Woran die Kirche krankt – und welche Medizin WIRKLICH hilft

Meine Kirche ist krank. Es nimmt mich mit, wie sie langsam ausblutet. Allein in den 10 ersten Jahren des neuen Jahrtausends hat sie fast 9 % ihrer Mitglieder und 13 % ihrer Gemeinden verloren. Vor allem die Jugend wendet sich in rasantem Tempo ab. Das tut weh. Ich wünsche mir so sehr eine wachsende, lebendige Kirche, die vielen Menschen das Evangelium bringt und Salz und Licht unserer Gesellschaft ist. Was also tun? Viele sagen: Wir müssen dringend wieder ins Gespräch mit den Menschen kommen!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Im Vergleich zur hippen Mediengesellschaft präsentiert sich meine Kirche in etwa so sexy wie eine schrullige Kirchenmaus. Mittelalterliche Formen, vorhersehbare Abläufe, langweiligen Ansprachen, und das alles versteckt hinter hohen Kirchenmauern… So kommt man mit niemand ins Gespräch. Was also tun? Viele sagen: Wir brauchen dringend frische, zeitgemäße Formen, neue Gottesdienstformate, angesagte Musik, milieusensible Kommunikation und innovative Gemeindeformen, in denen die Kirche sich aufmacht und hingeht zu den Menschen!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Ohne Inhalte sind die besten Formen ermüdender Aktionismus und ein Bluff, den die Menschen schnell durchschauen. Wenn niemand weiß, was denn die besondere Botschaft der Kirche ist und warum wir sie brauchen hilft die schönste Verpackung nichts. Was also tun? Viele sagen: Wir brauchen dringend ein klares Profil und Predigten mit einer starken, bewegenden Botschaft!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Wir haben die Botschaft verloren! Die ersten Christen hatten noch ihr Leben dafür gegeben, dass jeder vom Sühnetod Jesu und von seiner Auferstehung erfährt. Aber die Theologen unserer Tage sind sich nicht einmal mehr über diese allerzentralsten Glaubensaussagen einig. Kein Wunder, dass man statt eines klaren Evangeliums allzu oft nur noch verschwurbelte Gutmenschensätze hört. Ohne die Bibel als Maßstab zerfasert die Kirche und ihre Botschaft wird kraftlos wie ein stumpfes Schwert. Was also tun? Viele sagen: Wir brauchen dringend wieder eine Theologie, die sich klar an der Bibel als Gottes Wort orientiert!

Ja, das stimmt! Das Problem ist nur: Theologisches Verstandes­wissen ohne einen von Gottes Geist und Gnade geprägten Charakter macht arrogant und hartherzig, verursacht Spaltung und verjagt die Menschen statt sie zu gewinnen (1.Kor.8,1). Nichts ist schlimmer als eine gesetzliche, herz- und geistlose Treue zur Bibel, die Menschen mit Bibelworten bedrängt, ohne sie mit der Liebe Gottes in Berührung zu bringen.

Deshalb bleiben alle diese wichtigen und notwendigen Anstrengungen zur Heilung der Kirche am Ende wertlos, solange wir das wichtigste aller Gebote verpassen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Das zweite ist ebenso wichtig: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das heißt also: Ohne die gelebte, authentische Liebe zu Jesus und unseren Mitmenschen bleibt jede andere Medizin für die Kirche am langen Ende wirkungslos!

Mein Aufruf lautet deshalb: Ihr lieben Kämpfer für Gemeindewachstum, frische Formen, bessere Predigten, mehr kirchliches Profil, biblische Theologie und gute, an Gottes Wort orientierte Lehre: Wie gut, dass es euch gibt! Ich bin auf Eurer Seite! Ich arbeite leidenschaftlich mit für alle diese wichtigen Ziele! Aber wenn wir nicht tiefer schürfen, wenn wir nicht das Ziel vor Augen haben, dass Menschen eine tiefe Liebe zu Jesus entwickeln, dann springen wir zu kurz! Dann bauen wir auf Sand und die Kirche wird nicht gesund. Denn Jesus hat kein Interesse an einem Religionsverein. Er will eine Braut!

Paulus hat einst das Ziel all seines Wirkens so beschrieben: „Das Ziel meiner Unterweisung ist, dass alle Christen von der Liebe erfüllt sind.“ Er wusste: Wer Jesus wirklich liebt, der orientiert sich auch liebend gerne an Gottes Wort, gewinnt daraus ein klares Profil und bringt aus Liebe zu seinen Mitmenschen (so wie Paulus) ständig frische Formen hervor, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sie für Christus zu gewinnen. So gewinnt die Kirche Ausstrahlung und wächst wie von selbst.

Also machen wir es doch wie Paulus. Einen kürzeren Weg zur Heilung der Kirche gibt es nicht.

Siehe auch: Die 4 G-heimnisse des Gemeindewachstums

6 Gründe für die “Flucht aus Evangelikalien”

Erfahrungen und Einsichten aus dem „Hossa-Land“

Die letzten Wochen haben mich sehr nachdenklich gemacht. Der AiGG-Worthaus-Artikel stand wochenlang auf Platz 1 der „christlichen Blog-Charts“ und wurde sogar von idea Spektrum aufgegriffen (Ausgabe 44/2017). Da wurde offensichtlich ein Nerv getroffen. Scheinbar gibt es vielerorts Absetzbewegungen in Richtung eines liberalen Bibelverständnisses. In idea war jüngst auch zu lesen, dass im lahmenden christlichen Buchmarkt gerade die Bücher mit liberalen Botschaften noch am besten laufen. Aber warum ist das so? Was ist an liberalen Botschaften so attraktiv, dass sie so viele Menschen locken, ihren evangelikalen, bibeltreuen Glauben hinter sich zu lassen?

Um das besser zu verstehen habe ich mich für einige Zeit aus „Evangelikalien“ ins „Hossa-Land“ aufgemacht. „Hossa-Talk“ ist ein Podcast von Gottfried “Gofi” Müller (ehemals bekannt als Jugendevangelist) und Jakob “Jay” Friedrichs (bekannt aus dem Comedy-Duo Superzwei). Jede Woche gibt es eine neue Folge mit Diskussionen, Gesprächen und Interviews zu unterschiedlichsten Glaubensthemen, gerne auch live von frommen Locations wie z.B. dem Jesus-Treff Stuttgart oder der evangelischen Hochschule Tabor. Auch Worthaus-Referenten wie Siegfried Zimmer und Thorsten Dietz waren schon zu Gast. Überhaupt ergänzen sich Worthaus und Hossa-Talk in vielerlei Hinsicht und werden deshalb von vielen Fans im Duett genossen.

Ohne Frage: Die Talks von Jay und Gofi sind hochsympathisch (auch wenn mir die Kraftausdrücke über Sachen, die mir persönlich kostbar und heilig sind, schon manchmal ziemlich an die Nieren gehen). Man kann nicht anders als die beiden zu mögen. Jedes Wort ist ehrlich, authentisch, mitten aus dem Leben. Würden wir uns treffen hätten wir sicher viel Spaß zusammen, auch wenn wir in vielen Punkten völlig konträrer Meinung sind (Holger Lahayne hat die teils schwerwiegenden inhaltlichen Probleme von Hossa Talk hier und hier sowie bei seinem Hossa-Talk-Gastauftritt sehr schön dargelegt).

Gofi hat jüngst ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Flucht aus Evangelikalien“. Darin beschreibt er, wie sein ehemals festgefügter Glaube ins Wanken kam, wie er die evangelikale Welt verlassen musste und wie Kunst ihm geholfen hat, neue Perspektiven zu entwickeln. „Evangelikalien“ steht dabei nicht für die ganze evangelikale Bewegung sondern vielmehr für eine Erfahrung von Enge, Ausgrenzung und angstbesetztem Glauben, die er in evangelikalen Kreisen erlebt hat. Jay hat eine gar nicht so unähnliche Geschichte hinter sich. Dieses Buch hat mir sehr geholfen, das “Hossa-Land” besser zu verstehen.

Ich habe viel gelernt im “Hossa-Land”. Denn dort wird uns Evangelikalen ein Spiegel vorgehalten, in den wir unbedingt mal hineinschauen sollten, auch wenn es weh tut. Doch man kann einiges lernen zu der Frage: Was läuft eigentlich schief bei uns Evangelikalen? Womit schrecken wir Menschen ab – selbst solche, die jahrelang in unserer Mitte sind? Eine Erkenntnis, die ich dazu aus dem Hossa-Land mitgebracht habe lautet: In unseren Gemeinden und Gemeinschaften geht es tatsächlich manchmal eng zu. Und das sind die 6 Räume, an denen es bei uns offenbar gar nicht so selten mangelt:

1. Raum zum Denken!

Gofi schreibt in seinem Buch: „Wir haben uns vorgenommen, unsere Zweifel, Fragen und Überzeugungen offen auszusprechen. Warum? Weil wir die Erfahrung machen, dass man das in vielen christlichen Gemeinschaften nicht darf.“ (S. 91) Tatsächlich gibt es im Hossa-Land (genau wie bei Worthaus) keine Tabus. Jede Frage darf gestellt, über Alles darf diskutiert werden. Ständig liegen heiße Fragen auf dem Tisch. Das macht es spannend zuzuhören. Denn viele dieser Fragen werden in unseren Gemeinden leider tatsächlich eher gemieden. Das ist ein großes Problem. Denn Menschen wollen ihren Verstand gerne benutzen! Gott hat uns mit einem gesunden Forscherdrang beschenkt (Spr. 25,2). Deshalb stellt es uns nicht zufrieden, die immer gleichen oberflächlichen Gott-liebt-Dich-und-seid-nett-zueinander-Predigten zu hören. Schließlich können die wenigsten Menschen auf Dauer ihre Fragen und Zweifel verdrängen und gegen ihren Intellekt „anglauben“. Vielleicht ging das ja noch vor der Aufklärung. Heute definitiv nicht mehr.

