuerung – Transformation – denkbar.“ Außerdem ergänzt er: „Die Frage, ob sich wirklich eine Transformation ereignen kann, entscheidet sich … daran, wo diese Einflüsse den inneren Menschen erreichen: nur auf einer Appell-Ebene – theologisch: als „Gesetz“ – oder im Personzentrum als „Evangelium“, das allein die Herzen von Menschen erreichen und verändern kann.“ (S. 192)

Anders gesagt: Mit politischen Apellen und Moralismus ist aus neutestamentlicher Sicht keine echte Transformation zu erreichen. Auch in vielen Erweckungsbewegungen war Gesellschafts­transformation nur eine sekundäre Folge davon, dass immer mehr Menschen Erneuerung in Christus erfahren haben und sich diese Herzenstransformation dann ausgewirkt hat auf das diakonische Engagement sowie auf die gesellschaftlichen Bezüge, in denen Christen standen, sei es in Familien, Unternehmen, Organisationen, Parteien oder Administrationen. Die Kirche Jesu hatte dafür aber nie politische Agitation im Fokus, sondern immer die Transformation von Menschen in Christus mithilfe all der Dinge, die mir in diesem Buch leider viel zu kurz kommen: Evangelisation, Gebet, Verkündigung von Gottes Wort, persönliche Christusnachfolge und Aufbau christuszentrierter Gemeinschaften.

Führt „Inklusion“ zu Einheit?

Dabei befasst sich das Buch durchaus auch mit dem grundlegenden Transformationsprozess, den die Institution Kirche aktuell durchläuft: Sie wird Minderheiten-, Missions- und Laienkirche – und verliert rapide an gesellschaftlichem Einfluss. Umso mehr wird zukünftig die Einheit der Kirche eine zwingende Voraussetzung für ihre gesellschaftliche Relevanz. Die Grundfrage ist dabei jedoch: Auf welcher Basis kann die Einheit der Kirche wachsen und gedeihen? Findet die Kirche Einheit in einer grenzenlosen „Inklusion“? Oder muss sie ganz bewusst Grenzen setzen, weil sie sonst ihr Profil, ihre Identität, ihre Botschaft und damit auch ihre Einheit verliert?

Marcel Redling zitiert dazu eine Verlautbarung des Ökumenischen Rates der Kirchen: „Die Kirche ist berufen, eine inklusive, eine niemanden ausgrenzende Gemeinschaft zu sein […]. Ihrem Wesen nach ist die die Kirche ein Ort und ein Prozess der Gemeinschaft, der für alle Menschen ohne Diskriminierung offen ist und zu dem alle eingeladen sind.“ (S. 130) Und er ergänzt: „Jede inklusive Gemeindepraxis wird sich daran messen lassen müssen, ob es gelingt, auch Menschen mit einer anderen Prägung zu beheimaten und diesen das Recht zuzugestehen, gegebenenfalls eine »eigenständige Praxis des Glaubens« zu gewinnen.“

Wie weit diese Eigenständigkeit geht, wird nicht definiert. Geht es nur um die Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Milieus und kultureller Ausdrucksformen des Glaubens, so wie es das Neue Testament in beeindruckender Weise von den ersten Christen schildert? Oder soll hier jeder seine eigene (Erfahrungs-)Theologie ent­wickeln dürfen?[4] Gibt es somit keine verbindlichen gemeinsamen Bekenntnisse mehr?

Das wäre problematisch. Denn Christen sind eine Bekenntnisgemeinschaft. Und ein gemeinsames Bekenntnis grenzt natürlich auch aus. Es schafft aber zugleich einen gesunden Rahmen, in dem eine große Vielfalt des Glaubensausdrucks zusammenfinden und beieinanderbleiben kann. Ohne Bekenntnisrahmen zerfällt Einheit – auch deshalb, weil rasch neue Maßstäbe wachsen, die zur Ausgrenzung von Andersdenkenden führen.

Das gilt gerade auch beim Thema Inklusion. So schreibt zum Beispiel Tobias Künkler auf der Internetseite „Coming-In.de“ zur Debatte um die Segnung und Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren: „Wie viele Gemeinden und wie viele Menschen sind an dieser ‚Frage‘ zerbrochen…Ich bin mittlerweile aus guten Gründen überzeugt: Dieses ‚Menschenopfer‘ ist dem Herrn ein Gräuel.“ Bringen Christen also „Menschenopfer“, wenn sie sich in ihrem Gewissen an die Schrift gebunden wissen und deshalb praktizierte Homosexualität nicht der Ehe gleichstellen können? Bei derart drastischen Formulierungen kann ich rein gar nichts mehr spüren von der ansonsten so vielgepriesenen „Ambiguitätstoleranz“. Vielmehr begibt sich Künkler hier selbst lautstark an die Front des Konflikts, der aktuell die Weltchristenheit spaltet wie kein anderer.

Trägt die Politisierung der Kirche zu ihrer Einheit bei?

Aber könnte die Kirche vielleicht an Einfluss und Relevanz gewinnen, wenn sie sich verstärkt auf politische Ziele konzentriert, hinter denen sich Christen mit ganz verschiedenen theologischen Standpunkten versammeln können, weil diese Ziele einer allgemein akzeptierten christlichen Ethik entsprechen?

Meine Beobachtung ist: Genau das Gegenteil ist der Fall. Gerade in politischen Fragen hat es unter Christen noch nie Einheit gegeben! So sind bei weitem nicht alle Christen der Meinung, dass politisch linke und grüne Konzepte oder moralische Appelle die richtige Antwort sind auf die gesellschaftlichen Herausforderungen in Sachen Klima, soziale Gerechtigkeit oder Rassismus. Ich bin zum Beispiel überhaupt nicht wie Raban Daniel Fuhrmann der Meinung, dass Nationalstaat, Bürokratie und Parteien überholte „politische Techniken des 19. Jahrhunderts“ sind (S. 115). Ich halte auf Basis der historischen Erfahrungen soziale Marktwirtschaft samt einem gesunden Leistungsprinzip und dem Schutz von Privateigentum für wesentlich sozialer und gerechter als jede Form von Sozialismus. Deshalb glaube ich auch, dass wir eher mehr statt weniger unternehmerische Freiheit und eher weniger statt mehr Staat, Steuern und Dirigismus brauchen, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen. Ich halte Ingenieurskunst für die verheißungsvollere Antwort auf die Klimafrage als Verbote und Steuererhöhungen. Ich halte Atomenergie bislang noch für einen unverzichtbaren Baustein, um den CO2-Ausstoß wirksam reduzieren zu können. Ich bin der Meinung, dass die „Gendersprache“, die auch in diesem Handbuch durchgehend angewendet wird, die Gesellschaft eher spaltet, statt sie füreinander zu sensibilisieren. Ich halte es für problematisch, rechtlich fragwürdige „Schulstreiks“ als Form der politischen Meinungsäußerung zu bejubeln. Und schließlich hätte meine politische Agenda auch noch ganz andere Prioritäten. So läge mir zum Beispiel das Thema Lebensschutz (Abtreibung und Sterbehilfe), Familienförderung oder der Kampf gegen Prostitution und Pornografie sehr auf dem Herzen – Themen, die mir im Handbuch Transformation leider überhaupt nicht begegnet sind.

Mir ist bewusst, dass andere Christen das anders sehen. Das trennt mich nicht von ihnen. Aber ich will mit diesen Sätzen deutlich machen: Es ist eine Illusion zu glauben, man könne die Nachfolger Jesu zu einer vereinten politischen Kraft zusammenführen. Im Gegenteil: Eine politisierte Kirche muss zwangsläufig immer eine besonders fragmentierte Kirche sein – oder aber sie wird intolerant, weil sie sich auf eine bestimmte Meinungsblase konzentriert und Christen mit anderer Meinung zunehmend ausgrenzt, so wie ich es in meiner evangelischen Kirche leider immer mehr beobachten muss.[5]

Transformation durch Zerstörung?

Aber wie soll denn eine so grundlegend erneuerte Gesellschaft eigentlich aussehen? Was ist das Ziel der angestrebten „großen Transformation“? Dazu liefert das Buch sehr unterschiedliche, teils recht widersprüchliche Aussagen. Wirklich erschrocken bin ich über den Artikel von Gerhard Wegner über „Transformation als globale Veränderungskraft“, in dem er eine „radikale Veränderung“ und „schöpferische Zerstörung“ des bestehenden Systems fordert und sich dabei unter anderem auf Marx und die „leninistische Revolutionstheorie“ beruft: „Transformation … setzt wichtige gesellschaftliche Kräfte voraus, die nicht nur entschieden etwas Neues schaffen, sondern ebenso entschieden Altes zerstören. … Zudem gilt, dass die beharrenden Kräfte, wie schon die leninistische Revolutionstheorie behauptete, nicht mehr die Schalthebel der Macht bedienen können.“  Im Blick auf unsere Gesellschaft meint Wegner: Reformen reichen nicht für das „Ziel der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsstruktur“.

Ich habe mich beim Lesen wirklich gefragt: Wie konnten angesichts der grauenvollen (und zudem antichristlichen) Blutspur, die der Marxismus / Leninismus im letzten Jahrhundert hinterlassen hat, solche zumindest missver­ständliche Formulierungen (siehe dazu noch weitere Zitate im Anhang des Artikels) in dieses Buch geraten? Und warum wird dieser Artikel von den Herausgebern undifferenziert gelobt?[6]

Jedenfalls wird mir als leidenschaftlichem Anhänger unserer Demokratie und unserer sozialen Marktwirtschaft beim Lesen solcher Thesen tatsächlich angst und bange. Und ich bin mir sicher: Wenn derart ex­treme Meinungen jetzt auch noch im evangelikalen Umfeld Raum gewinnen, wird der Schaden für die Einheit der Kirche Jesu gewaltig sein. Umso dringender ist mein Appell: Lasst uns als Kirche Jesu klar den Fokus behalten auf dem Auftrag, den unser Herr uns mit auf den Weg gegeben hat:

»Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe!« (Mt.28,19+20)

Ich habe es oft erlebt: Unter diesem Auftrag können Christen mit ganz verschiedenen politischen Positionen Einheit finden. Und ich bin zudem überzeugt: Eine bessere Strategie für echte, nachhaltige Transformation und für eine in jeder Hinsicht bessere Zukunft gibt es nicht.


Der Artikel “Transformation – Eine Aufgabe der Kirche?” kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Das von Tobias Faix und Tobias Künkler herausgegebene „Handbuch Transformation“ ist 2021 in der Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, erschienen. Es ist hier erhältlich: https://neukirchener-verlage.de/catalog/product/view/_ignore_category/1/id/1933945/s/handbuch-transformation-9783761567739/

Fußnoten:

[1] Im Editorial von AUFATMEN 1/2012 schreibt Ulrich Eggers: „Und, ja, ich bin beeindruckt von Gretas Leidenschaft, ihrem Mut, ihrer Wut – etwa bei ihrer denkwürdigen Rede vor der UNO-Vollversammlung, bei der sie den Staatslenkern dieser Welt ihr „How dare you!“ entgegenschleuderte: … „Die Augen aller zukünftigen Generationen sind auf euch gerichtet, und wenn ihr euch entscheidet, uns zu enttäuschen, sage ich, dass wir euch das nie vergeben werden! Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen!“ „How dare you!“ Was für ein prophetischer Ruf!“ Ich gebe zu Bedenken: 1. Greta Thunberg beansprucht für sich, für alle zukünftigen Generationen zu sprechen. Sie hat dafür aber keinerlei demokratische Legitimation. Auffällig war, dass bei einer aktuellen Volksabstimmung in der Schweiz vor allem die junge Generation gegen das geplante CO2-Gesetz gestimmt hat. 2. Ich halte es für problematisch, die Klimafrage als einen Generationenkonflikt darzustellen. Dies kann das Klima und den Respekt zwischen den Genera­tionen sehr real belasten, wie z.B. die Aufregung um das WDR-Kinderchorlied zur Oma als „Umweltsau“ gezeigt hat. 3. Die Ankündigung, niemals zu vergeben, wenn die eigenen Erwartungen enttäuscht werden, halte ich nicht nur mit christlichen Werten für unvereinbar, sondern vor allem auch für undemokratisch. Viele Entscheidungen zur Klimapolitik haben komplexe, weitreichende, teils existenzielle Folgewirkungen, so dass immer ein gesamtgesellschaftlicher Aushandlungsprozess stattfinden muss. Dabei muss jede gesellschaftliche Kraft immer kompromiss- und versöhnungswillig sein, auch wenn nicht alle eigenen Forderungen umgesetzt werden. 4. Was bedeutet eigentlich konkret die Aussage: „Wir werden euch nicht davonkommen lassen“? Angesichts wachsender Gewalt auch von linksextremen Kräften sollten einflussreiche Menschen in besonderem Maß darauf achten, nur Formulierungen zu verwenden, die nicht missbraucht werden können.

[2] Ausführlich dokumentiert im Cicero-Artikel „Untergänge, die untergehen“: https://www.cicero.de/wirtschaft/unterg%C3%A4nge-die-untergehen/38945

[3] So schreiben Thorsten Dietz und Tobias Faix: „Die Schöpfung Gottes und sein erlösendes Handeln zielen auf den freien und befreiten Menschen. Schon von daher kann eine transformative Ethik den Liberalismus der Moderne nicht pauschal verdächtigen oder verurteilen, sie wird ihn vielmehr als Teil einer Wirkungsgeschichte des Christentums in dieser Welt sehen.“ (S. 253)

[4] So legt es zumindest das Kapitel von Sabrina Müller über „gelebte Theologie“ nahe, Zitat: „Gelebte Theologie gründet in der Erfahrungswelt und Lebensrealität der Menschen.“ (S. 263)

[5] Siehe dazu der besonders krasse Fall der öffentlichen Stigmatisierung eines Pfarrers aufgrund seiner traditionellen Haltung zum Thema Gender und Familie: https://www.bibelundbekenntnis.de/stellungnahmen/auf-dem-weg-zur-verbalinquisition-cancel-culture-in-der-kirche/

[6] Faix / Künkler über den Artikel von Gerhard Wegner: „Transformation setzt daher immer auch die Negation und Zerstörung vorheriger Formationen voraus, und Innovation bedarf Exnovation. All dies wird im Beitrag präzise analysiert.“ (S. 273)

Anhang: Zitate aus dem Artikel von Gerhard Wegner „Transformation als globale Veränderungskraft“, ab S. 277ff.:

„Transformation impliziert eine radikale Veränderung des Bestehenden, einen Austausch derjenigen Muster, die bisher Gesellschaften, Organisationen oder auch Individuen bestimmen. Das Leben orientiert sich im Prozess einer Transformation an anderen grundlegenden Referenzen, an anderen Werten und Leitbildern, als es das bisher getan hat. Wenn man so will, entsteht eine neue Welt, in der anders gelebt wird, als dies bisher der Fall gewesen ist. Insofern ist ein tiefes Erschrecken angemessen, wenn man wirkliche Transformationen herbeirufen will.“

„Dieses eigentlich notwendige Erschrecken kommt in einer Formel zum Ausdruck, wie ich sie zur Beschreibung von Transformation zu benutzen vorschlage: Transformation ist die schöpferische Zerstörung einer Lebensform. Wohlmeinende und freundliche Zeitgenoss:innen werden die Verwendung des Wortes Zerstörung an dieser Stelle kritisieren: Es ginge doch nicht darum, mit dem Transformationsbegriff Angst zu machen. Aber solche Kritik akzeptiert nicht wirklich, worum es mit der notwendigen Transformation unserer Gesellschaftsordnung – im Kern unserer eigenen Lebensweisen – tatsächlich geht. Es braucht grundlegende Orientierungsänderungen, die nicht ohne schmerzhafte Einschnitte in uns lieb gewordenen Lebensweisen möglich sein werden.“