Das tragische an der Sache ist: Es gibt ja so viele phantastische Gründe für unseren Glauben, für die Auferstehung Jesu, für die Schöpfung und vieles mehr! Es gibt überzeugende Argumente, warum die Bibel wirklich vertrauenswürdig ist. Die Bibel enthält eine wunderbare, faszinierende Logik und Tiefe, die man zwar nie vollständig aber doch schrittweise ergründen und erforschen kann. Es gibt großartige Argumente, warum die biblische Sexualethik eben nicht veraltet sondern heilsam und glücksbringend ist. Es gibt einleuchtende Antworten auf die vielfältige Kritik an der Bibel. ABER ÜBER ALL DAS REDEN WIR NICHT IN UNSEREN GEMEINDEN! Was für ein Drama! Wir lassen unsere Leute verhungern, weil es so wenig „Schwarzbrot“ gibt: Gute, fundierte Bibellehre, wissenschaftlich fundierte „Apologetik“ (= Argumente für den Glauben), verständlich aufbereitete Antworten auf Fragen, die modernen Menschen zwangsläufig kommen, wenn sie mit biblischem Christentum konfrontiert werden.

Wir müssen deshalb endlich klug und fundiert reden lernen über schwierige Bibelstellen (z.B. Gewalt im Alten Testament), Glaube und Wissenschaft, den Segen biblischer Sexualethik, Argumente für die Verlässlichkeit der Bibel und des Christentums, eine bibelgemäße „Hermeneutik“ (d.h. die Art und Weise, wie die Bibel ausgelegt werden soll) und vieles mehr. Wichtig ist dabei: Keine Tabus! Keine Angst vor Fragen, Diskussionen und scheinbar schwierigen Gesprächen! Denn (und das ist ein Ausspruch von Gofi) wenn unser Glaube wirklich wahr ist, dann können wir ganz entspannt sein, denn dann wird er sich auch durchsetzen. Denn Wahrheit setzt sich auf Dauer immer durch! Also weg mit der Angst vor Diskussionen, weg mit Denkfaulheit und Bildungsfeindlichkeit. Unser Verstand darf sich zwar nicht über Gott erheben, aber er ist uns trotzdem geschenkt worden, um ihn nach Kräften zu benutzen! Früher war es die Kirche, die die Universitäten gegründet und für die Bildung der Menschen gesorgt hat. Höchste Zeit, an diese alte Tradition wieder anzuknüpfen!

2. Raum für die Vaterliebe Gottes!

Gofi schreibt: „Wer von uns betet in der Gewissheit, dass ein liebender ‚Abba‘ es kaum erwarten kann, dem Gestotter seines Kindes zu lauschen? Ist es nicht so, dass wir ihn eher als unseren leiblichen zeitungslesenden Vater vor Augen haben, der, von einem langen Arbeitstag rechtschaffen müde, eigentlich nur noch eines will, nämlich in Ruhe gelassen zu werden?“ (S. 41) Das erinnert mich an einen Teilnehmer unseres jährlichen Glaubenskurses. Er hörte sich alles geduldig an, war aber sehr reserviert. Am letzten Abend brach es aus ihm heraus: Was ist, wenn dieser Vater im Himmel wie mein eigener Vater ist? Genauso unbarmherzig? Genauso strafend? Genauso fordernd? Natürlich hatten wir im Kurs genau das Gegenteil gelehrt. Die unglaublich großzügige, barmherzige, grenzenlose Vaterliebe Gottes ist ein Kernbestandteil unserer Botschaft.

Aber das eigene, real erlebte Vaterbild ist nun einmal unglaublich tief in uns verwurzelt. Wir übertragen es fast zwangsläufig auf Gott, bewusst oder unbewusst. Das verändert man nicht durch die weit verbreitete Dauerberieselung mit der Rede vom „lieben Gott“. Was wir vielmehr brauchen ist eine echte Herzensbegegnung mit dieser alles übersteigenden Liebe unseres himmlischen Vaters. Dafür müssen wir Raum schaffen in unseren Gemeinden! Gerade in unserer vaterlosen Gesellschaft können wir nicht wirklich erfolgreich Kirche bauen, wenn es in unseren Gemeinden keine Orte gibt, in denen Menschen tiefe, geistgewirkte, heilsame Begegnungen mit dem himmlischen Vater erleben können.

3. Raum für den Heiligen Geist!

Der Heilige Geist allein ist es, der uns die Größe dieser Vaterliebe vor Augen malen kann und in uns einen authentischen Ruf nach dem ‚Abba-Vater‘ weckt (Röm.8,15; Gal.4,6). Mangel an tiefgreifender Begegnung mit der echten, heilenden Vaterliebe Gottes ist immer auch Mangel an Geistesfülle in unseren Gruppen und Gemeinden. Deshalb müssen wir Raum schaffen für das Wirken des Heiligen Geistes!

Das wird auch die Art verändern, wie wir biblische Wahrheiten weitergeben. Paulus sagte: Theologisches Wissen ohne eine Liebesbeziehung zu Gott gibt uns vielleicht ein „Gefühl von Wichtigkeit“. „Doch nur die Liebe baut die Gemeinde wirklich auf.“ (1.Kor.8, 1-2). Selbst völlig korrekte theologische Botschaften sind wirkungslos, wenn die Liebe zu Gott und der Heilige Geist fehlt: „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2.Kor.3,6b). Wir sind also zwingend darauf angewiesen, dass der Heilige Geist das tut, was wir mit dogmatischen Argumenten alleine niemals schaffen können: Unseren Mitmenschen die Wahrheit des Evangeliums aufschließen und die menschlichen Gedankengebäude niederreißen (2.Kor.10,4). Aber ohne den Heiligen Geist und ohne eine Liebesbeziehung zum Vater wird Lehre und Dogmatik zur rechthaberischen, arroganten, verletzenden, ja laut Paulus sogar zur tödlichen Keule – und ein Grund dafür, warum so viele Menschen aus „Evangelikalien“ fliehen. C.H. Spurgeon hat es so ausgedrückt: „Ohne den Heiligen Geist wird sogar die Wahrheit zum Eisberg.“

4. Raum für ein freies Gewissen!

Gofi schreibt: „Wir Evangelikalen haben schreckliche Angst davor, ungenügend zu sein. Wir glauben zwar, dass der Christus […] dafür gestorben ist, damit wir frei sein können von der Schuld und der Anklage Satans. […] Aber Hand aufs Herz, wer von uns glaubt das denn wirklich?“ (S. 41) Volltreffer. In meinem eigenen Leben fiel mir auf, wie erfolgreich  der „Verkläger der Brüder“  (Offb.12,10) uns immer wieder einredet, dass Gott uns wegen unserer Schwächen und Fehler zumindest teilweise ablehnen und verurteilen müsste. Niemals hätte ich so wie David beten können: “Der Herr wird mich belohnen, weil ich aufrichtig bin, und mir den Lohn dafür geben, dass ich unschuldig bin” (Ps.18,21). So kann man doch nicht beten! Schließlich machen wir doch alle ständig Fehler und sündigen täglich, oder?

Stimmt schon. Und trotzdem haben wir ein falsches Gottesbild, wenn wir Gott einseitig nur als den strengen Richter sehen, der uns den Segen entzieht bei jedem Mangel, den er an uns findet. Unser Vater ist ein “gnädiger und barmherziger Gott, langsam zum Zorn und groß an Güte” (Jona 4,2, Ps.86,15; 103,8; 145,8; Joel 2,13). Das dürfen wir ganz neu begreifen lernen! Wenn schon David sich so völlig ohne Scham auf Gottes uneingeschränkte Gunst verließ, wie viel mehr können wir das tun, da doch Jesus doch für unsere Schuld gestorben ist und gesagt hat: “ES IST VOLLBRACHT!” Weil ER unsere Schuld bezahlt hat dürfen wir tatsächlich fröhlich, scham-los und mit freiem Gewissen die herrliche Freiheit der Kinder Gottes (Röm.8,21) genießen!

Aber das ist leichter gesagt als getan. Unsere Scham und unsere Angst vor Ablehnung sitzt tief. Deshalb war es für Paulus ein zentrales Ziel, „dass alle Christen von der Liebe erfüllt sind, die aus einem reinen Herzen kommt, aus einem guten Gewissen und aufrichtigem Glauben.“ (1.Tim.1,5) Ein unbelastetes, angstfreies Gewissen muss auch heute das Ziel unserer Unterweisung in den Gemeinden sein, damit Menschen nicht länger unter der Last von Selbstanklagen und Ablehnungsängsten die Flucht aus Evangelikalien antreten müssen.

5. Raum für Gnade statt Leistung!

Gofi schreibt: „Ich habe die Bibel so verstanden: Gott hat dich aus Gnade errettet, und jetzt beweise gefälligst, dass du es wert gewesen bist! Ich arbeite mir also den Arsch ab, bis es nicht mehr ging.“ Leistungsdenken ist tief in unserem westlichen Lebensstil verwurzelt – so tief, dass wir es fast unvermeidlich auch auf unsere Gottesbeziehung übertragen. Dabei hat Jesus klar gelehrt, dass er keine Leistung sondern Frucht in unserem Leben sehen möchte. Frucht können wir nicht durch noch so viel Leistung aus dem Boden zerren, wir können sie nur wachsen lassen. Unser „Job“ ist nicht in erster Linie, wie Marta hart zu arbeiten sondern wie Maria die innige Nähe zu Jesus zu suchen. Wer in ihm bleibt, der bringt Frucht (Joh.15,4-5). Bei ihm dürfen wir uns so sehr beschenken lassen, dass wir überfließen und selbst zu einer Quelle lebendigen Wassers werden (Joh.4,14). Wir müssen, wir können, wir dürfen Gott nichts beweisen, im Gegenteil: Was er sich von uns wünscht ist nur unsere Bereitschaft, ihm unsere Unfähigkeit einzugestehen und uns von ihm verändern, erneuern und mit unverdienter Gnade beschenken zu lassen. Wir müssen lernen zu beten: “Herr, gib mir nicht was ich verdient habe sondern beschenke mich unverdient aus Deinem Überfluss!” Solange wir Gott gegenüber im Leistungs- statt im Gnadenmodus unterwegs sind  bleiben wir Getriebene statt Beschenkte. Dann wird die Burnoutwelle weiter auch durch Evangelikalien schwappen und Menschen in die Flucht schlagen.

6. Raum zum Klagen und zornig sein!

Gofis Buch enthält einen derben Liedtext, „der eine Art Rachephantasie war, was zu meinem bisherigen moralischen Koordinatensystem zwar nicht passte, sich aber verdammt gut anfühlte und gleichzeitig Gewissensbisse nach sich zog.“ (S. 58) Die Frage ist in der Tat: Darf man so etwas als Christ? Wütend und zornig sein? Hiob hat sich nicht um diese Frage gekümmert. Er klagte Gott massiv an. Er hielt ihn für ungerecht und unterstellte ihm, kalt und zynisch zu sein: “Er vernichtet die Schuldlosen ebenso wie die Schlechten. Er lacht über die Angst der Unschuldigen.” (Hiob 9,22b+23) Das spannende ist: Gott hat diese Vorwürfe Hiobs weder zensiert noch ihn dafür verstoßen. Gott konnte damit umgehen, dass Hiob seine negativen Gefühle offen und ehrlich zum Ausdruck bringen und “los werden” wollte: “Darum will ich nicht schweigen, sondern aussprechen, was mich quält. Meine Seele ist voll Bitterkeit, ich muss meine Klagen loswerden.” (Hiob 7,11) Mir zeigt das: Gott schätzt Ehrlichkeit! Das ist ihm allemal lieber, als eine aufgesetzte Geistlichkeit, die nicht von Herzen kommt.

Natürlich sollte sich unsere Wut und Klage nicht auf Dauer so verfestigen, dass sie sich in Härte und Bitterkeit verwandelt. Aber sie unter den Teppich zu kehren führt erst Recht in die Bitterkeit. Deshalb braucht es Raum zum Klagen und zornig sein in unseren Gemeinschaften. Öffentliche Treffen sind dafür natürlich nicht der richtige Ort. Aber in der Seelsorge und Gesprächen mit Freunden muss es möglich sein, sich mal richtig „auszukotzen“. Wir haben die Aufgabe, anhand der vielen „Wut-Texte“ und Klagelieder in der Bibel zu lehren, dass wir Gott unsere Wut durchaus auch mal ungefiltert vor den Latz knallen dürfen. Schade, dass das bis heute so wenig bekannt ist und deshalb Menschen aus Evangelikalien fliehen müssen, um anderswo ihre Wut zu verarbeiten und los zu werden.

Mein Reisefazit…

…lautet deshalb: Wir sind nicht etwa zu biblisch in „Evangelikalien“, wie einige liberale Christen im Hossa-Land meinen. Im Gegenteil: Wir sind noch viel zu wenig biblisch! Denn die Bibel lädt uns ja herzlich und wortreich ein, alle diese Räume zu öffnen, zu betreten und einzunehmen! Höchste Zeit, dass wir es tun!

Lieber Jay, lieber Gofi, falls ihr das je lesen solltet, noch ein persönliches Wort an euch: Vielen Dank für eure Offenheit! Nein, eure Gedankenreisen machen mir keine Angst, genauso wenig wie mein Glaube an einen liebevollen, aber eben auch heiligen Gott, der (zum Glück) auch ein gerechter Richter ist und eben nicht zu allem einfach nur „Schwamm drüber“ sagt. Mein Vertrauen zur Bibel, mein fröhliches Festhalten an der Sühnetodlehre und vielen anderen „bibeltreuen“ Positionen, an denen ihr euch so abarbeitet, hat gute Gründe und fühlt sich eben so gar nicht „kalt, öde und lebensfeindlich“ an sondern frei, weit, warm, geliebt, getragen, voller Hoffnung und Zuversicht. Ich liebe es!

Ihr seid aus Evangelikalien ausgezogen, einem Zerrbild von dem, was Glaube und Kirche sein soll. Das verstehe ich. Aber ich finde: Wegen Zerrbildern das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Bibel über Bord zu werfen ist keine Lösung. Ich glaube nicht, dass es da ein gutes Land gibt hinter der nächsten Ecke unserer menschlichen Gehirnwindungen. Wenn Gottes Wort nicht mehr verlässlich gilt bleibt am langen Ende doch nur der Abgrund menschlicher Selbstüberschätzung. Die grünen Auen und das frische Wasser finde ich dort, wo ich jedem Wort des guten Hirten kindlich und unverschwurbelt vertrauen kann. Er hat doch immer noch die viel größere Perspektive als jeder postmoderne Stuhlkreis, in dem wir uns unser eigenes hippes Gottes- und Weltbild nach persönlichem Gusto zusammenstricken. Vielleicht entdeckt ihr das auf eurer Reise ja doch wieder ganz neu. Ich würde mich sehr freuen.

Siehe auch dieser Artikel zu Hossa Talk: Die Krise von Wahrheit und Irrtum – und welche Folgen das für die Kirche hat

Zu den in diesem Artikel beschriebenen “Räumen” wurden folgende Artikel veröffentlicht:

Was nun, Kirche?

Kann so ein Buch Mut machen?

„Ich möchte in schwierigen Zeiten Mut machen.“ 1 So beginnt das neue Buch von Ulrich Parzany, das von Vielen doch eher als bedrohlich und spalterisch statt als Mutmacher empfunden wird. Doch Parzany bleibt dabei: „Ich schreibe gegen Resignation. Ich will zeigen, wie in den Landeskirchen die Gemeinde des Jesus Christus gebaut und gesammelt wird und werden kann.“ 1 Ob Parzany wohl halten kann, was er sich da vorgenommen hat?

Um dem Patient Kirche zu helfen hält Parzany eine schonungslos ehrliche Diagnose für unumgänglich. Seine herausfordernde Hauptdiagnose lautet:

»Die Krise der Kirchen ist im Kern eine Krise der Verkündigung. Und die Krise der Verkündigung ist dadurch entstanden, dass das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden ist.« 2 »Die Bibelkritik ist der Krebsschaden der Kirche.« 3

Damit wendet sich Parzany ausdrücklich nicht gegen eine historische Erforschung der Bibel, denn „zum Verständnis der biblischen Texte ist es hilfreich, die historischen Zusammenhänge so gut wie möglich zu kennen.“ 4 Es geht Parzany auch nicht darum, einer bestimmten Bibelauslegung ein Wahrheitsmonopol zuzuschreiben, im Gegenteil: Als Mann der evangelischen Allianz, der schon viele überkonfessionelle Großveranstaltungen mitgestaltet hat, zeigt Parzany eine große Weite und wirbt für Vielfalt: „Pluralität ist purer Reichtum.“ 5 „Ich war und bin der Meinung, dass wir Christen gemeinsam öffentlich zu Jesus und in seine Nachfolge einladen sollen, auch wenn wir in einigen Fragen unterschiedliche Lehren vertreten. Das betrifft zum Beispiel die Frage der Taufe, der Gemeindeformen, der Art und Weise, wie wir den Heiligen Geist erfahren. Wenn es allerdings um das Evangelium von Jesus geht, darf es keine Kompromisse geben.“ 6

Keine Kompromisse, wenn es um das Evangelium geht! Als Evangelist macht Parzany deutlich, warum ihm das so wichtig ist: „Es geht nicht um Rechthaben, sondern um Rettung.“ 7 „Nur das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Bibel bezeugt wird, kann das Leben der Menschen und die Kirchen erneuern.“ 8 In dieser Haltung fühlt sich Parzany von Paulus bestärkt, der sich diesbezüglich ja sogar noch deutlich schärfer ausgedrückt hat (Gal. 1, 8-9!). Deshalb „muss die Grundfrage nach der Autorität der Heiligen Schrift geklärt sein: Die Bibel ist Gottes Wort, sie ist Urkunde der Offenbarung Gottes. Eine Kirche, die das nicht mehr bekennt, erledigt sich selber.“ 9

Auch wenn (oder vielleicht gerade weil) Parzany nicht in erster Linie ein theoretischer Akademiker ist, sind seine Ausführungen über die Entwicklungen in der Hermeneutik (die Lehre über das Verstehen und Auslegen der Bibel) von der Reformation bis heute äußerst aufschlussreich. Hatte Luther die Bibel noch als „Königin“ bezeichnet, so sagt die EKD heute offen, dass sie die Bibel nicht mehr als Wort Gottes versteht10. Parzany weist nach, wie dadurch sämtliche reformatorische Grundsätze (Allein die Schrift, allein durch Glauben, allein durch Gnade, Christus allein) ausgehöhlt und umgedeutet wurden. Und er stellt angesichts einiger Äußerungen evangelischer Spitzenleute, die im krassen Gegensatz zur geltenden Ordinationsverpflichtung11 stehen, die Frage: „Warum wird eigentlich gegen einen Bischof, der so offensichtlich die Autorität der Bibel infrage stellt, kein Lehrbeanstandungsverfahren eröffnet?“ 12 Parzany gibt sich selbst die Antwort: Das Problem der theologischen Selbstentkernung wird in der evangelischen Kirche weitgehend tabuisiert13 – was ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann.

Noch wichtiger ist dem Praktiker Parzany jedoch zu zeigen, dass die Bibelkritik, die ja seit langem die theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten beherrscht, inzwischen eine ganz praktische „verheerende Wirkung auf die Verkündigung in den Gemeinden“ entfaltet.14 Dazu zitiert er eine Studie, laut der „ein großer Teil der Pfarrerschaft wichtige Teile der christlichen Lehre nicht mehr für wahr und wichtig hält“ 2. Da „die Hauptamtlichen in der Regel am längeren Hebel sitzen“ 15 und zudem nur 14 % der Kirchengemeinderäte Mission für sehr wichtig halten16 ist gedeihliches missionarisches Arbeiten in vielen evangelischen Gemeinden kaum noch möglich. Denn es stimmt ja nun einmal: Wenn die Gemeindeleitung nicht darüber übereinstimmt, dass Menschen zur Umkehr in die Nachfolge von Jesus gerufen und darin gefördert werden sollen, dann „ist der Wurm in der ganzen Arbeit.“ 17

Vor diesem Hintergrund zeigt Parzany durchaus Verständnis dafür, dass nicht wenige Konservative die Kirche inzwischen verlassen und den freikirchlichen Weg gewählt haben. Für sich selber sagt er jedoch: „Ich habe Gottes Platzanweisung für mich in der evangelischen Kirche gesehen. Und das gilt auch heute.“ 18 Statt Resignation, Frust oder Verbitterung Raum zu geben sagt er fast trotzig: „Wir hören nicht auf, dafür zu beten, darum zu ringen und dafür zu arbeiten, dass Erneuerung in den Kirchen geschieht.“ 19 Dazu sucht Parzany nach Ansatzpunkten („brauchbare Baugerüste“), bei denen Erneuerung wachsen könnte wie z.B. in unterschiedlichen Gottesdienstformen, Hausbibelkreisen, Richtungsgemeinden, landeskirchliche Gemeinschaften und freien Werken. Allerdings räumt Parzany auch offen ein: „Ich kann nur Puzzleteile suchen und zusammensetzen.“ 20 DAS Patentrezept für die Erneuerung der Kirche hat er – wenig überraschend – nicht zu bieten.