„So gab es in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts die Vorstellung, mittels einer gut geplanten Kette von Reformen die Gesellschaftsordnung strukturell zu verändern. Das Ziel entsprach durchaus dem, was man auch als Transformation hätte bezeichnen können, nämlich dem Austauschen der Grundstruktur einer Gesellschaftsordnung. Aber man hoffte, durch diese Begrifflichkeit die fehlende Akzeptanz für die mit einer »Revolution« verbundene Zerstörung der alten Gesellschaftsordnung, und damit möglicherweise der Anwendung von Gewalt, umgehen zu können. Im Rückblick hat sich dieses Konzept weitgehend als illusionär erwiesen. Das damals fixierte Ziel der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsstruktur ist nicht nur nicht erreicht worden, sondern die vorgenommenen tatsächlichen Reformen haben zumindest in Deutschland den Kapitalismus gestärkt und ihn dauerhafter gemacht als vorher.“

„In unseren Lebensweisen sind wir Menschen in der Regel zufrieden und glücklich – und deswegen sind sie so schwer zu ändern. Es wäre alles viel einfacher, wenn die Menschen in Deutschland auch auf der Ebene ihrer subjektiven Gefühlswelten mit ihren Lebensbedingungen massiv unzufrieden wären. Wer Transformation will, braucht Unzufriedenheit. Wie könnt ihr in eurem falschen Leben so glücklich sein? Die Bude brennt! Seht ihr es denn nicht? Es braucht mithin nichts anderes als: Konversionen.“

„Die entscheidende Frage ist, ob sich das »erforderliche Transformationsdesign Stück für Stück und im demokratischen Umgang mit seinen sozial- und verteilungspolitischen Implikationen« durchsetzt oder ob es dafür Katastrophen und Desaster braucht.“

„Das, was sich in solchen prägenden Mustern den Menschen aufzwingt, ist nicht zufällig, sondern entstammt nicht zuletzt den Mechanismen einer ökonomischen Grundstruktur, die sich nach wie vor am besten als »Kapitalismus« beschreiben lässt. Es sind grundlegende, vor allem im ökonomischen Bereich existierende, sich selbst reproduzierende Strukturen, die Formen des Kapitalismus als Lebensformen kultivieren und die dementsprechend im Zentrum einer transformativen Praxis stehen müssen. Entscheidend ist dabei die von Karl Marx und anderen immer wieder herausgehobene Bedeutung der selbstgenerativen Form des Kapitals.“

„Redet man von einer notwendigen Transformation, also einer Aufhebung, des Kapitalismus, so kommt man nicht darum herum, insbesondere auf eine Studie einzugehen, die die Entstehung dieser Gesellschaftsform als einen umfassenden Transformationsprozess überzeugend analysiert hat: Karl Polanyis Analyse der Durchsetzung von kapitalistischen Marktstrukturen im England des 18. und 19. Jahrhunderts.“

„Mit dem, was hier durch ganz direktes Bereicherungsinteresse vorangetrieben und aus Gründen der Produktivität und Reichtumssteigerung der Gesellschaft insgesamt durch den Staat flankiert wurde, gelang eine Transformation, wie sie die Gesellschaft bis dato noch nirgends erlebt hatte.“

„Der Gesamtcharakter der Gesellschaft und ihre aggressiv-expansionistische Grundstruktur bleibt ungebrochen. Wenn es um eine wirkliche Transformation der Gesellschaft gehen soll, so muss ein ähnlich grundlegender Prozess in Gang gesetzt werden, wie er seinerzeit bis zum Take-off des Kapitalismus vorangetrieben wurde.“

„Transformation … setzt wichtige gesellschaftliche Kräfte voraus, die nicht nur entschieden etwas Neues schaffen, sondern ebenso entschieden Altes zerstören und einen Staat, der dies aktiv unterstützt, zumindest aber flankiert. Zudem gilt, dass die beharrenden Kräfte, wie schon die leninistische Revolutionstheorie behauptete, nicht mehr die Schalthebel der Macht bedienen können.“

„Natürlich führt kein Weg daran vorbei, all diese Aspekte nicht nur aus harmlosen reformistischen Perspektiven, sondern eben von einer grundsätzlichen transformativen Perspektive aus zu bearbeiten.“

„Um es zu wiederholen: Schöpferische Zerstörung ist notwendig. Aber ob es sie angesichts der übergroßen Abhängigkeit der Menschen von ihrer Einbindung nicht nur in die kapitalistischen Geldkreisläufe, sondern in die damit gegebene Formatierung ihrer Bedürfnisse geben kann, bleibt fraglich. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Primäre bei einer solchen Transformation tatsächlich die Zerstörung sein könnte, das heißt die Erfahrung großer Katastrophen, die allein neue Formen eines nachhaltig solidarischen Zusammenlebens plausibler machen könnten.“

Coming-In: Willkommenskultur oder Polarisierung?

Ich war sehr nachdenklich in den letzten Wochen. Was ich gehört und gelesen habe, hat mich aufgewühlt. So viele Meinungen, die meilenweit auseinander liegen. Und das nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern auch mitten in unserem christlichen Umfeld. Das habe ich in diesem Ausmaß noch nie erlebt. Es scheint kein wirksames Mittel gegen die rasch wachsende Polarisierung zu geben.

Umgetrieben hat mich dabei auch die Internetseite „coming-in.de“, in der Christen Werbung machen für einen offenen Umgang mit LSBT (lesbische, schwule, bisexuelle und transidente)-Menschen in konservativen bzw. evangelikalen Gemeinden. Das fände ich ja eigentlich gut. Denn in der Tat gibt es da viel zu lernen unter uns Evangelikalen. Wie wir in der Vergangenheit mit diesem Thema und diesen Menschen umgegangen sind, ist teilweise ein schmerzhaftes Kapitel. Deshalb kann ich nur von Herzen zustimmen: Auch LSBT-Menschen sollen natürlich in unseren Gemeinschaften und Gemeinden herzlich willkommen sein! Denn es ist ja keine Frage: Gott liebt alle Menschen gleich. Er heißt alle Menschen willkommen. Und ja: Wir haben viel zu lernen im Umgang mit diesen Menschen. Ich zuerst.

Insofern könnte ich eigentlich viele Formulierungen auf dieser Seite unterschreiben. Ein „freundliches Gesicht“ gegenüber allen Menschen darf und muss unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung in unseren Gemeinden eine Selbstverständlichkeit sein. Und es tut mir leid, ja es schmerzt mich, dass dieses freundliche Gesicht Menschen mit homoerotischem Empfinden oft versagt worden ist. Wir haben viel Schuld auf uns geladen.

Geht es nur um Willkommenskultur?

Aber beim Lesen dieser Seite stellt sich mir die Frage: Geht es wirklich nur um Willkommenskultur? Geht es nur um ein „freundliches Gesicht“, das ich mir ja genauso wünsche? Zwischen den Zeilen und vor allem in den Statements von Persönlichkeiten wie Michael Diener, Martin Grabe, Tobias Künkler, Gofi Müller oder Jakob Friedrichs wächst in mir der Eindruck: Hier geht es um mehr. Willkommenskultur wird hier verknüpft mit der Forderung, ausgelebte Homosexualität gutzuheißen und ihr den Segen Gottes zuzusprechen. Martin Grabe, der zusammen mit Thorsten Dietz Hauptredner auf der letzten Coming-in-Tagung war, hatte in seinem aktuellen Buch ja bereits den folgenden „Einigungsvorschlag“ gemacht: „Homosexuelle Christen  dürfen ebenso wie heterosexuelle Christen eine verbindliche, treue Ehe unter dem Segen Gottes und der Gemeinde eingehen und sind in der Gemeinde in jeder Hinsicht willkommen.”

Nun waren sich fast 2000 Jahre lang die Christen weitestgehend einig, dass so eine Position mit der Bibel nicht vereinbar ist. Die meisten Christen weltweit sehen das auch heute noch so. Die Aussagen der Bibel sind einfach zu eindeutig und zu durchgängig. Deshalb stellt sich mir die Frage: Soll hier etwa der großen Mehrheit der Christen die Freundlichkeit, Offenheit und Willkommenskultur grundsätzlich abgesprochen werden, weil sie sich an diese biblischen Aussagen gebunden fühlen?

Hängt Annahme mit der Befürwortung des Lebensstils zusammen?

Die Frage stellt sich ja ganz grundsätzlich: Bin ich nur dann ein freundlicher und offener Mensch, wenn ich alles absegne, was mein Gegenüber tut? Ist menschliche Annahme nur dann echt, wenn sie den Lebensstil des Anderen befürwortet? Bei den folgenden Zeilen bekomme ich jedenfalls den Eindruck, dass die Macher von Coming-In offenbar genau dieser Meinung sind:

Das freundliche Gesicht hat „Willkommen!“ gesagt.
Ich hoffe, dass es ernst gemeint war.
Weil ich nicht immer willkommen bin.
Weil ich eine Frau liebe und selbst eine bin.
Wenn das freundliche Gesicht es ernst gemeint hat, dann ist ihm das egal.
Es wäre so schön, wenn es egal wäre.
Wenn wirklich alle willkommen wären.

„Egal“ steht hier sicher nicht für Desinteresse oder Gleichgültigkeit. „Egal“ meint hier vielmehr „Gleich-Gültigkeit“. Erwartet wird, dass eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft genauso befürwortet wird wie eine heterosexuelle Partnerschaft. Auf dieser Verknüpfung von Annahme mit Befürwortung des Lebensstils basieren nach meinem Eindruck einige Texte auf dieser Seite. Dadurch entsteht – gewollt oder ungewollt – das Bild: Christen, die sich in ihrem Gewissen an die biblische Ablehnung praktizierter Homosexualität gebunden fühlen, sind grundsätzlich unfreundlich, kalt und abweisend. Sie glauben nicht, dass bei Gott alle Menschen willkommen sind und dass Gott alle Menschen liebt. Michael Diener stellt sie gar in eine Reihe mit Christen, die Antisemitismus, Sklaverei oder Rassismus befürwortet hatten. Deshalb meint er: Es ist 20 nach 12, dass gerade konservative Kirchen und Gemeinschaften umkehren. Dafür setze ich mich ein – mit aller Kraft.”

Ist das eine Kampfansage?

Ich verstehe ja, dass viele LSBT-Menschen ihre Sexualität nicht nur als ein „Tun“ sondern als Teil ihrer Identität ansehen und dass es ihnen deshalb schwerfällt, sich angenommen zu fühlen, wenn man ihrem Tun aus Gewissensgründen nicht zustimmen kann. Trotzdem zucke ich zusammen, wenn z.B. Tobias Künkler von der CVJM-Hochschule Kassel schreibt:

„Wie viele Gemeinden und wie viele Menschen sind an dieser Frage zerbrochen… Ich bin mittlerweile aus guten Gründen überzeugt: Dieses ‚Menschenopfer‘ ist dem Herrn ein Gräuel.“

Werden hier konservative Christen bezichtigt, dem Moloch Menschenopfer zu bringen? Wenn ja, dann frage ich mich: Wie soll bei solchen Ansagen noch ein respektvolles Nebeneinander oder gar Miteinander gelingen? Oder kommt jetzt die Zeit, in der die evangelikale Bewegung insgesamt auf einen spaltenden Konflikt zusteuert, wie ihn die methodistische Weltkirche schon seit längerem durchleidet?

Ich kann jedenfalls nicht anders, als in derartigen Aussagen eine offene Kampfansage zu sehen, die ich so bislang nur aus meiner Landeskirche kannte. So hatten zum Beispiel die Tübinger Theologieprofessoren meine konservative Position für „unerträglich“ erklärt. Die Predigerin beim Abschlussgottesdienst des letzten Kirchentags Sandra Bils schrieb schon 2015 in ihrem Blog, dass sie der Gedanke stört, dass man der konservativen Position noch eine Daseinsberechtigung zuspricht. Inzwischen lehrt Sandra Bils an der CVJM-Hochschule Kassel. Umso mehr wächst in mir das Gefühl: „Ambiguitätstoleranz“ war gestern. Jetzt scheint eine neue Phase zu beginnen, in der wohl auch im freikirchlichen Bereich und im Bereich der Gemeinschaftsverbände Menschen mit konservativen Positionen eher verdrängt werden sollen – genau wie es in meiner evangelischen Kirche ja schon längst geschieht. Wird aus dem „Coming-In“ am Ende womöglich ein „Get out“?

Bitte sprecht anderen Christen nicht von vornherein die Liebe ab!

Um das zu vermeiden würde ich mir von Christen, die die Position von Coming-In teilen, ein paar Dinge wünschen. Das erste ist:

Sprecht doch bitte nicht allen Menschen, die aufgrund ihres Glaubens zu dem Schluss kommen, dass Gott praktizierte Homosexualität nicht segnet, von vornherein die Liebe, den Respekt, die Freundlichkeit und die Offenheit ab. Man kann auch herzlich, offen und freundlich sein, wenn man den Lebensstil des Gegenübers nicht unterstützt und andere Werte vertritt. Mehr noch: Echte Annahme funktioniert generell nicht ohne das gleichzeitige Aushalten von unterschiedlichen Sichtweisen. Ich wünsche mir das jedenfalls von meinen Mitmenschen und auch von euch: Dass ihr mich annehmt, mir freundlich begegnet, mich willkommen heißt, auch wenn ihr einige meiner Meinungen oder Elemente meines Lebensstils nicht für richtig haltet – und wenn ihr deshalb lieber nicht wollt, dass ich in euren Kreisen predige.

Alle christlichen Gemeinden müssen lernen, alle Menschen als von Gott geliebte Menschen freundlich willkommen zu heißen, auch wenn sie nicht mit allem einverstanden sind, was diese Menschen denken und auch wenn es ihnen nicht egal sein kann, was diese Menschen tun und womit sie sich identifizieren. Alle Christen sollten zum Beispiel allen Muslimen freundlich, liebevoll, offen und einladend begegnen, auch wenn sie der Überzeugung sind, dass ihr Glaube ein Irrtum ist und sie nicht retten kann. Da für viele Muslime ihr islamischer Glaube ein wichtiger Teil ihrer Identität ist, ist das gar nicht so einfach. Umso mehr müssen wir lernen, dass die Annahme von Menschen und die Befürwortung ihres Lebensstils zwei grundverschiedene Dinge sind, die wir unbedingt auseinanderhalten müssen, wenn wir auf ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft hinarbeiten wollen.

Baut selbst Gemeinden statt andere Gemeinden umdrehen zu wollen!

Und zweitens: Es ist relativ leicht, unterschiedlichste Christen zu verbinden, wenn man ein emotional besetztes Feindbild hat. Liebevolle Gemeinschaften mit Ausstrahlung aufzubauen wird in dem Moment spannend, in dem man sich auf eine positive Glaubensbotschaft einigen muss. Und das wird nach meiner Erfahrung umso schwerer, je diverser die theologischen Positionen sind. Ihr wünscht euch lebendige Gemeinden, in denen gleichgeschlechtliche Paare ganz selbstverständlich in allen Dingen gleichgestellt sind? Dann ermutige ich euch: Gründet und baut solche Gemeinden! Oder belebt Gemeinden, die jetzt schon eure Werte teilen! Gerade in meiner evangelischen Landeskirche gibt es massenhaft Gemeinden, in denen ihr mit dieser Position uneingeschränkt begrüßt werdet und in denen ihr euch fröhlich entfalten könnt. Viele davon sind kurz vor dem Absterben. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr solche Gemeinden wieder zum Wachsen und zum Blühen bringt, zumal ihr ja offenkundig fest überzeugt seid, dass Gott nur eure Position wirklich gut findet und segnet.

Aber wenig fair und überzeugend finde ich es, wenn ihr stattdessen mit missionarischem Eifer die lebendigen Gemeinden umdrehen wollt, die Christen mit einer anderen Position als der euren zum Blühen gebracht haben. Bitte habt doch Respekt vor Gemeinschaften, die diese Frage für sich anders entschieden haben, weil sie so wie ich der Überzeugung sind, dass man nur schwer oder gar nicht missionarische Gemeinde bauen kann mit dem einseitig historisierenden oder gar liberalen Bibelverständnis, das eure Position nun einmal zwangsläufig im Gepäck hat und das mir bei vielen Vertretern, die ich auf eurer Seite sehe, begegnet ist. Ich weiß, ihr seht das anders. Aber beweist mir das Gegenteil doch lieber durch euren eigenen fruchtbaren Gemeindebau statt durch die Forderung, in konservativen Gemeinden predigen zu dürfen, um dort für eure Position zu missionieren.