Zur Arbeit für Erneuerung gehört für Parzany aber eindeutig auch, mit einer falsch verstandenen Konfliktscheu zu brechen, denn: „Wer schweigt, fördert, was im Gange ist.“ 21 „Wenn in Kirche und Theologie die Wahrheit des Evangeliums verfälscht wird, müssen wir widersprechen. Das muss leider auch öffentlich geschehen. Geheimverhandlungen in Hinterzimmern helfen der Gemeinde nicht.“ 22 Mit dieser Haltung sieht Parzany sich in bester reformatorischer Tradition: „500 Jahre nach der Reformation erinnern wir uns daran, dass harte Auseinandersetzungen nötig waren, um in den Kirchen Schritte in Richtung Erneuerung zu gehen.“ 8 Eine solch streitbare Haltung mag nicht Jedem in der Kirche schmecken. Man muss Parzany aber in jedem Fall zugutehalten, dass seine Position gut begründet und seine Motivation absolut authentisch ist.

Am Ende steht für Parzany aber nicht der Streit sondern das Evangelium im Mittelpunkt: „Weil das Evangelium von Jesus Christus die ganze Welt angeht, dürfen wir uns nicht freiwillig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Heute ist die Zeit, das Evangelium öffentlich zu verkündigen.“ 23 Spätestens hier wird deutlich: Parzany ist eben kein verbitterter alter Mann, wie manche seiner Gegner behaupten. Sein Anliegen ist, dass ein Weckruf durch Deutschland geht und Menschen für Jesus gewonnen werden! Deshalb ist dieses leicht und flüssig zu lesende Buch für mich tatsächlich ein echter Mutmacher – und der bisher beste Beitrag zum Reformationsjubiläum. Ich kann es nur herzlich zum Kauf empfehlen und ihm so viel Verbreitung wie irgend möglich wünschen.

Das Buch „Was nun, Kirche?“ von Ulrich Parzany ist bei SCM Hänssler erschienen und kann hier direkt beim Verlag bestellt werden.

1: S.7; 2: S.41; 3: S.49; 4: S.60; 5: S.126; 6: S. 186; 7: S. 177; 8: S.8; 9: S. 62; 10: Aus dem Grundlagentext der EKD Rechtfertigung und Freiheit – 500 Jahre Reformation 2017 S. 84: „Seit dem 17. Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb können sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als ‚Wort Gottes‘ verstanden werden.“ S.49; 11: Aus dem geltenden Pfarrerdienstgesetz der EKD (§3): „Die Ordinierten sind durch die Ordination verpflichtet, … das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis ihrer Kirche bezeugt ist, rein zu lehren.“ S.49; 12: S.51; 13: S.41; 14: S.54; 15: S.121; 16: S.146; 17: S. 149; 18: S.109; 19: S.133; 20: S.16; 21: S.121; 22: S.189; 23: S.197

Weitere lesenswerte Zitate aus „Was nun, Kirche?“:

Zur historisch-kritischen Theologie:

„Gern versucht man heute in den kirchlichen Debatten, Jesus Christus gegen die Bibel auszuspielen. Wir hätten keinen papierenen Papst, heißt es, es ginge darum, wie Luther zu fragen, „was Christum treibet“. … Aber welcher Jesus Christus ist gemeint, wenn jeder Bibelkritiker entscheidet, welche Worte von Jesus echt und welche ihm später in den Mund gelegt wurden?“ (S. 56)

„Im Grund ist „Jesus Christus“ damit eine Leerformel geworden, die jeder nach seinen Vorstellungen füllt und benutzt. Wenn also das reformatorische Prinzip „Allein die Bibel“ nicht mehr gilt, dann verliert auch das „Allein durch Jesus Christus“ seinen Inhalt. Die beiden daraus folgenden reformatorischen Grundsätze „Allein durch die Gnade“ und „Allein durch den Glauben“ lösen sich dann in Philosophie und Psychologie auf.“ (S. 57)

Zum reformatorischen Prinzip, dass die Bibel sich selbst auslegen muss:

„Ein wichtiger Grundsatz der Reformation hieß: Die Bibel legt sich selber aus. Alle Bibeltexte müssen im Zusammenhang gelesen werden.“ (S. 59)

„Der Gesamtzusammenhang der Heiligen Schrift lässt erkennen, wenn Aussagen begrenzte Gültigkeit für bestimmte Zeiten und Verhältnisse haben. Paulus schreibt einerseits, dass Frauen in den Gemeinden schweigen sollen (vgl. 1. Tim. 2, 12). Andererseits wird berichtet, dass die vier Töchter des Evangelisten Philippus als Prophetinnen redeten (vgl. Apg. 21, 9). Paulus war in dieser Gemeinde und nahm offenbar keinen Anstoß daran. Im Buch der Richter (4, 4) lesen wir, dass die Prophetin Deborah Israel regierte. Es gibt also in der „Frauenfrage“ durchaus unterschiedliche Aussagen in der Bibel. Homosexuelle Handlungen hingegen werden in der ganzen Bibel einheitlich als Sünde beurteilt (vgl. 3. Mose 18, 22; 20, 13; Römer 1, 26 ff.; 1. Kor. 6,9f; 1. Tim. 1,9ff). Deshalb zieht die Argumentation nicht, die sagt: Wenn die Aussagen über Homosexualität heute gelten sollen, dann müssten die Frauen auch Kopftücher tragen und im Gottesdienst schweigen.“ (S. 61)

Zur Situation in der Pfarrerschaft:

„Ich behaupte, es besteht keine Einigkeit in der Pfarrerschaft über die Grundaussagen des christlichen Glaubens.“ (S. 47)

„Gemeinden dürfen erwarten, dass nur solche Personen in diesen Dienst kommen, deren geistliche und persönliche Eignung festgestellt und bestätigt wurde.“ (S. 139)

„Die Fehlkonstruktion der Pastorenkirche besteht darin, dass sie so tut, als seien bei den Hauptamtlichen Pastoren fast alle Charismen monopolisiert. Das funktioniert nie.“ (S. 144)

Zur Gemeindeleitung:

„Ein Gemeindekirchenrat sollte aus Menschen bestehen, die mit Bibel und Gebet leben. Die Zusammenkünfte sollten Raum für das Studium der Bibel und zum Gebet für die Gemeinde haben.“ (S. 148)

Gegen das Richten über den Glauben Anderer:

„Es ist nicht meine Aufgabe, über einzelne Personen zu urteilen, ob ihr Glaube echt ist oder nicht. Ich glaube denen, die sich zu Jesus Christus bekennen, ihren Glauben.“ „Gott wird im Gericht das Unkraut vom Weizen trennen. Das ist also nicht unsere Sache. Es gab und gibt immer wieder Versuche, sogenannte „reine“ Gemeinden herzustellen. Das endet immer in Heuchelei, Hochmut und Anmaßung.“ (S. 19)

Zum Kirchenverständnis und der Situation der Kirche:

„Die heilige christliche Kirche besteht aus allen Jesusnachfolgern, in welchen kirchlichen und gemeindlichen Organisationen sie auch leben.“ (S. 34)

„Es gibt die Kirche des Jesus Christus nur in der Mission Gottes. Diese umfasst die vier Elemente Diakonie, Lehre und Evangelisation, Gemeinschaft und Gebet. Wer sich dieser Mission verweigert, trennt sich von Jesus.“ (S. 32)

„Tatsache ist heute, dass die Zeiten von Volkskirche längst vorbei sind. Die christliche Gemeinde ist eine Minderheit.“ (S. 38)

Zu Richtungsgemeinden:

„Trotzdem hoffe ich, dass dauerhaft mehr Raum für die kontinuierliche Gestaltung von evangelikalen Richtungsgemeinden geschaffen und bewahrt werden kann. Wenn dieser Raum eingeengt wird, ist es unvermeidlich, dass die engagierten Evangelikalen mehr und mehr den freikirchlichen Weg wählen werden.“ (S. 128)

Zur Verkündigung des Evangeliums:

„Entscheidend ist, ob wir als Verkündiger des Evangeliums selber wissen, dass es um ewiges Leben und ewige Verdammnis geht. Unsere Aufgabe ist es, aus Liebe die Wahrheit zu sagen.“ (S. 188)

Zum Thema „Selbstbestimmung“ als zentrale Herausforderung des Zeitgeistes:

„In den brisanten Streitfragen der Gegenwart geht es fast immer um Selbstbestimmung. Ob Abtreibung oder Selbsttötung – immer wird das Recht auf Selbstbestimmung als Hauptargument angeführt. Und in den normalen Alltagsfragen sowieso: Mein Körper, meine Zeit, mein Geld, mein Eigentum – ich habe das Recht, über mein Eigentum zu verfügen. Selbst wenn Menschen religiös sind und Gott als Hilfe suchen, bestimmen sie doch selber, was gut für sie ist und was nicht. Gott ist höchstens als Erfüllungsgehilfe gefragt. Sein Eigentumsrecht an der Welt und an unserem Leben wird glatt bestritten.“ (S. 83)

5 Argumente gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Heute habe ich meinem Landesbischof einen Brief geschrieben. Meine evangelische Landeskirche in Württemberg steht vor einer äußerst wichtigen Weichenstellung: Im Herbst wird die Synode entscheiden, ob sie – so wie die meisten anderen Landeskirchen – die Segnung oder gar die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglichen wird oder nicht. Ich habe die Kirchenleitung dringend gebeten, die geltenden Regelungen zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren NICHT zu ändern. Bevor Du meine Argumente dazu liest eine Anregung: Wie wäre es, wenn Du ebenfalls einen Brief an den Landesbischof (Adresse siehe hier) und/oder an einen Dir bekannten Synodalen schreibst? Du kannst gerne meine Argumente übernehmen oder – noch besser – Deine eigenen Gedanken formulieren. Als Kirchengemeinderat habe ich sehr pragmatisch argumentiert, ich hoffe, dass Andere noch viel stärker theologisch argumentieren werden. Wichtig ist: Immer respektvoll und freundlich bleiben. Und am besten ein inniges Gebet hinterherschicken. Lasst uns auf jeden Fall gemeinsam aktiv werden! Denn diese Entscheidung wird für meine Landeskirche dramatische Konsequenzen nach sich ziehen. Davon bin ich fest überzeugt aus folgenden Gründen:

1. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist für viele aktive Gemeindeglieder
nicht mit der Bibel und ihrem Gewissen vor Gott vereinbar

Es ist unstrittig, dass sämtliche biblische Passagen zum Thema Homosexualität negativ konnotiert sind. Die verschiedenen Ansätze, gleichgeschlechtliche Partnerschaften trotzdem mit dem biblischen Zeugnis vereinbar zu machen, sind umstritten. Insbesondere wurde die Behauptung, Paulus habe in der damaligen Lebenswelt noch gar keine auf Treue angelegte homosexuelle Partnerschaften im Blick haben können, mittlerweile klar widerlegt.1 Fakt ist: Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften wurde in der Vergangenheit quer durch die Jahrhunderte von allen Kirchen durchgängig abgelehnt. Auch heute noch stellt diese Position in der weltweiten Kirche Jesu eine Minderheitenmeinung dar. Im pietistisch geprägten Württemberg ist gerade unter den aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern der Anteil derer besonders hoch, die diesen exegetischen Sonderweg nicht mit ihrem Gewissen vor Gott vereinbaren können und ihn als Bruch mit dem reformatorischen Grundsatz des „Sola Scriptura“ und mit den Bekenntnissen der Kirche empfinden werden. Das wird das fruchtbare Miteinander von Kirchenleitung und ehrenamtlicher Mitarbeiterschaft zum Nachteil Aller spürbar belasten. Wir müssen damit rechnen, dass es auch unter engagierten Mitarbeitern zu Kirchenaustritten kommt und Gemeinden spürbar geschwächt werden.

2. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare verlagert den
öffentlichen Druck auf die lokalen Gemeindeleitungen

Bislang sind die lokalen Gemeindeleitungen vor dem öffentlichen Druck auf Segnung bzw. Trauung gleichgeschlechtlicher Paare durch das gültige Kirchenrecht geschützt. Wenn die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht wird, wird dieser Druck, der seit der politischen Durchsetzung der sog. „Ehe für alle“ noch einmal größer geworden ist, von der Kirchenspitze auf die lokalen Gemeindeleitungen verlagert, möglicherweise mit massiven Auswirkungen bis ins Privatleben von Ehrenamtlichen hinein. Es ist davon auszugehen, dass dies das gedeihliche Wirken vieler engagierter Leiter stark belasten wird und dass Manche auch aufgeben werden, weil sie sich dem Druck und dem Gewissenskonflikt auf Dauer nicht aussetzen wollen oder können.

3. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare verlagert den
Konflikt auf die lokale Ebene und multipliziert ihn dadurch

Das gültige Kirchenrecht verhindert bislang, dass der Konflikt in örtlichen Gemeinden ausgetragen wird. Dadurch werden viele Reibungsverluste vermieden. Wenn die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht wird, kann der Konflikt prinzipiell in jeder einzelnen Kirchengemeinde ausbrechen und das gemeindliche Leben massiv belasten oder gar ersticken. Immer wieder ist nachzulesen, dass lokale Konflikte zu diesem Thema auch in die überregionale Presse getragen werden. Dadurch wird nicht nur die Einheit einzelner Gemeinden sondern auch das Ansehen der ganzen Landeskirche und damit auch ihre missionarische Ausstrahlung aufs Spiel gesetzt.

4. Die Ermöglichung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare unterminiert
die Glaubwürdigkeit der Kirche

Kirche hat keine Autorität aus sich selbst heraus sondern nur als Botschafter von Gottes zeitlosem Wort und Gebot. Sie kann nur deshalb Trost und Antworten für die grundlegenden Ewigkeitsfragen der Menschen geben, weil sie aus einer göttlichen Erkenntnisquelle schöpft, die außerhalb ihrer selbst liegt. Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, ob Kirche aus der Autorität einer zeitlosen Wahrheit heraus handelt oder ob sie den Menschen nach dem Mund redet. Die breite öffentliche Kritik an der EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie oder am Ablegen des Kreuzes auf dem Tempelberg bis tief in säkular/bürgerliche Milieus hinein belegt das. Die Ermöglichung der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mag kurzfristig Beifall bei einem Teil der Bevölkerung und der Medien bringen. Gleichzeitig jedoch höhlen solche Meinungsänderungen die Autorität und Glaubwürdigkeit der Kirche aus. Es führt dazu, dass die Stimme der Kirche zeitgeistabhängig und beliebig wirkt und sich selbst marginalisiert im vielfältigen Meinungskonzert einer offenen Gesellschaft. Da ist es kein Wunder, dass laut dem Religionssoziologen Detlef Pollack von der Universität Münster der Hauptgrund für den Kirchenaustritt mittlerweile schlicht darin liegt, dass den Menschen die Kirche ganz einfach egal ist.2

5. Ein theologisch liberaler Kurs lässt weltweit Kirchen schrumpfen

Eine neue kanadische Studie3 hat gezeigt, dass eine konservative Theologie gepaart mit innovativen Gottesdienstformen eine deutlich messbare positive Auswirkung auf das Gemeindewachstum hat. Detlef Pollack hat festgestellt, dass es der evangelischen Kirche dort am besten geht, wo sie „evangelikal oder sogar fundamentalistisch“ ist.2 Tatsächlich bestätigt sich dieser Trend weltweit: Die Kirchen schrumpfen im liberal geprägten Westen, aber sie wachsen in anderen Teilen der Welt, wo sie zuallermeist fest zum biblischen Wortlaut stehen. Auch die württembergische Landeskirche wird massiven Schaden nehmen, wenn sie noch stärker auf den Kurs der schrumpfenden liberalen Kirchen einschwenkt.

Auch mir ist wichtig, dass wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir homosexuell empfindenden Menschen noch liebe- und respektvoller begegnen können. Aber weil ich meine Kirche liebe hoffe und bete ich, dass sie an der Gültigkeit des biblischen Zeugnisses festhält, auch wenn es einmal – wie in diesem Fall – dem Zeitgeist widerspricht. Ohne das Fundament des “sola sriptura” hat Kirche keine Zukunft.

1: Zusammengefasst unter anderem im Artikel „Prof. Dr. Siegfried Zimmer und die Schwule Frage” von Mario Wahnschaffe 05 / 2015
2: Katholisches Online Magazin Kirche + Leben Netz 06 / 2017
3: Theology Matters: Comparing the Traits of Growing and Declining Mainline Protestant Church Attendees and Clergy, Rev Relig Res (2016), zusammengefasst in idea 22.11.2017

Siehe auch:

Paradigmenwechsel: Die harten und die weichen Themen

Vor einiger Zeit war ein hochrangiger Kirchenvertreter in unserer Kirchengemeinderatssitzung zu Gast. Ich durfte den Abend mit einem biblischen Impuls einleiten. Im Blick auf unsere blühende und wachsende Jugendarbeit warnte ich: Es reicht nicht, wenn unsere Programme gut laufen! Erst wenn unsere jungen Leute lernen, sich selber in der Bibel zu verwurzeln und aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus zu schöpfen (Kol. 2, 7) haben wir einen nachhaltigen Erfolg erzielt!

Nach meiner Andacht bedankte sich unser Gast und leitete den folgenden Sitzungsteil mit den Worten ein: „Kommen wir jetzt von den weichen Themen wie Bibellesen und Beten zu den harten Themen.“ Dann ging es ausführlich um Finanzen, Bauprojekte, Pfarrstellen, Mitarbeitersituation und aktuelle Veranstaltungen.

Mich aber hat die ganze Zeit sein Eingangsstatement nicht losgelassen: Sind DAS wirklich die harten Themen? Sind es diese Themen wirklich wert, ihnen den größten Teil unserer Aufmerksamkeit und Energie zu schenken, während wir über Fragen zum geistlichen Leben nur kurz zu Beginn sinnieren, ohne weiter darüber zu sprechen?

Je länger ich darüber nachdenke wird mir klar: Wir brauchen einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Kirche! Genau wie die Hingabe an Gott allein entscheidend war für den Erfolg der Könige Israels (eindrücklich nachzulesen in den Könige- und Chronik-Büchern) wird sich die Zukunft der Kirche letztlich allein an der Qualität ihres geistlichen Lebens entscheiden. Aus der engen Verbindung  mit Jesus wächst Alles, was die Kirche Jesu seit jeher ausgemacht hat: Ihre Ausstrahlung, ihre Kraft, ihre Leidenschaft, ihre Glaubwürdigkeit, ihre Opferbereitschaft. Alle anderen Themen sind nur Symptome, an denen wir vergeblich herumdoktern, solange unser geistliches Leben lahmt.

Unser Fokus in der Kirchen- und Gemeindeleitung muss deshalb wieder auf den Themen liegen, die auch die Apostel als ihr Kerngeschäft ansahen: Gebet und Gottes Wort (Apg. 6, 1-4). DAS sind die harten Themen, die darüber entscheiden, ob Gemeinde und Kirche gesund und nachhaltig wächst oder nicht. DAS sind die Themen, an denen sich entscheiden wird, ob wir mittelfristig überhaupt noch Finanzen, Gebäude, Pfarrstellen, Mitarbeiter und Veranstaltungen haben werden oder nicht.