Und schließlich: Helft doch bitte mit, dass in unserem Land eine Atmosphäre echter Toleranz bewahrt bleibt, in der auch Gemeinschaften mit einer konservativen Position sein dürfen und respektiert werden, so dass es ein respektvolles Nebeneinander und vielleicht sogar zumindest punktuell ein Miteinander geben kann, bei dem wir trotz dieser Differenz gemeinsam ein Zeugnis für unseren Glauben sein können. Vielleicht gelingt das ja eines Tages, dass wir gelassen sagen können: We agree to disagree. Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind. Aber wir unterstellen dem Anderen deshalb keine bösen Motivationen. Das wäre aus meiner Sicht echter Brückenbau.

Wie gelingt Einheit in einer polarisierten Gesellschaft?

Auch wenn sich alles in mir dagegen sträubt: Ich komme nicht mehr an der traurigen Tatsache vorbei, dass die Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien einseitig politisch gefärbt ist. Wir alle erinnern uns an den Orkan der Entrüstung, den der Beitrag von AfD-Stimmen zur Wahl eines FDP-Politikers zum Ministerpräsidenten von Thüringen auslöste. In Mecklenburg-Vorpommern wurde jüngst eine Frau zur Verfassungsrichterin gewählt, die aktiv bei einer linksradikalen, vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation mitarbeitet. In ARD und ZDF habe ich zu diesem unglaublichen Skandal kaum ein laues Lüftchen vernommen. Im Bericht über die jüngsten Antirassismus-Demonstrationen fiel in der Tagesschau doch tatsächlich der folgende unglaubliche Satz: „Die Hygiene- und Mundschutzregeln wurden überwiegend eingehalten“ (hier bei 2:00) – obwohl wenige Blicke genügten, um sich vom krassen Gegenteil zu überzeugen. Welch ein Kontrast zu den wochenlangen Warnungen vor Verstößen gegen die Hygieneregeln, z.B. bei den Demonstrationen gegen die Einschränkungen von Freiheitsrechten. Die doppelten Standards in der Berichterstattung sind unübersehbar geworden, meinen Birgit Kelle und Peter Hahne in zwei zugespitzten Artikeln. Selbst wenn man ihnen in Stil und Inhalt nicht vollständig zustimmen mag: Im Kern kann man kaum widersprechen – zumal die Linkslastigkeit des politischen Journalismus in Deutschland immer wieder in Studien nachgewiesen wurde.

Die wachsende Polarisierung der Gesellschaft ist ohne Zweifel auch eine Folge dieser politischen Einseitigkeit wichtiger Medien. Während sich die einen in ihrer politischen Haltung, in ihrer gefühlten moralischen Überlegenheit und in ihrer Empörung über Andere überwiegend von diesen Medien bestätigt fühlen, empören sich die anderen über genau diese Einseitigkeit und Arroganz und vergewissern sich darin mit Hilfe einer alternativen Medienszene, die nicht selten selbst zu Einseitigkeit neigt. Ein Ausweg aus dieser Negativspirale scheint mir derzeit nicht in Sicht zu sein.

Für die Kirche Jesu bedeutet das eine enorme Herausforderung. Auch Christen bilden sich ihre Meinung auf Basis von Fernsehen und Internet. Die Kirche Jesu kann sich die wachsende Hitzigkeit der politischen Debatten nicht einfach so vom Leib halten. Das war zuletzt auch in der Corona-Krise gut zu beobachten. In meiner Facebook-Timeline stapelten sich die Posts und Kommentare dazu. Besonders auffällig war, dass selbst Christen, die theologisch sehr nahe beieinander stehen, bei diesem Thema vollständig konträre Meinungen vertreten konnten, manche sogar mit großer, moralisch aufgeladener Gewissheit und hohem Sendungsbewusstsein. So konnte ich mir aussuchen, ob ich mich wahlweise versündige, indem ich der Beraubung der Freiheitsrechte tatenlos zuschaue oder indem ich die lebensrettenden Freiheitseinschränkungen anzweifle.

Wie gehen wir als Kirche Jesu damit um? Wie können wir Einheit bewahren, obwohl wir der gesellschaftlichen Polarisierung nicht wirklich ausweichen können?

Zu dieser Frage habe ich für den Blog “Kirche Corona” einen Gastartikel verfasst.

Weiterlesen im Originalartikel

Wie gelingt Einheit in einer polarisierten Gesellschaft?

nonbiblipedia

Die Wutmaschine – Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Eine Wutmaschine fräst sich durch unser Land. Ihre Hinterlassenschaften sind vielfältig:

  • Wut auf gewalttätige Migranten
  • Wut auf Gewalt gegen Migranten
  • Wut auf Behörden, die gewalttätige Migranten nicht abgeschoben haben
  • Wut auf Behörden, die Migranten abschieben
  • Wut auf Politiker, die Migranten ins Land gelassen haben
  • Wut auf Politiker, die sich dagegen wenden, dass Migranten ins Land gelassen werden
  • Wut auf Rechtsradikale, die die Wut wegen der Migration für sich instrumentalisieren
  • Wut auf Linksradikale, die die Wut auf Rechtsradikale für sich instrumentalisieren
  • Wut auf Journalisten, die besorgte Menschen pauschal zu Nazis machen
  • Wut auf Journalisten, die dem Migrationsthema zu viel Raum geben
  • Wut auf Richter, die gewalttätige Migranten zu milde behandeln
  • Wut auf Polizisten, die nicht genug gegen Rechts vorgehen
  • Wut auf…

Die Aufzählung ließe sich lange fortsetzen. Die Wutmaschine erzeugt nicht nur Wut, sie rechtfertigt sie auch. Sie sagt: Man muss aggressiv vorgehen gegen die, die aggressiv gegen unser Land vorgehen. Es sind dann wahlweise Rechtsextreme, Linksextreme oder Islamisten, die scheinbar kurz davor stehen, unser Land zu übernehmen und die deshalb die gesammelte Wut aller aufrechter Demokraten mehr als verdienen sollen.

Die Wutmaschine arbeitet oft mit Angst. Angst vor Gewalt, vor Veränderung, vor Heimatverlust, vor Fremdbestimmung, vor … was auch immer. Angst nährt die Wut. Wut kann zu Hass führen. Und Hass führt dazu, dass genau das eintritt, wovor wir alle Angst haben – wie eine sich selbst erfüllende Prophetie. Am Ende steht eine tief gespaltene Gesellschaft und zerstörtes Vertrauen in die Institutionen, ohne die unser Land nicht funktionieren kann: Politik, Medien, Justiz, Polizei… Das Problem ist: Unsere Demokratie und unser erfolgreiches Wirtschaftssystem basiert genau darauf: Vertrauen. Wenn es einmal zerstört ist wird unser Land nicht mehr das Gleiche sein. Übrigens auch nicht die Kirche. Ganz schön viel Wut habe ich auch unter Christen wahrgenommen, und zwar Wut in ganz gegensätzliche Richtungen. Wie viele Gemeinden in unserem Land sind wohl schon innerlich gespalten, weil die Wutmaschine gewütet hat und die Polarisierung auch vor unseren Gemeindezentren nicht Halt macht?

Letzte Woche hat sie auch mich erwischt, die Wutmaschine. Zum Beispiel bei der Sendung Dunja Hayali. Da saßen sich Jörg Meuthen von der AfD und Kathrin Göring-Eckardt von den Grünen gegenüber. Sorry, lieber Leser, falls Du einen dieser Politiker liebst. Aber es war halt ehrlich so: Sie haben mich beide wütend gemacht. Sie haben sich von Gewalt distanziert, aber von Extremisten in den eigenen Reihen wollten sie sich nicht distanzieren – oder sie haben einfach behauptet, es gäbe sie nicht. Sie haben auf den Anderen geschimpft, aber selbst genau das Gleiche getan. So habe zumindest ich es empfunden, und so ging es offenbar auch Dunja Hayali. Wobei ja auch der Name dieser Moderatorin inzwischen bei Vielen Wut auslöst, wie man auch in der Sendung sehen konnte.

Die Sendung hat mich buchstäblich einige Stunden Schlaf gekostet. Mir geht es so: Ich will dann am liebsten verbal um mich schlagen. Das Internet gaukelt uns ja vor, wir würden irgendwie gehört und wir könnten irgendetwas verändern, wenn wir uns dort äußern. Aber was passiert real? Oft werden wir nur Teil dieser Wutmaschine, die unsere Internetbekanntschaften mit neuer Wut infiziert, weil sie entweder von unserer Wut angesteckt werden oder weil sie wütend auf unsere Sichtweise sind.

Keine Frage: Manche Wut, die unserem Land unterwegs ist, ist verständlich, ja sogar berechtigt. Jesus konnte auch manchmal richtig wütend werden. Wir kennen die Szene im Tempel, in der er mit „heiligem Zorn“ die Händler vertrieb. So ein „heiliger Zorn“ kann natürlich auch Christen treffen. Wer leidenschaftlich liebt wie Jesus, der ist nicht immer lieb und nett. Allerdings kann unmöglich jeder Zorn, den ich bei mir und anderen Christen beobachte, „heilig“ sein. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Gott Leute mit gegensätzlichem Zorn erfüllt, so dass sie aufeinander losgehen. Ein großer Teil unserer Wut ist offenbar doch ziemlich menschlich.

Paulus hat uns deshalb einen anderen Weg gezeigt, wie wir mit Dingen umgehen sollen, die wir als Böse empfinden:

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12, 21)

Direkt davor sagt er noch einige denkwürdige Sätze: „Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ 

Also ganz ehrlich: Es gab letzte Woche Menschen, bei denen ich nicht unbedingt auf Gutes bedacht war. Und ich hätte auch keinerlei Lust verspürt, nach Frieden mit ihnen zu streben. Die Frage ist ja auch: Ist das realistisch, was Paulus da schreibt? Ist das nicht nur so ein frommes Ideal, das man in der Praxis gar nicht erreichen kann? Wer hat sich schon komplett im Griff, wenn die Wutmaschine sich durch unseren Herzensgarten fräst?

Aber ich fürchte, dass die Bibel hier nicht nur von Idealen spricht. Sie hat es wohl tatsächlich ernst gemeint. Sie hat den Anspruch, dass wir das wirklich so leben sollen. Und Paulus erklärt dann ja auch, wie das ganz praktisch gehen kann:

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! … Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.“ (Philipper 4, 4-7)

Das ist es: Immer wieder zurück zu Jesus! Die Angst und die Sorgen auf ihn werfen! Er ist und bleibt doch der Herr der Geschichte. Er hat auch die Politiker im Griff, egal ob rechts oder links. Und die Medienleute. Und die… einfach alle! Und Fakt ist ja: Am Ende geht alles gut aus! Wegen Jesus! Ja, in der Welt haben wir Angst. Jesus wusste das. Aber wir können auch getrost sein. Er hat die Welt überwunden. (Johannes 16, 33) Er hat sogar im Angesicht des fiesesten und gewalttätigsten Hasses, den man sich überhaupt nur vorstellen kann gesagt: Vater, vergib ihnen. Wenn ich daran danke, kann ich mich doch wieder neu von SEINER Freude anstecken lassen.

Irgendwie so müssen das wohl auch die Christen schaffen, die über unsere Probleme in Deutschland nur müde lächeln können. Diese heldenhaften Brüder und Schwestern in Ägypten oder im Iran, die nicht nur virtuell oder medial sondern ganz hautnah mit Wut, Hass und Gewalt konfrontiert sind. Die um ihr Leben fürchten müssen, die angeklagt, geschlagen, eingesperrt, vertrieben und enteignet werden, nur weil sie sich zu Jesus bekennen. Und die trotzdem von innen heraus leuchten, weil sie fest an Jesus bleiben, weil sie durch ihn gelernt haben zu vergeben und weil SEINE Freude und SEIN Friede sie erfüllt, obwohl eigentlich alles dagegen spricht. Sie haben ihn tatsächlich: Diesen Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft. Von ihnen will ich lernen.

Jesus hat gesagt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, 9). Jesus, bitte hilf mir dabei. Mich nicht von dieser Wutmaschine infizieren zu lassen. Sondern immer wieder in Deinen Frieden zurückzukehren. Aus Deinem Frieden und Deiner Freude zu schöpfen. Und dadurch mit Dir Geschichte zu schreiben, indem ich mit dazu beitrage, dass Dein Friedensreich wächst mitten in einer Welt voll Angst, Wut und Dunkelheit. Danke, dass Du das in mir und durch mich schaffen kannst. Amen.


P.S.: Heißt das also, dass wir Christen uns aus allem heraushalten sollen? Sollen wir uns am besten gar nicht politisch äußern, weil es ja in der aufgeheizten Stimmung unserer Tage immer irgendjemand aufregen wird, was wir zu sagen haben? Nein, ich glaube nicht. Es gibt ja so viele laute Stimmen, voller Wut, undifferenziert, unüberlegt, polarisierend statt versöhnend. Es wäre katastrophal, wenn wir diesen Stimmen das Feld überlassen würden. Dringender denn je braucht es Leute, die wohlüberlegt, nüchtern, aus einem Frieden heraus offen ihre Meinung kundtun. Das ist Demokratie! Deshalb freue ich mich über Freunde in Facebook und im realen Leben, die auch politische Sachen verbreiten, solange sie seriös und sachlich sind. Es ist so wichtig, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen zu konfrontieren. Und erst recht freue ich mich über Christen, die sich ganz bewusst in der Politik engagieren. Deshalb werde auch ich immer mal wieder etwas Politisches von mir geben. Hoffentlich gelingt es mir, das immer aus SEINEM Frieden heraus zu tun. Und hoffentlich gelingt es mir, dass ich immer schnell in diesen Frieden zurückkehren kann, wenn ich bei Anderen etwas lese, was mich wütend macht. Ich glaube: Wenn wir das beherzigen und wenn wir lernen, wie man streiten und sich dennoch lieben kann, dann können wir Christen echt einen Unterschied machen in unserem Land.

Siehe auch: Keine Angst! Ehrlich! Es ist wichtig, die Wahrheit zu kennen – die ganze Wahrheit!

Retter statt Retterin

Ein Chrismon-Artikel zeigt, was meine Kirche jetzt dringend braucht

Ich liebe meine Kirche. Ich liebe ihr reiches reformatorisches, theologisches und geistliches Erbe. Ganz besonders liebe ich meine Kirchengemeinde. Ich investiere einen großen Teil meiner Freizeit für sie, für unseren Jugendkreis, unseren Hauskreis, unseren jährlichen Glaubenskurs, für die modern gestalteten Gottesdienste, die Kirchengemeinderatssitzungen und manches mehr.

Umso mehr schmerzt mich der jüngst erschienene Chrismon-Artikel über eine Abtreibungsärztin, die schon in der Überschrift als „Die Retterin“ bezeichnet wird, während im Artikel Lebensschützer durchweg massiv abwertend dargestellt werden. Der Artikel führt mir erneut schmerzlich vor Augen, wie abgrundtief und unüberbrückbar der Riss ist, der mitten durch meine Kirche geht.

Bislang hat sich die Kirchenleitung meines Wissens nicht dazu geäußert. Aber im Zusammenhang mit dem Votum der Chrismon-Chefredakteurin Ursula Ott für eine Legalisierung von Abtreibungswerbung hatte der EKD-Ratsvorsitzende und Mitherausgeber von Chrismon Heinrich Bedford-Strohm bereits im Januar diesen Jahres deutlich gemacht, dass er die Position von Frau Ott zwar nicht teilt, dass ihre Meinung aber „innerhalb der möglichen Meinungsäußerungen im Bereich des Protestantismus“ liegen würde. Frau Ott hat sich deshalb nicht beirren lassen sondern noch einmal kräftig nachgelegt und jetzt genau die Frau öffentlich gefeiert, die wegen eines Verstoßes gegen das Verbot von Abtreibungswerbung rechtskräftig verurteilt wurde.