Frustrierend war für mich in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Themen und Beschlüsse der letzten EKD-Synode (siehe unten). Da geht es um Politik, Geld, Gesellschaft, Organisation und Recht. Was ich hingegen überhaupt nicht finde ist: Geistliches Leben fördern. Die Menschen für das Bibelstudium begeistern. Ein lebendiges Gebetsleben entwickeln. Das Evangelium glaubwürdig und kraftvoll bezeugen. Missionarischen Gemeindeaufbau voranbringen…

Dass sich die EKD-Spitze so sehr auf politische Themen konzentriert ist besonders traurig wenn man berücksichtigt, was eine EKD-eigene Studie jüngst zutage gefördert hat: Demnach interessieren sich nicht einmal aktive Gemeindeglieder für die Papiere, die an der Spitze der EKD verfasst werden. Selbst bei hochbrisanten Themen gilt, dass für die Gemeindeglieder „Informationen der EKD und Diskussionen auf der Ebene der EKD praktisch keine Rolle spielen“.

Umso mehr ist es Zeit, umzukehren. Hin zum Gebet. Hin zu Gottes Wort. Hin zur Konzentration auf die alles entscheidende Frage, wie authentisches geistliches Leben in unseren Gemeinden, Gruppen und Kreisen wachsen kann. Kirchliche Organisationen haben nur dann eine Überlebenschance, wenn sie sich diesem Paradigmenwechsel schnell und gründlich stellen.

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Was die EKD-Synode 2016 beschlossen hat (vollständig nachzulesen hier):

Schwerpunktthema: Bekräftigung für ein “Europa des Friedens, der Aussöhnung und der Gerechtigkeit”

Kundgebung gegen Judenmission

Politische Beschlüsse:

  • Entschließung zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen
  • Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer
  • Integration als Motor der politischen Erneuerung (Für “Inklusive Integrationspolitik”)
  • Verstetigung des Förderprogramms „Demokratie leben“
  • Studien zur „Haltungen von Kirchenmitgliedern im Kontext politischer Kultur“
  • Kompetenzerweiterung von KiTa-Leitern im Umgang mit religiöser Vielfalt
  • KiTas sollen von der öffentl. Hand besser ausgestattet werden
  • Teilhabe für Menschen mit Behinderungen verlässlich sichern
  • Zusammenführung und Modernisierung der Pflegeausbildung

Beschlüsse zum Umweltschutz:

  • Konsequente Umsetzung des Weltklimaabkommens von Paris

Kirchenpolitische Beschlüsse:

  • Entlastung der Haushalts- und Kassenführung
  • Beschluss EKD-Haushalt 2017
  • Verbindungsmodell zwischen EKD, VELKD und UEK
  • Bitte um Information zur friedensethischen Diskussion und Projekte zur Friedensethik
  • Dauerhafte kostenlose Bereitstellung einer kostenlosen Bibel-App
  • Berichterstattung über den Prozess „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“
  • Unverständnis über die Abschaffung der Frauenordination in Lettland
  • Richterwahl Verfassungsgerichtshof der EKD
  • Änderung Geschäftsordnung EKD-Synode
  • Änderungen dienstrechtlicher Regelungen im Kirchengesetz

Siehe auch:

Wenn Gemeinden unter Leitern leiden

Warum ist in manchen Gemeinden die Atmosphäre so eng und gesetzlich, dass es einem fast die Kehle zuschnürt, während man anderswo eine erfrischende Weite und die herrliche Freiheit der Kinder Gottes atmen kann?

Liegt es an der theologischen Ausrichtung? Sind Konservative eng und gesetzlich, Liberale hingegen weitherzig und großzügig, so wie manche meinen? Nein. Enge und Gesetzlichkeit habe ich bei Liberalen genauso wie bei Konservativen erlebt. Fakt ist: Die Atmosphäre einer Gemeinschaft wird immer stark von der Persönlichkeit ihrer Leiter geprägt und von der Frage: Leiten die Leiter so, wie Jesus es vorgelebt hat?

Leitung im Sinne Jesu bedeutet: Anderen dienen und sich für sie aufopfern statt von Anderen Dienst und Aufopferung für die eigenen Ziele zu verlangen. Sie arbeitet niemals mit Druck, Amtsmacht oder Manipulation sondern sie nimmt Einfluss durch Vorbild und durch gute, christuszentrierte Lehre, die die Menschen primär an Christus bindet statt an menschliche Leiter, an Projekte oder Institutionen.

Gute Leiter erkennen ihre wichtigste Aufgabe darin, in den Menschen eine authentische Liebe zu Jesus zu wecken, denn sie wissen: Wenn Menschen Jesus lieben, werden sie von sich aus gerne nach Gottes Geboten leben und gerne in der Gemeinde mitarbeiten, auch ohne Druck und Manipulation. Aber wenn in einer Gemeinde die Liebe zu Jesus versickert gerät sie in eine Zwickmühle: Geben sich die Leiter liberal werden die Leute kaum noch mitarbeiten und ihren Lebensstil nicht mehr an der Bibel orientieren. Fangen die Leiter an, die Menschen durch Druck zu einem biblischen Lebensstil und zur Mitarbeit in der Gemeinde zu drängen, wird die Atmosphäre eng und unfrei. So oder so geht die Gemeinde an der fehlenden Jesusliebe zugrunde.

Es gibt einen Test, durch den wohl jeder Leiter gehen muss und der die Art und Qualität unseres Leitungsstils ziemlich gnadenlos offenlegt:

Stell Dir vor, Du hast Dir ein Projekt vorgenommen und Andere aufgefordert, sich zu beteiligen und mitzumachen – aber Du bekommst wenig oder gar keine Resonanz. Die Leute bleiben passiv. Was tust Du? Erhöhst Du den Druck? Beklagst Du Dich über Deine Leute? Machst Du ihnen ein schlechtes Gewissen, um sie doch noch zum Mitmachen zu manipulieren?

Oder stellst Du Dir stattdessen ganz einfach die Frage: War dieses Projekt jetzt wirklich dran? War es vielleicht doch nur meine Idee? Habe ich vielleicht die falschen Prioritäten gesetzt oder zu viel von den Menschen erwartet?

Wir sollten nie vergessen: Wenn Gott ein Projekt wirklich möchte, dann hat er die Herzen vorbereitet. Dann gibt er Leitern die Gabe, eine Vision zu wecken und den Menschen die Augen zu öffnen für Gottes Pläne, damit sie primär IHM folgen, wenn sie bei dem Projekt mitmachen, und nicht in erster Linie den Leitern! Das ist ein feiner, aber ganz entscheidender Unterschied, auf den wir achten müssen! Wenn alles nur mit Druck und Ermahnung läuft ist das ein starker Hinweis darauf, dass Gott wohl nicht mit uns ist in diesem Projekt, auch wenn es uns noch so wichtig zu sein scheint.

Wir haben von Gott eben nur das Mandat, den Menschen das (leichte und sanfte) Joch Christi auf die Schulter zu legen und nicht, sie für unsere eigenen Ziele einzuspannen. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen zu dem einzig wahren Leiter Christus hin zu schieben, damit sie IHM nachfolgen – statt sich zwischen Christus und die Gemeinde zu drängen und Leitergehorsam zu verlangen.

Blogbild Leitung

Und ganz wichtig: Gute Leiter beziehen ihre Identität und ihren Wert nicht von Menschen sondern aus Christus. Deshalb sind sie emotional nicht auf Erfolg und Beifall angewiesen und können entspannt Menschen ziehen und Projekte fallen lassen statt mit Manipulation, Druck und Intrigen ihren Erfolg und Machterhalt zu sichern.

Gemeinde wächst auf Dauer nur, wenn sie gute Hirten hat. Aber seien wir ehrlich: Spätestens wenn wir unter Druck geraten neigen wir alle dazu, in einen falschen, dominierenden Leitungsstil zu verfallen, egal ob wir nur eine Jungschar oder eine ganze Gemeinde leiten. Lasst uns von Jesus lernen und auch dann echte Diener sein, wenn Menschen uns enttäuschen. Geben wir unsere Ambitionen am Kreuz in den Tod. Lassen wir uns neu in Brand setzen mit Gottes Gedanken, Gefühlen und Plänen, damit wir authentisch auch andere dafür anzünden können. Seien wir selbst leidenschaftliche Nachfolger und Jesusliebhaber. Dann wächst in uns eine natürliche Autorität, die durch die Frucht, die aus unserem Leben und Wirken wächst, noch untermauert wird. Dann brauchen wir niemanden bedrängen oder manipulieren. Dann werden sich die Menschen gerne und freiwillig mit uns auf den Weg Christi und an die Arbeit im Reich-Gottes-Bau machen. Wohl der Gemeinde, die solche hingegebenen Leiter hat!

“Lasst euch niemals `Rabbi´ nennen. Ihr habt nur einen Meister, und ihr alle seid gleich, wie Brüder und Schwestern. Und bezeichnet niemanden hier auf der Erde als `Vater´, denn nur Gott im Himmel ist euer geistlicher Vater.  Lasst euch auch nicht `Lehrer´ nennen, denn es gibt nur einen Lehrer, und das ist der Christus. Der Größte unter euch muss den anderen dienen. Diejenigen jedoch, die sich über die anderen stellen, werden gedemütigt werden, und die, die demütig sind, werden erhöht.” (Matthäus 23, 8-12)
asdf
P.S.: Dieser Artikel wurde nicht geschrieben, um Leiter bloßzustellen! Statt Leiter anzuklagen bete doch lieber für sie und segne sie. Sei ein guter Mitarbeiter, auch wenn Deine Leiter manchmal versagen. Überlege, wo Du selbst Leitungsverantwortung übernehmen kannst, damit Du die Herausforderungen und Versuchungen eines Leiters selber kennen lernst. Nur dann kannst Du auch anderen Leitern helfen, auf einen guten Weg zu finden.

P.P.S.: In diesem Text sind viele wichtige Bibelstellen zum Thema Leiterschaft verlinkt. Wie wäre es, die Bibelstellen mal nachzulesen, um von Jesus zu lernen, wie man leitet?

Siehe auch:

Nutzlose Anbetung?