Nun halte ich Gottes Gebot in dieser Frage für eindeutig: Du sollst nicht töten. Mir ist daher nicht klar, wie die Chrismon-Kampagne für Abtreibungswerbung mit dem eindeutigen Gebot des Herrn der Kirche vereinbar und somit als mögliche protestantische Meinungsäußerung tolerierbar sein könnte. Ich werde niemals den Stab über Frauen brechen, die sich in einer schweren Konfliktsituation befinden. Aber so viel ist sicher: Die Tötung eines ungeborenen Kindes kann nur eine von zwei furchtbaren Alternativen sein. Eine „Rettung“ ist sie in keinem Fall. Wer die Tötung Ungeborener mit einer solchen Vokabel in Verbindung bringt steht weit jenseits des Konsenses der weltweiten Kirche Jesu. Und die teils scharfe Kritik an dem Chrismon Artikel bis hin zu einer Online-Petition belegt: Für nicht wenige evangelische Christen ist es fast unerträglich, dass Millionen Euro aus ihren Kirchensteuernmitteln dafür verwendet werden, um eine Kampagne für Abtreibungswerbung in 1,6 Millionen Haushalte zu tragen.

Wie konnte es so weit kommen?

Bei einer Podiumsdiskussion am 6.11.2017 in Passau hat Herr Bedford-Strohm etwas sehr Schönes gesagt: „Der Kern aller Reformationsprozesse muss sein, dass wir Christus neu entdecken. … Unser eigentliches Problem ist, dass wir eine geistliche Erneuerung brauchen.“ (ab 1:27:52) Diese Ansicht teile ich voll und ganz. Genau dafür bete und arbeite ich. Allerdings würde ich Herrn Bedford-Strohm gerne eine wichtige Frage dazu stellen:

1999 hat der einflussreiche Theologieprofessor Lindemann in einem Spiegel-Interview erklärt: „Dass es sich bei den Evangelien um Lebensbeschreibungen Jesu handelt […] wird seit Jahrzehnten von keinem ernst zu nehmenden Exegeten mehr behauptet.“ Dass ein erheblicher Teil der Jesus-Zitate im Neuen Testament nicht von Jesus selbst stammt sondern ihm erst durch nachträglich in den Mund gelegt wurde, scheint in der universitären Theologie und somit auch in der Pfarrerausbildung weitgehender Konsens zu sein. Wenn aber die Evangelien weder das Leben noch die Lehre Jesu verlässlich beschreiben, woher wissen wir dann, wer und wie Jesus Christus ist? Wie können wir ihn dann neu entdecken? Hielt sich Jesus selbst für den Messias? Ist er leiblich auferstanden? War sein Grab leer? Ist er wirklich in den Himmel aufgestiegen? Wird er so auch wiederkommen? Wird er die Welt richten? Ist er allein der Weg zum himmlischen Vater? Oder ist er auch in anderen Religionen zu finden? Wovor rettet uns Christus überhaupt? Starb er am blutigen Stamm als Opfer für unsere Sünden? Oder hat er sich als ein Justizopfer mit den Unterdrückten der Welt solidarisiert?

Wohin ich auch schaue in meiner Kirche: Ich sehe bei keiner dieser allerzentralsten Fragen Einigkeit. Selbst wenn noch die gleichen Begriffe verwendet werden – die Inhalte sind grundverschieden. Nur so ist erklärbar, warum es in meiner Kirche immer öfter Äußerungen gibt, die mit traditionellen christlichen Standpunkten grundlegend unvereinbar sind. Das sehe ich zum Beispiel, wenn die Synode der evangelischen Kirche im Rheinland den Missionsbefehl unseres Herrn in Bezug auf Muslime offen verwirft. Und nun wird es mir wieder schmerzhaft deutlich, wenn Chrismon eine Abtreibungsärztin als Retterin bejubelt. Beide Positionen hätte ich bis vor kurzem noch für völlig undenkbar in meiner Kirche gehalten.

Der frühere Beauftragte der deutschen evangelischen Allianz im deutschen Bundestag Wolfgang Baake hat nun aufgrund des Chrismon-Artikels dazu aufgerufen, „in Scharen“ aus der evangelischen Kirche auszutreten. Ich respektiere, dass für viele Mitchristen die Grenze des Erträglichen überschritten ist. Aber ich trete nicht aus. Weil ich meine Gemeinde liebe und ihre großen missionarischen Möglichkeiten nutzen möchte. Und weil ich finde, dass doch konsequenterweise eigentlich die austreten sollten, die den Boden unserer kirchlichen Bekenntnisse verlassen haben.

Aber auftreten muss ich.

Lieber Herr Bedford-Strohm, falls Sie diese Zeilen lesen sollten würde ich gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen zu genau dieser Frage: Wer ist dieser Christus, den wir neu entdecken müssen und auf dessen Basis die Kirche erneuert werden soll? Welche seiner Lehren sind für die Kirche verbindlich? Auf welcher Grundlage können wir uns über diese Frage überhaupt verbindlich auseinandersetzen, da die EKD doch gemäß ihrem Papier „Rechtfertigung und Freiheit“ die Bibel ausdrücklich nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als »Wort Gottes« versteht? Ist diese Frage nur noch subjektiv und individuell zu beantworten? Gibt es keine gemeinsame Wahrheit mehr, die wir der Welt verkünden können?

Ich glaube genau wie Sie: Die Kirche braucht eine geistliche Erneuerung. Dafür muss sie Christus neu entdecken. Nur Christus als Haupt kann die Glieder der Kirche verbinden (Eph. 4, 15-16). Die offene Frage nach Christus ist deshalb der innerste Kern der Probleme, die wir in unserer Kirche haben. Wenn wir diese Frage nicht klären finden wir keine innere Einheit, keine gemeinsame Botschaft und damit auch kein gemeinsames Zeugnis in unsere Gesellschaft hinein. Dann haben wir die Zukunft unserer verfassten evangelischen Kirche verloren.

Es ist höchste Zeit für diese Debatte. Eine Kirche, in der eine Abtreibungsärztin als Retterin bejubelt wird, braucht Christus, den Retter – mehr und dringender denn je.

Siehe auch:

„Ehe für alle“ – Fortschritt wohin?

Ein Diskussionsbeitrag von Gastautor Dr. Reinhard Junker
Der Artikel kann mit ausführlicheren Anmerkungen hier als PDF heruntergeladen werden.

„Ehe für alle“ – klingt gut und einladend, es wird niemand „diskriminiert“, es gelten gleiche Rechte für alle, niemandem wird etwas weggenommen. Und wenn Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen, ist das doch wertvoll und verdient Unterstützung, unabhängig davon, ob es sich um eine hetero- oder homosexuelle Beziehung handelt. Wo also  ist das Problem?

In diesem Beitrag möchte ich zunächst darlegen, was aus christlicher Sicht zur Ehe gesagt werden kann und anschließend die Argumente untersuchen, die spezifisch von kirchlicher Seite für die „Ehe für alle“ vorgebracht werden. Im zweiten Teil soll es um Argumente gehen, die unabhängig von christlicher Dogmatik und Ethik in der Diskussion über die „Ehe für alle“ (Efa) vorherrschen: Wie begründen die Befürworter die Efa und aus welchen Gründen lehnen sie ihre Gegner ab? In einem dritten Teil werden einige Konsequenzen erörtert.

1. „Ehe für alle“ aus christlicher Sicht

Beim Thema „Ehe“ fängt man aus christlicher Sicht am besten buchstäblich bei Adam und Eva an. Nach dem biblischen Schöpfungszeugnis schuf Gott den Menschen als Mann und Frau, beide zusammen zu seinem Bilde (1. Mose 1,27), unterschiedlich – nicht nur körperlich, sondern auch in ihrem Fühlen, Denken und Handeln. Das unterstreicht 1. Mose 2, wo gesagt wird, dass die Frau als „passende Entsprechung“ zu Adam geschaffen wurde. Die Frau ergänzt den Mann im Sinne einer Gleichstufigkeit und Gleichwertigkeit.[1] Auch wird die Unterschiedlichkeit von Anfang an betont, die schon vor dem Fall schöpfungsmäßig vorgegeben ist. Beide werden mit einer bipolaren Sexualität ausgestattet: „Er schuf sie männlich und weiblich.“ 1. Mose 2,18.20 bringt die Zuordnung und das Miteinander der beiden Geschlechter zum Ausdruck: Der Mann ist hilfs- und ergänzungsbedürftig; „es ist nicht gut“, dass Adam allein ist.[2] Der Mann ist unvollständig und bedarf eines passenden Gegenübers. Die wunderhafte Erschaffung Evas nicht aus Staub (wie bei Adam), sondern aus der „Seite“ (wahrscheinlich aus der Herzgegend) bringt zum Ausdruck, wie wesensverwandt beide sind. Der abschließende Jubelruf Adams in 2,23 und 2,24 bestätigt, wie großartig Gottes Idee der Ehe ist, die hier eingesetzt wird.

Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ist also schöpfungsmäßig gegeben, es handelt sich um eine geschöpfliche Grundtatsache, und so ist auch die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott als Grundordnung eingesetzt worden. Jesus bestätigt dies nach dem Zeugnis der Evangelien ausdrücklich und uneingeschränkt mit Verweis auf die Heilige Schrift (Mt 19,4-5: „Habt Ihr nicht gelesen?“) und zitiert sinngemäß aus 1. Mose 1 und wörtlich aus 1. Mose 2. Es geht in Mt 19,3ff. zwar um die Frage der Ehescheidung, aber Jesus begründet die Antwort auf die ihm gestellte Frage mit Verweis auf den Anfang und bekräftigt damit, dass die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau geschöpfliche Realitäten sind und dass die Ehe von Gott selber am Anfang eingesetzt wurde. Entscheidend ist hier die Grundhaltung Jesu zur (damals gegebenen) Heiligen Schrift, die er als Autorität anerkennt.

Paulus geht noch weiter: Auch er zitiert 2. Mose 2,24 und nimmt die Ehe von Mann und Frau als Bild für die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde (bzw. Kirche). So wie Christus die Kirche geliebt und sich für die hingegeben hat, so sollen Männer ihre Frauen lieben (Eph 5, 25). Das darf den Männern durchaus zu denken geben, und Paulus wiederholt das sinngemäß in V. 29. Dieser Vergleich macht nochmals klar: So wie Christus und seine Kirche lebenslang in einer Liebes- und Treuebeziehung zusammengehören, so auch Mann und Frau in der Ehe. Wir befinden uns hier im Zentrum dessen, was die christliche Lehre und Botschaft ausmachen: Schöpfung und Erlösung (hier: die Hingabe Jesu an die Kirche, wie Paulus es formuliert).

Folgen wir der Heiligen Schrift, ist also klar: Die Ehe ist ausschließlich eine auf lebenslange Treue angelegte Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau. Der Theologe Wolfhart Pannenberg schreibt dazu: „Denn eine Kirche, die sich dazu drängen ließe, homosexuelle Betätigung nicht mehr als Abweichung von der biblischen Norm zu behandeln und homosexuelle Lebensgemeinschaften als eine Form persönlicher Liebesgemeinschaft neben der Ehe anzuerkennen, eine solche Kirche stünde nicht mehr auf dem Boden der Schrift, sondern im Gegensatz zu deren einmütigem Zeugnis. Eine Kirche, die einen solchen Schritt tut, hätte darum aufgehört, evangelische Kirche in der Nachfolge der lutherischen Reformation zu sein.“[3]

Einwände

Trotz dieses klaren biblisch-exegetischen Befundes werden von kirchlicher Seite Argumente für eine „Ehe für alle“ (Efa) angeführt, die nachfolgend genannt und bewertet werden sollen.

Zunächst fällt auf, dass auf die Schöpfungstexte meist gar nicht eingegangen wird, obwohl es für einen Christen in dieser Frage kaum eine grundsätzlichere Begründung als die geschöpfliche Wirklichkeit geben kann. Stattdessen wird auf das Liebesgebot Jesu und auf heutige Kenntnisse über Homosexualität verwiesen und der Begriff „Ehe“ wird mit neuem Inhalt gefüllt. So seien „Vertrauen, Verlässlichkeit und die Übernahme von Verantwortung in der Gestaltung menschlicher Beziehungen von zentraler Bedeutung“ und dafür biete die Ehe beste Voraussetzungen, heißt es in einer Stellungnahme der EKD, in der die Efa gutgeheißen wird. Damit werde die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau nicht geschmälert, sondern unterstrichen.[4] Matthias Hestermann vom Gesprächskreis „Offene Kirche“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg nimmt ebenfalls Bezug auf eine lebenslange Verantwortung, die Menschen füreinander übernehmen, daher sei eine Home-Ehe gerechtfertigt.[5] Mit solchen Argumentationen wird jedoch „Ehe“ grundlegend neu definiert – darauf soll weiter unten eigens eingegangen werden.
Weiter wird argumentiert, man müsse die Bibel von ihrer Mitte her verstehen, dazu gehöre, dass Jesus niemanden ausgrenzen wolle.[6] Die Befürworter der Efa betonen in diesem Zusammenhang, dass Jesus Christus die Liebe über das Gesetz gestellt habe[7], aus zentralen biblischen Geboten ergebe sich „der Impuls zu einer Öffnung der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“, so der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.[8]

Entgegnung: Diese Argumentation ist aus zwei Gründen unhaltbar, aus einem logischen und aus einem exegetischen.

Zum einen: Weder aus dem Liebesgebot Jesu noch aus irgendwelchen anderen Worten oder Taten Jesu kann logisch etwas darüber gefolgert werden, was „Ehe“ bedeutet. Dass Jesus sich ausgegrenzten Menschen zugewendet hat, hat mit der Definition von Ehe und somit mit der Efa schlicht nichts zu tun. Diese Argumentation könnte allenfalls greifen, wenn „Ehe“ neu definiert wird (dazu siehe den 2. Teil).

Zum anderen: Man kann nicht bestimmte Jesusworte (und Taten) gegen andere (oder auch gegen die der Apostel[9]) ausspielen oder als höher- oder geringerwertig einstufen. Denn sie stammen alle aus denselben Quellen, den Evangelien (bzw. dem ganzen Neuen Testament).[10] Mit welcher Begründung wollte man Jesu Aussagen über Ehe und Ehescheidung in Mt 19,3ff. als ungültig oder zeitbedingt erklären, das Liebesgebot aber nicht? Wenn manche Jesusworte als maßgeblich akzeptiert und gegen andere ausgespielt werden, bedeutet das einen selektiven Umgang mit Jesu Worten, und man stellt sich damit über die Heilige Schrift. Dann aber kann man nicht behaupten, man berufe sich auf die Bibel. Denn unter diesen Umständen ist nicht das uns in der Heiligen Schrift gegebene Wort Gottes entscheidend, sondern das, was man selber dafür hält. „Wenn Du glaubst, was Dir am Evangelium gefällt, und zurückweist, was Dir nicht gefällt, vertraust Du nicht dem Evangelium, sondern Dir selbst“ (Aurelius Augustinus[11]). Es kommt hinzu, dass Jesus ausdrücklich das Halten der Gebote gefordert hat; Jesusliebe und das Halten der Gebote gehören zusammen: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15; vgl. 2. Joh 4-6). Das Gesetz ist durch das Evangelium nicht außer Kraft gesetzt, sondern erfüllt worden. Zudem ist ja auch das Liebesgebot ein Gebot. Stünde die Liebe über den Geboten, wäre auch das Liebesgebot betroffen, was zu einem Selbstwiderspruch führen würde.