Menschen sind Anbeter. Gott hat in unseren Herzen ein tiefes Bedürfnis angelegt, ihn anzubeten. Tun wir das nicht nehmen zwangsläufig Götzen Gottes Platz in unseren Herzen ein. Das können Dinge wie Reichtum, Macht oder Ansehen sein bzw. alles, was uns dazu verhilft. Oder auch Menschen, Gruppen oder Ideologien, die wir vergöttern.

Besonders schlimm ist, wenn die Kirche nicht anbetet. Dann verliert sie ihre Mitte. Dann tritt Tradition und Institution an die Stelle der Liebe zu Jesus. Dann wird Glaube gesetzlich, rechthaberisch und förmlich. Dann wird Kirche geistlos, lieblos und konfliktgeladen. Dann trocknet Kirche aus und schrumpft sich zu Tode.

Man sollte meinen, die Kirche wäre gegen diese Gefahr gefeit. Schließlich sind alle Gottesdienste – egal ob modern oder traditionell – voller Anbetung. In allen Konfessionen und Traditionen leiten neue und alte Lieder, Liturgien und Gebete die Menschen an, Gott anzubeten.

Die große Frage ist: Warum erleben wir trotzdem so wenig Liebe und Leidenschaft für Jesus in der Kirche? Warum sind all die oben genannten Symptome fehlender Anbetung so offensichtlich vorhanden, wenn Anbetung doch so weit verbreitet ist?

Jesus gibt eine klare Antwort darauf: Anbetung ist kein Selbstläufer! Anbetung kann tatsächlich nutzlos sein:

„Diese Menschen ehren mich mit ihren Worten, aber nicht mit ihrem Herzen. Ihre Anbetung ist nutzlos, denn sie ersetzen die Gebote Gottes durch ihre eigenen Lehren.“ (Matthäus 15, 8+9)

Blogbild Nutzlose Anbetung

2 Fehlentwicklungen nennt Jesus hier, die die segensreichen Auswirkungen von Anbetung blockieren:

Wenn die Anbetung nicht von Herzen kommt

Landauf landab streiten sich Christen, ob neue Lobpreislieder gegenüber den alten Chorälen ein Fortschritt oder ein Rückschritt sind. Jesus macht deutlich: Wir streiten um die völlig falsche Frage! Die richtige Frage ist: Singen wir von Herzen? Singen wir authentisch? Solange wir beim Liedersingen nicht von Herzen meinen, was wir singen, ist das keine Anbetung – egal ob es sich um einen tiefsinnigen Choral oder einen hippen neuen Worshipsong handelt.

In Jesaja 29, 13 klagt Gott: „Dieses Volk sucht meine Nähe nur mit dem Mund und ehrt mich nur mit Lippenbekenntnissen. In seinem Herzen aber hält es einen weiten Abstand von mir. Seine Furcht vor mir erschöpft sich in auswendig gelernten Sprüchen.“

Gott sieht das Herz an, nicht unsere Formen. Die große Herausforderung für Gottesdienst- und Lobpreisleiter ist es, Lieder so auszuwählen und das Singen so anzuleiten, dass die Oberflächlichkeit durchbrochen wird. Ob wir mit neuen oder alten Liedern anbeten ist letztlich egal. Wichtig ist, dass wir dabei von Herzen auf Gott schauen und ehrlich das meinen, was in den Liedtexten steht!

Wenn der Anbetung die Ehrfurcht vor Gottes Worten fehlt

Es reicht nicht, sich in emotionale Worshipevents zu stürzen. Anbetung muss Hand in Hand gehen mit einer Liebe und Ehrfurcht für Gottes Wort. Denn echte Liebe zu Gott führt immer auch zu einer demütigen, hörenden Herzenshaltung seinem Wort gegenüber: „Wer meine Gebote kennt und sie befolgt, der liebt mich.“ (Johannes 14, 21)

Anders als wir empfindet Gott unseren Lobpreis nicht dann als Lärm, wenn die Lobpreiser zu laut sind oder die Töne nicht treffen. Was Gott wirklich nervt ist, wenn die Lebensführung der Lobpreiser nicht Gottes Geboten und Gerechtigkeit entspricht (Amos 5, 23+24)!

Deshalb müssen wir in unseren Gemeinden immer beides fördern: Eine authentische Kultur der Herzens-Anbetung. Und Liebe und Ehrfurcht für die Bibel. Wenn wir das tun wird unsere Anbetung ihre ganze segensreiche Kraft entfalten für unser eigenes Leben, unsere Familien, unsere Gemeinden und unsere Gesellschaft. Denn wo Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet wird breitet sich sein Friedensreich aus. Der Vater sucht Menschen, die ihn so anbeten (Johannes 4, 23). Wirst Du einer davon sein?

Siehe auch:

Preach it!

Egal ob man es nun Andacht, Impuls, Message oder sonstwie nennt: Gepredigt wird nicht nur in Gottesdiensten sondern auch in Hauskreisen, Jungscharen, Jugendkreisen, Seniorentreffs… – halt überall, wo Christen zusammenkommen. Aber was macht eine gute Predigt aus? Über diese Frage kann man bücherfüllend diskutieren. Am Ende scheinen mir die folgenden 3 Punkte entscheidend zu sein:

1. Predige die Bibel

Deine persönlichen Weisheiten, Einsichten und Geschichtchen mögen ja ganz nett sein. Aber wirklich relevant ist letztlich nur, was Gott zu sagen hat! Deshalb muss in Deiner Predigt von Anfang bis Ende deutlich werden: Was hier gesagt wird ist die Botschaft der Bibel! Predige deshalb immer auf der Basis von biblischen Texten und Aussagen. Sonst kochst Du eine dünne Suppe, für die sich zurecht niemand wirklich interessiert.

2. Predige eine Botschaft

Hört sich trivial an, ist es aber nicht. Zu viele Predigten sind theologische Ausarbeitungen mit mehr oder weniger interessanten Informationen aber ohne eine Botschaft, die Konsequenzen für die Zuhörer hat. Deshalb stell dir vor der Predigt die Frage: Welche dringende Botschaft müssen diese Menschen jetzt unbedingt hören? Welche Veränderung will ich ganz praktisch mit meiner Predigt auslösen? Wenn Du keine Botschaft hast wird Deine Predigt bestenfalls schön und interessant – aber letztlich doch frucht- und folgenlos.

3. Predige mit dem Feuer des Heiligen Geistes

Das hört sich vielleicht pathetisch an, aber es stimmt wirklich: Wenn Dein Glaube lau ist, ist auch Deine Botschaft lau. Dann hilft auch keine noch so perfekte Rethorik oder Theologie. Wenn Du in Menschen ein Feuer anzünden willst muss ein Feuer in Dir brennen! Das heißt nicht unbedingt, dass Du laut und emotional werden musst. Aber in jedem Fall muss eine authentische Leidenschaft, Vollmacht und Dringlichkeit spürbar sein, die nur der Heilige Geist in uns wecken kann.

Die entscheidende Basis für eine gute Predigt liegt deshalb in einer engen Verbindung mit Gott und seinem Wort. Lies die Bibel und mach Dich mit ihr vertraut. Sei in engem Kontakt mit dem Autor der Bibel. Und bete darum, immer wieder neu erfüllt zu sein mit dem Heiligen Geist. Lass Dich von Gott berufen, ein Botschafter des Königs zu sein.

Blogbild PreachIt

Eins noch: Es gibt Situationen, in denen Menschen vom Geist geleitet spontan vollmächtig predigen. Aber das sind Ausnahmen. Im Allgemeinen gilt: Eine gute Predigt braucht eine gute Vorbereitung. Vergeude nicht die Zeit Deiner Mitmenschen mit halbgaren, wenig durchdachten Ideen. Prüfe genau, welche Botschaft wirklich zentral ist und arbeite sie heraus. Bedenke, dass Zuhörer am Ende oft nur 1-2 Gedanken wirklich mitnehmen. Schlage lieber wenige Nägel ganz tief ein statt viele Nägel oberflächlich anzutippen.

Persönlich mache ich es oft so, dass ich eine Predigt wörtlich aufschreibe und sie dann für mich alleine „trocken predige“. Dadurch finde ich heraus, wo die Predigt noch nicht „fließt“, wo es hakelige Gedankensprünge gibt und wo ich die Botschaft selbst noch nicht wirklich verinnerlicht habe. Am Ende habe ich mein Skript zwar vor mir liegen, aber ich brauche es eigentlich nicht mehr, weil mir die Botschaft so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass ich frei predigen kann. Dadurch kann ich leidenschaftlicher und authentischer sprechen und besser mit den Zuhörern kommunizieren. Zentrale Aussagen und Bibeltexte lasse ich meine Zuhörer mitlesen, so dass die Botschaft nicht nur über die Ohren sondern auch über die Augen aufgenommen werden kann.

So musst Du das nicht machen. Finde Deinen eigenen Stil. Aber sei Dir Deiner hohen Verantwortung bewusst. Gott kann es nicht ausstehen, wenn wir Unfug verbreiten, der nicht seinem Wort entspricht. Deshalb tu mir einen Gefallen: Predige mit dem Feuer des Heiligen Geistes eine durch und durch biblische Botschaft. Tu es! Die Welt wartet darauf!

Siehe auch:

Die 4 G-heimnisse des Gemeindewachstums

Meine Kirche leidet unter einem dramatischen Mitgliederverlust: 2014 hat sie 1,8 % (= 416.000!) ihrer Mitglieder verloren. Das ist ein Anstieg um über 50 % im Vergleich zu 2012. Rein rechnerisch hieße das: In 55 Jahren ist’s vorbei mit der EKD. Die Frage ist: Wird die evangelische Kirche diesen Trend in absehbarer Zeit wieder umkehren können?

Ich glaube nicht. Die Postmoderne macht ja nur sichtbar, was lange verdrängt wurde: Kirche im Sinne der Nachfolger Jesu war noch nie Volkskirche sondern schon immer eine Minderheit. Ich sehe weit und breit kein Rezept, wie man Kirchenmitglieder, die mit Jesusnachfolge nichts am Hut haben, auf Dauer in der Kirche halten könnte.