Wenn von Befürwortern der Efa doch einmal auf 1. Mose 1 und 2 Bezug genommen wird, dann in einer kritischen Haltung. Diese Texte seien veraltet bzw. spiegelten ein veraltetes Verständnis von Mann und Frau wider. Auch die durchweg negative Bewertung praktizierter Homosexualität  in biblischen Texten wird auf diese Weise abgetan. Man wisse heute, dass Homosexualität wie z. B. die Haarfarbe angeboren sei, während Jesus das nicht bekannt war; Gott habe manche Menschen so geschaffen; das müsse die Theologie heute berücksichtigen.[12] Abgesehen davon, dass hier erneut moderne Einschätzungen und Meinungen über die Heilige Schrift gestellt werden[13], ist die Behauptung, Homosexualität sei angeboren (und somit auch von Gott geschaffen), unbewiesen und aufgrund vieler Studien auch unwahrscheinlich. Die Entwicklung von Homosexualität scheint vielmehr durch besondere Umstände während der Entwicklung in Kindheit und Jugendzeit begünstigt zu werden.[14] Jesus als Sohn Gottes und Schöpfungsmittler wusste natürlich über Homosexualität Bescheid (vgl. Mt 19,12). Und die Behauptung, Paulus habe in der damaligen Lebenswelt noch auf Treue angelegte homosexuelle Partnerschaften nicht im Blick haben können, ist mittlerweile widerlegt.“[15]

2. Zum Artikel 6 des deutschen Grundgesetzes

Wir wenden uns nun den Aussagen des deutschen Grundgesetzes zu Ehe und Familie zu und fragen, ob die Efa damit vereinbar ist, welche Begründungen für eine Vereinbarkeit vorgetragen werden und wie diese zu bewerten sind.

Im Grundgesetz widmet sich Artikel 6 dem Thema Ehe und Familie. Absatz 1 und 2  formulieren:
„(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ Hier ist nicht nur von der Ehe die Rede, sondern – unterscheidend davon – auch von Familie; im Weiteren dann – in unmittelbarem Zusammenhang – von der Erziehung der Kinder. Es ist also im Kontext völlig klar, dass mit Ehe nur eine Verbindung von Mann und Frau gemeint ist, auch wenn das nicht ausdrücklich gesagt wird. Die Väter des Grundgesetzes hatten natürlich an nichts anderes gedacht, es war zu selbstverständlich, als dass das extra hätte gesagt werden müssen.[16] Da im unmittelbaren Zusammenhang von Kindern die Rede ist, die nun einmal nur aus einer Verbindung von Mann und Frau hervorgehen können, ist jeder Zweifel über die grundgesetzmäßige Bedeutung von „Ehe“ ausgeschlossen. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass damals öffentlich praktizierte Homosexualität unter Strafe gestellt war. Weiter bestätigt wird das durch Urteile des Bundesverfassungsgerichts (BVG) aus den Jahren 2002 und 2012, in denen expressis verbis zum Ausdruck gebracht wird, dass eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen wird.[17]

Wenn also andere Beziehungen anders behandelt werden als die Ehe von Mann und Frau, ist das eine gerechtfertigte Ungleichbehandlung. Es wird zurecht ein Unterschied gemacht; genauer: Der Unterschied ist bereits in der Sache vorhanden. Gleiches wird gleich und Unterschiedliches unterschiedlich gehandhabt. Jeder Mensch hat genau einen Vater und eine Mutter, daher ist die Ehe von Mann und Frau etwas Exklusives und entsprechende Ungleichbehandlung („Diskriminierungen“) sind angebracht. Es gibt in der Gesellschaft unzählige sachlich begründete „Diskriminierungen“ im Sinne von Ungleichbehandlungen, ohne dass jemals ein Problem darin gesehen würde.[18]

Fazit: Um Abbau von „Diskriminierung“ und „Gleichstellung“ kann es bei der Efa gar nicht gehen. Denn die Ehe von Mann und Frau ist in relevanten Punkten etwas substantiell anderes als andere Beziehungen. Die Frage ist vielmehr, ob ein Unterschied für eine unterschiedliche Behandlung relevant ist oder ob in den relevanten Punkten überhaupt Gleichheit gegeben ist, die eine Gleichstellung begründet. Letzteres ist bei der Ehe eben nicht der Fall – für einen Christen in erster Linie aus biblischen Gründen. Doch auch wenn Gottes Wort nicht als maßgeblich anerkannt wird, gibt es Grund genug, einen Unterschied zu machen: Nur aus der Verbindung von Mann und Frau kann potentiell Nachwuchs hervorgehen. Nur diese Verbindung kann potentiell zum Erhalt des Gemeinwesens der kommenden Generationen beitragen. Hier kann man nichts „gleichstellen“ und eine Ungleichbehandlung ist sachlich gerechtfertigt.

Begründung für Efa

Trotz der klaren Aussagen des Artikels 6 des Grundgesetzes (GG) und der Urteile des BVG aus den Jahren 2002 und 2012 behaupten die meisten Befürworter der Efa, diese sei mit dem GG vereinbar. Im Wesentlichen werden dafür zwei Begründungen genannt: 1. Es gebe in der Gesellschaft einen Wandel des Eheverständnisses, 2. Es sei ein Abbau von Diskriminierung gefordert.

Zu 1.: Bezüglich der „Ehe für alle“ wird argumentiert, dass Artikel 6, Absatz 1 des Grundgesetzes heute anders gelesen werden müsse, nämlich „im Lichte des 21. Jahrhunderts“, während er früher sehr wörtlich verstanden worden sei.[19] Es ist die Rede von einem „Verfassungswandel“; beim Ehebegriff des Grundgesetzes stehe nach heutigem Verständnis der Gedanke im Vordergrund, dass Menschen einander beistünden und Verantwortung füreinander übernähmen.[20] Der Ehebegriff habe sich so sehr gewandelt, dass man heute etwas signifikant anderes darunter verstehen müsse als früher. Er könne an die jeweiligen zeitlichen Vorstellungen angepasst werden, da der Grundgesetzgeber den Begriff der Ehe nicht definiert habe.[21] 
Damit ist also nicht mehr wesentlich, dass ein Mann und eine Frau eine Treuebeziehung eingehen, und es ist nicht mehr wesentlich, dass nur aus einer solchen Beziehung potentiell (!) Nachwuchs hervorgehen kann. Was eine Ehe ist, ergibt sich nicht mehr als der natürlichen (bzw. geschöpflichen) sich ergänzenden Verschiedenartigkeit der Geschlechter. Stattdessen soll „dauerhafte Verantwortung“ das Kriterium sein (derzeit zwischen zwei Personen).
Ein zentraler Begriff des menschlichen Miteinanders erhält somit eine völlig neue, weitreichend veränderte Bedeutung. „Ehe für alle“ geht also nur durch eine grundlegende Umdefinierung von Ehe und auch nur durch Missachtung der unbestreitbaren natürlichen leiblichen und geistig-seelischen Unterschiede von Mann und Frau.

Einwände: Wenn der Ehebegriff wirklich so grundlegend wandelbar wäre, hätte das Grundgesetz (GG) an dieser Stelle seine Funktion als Korrektiv verloren. „Grundrechte haben eine leitende und schützende Funktion für jeden einzelnen Bürger und für die Gesellschaft.“[22] Der einzige Sinn einer Verfassung ist gerade der Schutz vor dem Zeitgeist, und es geht immer darum, wie die Gesetze ursprünglich gemeint waren. Sonst bräuchten wir keine Verfassung und man könnte sonst fast Beliebiges in die Verfassung hineinlesen oder aus ihr herausstreichen, womit sie faktisch unwirksam gemacht würde. Es steht einem Parlament und überhaupt niemandem zu, den Ehebegriff umzudefinieren.[23] Wie bereits erläutert war es für die Väter des Grundgesetzes nicht erforderlich, „Ehe“ zu definieren; der Begriff „Ehe“ ist vorstaatlich und kann vom Gesetzgeber gar nicht definiert werden, genauso wenig wie z.B. „Menschenwürde“.[24] Wer darauf verweist, dass das GG „Ehe“ nicht definiert habe und daraus den Schluss zieht, eine Ehe könne auch unter gleichgeschlechtlichen Partnern vollzogen werden, sollte bedenken, dass das GG auch nicht definiert, dass eine Ehe zwischen nur zwei Personen geschlossen wird.[25] Darauf kommen wir weiter unten zurück.

Vor diesem Hintergrund kommentiert Matthias von Gersdorff die Umdefinierung der Ehe treffend: „Wer so denkt, braucht gar keine Verfassung. Für ihn ist die Kultur oder besser gesagt, der Zeitgeist, die absolute Richtschnur für politisches und gesellschaftliches Leben. … Recht wird in dieser Welt von demjenigen definiert, der die Deutungshoheit über die Kultur besitzt. Kultureller Einfluss ersetzt geradezu das Recht. Wer gesellschaftlichen Einfluss besitzt, der definiert auch, was Recht ist. Er definiert also, was die Ehe ist, was Eigentum ist, was ‚Recht auf Leben‘ ist etc.“[26]
Der Journalist Jürgen Liminski weist darauf hin, dass bis auf spezielle Ausnahmen bei allen 5000 Gesellschaften, „die wir seit dem ersten Geschichtsschreiber Herodot kennen“, das „konjugale Prinzip“ vorherrschend war, das heißt die Verbindung von Mann und Frau. Dies sei der „Kern der Gesellschaft, aus ihr entsteht die Generationenfolge, in ihr wurzelt die Identität der Familienmitglieder … Ausnahmen entstanden meistens aus Not. … Es ist nicht das Recht, das Gleichgeschlechtlichen gemeinsame Kinder verbietet, sondern die Natur.“[27]

Befürworter der Efa weisen darauf hin, dass sich die Ehe auch früher gewandelt habe, etwa dass z. B.  konfessionsverschiedene Ehen oder Ehen zwischen Bürgerlichen und Adligen ein Tabu gewesen seien[28] oder dass Vernunftehen früher gegenüber Liebesheiraten vorherrschten; doch das alles betrifft nicht die Bedeutung dessen, was eine Ehe ist.[29] Der Wandel in der Praktizierung von Ehen kann keine Begründung für eine Neudefinition von Ehe sein.

Wenn „dauerhafte Verantwortung“ das Kriterium für eine „Ehe“ ist, ist zu erwarten, dass weitere Änderungen folgen werden und sie werden auch schon reichlich gefordert.[30] Warum soll das nur für zwei Menschen gelten? Wenn Ehe aber alles Mögliche sein kann, ist der Ehebegriff faktisch aufgelöst.

Die Folgen sind darüber hinaus von grundsätzlicher Art: Eine klar verständliche Bedeutung der Sätze des Artikels 6 wäre verloren gegangen, wenn einfach zu verstehende Sätze und Begriffe scheinbar nach Belieben umgedeutet werden können. Somit wird Sprache geradezu absurd. Wenn der Wortsinn nicht mehr gilt, ist klare Kommunikation nicht mehr möglich.

Zu 2.:Als Begründung für die Efa wird häufig auch auf den Gleichheitsgrundsatz und der Abbau von Diskriminierungen verwiesen. So hieß es in einem der Gesetzesentwürfe zur Efa: „Gleichgeschlechtlichen Paaren ist bis heute die Ehe verwehrt, was eine konkrete und symbolische Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität darstellt.”[31] Im Juni 2015 kam von den Landesregierungen Niedersachsens und Thüringens eine Bundesratsinitiative, in der es heißt: „Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, die verfassungswidrige Diskriminierung eingetragener Lebenspartnerschaften zu beenden.“[32]  

Dieses Argument ist falsch, denn es wird niemand diskriminiert, weil er ein Mann oder sie eine Frau ist oder wegen der sexuellen Orientierung. Sondern es wird ein Unterschied zwischen der „klassischen“ Ehe und anderen Beziehungen gemacht – wie oben dargelegt aus gutem Grund.

3. Konsequenzen der „Ehe für alle“

Es wird oft gesagt, die Efa nehme niemandem etwas weg; das war auch in der kurzen Debatte im Bundestag am 30. 6. 2017 zu hören, nach der 393 Parlamentarier für die Efa stimmten. Auf den zweiten Blick kommen aber Zweifel auf.

Efa bedeutet auch Kinder für alle, da damit auch das Adoptionsrecht gegeben ist. Manchen Kindern werden dadurch die wahren Eltern bzw. das Aufwachsen mit Vater und Mutter vorenthalten;[33]die Kinder werden aber irgendwann nach ihren wahren Eltern fragen. Welche Folgen wird das haben? Außerdem ist zu bedenken: „Heranwachsende werden im Prozess der Identifikation mit ihrem biologischen Geschlecht verunsichert, wenn ihnen vorgespiegelt wird, daß Menschen gleichen Geschlechtes ‚heiraten‘. Die Ausbildung stabiler mit sich selbst identischer Persönlichkeiten wird behindert.“[34] 
Frauen werden als Leihmütter benötigt und verlieren ihre Würde als Mütter.
Wie dargelegt wird klare Sprache vernebelt und das Rechtsverständnis verliert an Glaubwürdigkeit, wenn Begriffe umdefiniert werden.[35]

„Ehe für alle“ – nur ein Anfang?

Wie oben erläutert geht Efa nur durch eine Neudefinition von Ehe, was mit einem Wandel des Eheverständnisses in der Gesellschaft begründet wird und damit, dass das GG „Ehe“ nicht definiere. Beide (wie gezeigt unhaltbaren) Begründungen begünstigen weitere Veränderungen: Auch Beziehungen zwischen mehr als zwei Personen und alle auf Dauer angelegten Verantwortungsgemeinschaften fallen unter das neue Kriterium und wären dann vom GG ebenfalls nicht ausgeschlossen, wenn wirklich nicht klar wäre, was das GG mit „Ehe“ meint.[36] Die faktisch der Efa zugrunde gelegte Neudefinition von „Ehe“ ermöglicht keine Abgrenzung und keine Privilegierung der Ehe im ursprünglichen Sinne des Artikels 6 GG. Wenn es wirklich um „Ehe für alle“ geht, kann man die Institution „Ehe“ gleich ganz abschaffen.[37]

Es muss in diesem Zusammenhang zu denken geben, dass gerade diejenigen, die bisher abfällig über die Ehe geredet und jahrelang die Ehe als Auslaufmodell diffamiert haben, sie jetzt für alle haben wollen.[38] Ist es also überhaupt glaubwürdig, dass es den Befürwortern der Efa wirklich um die „Ehe“ geht – oder ist die Efa nur ein Schritt zu ihrer Abschaffung?

Kirchenrat Hans Lachenmann analysiert m.E. treffend, wenn er feststellt: „Bei der Offensive der Schwulen- und Lesbenbewegung geht es nur vordergründig um die Gleichberechtigung der Homosexuellen und gegen deren ‚Diskriminierung‘ durch die Gesellschaft. Es geht um die Frage, welches Menschenbild unsere Kultur prägen soll: Das jüdisch-christliche Menschenbild von 1. Mose 1,27f oder das Menschenbild, das die Polarität der Geschlechter (Die Doppelikone ‚Adam und Eva‘ als Ebenbild Gottes) einebnet in einen ‚Monoïkismus‘[39] (G.-F. Dumont), von dem nach der Gleichsetzung von Ehe und ‚Homo-Ehe‘ auch noch weitere ‚Lebensformen‘ ableitbar sind.“[40]

Die Efa muss im größeren Zusammenhang des Gender Mainstreaming angesehen werden. Nach den Vorstellungen der „Gender“-Lehre ist die Zweigeschlechtlichkeit keine natürliche (oder geschöpfliche) Gegebenheit, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt, das es zu überwinden gelte zugunsten einer sexuellen Vielfalt – zugunsten einer vom Menschen selbst konstruierten Welt. Markus Till schreibt dazu auf seinem Blog zurecht: „Dieser Wandel wird nach meiner festen Überzeugung schwerwiegende Folgen für unsere Gesellschaft nach sich ziehen, denn die immer lauter werdende Ermutigung zum ‚Anything goes‘ bringt am Ende eben weniger und nicht mehr verbindliche Partnerschaften und damit auch weniger Schutzräume für das gesunde Aufwachsen von Kindern hervor.“[41]

Zur Konstruktion einer eigenen Wirklichkeit anstelle der Akzeptanz des geschöpflich Gegebenen gehört auch eine entsprechende Sprache und in diesem Zusammenhang muss die oben angesprochene Umdefinition des Begriffs „Ehe“ gesehen werden. So werden an sich klare Texte dekonstruiert und „ihre“ Bedeutung (nach den eigenen Vorstellungen) neu konstruiert. Diese Zusammenhänge können hier nur angedeutet werden. Aus christlicher Sicht sind solche Entwicklungen Symptome eines Aufstandes gegen die geschöpfliche Wirklichkeit und Schöpfungsordnung Gottes.

Mit der „Ehe für alle“ werden fundamentale Grenzen durchbrochen – Grenzen, die durch die Schöpfung vorgegeben sind (oder für den Nicht-Schöpfungsgläubigen: durch die Natur gegeben). „Ehe für alle“ steht für einen grundlegenden Paradigmenwechsel: Nicht die vorgegebene Schöpfung bildet den Rahmen für das Leben, sondern es wird eine Wirklichkeit nach eigenem Gutdünken selbst konstruiert. Auf Dauer kann es aber nicht gut gehen, wenn man die geschöpflichen Vorgaben auflöst. Die Nichtakzeptanz der geschöpflichen Wirklichkeit und deren Ersetzung durch eigene, letztlich realitätsferne Konstrukte bedeutet nichts anderes als eine Art Vergewaltigung der Wirklichkeit, mit bösen Folgen.[42] Das Verbleiben an den geschöpflichen Vorgaben bzw. eine Umkehr zu diesen ist daher das Gebot der Stunde.

Hinweis: In der PDF-Version sind viele Zitate, die hier aus Platzgründen nur in Kurzform oder paraphrasiert wiedergegeben wurden, komplett enthalten.

[1] Das ist gegenüber den außerbiblischen Schöpfungstexten einzigartig und liegt in der Ebenbildlichkeit des Menschen begründet. Auf das Verhältnis von Mann und Frau aus biblischer Sicht wird an dieser Stelle nicht näher eingegangen.

[2] Nach dem wiederholten „Es war (sehr) gut“ in 1. Mose, sticht das „es ist nicht gut …“ umso deutlicher heraus.

[3] Beiträge zur Ethik, Göttingen, S. 102.

[4] EKD 28. 6. 2017: https://www.ekd.de/Stellungnahme-des-Rates-der-EKD-zur-Debatte-um-die-Ehe-fuer-alle-24373.htm.

[5] http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.streit-um-segnung-homosexueller-paare-zeitgeist-darf-nicht-der-massstab-sein.39f8c2e6-2166-4b51-a35a-38fce8a305d7.html

[6]  Vgl. z. B.: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/sollte-sich-die-kirche-an-einer-homosexuellen-parade-beteiligen-101831.html

[7] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.wildberg-ehe-fuer-alle-geraet-zum-hauptthema.17b725df-9ca2-4baf-88ef-d79c6baa81a3.html

[8] http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/kritik-an-bedford-strohm-weil-er-die-ehe-fuer-homosexuelle-befuerwortet-90949.html

[10] Die damit zusammenhängenden bibelwissenschaftlichen Fragen sollen hier nicht aufgeworfen werden. Im Zusammenhang mit der Efa wird darauf nach meinen Beobachtungen nicht Bezug genommen.

[11] zitiert unter https://theoblog.de/das-ganze-evangelium/5021/.

[12] http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.streit-um-segnung-homosexueller-paare-zeitgeist-darf-nicht-der-massstab-sein.39f8c2e6-2166-4b51-a35a-38fce8a305d7.html

[13] Das müsste schlüssig begründet werden und darf nicht einfach nur behauptet werden. Oder soll „veraltet“ heißen, dass heute eben gilt, was „modern“ ist?

[14] Zwillings- und Geschwisterstudien sprechen deutlich gegen die „Veranlagung“-These. Die Behauptung, Homosexualität sei Sache der Vererbung oder Anlage ist daher aus sachlichen Gründen zurückzuweisen. Außerdem: Auch wenn Dispositionen angeboren sein mögen, kann es moralisch verwerflich sein, den Neigungen nachzugeben. Paulus mahnt: „Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt“ (Gal. 5,24).

[15] http://www.mariowahnschaffe.de/blog/einzelpredigten/prof-dr-siegfried-zimmer-und-die-schwule-frage

[16] Begriffe mit einer klaren Bedeutung müssen nicht definiert werden genauso wenig man z. B. „Mensch“ oder „Menschenwürde“ definieren muss.

[17] BVG 17. 7. 2002: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/07/fs20020717_1bvf000101.html,

BVG 19. 6. 2012: http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/bvg12-059.html

[18] Zwei Beispiele von vielen: Nur wer die Hochschulreife hat, darf studieren; nur wer den Führerschein erworben hat, darf einen PKW fahren usw.

[19] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ehe-fuer-alle-thomas-heilmann-erklaert-seine-position-a-1154998.html

[20] http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/ehe-fuer-alle-gastbeitrag-ehe-fuer-alle-15092764.html?printPagedArticle=true#pageIndex2

Weitere Belege siehe PDF-Version.

[21] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ehe-fuer-alle-ist-ohne-grundgesetzaenderung-moeglich-15092930.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

[22] „Ehe für alle – eine Gewissensfrage?“ Eine Stellungnahme der Deutschen Evangelischen Allianz,http://www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/ehe-fuer-alle-eine-gewissensfrage.html

[23] Vgl.  http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=14851

[24] Ein Leser macht in einer Zuschrift an die FAZ klar, warum die Möglichkeit eine Umdefinierung zur Beliebigkeit des Ehebegriffs würde: „Das hieße für Art. 6 GG: ‚Ehe und Familie, wie auch immer sie im Zuge der Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Gegebenheiten verstanden werden, stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.‘ Daraus geht unmittelbar die Absurdität der Auffassung hervor, denn wie kann etwas besonders geschützt werden, was gar nicht definiert ist?“ (Andres Lang, Birkenau, Leserbrief am 13. 7. 17)

[25] Das Grundgesetz hat nur wenige Begriffe definiert aus dem einfachen Grund, dass die Bedeutung von Begriffen lexikalisch fixiert ist, im Hinblick auf die damals üblichen Verwendungen und Referenzen der Begriffe.

[26] http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2017/07/heiko-maas-und-die-homo-ehe-ersetzt-der.html

[27] http://www.deutschlandfunk.de/metzner-vs-liminski-ist-die-gleichstellung-von.2927.de.html?dram:article_id=391174, http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2017/07/01/artikel/selbstmord-der-zivilisation.html

[28] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ehe-fuer-alle-thomas-heilmann-erklaert-seine-position-a-1154998.html, http://www.deutschlandfunk.de/metzner-vs-liminski-ist-die-gleichstellung-von.2927.de.html?dram:article_id=391174

[29] Die im Text https://www.welt.de/debatte/kommentare/article166332757/Das-Herz-des-Grundgesetzes-ist-gross-genug-fuer-alle.html von Bundesjustizminister Heiko Maas gezogenen Vergleiche gehen an der Sache völlig vorbei.

[30] Zahlreiche Belege dazu sind in der PDF-Version zusammengestellt. Selbst innerhalb der Kirche gibt es bereits Bestrebungen zur Anerkennung von Polyamorie: http://www.deutschlandfunkkultur.de/mehr-als-die-monogame-ehe.1278.de.html?dram:article_id=260748

[31] http://www.deutschlandfunk.de/ehe-fuer-alle-abstimmung-wohl-am-freitag.2852.de.html?dram:article_id=389737

[32] http://www.faz.net/aktuell/politik/bundeslaender-mit-rot-gruen-koalition-wollen-homo-ehe-13625827.html

[33] Die Tatsache, dass viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, ändert daran nichts; niemand wird schließlich behaupten wollen, dass es keinen Unterschied ausmacht, ob beide Eltern oder nur ein Elternteil für die Kinder da sind.

„Nicht Erwachsene haben ein Recht auf ein Kind, auch Heteropaare nicht, sondern Kinder ein Recht auf Mama und Papa. …  Dem Recht auf Adoption folgt dann automatisch das Recht auf künstliche Befruchtung“ (Birgit Kelle, https://www.welt.de/debatte/kommentare/article166078234/Wir-erleben-gerade-die-Vernichtung-der-Ehe.html)

[34] Stellungnahme Gemeindenetzwerk unter http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=14851; vgl. https://philosophia-perennis.com/2017/06/30/regenbogenfamilien-der-mensch-ist-kein-spielzeug/). Zur Frage, ob Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, keinerlei Benachteiligung haben, siehe https://www.mercatornet.com/features/view/hijacking-science-how-the-no-differences-consensus-about-same-sex-families/18900 und http://www.dijg.de/homosexualitaet/adoptionsrecht/gleichgeschlechtliche-elternschaft/

[35] Vgl. die Einschätzung des ehem. Bundesverfassungsrichters Hans Hugo Klein unter http://cicero.de/innenpolitik/ehe-fuer-alle-aus-meiner-sicht-ein-verfassungsbruch).

[36] Es würde auch nichts nützen, die Ehe ausdrücklich als Verbindung genau zweier Menschen zu definieren, denn das könnte später geändert werden – mit derselben Begründung wie für die Efa: gesellschaftlicher Wandel, Verfassungswandel.

[37] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-zur-ehe-fuer-alle-die-ehe-wird-abgeschafft-15079952.html

[38] http://www.sueddeutsche.de/politik/ehe-fuer-alle-hauptsache-liebe-1.3567789, http://cicero.de/innenpolitik/ehe-fuer-alle-weshalb-ueberhaupt-heiraten

[39] Monoikismus ist eine extreme bzw. extremistische Auffassung von Gleichheit.

[40] http://www.cbb-baden.de/pdf/doks%20gegenwind.pdf

[41] M. Till, Offener Brief an H. Bedford-Strohm, 31. 5. 17, https://blog.aigg.de/?p=1136

[42] „… Joseph D. Unwin (1895 – 1936), hat allerdings in einer umfangreichen Untersuchung über ‚Sex and Culture‘ an 80 unzivilisierten und 8 Hochkulturen über 5000 Jahre herausgefunden, dass alle Hochkulturen streng monogam begannen und eine Generation nach dem Zerfall der Familienstrukturen untergingen. Die ‚Ehe für alle‘ könnte diesen Prozess beschleunigen und dem großen Kulturhistoriker Arnold Toynbee recht geben, der sagte: ‚Zivilisationen gehen nicht zugrunde, sie begehen Selbstmord‘“ (JürgenLiminski, http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2017/07/01/artikel/selbstmord-der-zivilisation.html).

Links oder rechts? Was sollten Christen wählen?

Deutschland wohin? Gedanken zur Bundestagswahl 2017 (Teil 1)

Die christliche Botschaft hat zunächst einmal nichts mit Politik zu tun, denn das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt. Aber als Bürger unseres Landes und als gute Demokraten sollten auch Christen sich mit Politik befassen und gründlich überlegen, welcher Partei man seine Stimme geben möchte. Ein Wahl-o-mat kann dabei helfen. Aber es macht Sinn, sich auch noch ein wenig tiefgehender mit der Frage zu beschäftigen: Welches Gedankengut steckt eigentlich hinter diesen politischen Strömungen, die man im Allgemeinen als „links“ und „rechts“ bezeichnet?

Linke Politik vertraut auf das Gute im Menschen

Viele Positionen linker Parteien zeigen: Linke Politik geht sehr stark davon aus, dass der Mensch im Kern gut ist und nur durch Ungerechtigkeit und negative Einflüsse böse wird. Deshalb setzt sich linke Politik ganz besonders dafür ein, alle Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Durch höhere Steuern und starke Sozialsysteme soll das Geld kräftig von den Reichen zu den Armen umverteilt werden. Einheitliche, kostenlose Bildungssysteme und notfalls auch Quotenregelungen sollen zur Angleichung der Lebensumstände von Menschen unterschiedlichen Bildungsstands, Geschlechts, sexueller Orientierung und kulturellem Hintergrund führen. Gesellschaftliche Schichten (Arbeiter, Akademiker, Führungselite etc.) sollen dadurch mindestens wesentlich durchlässiger, idealerweise ganz aufgelöst werden. Kriminalität und soziale Spannungen werden eher auf mangelhafte Chancengleichheit zurückgeführt, statt die individuelle Verantwortung des Einzelnen zu betonen. Nicht das Fordern wird betont sondern die Notwendigkeit staatlicher Förderung und die freie Entfaltung des Individuums. Im Extrem führt linkes Denken zum Traum von einem Staat, in dem Allen Alles gleichermaßen gehört (Kommunismus) und der nicht mehr durch Gesetze, Polizei und Armee kontrolliert werden muss (Anarchie).

Rechte Politik rechnet mit dem Bösen im Menschen

Rechte Positionen rechnen viel eher damit, dass der Mensch im Kern auch etwas Böses in sich trägt, das unabhängig von den Umständen zu Egoismus, Aggression und Faulheit neigt. Rechte Politik geht davon aus, dass Menschen aktiv gelockt (Karriere, Gehalt, Status, Steuervorteile) und mit Druckmitteln (z.B. Noten, Versetzungsdruck, gelockerter Kündigungsschutz etc.) angespornt werden sollten, Leistung zu bringen und Verantwortung für Andere zu übernehmen (z.B. für eine Familie mit Kindern oder für einen Betrieb), weil sie es von sich aus nur mangelhaft täten. Der Staat sollte Ungleichheiten nicht übermäßig ausgleichen, denn „Leistung muss sich lohnen“. Die soziale Marktwirtschaft ist mehr noch als der pure Kapitalismus die konsequente Antwort auf dieses kritische Menschenbild, weil sie berücksichtigt, dass auch Unternehmer letztlich Egoisten sind, die ihre Arbeitnehmer hemmungslos ausbeuten würden, wenn man sie nur ließe. Natürlich sind eine starke Polizei und Armee bei diesem Menschenbild absolut unverzichtbar, um die nationale und internationale Ordnung aufrecht zu erhalten.

Welche Politik ist die richtige?

Die Bibel hat ein klares Votum zu der Frage, ob der Mensch im Kern gut oder böse ist: “Die Gedanken und Taten der Menschen schon von Kindheit an böse.” (1. Mose 8, 21) Fakt ist: In der Praxis konnten sich kommunistische und anarchistische Sozialutopien noch nie bewähren, im Gegenteil: Immer sind sie in schlimme Diktaturen umgekippt. Aber auch die sanfteren Formen linker Politik sind nicht ohne Folgen. Viele Experten sind der Meinung, dass der aktuelle wirtschaftliche Erfolg Deutschlands stark auf der Agenda 2010 basiert, in der Gerhard Schröder neben dem Fördern auch das Fordern deutlich stärker in den Mittelpunkt gestellt hat – eigentlich eine typisch rechte Position. Inzwischen ist nicht nur die SPD wieder deutlich nach links gerückt. Bei den meisten Parteien ist ein Bestreben sichtbar, die damalige Agendapolitik wieder in Richtung eines stärkeren Sozialstaats zu ändern. Der Linksruck ist auch in der Bildungspolitik sichtbar, in der der Trend zur Einheitsschule und zur Absenkung des Leistungsniveaus immer deutlicher wird. Er zeigt sich auch im offenbar mangelhaften Bewusstsein der Notwendigkeit einer starken Polizei und Armee, denn alle Regierungen haben hier in den vergangenen Jahren erheblich eingespart. Auch die Naivität im Umgang mit antidemokratischen und antisemitischen Tendenzen bei muslimischen Einwanderern in der Flüchtlingskrise ist ein Symptom davon. Nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein zu lascher Staat zu gefährlichen und kriminellen Parallelgesellschaften führt. Das jüngste Beispiel für den Linkstrend ist die sog. “Ehe für Alle”: Während die Verfasser des Grundgesetzes noch die Ehe aus Mann und Frau als kinderzeugende Verantwortungsgemeinschaft und als Keimzelle der Gesellschaft besonders fördern wollten wird jetzt vor allem dem Wunsch nach freier individueller Lebensgestaltung Rechnung getragen.