Wir müssen die Frage deshalb anders stellen: Wie kann die Schar der Jesusnachfolger wachsen, auch wenn die Mitgliederdatenbanken kleiner werden? Die Urgemeinde hatte da offenbar den Bogen raus! Sie hatte kein Geld, keine Gebäude, keine Hauptamtlichen, keine Gemeindewachstumskonzepte und sie litt unter massiver Verfolgung. Und trotzdem ist sie extrem gewachsen! Wie hat sie das nur hingekriegt? Die Antwort liegt auf der Hand:

4G Blogbild

Die simplen 4 G-heimnisse des Gemeindewachstums

1 Gottes Wort

BibelFür die ersten Gemeindeleiter hatte die Verkündigung von Gottes Wort oberste Priorität. Als die Orga-Aufgaben immer größer wurden setzten sie schnell Diakone ein, damit ihnen weiter genügend Zeit fürs Predigen bleibt. Auch heute gilt: Ohne klare Verdündigung von Gottes Wort kann Kirche nicht wachsen.

Die Kirche kann allerdings nur dann Gottes Wort verkünden, wenn sie überzeugt ist, dass die Bibel Gottes Wort ist. Denn sie hat ja sonst keine Informationsquelle über Gott und seine Worte! Wer die Bibel ganz oder teilweise zum Menschenwort erklärt entzieht der Kirche ihr einziges Fundament.

Immer wieder höre ich: Ich glaube an Jesus, nicht an die Bibel. Was für ein schräger Gegensatz! Denn Jesus IST das fleischgewordene Wort Gottes. Außer den Berichten der Bibel wissen wir nichts über ihn. Wer die Bibel verwässert, verwässert auch Jesus und produziert eine dünne, belanglose Kirchenbrühe, für die sich kein Mensch interessiert. Überwinden wir doch endlich diesen seltsamen Fundamentalismusreflex, der das Ernstnehmen der Bibel mit Gesetzlichkeit verwechselt. Alle Anstrengungen zur Rettung der Kirche in Ehren. Aber ohne eine Verkündigung, die auf einer Ehrfurcht und Liebe für Gottes Wort basiert, wird das auf Dauer leider nix.

2 Gebet

GebetFür die ersten Gemeindeleiter besaß auch Gebet höchste Priorität. Sie schoben alles beiseite, um dafür genügend Zeit zu haben. Und bis heute gilt: Solange Gebetsabende die am schlechtesten besuchten Gemeindeveranstaltungen sind bleibt jeder Aufbruch ein Sturm im Wasserglas. Die entscheidenden Schlachten werden am Ende eben doch im Gebet geschlagen. All die Anstrengungen zur Rettung der Kirche in Ehren. Aber ohne eine leidenschaftliche Kultur des Gebets und der Anbetung wird das auf Dauer leider nix.

3 Gemeinschaft

HändeDie Christen der Urgemeinde trafen sich täglich, um gemeinsam zu essen und anzubeten. Ihre Liebe zueinander war ihr Markenzeichen, das ihnen so viel Gunst und Zulauf brachte. Jesus hat dieses Prinzip bestätigt: Die Welt erkennt Gott an der Liebe der Christen zueinander! Solange Christen sich ignorieren oder streiten bleiben unsere evangelistischen Bemühungen Rohrkrepierer. All die Anstrengungen zur Rettung der Kirche in Ehren. Aber ohne eine von gelebten Herzensbeziehungen getragene Einheit wird das auf Dauer leider nix.

4 Heiliger Geist

Taube Heiliger GeistDie ersten Christen waren geprägt vom Erlebnis, dass der Heilige Geist alles ändert. Gemeinschaft und Gebet hatten sie ja schon länger. Aber erst Pfingsten löste diese unvergleichliche Wachstumsdynamik aus. Auch heute ist Gemeindewachstum niemals nur mit Managementmethoden und klugen Predigten zu schaffen. All die Anstrengungen zur Rettung der Kirche in Ehren. Aber solange der Heilige Geist nur eine theoretisch/theologische Größe ist wird das auf Dauer leider nix.

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Ich liebe ja gute Gemeindewachstumskonzepte wie z.B. Promiseland von Willow-Creek, das wir in unserer Gemeinde sehr erfolgreich in der Kinderarbeit anwenden. Ich engagiere mich auch gerne für eine gute Gottesdienstgestaltung, gute Gebäude, effiziente Mitarbeitergewinnung, gute Technik usw. Aber ich habe eben auch erlebt: Alle diese Dinge sind Add-Ons! Sie fruchten nur, wenn die 4 G’s des Gemeindewachstums gelebt werden.

In christlichen Gremien habe ich beobachtet, dass über die 4 G‘s schon immer mal wieder gesprochen wird, vorzugsweise in Andachten zum Sitzungsbeginn. Dann nicken alle still – um sich danach den wirklich harten Themen zuzuwenden: Veranstaltungen organisieren, Mitarbeitersituation, Zustand der Gebäude, Finanzen usw. All die viele wichtige Arbeit, die in diesen Gremien geleistet wird, in höchsten Ehren. Ich wünsche mir, dass diese Arbeit fruchtet. Aber dafür brauchen wir einen Mentalitätswechsel. Wir brauchen eine Sicht dafür, dass die wirklich harten, entscheidenden Themen, um die wir uns in erster Linie kümmern müssen, diese 4 G-heimnisse des Gemeindewachstums sind. Unsere Tagesordnungen und Leitungsstrukturen sollten dominiert sein von diesen Fragen: Wie bringen wir Gottes Wort zu den Menschen? Wie entwickeln wir eine leidenschaftliche Gebetskultur? Wie wachsen lebendige Herzensbeziehungen?

Die Austrittswelle rollt. Menschen gehen verloren. Wir brauchen den Turnaround. Jetzt. Also ehren und verkündigen wir Gottes Wort. Beten wir. Kämpfen wir um Herzenseinheit unter allen, die Jesus lieben. Und rechnen wir in allem mit der Kraft des Heiligen Geistes. DAS muss unsere Hauptagenda sein. Wenn wir uns darauf bis zum Reformationsjubiläum 2017 einigen könnten wäre auch mir nach Feiern zumute.

Siehe auch:

Reformation jetzt!

Ich liebe meine Kirche! Ich liebe die Nägel, die die Reformatoren in die Tür der Kirche Jesu geschlagen haben: Allein die Schrift! Allein durch den Glauben! Allein durch Gnade! Christus allein! Alle Gläubigen sind Priester! Das unterschreibe ich zu 100 %.

Aber immer wieder leide ich an meiner Kirche! Wenn ich sehe, wie sie ihr Erbe verspielt, wie sie den Missionsbefehl leugnet, wie sie leugnet, dass die Bibel Gottes Wort ist, wie sie es für egal hält, ob das Grab leer war oder nicht, wie sie sogar das Glaubensbekenntnis für irrelevant hält – dann könnte ich heulen. Überall auf der Welt riskieren Christen ihr Leben für das Evangelium. Und wir, die wir alle Freiheit haben, vernebeln es? Was müssen die verfolgten Christen und die „Wolke der Zeugen“ nur über uns denken???

Wäre es da nicht Zeit, mutig aufzustehen und den Mund aufzumachen, so wie Luther es einst todesmutig tat? Oder ist es unchristlich, mit Widerspruch Unfrieden zu stiften? Schließlich wollen wir doch alle keinen Streit unter Christen, oder?Luther

Jesus war da irgendwie anders. Er hat die Sünder geliebt. Aber er konnte fürchterlich sauer werden, wenn der Ort des Gebets und der Anbetung, also die Kirche, verhunzt wird. Paulus hat sogar alle verflucht, die das Evangelium abwandeln, um nirgends anzuecken. Warum war er so radikal? Aus Liebe! Aus Sorge um die Menschen, die ohne eine lebendige, auf der Wahrheit gegründete Kirche das Rettungsboot des Evangeliums verpassen. Das hat nichts mit liebloser Rechthaberei zu tun. Es ist nicht lieblos, auf der untergehenden Titanic die nette Geselligkeit mit Alarmrufen zu stören!

Manche treten jetzt aus der Kirche aus, weil sie die Irrungen der Kirchenleitung nicht mehr verstehen oder ertragen. Schade. Ich würde mich freuen, wenn gerade die, denen das kirchliche Fundament von Bibel und Bekenntnis wichtig ist, aufstehen statt austreten. Damit das Schiff, das sich Gemeinde nennt, aus dem Strudel der Ver(w)irrung findet und seine Segel wieder hisst im Wind des Heiligen Geistes.

Lasst uns das Reformationsfest und das anstehende Reformationsjubiläum nicht rückblickend feiern. Kümmern wir uns um das Feuer, nicht um die Asche. Das letzte, was wir angesichts einer rapide schrumpfenden Kirche und verlorengehender Menschen brauchen ist eine rückwärtsgewandte Geschichtsbesinnlichkeit.

Es ist Zeit für eine neue Reformation. Schlagen wir es heute an die Türen unserer Kirchen und theologischen Lehrstühle:

  • Sola Scriptura! Allein die Schrift! Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Sie ist die Wahrheit, die uns frei macht.
  • Solus Christus! Christus allein! In keinem anderen Namen ist das Heil zu finden! Deshalb bringen wir diesen Namen zu allen Menschen!
  • Sola fide! Allein aus Glauben! Es reicht nicht, gut oder religiös zu leben. Allein der Glaube an Jesus rettet!
  • Sola gratia! Allein aus Gnade! Nur Jesu Blut macht uns Sünder unverdient gerecht und öffnet uns den Zugang zu Gott und zum ewigen Leben!

Ecclesia semper reformanda: Die Kirche muss immer wieder reformiert werden! Wir brauchen Reformation jetzt! Es ist Zeit, das alte Kampflied wieder anzustimmen:

O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher Getreuer den Herrn bekennen kann.

O du, den unser größter Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliff’nen Waffen der ersten Christenheit.

Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben das Evangelium.

Du Heil’ger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Zeit zum Aufstehen” ist eine Initiative von Christen, die sich nach einer Erneuerung der Kirche sehnen. Bislang haben etwa 20.000 Christen haben unterzeichnet. Es wäre schön, wenn es noch deutlich mehr werden…

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