Woher kommt der Linkstrend in der Politik?

Umfragen haben gezeigt, dass die meinungsbildenden politischen Journalisten in großer Mehrheit stark links orientiert sind. Das übt natürlich einen erheblichen Druck auf die Politik aus und hat zu der eigenartigen Entwicklung beigetragen, dass das Wort „links“ heute eher modern und menschenfreundlich klingt während „rechts“ eher mit Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus assoziiert wird. Dabei hat die Geschichte vielfach gezeigt, dass äußerst linke Politik genauso gefährlich ist wie äußerst rechte Politik und dass extrem linke und rechte Politik sich auf bizarre Weise angleicht („Querfront“). Besonders brisant ist, dass auch am linken politischen Rand Gewalt als Mittel des politischen Kampfes entschuldigt oder sogar offensiv gerechtfertigt wird. Wer jedoch von einem negativen Menschenbild ausgeht muss jegliche Gewalt, die nicht rechtsstaatlich kontrolliert wird, unter allen Umständen strikt ablehnen.

Muss christliche Politik nicht der Bergpredigt folgen?

Aber müssten Christen nicht zwangsläufig eine Politik unterstützen, die Jesu Forderungen nach Barmherzigkeit, Nächsten- und Feindesliebe besonders betont? Sollten Christen somit nicht viel eher einer linken Politik mit starkem Sozialstaat, bedingungslos offenen Grenzen und gewaltfreien Ordnungsmächten das Wort reden?

Zunächst einmal müssen wir verstehen, dass die Bibel dem Staat und der Kirche 2 grundsätzlich verschiedene Rollen zuweist: Die Bergpredigt ist an die Kirche gerichtet. Polizisten und Soldaten hingegen können und dürfen ihren Feinden nicht die andere Wange hinhalten. Gott hat ihnen das „Schwert“ in die Hand gegeben, um Ordnung zu schaffen (Römer 13, 1-7). Das Neue Testament kennt sehr wohl auch das Leistungsprinzip: “Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen” (2. Thess. 3, 10). Es überrascht deshalb nicht, dass traditionell eher das rechte Parteienspektrum (also CDU/CSU) den Bezug zum christlich-/biblischen Erbe besonders betont.

Neben der Bergpredigt gibt es eine Reihe anderer biblischer Aussagen, die Christen bei der Suche nach der richtigen Partei berücksichtigen sollten:

  • Ehrfurcht vor Gott! Der Gottesbezug in der Verfassung und im Eid, den unsere Politiker ablegen, ist von großer Bedeutung.
  • Weitere Wegweiser aus den 10 Geboten, z.B. Sonntagsschutz, Lebensschutz, keine Neiddebatten.
  • Der respektvolle Umgang mit den Fremden, mit den Armen und den Benachteiligten („Witwen und Waisen“) war für Gott schon immer wichtig.
  • Die wertschätzende Haltung zu den Juden und zu Israel!
  • Da im biblischen Menschenbild ALLE Menschen gleichermaßen etwas Böses in sich tragen ist ideologische, nationale oder gar rassische Überheblichkeit mit der Bibel unvereinbar.

Wo Politik meint, diese und weitere biblischen Werte nicht zu brauchen und sich vor Gott nicht verantworten zu müssen, droht immer ein Abgleiten in Populismus, gewissenloses Machtstreben, dümmliche schwarz-weiß-Propaganda auf Kosten der Wahrheit bis hin zu Rassismus, Antisemitismus (oft als Israelkritik getarnt), fehlender Achtung vor dem Leben (insbesondere vor dem werdenden und dem sterbenden) und ein Zerfall der Diskussionskultur (z.B. durch vorschnelle Stigmatisierung mit der Nazi- und Rassismuskeule). Das gilt für das linke genauso wie für das rechte politische Spektrum.

Der indische Autor Vishal Mangalwadi hat mit seinem „Buch der Mitte“ eindrücklich nachgewiesen: Wenn wir unser christliches Erbe aufgeben, wird weder linke noch rechte Politik uns helfen können, weil eine rein humanistische, gottlose Ethik keine Stabilität schaffen kann. Unser Staat braucht zwingend die Verankerung in einer orientierungsgebenden biblischen Wahrheit, die über dem Zeitgeist und philosophischen Strömungen steht. Noch profitieren wir davon, dass unsere Verfassung, unser Grundgesetz sowie unsere soziale Marktwirtschaft in phantastischer Weise das biblische Menschenbild und die biblischen Werte berücksichtigen. Unsere Verfassung garantiert, dass niemand unkontrollierte Macht bekommt und dass niemand Andere ausbeuten kann. Christen, die der Bibel vertrauen, können deshalb gar nicht anders als überzeugte Demokraten und Fans unserer Verfassung sein. Auch wenn die Kirche Jesu nicht primär einen politischen Auftrag hat: Als Nachfolger Jesu dürfen und sollen wir nach Kräften mithelfen, „der Stadt Bestes“ zu suchen, indem wir für unser Land beten. Und wir sollen Salz und Licht sein, indem wir uns und unsere Meinung konstruktiv einbringen und als überzeugte Demokraten diesen Staat nach Kräften unterstützen.

Teil 2: Ist die Wahl bestimmter Parteien gefährlich für unser Land?

Mehr dazu:

Ist die Wahl bestimmter Parteien gefährlich für unser Land?

Deutschland wohin? Gedanken zur Bundestagswahl 2017 (Teil 2)

Ich kann nachvollziehen, dass viele Christen dieser Tage dazu aufrufen, keinesfalls die AfD zu unterstützen. Die „Dresdner Rede“, in der Björn Höcke eine Abkehr von der Erinnerungskultur an die deutschen Verbrechen an den Juden gefordert hat, war in erschreckendem Ausmaß rechtsextrem. Zwar gibt es jetzt ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn, aber führende AfD-Vertreter wie Gauland oder Meuthen haben sich gegen den Parteiausschluss ausgesprochen und sogar erklärt, dass Höcke “zur Seele der Partei gehöre”. Solange nicht absehbar ist, wie einflussreich die rechtsextremen Kräfte in der AfD noch werden, finde ich eine grundlegende Skepsis gegenüber dieser Partei verständlich. Für mich persönlich kommt deshalb eine Wahl der AfD nicht in Frage.

Trotzdem wundere ich mich über die Einseitigkeit vieler Kommentare. Denn der Zusammenhalt und die Stabilität unserer Gesellschaft wird ja nicht nur durch Rechtsextremismus gefährdet sondern durch eine ganze Reihe weiterer Faktoren:

  • Linksextremismus
  • Islamismus bzw. der politische Islam
  • Antisemitismus
  • Terrorismus
  • Schwächung unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands
  • Schwächung der Familie, der Keimzelle unserer Gesellschaft
  • Schwächung von Mitgefühl und Empathie (z.B. durch Auflösung der Mutter-Kind-Bindung, Tötung von Ungeborenen im Mutterleib, schrankenlose Pornografie und Prostitution)
  • Auflösung der gemeinsamen Wertebasis

Welche dieser Faktoren sich am Ende als besonders gefährlich (vielleicht sogar weit gefährlicher als Rechtsextremismus) erweisen, ist aktuell m.E. vollkommen offen. Weltweit werden Demokratien zur Zeit durch Islamismus (Türkei) und Linksextremismus (Venezuela) gekippt. Womöglich ist es aber auch vor allem die Kombination mehrerer Faktoren, die unserer Gesellschaft gefährlich werden könnte. Die große Frage, die sich jeder (christliche) Wähler stellen sollte, ist deshalb: Welche Partei ist insgesamt für unsere Gesellschaft am gefährlichsten, weil sie naiv mit diesen Gefahren umgeht oder sie sogar offen fördert? Und welche Partei ist wohl der größte Stabilitätsfaktor, weil sie diese Gefahren am klarsten anspricht und bekämpft? Dazu ein paar subjektive Denkanstöße:

  • In der Partei ‘Die Linke’ gibt es deutliche Sympatie für linksextreme Posititionen und Verbindungen in die linksextreme Szene hinein. Auch die grüne Jugend hat sich mit der jüngst verbotenen linksradikalen Internetszene solidarisch erklärt.
  • Bis zum Hamburger G20-Gipfel war es völlig normal, dass Linke, Grüne, Sozialdemokraten, Gewerkschaften, ja sogar kirchliche Organisationen bei den sog. Antirassismus- oder Anti-Globalisierungsdemonstrationen Seit an Seit mit linksradikalen, gewalttätigen „Antifaschisten“ marschiert sind. Auch die vielen antidemokratischen Umtriebe der Antifa (Anschläge auf konservative Politiker, Bedrohung von Gastwirten, die AfD-Veranstaltungen ausrichten, Zerstörung von Wahlplakaten etc.) werden kaum kommentiert, wie selbst die FAZ moniert.
  • Es war Angela Merkel, die im Beisein eines türkischen AKP-Ministers (!) erklärt hat, dass der Islam zu Deutschland gehöre (ohne näher zu definieren, welchen Islam sie damit meint) und die den Pakt mit Erdogan vorangetrieben hat. Die teils aus der Türkei und Saudi-Arabien finanzierten Islamverbände wurden von allen Parteien außer der AfD lange Zeit hofiert und (sogar von der EKD) zum Islamunterricht in deutschen Schulen eingeladen. Bis heute werden selbst liberale Muslime immer wieder mit der Islamophobiekeule ins Abseits getrieben, wenn sie sich kritisch zu den antidemokratischen, antisemitischen und menschenrechtsfeindlichen Tendenzen im Islam äußern.
  • Alle Parteien bis hin zu Teilen der CDU haben mit der sog. „Ehe für Alle“ das jahrtausendealte Ehebild als lebenslanger Treueverbindung eines Mannes und einer Frau aufgelöst. Es war zudem die CDU-Frau Ursula von der Leyen, die initial den massiven Ausbau der Fremdbetreuung von Kindern vorangetrieben hat mit dem Resultat, dass heute die Kinder immer früher und länger von der Mutter weggerissen werden mit allen Folgen, die Bindungsforscher dadurch für die emotionale Gesundheit von Kindern befürchten. Das von linken Politikern als “Herdprämie” denunzierte Betreuungsgeld der CSU wurde auch für die CDU kein Herzensanliegen.
  • Die AfD ist leider die einzige Partei, die sich klar gegen das Konzept der “sexuellen Vielfalt” im Zusammenhang mit dem Gender Mainstreaming ausgesprochen hat. In Hessen hat auch die CDU die Forderung nach Akzeptanz sexueller Vielfalt (sogar gegen das Votum des Landeselternbeirats) durchgedrückt. Noch schlimmer ist: Die AfD ist leider auch die einzige Partei, die sich klar gegen Abtreibung ausgesprochen hat. Die FDP hingegen hat sich in ihrem Programm sogar für die Freigabe von Leihmutterschaft ausgesprochen, einem absolut menschenverachtenden Geschäft.
  • Es war Angela Merkel, die unter dem Beifall von SPD, Grünen und Linken mehrere Monate lang die Grenzen völlig geöffnet hat (mit der seltsamen These, man könne Grenzen nicht schützen), ohne zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen zu unterscheiden. Die möglichen langfristigen Folgen (Anwachsen von Islamismus, Antisemitismus, Terrorismus, Überlastung des Sozialsystems, Verdrängungseffekte auf dem ohnehin äußerst angespannten Wohnungsmarkt) sind noch nicht absehbar.
  • Nachdem die fürchterlich schlecht organisierte Energiewende unsere einst florierenden Energiekonzerne schwer geschadet haben bedroht nun die oft weitgehend faktenfreie Dämonisierung des Verbrennungs- und v.a. des Dieselmotors unsere Autoindustrie und damit einen Hauptfaktor unseres Wohlstands. Inzwischen haben die Grünen ein baldiges Ende des Verbrennungsmotors sogar zur Koalitionsbedingung gemacht.

Diese wenigen subjektiven Gedanken können vielleicht deutlich machen: In der Gesamtsicht ist die Frage, welche Partei die Stabilität unserer Gesellschaft am meisten gefährdet, gar nicht so leicht zu beantworten. Fakt ist: JEDE Partei hat sich in Bezug auf eine oder mehrere dieser Gefahren als mindestens äußerst naiv erwiesen oder sie sogar aktiv gefördert. Deshalb muss sich jeder selbst ein Bild machen und entscheiden, welche Wahlentscheidung man am ehesten verantworten kann. Und natürlich müssen Christen überlegen, welche Partei am ehesten das biblische Menschenbild berücksichtigt und darauf basierend eine erfolgversprechende Politik gestalten wird (siehe Teil 1 dieses Artikels).

Sind Kleinparteien eine Alternative? Unser Parteiensystem ist schon jetzt wesentlich zersplitterter als noch vor einigen Jahren, was Koalitionen immer komplizierter macht. Und es verwischt die Unterschiede zwischen den Parteien, weil letztlich jede Partei bereit sein muss, mit fast jeder Partei zu koalieren, um funktionierende Regierungen zu ermöglichen. Deshalb würde ich hinter den Versuch, eine neue, christlichere Partei über die 5%-Hürde zu pushen, zumindest ein Fragezeichen machen, zumal die Christen in Deutschland politisch gesehen äußerst unterschiedlich ticken und deshalb bislang leider auch keine politische Kraft entwickeln.

Gar nicht wählen wäre definitiv die schlechteste aller Alternativen. Christen haben die Pflicht, unsere Demokratie zu stärken, indem sie zur Wahl gehen und im Vorfeld sich für einen sachlichen Diskurs einsetzen.

Es gibt unter den Parteien keinen Heilsbringer. Ich freue mich deshalb über jeden Christen, der sich in einer Partei für christliche / biblische Werte einbringt. Es wäre doch schön, wenn Christen dafür sorgen könnten, dass der naive Umgang mit Islamismus, Rechts- und Linksextremismus sowie der ehe- und familienfeindliche Kurs beendet wird. Schön wäre es auch, wenn wir Christen Vorbilder darin wären, unterschiedliche politische Positionen stehen zu lassen, sachlich und respektvoll zu diskutieren und zu lernen „wie man streiten und sich dennoch lieben kann.“ (Manfred Siebald) Denn das macht doch echte Demokraten aus und sollte umso mehr für Christen selbstverständlich sein.

Und besonders wichtig ist es in diesen Tagen, dass Christen außer ihrer Wählerstimme noch ihren direkten Draht in die absolute Schaltzentrale der Macht nutzen und ihre Gebete für unser Land vor Gottes Thron bringen. Gebet für unsere Politiker und für eine Erweckung und Reformation der Kirche Jesu, die als Salz und Licht in der Gesellschaft dringend benötigt wird, ist heute nötiger denn je.

Zum Teil 1 dieses Artikels: Links oder Rechts? Was sollten Christen wählen?

Ehe für Alle: Zeit zum Aufwachen

Mit der Einführung der “Ehe für alle” vollzieht die Politik nur den Meinungswandel nach, der sich in unserer Gesellschaft längst vollzogen hat. Als Nation entfernen wir uns seit Jahren von unseren christlichen Fundamenten.

Seien wir ehrlich: Wir Christen haben unsere Salz- und Lichtkraft weitgehend verloren. Während die CSD-Bewegung ohne Scham durch die Straßen unserer Städte marschiert sind die Märsche für Jesus längst wieder eingeschlafen und die ‘Demo für alle‘ krebst bei einigen 100 Teilnehmern herum. Die evangelische Kirche hat die gleichgeschlechtliche Ehe schon 2015 aktiv befürwortet. Die Regeln einiger Landeskirchen zur “Trauung für alle” gehen schon jetzt weiter als die bisherigen staatlichen Regeln zur eingetragenen Lebenspartnerschaft. Aktuell hat die EKD erneut ein klares Votum für die Ehe für alle veröffentlicht. Wie können wir von der Politik erwarten, dass sie näher an den biblischen Vorgaben bleibt als die Kirche?

Machen wir uns nichts vor: Die Abkehr von unseren christlichen Fundamenten wird weitergehen. Schon seit Jahren wird auch in der ev. Kirche an der Öffnung des Ehebegriffs für die Polyamorie gearbeitet. Ist der Ehebegriff erst einmal aufgelöst gibt es kein logisches Argument mehr, warum nicht auch andere Partnerschaften die gleichen Rechte bekommen sollten. Die Ideologie der “sexuellen Vielfalt” wird das Ideal der lebenslangen Treuepartnerschaft von Mann und Frau weiter verdrängen.

Täuschen wir uns nicht: Ehe und Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Wenn die bisher vom Grundgesetz geschützte Institution Ehe als Verbindung eines Mannes mit einer Frau umdefiniert wird (siehe dazu ein guter Kommentar der FAZ) hat das – genau wie die Lockerung des Abtreibungsrechts oder die massive Förderung der Berufstätigkeit von Müttern mit Kleinstkindern – gravierende Konsequenzen, zuerst für Kinder, auf Dauer aber natürlich für die ganze Gesellschaft. Wegschauen hilft nicht. Die Zeitgeistwelle, die die biblischen Fundamente unserer Gesellschaft wegspült, wird vermutlich schneller als wir denken auch über die scheinbar sicher geglaubten Fundamente unserer ganz persönlichen Lebensumstände hereinbrechen. Denken wir also nicht, all das würde uns persönlich nichts angehen.

Seien wir uns im Klaren darüber: Politiker können diese Entwicklung nicht aufhalten. Deutschland braucht eine neue Reformation und eine Erweckung! Die Kirche Jesu muss aufwachen aus ihrem Kirchenschlaf, um unser Land für das Evangelium zu gewinnen! Nur so kann das Problem der Abkehr von den biblischen Werten an der Wurzel gepackt und gewendet werden. Vergangene Erweckungsbewegungen haben bewiesen, dass sie die Gesellschaft tatsächlich nachhaltig verändern können. Verschiedene Signale deuten darauf hin, dass eine Erweckung auch heute wieder möglich ist. Also arbeiten wir dafür. Und beten wir. Denn es stimmt mehr denn je: Allein den Betern kann es noch gelingen.

Siehe auch:

Frühsexualisierung: Protestgrund oder Panikmache?

Der Protest der Demo für Alle gegen Frühsexualisierung ist lächerlich. Das behauptete zumindest die heute-Show vom 23.10.2015. Um das zu belegen präsentierte Pseudojournalist Lutz Van der Horst einem Demoteilnehmer die „Standards zur Sexualaufklärung in Europa“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (hier zu sehen ab Minute 0:57) und behauptete: Da steht doch überhaupt nichts über Frühsexualisierung drin! Er habe es extra gelesen! Also alles dumpfe Panikmache, oder?

Grund genug, in dieses “Standardwerk” mal reinzuschauen. Es ist öffentlich zugänglich und kann hier heruntergeladen werden. Besonders interessant ist die Altersmatrix (ab S. 41) mit altersspezifischen Empfehlungen für eine adäquate Sexualerziehung. Dort wird gleich deutlich gemacht: Sexualerziehung beginnt für die BZgA mit 0 (!) Jahren, denn: „Kinder haben schon im frühen Alter sexuelle Gefühle. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr … beginnen Kinder, ihren eigenen Körper zu entdecken (frühkindliche Masturbation, Selbststimulation), und möchten vielleicht den Körper ihrer Freunde untersuchen (Doktorspiele).“ (S. 27)

Und was soll laut BZgA und WHO somit nun unseren Kleinkindern in der KiTa standardmäßig noch vor dem 4. Lebensjahr beigebracht werden (Seite 42)?

  • Vergnügen und Lust, den eigenen Körper zu berühren, frühkindliche Masturbation
  • Entdeckung … der eigenen Genitalien
  • Die eigenen … Wünsche und Grenzen ausdrücken, beispielsweise beim „Doktorspiel
  • Grundlagen der menschlichen Fortpflanzung, darüber sprechen, das richtige Vokabular kennen, Körperteile benennen.
  • Das Recht, Fragen zur Sexualität zu stellen und Geschlechtsidentitäten zu erkunden.
  • Das Recht, Nacktheit und den Körper zu erkunden und neugierig zu sein; Neugier gegenüber dem eigenen Körper und dem anderer
  • Geschlechterrollen, Bewusstsein für die Vielfalt von Beziehungen

Liebe Leser: Haben Sie vielleicht eine Idee, wie man sich das praktisch vorstellen darf, dass KiTa-Erzieher in angemessener Form mit Kleinkindern über frühkindliche Masturbation, Zärtlichkeit, Geschlechtsidentitäten, das Recht auf Nacktheit und die menschliche Fortpflanzung sprechen (und zwar wohlgemerkt „mit dem richtigen Vokabular“)? Also irgendwie fehlt mir da die Phantasie. Aber schauen wir, wie die Empfehlungen für die höheren Altersgruppen aussehen:

  • Im Kindergarten (4-6 Jahre) sollen die Kinder selbst über sexuelle Themen sprechen. Sie sollen aufgeklärt werden über „Freundschaft und Liebe zu Menschen des gleichen Geschlechts“. Sie sollen die „verschiedenen Normen zur Sexualität“ anerkennen und die Fähigkeit erlangen, „Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten“. Hm, da frage ich mich: Interessieren sich Kindergartenkinder wirklich für die Frage, wie sie eine Partnerschaft (womöglich zum gleichen Geschlecht) aufrechterhalten können?
  • Ab der 1. Schulklasse (6-9 Jahre) sollen die Kinder informiert werden über verschiedene Methoden zur Empfängnisverhütung, Heirat und Scheidung, Sex in den Medien, eine „angemessene Sexualsprache“ und „Krankheiten in Verbindung mit Sexualität“. Und nicht zuletzt sollen sie „ein Verständnis für akzeptablen Sex“ entwickeln. Da gesellt sich dann also zum „ABC“ und „1×1“ das „S E X“…
  • Im Alter von 9-12 Jahren sollen die Kinder informiert werden über „Lust, Masturbation, Orgasmus“, die „Unterschiede zwischen Geschlechtsidentität und biologischem Geschlecht“ („Genderorientierung“) und „verschiedene Formen von Verabredungen (Dating)“. Sie sollen „bewusst entscheiden, sexuelle Erfahrungen machen zu wollen oder nicht“, sie sollen ein Bewusstsein entwickeln, dass beide Geschlechter für die Empfängnisverhütung verantwortlich sind und daher die Fähigkeit entwickeln, „wirksam Kondome und andere Verhütungsmittel anzuwenden“ und sie sollen „verschiedene Ausdrucksformen von Sexualität (Küssen, Berühren, Streicheln usw.) anerkennen“. Und sie sollen über die „äußeren Einflüsse wie „Gruppenzwang, Pornografie, Gender sowie des sozioökonomischen Status bei sexuellen Verhaltensweisen“ diskutieren. Das sind ja auch sicher zentrale Themen, mit denen 9-jährige sich auseinandersetzen sollten, oder?
  • Die 12-15-jährigen sollen sich über Empfängnisverhütung austauschen, informiert werden über „Genuss von Sexualität (sich Zeit lassen)“, sie sollen die Fähigkeit entwickeln, „Sexualität in respektvoller Weise zu genießen“ und eine „Verhandlungs- und Kommunikationskompetenz für ein sicheres und lustvolles Sexualleben entwickeln“. Wie sich da wohl die exotischen Kinder fühlen, die mit 12 immer noch keinen Sex hatten???
  • Die über 15-jährigen sollen dann auch noch über „sexuell abweichendes Verhalten/Perversionen“, „Prostitution“ sowie „das Recht auf Schwangerschaftsabbruch“ informiert werden. Stimmt. Das hat (gerade) noch gefehlt.

Blogbild Sexualstandard

In all dem wird die grundlegende Philosophie dieser „Standards“ deutlich: Die Autoren grenzen sich bewusst ab von pädagogischen Ansätzen, in denen voreheliche Keuschheit oder Enthaltsamkeit gefördert werden soll (Seite 31). Stattdessen sollen die Kinder und Jugendlichen bewusst gefördert und „befähigt“ werden, „ihre Sexualität zu verstehen und zu genießen“ (Seite 22). Die jederzeitige Gewährleistung der „Möglichkeit für lustvolle und sichere sexuelle Erfahrungen“ (S. 19) wird in dieser Denkweise sogar als Recht und als wesentliches Element “sexueller Gesundheit” angesehen.

Damit die Kinder die notwendigen Fähigkeiten zum Ausleben ihrer Sexualität entwickeln können halten es die Autoren für erforderlich, dass „die betreffenden Themen nach Möglichkeit eingeführt werden, bevor das Kind die entsprechende Entwicklungsphase erreicht, um es auf die bevorstehenden Veränderungen vorzubereiten.“ (S. 25) Mit anderen Worten: Noch bevor die Kinder ein Bedürfnis verspüren, sich mit Themen wie Empfängnisverhütung, Homosexualität, Ausdrucksformen der Sexualität etc. auseinanderzusetzen sollen die Kinder mit diesen Themen konfrontiert werden. Birgit Kelle fragt zurecht: „Ist es nicht auch sexuelle Belästigung von Kindern, ihnen Themen aufzudrängen, die sie noch nicht begreifen? Ihnen Bilder zu zeigen, die ihnen peinlich sind. Jeder Exhibitionist im Park gilt als Belästiger, aber sexuelle Praktiken im Unterricht besprechen zu müssen im Kreise seiner halbwüchsigen Freunde, das soll Bildung sein?“

Aber mindestens so erschütternd wie die Inhalte des Textes ist das, was nicht drin steht:

3 Themen werden in diesen Standards nirgends thematisiert:

  • Schamgrenzen: Gerade wenn in einem Klassenverbund sexuelle Themen im Dialog thematisiert werden (wie es die Standards ausdrücklich empfehlen) ist es unumgänglich, dass Kinder durch Gruppenzwang unter Druck gesetzt werden, in Gespräche involviert zu werden, die sie eigentlich gar nicht möchten und die ihnen peinlich sind. Die “Standards” thematisieren dieses Problem mit keinem Wort.
  • Die Worte „Treue“, „Verbindlichkeit“ oder „Warten“ kommen in dem Papier kein einziges Mal vor. Das Wort „Ehe“ wird lediglich im Erklärtext im negativen Zusammenhang einer überkommenen Sexualpädagogik behandelt. Das bedeutet: Das Leitbild der verbindlichen Lebenspartnerschaft wird hier ersetzt durch das Leitbild des jederzeitigen Auslebens sexueller Wünsche nach dem Lustprinzip. Dem Prinzip der sexuellen Vielfalt folgend werden dabei alle denkbaren sexuellen Spielarten als gleichwertig betrachtet.
  • Nirgends wird besprochen, dass Sexualität immer die Bereitschaft bedingt, Verantwortung für Kinder zu übernehmen. Denn eine 100%ig sichere Verhütungsmethode gibt es nun einmal nicht, auch wenn das die ausführliche Thematisierung der Optionen zur Empfängnisverhütung suggerieren möchte. Stattdessen sollen die Jugendlichen informiert werden über ihr „Recht auf Schwangerschaftsabbruch“ (Seite 54), wobei natürlich nirgends thematisiert wird, welche traumatischen, oft lebenslangen Folgen Abtreibungen häufig bei Müttern und Verwandten verursachen.

Der Sexualpädagoge Nikolaus Franke fasst treffend zusammen, was hier passiert: „Die Gendertheorien haben die deutsche Sexualpädagogik zu einer Gesinnungspädagogik verkommen lassen. …  Wenn wir in den Blick nehmen, welche Vorstellungen und Normen seitens der Sexualpädagogik der Vielfalt besonders vehement kritisiert, lächerlich gemacht und welche Setzungen vorgenommen werden, kommen wir zu einem frappierenden Befund:

Erstens: die Entkopplung der Sexualität und der Frau von Fruchtbarkeit, Familie und Kind. Es ist augenfällig, dass nahezu alle Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Lust in den Vordergrund stellen, nicht etwa den Zusammenhang von Zeugung und Sexualität adressieren.

Zweitens: die Abwertung der Modelle Ehe und Familie. Schauen Sie sich die pädagogischen Entwürfe an. Da werden zig Lebensmodelle gleichrangig nebeneinander gestellt, unabhängig von ihrer demoskopischen Häufigkeit. Teilweise werden klassische Ehen gar nicht mehr genannt oder mit Negativattributen belegt. Der Familienbegriff wird neu definiert und ausgeweitet.

Drittens: die Förderung kindlicher (und jugendlicher) Sexualität. Es ist paradox, dass sich gerade die Republik empört, weil in einem Mainzer Kindergarten Kinder andere Kinder sexuell missbraucht haben, wobei doch das Institut für Sexualpädagogik in Dortmund nach wie vor emsig bemüht ist, Erzieher und Einrichtungen dahingehend zu beraten, dass Kinder zu gegenseitigen Doktorspielen und dem Einrichten von Kuschelecken ermutigt werden. Man nennt diesen missbrauchsbegünstigenden Cocktail übrigens ein »sexualfreundliches Klima« in der Kita. Das ist der eigentliche Skandal.

Viertens schließlich: die Enttabuisierung, Entpathologisierung und Normalisierung aller Formen sexueller Praktiken, Orientierungen und Identitäten. Es handelt sich hier um eine dekonstruktivistische Verunsicherungspädagogik, die Zuschreibungen, Normierung hinterfragen und Identitätsschablonen erschüttern möchte.“

Birgit Kelle kommentiert treffend: „Eine ganze Bildungsnation beschäftigt sich also derzeit damit, Kindern möglichst früh und möglichst viele sexuelle Möglichkeiten zu eröffnen, doch nirgendwo scheint Platz zu sein zur Erziehung in der Frage: Wie gründe ich eine glückliche Familie?“

Dass viele voreheliche sexuelle Erfahrungen das Eheglück und die Stabilität einer späteren Ehe mindern, hat eine Studie gezeigt. Die rein lustorientierte Sexualpädagogik, die hier propagiert wird, ist also ein direkter Angriff auf die Familie, dem zentralen Stabilitätsfaktor unserer Gesellschaft.

Ist Protest gegen diese Entwicklungen in der Sexualpädagogik also angesagt? Dazu Nikolaus Franke: „Ganz zweifellos hat man den bisherigen Vorstellungen von »Normalität« den Kulturkrieg erklärt. Wenn Eltern das nicht wollen, kommen sie nicht daran vorbei, sich bei den Entscheidern unbeliebt zu machen. Nur dann werden ihre berechtigten Sorgen ernst genommen. Es wird höchste Zeit, dass der Protest größer wird.

Nun hat der Protest in Baden-Württemberg schon deutliche Erfolge gezeigt: Der Bildungsplan wurde weitgehend entschärft. Trotzdem ist das Ziel nicht erreicht. Denn nach wie vor gibt es Politiker und Initiativen, die die Ideologie der sexuellen Vielfalt in die Schulen tragen wollen, wie z.B. Antje Schmelcher in der FAZ berichtet. Pro Familia ist weiter in den Schulen unterwegs, z.B. mit dem Film „Sex we can!?“, der direkte Aufforderungen enthält, sich für sexuelle Erfahrungen zu öffnen. Die enthaltenen pornographischen Szenen führen dazu, dass der Film auf YouTube unter den Jugendschutz fällt – trotzdem wird er den Kindern in der Schule gezeigt. Die Eltern der Schüler werden darüber nicht informiert, die Klassenlehrer werden ausgeladen. Entsprechend äußert die Erziehungswissenschaftlerin Karla Etschenberg: „Nicht Bildungspläne sind das Problem, sondern dass immer mehr Initiativen in die Schulen drängen, deren Interessen und Ziele nicht transparent sind. Da ist Widerstand angesagt.“

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Siehe auch: